Dienstag, 30. Juni 2015

Falsche Absturzzeit angegeben

Am heutigen Schaltsekunden-Tag gilt es zu beichten. Und zwar einen Schnitzer, den ich mir vor bald zehn Jahren geleistet habe. Ausgerechnet im am häufigsten angeklickten Beitrag unter den bislang über 1200 Artikeln von WeiachBlog:

«Um 19:11:18 Uhr Lokalzeit kam es im Gebiet Surgen südlich des Dorfkerns von Weiach zum Zusammenstoss mit dem Terrain.» (WeiachBlog, 14. November 2005, Nr. 15, Vor 15 Jahren: Absturz Alitalia AZ 404)

Konsequenterweise habe ich diese Zeitangabe auch fünf Jahre später übernommen:

«Vor ganz genau 20 Jahren, am 14. November 1990 um 19:11 Uhr Ortszeit, ist eine DC 9-32 der Alitalia knapp unterhalb des Dorfes Weiach abgestürzt.» (WeiachBlog, 14. November 2010, Nr. 949
Heute abend vor 20 Jahren: Absturz Alitalia AZ 404)

Und diese Kombination «19:11 Uhr Ortszeit» ist kreuzfalsch.

UTC ist nicht LT

Mein Fehler: Ich habe die Zeitangaben im Flugunfalluntersuchungsbericht als Lokalzeit angenommen. Der Absturzzeitpunkt, den der amtliche Untersuchungsbericht nennt, ist aber nicht 19:11 Ortszeit, sondern 19:11 UTC (also nach dem in der Aviatik-Welt gebräuchlichen Zeitnormal), d.h. 20:11 LT (Local Time), die Ortszeit für Zürich.

Das findet man heraus, wenn man bei diesem Dokument genau hinschaut und auch die Fussnote auf Seite 7 unten liest, die klar und deutlich festhält: «Alle Zeiten sind UTC (Lokalzeit -1 Stunde), sofern nicht ausdrücklich anders bezeichnet.» (vgl. Schlussbericht der Eidgenössischen Flugunfall-Untersuchungskommission über den Unfall des Flugzeuges DC-9-32, ALITALIA, Flugnr. AZ 404, I-ATJA am Stadlerberg, Weiach/ZH, vom 14. November 1990"; abrufbar unter sust.admin.ch)

Um welche Zeit fanden die Fussball-Spiele statt?

Ähnliches würde man wohl auch herausfinden, wenn man die Anspielzeiten der damaligen Qualifikationsspiele für die Fussball-EM 1992 ausfindig machen könnte. Hat doch Daniel Rebetez, Mitarbeiter des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (BABS), vor ein paar Jahren folgendes geschrieben:

«14. November 1990: Ich war im Militärdienst und sah mir am Abend zusammen mit dem Kommandanten der Rettungskompanie IV/10 ein Fussballspiel im Fernsehen an. Plötzlich wurde die Meldung «Absturz einer DC-9-32 der Alitalia am Stadlerberg» eingeblendet.» (vgl. WeiachBlog, 31. August 2011, Nr. 1049, Den Alitalia-Absturz als Armeeoffizier erlebt)

Am 14.11. fand das Spiel San Marino - Schweiz statt. Übrigens das erste Spiel von San Marino im Rahmen einer EM-Qualifikation überhaupt, wie man dem Wikipedia-Artikel über den Zwergstaat in der Nähe von Rimini entnehmen kann:

«Das erste offizielle Spiel als Nationalmannschaft in der FIFA bestritt die san-marinesische Elf am 14. November 1990 gegen die Schweiz in der Qualifikation für die Europameisterschaft 1992 – San Marino verlor 0:4

Weitere Partien an diesem Abend: Bulgarien-Schottland, Tschechoslowakei-Spanien, Zypern-Norwegen, Dänemark-Jugoslawien, Österreich-Nordirland, Luxemburg-Wales, Irland-England sowie Türkei-Polen (vgl. Wikipedia-Artikel zur EM-Qualifikation).

Nachtrag in Original-Artikel eingefügt

Also noch einmal: Alle von mir bisher gemachten Angaben zum genauen Zeitpunkt «19:11 Ortszeit» beziehen sich auf UTC, nicht MEZ (Mitteleuropäische Zeit)! Ich habe in den beiden zuoberst genannten Artikeln direkt hinter der Zeitangabe einen Nachtrag eingefügt, der die Angelegenheit richtigstellt. So kann der Irrtum auch in den Original-Artikeln nachvollzogen werden.

Montag, 22. Juni 2015

Was auf den Weiacher Glocken wirklich draufsteht

Am 7. Mai 2006 hat WeiachBlog die ketzerische Frage gestellt (vgl. Artikel Nr. 184), ob die in der Literatur erwähnten Glockensprüche überhaupt auf den Glocken drauf seien. Antwort: Der verstorbene Sigrist Werner Attinger hatte recht. Auf den Glocken sind wirklich Sinnsprüche (auch Glockengedichte genannt) zu finden.

Weiter wurde im selben Artikel die Frage aufgeworfen, ob die Fassung von Marcel Hintermann in seinem Büchlein «Rund um Kaiserstuhl» aus dem Jahre 1955 den Text der Glockensprüche korrekt wiedergibt. Oder doch eher die am 6. Mai 2006 vorgestellte Fassung von Emil Maurer (vgl. WeiachBlog Nr. 183) in «Die Kirche zu Weiach» aus dem Jahre 1965.

Am 7. September 2006 machte ich dann den lapidaren Vermerk: «Mittlerweile ist die Frage nach den Glockensprüchen gelöst», versäumte es aber, gleich auch die korrekte Antwort mitzuliefern (vgl. WeiachBlog Nr. 271). 

Nachdem die Inschriften auf den Glocken in der 2006 publizierten Broschüre zum 300-Jahr-Jubiläum der Kirche fehlen (der beschränkte Platz forderte eine Auswahl) sei dies hiermit - Jahre später - endlich nachgeholt.

Das Fazit nach einem persönlichen Augenschein im Glockenstuhl lautet: Keiner der beiden hat die Inschriften wirklich korrekt abgedruckt. Maurer liegt der Wahrheit immerhin näher als Hintermann.

Zusätzlich zu den - wie auf den Originalen in Grossbuchstaben wiedergegebenen - Glockensprüchen ist nachfolgend auch eine Beschreibung der übrigen Inschriften und Verzierungen der Glocken beigefügt.

Grosse Glocke – Nr. 1

Beschreibung

Unter sechszackigem, facettiert erhabenem Weiacherstern, der von einem runden Lor­beerkranz (?) umgeben ist, die Inschrift «DER LÖBLICHEN GEMEINDE WEYACH», welche von zwei Eichenzweigen eingerahmt ist (ein­deutig, wg. Blattform und Eicheln).

Auf der Glocke sind ausserdem auf der Chorseite und der Schiffseite je zwei Figuren, ein Mann im Wintermantel mit Pelzkragen und Pelzmütze und eine Trachtenfrau mit Hut abgebildet.

Glockenspruch

WO IMMER WIRD MEIN TON ERSCHAL­LEN,
SOLL IEDER GERN ZUM TEMPEL WAL­LEN,
WO GOTTES WORT REIN WIRD VERKÜN­DET,
DIE SEELE TROST UND LABUNG FINDET.

Gewicht   690 kg


Mittlere Glocke – Nr. 2

So genannte Betzeitglocke.

Beschreibung

Eichenzweige mit kleinem Weiacherstern in der Mitte

Glockenspruch

BIST MÜDE VON DER ARBEIT DU,
SO LADE ICH DICH EIN ZUR RUH,
UND WENN DANN FROH DER TAG ER­WACHT,
MEIN RUF DICH WIEDER MUNTER MACHT.
O MENSCH ! GEDENK ZU IEDER FRIST,
DASS DU IN GOTTES HÄNDEN BIST.

Gewicht   340 kg


Kleine Glocke – Nr. 3

So genanntes Totenglöcklein.

Beschreibung

Nur Weiacherstern mit rundem Lorbeerkranz.
Weiter findet man auf der Glocke die Herstellerbezeichnung:

GEGOSSEN
VON
JAKOB KELLER
IN UNTERSTRASS

Glockenspruch

DU EILEST IETZ DER HEIMAT ZU,
IN DEINE EW’GE HIMMELSRUH,
WO DEIN HEILAND IESUS CHRIST,
EWIG NUR DEIN ALLES IST.

Gewicht   195 kg

Dienstag, 16. Juni 2015

Steuersekretär musste per sofort sein Pult räumen

Eklat in der Gemeindeverwaltung Weiach. Der langjährige Steuersekretär musste gehen. Per sofort. Dies kann man der aktuellen Ausgabe (Juni 2015) der Mitteilungen für die Gemeinde Weiach entnehmen:

«Der Gemeinderat löst das Arbeitsverhältnis mit dem Steuersekretär mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten auf und stellt den Mitarbeiter per sofort von seiner Arbeitsleistung frei. Seine Aufgaben übernimmt Stefanie Ammann im Rahmen eines zeitlich befristeten „Springereinsatzes“ bis die Nachfolge definitiv geregelt ist. Die Behörde genehmigt den entsprechenden Vertrag mit einem Honoraransatz von CHF 130.- / Std. mit der Federas AG, welche sich auf Gemeindedienstleistungen spezialisiert hat.» (MGW, Juni 2015, S. 5)

Noch Anfang Monat waren diese Zeilen auch in der online gestellten PDF-Datei zu lesen. Kurze Zeit später hat die Verwaltung das Dokument vom Netz genommen (WeiachBlog berichtete am 11. Juni).

Twitter wusste es bereits früher

Im Twitter-Space war dieses Ereignis schon etliche Tage vor der Veröffentlichung im Gemeindeblatt präsent (vgl. https://twitter.com/urex_ch/status/601395251325046785):


urex.ch ®‏ @urex_ch
Der Steuersekretär der Politischen Gemeinde 8187 Weiach ist nicht mehr im Amt. Knall auf Fall?!?!
07:32 - 21. Mai 2015

Hansruedi Widmer‏ @HansruediWidmer· 21. Mai 07:34
@urex_ch Kies-Probleme?

urex.ch ® ‏@urex_ch· 21. Mai 07:37
@HansruediWidmer // Steuersekretäre haben "nichts" mit Unternehmenseinschätzungen (macht @kantonzuerich) zu tun. Nur Inkassowesen ...

Hansruedi Widmer ‏@HansruediWidmer· 21. Mai 07:39
@urex_ch In meinem Dialekt ist "Kies" ein Wort für Geld. Und Weiach ist für (richtiges) Kies bekannt. Missglücktes Wortspiel halt.

Ein Verdacht steht im Raum 

Widmer, gemäss seiner Twitter-Seite ein studierter Mathematiker (Dr. sc. math. ETH) aus Baden im Aargau, bringt mit seiner Antwort an urex.ch den Abgang des Steuersekretär mit Kies in Verbindung. Man könnte das nun so interpretieren, dass sich der Gemeindeangestellte einen Griff in die Kasse habe zuschulden kommen lassen.

Widmer entschuldigt zwar bereits 5 Minuten später sein «missglücktes Wortspiel». Trotzdem bleibt der Verdacht hängen. Und zwar zu Unrecht, wie von einer gewöhnlich gut unterrichteten Quelle im Umfeld der Gemeinde-Exekutive zu erfahren war. Bei genauer Analyse des Textes in den Mitteilungen darf man auch annehmen dass dem so ist. Es hätte ja auch noch die Möglichkeit einer fristlosen Entlassung gegeben.

Es ist verständlich, dass die Gemeinde sich nicht über die Gründe der Entlassung äussern will. Die gehören auch nicht an die Öffentlichkeit, wenn es nicht um strafrechtlich relevante Tatbestände geht.

Trotzdem würde man sich wünschen, dass nicht einfach die Juni-Ausgabe der Mitteilungen gelöscht und ansonsten rein gar nichts kommuniziert wird. Denn damit bleibt der Verdacht am ehemaligen Mitarbeiter haften. Nach obigem Getwittere und der Löschaktion auf der Gemeindewebsite wäre jetzt eine Stellungnahme angebracht.

Twitterer ist kein Unbekannter

Hinter dem Twitter-Account urex.ch steht übrigens die Firma Urex AG mit Sitz in Hochfelden ZH. Sie gehört Claudio Schmid (*1971) und ist auf Treuhanddienstleistungen spezialisiert, wozu auch Steuern gehören.

Und dieser Claudio Schmid ist nicht irgendwer. Bekannt geworden ist er in der Öffentlichkeit vor allem als streitbarer Zürcher Unterländer SVP-Kantonsrat, vgl. seine private Twitter-Seite https://twitter.com/claudio_schmid.

Sonntag, 14. Juni 2015

Nein zu RTVG, Erbschaftssteuer und Stipendien

Es ist kurz nach Mittag und bereits hat das kantonale Statistikamt die Zahlen für die Volksabstimmungen vom 14. Juni auf seiner Website bereit.

Natürlich kann man zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen, wie sich die Zürcher Unterländer Gemeinde diesmal in den kantonalen und nationalen Vergleich einsortiert. Aus langjähriger Erfahrung darf man aber annehmen, dass sich der konservative Trend auch am heutigen Abstimmungssonntag bestätigt.

Nur die Fortpflanzungsmedizin hatte eine Chance

Die Zahlen bestätigen obige Annahme, wie man an den folgenden Ja-Stimmenanteilen sieht:

Nationale Vorlagen
51.01 %  Verfassungsbestimmung zur Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie
14.33 %  Stipendieninitiative
24.18 %  Erbschaftssteuerreform
38.64 %  Bundesgesetz über Radio und Fernsehen

Also knappes Jahr zur Präimplantationsdiagnostik, wuchtiges Nein gegen die Stipendienvorlage, etwas weniger heftig (aber immer noch mit mehr als drei Vierteln) das Nein gegen eine nationale Erbschaftssteuer und deutliche Ablehnung der Revision des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG).

Kantonale Vorlagen
38.89 %  Obligatorisches Referendum für Gebühren
39.19 %  Gebührenkatalog
48.35 %  Keine Härtefallkommission für abgewiesene Asylsuchende

Die Mehrheit der abstimmenden Weiacherinnen und Weiacher folgten also dem Regierungsrat. Sie wollen keine Regelung für Gebühren, weder in der Kantonsverfassung (Referendum für kantonale Gebühren) noch im Gemeindegesetz (Gebührenkatalog auf Gemeindeebene). Wie man der offiziellen Abstimmungszeitung entnehmen kann, waren die beiden Vorlagen auch im Kantonsrat höchst umstritten. Nur knapp gescheitert ist in Weiach die Forderung nach Abschaffung der Härtefallkommission.

Schwache Stimmbeteiligung

Inwieweit diese Resultate aber für die Haltungen und Überzeugungen einer Mehrheit der Stimmberechtigten repräsentativ sind, das ist in Weiach weiterhin die Frage. Erneut ist die Beteiligungsquote bestenfalls mittelprächtig:

37.05 %   Verfassungsbestimmung zur Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie
37.05 %   Stipendieninitiative
37.29 %   Erbschaftssteuerreform
37.29 %   Bundesgesetz über Radio und Fernsehen
34.17 %   Obligatorisches Referendum für Gebühren
34.17 %   Gebührenkatalog
34.29 %   Keine Härtefallkommission für abgewiesene Asylsuchende

Die höchsten Mobilisierungswerte erreichen die beiden im öffentlichen Diskurs präsentesten Vorlagen zur Erbschaftssteuer und zum RTVG.

Mit dieser Stimmbeteiligung steht Weiach im Bezirksvergleich wieder einmal ziemlich schlecht da - in einer Reihe mit den Agglogemeinden Rümlang, Regensdorf und Niederhasli. Nur Oberglatt weist mit rund 31% für die nationalen Vorlagen eine massiv tiefere Beteiligung auf. Wie anders sieht es da in nächster Umgebung aus: Bachs: rund 49%, Neerach über 50%!

Donnerstag, 11. Juni 2015

MGW Juni 2015 vom Netz getilgt

Bereits am Sonntag, 7. Juni, gab es auf der Website der Gemeinde Weiach keine Spur mehr von einem Eintrag zur Juni-Ausgabe der Mitteilungen für die Gemeinde Weiach (MGW). Auch das von Google gefundene Dokument selber ist weg. Der Link tot. Das war in den folgenden Tagen nicht anders. Und heute ebenso. Was ist da los? Ein Server-Fehler?

Mitnichten! Aus «internen Gründen» habe man die Ausgabe vom Netz nehmen müssen, war heute auf telefonische Nachfrage durch WeiachBlog bei der Gemeindeverwaltung Weiach zu erfahren. Man könne mir gern eine elektronische oder auch die Papier-Ausgabe zustellen. (Besten Dank für das Angebot. Ich habe sie mir bereits Anfang Monat heruntergeladen - als die Datei noch online war.)

Eine Massnahme, wie die gerade beschriebene, ist ja schon ziemlich ungewöhnlich. Zumal, wenn die gedruckte Version per Monatsbeginn in alle Haushaltungen verteilt wurde und sie selbst heute noch erhältlich wäre (sogar elektronisch im Format PDF) - wenn auch nur auf explizite Nachfrage hin.

Genaueres zu diesen «internen Gründen» wollte die Verwaltungsangestellte aber partout nicht sagen. Interessant ist dieser Umstand, weil es sich um diejenige Sachbearbeiterin handelt, die gemäss dem Personenregister auf der Gemeinde-Website für die Redaktion des «Mitteilungsblatts» zuständig ist. Ebenso interessant ist, dass sie für diese Auskunft zuerst Rücksprache innerhalb der Verwaltung halten musste.

Was soll das? Hat da jemand kalte Füsse bekommen? Etwa wegen dem Text auf Seite 5 betreffend die sofortige Freistellung des Steuersekretärs?

Dienstag, 31. März 2015

Gefährliche Rindviecher

Landwirte leben gefährlich. Das war früher so und gilt bis heute. Nicht nur der Umgang mit der modernen Technik, mit Traktoren, Frontladern, Güllengruben und Siloballen, bringt Risiken mit sich. Eine altbekannte Gefahr lauert vor allem auch im und um den Stall.

Kühe und Rinder sind durch ihre schiere Grösse eine Gefahrenquelle. Eine Kuh wiegt rasch einmal 600 kg, ein Stier kann auch mehr als eine Tonne auf die Waage bringen. Wenn diese Masse in Bewegung kommt und der Mensch ihr in die Quere gerät, dann sind schwere Verletzungen unvermeidlich.

Heute vor genau 50 Jahren traf es einen älteren Weiacher, damals 69-jährig, wie Walter Zollinger in seiner Jahreschronik vermerkt:

«An Nichtverkehrs- Unfällen muss ich erwähnen:

31. März: Albert Baumgartner 96, Amtsrichteralbi genannt, verunfallte im Stall, als er dem Klauenschneider ein Stück Vieh hinausführen wollte; Beinbruch und innere Verletzungen, die leider zum Tode im Spital führten.
»

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 22. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965]
[Veröffentlicht am 15. Juni 2015]

Freitag, 20. Februar 2015

Kies statt Salz auf die Strasse

Bereits in den Angaben Walter Zollingers zum Februarwetter 1965 (vgl. WeiachBlog vom 8. Februar) liest man, die Pfadschlitten hätten in diesem Monat viel Arbeit gehabt.

Um die Strassen befahrbar zu machen, kann man zwar auch nur pfaden. Schwarzräumung durch Einsatz von Tausalz war aber anscheinend vor 50 Jahren das Mittel der Wahl:

«Der viele Schneefall im Februar im ganzen Gebiet des Kt. Zürich bewirkte, dass das "Strassensalz" knapp wurde; deshalb bemerkte ich, dass am 17.2. und in den nächstfolgenden Tagen die Strassen nicht mehr gesalzen, sondern, wie ehedem, wieder Kies von Lastwagen auf die Fahrbahn geschaufelt wurde.»

Damals gab es also offenbar noch keine Splitt-Streuer an den Fahrzeugen der kantonalen Strassendienste.

Dass Schnee auf der Strasse die Autofahrer im Flachland auch vor Jahrzehnten schon überfordert hat, zeigt übrigens bereits Zollingers Jahreschronik über das Wetter von Anfang Dezember 1964. Der erste richtige Schnee des Winters, eine «schlüpfrige Nassschneeschicht», brachte etliche Automobilisten in Schwierigkeiten (vgl. WeiachBlog vom 29. Dezember 2014).

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 22. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].
[Veröffentlicht am 18. Juni 2015]


Sonntag, 8. Februar 2015

Februarwetter 1965: Gewaltiger Schneesturm

Bereits in seinen Ausführungen zum Januar 1965 verwendete Walter Zollinger den Begriff «Hornerwetter». Was damit genau gemeint ist? Eine Definition habe ich in Lexika und Wörterbüchern früherer Jahrhunderte bislang noch nicht gefunden - und auch Google bringt es nur auf 52 Fundstellen.

Eine davon gibt immerhin einen weiteren Hinweis. Es handelt sich um den «Volkskalender für Freiburg und Wallis» von 1919, auf dessen Kalenderblatt zum Hornung (die Bezeichnung «Februar» steht in Klammern klein daneben) man nicht nur Angaben zu den Mondphasen sowie Bauernregeln findet, sondern auch die auf den Februar 1919 passende Aussage aus dem «100jährigen Kalender»: «(...) der Monat schließt mit richtigem Hornerwetter, mit unfreundlichem Schneegestöber ab».

Ob Regen wie bei Zollinger (Beschreibung des Januars 1964) oder Schneegestöber (wie in diesem katholischen Kalender) - die Bezeichnung «Hornerwetter» lässt auf eine ungemütliche Witterung schliessen.

Wie war demnach der Horner 1965? Zollinger beginnt seine Schilderung mit einer Bauernregel:

«"An Maria-Lichtmess Sonnenschein,
geht der Fuchs in sein' Höhle hinein".

Und richtig! Am 2.2. war der ganze Nachmittag sonnig; gegen abend wehte allerdings ein kalter Oberwind. Vom 3. Februar an zog dann der Winter nochmals ein; es schneite öfters, sodass die Pfadschlitten wieder tüchtig Arbeit bekamen. Am 8.2. notierte ich folgende "Besonderheit":

"Nachmittags 13.15 Uhr zieht ein gewaltiger Schneesturm v. NW her; man sieht keine 100 m weit, dazu Blitz und Donner und nachher sehr kühler Wind".

Dieses Wintergewitter ist etwas so seltenes, dass sogar Radio und Meteorologische es für Wert erachteten, es zu erwähnen. Auch weiterhin hielt das winterliche Wetter an; der ganze Monat Februar hat also gezeigt, dass es in unsern Breitengraden doch noch Winter sein kann, wenn's schon in den letzten Jahren gar nicht mehr so schien. Wiesen und Gärten und Häuser waren während des grössten Teils des Monates immer etwa mit Schnee bedeckt, die Pfadschlitten wurden auch in der zweiten Monatshälfte mehrmals benötigt. Kalt war's ebenfalls immer, vor allem abends und nachts, wenn auch nie übermässig. Einzig am 22. morgens war's -13°, aber gleich nachmittags nur noch -2°.

Tiefsttemperaturen morgens -9° (-13°), mittags -4°, abends -8°
Höchsttemperaturen morgens +4°, mittags +4°, abends +2°.

Neben meist mit Hochnebel bedecktem Himmel, brachte der Februar, trotz den öftern Schneefällen, doch 12 sonnige Nachmittage und 2mal sogar schon am Vormittag etwas Sonne.
»

Also. So extrem war es mit dem Hornerwetter wohl dann doch nicht grad - bei so viel Sonne! Bemerkenswert ist aus der heutigen, von Klimaerwärmungsdiskussionen geprägten Sicht, dass im Flachland bereits vor 50 Jahren der Eindruck aufkam, es gebe keine richtigen Winter mehr.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 3-4. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].
[Veröffentlicht am 17. Februar 2015]

Mittwoch, 4. Februar 2015

Alertswiss. Hochwachten, Sirenen und Smartphone-Apps

Heute ist der erste Mittwoch im Februar. Und das bedeutet in der Schweiz: Sirenentest! Dafür gibt es sogar eine eigene URL: sirenentest.ch. Sie verweist auf eine Webseite des Bundesamts für Bevölkerungsschutz wo u.a. folgendes erklärt wird:

«Ausgelöst wird um 13.30 Uhr in der ganzen Schweiz das Zeichen "Allgemeiner Alarm", ein regelmässig auf- und absteigender Heulton von einer Minute Dauer. Wenn nötig darf die Sirenenkontrolle bis 14.00 Uhr weitergeführt werden. Ab 14.15 Uhr bis spätestens 15.00 Uhr wird im gefährdeten Gebiet unterhalb von Stauanlagen das Zeichen "Wasseralarm" getestet. Es besteht aus zwölf tiefen Dauertönen von je 20 Sekunden in Abständen von je 10 Sekunden. Insgesamt werden rund 7800 Sirenen auf ihre Funktionstüchtigkeit geprüft.»

Auf den jährlichen Test-Termin hin hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) eine Website lanciert, die in einem Gemeinschaftsprojekt mit den Kantonen entwickelt wurde: alertswiss.ch.  

Relevante Informationen und ein persönlicher Notfallplan...

Auf ALERTSWISS werden für die Schweizer Bevölkerung relevante Informationen zur Vorsorge und zum Verhalten bei Katastrophen und Notlagen zur Verfügung gestellt.

Aktuell findet man zu folgenden Gefährdungen Erläuterungen und passende Verhaltensempfehlungen: Erdbeben, Hitzewelle, Hochwasser, Kältewelle, Pandemie, Starkschneefälle, Stromausfall, Sturm, Unfall Chemie, Unfall KKW, Unfall Stauanlage sowie Waldbrand.

Eine gute Vorbereitung ist das A und O. Wer vorsorgt und sich vorbereitet, kann Leben schützen und retten - das eigene und das seiner Angehörigen. Ein vom BABS in Auftrag gegebenes Video (Sind Sie sicher?) zeigt auf, wie wichtig eine gute Vorsorge ist und wie ein persönlicher Notfallplan helfen kann, im Ernstfall schnell und richtig zu reagieren:



Die Website bietet auch einen Blog. Und man kann ALERTSWISS followen: auf Twitter, Youtube sowie mit RSS.

Für Smartphone- und Tablet-Besitzer gibt es die Möglichkeit, sich eine App zu besorgen, auf der man u.a. die Vorlage für den persönlichen Notfallplan herunterladen und ihn dann mit den eigenen Informationen befüllen kann.

Seltsame Organisation im Kanton Zürich

Alles gut und brauchbar. Nur der Link «Mehr über Gefahren in meinem Kanton erfahren» wirft für den Kanton Zürich mehr Fragen als Antworten auf: wo bei anderen Kantonen auf die Kantonale Krisenorganisation gelinkt wird und es dort konkrete Informationen zu Gefahren gibt (so z.B. für die Kantone Freiburg und Bern) wird beim Kanton Zürich nur auf die Kontaktseite des Kantons und damit - halten Sie sich fest - auf die Staatskanzlei verwiesen. Was die wohl mit Katastrophenmanagement zu tun haben?

Für so etwas gäbe es eigentlich schon eine zuständige Stelle: die Kantonale Führungsorganisation mit ihren regionalen und kommunalen Pendants (RFO und GFO). Als Kontakt fungiert die Bevölkerungsschutzabteilung, die Teil der Kantonspolizei ist.

Die grösste Schweizer Stadt hat sogar eine eigene Stabstelle Katastrophenmanagement, die bei der Stadtpolizei angesiedelt ist.

Verweis auf den Fehlalarm von 1703

Die Verbindung nach Weiach hat der Winterthurer «Landbote» geschlagen. In einem heute publizierten Artikel mit dem Titel «Harz, Feuer und Böller anstelle von Sirenen» erläutert Jonas Gabrieli, wie das Hochwachtensystem bis 1870 eine schnelle Alarmierung sicherstellte. Wobei da natürlich vor allem eine Gefährdung im Vordergrund stand: ein militärischer Angriff.

In einem Abschnitt zu Fehlalarmen und deren Auswirkungen schreibt Gabrieli: «Ein zweiter Vorfall  [nach einem von 1664 am Menzingerberg] ereignete sich 1703 in Weiach, als elsässische Touristen fälschlicherweise für Spione gehalten wurden. Zwei Frauen schrien voller Angst: «Der Franzos ist im Land!» Der Wachtmeister auf der Hochwacht war aber glücklicherweise skeptisch und alarmierte die anderen Hochwachten nur halbherzig.»

Details zum Vorfall in Weiach finden Sie in den Weiacher Geschichte(n) Nr. 56: «Blinder Lärmen». Wie die Weiacherinnen 1703 gegen die Franzosen kämpfen wollten. (publiziert in: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Juli 2004). Anhand dieses von Gabrieli verwendeten Originals kann man sich dann auch überlegen, ob die Elsässer wirklich Touristen waren - und nicht doch eher zu Geschäftszwecken in der Eidgenossenschaft weilten.

Samstag, 31. Januar 2015

Januarwetter 1965: scheussliches Regenwetter und Schneefall im Wechsel

Zum Jahresende 1964 gab es in Weiach eine weisse Bescherung (vgl. den Artikel Dezemberwetter 1964: Verkehrschaos und weisse Weihnachten; WeiachBlog Nr. 1197). Damit war es aber bald wieder vorbei, wie man der Zollingerschen Jahreschronik entnehmen kann:

«Januar: Nachdem der Dezember 1964 in seinem letzten Drittel endlich mit einem "richtigen" Winter aufgewartet hat, bringt der Januar in seiner ersten Hälfte leider wieder mehr Regen, sodass die ohnehin nicht zu dicke Schneedecke alsbald "abgebaut" ist. Wenn's auch hie und da noch zwischen hinein kurze Zeit schneite, (z.B. am 4.1. und 6.1.) so vermag sich dieser doch nicht lange zu halten. Die Morgentemperaturen halten sich immer so zwischen -6° und +4°, öfters weht auch ein unfreundlicher Wind dazu, am 10.1. sogar nachts ein recht stürmischer. Sonnenschein notierte ich nur während vier Nachmittagen und auch da jeweilen nur für 1-2 kurze Stunden.

Auch die zweite Monatshälfte beginnt nicht sonderlich freundlich; schon am 17.1. verzeichnete ich wieder "scheussliches Regenwetter", abends sogar arg stürmisch. Aus den Zeitungen ist zu entnehmen, dass andernorts das stürmische Wetter noch stärker und z.T. verheerend gewirkt habe. Erst ab dem 19.1. zog der Winter wieder ein; es schneite mächtig, sodass die staatlichen und kommunalen Pfadschlitten fahren mussten; auch in der folgenden Zeit wiederholte sich der Schneefall noch leicht; in der Nacht vom 27./28.1. sogar ganz ergiebig. Dann aber setzte am 30.1. wieder Regen, fast Hornerwetter, ein und wischte alles Weiss weg. Die Temperaturen hielten sich in der zweiten Monatshälfte wie folgt:

Höchsttemperaturen morgen +5°, mittags +9°, abends +8°
Tiefsttemperaturen morgens -8°, mittags -1°, abends -4°
»

Eine über Wochen hinweg liegende, geschlossene Schneedecke wäre für die Höhenlage von Weiach ziemlich ungewöhnlich. Zwischen 330 und rund 600 Metern über Meer ist unter den aktuellen klimatischen Bedingungen das oben beschriebene Szenario eher die Regel als die Ausnahme.

Und mit dem Begriff «Hornerwetter» verweist Zollinger auch gleich auf den Folgemonat Februar (mit altem Namen «Horner» oder «Hornung» genannt).

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 3. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].
[Veröffentlicht am 17. Februar 2015]