Donnerstag, 4. Dezember 2014

Weiacher Weihnachtsrätsel

Die Weiacher Adventsfenster (samt Einladungen vor Ort zur «Aufschaltung» bestimmter Fenster), der Christbaumverkauf, die Aufforderung des Gemeindesteueramts die letzte Rate zu begleichen. Alles wie gehabt in der Dezember-Ausgabe der Mitteilungen für die Gemeinde Weiach (MGW).

Doch etwas ist neu - und wird wohl auch eine einmalige Angelegenheit bleiben: das «Weiacher Weihnachtsrätsel», ausgeschrieben von der lokalen Gewerbevereinigung und verfasst von Heidi Eberle-Wapp.

Dieses Kreuzworträtsel hat es in sich. Schauen Sie selbst:

 
Wer es ausfüllen will, der oder die muss schon ganz ordentlich Bescheid wissen über Weiach.

Wo der Wein wächst (Waagrecht 1), wo sich die Entsorgungsanlage befindet (Waagrecht 23), was es seit 2009 in Weiach nicht mehr gibt (Senkrecht 57): mehr als 85 Begriffe sind gesucht. Und bei 31 davon braucht man Insiderwissen, das fast nur Einheimische haben können.

Gemäss Auskunft von Ernst Eberle (Inhaber des gleichnamigen Elektrounternehmens in Weiach) haben sogar die Einheimischen Mühe - teilweise auch wegen der Schreibweise von Ortsnamen. Denn die ist ja keineswegs standardisiert. Ein Umstand, der das Rätsel zusätzlich erschwert.

Gratulation an Heidi Eberle für diese Idee!

Die weiachspezifischen Begriffe werden selbstverständlich erst nach Ablauf der Wettbewerbsfrist (d.h. ab dem 20. Dezember) verraten. Viel Freude beim adventlichen Rätselraten wünscht der Verfasser des WeiachBlog.

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Hochkonjunktur verführt zum Wirtshaushocken

Walter Zollinger, der langjährige Dorfschullehrer, Ortschronist und Chorleiter (um nur einige seiner vielen Aktivitäten zu nennen), war ein scharfer Kritiker der Hochkonjunktur vor 50 Jahren.

Dass dem so war kann man noch heute an der spitzen Feder ablesen, die er in seinen Ortschroniken führte. Auch eigentlich ganz harmlos gemeinte Inserate wie das unten abgebildete konnten schon mal in sein Visier geraten:



Begleitet wird dieses im Typoskript eingeklebte Metzgete-Inserat des Weiacher Restaurants «Wiesental» von vier weiteren Zeitungsausschnitten: ebenfalls Werbung für Metzgete-Anlässe (von den damaligen Inhabern des Restaurants Bahnhof Niederglatt, des Restaurants Bellevue Regensberg, der Linde Buchs sowie des Restaurants Bahnhof Rümlang).

Zollingers Kommentar dazu (unter der Rubrik «Volkskundliches/Kulturelles»): «Auch "kulturell intressant" sind die vielen, so ab mitte Oktober beginnenden und weit über Neujahr hinaus sich ziehenden, durch fast alle unsere Gaststätten eingeführten "Metzgeten"; eine deutliche Illustration zu unserer "fress- und trinklustigen" Zeit; denn es seien, so liess ich mir sagen, diese Lokale jeweilen gestossen voll. Wie mancher Familienvater, wie viele junge Burschen werden doch wohl damit zum Wirtshausbesuch und zum unnötigen Geldverputzen verführt und schlittern dann allmählich in ein liederliches Leben hinein! Das Wirtshaushocken wird ihnen zur Gewohnheit, eine üble Kehrseite der heutigen "Hochkonjunktur", man hat ja Geld genug!»

Ob diese Metzgeten tatsächlich zur Entstehung liederlichen Lebenswandels geführt haben? Zum Überleben der Gaststätten haben sie sicher beigetragen.

Das «Wiesental» gibt es übrigens - als eine der wenigen unter den damals bestehenden Weiacher Gaststätten - bis heute. Und es wird erst noch von der gleichen Familie Bütler geführt wie vor einem halben Jahrhundert.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 – S. 23a (Inserat) u. 24 (Text). [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964].
[Veröffentlicht am 7. Dezember 2014]

Montag, 27. Oktober 2014

Zuwanderung bricht der Schweiz finanziell das Genick

Nachdem erste Umfrageergebnisse eine mögliche Mehrheit für die sogenannte Ecopop-Initiative (Volksinitiative «Stopp der Überbevölkerung - zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen») signalisiert haben, prasselt nun via Medien ein Propaganda-Stahlgewitter auf die Öffentlichkeit herunter.

Die Boulevard-Zeitung «Blick» warnt mit riesigen Lettern auf der Titelseite, dass die AHV pleite gehen und Hunderttausende arbeitslos auf der Strasse stehen würden. Und vergisst dabei zu erwähnen, dass die Eingewanderten dereinst auch Ansprüche stellen werden, was wohl noch mehr Einwanderung (oder eigenen Kinderreichtum) zur Folge haben müsste, soll es nicht einfach etwas später zum Kollaps der Ersten Säule kommen.

Auch der Weiacher EVP-Kantonsratskandidat Daniel Elsener macht sich seine Gedanken zum Thema. Mit Bezug auf den «Monsterstau am Gubrist», ausgelöst durch einen Lastwagen, der am 20. Oktober frühmorgens eine Ladung Sojabohnen auf der Fahrbahn verteilte, hat er den folgenden Leserbrief an diverse Printmedien versandt:

«Ein heute alltägliches Ereignis weitete sich am Montag durch ein missliches Unglück zum 25km regionalen Verkehrskollaps aus, obwohl der Tunnel noch einspurig befahrbar war. Unsere Mobilität ist schon länger am Limit, wohin man schaut. Ein Schelm, wer jetzt denkt: die ungebremste Zuwanderung ist schuld! Oder vielleicht doch nicht?

Dieses Beispiel zeigt doch nur zu deutlich, wie empfindlich und übernutzt unsere Infrastrukturen geworden sind. Also müssen sie zwingend erneuert, erweitert und ausgebaut werden, und das nicht nur im Verkehr. Das ist eine sehr kostspielige Sache und ich überlege in welcher Grössenordnung das wohl sein könnte? Wenn ich annehme, dass jede Zuwanderung über kurz oder lang 200‘000.- Franken öffentliche Infrastrukturkosten in Bildung, Gesundheit, Mobilität, Soziales und Verwaltung usw. verursacht, sind das bei einer Million Leute seit der Personenfreizügigkeit (PFZ) 200 Mrd. Franken. Ein Klacks, wenn man bedenkt, dass das kantonalzürcherische Budget 14 Mrd. beträgt. Selbst eine Wohnung kostet heute rund eine halbe Million Franken.

Wenn ich lese, wie unbedarft gegen Masseneinwanderungs- und Ecopopinitiative geschossen und behauptet wird, sie seien wirtschaftsschädlich, wird mir schummrig. Diesen finanziellen Kraftakt wird die Schweizer Volkswirtschaft nicht stemmen können und wird ihr das Genick brechen. Auch mit noch mehr Zuwanderung wird’s nicht besser, sondern nur noch schlimmer. Nach dem Verkehrskollaps kommt der Finanzabsturz und dann die (Mehrwert)-Steuerbelastungen wie in der EU. Ich würde doch gern pragmatisch von den Befürwortern der PFZ wissen, wer diesen Investitionsstau bezahlen soll?

Naiv wie ich bin sage ich: Die Wirtschaft und die Banken nicht, die EU nicht, die Politik und der Bundesrat nicht, die Einwanderer nicht – ich auch nicht. Aber Du!
»

Vom Monsterstau am Gubrist zum Investitionsstau. Natürlich kann man am Gubrist die geplante dritte Röhre bauen - oder auch noch eine vierte. Aber ob dies das Problem wirklich löst?

Letztlich geht es um die Frage, was die Schweiz sein will: ein mit Europa vollvernetztes Singapur der Alpen mit verdichtetem Multikulturalismus? Oder doch lieber ein weniger bevölkerter direktdemokratisch verfasster Staat, der seine wirtschaftliche Rolle in der Welt grundsätzlich neu definiert?

Um diese Grundsatzfrage geht es am 30. November letztlich. Und wir tun gut daran, endlich ohne populistische Polemiken und «Arena»-Geschrei darüber nachzudenken. Das können die Stimmbürger nämlich - wenn man sie nur lässt.

Der Diskussionsbeitrag von Daniel Elsener erinnert daran, dass auch ungehindertes Wachstum grosse finanzielle Risiken mit sich bringen kann. Was denken Sie darüber?

[Zitat auf Wunsch des Autors durch WeiachBlog orthographisch korrigiert – 6.11.2014]

Donnerstag, 28. August 2014

Augustwetter 1964: Fiserlen und Bindfäden

Nachdem die Weiacher Bauern sich noch im Juli 1964 über mangelnde Niederschläge beklagten, war dies im darauffolgenden Monat weniger ein Problem, wie man den Wetteraufzeichnungen von Walter Zollinger entnehmen kann:

«August: Er ist etwas "kühler" als der Vorgänger, obwohl er auch recht viele schwüle Nachmittage bringt. Aber es regnet auch öfters, nämlich: am 2.8. nachmittags, am 7.8. abends gewittriger Schauer, vom 9. auf den 10. nachts, am 11.8. abends, am 12.8. etliche ergiebige Schauer nachmittags und abends, am 17./18. nachts, am 18. fast den ganzen Tag (erst spätabends etwas sonnig), am 21.8. nachmittags "fiserlen", am 22. vormittags wie "Bindfäden" und am 29. nachm. nochmals ein Gewitter, nachher anhaltender Regen bis über Mitternacht hinaus. - Es wird in der ersten Monatshälfte noch geemdet, soweit wenigstens etwas zu finden ist. Aber man nimmt alles zusammen, meist eintägiges natürlich.

Höchsttemperaturen morgens 20°, mittags 28°, abends 21°
Tiefsttemperaturen morgens 9°, mittags 15°, abends 13°
».

Unter den Bindfäden, die vom Himmel regnen kann sich auch ein nicht im Kanton Zürich heimischer Leser etwas vorstellen. Aber unter «Fiserlen»? Das Schweizerische Idiotikon nennt als Bedeutung «leicht, fein regnen» bzw. schneien. Man kann den Begriff in diesem Kontext also wohl mit «Sprühregen» umschreiben.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 – S. 6. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964].
[Veröffentlicht am 8. Dezember 2014]

Dienstag, 26. August 2014

Ausgelaufenes Öl nach Unfall angezündet

Mineralöle sind das Blut der aktuellen Zivilisations-Version. Auch bei uns. Bereits vor 50 Jahren. Nur war damals die Bewältigungsstrategie bei Unfällen noch eine ganz andere als heute.

In der Jahreschronik von Walter Zollinger findet man unter der Rubrik «Verkehrswesen/Unfälle» folgenden Eintrag:

«am 9. Juni, abends ca. 6 Uhr: ein Oeltankanhänger überschlug sich auf der Glattfelderstrasse, direkt in einen Weizenacker, kurz vor dem Ofenhaus; Das auslaufende Oel musste, um ein Versickern zu verhüten, gleich angezündet werden. Eine dicke, schwarze Rauchwolke war weithin sichtbar und "alarmierte" so die Dorfbevölkerung.»

Schon ein etwas eigenartiger Problemlösungsansatz, nicht wahr? Würde man sich heute so etwas erlauben, dann wäre eine Untersuchung durch die Strafverfolgungsbehörden ziemlich wahrscheinlich.

Denn was passiert, wenn man die Sauerei anzündet? Das Problem wird nicht etwa kleiner, im Gegenteil: Luftverschmutzung durch Russpartikel, Verbrennungsrückstände auch am Boden, etc. Und trotzdem ist das Erdreich noch belastet. Ausserdem: die Lungen der auf dem Schadenplatz beschäftigten Personen haben garantiert keine Freude an dieser Zusatzbelastung.

Heute wird eingedämmt

Wenn heute ein solcher Unfall passiert, dann gehen die Einsatzkräfte anders vor:
  • Der Tankanhänger wird gesichert und provisorisch abgedichtet, damit nicht noch mehr Öl ausläuft. 
  • Ist ein Gewässer in der Nähe, wird eine Ölsperre gesetzt. 
  • Das ausgelaufene Öl wird an ein Bindemittel adsorbiert und abgeführt.
  • Das verseuchte Erdreich wird mit einem Bagger abgetragen (sog. Auskofferung) und entweder in einer KVA verbrannt oder einer Bodenwaschanlage zugeführt.
Wie von der Berufsfeuerwehr des Flughafens Zürich auf Anfrage zu erfahren war, wird im Kanton Zürich bei solchen Vorfällen jeweils noch das Pikett des AWEL aufgeboten. Ein Spezialist des kantonalen Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft entscheidet dann zusammen mit dem Einsatzleiter der Feuerwehr vor Ort, was im konkreten Fall das beste Vorgehen ist.

Gefährliche Kurven

Bezogen auf den oben erwähnten Unfallort beim Ofen-Hof kommen einem gleich noch zwei weitere Gedanken:
  1. betreiben die heutigen Eigentümer der nahe gelegenen Weiacher Kies AG eine Bodenwaschanlage.
  2. ereignen sich am mutmasslichen Unfallort vom 9. Juni 1964, einer Kurvenkombination auf Weiacher Gemeindegebiet rund 200 Meter östlich des Ofen, auch heute noch regelmässig Unfälle. Man kann die in den letzten Jahrzehnten dort umgekippten Anhänger wohl kaum mehr zählen.
Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 – S. 20. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964]

Donnerstag, 7. August 2014

Grundwasserpumpwerk führt zu Wasserzählern

An der Gemeindeversammlung vom 24. Juni 1964 stand das Trinkwasser im Zentrum. Es ging um die «Genehmigung des Projektes für die Erstellung der Grundwasserfassung und des Pumpwerkes "Rhein" (Bruttokredit Fr. 297'200.-)», wie Walter Zollinger in seiner Jahreschronik 1964 schreibt.

Und trotz des Geldsegens, der mit der Weiacher Kies AG die Gemeindekasse erreicht hatte, war Überzeugungsarbeit gefragt, denn einfach so investieren die Weiacher nicht in neue Infrastruktur:

«Herr Ingenieur Werner vom techn. Bureau Gujer in Rümlang referierte eingehend über dieses dringend benötigte Vorhaben. Es wurde denn auch genehmigt und soll nun so rasch als möglich ausgeführt werden.» (Jahreschronik 1964 - S. 10)

Mit Datum vom 7. August 1964 liess der Gemeinderat die Baute offiziell publizieren:


Der Bauherr, die Politische Gemeinde Weiach, vertreten durch das Technische Büro H. Gujer, Rümlang, schrieb da eine «Grundwasser-Pump- und Transformatorenstation am Rhein» aus. (Bild aus: Jahreschronik 1964, S. 9a)

Vor 50 Jahren noch keine Wasserzähler!

Dass man die Wasserverbraucher auch in die Finanzierung einbinden wollte, ist nur folgerichtig. Als nächstes Traktandum folgte deshalb die «Aenderung von Art. 16 der Verordnung über die Wasserversorgung (Erhöhung des Wasserzins-Pauschaltarifes); dies im Hinblick auf die grossen Kosten des oben genehmigten Projekts.»

Man stellt mit Erstaunen fest, dass es damals noch keine Wasserzähler gab. Nur eine Pauschalgebühr. Das blieb aber nicht mehr lange so.

Wie man den Weiacher Geschichte(n) Nr. 33 (Gesamtausgabe S. 66, Link vgl.unten) entnehmen kann, gab es nach Aussage des früheren Gemeindepräsidenten Ernst Baumgartner-Brennwald (im Amt von 1966 bis 1982) Ende der 50er Jahre zunehmend Streit, wer zuviel Wasser verbrauche. Verdächtigt wurden besonders die Bauern.

Schon drei Jahre später wurden sie eingeführt

Deshalb brauchte es also die zusätzliche Wasserfassung und das dazugehörende Pumpwerk. Und bald waren auch Messgeräte erforderlich, um eine verursachergerechte Abrechnung zu ermöglichen:

«1967 war die Gemeinde genötigt, eine abgeänderte Verordnung über die Wasserversorgung zu erlassen. Die Eröffnung des Grundwasserpumpwerkes an der Rheinhalde hatte bald gezeigt, dass die bisherigen bescheidenen Verbrauchertarife bei weitem nicht mehr ausreichten, um auch nur einen Teil der Betriebskosten zu decken. Nun wurden Wassermesser eingebaut und das Wasser zu 40 Rappen pro m3 abgegeben sowie ein Grundtarif pro Wohnung erhoben.» – W. Zollinger. 1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach, Dielsdorf 1972, S. 63/64.

Weiterführende Literatur zur Wasserversorgung
[Veröffentlicht am 19. August 2014]

Dienstag, 29. Juli 2014

Juliwetter 1964: Bauern jammern über Tröchni

Wenn man sich im diesjährigen Juli über eines nicht beschweren konnte, dann über mangelnde Feuchtigkeit. Es regnete und regnete in allen Varianten - von sintflut- und überfallartig wie aus Kübeln gegossen bis zum tagelangen Landregen.

Vor 50 Jahren war eher das Gegenteil der Fall. Die Weiacher Bauern hätten es gerne weniger trocken gehabt, wie Walter Zollinger in seiner Jahreschronik 1964 schreibt:

«Juli: Dieser Monat bringt in seiner ersten Woche einen schönen Tag nach dem andern; schon vom Morgen an sonnig und warm, dazu allerdings hie und da noch der Oberwind. Die Bauern, wie man sich's ja bei ihnen gewohnt, jammern bereits, diese "Tröchni" sei für Graswuchs und Getreide gar nicht günstig. So ist alles froh, als endlich der 9. wie der 10.7. den langersehnten Niederschlag bringen. Aber vom 11. an setzt wieder dasselbe schwüle u. trockene Wetter ein und hält sich die ganze folgende Woche durch. Die Bauern beginnen, notgedrungen, mit Getreide mähen, da es sonst vom Boden her abdorrt. Auch ein jetzt noch einsetzender Regen könnte nicht mehr viel verbessern. Die Emdwiesen beginnen rot zu werden, das Futter schwindet immer mehr weg. Auch das "einewäg" rar hängende Obst kommt vorzeitig und unreif zum Fallen. Schade! Mit Neid blickt man oftmals zum "Stein" hinauf, wenn ostwärts desselben schwarzgraue Wolken sich auftürmen und fernes Donnergrollen verrät, dass das ersehnte Nass nicht bei uns, sondern in der Bülacher Gegend niederprasselt. Am 19., 22. und 27. Juli gibt's endlich wieder etwas Regen, am 28. frühnachmittags sogar ein Gewitter mit ergiebigem, langandernden [sic!] Schauern. Im übrigen aber war also der ganze Juli trocken und schwül, wie auch die nachfolgenden Temperaturen zeigen:

Höchsttemperaturen morgens 22°, mittags 31°, abends 25°;
Tiefsttemperaturen morgens 12°, mittags 17°, abends 13°. »

Interessant ist der Zollingersche Seitenhieb gegen die Bauern: man sei es sich ja gewohnt, dass die ständig jammern würden. Wenn die eigene Lebenswelt halt nicht so stark vom Wetter abhängt, dann kann diese bäuerliche Wetterfixiertheit schon irritieren. Aber Zollinger verdiente seinen Lebensunterhalt ja auch als Lehrer. Nicht als Landwirt.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 – S. 5-6. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964].
[Veröffentlicht am 19. August 2014]

Dienstag, 15. Juli 2014

Bei Löschversuch in die Flammen gefallen

Der in der Schweiz äusserst populäre, früh verstorbene Chansonnier Mani Matter hat uns alle gewarnt. Da sang er in seinem Lied «I han es Zündhölzli aazündt» doch vor Jahrzehnten schon: «Ja me weis was cha passiere We me nid ufpasst mit Füür». Vor 50 Jahren brannte zwar nicht die ganze Welt, aber doch zumindest die private Lebenswelt eines älteren Weiachers:

«Ein weiterer, allerdings nicht verkehrsbedingter Unfall ereignete sich am 15. Juli in der Waldung "im Erb" hinten. Alb. Meierhofer, genannt "Weibelalbert" verbrannte sich beim Bürden machen ziemlich schwer. Das Feuer, das er zum verbrennen der "Kurzwaren" angezündet hatte, dehnte sich plötzlich im trockenen Gelände weiter aus. Beim Löschversuch fiel der 68jährige, etwas unbeholfene Junggeselle direkt in die Flammen und konnte nur durch einen zufällig in der Nähe ebenfalls holzenden Dorfbewohner gerettet werden

Über das weitere Schicksal von «Weibelalbert» schweigt die Jahreschronik 1964 gänzlich.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 – S. 20. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964]
[Veröffentlicht am 19. August 2014]

Freitag, 4. Juli 2014

Direktvermarktung – ein Backofen als magischer Zauberstab

Nach offizieller Lesart versteht sich Weiach ja immer noch als Bauerndorf. Auch wenn nur noch ganz wenige Einwohner von der Landwirtschaft leben und man die Vollerwerbsbetriebe mittlerweile an zwei Händen abzählen kann. Und doch sind sie identitätsstiftend. Hier soll nun ein kleiner Blick hinter die Kulissen und in die Parallelwelt der Landwirtschaft gewagt werden.

Bei vielen stadtnahen Bauernbetrieben ist heutzutage die so genannte «Direktvermarktung» ein wichtiger Absatzkanal. Einkaufen direkt beim Produzenten ist in. Denn da sehen die Kunden, wo ihr Essen herkommt. Ob Bio oder nicht – kurze Wege für das Produkt sind in jedem Fall ein Gewinn.

Weniger bekannt ist, dass auch dieser Lebensbereich bis in alle Einzelheiten reglementiert wird. So zum Beispiel in den vom Bundesamt für Landwirtschaft zu Bern im März 2014 publizierten «Weisungen und Erläuterungen 2014 zur Verordnung über landwirtschaftliche Begriffe und die Anerkennung von Betriebsformen (Landwirtschaftliche Begriffsverordnung, LBV; SR 910.91) vom 7. Dezember 1998»

Auf den Seiten 3 und 4 wird der Artikel 5 besagter Verordnung erst zitiert und dann erläutert:

«Art. 5 Direktvermarkter

Als Direktvermarkter gelten Produzenten und Produzentinnen, die eigene Produkte ab ihren Betrieben direkt Verbrauchern und Verbraucherinnen verkaufen.
»

So einfach ist es nicht

Ein klarer Fall, würde man meinen. Aber nur bis man die dazugehörigen Erläuterungen vollständig gelesen hat. Die sind zu Beginn noch durchaus nachvollziehbar:

«Alle Produzentinnen und Produzenten, die eigene Produkte ab ihren Betrieben direkt verkaufen, gelten als Direktvermarkter. Es spielt dabei keine Rolle, ob sie die ganze Produktion des Betriebes, eines Betriebszweiges oder nur Teile davon über diesen Kanal vermarkten. Als Direktvermarkter gilt auch der Milchproduzent, der einen relativ kleinen Teil seiner Milch direkt an Konsumenten ausmisst, den Grossteil seiner Produktion jedoch einem Milchverwerter verkauft.»

Mehr Fragen wirft dann aber der zweite Abschnitt auf:

«Unter eigenen Produkten sind die auf dem Betrieb hergestellten und allenfalls verarbeiteten Landwirtschaftsprodukte (1. Verarbeitungsstufe) zu verstehen. Nicht unter eigene Produkte fallen hingegen veredelte Produkte (2. Verarbeitungsstufe). Verkauft beispielsweise ein Produzent auf dem Betrieb hergestellte Butter direkt, so gilt er als Direktvermarkter und muss die selbst verarbeitete und in Form von Butter direkt vermarktete Milch melden. Verwendet hingegen eine Produzentin auf dem Betrieb hergestellte Butter zum Backen und verkauft beispielsweise den hergestellten Zopf anschliessend auf dem Wochenmarkt, so gilt sie demnach nicht als Direktvermarkterin im Sinne der LBV und die im Zopf enthaltene Butter fällt folglich auch nicht unter die Definition der vermarkteten Milch

Der Backofen macht den Unterschied

Man ahnt, dass die Unterscheidung etwas mit Milchvermarktung und Butterbergen zu tun haben könnte. Fast noch verworrener wird die Angelegenheit im dritten Abschnitt der Erläuterungen:

«Verbraucher der direkt vermarkteten Produkte sind insbesondere die Konsumenten. Der Begriff ist jedoch nicht so eng gefasst, dass nur die Endverbraucher eines Produktes darunter fallen; auch Abnehmer, die es weiterverarbeiten, werden als Verbraucher bezeichnet. Verkauft beispielsweise ein Produzent auf seinem Betrieb hergestellte Butter an eine Bäckerei, so gilt dies ebenfalls als Direktvermarktung.»

Der Backofen der Bauersfrau als magischer Zauberstab. Ein bisschen Kneten, ein bisschen Hitze und schon verflüchtigt sich die Direktvermarktung. Da soll einer unsere Agrarbürokraten verstehen.

Aber vielleicht ist es ja nur so, dass solche Backaktivitäten eben nicht mehr als landwirtschaftliche Tätigkeiten gelten sollen. Sondern höchstens noch als Paralandwirtschaft – wie das Angebot «Schlafen im Stroh».

Montag, 30. Juni 2014

Juniwetter 1964: eintägiges Heu ab dem dreizehnten

Schon beim Wetter des Vormonats Mai 1964 erwähnte Walter Zollinger den Heuet.

Zum eigentlichen «Heumonat» seiner Jahreschronik 1964 wird ein dieses Jahr leider nicht allzu häufiges Wetterglück für den Futterbau verzeichnet: Morgens geschnittenes Gras das gegen Abend bereits genügend trocken ist um in den Heustock eingebracht zu werden.

«Juni: Die ganze erste Monatshälfte ist, von einigen Regenschauern abgesehen, und dies erst spätabends oder nachts, günstig, sodass der Heuet wacker fortschreitet. Die Nachmittage sind sogar meist recht schwül. Unterm 13.6. notierte ich: "Es gibt bereits Eintägiges" und am 18.6. heisst's: "Die letzten Fuder Heu fahren heim." Und wie abgemacht, ab 19.6. beginnen ein paar trübe, z.T. regnerische Tage; erst ab 23.6. wird's wieder besser, aber es weht meist ein abkühlender Wind. Einige Gewitter brachten natürlich doch etwas "Leben" in den sonst ziemlich gutmütigen Verlauf des Heumonats, nämlich am 7.6. abends, am 14. und 18.6. je spätabends und am 28.6. schon nachmittags.
Höchsttemperaturen morgens 18°, mittags 29°, abends 21°;
Tiefsttemperaturen morgens 11°, mittags 18°, abends 13°. »

Dazu muss man natürlich wissen, dass Heubelüftungen, die heute auch nicht optimal getrocknetes Heu oder Emd auf die nötige Trockenheit bringen, damals noch längst nicht so verbreitet waren.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 – S. 5. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964].
[Veröffentlicht am 18. August 2014]