Donnerstag, 21. Januar 2016

Holzlager muss weg: unzulässiger gesteigerter Gemeingebrauch

Gesteigerter Gemeingebrauch. So sagen Juristen dem Umstand, dass jemand mehr als den üblichen Umfang von einem Gemeingut beansprucht. Also beispielsweise kubikmeterweise Wasser aus einem öffentlichen Gewässer abpumpt, um damit seine Felder zu bewässern. Da und dort eine Spritzkanne aus dem selben Gewässer zu entnehmen, das hingegen fällt noch nicht unter diese Definition (vgl. dazu diese Vorlesungsfolien aus dem Rechtswissenschaftlichen Institut der Universität Zürich).

Um so einen Fall «nicht mehr bestimmungsgemässer oder gemeinverträglicher» Nutzung öffentlichen Grund und Bodens handelte es sich vor bald 90 Jahren, als der Weiacher Gemeinderat folgendes Geschäft bearbeiten musste:

«Von Wegknecht Meierhofer wurde die Anzeige gemacht, dass Nepfer Albert trotz erfolgter Mahnung immer noch Holz bei seinem Hause auf Gemeindeeigentum abgelagert habe. Wurde beschlossen Nepfer Albert aufzufordern, dass er genanntes Holz innert 10 Tagen auf dem Gemeindegebiet zu entfernen habe.» (Sitzung vom 27. Juli 1929, Geschäft 5)

Nepfer sah das wohl etwas anders. Für ihn war dieses Holzlager wahrscheinlich nur «schlichter Gemeingebrauch» und damit gemeinverträglich.

Quelle
  • Protokoll des Gemeinderates 1928-1934, S. 77. [Archiv der Politischen Gemeinde Weiach; Signatur: IV B 02.11]

Mittwoch, 20. Januar 2016

Wann wurden die Strassen durchs Dorf geteert?

Für die Ausgabe 2016 der Weiacher Ortsgeschichte (vgl. WeiachBlog vom 4. Januar 2016) habe ich mich vertieft mit den Orts- und Strassennamen beschäftigt. Dabei ist mir im Artikel «Staubplage, Hahnenzins und freilaufende Hühner. Womit sich der Gemeinderat vor acht Jahrzehnten herumschlagen musste» (Weiacher Geschichte(n) Nr. 110; erstmals publiziert vor 7 Jahren) ein Interpretationsfehler aufgefallen. Und zwar in den Abschnitten, wo es um die Strassen geht.

Was ist eine Hauptstrasse?

Mit den «Hauptstrassen durch das Dorf» (wie der Gemeinderat sie vor rund 85 Jahren in seinen Protokollen nennt) sind nicht - wie im Januar 2009 (WG(n) 110, S. 443-445) fälschlicherweise angenommen - die Chälenstrasse und die Oberdorfstrasse gemeint. Darunter verstanden die Weiacher zur damaligen Zeit wohl eher die Staatsstrasse am Gasthof Sternen vorbei (Kaiserstuhler-/Glattfelderstrasse, d.h. die heutige Hauptstrasse Nr. 7) sowie die Stadlerstrasse.

Dass dem so ist, erschliesst sich aus den Gemeinderatsprotokollen selber (vgl. WG(n) 110), heisst es da doch, dass «betr. Linderung der Staubplage die Strassenstrecke von der Linde bis Mühle Funk» mit Sulfitlauge bespritzt werden solle. Die direkte Verbindung zwischen diesen beiden Punkten (Restaurant Linde, Stadlerstr. 16 bis auf die Höhe der Mühle, Müliweg 7) ist die heutige Stadlerstrasse. Die Sulfitlaugen-Methode wurde übrigens bis in die 60er-Jahre hinein praktiziert, wie vom ehemaligen Weiacher Gemeindeschreiber Hans Meier-Forster zu erfahren war (Telefongespräch am 19.1.2016).

Die obgenannten Strassenzüge dienen dem überregionalen Verkehr und werden daher heute komplett durch den Kanton unterhalten (Winterdienst inklusive). Zur damaligen Zeit musste die Gemeinde immerhin noch für den Winterdienst sorgen (vgl. WeiachBlog vom 6. Januar 2016, Absteigerung auf Führen der beiden Pfadschlitten). Für Verbesserungen an diesen Strassen war zwar der Kanton zuständig, zog zur Finanzierung allerdings die Gemeinde mit nicht gerade kleinen Beiträgen heran. So geschehen 1930, als es um die vom Kanton geplante, erstmalige «Theerung» der Strasse zwischen dem Gasthof Sternen und der östlichen Gemeindegrenze (zu Glattfelden hin) ging.

Korrigierte Neuausgabe

Mit der fehlerhaften Interpretation verbundene Zuschreibungen im Artikel 110 sind korrigiert worden. So auch der Zwischentitel «Gemeindestrassen bitte auch teeren!», der jetzt «Stadlerstrasse bitte auch teeren!» lautet. Denn beim Thema Teerung ging es um Strassen, die heute der Kantonshoheit unterliegen.

Die eigentlichen Gemeindestrassen wurden erst Jahrzehnte später geteert. Alt Gemeindeschreiber Meier erinnert sich, dass bei seinem Amtsantritt sowohl die Chälen- wie auch die Oberdorfstrasse zumindest eine solche «Oberteerung» aufwiesen.

Und hier geht es zur korrigierten Version:
Weiacher Geschichte(n) Nr. 110, Ausgabe Januar 2016.

Dienstag, 19. Januar 2016

Beziehungsdelikt am Villenhang? Eine Medien-Analyse

In den letzten rund 50 Stunden ist - wieder einmal - ein medialer Wirbelsturm über die kleine Gemeinde Weiach hinweggefegt. Dutzende von Artikeln und sogar TV-Beiträge! Vom Tessin übers Welschland bis ins Fürstentum Liechtenstein und in den benachbarten Landkreis Waldshut. Und man kann sich denken, was auch diesmal die Ursache war. In solchen Fällen handelt es sich immer um spektakuläre Unglücksfälle und Verbrechen.



So sah der Teaser bei Blick Online aus. Wie es sich dort gehört: mit riesigen Buchstaben und emotionalisierender Schlagzeile.

Nur die Götter wissen mehr

Was sich am frühen Sonntagmorgen, dem 17. Januar 2016 um kurz nach vier Uhr an der Trottenstrasse 46 in Weiach genau abgespielt hat, das wissen die direkt Involvierten und sonst nur noch Gott selbst.

Und deshalb äussert sich WeiachBlog hier auch nur noch zu diesem Sekundäreffekt: den Medien-Wirkungen. Und nicht zum tragischen Ereignis als solchem.

Die forensischen Götter in Weiss glaubten mindestens einige der juristisch relevanten Details eruieren zu können, so dass die Staatsanwaltschaft bereits am Montagnachmittag bekanntgegeben hat, beim Täter handle es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um den Toten.

Verkürzung von Aussagen durch Medienschaffende

Und was machen die Medien daraus? Herausposaunt wurde heute Dienstag bei der Mehrheit, es handle sich um ein Beziehungsdelikt und der Tote sei der Täter gewesen. Punkt. Kein Wort davon, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind.

Dieser (ernüchternde) Befund sagt viel darüber aus, wie Aussagen von Mediensprechern von den Adressaten interpretiert werden können. Und vor allem spricht es Bände über die Denkweise der Mehrheit der Medienschaffenden (und letztlich die Konsumgewohnheiten der Medienkonsumenten).

Differenzierungen liest man zwar in der NZZ oder in ein paar der seriöseren Regionalzeitungen. Der «Zürcher Unterländer» beispielsweise betont, diese These sei die «plausibelste Variante», die Untersuchungen seien jedoch noch nicht abgeschlossen und zitiert zum Schluss Staatsanwalt Matthias Stammbach: «Es werden noch verschiedene Dinge geprüft. Am Schluss werden wir sagen können, ob wir unsere jetzige Version aufrechterhalten können.» Aber selbst der «Unterländer» titelt mit: Ex-Freund schoss auf Frau und richtete sich selbst (18.1.2016, 14:27). Ganz ähnlich die «Limmattaler Zeitung» (18.1.2016, 14:13).

Nach weniger als 5 Stunden ging es los

Doch zurück zum Sonntagmorgen: die offizielle Medienmitteilung der Kantonspolizei Zürich ist schon früh veröffentlicht worden, gemäss Mediendienst der KAPO «kurz vor 9 Uhr»:



Fast zur gleichen Zeit brachte 20 Minuten die Breaking News unter die Leute (vgl. den Zeitstempel, der 08:56 zeigt):



Woher auch immer eine der beiden grossen Pendlerzeitungen des Landes so früh an der Information dran war: die KAPO-News kann man als RSS-Feed abonnieren, was News-Redaktionen natürlich tun.
Um 09:14 stellte der Zürcher Unterländer seinen ersten Artikel zum Thema ein. Und spätestens als die Schweizerische Depeschen-Agentur sich des Themas annahm, war dessen Marsch durch die Medienlandschaft nicht mehr aufzuhalten.

Fischen nach Informationen: Videojournalisten auf der Pirsch

Dann erging sich der auf den Spuren des Grossaufgebots von Polizei und Gerichtsmedizin aufgefahrene Medientross in Spekulationen, wobei dem Blick in der Hitze des Gefechts schon einmal die Rechtschreibung unter das Eis ging (Link zum Artikel):



Das Schweizer Fernsehen brachte bereits in der Mittags-Tagesschau einen kurzen Beitrag:



Und selbst das auf die Ostschweiz spezialisierte Unternehmen TeleTOP (mit Sitz in Winterthur) schickte einen Video-Journalisten vor Ort, der dann nicht nur den an diesem Morgen Dienst habenden Sprecher der Kantonspolizei (vgl. deren Medienmitteilung oben) interviewte...



... sondern gleich auch noch einer Anwohnerin ein paar Statements entlocken konnte:



Am Sonntagabend war der Vorfall dann ziemlich weit oben in den News des Privatsenders:



Natürlich hat auch die Regionalzeitung Zürcher Unterländer dem Ereignis mehrere Teaser und die dazugehörigen Artikel gewidmet. Nachstehend der Hauptartikel vom Sonntag:



In der Gesamtschau wird überdeutlich, wie wichtig Bilder im «Medienzirkus» heutzutage sind. Deshalb sind sie diesem Beitrag in einer sonst für WeiachBlog unüblichen Dichte beigefügt worden.

Sonntag, 17. Januar 2016

Schlitteln auf Verkehrsstrassen verboten

Noch vor einigen Tagen herrschte so etwas wie Dauerherbst (vgl. den Kommentar eines unbekannten Zugreisenden im WeiachBlog vom 31. Dezember). Jetzt scheint aber auch in den tieferen Lagen der «richtige» Winter einzuziehen. Ob die herangeschneite Menge zum Schlitteln reicht, das wird sich weisen.

Gemeinderat greift ein

Immerhin gibt der Schnee den Anlass, ein paar Jahrzehnte zurückzuschauen, wie man dieses von mehrheitlich jungen Bevölkerungsschichten praktizierte winterliche Vergnügen damals behördlicherseite beurteilte. Nämlich so wie auf dem Bild:

«Um Unglück zu verhüten, soll durch den Weibel bekannt macht werden, dass das Schlitten [sic!] auf Verkehrsstrassen verboten sei.» (Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 21. Februar 1931, Traktandum 8)

Bekanntgabe durch den Weibel hiess damals: der gemeinderätliche Erlass wurde öffentlich ausgerufen.

Von irgendwelchen Hängen an der Fasnachtflue oder am Riemli ist bei diesem Verbot also nicht die Rede. Dort überliess der Gemeinderat die Angelegenheit den Grundeigentümern. Sein Machtwort galt nur bezüglich der befahrenen Strassen, auf denen Zusammenstösse entweder schon vorgekommen waren oder man zumindest befürchten musste, es werde dazu kommen.

«Absperren von Strassen und Wegen, Schlittelwege»

Wenn man sich die heute geltenden Vorschriften auf Gemeindeebene anschaut, dann findet man in der Polizeiverordnung aus dem Jahre 2010 (vgl. Link unter Quellen) unter dem gerade genannten Titel von Art. 37 lediglich eine indirekte Regelung:

«Das unberechtigte Sperren von öffentlichen Strassen, Fuss- und Waldwegen ist verboten. Der Gemeinderat kann befristete Ausnahmen bewilligen. Bei anderen Strassen bedarf es zusätzlich der Zustimmung der Eigentümer.» (Art. 37 PolVo Weiach 2010)

Es ist also heute offenbar nicht prinzipiell verboten, auf Gemeindestrassen zu schlitteln. Mangels Schnee ist das zwar seit Jahren kaum mehr ein Thema. Sollte es aber dereinst wieder einmal viel Schnee geben, bleibt es dem Gemeinderat unbenommen, eine Strasse für den Verkehr zu sperren, um dort das Schlitteln zu ermöglichen.

Wahrscheinlich kommt dafür höchstens die obere Sektion der Stockistrasse in Frage. An allen anderen genügend steilen, in Dorfnähe gelegenen Gemeindestrassen wohnen nämlich Anstösser, die (in Ermangelung einer Umfahrungsmöglichkeit) gar keine Freude an einem befristeten Fahrverbot hätten.

Schlittler mit Bauchbinde ist hochoffiziell

Abschliessend sei noch auf die bundesrechtliche Verankerung (und Quelle des obigen Bildes) hingewiesen, nämlich Art. 19 Abs. 4 SSV in der so genannten «Signalisationsverordnung». Dieser Absatz hält fest:

«Das Signal «Skifahren verboten» (2.15.1) untersagt das Fahren mit Skis jeglicher Art, das Signal «Schlitteln verboten» (2.15.2) das Fahren mit Schlitten jeglicher Art. Die Signale sind am Ende der winterlichen Verhältnisse zu entfernen.»

Das Bild oben ist damit hochobrigkeitlich festgelegt. Samt weisser Bauchbinde.

Quellen
  • Protokoll des Gemeinderates 1928-1934, S. 161. (Archiv der Politischen Gemeinde Weiach; Signatur: IV B 02.11)
  • Polizeiverordnung der Gemeinde Weiach vom 16. Juni 2010 (PolVo Weiach 2010).

Montag, 11. Januar 2016

Kantonspolizist schützt seine Informanten

Vor 85 Jahren gab es in Weiach zwar obrigkeitlich verordnete Ladenöffnungszeiten und Vorschriften für die Wirte. Die wurden aber offenbar nicht eingehalten, wie man dem Gemeinderatsprotokoll vom 10. Januar 1931 entnehmen kann:

«Lt. Schreiben von Polizist Müller dat. 6. Januar 1931 seien ihm in letzter Zeit verschiedene Klagen eingegangen, dass die Spezereiläden, Metzgereien, Bäckereien, etc. dem Gesetz betr. die öffentlichen Ruhetage und dem Gesetze betr. dem Ladenschluss an Werktagen allzuwenig Beachtung schenken und diese Gesetzesbestimmungen übertreten, ebenso, dass in den Wirtschaften die Bestimmungen der §§ 54 und 55 des Wirtschaftsgesetzes übertreten werden und ersucht die Behörde die Fehlbaren betr. genannten Uebertretungen zu wahrnen [sic!]. Gestützt auf vorstehendes Schreiben wurde beschlossen, Polizist Müller aufzufordern, dem Gemeinderat zuerst die Beschwerde führenden Personen zu nennen bevor die Verwahr[n]ungen erfolgen sollen.»

Entweder war es um die Glaubwürdigkeit dieses immerhin auf den Staat vereidigten Beamten nicht zum Besten bestellt. Oder der Gemeinderat war schlicht und einfach der Meinung, er müsse um die Identität der Informanten wissen, um eine Verwarnung auszusprechen.

Mit ihrem Ansinnen bissen die Gemeindeväter allerdings bei Müller auf Granit, wie man dem übernächsten Sitzungsprotokoll vom 31. Januar 1931 entnehmen kann:

«Lt Schreiben von Polizist Müller will er trotz Aufforderung die Beschwerdeführer betr. Uebertretung der Ladeninhaber, Bäckereien und Metzgereien sowie der Wirtschaften nicht nennen.»

Nun hätte man ja einfach eine Ermahnung an die Adresse aller Ladeninhaber und Wirte richten können. Aber der Gemeinderat hat die Angelegenheit wohl ad acta gelegt. So viel zum Thema «blinde Justitia».

Quelle
  • Protokoll des Gemeinderates 1928-1934, S. 153-154 u. 156. [Archiv der Politischen Gemeinde Weiach; Signatur: IV B 02.11]

Sonntag, 10. Januar 2016

Der Jet auf dem Satellitenfoto

Die Nase stösst direkt an die Hauswand Luppenstrasse 1, der linke Flügel bohrt sich ins Bauernhaus Büelstrasse 3 (das eigentlich am Brunnenweg liegt. Und der rechte Flügel verdeckt den südöstlichen Teil der Liegenschaft Büelstrasse 1.

Was dramatisch tönt, ist lediglich die Beschreibung des Bildes, das sich ergibt, wenn ein Satellit im richtigen Moment dieses Foto schiesst.

War es wirklich ein Satellit, der da über das Dorfzentrum flog? Wenn man sieht, wie gestochen scharf das Bild ist, dann könnte es sich auch um eine Luftaufnahme eines Vermessungsflugzeugs handeln, das im Auftrag des Bundesamts für Landestopografie (swisstopo) unterwegs war.

Oder des Landes Baden-Württemberg. Denn Google bezieht - wie man bei den Quellenangaben für Bilder im Grenzbereich zu Deutschland sieht - auch Daten von «GeoBasis-DE/BKG». BKG steht für das deutsche Bundesamt für Kartographie und Geodäsie.

Dafür, dass es ein Satellit war, spricht ein Artikel in Spiegel Online. Der Satellit WorldView-3 (im August 2014 ins All geschossen) liefere nämlich Bilder mit 30cm Auflösung. Und wenn man sich die zum Artikel gehörende Bildstrecke ansieht, dann ist die Qualität durchaus vergleichbar mit der oben gezeigten.

Noch eine Bemerkung zu den Strassenbezeichnungen auf dem Google'schen Luftbild. Die Bezeichnung «Büelstrasse» hinter dem Heck des Flugzeugs ist - mit Verlaub und angepasst an die Herkunft des Unternehmens - «Bullshit»! Diese Strasse heisst «Bachweg». Das wird bei Konsultation des offiziellen GIS des Kantons Zürich (maps.zh.ch) sofort ersichtlich.

Quelle
  • Dambeck, Holger: Ultrascharfe Satellitenfotos. So erfahren Sie, was Ihr Nachbar treibt. In: Spiegel Online, 27.2.2015.

Samstag, 9. Januar 2016

Die Höhe des Kirchturms zu Weiach

In diesem Jahr wird die Weiacher Pfarrkirche im Büel 310 Jahre alt. Und sie ist nach wie vor einsame Spitze. Jedenfalls was die Gebäudehöhe in der Gemeinde anbelangt. Kein anderer Bau ragt höher in die Luft als die Spitze des Dachreiters.

Fast so wie in Salt Lake City. Dort durfte das Capitol auch nicht höher sein als der Haupttempel der Mormonen. Aber Spass beiseite: Hochhäuser sind in einem sich selbst als Bauerndorf deklarierenden Gemeinwesen halt schon keine Option. Und so wird die Kirche wohl noch lange keine Konkurrenz erhalten.

Wie hoch ist denn nun die Kirchturmkugel gelegen. Sicher, das könnte man mittels Trigonometrie herausfinden. Ein paar Strecken messen und fertig. So ganz einfach ist es dann aber doch nicht, wie man dem Online-Lexikon von Spektrum der Wissenschaften entnehmen kann. Von der genauen Messung des Winkels hängt einiges ab.

Da kommt einem das GIS des Kantons Zürich gerade recht. Denn da findet man Angaben aus zwei Modellen: dem DTM (digitales Terrainmodell) und dem DOM (digitales Oberflächenmodell). Ersteres bildet die gewachsene Oberfläche ohne Bebauung ab. Letzteres berücksichtigt auch die Häuser.



Genau 33.85m hoch ist der Weiacher Kirchturm, so mindestens muss man schliessen, wenn man DOM minus DTM rechnet. Also Digitales Oberflächenmodell minus Digitales Terrainmodell.

Kann das stimmen? Ja, durchaus, denn wenn man den Cursor auf dem Kirchenschiff und den umliegenden Gebäuden herumbewegt, dann zeigen die alle signifikant tiefere DOM-Werte. Auch die einschlägige Broschüre des Bundesamts für Landestopographie (von 2005!) stützt den Befund. Die seit einigen Jahren erfasste Punktdichte ist beeindruckend:

«Das Oberflächenmodell DOM bildet die beständig sichtbare Oberfläche ab und beinhaltet somit Wälder, Gebäude und weitere Kunstbauten. Die hohe Punktdichte und die Erfassungsgenauigkeit des Lasers (ca. 30 cm) erlauben einen bis anhin unerreichten Informationsreichtum und ermöglichen eine hochwertige 3D-Abbildung der Landschaft.»

Freitag, 8. Januar 2016

Kies- und Sandreinigen im Haslirain

Im WeiachBlog-Beitrag von gestern war die Rede vom Kiesführen für die Gemeindestrassen.

Nach Strüby's Rechnungsbüchlein wurden im Winter 1928/29 immerhin rund 91 Kubikmeter Kies benötigt. Stellt sich natürlich die Frage, woher dieses Kies gekommen ist. Das grosse, industriell geführte Werk der Weiacher Kies AG im Hard gab es ja noch nicht (das war erst ab 1962 in Betrieb).

Wie man dem Gemeinderatsprotokoll entnehmen kann, stammte das Material auch damals schon aus heimischer Quelle. Nämlich aus der gemeindeeigenen Kiesgrube im Hasli:

Steigerung den 28. Dezbr. 1928 über das Kies- und Sandreinigen im Haslirain

«1. Das Kies- und Sandreinigen wird per m3 vergeben.
2. Die Arbeit umfasst die Herschaffung von gewöhnlichen Strassenkieses und Maurersand, ersteres soll die Eigenschaft haben, wie dasjenige welches auf die Staatsstrasse verwendet wird, das heisst von Sand und gröberen Steinen gereinigt sein. Alzu grobes und schlechtes Material wird nicht abgenommen und bezahlt.
3. Das Material soll an regelmässige Haufen geschafft werden, damit die Vermessung an diesem stattfinden kann.
4. Der Uebernehmer ist verpflichtet für den Bedarf der Gemeinde jederzeit das erforderliche Quantum Kies und Sand herzuschaffen und je bis 1. Oktober in Bereitschaft zu halten. Für den Fall, dass der Kiesmacher diesen Verpflichtungen nicht nachkommt, hat der Gemeinderat das Recht demselben den Akort sofort zu entziehen und anderswie zu vergeben. Für allfällige Mehrkosten haftet der erste Uebernehmer.
5. Die Kiesgrube soll in gleichmässiger Art und Weise ausgebeutet, sowie eine richtige Abschrägung inne gehalten werden. Für Unfälle, welche durch Nichterfüllung obiger Bestimmungen entstehen, haftet der Uebernehmer.
6. Dem Kieswerfer ist untersagt ohne Bewilligung des Gemeinderates Kies oder Sand zu verkaufen, und ist verpflichtet allfällige Entwendungen dem Gemeinderate anzuzeigen.
7. Für Kies der an Private in der Gemeinde abgegeben wird hat der Bezüger per m3 80 Rp, für Sand 1.30 Frk.; für auswärts der Gemeinde führenden Kies 1.80 Frk und für Sand 2.30 Frk. ans Gemeindegut zu bezahlen. Für die Zurichtung von solchem Kiese hat der Kieswerfer 1.50 Frk, für Sand 1.80 Frk. per m3 für sich zu beziehen. Ueber das so abgeführte Kies und Sand hat der Kieswerfer ein genaues Verzeichnis zu führen und dasselbe je am Schlusse des Halbjahres der Gemeindegutsverwaltung abzugeben.
8. Der Akort wird für drei Jahre abgeschlossen, also bis 1. Januar 1932.
9. Die Auszahlung des Lohnes erfolgt vom der Gemeindegutsverwaltung nach stattgefundener Vermessung des Materials.
10. Die Absteigerung findet in zwei Umgängen statt, und erfolgt die Zusage bei annehmbarer Forderung an den Mindestforderer.
»

Der Lohn für den Kieswerfer pro Kubikmeter gerüsteten Materials ist also genau festgelegt, wenn es um Kies- und Sandbezüge von Privaten geht. Die Differenz zwischen dem Fixlohn und dem Verkaufspreis für Auswärtige zeigt, welchen Wert die Gemeinde für einen Kubikmeter Kies (30 Rappen) bzw. Sand (50 Rappen) als angemessen betrachtet hat.

Die Absteigerung auf Mindestgebot bezieht sich also nur auf das Rüsten von Sand und Kies für die Gemeinde und ergab:

«Die Arbeit wurde zugesagt dem Mindestforderer Karl Willi um Frk. 2.40 per m3.»

Das bedeutet: die Gemeinde hatte einen Selbstkostenpreis von Frk. 2.40 pro Kubikmeter selbst bezogenen Kies oder Sand. Und das waren 60 Rappen mehr als wenn ein auswärtiger Privater ihn bezog (bei Sand nur 10 Rappen)! Von Preiserhöhungen ist mir bislang nichts bekannt. Aber diese durch das Resultat der Absteigerung bedingte Differenz wird die Gemeinderäte schon geschmerzt haben.

Noch eher verständlich, aber dennoch erstaunlich, ist die massive Subventionierung des von Gemeindeeinwohnern bezogenen Materials. Ob Kies oder Sand: im Vergleich mit Auswärtigen sparten sie je Kubikmeter einen ganzen Franken. Was damals nicht wenig war. Die Gemeinde selber sponserte jeden Kubikmeter Kies mit 70 Rappen, jeden Kubik Sand mit 50 Rappen (Differenz zw. Stücklohn Kieswerfer und dem in die Gemeindekasse zu zahlenden Bezugspreis).

Karl Willi als Übernehmer ist wohl identisch mit dem Kiesmacher bzw. Kieswerfer. Die Gemeinde hat ja den Auftrag vollumfänglich vergeben, wieso sollte da ein Angestellter des Übernehmers bei der Gemeindegutsverwaltung Stücklohn abholen können? Interessante ist, dass Willi bei diesem Zuschlagspreis gar kein Interesse daran haben konnte, Kies oder Sand an Dritte (nicht in der Gemeinde Wohnende) abzugeben. Da verdiente er nämlich massiv weniger - bei gleicher Arbeit.

Quelle
  • Protokoll des Gemeinderates 1928-1934, S. 40-42.(Archiv der Politischen Gemeinde Weiach; Signatur: IV B 02.11)

Donnerstag, 7. Januar 2016

Versteigerung des Kiesführens auf die Gemeindestrassen

Nachdem im gestrigen Beitrag die Pfadschlitten das Thema waren, sei hier auf einen weiteren Aspekt des Strassenunterhalts verwiesen.

Grundeigentümer mit gekiesten Flurwegen kennen das Phänomen: auf nicht geteerten oder betonierten Strassen wird das Bett je nach Intensität der Niederschläge mehr oder weniger abgeschwemmt. Man muss also regelmässig den bisherigen Zustand wiederherstellen. Sonst ist die Strasse bald einmal keine mehr.

So ist denn auch der nachstehende, im Gemeinderatsprotokoll vom 10. November 1928 zu findende Entscheid der Gemeinde Weiach zu verstehen: «Die Absteigerung über das diesjährige Kiesführen wurde auf nächsten Dienstag Abend im Sternen vertagt.»

Nach den Verhandlungsergebnissen ist im Protokoll das Resultat dieser Absteigerung notiert:



«Absteigerung über das diesjährige Kiesführen auf die verschiedenen Gemeindestrassen den 13. Novbr. 1928 im Gasthofe zum Sternen.

Bestimmungen:
1. Die Angebote sind per m3 (Laden inbegriffen) zu machen.
2. Die Uebernehmer sind verpflichtet sich den Anordnungen des Gemeindewerkführers zu unterziehen.
3. Es finden zwei Umgänge statt.

Das Kiesführen wurde vergeben an
Los N°1. Griesgraben, Steinbruch und Oberdorf ca. 9 m3: Oskar Meierhofer à Frk 7 pro m3
Los N°2. Isebühli und Bachserstrasse ca. 7 m3: Rudolf Griesser à Frk. 4.30 per m3.
Los N°3. Oberzelgli Strasse b. Julius Meierhofer ca. 24 m3: Hans Schenkel, Höhberg Frk. 2.10 per m3
Los N°4. Büchlihaustrasse und Winkel ca. 10 m3: Hermann Zeindler Frk. 3.- per m3.
Los N°5. Luppenstrasse und 1te Strasse ob und unter der Bahn ca. 8 m3.: Hans Schenkel, Höhberg Frk. 2.30 per m3
Los N°6. Haslistrassen und Seestrasse ca. 19 m3: Ernst Baumgartner, Metzger 2 Frk. per m3.
Los N°7. Hardstrassen ca. 14 m3.: Jb. Willi 2 Frk. per m3.
»

Also eine ganz anständige Kubatur, die da auf den Gemeindestrassen ausgebracht wurden. Bei der Sanierung im Oberzelgli handelte es sich mit 24m3 offensichtlich um eine grössere Baumassnahme. Interessant ist, wie unterschiedlich die Kubikmeterpreîse für die verschiedenen Lose ausgefallen sind. Die Strassen durch den Griesgraben an den Rhein, sowie die Dorfstrasse (heute Büelstrasse-Oberdorfstrasse-Steinbruchstrasse) waren anscheinend aufwendiger (oder heikler) als die Feldwege im Hard.

Quelle
  • Protokoll des Gemeinderates 1928-1934, 10. November 1928, S. 28-30 (Archiv der Politischen Gemeinde Weiach, Signatur: IV B 02.11)

Mittwoch, 6. Januar 2016

Absteigerung auf Führen der beiden Pfadschlitten

Auch in früheren Zeiten mussten die Strassen in der Winterzeit vom Schnee befreit werden. Passend zur Jahreszeit wollen wir einmal sehen, wie das vor über acht Jahrzehnten aussah.

Noch 1929 war die Gemeinde für sämtliche Strassen auf ihrem Territorium verantwortlich. Also auch für die heutige Hauptstrasse Nr. 7 von der Grenze zu Glattfelden (östlich dem Ofen-Hof) bis zur Kantonsgrenze vor den Toren Kaiserstuhls sowie die heutige Stadlerstrasse von der Sternenkreuzung bis zur Gemeindegrenze mit Stadel gegen den Kistenpass.

Diese Strassen, sowie die beiden «Hauptdorfstrassen» Büelstrasse-Oberdorfstrasse sowie Chälenstrasse, wurden mit dem grossen Pfadschlitten geräumt. Alle übrigen vom Gemeinderat festgelegten Wege mit dem kleinen Pfadschlitten.

Schon die Bezeichnung «Schlitten» zeigt, dass diese Räumgeräte nicht etwa geschoben wurden (wie die heutigen Räumschilde an Lastwagen und Unimogs). Nein, hier wurden noch konventionelle Pferdestärken genutzt, die die Schlitten zogen.

Mit der «Steigerung den 28. Dezember 1928 über das Führen der beiden Pfadschlitten» wurde per Jahresbeginn 1929 [!] der Räumungs-Auftrag zugeschlagen:

«1. Das Führen der beiden Pfadschlitten wird für drei Jahre vergeben, also vom 1. Januar 1929 bis 1. Januar 1932.

2. Der grosse Pfadschlitten muss geführt werden auf den beiden Staatsstrassen bis an die betreffenden Banngrenzen und auf beiden Hauptdorfstrassen.

3. Der kleine Pfadschlitten ist zu führen auf sämtlichen Dorfstrassen und Verbindungsstrassen, zu den Wohnhäusern auf beiden Höhbergen, Steinbruch, Griessgraben, Winkel, Höh, Säge und auf den Bachserbuck.

4. Der Uebernehmer hat nur auf Befehl des Gemeinderates seine Arbeit zu vollziehen, es ist derselbe jedoch verpflichtet, dieselbe wenn nötig sofort zu verrichten und jederzeit dienstbereit zu sein.

5. Nach Verfluss eines jeden Jahres kann der Lohn für geleistete Arbeit bei der Gemeindegutsverwaltung bezogen werden.

6. Die Absteigerung findet in zwei Umgängen statt, und wird bei annehmbaren Forderungen den Mindestfordern sofort zu geschlagen.

Das Führen des grossen Pfadschlitten wird zugesagt dem Mindestforderer Meierhofer Oskar um Frk. 20.-

Das Führen des kleinen Pfadschlitten wird zugesagt dem Mindestforder
[sic!] Schenkel Albert um Frk. 16.-

Vorstehenden Bestimmungen, soweit sie den Führer des grossen Pfadschlitten anbetreffen, verpflichtet sich nachzukommen.
Der Uebernehmer
[Unterschrift fehlt im Protokoll]

Vorstehenden Bestimmungen, soweit sie den Führer des kleinen Pfadschlitten anbetreffen, verpflichtet sich nachzukommen.
Der Uebernehmer
[Unterschrift fehlt im Protokoll]»

Quelle
  • Protokoll des Gemeinderates 1928-1934, S. 42-44 (Archiv der Politischen Gemeinde Weiach, Signatur: IV B 02.11)