Freitag, 1. Oktober 2021

Wie die alte Hauptstrasse sich durchs Dorf schlängelte

Die überregionale Hauptstrasse von Kaiserstuhl nach Zürich verlief bis 1845 nicht etwa dort, wo wir heute die RVS 566 zwischen Seebach und der Kantonsgrenze bei Weiach sehen. Nein, diese Strasse hatte teilweise eine völlig andere Streckenführung. 

Stadel und Neerach beispielsweise lagen nicht an der alten Strasse. Denn nach der Ortsdurchfahrt von Raat führte diese alte Verbindung über Windlach am Kreuz vorbei, dort geradeaus weiter (heute ein Feldweg) in einer langgezogenen Kurve bis an den Strassbergwald, am Kernensee vorbei (um den herum die heutige Umfahrungsstrasse eine Kurve zieht) und von dort weiter nach Niederhöri. Bei Oberhöri querte die Strasse die Glatt und wechselte bei Grafschaft wieder auf die linke Flussseite. 

Ab dem Gasthof Löwen im Zentrum von Niederglatt (dem alten Zentrum der Obervogtei Neuamt) ist der Verlauf dann wieder ähnlich oder gar deckungsgleich mit dem heutigen.


Der obige Planausschnitt zeigt die Ortsdurchfahrt Weiach im Zustand von August 1844. Die von Ingenieur Ludwig Pestalozzi vorgeschlagene und später gebaute Stadlerstrasse als projektierte schnurgerade Verbindung ist in rötlicher Farbe dargestellt.

Die fette rote gestrichelte Linie ist der alte Streckenverlauf. Herkommend von Kaiserstuhl verläuft die Verbindung am seit 1830 am heutigen Standort befindlichen Gasthof Sternen vorbei. Bei der Einmündung der Chälenstrasse biegt sie in die Büelstrasse ein und folgt dieser an Kirche und Pfarrhaus vorbei, wo sie dem damals noch offenen Mülibach folgt, auf die heutige Oberdorfstrasse. An der Doppelgabelung im alten Zentrum (bis 1829 Standort des «Sternen»: Oberdorfstr. 7) nahm die Hauptstrasse eine Rechtskurve und zog sich über die Alte Post-Strasse und die Bergstrasse in Richtung  Raat.

Quelle
  • Pestalozzi, L.: Plan der alten Strasse von Seebach über Rümlang nach Weyach. [Situationsplan der projektierten Strasse von Seebach nach Weiach. Mit Verlauf der alten Strasse]. Format: 454.0 x 89.0 cm. Aufgenommen im August 1844. Signatur: StAZH PLAN S 385.
    Georeferenziert mit Overlay auf aktueller Karte: http://stazh.georeferencer.com/id/PLAN_S_385

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