WeiachBlog

Freitag, 30. Dezember 2011

Dezemberwetter 1961: praktisch kein Schnee

Kurz vor Ende des Jahres 2011 kann man den diesjährigen Dezember getrost mit dem vor 50 Jahren vergleichen, wie es im WeiachBlog seit geraumer Zeit der Brauch ist.

Walter Zollinger hat aus seinen täglichen Wetternotizen folgende Zusammenfassung geschrieben:

«Dezember. Die ersten vier Dezembertage sind von stürmisch-regnerischem Wetter gekennzeichnet, föhnig sogar (+11°, +14°). Am 5.12. dann nur noch bedeckt, aber immer noch föhnigwarm. Nachher aber gehts rapid zurück auf nachmittägliche Temperaturen von nur mehr 5°, 1°, 0°, dazu kühler Oberwind; einmal ein sonniger Tag, am 8.12., aber dennoch Morgenreif. Ab 10. Dezember wieder sehr wechselnd: düster und trübe, regnerisch, nochmals föhnig hie und da (+13°, +12°), bedeckt mit Hochnebel, Wind. Ab 17.12 ist's dann aber aus mit dem Föhn; nun folgen bis zum Monatsschluss noch kalte Tage, -2°, -4°, -8° und bissiger Oberwind. Endlich, am 26.12., lag morgens eine ca. 3 cm "tiefe" Schneeschicht, die sich dann ein paar Tage halten konnte. So endete das Jahr 1961 doch noch etwas winterlich aussehend.»

Einige Stürme hatten wir auch nach dem viel zu warmen November auch im diesjährigen Dezemer, bezüglich Schnee gibt es am Jahresende eine Parallele - eine hauchdünne weisse Schicht.

Einige Tage zuvor fiel jedoch eine zünftige Portion der weissen Pracht vom Himmel. So viel, dass man an der Chälenstrasse nach langer Zeit wieder einmal die Schachtdeckel öffnete und den vom eigenen Hausplatz geräumten Schnee dort entsorgte.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1961 - S. 7. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1961].

Mittwoch, 30. November 2011

Novemberwetter 1961: ganz wenig Sonnenschein

Der diesjährige November war gemäss den Aufzeichnungen der amtlichen Wetterfrösche der trockenste seit Messbeginn vor 150 Jahren. Auch die Sonnenscheindauer schlug alle Rekorde.

Da konnte der Wintermonat vor 50 Jahren nicht mithalten. Trotzdem war er bezüglich der Regenmengen doch nicht so verschieden vom heurigen, wie man der Zusammenfassung Walter Zollingers entnehmen kann:

«November. Das erste Monatsdrittel war beherrscht von wechselvollem, meist nebligem und trübem Wetter; auch öftere Hochnebeldecken, ganz wenig Sonnenschein, dafür kühle Winde; dreimal kurze Schneegestöber, zweimal Regen, am 6.11. Morgentemperatur von -1°. Es folgten dann vier mildere, z.T. sonnige Tage, nachher aber wieder dasselbe Novemberwetter mit Hochnebel, der sich höchst selten am Nachmittag für 1 bis 2 Stunden etwas lichtete. Einzig die Tage des 13./19./28. und 29.11. schenkten angenehme Nachmittage.

Höchsttemperaturen: vorm. 7°, mittags 12°, abends 7°;
Tiefsttemperaturen: vorm. -2°, mittags 0°, abends -2°.
»

Quelle

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1961 - S. 6-7. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1961].
[Veröffentlicht am 30. Dezember 2011]

Sonntag, 27. November 2011

Blocher knapp vor Verena Diener

Vor etwas mehr als einem Monat, am 23. Oktober, fand der erste Hosenlupf für die Ständeratswahlen 2011 statt. Die SVP versuchte sich im «Sturm auf das Stöckli». Danach war ein zweiter Wahlgang unumgänglich.

Wäre es nur nach Weiach gegangen, dann hätte Blocher das Rennen schon im ersten Wahlgang gemacht (vgl. WeiachBlog vom 23. Oktober).

Heute, am Tag des zweiten Wahlgangs, stellt sich die Frage, ob der «SVP-Übervater» in der nordwestlichsten Gemeinde des Kantons wieder eine so gute Figur gemacht hat.

Man kann sich nur über die Konstanz seiner Stimmenzahl wundern: fast genau gleich viele Stimmen wie im 1. Wahlgang (eine mehr) und - wäre es eine Majorwahl ohne absolutes Mehr gewesen, dann hätte Verena Diener im Kopf-an-Kopf-Rennen sogar den Kürzeren gezogen:

Christoph Blocher, 146 Stimmen, 30.93%
Verena Diener, 141 Stimmen, 29.87%
Felix Gutzwiller 175 Stimmen, 37.08%
Thomas Märki, 0 Stimmen, 0.00%
Toni Stadelmann, 0 Stimmen, 0.00%
Jakub Walczak, 0 Stimmen, 0.00%
Vereinzelte, 10 Stimmen, 2.12%

Der grosse Gewinner, der Blocher diesmal überflügeln konnte, ist FDP-Mann Gutwiller mit 60 Stimmen mehr. Verena Diener erhielt lediglich 43 mehr. Die SVP-Phalanx steht also an der Basis. Insgesamt hat das Interesse der Weiacherinnen und Weiacher aber trotzdem abgenommen, wurden doch lediglich noch 472 Stimmen abgegeben, 31 weniger als vor einem Monat.

[Veröffentlicht am 30. Dezember 2011]

Sonntag, 30. Oktober 2011

Oktoberwetter 1961: Nebel dominiert

So schön wie der diesjährige Oktober war der Namensvetter von vor 50 Jahren nicht. wie man dem entsprechenden Eintrag in Walter Zollingers Jahreschronik 1961 entnehmen kann:

«Oktober. Er zeichnet sich durch beinahe tagtägliche Morgennebel oder Hochnebel aus. Nur zehnmal zeigt sich die Sonne jeweils nachher. Die übrigen Tage sind bedeckt und trübe, z.T. gar regnerisch. Auch die Temperatur ist beträchtlich gefallen. In der ersten Oktoberwoche gab's noch Nachmittage mit 15 bis 18° Wärme, aber dann sank das Thermometer auf 10,8,6° zurück. Der 19.10. zeigte den ersten leichten Reif. - Gut, dass die meisten Bauern schon in den ersten Oktobertagen gewümmet haben! Mit Obstpflücken waren sie ja nicht geplagt.»

Abgesehen vom schlechten Obstertrag ist dieses Bild ziemlich typisch für Weiach. Im Oktober geht es schliesslich rasant auf den Winter zu. Und am Rhein ist das die Zeit der Nebelschwaden. Wenn der Nebel über dem Siedlungsgebiet von Weiach überhand nimmt und sich erst nach Mittag verzieht (wenn überhaupt), dann ist die Ouvertüre zum Winter da.

Vergleiche dazu die beiden WeiachBlog-Artikel Nr. 295 «Oktoberwetter 1956» vom 21. Oktober 2006, sowie Nr. 301 «Dem Nebel nach zu schliessen ist es doch Herbst» vom 30. Oktober 2006.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1961 - S. 6. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1961].

Sonntag, 23. Oktober 2011

Nur Blocher wäre schon gewählt

Nach dem heutigen Wahlsonntag sind im Kanton Zürich noch beide Ständeratssitze vakant. Es braucht einen zweiten Wahlgang. Die beiden Bisherigen, Verena Diener von den Grünliberalen und Felix Gutzwiller von der FDP liegen vorne.

Die offizielle Website des Statistischen Amtes zeigt auch die Gemeinderesultate. Und da findet man heraus, dass die ländlichen Wähler wie üblich etwas anders abstimmen.

In Weiach bestätigte sich erneut die Präferenz für bekannte Köpfe aus dem rechtsbürgerlichen Lager, konkret der SVP. Bei einem absoluten Mehr von 126 Stimmen wäre Christoph Blocher in der nördlichsten Gemeinde des Bezirks Dielsdorf mit Bravour gewählt. Dagegen müssten die Bisherigen im zweiten Wahlgang miteinander um den übriggebliebenen Sitz kämpfen.

Die Resultate im Einzelnen:

Christoph Blocher, 145 Stimmen, 28.83%
Felix Gutzwiller, 115 Stimmen, 22.86%
Verena Diener, 88 Stimmen, 17.5%
Vereinzelte, 67 Stimmen, 13.32%
Thomas Hardegger, 33 Stimmen, 6.56%
Balthasar Glättli, 22 Stimmen, 4.37%
Urs Hany, 14 Stimmen, 2.78%
Maja Ingold, 10 Stimmen, 1.99%
Hans-Jacob Heitz, 9 Stimmen, 1.79%
Jakub Walczak, 0 Stimmen, 0%

Interessant ist vor allem der auch im Kantonsvergleich sehr hohe Anteil an Vereinzelten. Mit der offiziellen Auswahl Unzufriedene haben 67 Stimmen für nicht kandidierende Personen auf die Wahlzettel notiert, was einem Anteil von über 13% entspricht. Völlig unbekannt scheint den Weiachern auch der im Bezirk ansässige Urs Hany von der CVP.

Dienstag, 27. September 2011

Septemberwetter 1961: prächtige Witterung für die Trauben

Böse Zungen behaupten ja, das Jahr 2011 sei eins mit zwei Sommern gewesen, einem im Frühling und einem im Herbst. In der Tat ist es auch Ende September noch so warm, dass man nach Sonnenuntergang abends im T-Shirt draussen arbeiten kann.

Wagen wir einen Blick 50 Jahre zurück, so gibt uns der entsprechende Monatseintrag in Walter Zollingers Jahreschronik eine ganz ähnliche Information:

«September. Ein sehr schöner Herbstmonat! Nur dreimal tagsüber regnerisch, sechsmal des Nachts oder frühmorgens, an 8 Tagen zeitweise bedeckt oder bewölkt, sonst aber, nach jeweilen bis gegen 9 oder 10 Uhr andauerndem Nebel, immer sonnige Vormittage, Nachmittage oder ganze Tage. Temperaturen an Nachmittagen beinahe konstant zwischen 18 und 22° stehend; einmal darunter (12° am 8.) und zweimal darüber (24° am 1. und am 4. Sept.). Prächtige Witterung zum Reifen der Trauben wie des Obstes. Es sollte von Letzterm nur mehr haben! Die Kartoffelernte dagegen geht bereits ihrem Ende entgegen.»

Obst hat es heuer in Hülle und Fülle, da kann man sich wahrlich nicht beklagen. Nur die zahlreichen Wespen sind eine Plage. Aber sonst könnte man sich glatt an dieses Wetter gewöhnen.

Quelle

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1961 - S. 5-6. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1961].

Samstag, 10. September 2011

Erste Erwähnung von Wyach im Druck

Die älteste erhalten gebliebene handschriftliche Notiz, welche den Ortsnamen des Dorfes Weiach erwähnt, lässt sich bekanntlich auf das Jahr 1271 datieren. Dort wurde er in der Form «Wiach» notiert. Wann aber ist Weiach erstmals im Druck erwähnt worden?

Das älteste gedruckte Dokument, das WeiachBlog bislang gefunden hat, ist ein offizieller Erlass der Zürcher Regierung, welcher ab 1532 bei Christoph Froschauer erschienen ist, die:

«Christenlich Ordnung vnnd satzung eines Ersamen Rats der Statt Zürych, den gmeinen Kilchgang vnd predigen, die Widertöuffer, Frömbde Religion, Verbotten aberglöubig künst, Kilchenrechnu[n]gen, Fyrtagen, Gottslesteren, Spilen, Zutrincken, Kleider, Waffenzetragen, Hochzyt vnd tantzen, Schebeten vnd zeeren, Reißlouffen, Wucher vnd furkouff, Die Ee vnd ander derglychen stuck, belangend: Sampt der ordnung Synodi, vornaher vßgangen. Yetzund aber alles in ein kurtzen begriff verfaßt vnd zusamen gestelt vnd in truck geben».

Solche Titel zierten damals tatsächlich das Deckblatt - ein Titel mit Inhaltsangabe sozusagen.


Zitat und Bild geben den (zu dem von 1532 fast identischen) Titel des Drucks von 1550 wieder. Auf Seite 35 des unpaginierten amtlichen Papiers wird Wyach als eine der Pfarreien des Kapitels Regensberg erwähnt:


Die Liste wird mit dem Satz «Und sind die Pfarren also ußgeteilt unnd zuo Capitlen verordnet, volgender gstalt» eingeleitet.

Ganz am Schluss der Liste folgt das «Rägensperger cap.» mit den Pfarreien «Höngg, «Wyningen», «Rägenstorff», «Dellickon», «Otelfingen», «Buchs», «Dielstorff», «Wäningen. Diac.», «Steinmur», «Stadel», «Bülach Diac.», «Niderhaßlach», «Oberglatt», «Rümlang», «Kloten», «Basserstorff», «Eglisow», «Glattfelden», «Wyl», «Raffz» und «Wyach».

Dass der Bezirk Regensberg, bzw. das entsprechende Pfarrkapitel ganz am Schluss aufgeführt wird, hat - aus welchen Gründen auch immer - Tradition in der schriftlichen Überlieferung.

Quelle

Online-Ausgaben des zitierten Werks findet man sowohl bei Google Books, wie auf e-rara.ch, einem Gemeinschafts-Portal der Schweizer Bibliotheken mit hunderten digitalisierten alten Drucken: e-Rara ZBZ.

Mittwoch, 31. August 2011

Den Alitalia-Absturz als Armeeoffizier erlebt

Daniel Rebetez, Chef Zivilschutz im Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS), einer der Chefbeamten von Bundesrat Ueli Maurer, beginnt das Editorial der jüngsten Ausgabe des Magazins «Bevölkerungsschutz» mit einer Erfahrung, die er mit vielen Weiacherinnen und Weiachern teilt. Dem Alitalia-Absturz vor über 20 Jahren:

«Liebe Leserin, lieber Leser

14. November 1990: Ich war im Militärdienst und sah mir am Abend zusammen mit dem Kommandanten der Rettungskompanie IV/10 ein Fussballspiel im Fernsehen an. Plötzlich wurde die Meldung «Absturz einer DC-9-32 der Alitalia am Stadlerberg» eingeblendet. Noch in derselben Nacht erhielt die Kompanie den Befehl, die zivilen Behörden zu unterstützen. Als Nachrichtenoffizier des Bataillons begleitete ich den Einsatz. Das Flugzeug war beim Absturz in den Wald in Brand geraten und zerschellt. Die Bergung der verkohlten Leichen erfolgte durch Freiwillige der Rettungskompanie. Nie werde ich den Geruch, der über der Absturzstelle lag, und den Anblick der weinenden Angehörigen bei der Gedenkfeier vergessen.
»

Rebetez geht dann auf einen Verkehrsunfall ein, den er als Feuerwehroffizier erlebte und führt mit diesen beiden persönlichen Beispielen das Thema der Ausgabe «Der Faktor Mensch im Katastrophenfall» perfekt ein:

«Katastrophen und auch viele Alltagsereignisse belasten die Betroffenen und die Einsatzkräfte psychisch stark. Die meisten verarbeiten das Erlebte glücklicherweise ohne nachhaltige Störungen. Jedoch überstehen manche ein Unglück zwar körperlich unbeschadet, zerbrechen aber psychisch daran.»

Umso wichtiger ist das Defusing von Einsatzkräften untereinander. Reden und schreiben darüber hilft. Wie das geht, darüber berichtet «Der Faktor Mensch im Katastrophenfall».

Diese und auch die früheren neun Themen-Ausgaben der Zeitschrift «Bevölkerungsschutz» sind es wert gelesen zu werden: Link auf die BABS-Seite.

Quelle

Weiterführende Literatur zum Absturz

Dienstag, 30. August 2011

Der Landschreiber soll im Neuamt wohnen

Die Obervögte der Zürcher Obervogtei Neuamt residierten zu Zeiten des Ancien Regime nicht etwa vor Ort (wie z.B. auf Kyburg in einem Landvogteischloss mitten in der Vogtei), sondern blieben in der Stadt Zürich wohnhaft.

Konsequenterweise war ihre Kanzlei in der Nähe untergebracht. Das änderte sich auch in der Restaurationszeit ab 1813 nicht: im Mai 1814 unterzeichnete «Landschreiber Heß, zu Stadelhofen» zuhanden der «Canzley Neuamt» (vgl. Zürcherisches Wochen-Blatt, Nro. 40, Donnstag Den 19. May 1814 bzw. Nro. 43, Montag Den 30. May 1814). Mit anderen Worten: der Landschreiber hatte seine Kanzlei direkt vor den Toren der Stadt und wohnte wohl auch nicht weit davon entfernt.

Die Notariatskanzlei für Weiach war in der Stadt Zürich

Für die Weiacher und andere Neuämtler bedeutete dies, dass sie für notarielle Geschäfte rund einen Tag einrechnen mussten. So lange dauerten die Reise von Weiach nach Zürich, der Amtstermin und die anschliessende Rückreise - selbst wenn man ein Pferd zur Verfügung hatte.

Noch 1830 war die Kanzlei wie selbstverständlich mitten in der Stadt Zürich ansässig, wie nachstehende Umzugsanzeige beweist:

«Es wird hiermit bekannt gemacht, daß vom 26ten dieses Monaths an die unterzeichnete Canzley nicht mehr in No. 102 in Gassen sondern im Hause zum Waldros [?] No. 282 große Stadt, oben an der Spiegelgasse, zu finden ist. - Canzley Neuamt, Rümlang und Weyach.» (Zürcherisches Wochen-Blatt Nro. 22. Donnerstag, den 18. März 1830, Avertissements Nr. 15)

Verlegung des Aufenthaltsorts ins Neuamt verlangt

Nach der liberalen Staatsumwälzung fassten sich die Neuämtler ein Herz und verlangten von der neuen Regierung, dass die Kanzlei näher bei ihnen angesiedelt sein solle.

Am 22. Oktober 1831 beriet der Regierungsrat über ein «Gesuch der Gemeinden des Kanzleybezirkes Neuamt, daß ihr Landschreiber angehalten werden möchte, seinen Wohnsitz in Niederglatt zu nehmen»:

«Ein vom 8ten d. M. [dieses Monats] datirtes Gesuch der Gemeinden des Kanzleybezirkes Neuamt, daß ihr Landschreiber angehalten werden möchte, in Niederglatt als dem Mittelpunkte des Bezirkes seinen Wohnsitz aufzuschlagen, wird der L. [Löblichen] Gesetzes-Revisions-Commißion überwiesen, auch den Petenten von dieser Verfügung Kenntniß gegeben.» (RRB 1831/1328; StAZH MM 2.4, S. 158)

Daraufhin scheint wenig Konkretes gegangen zu sein, sonst hätte sich der Regierungsrat nicht am 24. September 1833 mit dem inhaltlich identischen «Ansuchen der Notariatsangehörigen von Neuamt um Verlegung des Aufenthaltsortes des Landschreibers in ihre Mitte» befassen müssen. Sie formulierte deshalb eine höfliche Beschwerde an die Adresse der zuständigen Kommission:

«Das vom 19. d. M. datirte Gesuch der zum Notariatskreise Neuamt gehörenden Gemeinden, daß der dasige Landschreiber angehalten werden möchte, seinen Wohnsitz in Niederglatt als dem Mittelpunkt des Notariates aufzuschlagen, wird der Gesetzgebungs-Revisions-Commißion überwiesen, auch bey dieser Gelegenheit der Wunsch gegen diese verehrliche Stelle ausgedrückt, daß sie möglichst die Vorlegung der Notariatsordnung beschleunigen möchte.» (RRB 1833/1697; StAZH MM 2.13, S. 225)

Niederhasli und Höri fahren Extrazügli

Aber auch jetzt ging monatelang gar nichts, weshalb nun einzelne Gemeinden aktiv wurden und versuchten, den Amtssitz in ihre eigene Mitte zu ziehen:

Am 23. Dezember 1834 hatte der Regierungsrat das «Gesuch der Gemeinde Niederhasle um Verlegung des Notariats Neuamt nach da» auf dem Tisch und beschloss:

«Das vom 10. d. M. datirte Gesuch der Gemeinde Niederhasle, daß der Sitz der Kanzley Neuamt dahin, als den Mittelpunkt des Notariatskreises, verlegt werden möchte, – wird der Gesetzgebungs-Revisions-Commißion zu gutfindendem Gebrauche überwiesen». (RRB 1834/2092; StAZH MM 2.21, S. 102)

Der Grosse Rat soll endlich entscheiden

Offensichtlich war auch mehr als 2 Jahre später noch kein Umzug ins Neuamt erfolgt, weshlb der Regierungsrat am 28. Februar 1837 über ein «Gesuch der Gemeinden Weiach und Niederhasle um Abänderung des Wohnsitzes des Landschreibers der Kanzley Neuamt» zu befinden hatte und ins Protokoll schreiben liess:

«Die vom 8. und 21. d. M. datirten Gesuche der Gemeinden Weiach und Niederhasle, daß dem nächsten Großen Rathe ein Gesetzesvorschlag betreffend Veränderung des Wohnsitzes des Landschreibers der Kanzley Neuamt vorgelegt werden möchte, werden der Gesetzesrevisions-Commißon zu gutfindendem Gebrauche überwiesen.» (StAZH MM 2.34 RRB 1837/0340, S. 291)

Regierungsrat genervt

Nachdem sich die Gesetzesvorlage weiter verzögerte und am 1. April 1837 schon wieder ein Gesuch auf die regierungsrätliche Traktandenliste kam - das «Gesuch der Gemeinde Höri um Verlegung des Sitzes des Landschreibers der Kanzley Neuamt nach Ober-Höri» - lässt die Formulierung im Protokoll keinen Zweifel darüber aufkommen, dass die Regierung offensichtlich ziemlich genervt war und darauf drängte, der Kantonsrat möge sich endlich mit der Angelegenheit befassen:

«Das vom 25. v. M. datirte Gesuch der Gemeinde Höri, daß der Sitz des Landschreibers der Notariatskanzley Neuamt nach Ober-Höri verlegt werden möchte, wird der Gesetzgebungs-Revisions-Commißion mit der Einladung überwiesen, dem Großen Rath mit möglichster Beförderung einen Antrag über das erwähnte Begehren zu hinterbringen.» (RRB 1837/0537; StAZH MM 2.35, S. 147)

Ob und was das Parlament schliesslich beschlossen hat, dürfte ein Blick in die Protokolle des Grossen Rates zeigen.

Aus der Archivdatenbank des Staatsarchivs geht hervor, dass es erst 1842 einen «Entwurf zum Gesetz betr. Veränderung und Abgrenzung der Notariatskreise: Kyburg-Winterthur, Neuamt, Grüningen, Herrliberg, Andelfingen, Greifensee, Wädenswil, Pfäffikon und Knonau» gegeben hat (vgl. StAZH P 10.2.1).

Weiterführende Artikel

Zur Obervogtei und ihrer Kanzlei vgl. die folgenden Beiträge auf WeiachBlog:

Montag, 29. August 2011

Bewaffnete Frauen errichten «Strassensperre»

Gemeinderat Thomas Steinmann hat in seiner Bundesfeier-Rede (vgl. WeiachBlog vom 2. August 2011) die zunehmend schwindende Solidarität mit dem Gemeinwesen beklagt. Konkret: das sich in Luft auflösende Milizprinzip.

Ob sich die Situation wirklich so stark verschlimmert oder es sich bloss um die in nicht allzu einfachen Zeiten üblichen Klagen handelt, sei dahingestellt.

Wenn es um die Wurst geht, dann stehen wieder genug Leute selbstlos und mutig hin. So wie die Weiacherinnen vor 300 Jahren Wehrhaftigkeit bewiesen haben.

Früher «Frauenhilfsdienst»

Wie sich diese manifestiert hat wurde von verschiedenen Autoren berichtet, unter anderem auch Jürg Stüssi-Lauterburg (Chef der Bibliothek am Guisanplatz (BiG) in Bern, in der die frühere Eidgenössische Militärbibliothek aufgegangen ist).

Stüssi-Lauterburg befasste sich mit der Geschichte der Frauen in der Armee und kam dabei auf den sogenannten «Blinden Lärmen» von 1703 zu sprechen:

«Als Anna Willi Meyerhofer aus Weiach 1703 bei Kaiserstuhl den Feind zu erspähen glaubte, mobilisierte sie, angesichts der Abwesenheit der Männer ihres Dorfes an der Musterung, 20 behelfsmässig bewaffnete Frauen und errichtete eine Strassensperre gegen Kaiserstuhl. Es handelte sich 1703 um einen Fehlalarm, die Reaktion ist aber typisch geblieben.»

Ist auf der Strasse stehen = Strassensperre errichten?

Was ist unter dieser «Strassensperre» zu verstehen? Behelfsmässig errichtete Barrikaden? Es ist völlig unklar, was Stüssi-Lauterburg mit dieser Bezeichnung meinte und noch unklarer, welche Quellen er dafür anführen müsste.

In den Protokollen von 1703 selber (vgl. Weiacher Geschichte(n) 56) wird lediglich erwähnt, Untervogt Maag habe «20 Weiber mit Mistgablen» angetroffen.

Und Gustav Jakob Peter schreibt in seiner Dissertation «Geschichte des zürcherischen Wehrwesens im XVII. Jahrhundert» auch nur davon, dass die Weiacherinnen sich «alsbald mit Mistgabeln bewaffnet, auf der Strasse gegen Kaiserstuhl postierten». Diese Ortsangabe ist - verglichen mit dem Protokoll der Zürcher Obrigkeit von 1703 - ebenfalls eine Novität. Dort wird nämlich nicht erwähnt, wo genau Maag die Weiber angetroffen hat.

Die Details und Quellen zu diesem «Lärmen» kann man übrigens in den Weiacher Geschichte(n) Nr. 56 nachlesen.

Quellen