Dienstag, 28. Februar 2017

Wie Weyach unversehens an zwei Landstraßen kam

Weiach liegt etwas abgelegen. Abseits der grossen Strassen. Das war über Jahrhunderte so. Auch im Mittelalter, als die Handelsgüter entweder auf dem Rhein oder dann von Schaffhausen kommend durch das Rafzerfeld bei Kaiserstuhl über den Fluss und weiter Richtung Baden transportiert wurden.

Die heutige Hauptstrasse Nr. 7, die nach Westen Richtung Zurzach und nach Osten Richtung Glattfelden und über die Wagenbreche, Embrach und Pfungen nach Winterthur führt, war eine eher schlecht unterhaltene Verbindung untergeordneter Bedeutung.

Mit der liberalen Revolution und der wirtschaftlichen Entwicklungswelle machte sich die Zürcher Regierung ab 1831 daran, das Strassennetz auszubauen. Der Betreiber der ehaften Taverne zum Sternen war seiner Zeit voraus als er seinen Gasthof 1830 mit obrigkeitlicher Bewilligung von der Verzweigung Oberdorfstrasse/Winkelstrasse an die neue Hauptverbindungsachse (heute: Hauptstrasse 7, Winterthur-Koblenz-Basel) verlegte.

So kam es, dass Weiach auf obrigkeitlichen Beschluss ab dem 5. Dezember 1833 gleich an zwei Strassen lag, die man zu Landstrassen aufklassierte. Und mit entsprechenden Staatsmitteln auszubauen gedachte.

Der «Beschluß betreffend die Bezeichnung derjenigen Straßenzüge, welche in die Claße der Landstraßen erhoben werden sollen.» führt die beiden Verbindungen wie folgt auf:

«7.) Von Winterthur über Wülflingen, Rorbas und Glattfelden nach Weyach, wo aber in dem Banne von Wülflingen noch die zweckmäßige Richtung auszumitteln ist.

8.) Von der Eglisauer Hauptstraße bey Seebach durch den Bann von Rümlang nach Weyach. Indeß soll sowohl die Einmündung von der Hauptstraße her, als die ganze Richtung von Seebach bis nahe an Weyach, noch einer sorgfältigen Untersuchung unterworfen werden.
»

Diese Untersuchung wurde dann wirklich sorgfältig durchgeführt. Sie dauerte ein ganzes Jahrzehnt. Auf den Tag genau zehn Jahre nach dem obigen Beschluss hielt der Regierungsrat fest, eine Landstrasse von Seebach Richtung Weyach (die heutige RVS 566) sei kein wirkliches Bedürfnis:



Quelle und weitere Beiträge


[Veröffentlicht am 19. September 2018 um 11:08 MESZ]

Mittwoch, 1. Februar 2017

Aufruf zur Mitarbeit am Ortsmuseum Weiach

Am 13. Juli 1968 öffnete das Weiacher Ortsmuseum im Lieberthaus zum ersten Mal seine Türen für interessierte Besucher.

Im Hinblick auf das im kommenden Jahr zu begehende Jubiläum publiziert WeiachBlog in loser Folge Dokumente, welche über die Entstehung Auskunft geben.

Damit soll Einblick vermittelt werden in Museumskonzept und Sammlungstätigkeit - letztlich auch in die Gedankenwelt der Gründerväter und ihre tieferen Beweggründe.

Denn diese Gedanken haben über die gesamte Zeit hinweg prägend gewirkt. Nicht zuletzt auch dadurch, dass es in einem halben Jahrhundert gerade einmal drei Präsidenten der Ortsmuseums-Kommission gegeben hat: Walter Zollinger, Hans Rutschmann und Daniel Bryner.

Ihnen und den (vor allem weiblichen) Mitgliedern der Kommission ist es zu verdanken, dass das Ortsmuseum Weiach mit seinen mittlerweile 48 Ausstellungen das geworden und geblieben ist, was es damals sein wollte und noch heute bestrebt ist zu sein: ein Ort, an dem man in die im bäuerlichen Weiach verankerte Lebenswelt eintauchen kann - anhand von Gegenständen und Dokumenten, die diese verschwundene Welt exemplarisch vermitteln und begreifbar machen.



Besonders viel über die Motivation der Gründer verrät ein im Februar 1967 in alle Haushaltungen verteilter «Aufruf zur Mitarbeit». Nachstehend wird der volle Wortlaut dieses dreiseitigen Dokuments wiedergegeben (das Bild oben zeigt die Seite 1):

Ortsmuseum Weiach.

1. Rundschreiben - Aufruf an die Bevölkerung


Eine Heimat zu besitzen war seit jeher der Stolz der Schweizer. Wenn wir heute hören, dass uns diese Heimat ganz langsam verlorengeht, so blicken wir solch düstere Propheten ungläubig an und lassen uns in unserem Geniessen der guten Konjunktur nicht stören. Die Heimat geht uns aber wirklich verloren, wenn wir uns nicht um sie kümmern, wenn es uns gleichgültig ist, wo wir wohnen, woher wir kommen, ja sogar wohin wir gehen. Den Zusammenhang mit der engeren Heimat, der Gemeinde, zu fördern, ist der Sinn des Ortsmuseums.

Liebe Dorfgenossen!

Die heutige Zeit ist gekennzeichnet durch die fortlaufenden Veränderungen in Technik, Wirtschaft und Kultur. Alles ist ständig im Fluss.

Altes vergeht - Neues entsteht.

Was vor wenigen Jahren unsere Grossmütter und Grossväter noch täglich in Gebrauch hatten, steht heute schon vielmals ungenützt, veraltet, irgendwo abseits gestellt, wird von Ecke zu Ecke geschupft, liegt uns oft überall im Wege. Unsere Kinder müssen bei vielem bereits fragen: "Was isch au das?" - "Zu was chame das bruche?" Und sie stehn staunend davor. Es nähert sich die grosse Gefahr, dass in kurzer Zeit vieles, was unsern Vätern und Müttern noch teuer war, in Vergessenheit gerät oder gar vernichtet wird.

Mit der Schaffung des Ortsmuseums, in dem von der Gemeinde anerkennenswerter Weise erworbenen Hause Liebert, ist uns nun glücklicherweise die Gelegenheit gegeben, solche Zeugen aus vergangenen Zeiten zu sammeln und unsern Kindern und Kindeskindern als interessantes Erinnerungsgut an die Lebensgewohnheiten unserer Vorfahren zu erhalten. Bereits ist ein bescheidener Stock solchen Sammelgutes in aller Stille zusammengetragen worden und harrt der Einordnung. Noch aber fehlt allerhand und sollte aus den versteckten, verstaubten Winden herabgeholt werden. Wir hoffen zuversichtlich, dass alle, die Sinn und Verständnis für unser ortsgeschichtliches Bestreben zeigen wollen, solche Gegenstände dem erstehenden Ortsmuseum gerne zur Verfügung halten werden.

Was kommt denn überhaupt in Frage?
Was eignet sich zur Aufnahme im Ortsmuseum?

Alle Gegenstände, die mit dem Leben und Wirken unserer Vorfahren in Haus und Hof, in Scheune und Stall, auf dem Felde oder in der Werkstatt zusammenhängen.

Dazu einige Beispiele:

Geräte und Werkzeuge aus Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft, des Rebbaues von einst, der Viehhaltung, sodann Küchengeräte, Petrollampen, alte Laternen, Fruchtsäcke mit Jahrzahl und Namen, altehrwürdige Möbelstücke aus Stube und Kammer, Spinnrad und Flachsrätsche, Trachtenstücke, alte Uniformen, Waffen, Feuerwehrgeräte.

Aber auch schriftliche und bildliche Dokumente aus früheren Jahren, die bestimmte Persönlichkeiten, Gebäude oder besonders erwähnenswerte Ereignisse betreffen, Pläne, alte Gesangbücher und Bibeln sind sehr willkommen.

Wir sind auf die Spendefreudigkeit der ganzen Ortsbevölkerung, besonders aber der Bürgerfamilien, die schon seit Generationen im selben Hause wohnen, angewiesen. Melden Sie bitte die vorhandenen Gegenstände bei einem Mitglied der Ortsmuseums-Kommission oder auf der Gemeinderatskanzlei. Wir sind gerne bereit, die Sachen zu besichtigen und zu registrieren. Sobald die Räume dazu hergerichtet sind, können die Museumsgüter abgeliefert oder bei Ihnen abgeholt werden.

Wir danken im voraus für alle Ihre Mitarbeit.

Weiach, im Februar 1967

Die Ortsmuseums-Kommission

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Mitglieder dieser Kommission sind:

Walter Zollinger, a. Lehrer, Präsident
Emil Maurer, Stationsvorstand
Hans Meier, Gemeinderatsschreiber
Hans Rutschmann, Briefträger
Paul Stalder, Gemeindeförster.



Quelle

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1966 [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1966; abgeschlossen im August 1967].

[Veröffentlicht am 11. Dezember 2017 um 22:33 MEZ]