Dienstag, 31. Mai 2016

Das allzu kurze Leben des Seerenwegs

Im Geografischen Informationssystem des Kantons Zürich findet man immer wieder Neuerungen zur lokalen Toponomastik, das heisst zur Benennung der Landschaft.

Jüngster Strassenname auf Gemeindegebiet ist - von mir erst vor wenigen Tagen gefunden - der «Seerenweg». Bei der letzten Enquête Anfang Januar (vgl. WeiachBlog Nr. 1256) gab es den noch nicht.

Der Seerenweg liegt auf der Parzelle 1202, beginnt gemäss Amtlicher Vermessung bei der ersten Linkskurve der Sackgasse «Im See», verläuft in südwestlicher Richtung und mündet nach rund 100 Metern in die Seerenstrasse, vgl. untenstehenden Ausschnitt aus dem Plan der Amtlichen Vermessung:



Die Seerenstrasse ist den Einheimischen schon länger ein Begriff - und mittlerweile auch eine Wohnadresse vieler Neo-Weiacher. Sie erschliesst die neuen Überbauungen südlich des Gebiets «Dörndlihag». Die Seerenstrasse beginnt an der Kaiserstuhlerstrasse vis-à-vis des ehemaligen Polizeipostens, führt um den Dörndlihag herum (hier stehen die neuen Gebäude Seerenstrasse 2, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 13, 15, 17, 19, 21 und 23) und verläuft danach in schmälerer, noch feldwegartiger Bauweise zum schon länger bestehenden Gebäude Seerenstrasse 61 (ehemals: Im Hasli 110), das gemäss Kantonaler Gebäudeversicherung aus dem Jahre 1921 stammt. Dann überwindet sie die Geländestufe zum Hasli hinauf.

Protest neu zugezogener Anwohner

Zurück zum Seerenweg. Die Gemeinde liess - gemäss Informationen aus gut unterrichteter Quelle - bereits eine Tafel mit dem Namen des neuen Wegs montieren. So weit, so gut.

Nun ergibt sich aber das Problem, dass nach den offiziellen Empfehlungen des Bundes der Hauseingang die Adresse des Gebäudes bestimmt. Im Glossar liest sich die Definition des «Gebäudeeingang» wie folgt: «Stelle des Gebäudes, an der man das Gebäude mit der Vorstellung einer bestimmten Gebäudeadresse betritt». Gedacht wurde dabei an die meist nicht ortskundigen Notfalldienste, die eine Adresse ja möglichst schnell finden sollen (vgl. Abschnitt 1.1 der Empfehlungen).

Wie man auf dem Plan der Amtlichen Vermessung oben sieht, liegt der Hauseingang des Gebäudes Nummer 8 eindeutig am Seerenweg. Trägt aber dennoch die Adresse «Im See 8», was (nach Aussage eines Anwohners) bei Lieferanten und Besuchern regelmässig zu Verwirrungen führe - vor allem weil der Hauseingang eben auf der West- statt der Ostseite des Gebäudes liege.

Folgt man den Empfehlungen der Eidgenössischen Vermessungsdirektion müsste das erst kürzlich im Rahmen der Grossüberbauung auf dem Gelände des ehemaligen Restaurants Bahnhof entstandene Gebäude «Im See 8» nun also bereits wieder eine neue Adresse erhalten, z.B. «Seerenstrasse 1», wenn man den Weg von Norden her beginnen lässt. Das fanden - immer gemäss meiner Quelle - einige Bewohner besagter Liegenschaft überhaupt nicht lustig. Sie protestierten bei der Gemeinde und diese hat nun offenbar die neue Strassentafel bereits wieder abmontieren lassen.

Was für ein Schildbürgerstreich! Aber offensichtlich kann man sich solche Fehlplanungen finanziell immer noch locker leisten.

Eine sinnvolle Beschilderung muss her

Es bleibt zu hoffen, dass sich die Stockwerkeigentümergemeinschaften sowie die Eigentümer der Mietwohnungen bald auf eine verständliche Beschilderung einigen. Zum Beispiel auf eine Übersichtstafel an der Einmündung zur Kaiserstuhlerstrasse - oder zumindest kleine Hinweistafeln, die unmissverständlich zeigen, wo welcher Hauseingang zu finden ist. Sonst gehen bei der Suche nach dem Eingang von Nummer 8 unter Umständen wirklich einmal genau die Sekunden verloren, die über Tod und Leben entscheiden.

Nachtrag vom 9. Juni 2016

Gemeindeschreiber Wunderli hat gegenüber WeiachBlog die offizielle Existenz des Seerenwegs bestätigt. Es gibt gemäss seiner Aussage keine Pläne, die Benennung rückgängig zu machen. Der Name dürfte also auf den Karten erhalten bleiben. Nach dieser Aussage stellt sich nun allerdings die Frage, ob das Schild a) nie montiert war, b) wieder abmontiert wurde oder c) immer noch montiert ist.

Nachtrag vom 2. Juli 2016

Wie ein persönlicher Augenschein am 1. Juli ergeben hat, gibt es am Seerenweg keine Spur einer Strassentafel. Die Variante c) fällt also aus.

Montag, 30. Mai 2016

Maiwetter 1966: ein Monat mit Aprilallüren

Im Gegensatz zum nassen und kalten Mai 2016 liess sich derselbe vor 50 Jahren doch etwas angenehmer an. Aber auch damals war es teils empfindlich kalt, wie man den Aufzeichnungen Zollingers entnehmen kann:

«Mai. Viel versprechend lassen sich die ersten Maientage an, schön und sonnig, auch warm; schon morgens um 10° und mehr. Auch die Apfelbäume beginnen zu blühen. Ab dem 5.5. ändert's dann, schon in der Nacht Regen, tagsüber etwas besser, aber dann vom 5. auf den 6. Mai wiederholt's sich und der ganze 6.5. ist ein unfreundlicher, kühler Geselle. Wir heizten die Wohnstube! Die nächste Zeit, bis zum 10.5. bringt recht wechselvolle Witterung, oft bewölkt oder bedeckt, hie und da ein Schauer, daneben aber wieder niederschlagslose, sogar milde Nachmittage und Abende, Mittagstemperaturen zwischen 12 und 15°C. Zwei sehr schöne Tage sind der 11. und 12. Mai. Die zweite Monatshälfte dann eher wieder durchzogen; immerhin liegen die Mittagstemperaturen ziemlich hoch, zwischen 16 bis 25° & es kann doch vorweg Heu eingebracht werden. Gewitter eigentlich fast nie und es heisst doch:

"Viel Gewitter im Monat Mai,
singt der Bauer Juchhei."

Höchsttemperaturen morgens 15°, mittags 25°, abends 22°
Tiefsttemperaturen morgens 5°, mittags 8°, abends 6°.
»

Nun, dieses Jahr hatten wir die Gewitter am Monatsende. Man wird sehen ob die Landwirte sich freuen können.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1966 – S. 4-5. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1966].
[Veröffentlicht am 1. Juni 2016]

Dienstag, 17. Mai 2016

Zwei unsichtbare Brücken mitten im Dorf

Gemäss der Karte «Strassennetz» auf dem Geografischen Informationssystem (GIS) des Kantons Zürich (maps.zh.ch) unterhält der Kanton auf Gemeindegebiet zwei Kunstbauten.

Diese beiden Objekte wurden in den Jahren 1972 bis 1974 erstellt und sind für den unkundigen Betrachter völlig unsichtbar, da niveaugleich mit dem umliegenden Terrain in die (gebaute) Landschaft integriert.

Wo die beiden Brücken zu finden sind, zeigen die nachstehenden GIS-Einträge (102 ist die Gemeindenummer des Bundesamts für Statistik):

Objektnummer 102-001
Bezeichnung Dorfbach Glatttalerstrasse (AWEL S53)
Kategorie Brücken, Lehnenviadukte, Tagbautunnel, Objekte mit lichter Weite/Höhe > 1.50m
Verantwortlich Kanton (Staatsstrasse)
X-Koordinate 675075
Y-Koordinate 267993

Objektnummer 102-002
Bezeichnung Dorfbach Stadlerstrasse
Kategorie Brücken, Lehnenviadukte, Tagbautunnel, Objekte mit lichter Weite/Höhe > 1.50m
Verantwortlich Kanton (Staatsstrasse)
X-Koordinate 675039
Y-Koordinate 267917


Über das Objekt 102-002 quert die Regionale Verbindungsstrasse nach Stadel (RVS 566) den eingedolten Sagibach. Folgt man dessen unterirdischem Verlauf nach Nordosten, so trifft man nur wenige Meter weiter, nach der Vereinigung mit dem Mülibach, auf die andere unsichtbare Brücke. Mit dem Objekt 102-001 quert die Hauptstrasse Nr. 7 Basel-Winterthur (HVS 7) den Dorfbach auf der Höhe des ehemaligen Weiacher Postbureaus am Bachweg 2.

Notabene: Ortskundigen, die den Eintrag zum Objekt 102-001 genau gelesen haben, ist die schräge Strassenbezeichnung wohl schon aufgefallen. Statt «Glatttalerstrasse» müsste es «Glattfelderstrasse» heissen. Aber vielleicht weiss der Kanton ja mehr und die Gemeinde will die Strasse längst umbenennen. Richtung Glatt führt sie auf jeden Fall. Und das Dorf Glattfelden kommt im Strassenverlauf erst hinter der Glatt.

Quelle