Sonntag, 30. März 2014

Hängelampe pendelt wegen Beben in Obwalden

Unter dem Abschnitt März erwähnt Walter Zollinger in seiner Jahreschronik 1964 noch ein weiteres Naturgeschehen:

«Zu erwähnen ist auch noch, dass in der Nacht v. 13./14. März um 03.40 Uhr zwei deutliche Erdbebenstösse zu verspüren waren. Die Hängelampe pendelte noch eine zeitlang in S-N-Richtung. Die Zeitungen berichten anderntags von einem ziemlich heftigen Beben im Obwaldnerland.»

In der Datenbank ECOS-09 des Schweizerischen Erdbebendienstes an der ETH Zürich (seismo.ethz.ch) findet man dieses Beben zu genau der angegebenen Zeit (vgl. Link; 03:39 MEZ = 02:39 UTC):

«Details zu Beben 1964/03/14 02:39:00.0 UTC
Epizentrum: Sarnen
Datum und Zeit: 1964/03/14 02:39:00.0 UTC
Bebentyp: Erdbeben
Quellagentur SED (ECOS-09)
Status: certain
Herdtiefe (HT): 5. km
[...]
Momentenmagnitude (Mw): Magnitude: 5.3
»

Lokalbeben in Eglisau

Seit dem Jahre 1800 gab es übrigens 9 Erdbeben mit Epizentrum in unmittelbarer Nachbarschaft zu Weiach, nämlich in Eglisau (vgl. TA Online, 13.2.2012 mit Karte), ein Phänomen, das schon der am Ende des Ancien Régime bis 1799 zu Eglisau residierende zürcherische Landvogt Salomon Gessner kannte: «In Eglisau soll es mehrmals im Jahr leichte Erdstösse geben – angeblich wurden sie vom früheren Landvogt Salomon Landolt erfunden, um unliebsame Besucher rascher loszuwerden.» (vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr.14). Einen wahren Kern hatten diese relativ häufigen Beben also. Nur konnte natürlich auch Landolt sie nicht exakt voraussagen, wiewohl er dies gegenüber Besuchern, die seine Zeit stahlen, gern behauptete.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 - S. 4. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964].

Samstag, 29. März 2014

Märzwetter 1964: Donnerrollen ins leere Holz

So wie am vergangenen Wochenende auch dieses Jahr der Winter noch einmal zurückkehrte, so hatte man auch vor 50 Jahren winterliche Tage im März. Allerdings doch etliche mehr, wie Walter Zollinger in seiner Jahreschronik 1964 berichtet:

«März: Er bringt "endlich" noch etwas winterliche Stimmung, jetzt, wo man lieber darauf verzichtet hätte! An 3 Vormittagen und 6mal des nachts fällt Schnee, nie viel zwar, aber doch so, dass Wiesen, Gärten und Hausdächer davon belegt sind. Auch regnerische Tage (6) oder Halbtage (5) und 2mal des nachts gab es. Sehr viel war dadurch der Himmel natürlich bedeckt (8mal ganztägig und ebensooft halbtägig). Nebel verzeichnete ich an wiederum 8 Vormittagen. Nur 6mal durften wir uns der Sonne erfreuen und davon nur 1mal schon vom Morgen an. Bewölkt bis leicht-leicht-sonnig waren 11 Halbtage oder sogar erst gegen Abend. Siebenmal besuchte uns noch der kalte Oberwind, einmal lag Reif. Erst gegen Ende Monat drang dann der Föhn durch. Am 21. und am 23. je mitte des Nachmittag hörte man sogar Donnerrollen nach vorangegangenen kurzen Blitzen. Da dachte man unwillkürlich an die alte Bauernregel: "Donnert es in leere Holz, so schneits dann ins volle."

Höchsttemperaturen  morgens +6°, mittags +14°, abends +9°
Tiefsttemperaturen  morgens -5°, mittags -1°, abends -5°.
»

Neben diesem Frühjahrsdonner berichtet Zollinger gleich unter diesen Zeilen noch von einem anderen ungewöhnlichen Naturphänomen. Doch davon morgen mehr.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 - S. 3-4. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964].

Freitag, 28. März 2014

Der Gemeinderat bleibt die letzte Männerbastion

Man konnte es den Zeitungen entnehmen (u.a. Zürcher Unterländer vom Samstag 22. März) und sieht es nun auch in den Mitteilungen (MGW, März 2014, S. 4), wo das Kandidatenverzeichnis der Wählerversammlung zu den Gemeindewahlen 2014 abgedruckt ist: Der Kapitän geht von Bord. Die vier übrigen Gemeinderäte haben sich entschieden, für eine weitere Amtsperiode zu kandidieren.

Nach nur einer Amtsperiode als Gemeindepräsident steigt Paul Willi definitiv aus der aktiven Politik aus. Die Belastungskombination aus Beruf und Amt ist eben nicht zu unterschätzen, besonders wenn man als Manager beim üblichen Rhythmus des  heutigen internationalen Geschäftslebens mithalten muss.

Kandidatenreichtum - wenigstens für den Gemeinderat

Das Wahljahr 2014 wird zum «kandidatenreichsten» (Zitat Zürcher Unterländer) seit langem. Nicht weniger als sieben Personen bewerben sich für die fünf Gemeinderatssitze. Drei dieser Kandidaten wollen Gemeindepräsident werden, darunter der bisherige Gemeinderat Thomas Steinmann:


Zum Kandidatenfeld gibt es zwei Bemerkungen:
  1. Zwei der sieben Kandidaten sind aktive oder ehemalige Berufskader der Schweizer Armee.
  2. Es fällt auf, dass sich nur Männer haben aufstellen lassen.
Es ist schön, dass der Bund als Arbeitgeber das Milizprinzip noch hochhält und die Bekleidung von öffentlichen Ämtern positiv bewertet (und dafür auch bezahlten Urlaub gibt). Das ist bei privaten Arbeitgebern längst nicht mehr überall der Fall.

Weniger schön ist der mutmassliche Hintergrund für das gänzliche Fehlen von Frauen. Die haben möglicherweise ganz einfach keine Lust mehr. Was angesichts der Vorgänge nach den letzten Wahlen nicht wirklich verwundert. Da sah sich die eigentlich rechtsgültig frisch gewählte Elsbeth Ziörjen genötigt, umgehend zurückzutreten (vgl. WeiachBlog vom 7. Februar 2010). Im zweiten Wahlgang gewann dann Paul Willi den freiwerdenden Gemeinderatssitz und wurde auch als Gemeindepräsident gewählt.

Weiterführende Beiträge auf WeiachBlog

Donnerstag, 27. März 2014

Über Sinn und Zweck kommunaler Jahreschroniken

Eine der Hauptquellen dieses Blogs sind die Aufzeichnungen Walter Zollingers in seinen Jahreschroniken. Sämtliche Jahrgänge von 1952 bis 1967 sind im Besitz der Zentralbibliothek Zürich (für nähere Informationen betreffend Zugang sowie die Ursprünge der Gemeindechronik-Bewegung im Kanton Zürich siehe den WeiachBlog-Beitrag Nr. 761 vom 2. Februar 2010: Die Zollingerschen Jahreschroniken in der ZB).

Für uns Heutige mag nicht jedes Detail von Belang sein, das Zollinger damals für berichtenswert hielt und daher zuerst in seinen Notizheften aufzeichnete und dann in den Jahreschroniken verarbeitete. In der Gesamtschau aber und in einzelnen Informationen ergibt sich durchaus ein lebendiges Bild des damaligen Zustands der Gemeinde Weiach - aus der Sicht eines dort Lebenden und aktiv Tätigen.

Zollinger selber dürfte sich beim Schreiben oft etwas einsam gefühlt haben. Warum, erklärt das im September 1965 verfasste «Schlusswort» zur Chronik des Jahres 1964. Es ist eine Reflexion über Grundsätzliches geworden: den Sinn und Zweck des Verfassens solcher Arbeiten.

«In der vorliegenden Chronik 1964 zeigt sich wiederum, dass auch in einer kleinen Gemeinde, wie dies mein Weiach ist, doch jahrein-jahraus "etwas läuft". Die Gemeinde ist eben ein "lebendiges Wesen", das von Wetter und Wirtschaft, von Handel und Politik, vom Verkehr und Vereinsleben, sowie von mancherlei kulturellen Strömungen seinen Stempel aufgedrückt bekommt. Frohes und Trübes, ereignisreiche Zeiten und ruhigere Tage wechseln in stetem Rhythmus miteinander ab. Diese verschiedenen Stimmungen in meinem nähern Umkreis festzuhalten, gelegentlich zu kommentieren oder gar zu glossieren, war auch diesmal mein bescheidenes Bestreben. Wie weit es mir in den bisherigen Chroniken gelungen ist, entscheide später einmal der aufmerksame Leser.

Eines bedaure ich: dass nicht in zah[l]reicheren Gemeinden des zürcherischen Unterlandes sich Bearbeiter von Jahreschroniken finden, mit denen man etwa einen Gedankenaustausch pflegen könnte. Vielleicht wäre darum wieder einmal ein neuer Stupf seitens der Zentralbibliothek oder der Antiquarischen Gesellschaft vonnöten, um (wie dies bei mir anno 1951 geschah) da und dort einen Neuen aus dem Busch zu klopfen und zur Chronikarbeit anzuregen. Oder sind etwa diese "jährlichen Chroniken" (nicht die Ortsgeschichten) doch mehr oder weniger überflüssig geworden? Dann allerdings... Die Initianten und Förderer derselben, ein Prof. E. Egli, ein Dr. E. Stauber, ein P. D. P. Kläui u.a., waren bestimmt anderer Meinung. Eventuell vermöchte auch eine Zusammenfassung, wie sie Dr. Stauber von Zeit zu Zeit, letztmals für die Vorkriegsjahre 1937/39, verfasste, zu einer Neubelebung der Chronistentätigkeit etwas beizutragen?»

Wie die Bestandesentwicklung für G-Ch Weiach in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich zeigt, hat sich für Zollinger kein Nachfolger finden lassen, der die Weiacher Jahreschroniken über das Jahr 1967 hinaus weitergeführt hätte. Wie auch? Zollinger verfasste sie ja sozusagen im Verborgenen. Denn zu lesen waren sie durch die Bestimmung, dass erst nach 25 Jahren Einblick gewährt wird, sozusagen erst für die Nachwelt.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 – S. 27. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964]. 

Dienstag, 25. März 2014

In gut zwei Wochen zwei über 100-Jährige verloren

Noch Anfang Jahr lebten in Weiach (mittlerweile mit dauerhaft über 1000 Einwohnern) noch drei über 100-Jährige. Ihre Geburtstage wurden - wie jedes Jahr - in der Januar-Ausgabe der Mitteilungen für die Gemeinde Weiach veröffentlicht (MGW Januar 2014, S. 11):

102 Jahre
Hauser Arnold, Oberdorfstrasse 11, 8187 Weiach, 02.12.1912

103 Jahre
Moser-Nepfer Mina, Buhaldenstrasse 6, 8187 Weiach, 12.03.1911
Hugener-Brunner Hedwig, Luppenstrasse 2, 8187 Weiach, 10.12.1911

Zivilstandsnachrichten

Nun musste man leider der März-Ausgabe der Mitteilungen (MGW März 2014, S. 7) entnehmen, dass zwei von ihnen den angekündigten Geburtstag nicht mehr erleben werden:

28. Januar
Hugener geb. Brunner, Hedwig
Aufenthalt im Gesundheitszentrum Dielsdorf
Im 102. Altersjahr

14. Februar
Hauser, Arnold
Obstgartenstrasse 1
Im 101. Altersjahr

Wie WeiachBlog von Hanni Rutschmann, der Nachbarin von Arnold Hauser, erfahren hat, sei
er gar nicht mehr an den neuen Ort umgezogen. Sondern an seinem angestammten Platz an der Oberdorfstrasse von uns gegangen.

In memoriam

Als Erinnerung an die beiden Verstorbenen sei auf die folgenden Beiträge in WeiachBlog verwiesen:

Männer: «Alles wurmstichigi Cheibe!» - 15. April 2006  (Nr. 162)
Letzte Tagung der Gz. Füs. Kp. V/269. - 29. Juni 2007 (Nr. 493)
95. Geburtstag von Noldi Hauser. - 2. Dezember 2007 (Nr. 576)
Vier Methusalems knapp unter 100. - 27. Januar 2010 (Nr. 755)

Freitag, 14. März 2014

Das Jahresprogramm 1964 der Schützengesellschaft

Die Jahreschroniken von Walter Zollinger bestehen nicht nur aus den eigentlichen Typoskripten aus seiner Schreibmaschine. Sondern auch aus den dahinter gehefteten Beilagen. Oft verweist der Autor im Text der Chronik auf eine solche Beilage, so auch im nachstehenden Fall aus derjenigen von 1964, die Schützengesellschaft Weiach betreffend:

«Am 14. März, an der G.V. im Schulhaus, wurde, wie üblich, das vom Vorstand vorgelegte Tätigkeitsprogramm (siehe Anhang) genehmigt. Am meisten zu reden gab natürlich die auf den 25./26. Juli vorgesehene Jubiläumsfeier zum 60jährigen Bestehen der "Schützengesellschaft". Vorher hatten nämlich zwei Schiessvereine bestanden, die sich nun 1914 [sic! recte: 1904] vereinigten

Da ist also bereits von dieser Fusion die Rede - nicht erst in der Monographie über Weiach zur 700-Jahrfeier 1271-1971, die 1972 herausgegeben wurde.

Nachstehend noch das Foto des Jahresprogramms der Schützengesellschaft, wie es im Anhang zu finden ist:


Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 – S. 16. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964].
Weiterführende Artikel
[Veröffentlicht am 26. März 2014]