Donnerstag, 1. November 2018

750 Jahre Weiach?

Die Website der Politischen Gemeinde Weiach führt seit kurzem eine neue Rubrik in ihrer horizontalen Zugangsleiste: «750 Jahr Feier» (vgl. Screenshot)


Der Gemeinderat hat also entschieden: 2021 es gibt (wieder einmal) ein grosses Dorffest. Die letzten Feste fanden 2012 aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der Elektrizitätsgenossenschaft Weiach und der ersten Stromlieferung (24. Dezember 1912) sowie 2017 mit dem Kantonalen Schwingfest zur Feier «100 Jahre Turnverein Weiach» statt.

Der Anlass diesmal: «Im Jahr 2021 wird Weiach 750 Jahre alt.» (vgl. den am 31. Oktober publizierten Aufruf an Kandidaten für das Organisationskomitee)

Bei Kaiserstuhl korrekt...

Unser Nachbarstädtchen Kaiserstuhl feierte 2005 sein 750-Jahr-Jubiläum. Nicht ganz zufällig, denn die Gründung der Stadt lässt sich zwar nicht auf den Tag genau bestimmen. Aber doch auf wenige Jahre. Die Gründung muss kurz vor 1255 erfolgt sein. Denn in diesem Jahr wurde Lütold VI. von Regensberg von einem Gericht dazu verpflichtet, das Kloster St. Blasien für zwei Jahre lang zu Unrecht von dessen Häusern bei Kaiserstuhl bezogene Abgaben zu entschädigen. 1254 hatte Freiherr Rudolf von Kaiserstuhl fast seinen gesamten Streubesitz an das Kloster Wettingen verkauft. Der Erlös dürfte sein Einsatz bei der Stadtgründung gewesen sein (vgl. 750 Jahre Nachbarschaft. Aus der gemeinsamen Geschichte von Kaiserstuhl und Weiach, 1255-2005. Weiacher Geschichte(n) Nr. 70. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, September 2005, S. 15-19).

... bei Weiach nicht

Und Weiach? Wurde Weiach tatsächlich um 1271 gegründet? Nein. Diese Dorfgemeinschaft ist mit Sicherheit wesentlich älter. Wie alt, darüber kann man nur spekulieren. Folgt man der herrschenden Lehrmeinung unter Namensforschern, dann leitet sich der Ortsname von einem gallorömischen Personennamen ab. Veius, Vedius oder Veidius soll der Mann geheissen haben, der Weiach seinen Namen gab. Und weil ab spätestens dem Jahre 600 die Alamannen in grösseren Gruppen in unserer Gegend sesshaft wurden, müsste Weiach damals bereits existiert haben und mithin mindestens 1400 Jahre alt sein.

Nur gibt es halt keinen schriftlichen Beleg (mehr), der älter ist als der Eintrag in einem Zinsrodel (d.h. Einnahmenverzeichnis) der Fraumünsterabtei Zürich. Der Eintrag selber - mit der Ortsnamensnennung «in Wiâch» - trägt zwar kein Datum, befindet sich aber zwischen datierten Notizen zu anderen Zinsverpflichtungen, was eine Datierung auf Februar 1271 zulässig macht. Denn es geht darin um den Übergang der Zinsverpflichtung auf eine andere Person, die der Abtei gehörende Grundstücke in Weiach gekauft hatte.

Wenn die Freiherren von Wart nicht in Ungnade gefallen wären

Massgebend waren in Weiach zu dieser Zeit die Freiherren von Wart. Deren Aufzeichnungen zu Weiach - sofern zu dessen Erwerb durch das Geschlecht je schriftliche Urkunden existiert haben - dürften 1308/09 der Rache der Habsburger zum Opfer gefallen sein. Einer der drei Mörder von König Albrecht (einem Habsburger) war nämlich ein von Wart, worauf das ganze Geschlecht in Sippenhaft genommen wurde (vgl. Habsburger-König Albrecht ermordet! Welche Rolle die Freiherren von Wart dabei vor 700 Jahren spielten. Weiacher Geschichte(n) Nr. 102. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Mai 2008, S. 9-14.) Wären die Urkunden derer von Wart überliefert, dann sähe die Sache vielleicht anders aus. Und die 750-Jahr-Feier wäre bereits Geschichte.

So aber ist bereits die älteste erhaltene Erwähnung des Ortsnamens Wiach untrennbar mit Kaiserstuhl verbunden. Denn der neue Eigentümer, der nun der Abtei zinsen musste, war ein in Kaiserstuhl ansässiger Bäckermeister.

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