Sonntag, 8. Februar 2015

Februarwetter 1965: Gewaltiger Schneesturm

Bereits in seinen Ausführungen zum Januar 1965 verwendete Walter Zollinger den Begriff «Hornerwetter». Was damit genau gemeint ist? Eine Definition habe ich in Lexika und Wörterbüchern früherer Jahrhunderte bislang noch nicht gefunden - und auch Google bringt es nur auf 52 Fundstellen.

Eine davon gibt immerhin einen weiteren Hinweis. Es handelt sich um den «Volkskalender für Freiburg und Wallis» von 1919, auf dessen Kalenderblatt zum Hornung (die Bezeichnung «Februar» steht in Klammern klein daneben) man nicht nur Angaben zu den Mondphasen sowie Bauernregeln findet, sondern auch die auf den Februar 1919 passende Aussage aus dem «100jährigen Kalender»: «(...) der Monat schließt mit richtigem Hornerwetter, mit unfreundlichem Schneegestöber ab».

Ob Regen wie bei Zollinger (Beschreibung des Januars 1964) oder Schneegestöber (wie in diesem katholischen Kalender) - die Bezeichnung «Hornerwetter» lässt auf eine ungemütliche Witterung schliessen.

Wie war demnach der Horner 1965? Zollinger beginnt seine Schilderung mit einer Bauernregel:

«"An Maria-Lichtmess Sonnenschein,
geht der Fuchs in sein' Höhle hinein".

Und richtig! Am 2.2. war der ganze Nachmittag sonnig; gegen abend wehte allerdings ein kalter Oberwind. Vom 3. Februar an zog dann der Winter nochmals ein; es schneite öfters, sodass die Pfadschlitten wieder tüchtig Arbeit bekamen. Am 8.2. notierte ich folgende "Besonderheit":

"Nachmittags 13.15 Uhr zieht ein gewaltiger Schneesturm v. NW her; man sieht keine 100 m weit, dazu Blitz und Donner und nachher sehr kühler Wind".

Dieses Wintergewitter ist etwas so seltenes, dass sogar Radio und Meteorologische es für Wert erachteten, es zu erwähnen. Auch weiterhin hielt das winterliche Wetter an; der ganze Monat Februar hat also gezeigt, dass es in unsern Breitengraden doch noch Winter sein kann, wenn's schon in den letzten Jahren gar nicht mehr so schien. Wiesen und Gärten und Häuser waren während des grössten Teils des Monates immer etwa mit Schnee bedeckt, die Pfadschlitten wurden auch in der zweiten Monatshälfte mehrmals benötigt. Kalt war's ebenfalls immer, vor allem abends und nachts, wenn auch nie übermässig. Einzig am 22. morgens war's -13°, aber gleich nachmittags nur noch -2°.

Tiefsttemperaturen morgens -9° (-13°), mittags -4°, abends -8°
Höchsttemperaturen morgens +4°, mittags +4°, abends +2°.

Neben meist mit Hochnebel bedecktem Himmel, brachte der Februar, trotz den öftern Schneefällen, doch 12 sonnige Nachmittage und 2mal sogar schon am Vormittag etwas Sonne.
»

Also. So extrem war es mit dem Hornerwetter wohl dann doch nicht grad - bei so viel Sonne! Bemerkenswert ist aus der heutigen, von Klimaerwärmungsdiskussionen geprägten Sicht, dass im Flachland bereits vor 50 Jahren der Eindruck aufkam, es gebe keine richtigen Winter mehr.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 3-4. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].
[Veröffentlicht am 17. Februar 2015]

Mittwoch, 4. Februar 2015

Alertswiss. Hochwachten, Sirenen und Smartphone-Apps

Heute ist der erste Mittwoch im Februar. Und das bedeutet in der Schweiz: Sirenentest! Dafür gibt es sogar eine eigene URL: sirenentest.ch. Sie verweist auf eine Webseite des Bundesamts für Bevölkerungsschutz wo u.a. folgendes erklärt wird:

«Ausgelöst wird um 13.30 Uhr in der ganzen Schweiz das Zeichen "Allgemeiner Alarm", ein regelmässig auf- und absteigender Heulton von einer Minute Dauer. Wenn nötig darf die Sirenenkontrolle bis 14.00 Uhr weitergeführt werden. Ab 14.15 Uhr bis spätestens 15.00 Uhr wird im gefährdeten Gebiet unterhalb von Stauanlagen das Zeichen "Wasseralarm" getestet. Es besteht aus zwölf tiefen Dauertönen von je 20 Sekunden in Abständen von je 10 Sekunden. Insgesamt werden rund 7800 Sirenen auf ihre Funktionstüchtigkeit geprüft.»

Auf den jährlichen Test-Termin hin hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) eine Website lanciert, die in einem Gemeinschaftsprojekt mit den Kantonen entwickelt wurde: alertswiss.ch.  

Relevante Informationen und ein persönlicher Notfallplan...

Auf ALERTSWISS werden für die Schweizer Bevölkerung relevante Informationen zur Vorsorge und zum Verhalten bei Katastrophen und Notlagen zur Verfügung gestellt.

Aktuell findet man zu folgenden Gefährdungen Erläuterungen und passende Verhaltensempfehlungen: Erdbeben, Hitzewelle, Hochwasser, Kältewelle, Pandemie, Starkschneefälle, Stromausfall, Sturm, Unfall Chemie, Unfall KKW, Unfall Stauanlage sowie Waldbrand.

Eine gute Vorbereitung ist das A und O. Wer vorsorgt und sich vorbereitet, kann Leben schützen und retten - das eigene und das seiner Angehörigen. Ein vom BABS in Auftrag gegebenes Video (Sind Sie sicher?) zeigt auf, wie wichtig eine gute Vorsorge ist und wie ein persönlicher Notfallplan helfen kann, im Ernstfall schnell und richtig zu reagieren:



Die Website bietet auch einen Blog. Und man kann ALERTSWISS followen: auf Twitter, Youtube sowie mit RSS.

Für Smartphone- und Tablet-Besitzer gibt es die Möglichkeit, sich eine App zu besorgen, auf der man u.a. die Vorlage für den persönlichen Notfallplan herunterladen und ihn dann mit den eigenen Informationen befüllen kann.

Seltsame Organisation im Kanton Zürich

Alles gut und brauchbar. Nur der Link «Mehr über Gefahren in meinem Kanton erfahren» wirft für den Kanton Zürich mehr Fragen als Antworten auf: wo bei anderen Kantonen auf die Kantonale Krisenorganisation gelinkt wird und es dort konkrete Informationen zu Gefahren gibt (so z.B. für die Kantone Freiburg und Bern) wird beim Kanton Zürich nur auf die Kontaktseite des Kantons und damit - halten Sie sich fest - auf die Staatskanzlei verwiesen. Was die wohl mit Katastrophenmanagement zu tun haben?

Für so etwas gäbe es eigentlich schon eine zuständige Stelle: die Kantonale Führungsorganisation mit ihren regionalen und kommunalen Pendants (RFO und GFO). Als Kontakt fungiert die Bevölkerungsschutzabteilung, die Teil der Kantonspolizei ist.

Die grösste Schweizer Stadt hat sogar eine eigene Stabstelle Katastrophenmanagement, die bei der Stadtpolizei angesiedelt ist.

Verweis auf den Fehlalarm von 1703

Die Verbindung nach Weiach hat der Winterthurer «Landbote» geschlagen. In einem heute publizierten Artikel mit dem Titel «Harz, Feuer und Böller anstelle von Sirenen» erläutert Jonas Gabrieli, wie das Hochwachtensystem bis 1870 eine schnelle Alarmierung sicherstellte. Wobei da natürlich vor allem eine Gefährdung im Vordergrund stand: ein militärischer Angriff.

In einem Abschnitt zu Fehlalarmen und deren Auswirkungen schreibt Gabrieli: «Ein zweiter Vorfall  [nach einem von 1664 am Menzingerberg] ereignete sich 1703 in Weiach, als elsässische Touristen fälschlicherweise für Spione gehalten wurden. Zwei Frauen schrien voller Angst: «Der Franzos ist im Land!» Der Wachtmeister auf der Hochwacht war aber glücklicherweise skeptisch und alarmierte die anderen Hochwachten nur halbherzig.»

Details zum Vorfall in Weiach finden Sie in den Weiacher Geschichte(n) Nr. 56: «Blinder Lärmen». Wie die Weiacherinnen 1703 gegen die Franzosen kämpfen wollten. (publiziert in: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Juli 2004). Anhand dieses von Gabrieli verwendeten Originals kann man sich dann auch überlegen, ob die Elsässer wirklich Touristen waren - und nicht doch eher zu Geschäftszwecken in der Eidgenossenschaft weilten.

Samstag, 31. Januar 2015

Januarwetter 1965: scheussliches Regenwetter und Schneefall im Wechsel

Zum Jahresende 1964 gab es in Weiach eine weisse Bescherung (vgl. den Artikel Dezemberwetter 1964: Verkehrschaos und weisse Weihnachten; WeiachBlog Nr. 1197). Damit war es aber bald wieder vorbei, wie man der Zollingerschen Jahreschronik entnehmen kann:

«Januar: Nachdem der Dezember 1964 in seinem letzten Drittel endlich mit einem "richtigen" Winter aufgewartet hat, bringt der Januar in seiner ersten Hälfte leider wieder mehr Regen, sodass die ohnehin nicht zu dicke Schneedecke alsbald "abgebaut" ist. Wenn's auch hie und da noch zwischen hinein kurze Zeit schneite, (z.B. am 4.1. und 6.1.) so vermag sich dieser doch nicht lange zu halten. Die Morgentemperaturen halten sich immer so zwischen -6° und +4°, öfters weht auch ein unfreundlicher Wind dazu, am 10.1. sogar nachts ein recht stürmischer. Sonnenschein notierte ich nur während vier Nachmittagen und auch da jeweilen nur für 1-2 kurze Stunden.

Auch die zweite Monatshälfte beginnt nicht sonderlich freundlich; schon am 17.1. verzeichnete ich wieder "scheussliches Regenwetter", abends sogar arg stürmisch. Aus den Zeitungen ist zu entnehmen, dass andernorts das stürmische Wetter noch stärker und z.T. verheerend gewirkt habe. Erst ab dem 19.1. zog der Winter wieder ein; es schneite mächtig, sodass die staatlichen und kommunalen Pfadschlitten fahren mussten; auch in der folgenden Zeit wiederholte sich der Schneefall noch leicht; in der Nacht vom 27./28.1. sogar ganz ergiebig. Dann aber setzte am 30.1. wieder Regen, fast Hornerwetter, ein und wischte alles Weiss weg. Die Temperaturen hielten sich in der zweiten Monatshälfte wie folgt:

Höchsttemperaturen morgen +5°, mittags +9°, abends +8°
Tiefsttemperaturen morgens -8°, mittags -1°, abends -4°
»

Eine über Wochen hinweg liegende, geschlossene Schneedecke wäre für die Höhenlage von Weiach ziemlich ungewöhnlich. Zwischen 330 und rund 600 Metern über Meer ist unter den aktuellen klimatischen Bedingungen das oben beschriebene Szenario eher die Regel als die Ausnahme.

Und mit dem Begriff «Hornerwetter» verweist Zollinger auch gleich auf den Folgemonat Februar (mit altem Namen «Horner» oder «Hornung» genannt).

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 3. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].
[Veröffentlicht am 17. Februar 2015]

Donnerstag, 29. Januar 2015

Radarkontrolle beim alten Polizeiposten

Manche Zeitgenossen posten ihre Erlebnisse auf der Strasse und in öffentlichen Verkehrmitteln ziemlich zeitverzugslos.

So auch der 50-jährige Aschi aus Baldingen im Studenland, der für seine vielfältigen Hobbys (CB-Funken, Traktoren, Imkerei, etc.) eine ganze Website führt.

Heute um 10:42 Uhr veröffentlichte er den nachstehenden Beitrag. Titel «Unsere Freunde und Helfer bei der Arbeit…»:

…um 9:48 Uhr in Weiach !
 
Unsere Freunde und Helfer am 29.01.2015 um 9:48 Uhr bei Ihrer Arbeit
 
Wusste nicht das da ein Schulhaus in der nähe ist, oder das dies ein Unfall-neuralgischer Punkt ist !
 
Standort der Freund und Helfer am 19.01.2015

Der Aufnahmeort ist auf dem Luftbild richtig verortet und liegt auf der Höhe der Pneu-Firma First Stop sowie der Landi Surb an der Kaiserstuhlerstrasse.

Das weisse Häuschen, in dessen Vorgarten die recht gut getarnte mobile «Radarfalle» postiert wurde, war bis vor 30 Jahren - ironischerweise - der Posten des vor Ort tätigen Kantonspolizisten (dessen Dienstwohnung sich praktischerweise auch gleich im selben Haus befand).

Ob die heutigen «Freunde und Helfer» das wissen?

Weiterführender Artikel

Samstag, 24. Januar 2015

Betrogener Schaffhauser erhält keinen roten Rappen

Bereits im September und Dezember 1814 musste sich die Zürcher Regierung mit einem aus Weiach stammenden Betrüger beschäftigen. Hans Ulrich Meyerhofer wurde mit Beschluss vom 22. September an Schaffhausen ausgeliefert (vgl. WeiachBlog vom 22.9.2014) und am 9. Dezember dort wegen Betrugs zu Lasten von Stadtrichter Wüscher verurteilt.

Die übers Ohr gehauene Schaffhauser und die dortige Regierung wollten Ersatz für Schaden in Höhe von 800 Gulden sowie die Untersuchungs- und Gerichtskosten. Diesem Begehren kam die Zürcher Regierung nach und erteilte ihrem Bezirksstatthalter in Regensberg den Auftrag, das Nötige vorzukehren und vor Ende Januar 1815 Bericht zu erstatten (vgl. WeiachBlog vom 24.12.2014).

Bereits am 24. Januar 1815 (heute vor 200 Jahren) war Meyerhofer erneut Thema im Zürcher Rat. Dass es nicht so einfach war, wie es sich die Schaffhauser vielleicht erhofft hatten, zeigt sich schon am Titel des Protokolleintrags. Mitgeteilt wurde dem Löblichen Stand Schaffhausern nämlich lediglich der «Vermögenszustand» des Verurteilten:

«Da Herr Bezirksstatthalter Angst unterm 23sten dieß (in Folge Auftrags vom 24sten passati) das Inventarium über den Vermögenszustand des zu Schaffhausen wegen verübten Betrügereyen sentenzierten Ulrich Meyerhofer, Schneiders von Weyach, einsendet, – so wird nun dem L. Stand Schaffhausen in Antwort auf seine Zuschrift vom 16ten m. et. a. p. rescribiert: „Man habe, seinem Verlangen entsprechend, den Bezirksstatthalter zu Regensperg beauftragt, eine Liquidation über das Vermögen des Ulrich Meyerhofer von Weyach, durch den Gemeindrath daselbst vornehmen zu laßen, damit ersichtlich sey, was aus diesem Vermögen an die erloffenen Prozeßkosten und als Entschädigung an den von dem Meyerhofer betrogenen HHerrn Stadtrichter Wüscher in Schaffhausen bezahlt werden könne. Aus dem sorgfältig gezogenen Inventario gehe nun das fatale Resultat hervor, daß die Paßiva des Meyerhofers seine Aktiva um 99 fl. 28 ß. 6 Hlr. übersteigen, mithin gar kein Vermögen vorhanden sey, aus welchen etwas an jene Prozeßkosten oder als Entschädigung für seine Betriegereyen erhoben werden könnte.“»

Wenn man einmal davon ausgeht, dass in diesem Inventar die von Schaffhausen geforderten Summen noch gar nicht enthalten sind, dann kann man im letzten Satz durchaus den Versuch sehen, diese zusätzlichen Ansprüche abzuwimmeln. Ob man da von Bevorzugung anderer Gläubiger reden darf?

Was die Schaffhauser Seite daraufhin unternahm, darüber schweigen sich die Protokolle der Zürcher Regierung aus. Vielleicht wurde Wüscher direkt beim Bezirksgericht in Regensberg vorstellig, um aus der konkursamtlichen Liquidation des Vermögens von Hans Ulrich Meyerhofer wenigstens einen Teil seines verlorenen Geldes zurückerstattet zu bekommen.

Um allenfalls etwas darüber zu erfahren, ob Wüscher wirklich keinen roten Rappen erhielt, wie der Titel dieses Beitrags behauptet, müsste man in den Zürcher und Schaffhauser Archiven ausgedehntere Nachforschungen anstellen.

Quelle
  • MM 1.52 RRB 1815/0074. Der Vermögenszustand des zu Schaffhausen wegen Betrügereyen sentenzierten Ulrich Meyerhofer von Weyach wird dem dortigen L. Stand angezeigt. 24.01.1815

Freitag, 16. Januar 2015

Wechselkurs-Tsunami

Das durch die Schweizerische Nationalbank gestern Morgen ausgelöste Erdbeben (Aufhebung der Anbindung des CHF an den EUR bei 1.20) hat weitreichende Folgen. Kurzfristig einmal in den Portefeuilles der Anleger. Mittelfristig auch für die Schweizer Export- und Tourismusindustrie und die damit zusammenhängenden Arbeitsplätze.

Aber natürlich auch auf lokaler Ebene. Konkret: für den VOLG an der Stadlerstrasse 4, neben dem Depot der Landi Surb an der Kaiserstuhlerstrasse 44 das einzige Detailhandelsgeschäft in Weiach. Für ihn ist dieser Wechselkurs-Tsunami eine sehr schlechte Nachricht.

Schon bisher war der VOLG nämlich nicht unbedingt ein Synonym für günstige Angebote, sondern im Vergleich zu den Discountern und den Grossverteilern Migros und Coop eher als «teurer Krämer» bekannt.

Hohentengen, wir kommen!

Grosseinkäufe haben die Weiacher folglich schon bisher eher auswärts getätigt. Man fährt nach Bülach oder gleich die zwei-drei Kilometer über die Kaiserstuhler Rheinbrücke und den Zoll nach Hohentengen am Hochrhein, die deutsche Gemeinde ennet der Landesgrenze. Die dortige Ladeninfrastruktur wird jetzt noch um einiges attraktiver.

Mit dem Zerfall der Treibstoffpreise und nun auch dem billigeren Euro (die Wechselkurs-Parität zum Franken wird angesichts der Turbulenzen im Euro-Raum wohl nicht so schnell verschwinden) wird es für den VOLG am Standort Weiach noch enger. Boller's Kaufhüsle im Ortszentrum Hohentengen oder der Aldi Süd an der Hauptstrasse nach Osten Richtung Herdern und Günzgen graben ihm das Wasser ab. Bei diesen Spritpreisen und einer Warenfreigrenze von CHF 300 pro Person wird wohl mancher mehrmals pro Woche in Hohentengen einkaufen gehen.

Müsste der VOLG an der Stadlerstrasse schliessen, wäre das für Weiach ein grosser Verlust. Einkaufen ohne eigenes Auto oder den öffentlichen Verkehr würde faktisch unmöglich. Für ältere Einwohner ein grosses Problem. Auch die Postagentur Weiach, die sich seit 2009 im VOLG eingemietet hat, wäre gefährdet. Ein weiteres Problem. - Affaire à suivre.

Montag, 5. Januar 2015

Schulsilvester artet aus! Klagen gab es bereits vor 50 Jahren

Lärmbräuche sind über den Jahreswechsel an vielen Orten in der Schweiz gang und gäbe. An einigen wird zum Beispiel auch am Bächtelistag (2. Januar) Feuerwerk gezündet, mit Geisseln geklöpft und mit Treicheln Radau gemacht. Diese Aktivitäten werden vor allem von den schulentlassenen, noch ledigen jungen Männern betrieben - in einigen Orten (so z.B. im bernischen Sigriswil) steht organisatorisch sogar der Knaben-Verein dahinter.

In Weiach gibt es keine solche Tradition. Mit einer Ausnahme. Bis vor wenigen Jahren war das der Schulsilvester. Neben den wirklich gefährlichen Streichen, wie gesprengten Briefkästen und auf die Hauptstrasse gerollten Abfallcontainer waren da auch die harmloseren. Beispielsweise Autos mit WC-Rollen und Rasierschaum «verzieren». Und natürlich alle möglichen Formen der Belärmung.

Die Spätaufsteher herausschellen

Solche und andere Aktivitäten der Schuljugend haben so manchem älteren Einwohner am Schulsilvestermorgen (traditionell am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien) den Kamm schwellen lassen.

Zu der Zeit als der Schreibende im Weiach der 1970er-Jahre noch selber zur Schule ging, war eine besonders beliebt: in aller Herrgottsfrühe an den Türglocken Sturm zu läuten. Vorzugsweise dort, wo noch kein Licht brannte.

Nur die ganz Verwegenen trauten sich, bei einer bestimmten Adresse in der Chälen die Einwohner aus dem Schlaf zu schellen. Denn dort musste man damit rechnen, umgehend mit Kübeln voll kaltem Wasser traktiert zu werden. Verabreicht aus dem Obergeschoss, wo sich die erboste Hausfrau jeweils hinter einem der lichtlosen Fenster postierte. Man wusste natürlich nie hinter welchem. Dieses Katz-und-Maus-Spiel - vor allem aber die lautstarken Unmutsbekundungen der Dame als Zugabe - machten den Reiz der Sache aus.

Wo bleibt die Kontrolle?

Auch Walter Zollinger, ehemaliger Dorfschullehrer und Ortschronist von 1952 bis 1967 war schon vor 50 Jahren der Meinung, die Jungen würden es übertreiben (vgl. dazu die Chronik des Jahres 1964):

«Am 23. 12. war der Schulsylvester. Er artet aber m.E. leider in den letzten Jahren aus! Früher war’s einfach ein lustiger Morgen, an dem die Schüler mit mögl. originellen Lärminstrumenten frühzeitig (meist ab 5 Uhr) durch’s Dorf zogen, ohne grosse Belästigung der Dorfbewohner. Und jetzt: ----- die halbe Nacht vorher wird schon (vor allem von den Oberstüflern) in selbstgebauten „Waldhütten“ gefestet, wobei Alkohol und Rauchzeug mittun, und zwischenhinein wird im Dorf herum rumort und allerhand unangenehmer Unfug getrieben: Gartentore wegtragen, Fässer fortrollen, Bauernwagen oder Mistkarren verstellen, ja sogar demontieren etc., alles Streiche, die ehedem nur von schulentlassenen Burschen und am eigentlichen Sylvester (31.12. nachts) verübt wurden. Wo bleibt denn die Kontrolle der Eltern und Erzieher über diese Jugend?»

Diese Art Kritik ist aus der Feder Zollingers nicht neu. Er war generell der Meinung, die Jugend sei vor dem Zweiten Weltkrieg weniger unflätig gewesen (vgl. z.B. den WeiachBlog-Beitrag vom 5. Februar 2012, wo er die Ursache im Auseinanderfallen der Familien ortet).

Lange bekämpft – heute vielerorts abgeschafft

Trotz alljährlicher Kritik überlebte der Brauch die Jahrhunderte, wie man dem Hundertundachtundsechzigsten Neujahrsblatt der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich von 1984 entnehmen kann. Brigitte Bachmann-Geiser schrieb da unter dem Titel «Der Zürcher Schulsilvester»:

«Einstweilen gilt der Zürcher Schulsilvester noch als eine Selbstverständlichkeit, die sich nicht abschaffen lässt, obwohl dies immer wieder – unseres Wissens 1775 zum ersten Mal – von erzürnten Bürgern gewünscht wurde.»

Heute haben all diese Klagen Wirkung gezeigt. Den Weiacher Schulsilvester gibt es seit Jahren nicht mehr, wie der Gemeindeschreiber Wunderli auf Anfrage bestätigte. Auch viele andere Gemeinden im Züribiet haben seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts die traditionellen, von den Schülern selbst bestimmten Aktivitäten mittels organisierter Events kanalisiert und domestiziert. Und letztlich ganz abgeschafft.

Die moderne Zeit hat auch diesem aus grauer Vorzeit stammenden Brauch den Garaus gemacht.

Aber nicht überall: im Raum Winterthur und am Zürichsee gibt es ihn bis heute. Wenn auch in der gezähmten Form, wie die Zürichsee-Zeitung meldet. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden dürften «die Uetiker Schulkinder am Schulsilvester noch immer lärmend durchs Dorf streifen.» Denn dies habe in Uetikon Tradition. «Die Zeiten, als die Gemeindepolizei am Schulsilvester noch ausrücken musste», seien so gut wie vorbei.

Quellen
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 – S. 15. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964].
  • Bachmann-Geiser, B.: Der Zürcher Schulsilvester. In: Neujahrsblatt der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich, Nr. 168, 1984
  • Primarschüler beenden das Jahr mit Streichen und viel Lärm. In: Zürichsee-Zeitung, 20. Dezember 2014

Montag, 29. Dezember 2014

Dezemberwetter 1964: Verkehrschaos und weisse Weihnachten

Es wird ja zuweilen behauptet, heutige Automobilisten könnten nicht mehr mit Schnee umgehen, weil es im Mittelland so selten welchen gebe. Was impliziert, früher sei alles besser gewesen. Wenn man in Walter Zollingers Jahreschronik 1964 den Eintrag zum Dezemberwetter liest, dann war der Wintereinbruch aber schon vor einem halben Jahrhundert eine nicht von allen gemeisterte Herausforderung:

«Dezember: Schon in den ersten Tagen bricht der Winter ein. Die Temperaturen sinken auf -1°, -3°, dazu bringt der 3.12. gegen mittag schon stürmisches Schneegestöber, sodass die Strassen bald mit einer schlüpfrigen Nasschneeschicht bedeckt sind. Gleich beginnt ein "Verkehrschaos" auf der Strasse oberhalb unseres Hauses; ein PW landet in Meierhofers Runkelhaufen, ein LW bleibt schräg über die Strasse stecken, sodass der Verkehr eine ziemlich lange Zeit blockiert ist, oberhalb dem Mühlerank rutscht ein anderer PW übers Bord hinab. Walter Meierhofer, der Nachbar, muss mit seinem Traktor mehrmals ausrücken, um solche Situationen wieder in Ordnung zu bringen, z. Glück gibts dabei keine Personenschäden!»

Zollinger wohnte am heutigen Müliweg 4, dort, wo die lange Gerade der Stadlerstrasse durchs Dorf den südlichen Dorfausgang von einer leichten S-Kurve abgelöst wird. Der «Mühlerank» muss oberhalb der heutigen Einmündung der im Vergleich zu damals verlängerten Oberdorfstrasse in die Stadlerstrasse anschliesst.

Pfadschlitten im Einsatz

Weiter wird wird ja heute oft geklagt, es gebe keine richtigen Winter mehr und schon gar keine schneereichen. Weisse Weihnachten? Dafür müsse man im Mittelland schon Glück haben. Allerdings lag auch vor 50 Jahren längst nicht jedes Jahr auf Weihnachten hin eine Schneedecke - zumindest nicht in Weiach:

«Das Hudelwetter hält bis in den späten Nachmittag hinein an. Die folgenden Tage, 4.-7.12., sind grau, trüb, leicht regnerisch, sodass der Schnee rasch wieder schwindet. Eine rühmliche Ausnahme macht der 8.12., indem er uns, unter Föhneinfluss, (+5°C), einen sonnigen, klaren Nachmittag schenkt. Dann gehts aber wieder im selben neblig-trüben-unfreundlichen Tramp weiter bis zum 14.12. Am 15., sowie 16. morgens liegt Reif; aber die Nachmittage und Abende sind trocken-angenehm, auch die nachfolgenden paar Tage noch (+2°, +3°). Vom 20. auf den 21. fällt Schnee, die Landschaft sieht "herrlich-winterlich" aus; in der Nacht des 25./26.12. schneit es nochmals ziemlich ergiebig, so haben wir also wieder einmal richtig-weisse Weihnachtstage; der Schneefall wiederholt sich in der letzten Dezemberwoche nochmals am 27. und 29.12., sodass der Pfadschlitten fahren muss. Dazu ist der Himmel begreiflich ständig hochnebel-bedeckt oder stark bewölkt und die letzten Tage des Jahres auch trübe und ordentlich kalt, -8°, -7°, -13° sogar.»

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 - S. 7-8. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964].
[Veröffentlicht am 21. Januar 2015]

Samstag, 27. Dezember 2014

Des Rätsels Lösung

In der Dezember-Ausgabe der Mitteilungen für die Gemeinde Weiach wartete die lokale Gewerbevereinigung mit einem Novum auf: dem «Weiacher Weihnachtsrätsel» (vgl. den WeiachBlog-Artikel vom 4. Dezember). Nachdem nun der Einsendeschluss (19. Dezember, 18:00) verstrichen ist, gibt WeiachBlog seine Lösung bekannt.

Als eher Kreuzworträtsel-Ungeübtem ging mir das Ausfüllen erstaunlich flott von der Hand. Wohl auch dank den für den Autor dieses Blogs nicht allzu schwierigen Weiach-Bezügen. Sogar seine eigenen Initialen musste er erraten (Waagrecht 19: «Initialen Verfasser Weiacher Blogg»).

Fangen wir beim Lösungswort an. Es lautet: VIEL ENERGIE. Das ist nicht ganz abwegig, wenn man sich daran erinnert, wer Sponsor des Rätsels ist. Die Ernst Eberle Elektro GmbH ist ja im Bereich der Elektroinstallationen tätig.

Die Begriffe im Einzelnen - Waagrecht

Waagrecht 1: «Hier wird Wein angepflanzt»
Da gäbe es gleich mehrere Möglichkeiten: Neureben, Soli, etc. und wenn man die historisch verbürgten Standorte noch dazu nähme, etliche mehr. 12 Buchstaben, sowie Senkrecht 2, 3, 4 und 5 zeigen aber die hier gefragte Lösung: «Fasnachtflue».

Waagrecht 13: «Weiacher Gewässer»
«Sagibach». Es hätte zwar andere gegeben. Zum Beispiel den Mülibach. Aber der hat bei Ausschreibung der Umlaute eben einen Buchstaben zuviel.

Waagrecht 17: «Farbe im Wappen von Weiach»
Silber bzw. Weiss oder Blau kommen da in Frage. Bei nur vier Buchstaben ist der Fall klar: «Blau».

Waagrecht 19: «Initialen Verfasser Weiacher Blogg»
«U.B.» (man vergleiche das Impressum). Interessant ist, dass die Eigenbezeichnung mit dem Kunstwort «WeiachBlog» sich offensichtlich nicht in den Köpfen festgesetzt hat. Da ist wohl die Verbindung zu den «Weiacher Geschichte(n)» noch zu stark. Der (historisch bedingte) URL des Blogs fordert seinen Tribut.

Waagrecht 23: «Hier steht die Entsorgungsanlage»
Früher wäre diese Frage nicht so klar zu beantworten gewesen. Da gab es Büchsen- und Glascontainer auf dem «Chälenplatz», das Altöl war im alten Waschhäuschen im Oberdorf abzugeben und die ausgedienten Neonröhren bei Ernst Eberle Elektro an der Hauptstrasse nach Kaiserstuhl. Und dann waren da noch die Mulden beim Schützenhaus im Hasli - für Grubengut die eine, für Sperrgut die andere. Nach dem Standortentscheid für eine zentrale Anlage hinter dem Pneugeschäft First Stop kann die Antwort heute nur noch «Hasli» lauten (vgl. dazu den Artikel über den Abbruch des baufälligen Unterstandes durch den Zivilschutz)

Waagrecht 25: «ehem. Bäckerei in Weiach»
Eine Frage, die wirklich nur Alteingesessene und Weiach-Affine aus dem Stand beantworten können. Allen anderen helfen Suchmaschinen auf die Sprünge:
Die korrekte Antwort lautet: «Griesser». Dieser Familienname ist übrigens auch sehr weiachtypisch. Er deutet auf die Abstammung von Griessen hin, einem alten Marktflecken in der Grafschaft Sulz (heute: Baden-Württemberg) gleich ennet dem Hügelzug nördlich des Rheins.

Waagrecht 30: «Motiv im Weiacher Wappen»
Diese Antwort ist relativ einfach zu finden: «Stern». Der achtzackige Stern geteilt in blau und silber findet sich praktischerweise auch im Logo der Vereinigung Gewerbe Weiach. Vergleiche zur Entstehung des Wappens die Artikel Weiacher Geschichte(n) Nr. 84 und 85.

Waagrecht 31: «Bauernhof beim Stockiwald»
Bei dieser Frage ist es von Vorteil, den zürichdeutschen Lokalnamen zu kennen. Denn mit Höhberg (wie man ihn auf der Karte findet) kommt man trotz richtiger Buchstabenzahl nicht weiter. Das verbietet einem Senkrecht 7. Weil Nachkommen in der Mehrzahl am ehesten «Kinder» ergeben, heisst die Lösung «Höbrig». Höhberg wurden übrigens noch im 19. Jahrhundert auch die Einzelgebäude im Berg genannt (südlich des Ortskerns auf dem kleinen Plateau oberhalb des steilen Stücks der heutigen Bergstrasse). Deshalb war der Höbrig damals der «Höhberg b. Stocki» (vgl. dazu WeiachBlog vom 24. Januar 2010).

Waagrecht 42: «Berg zw. Weiach, Windlach und Glf.»
Sieben Buchstaben sind hier gefordert. Es kann sich also nicht um den «Stein» handeln (der ist anderswo gefragt, vgl. Waagrecht 75). Gemeint ist der «Aemperg». Streng genommen liegt der Ämperg, wie er auf den amtlichen Karten heisst, zwischen Zweidlen (gehörend zur Gemeinde Glattfelden) und Windlach (das politisch zur Gemeinde Stadel gehört). Und kein bisschen auf Weiacher Gebiet.

Waagrecht 46: «ehem. Gemeindeschreiber»
Auch hier wieder etwas für Alteingesessene und langjährige Leser der Gemeindemitteilungen oder der «Weiacher Geschichte(n)». Die Antwort lautet: «Meier». Hans Meier-Forster war über Jahrzehnte eine der Konstanten in der Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten.

Waagrecht 50: «Naturschutzgebiet in Weiach»
An solchen Flächen herrscht auf Gemeindegebiet bekanntlich kein Mangel. Die Frage ist also, welches gemeint ist. Eins mit acht Buchstaben. Dank Senkrecht 44, 45 und 46 kommt man schnell darauf, dass nur die «Rueteren» gemeint sein kann. Dieses Gebiet (üblicherweise «Rüteren» geschrieben) entstand bei der Renaturierung der Nordgrube der Weiacher Kies AG.

Waagrecht 51: «Grenzfluss»
Dank Weiach-Bezug ist klar, um welchen Fluss es geht: den «Rhein», der die Landesgrenze zur badischen Gemeinde Hohentengen bildet. Die heisst offiziell Hohentengen am Hochrhein, weil es im selben Bundesland noch ein weiteres Hohentengen gibt.

Waagrecht 52: «Autor der Weiacher Chronik»
Als Weiacher Chronik wird von den Einheimischen gemeinhin die 1972 erstmals publizierte Monographie Weiach 1271-1971 bezeichnet (2. Auflage 1984). Geschrieben hat sie Walter Zollinger, der langjährige Dorfschullehrer von Weiach. Das Lösungswort heisst also «Zollinger». Die Monographie ist nicht mit den Weiacher Jahreschroniken desselben Autors zu verwechseln (Signatur der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich: G Ch Weiach 1952-1967). Diese Typoskripte sind eine derart ergiebige Quelle, dass sie schon mehrdutzendfach Anlass zu Artikeln im WeiachBlog waren.

Waagrecht 70: «beliebtestes Haustier in Weiach»
Woher wollen die das wissen?, fragte ich mich da. Immerhin gibt es bei vier Buchstaben nicht viele Möglichkeiten. Und so ist es wohl der «Hund». Alle anderen Viecher der Kategorie Heimtiere muss man aber auch nicht melden - zwecks Steuererhebung und amtlicher Erfassung der Chip-ID in einer Datenbank. Es könnte also auch die Katze sein. Für die gilt die Chip-Pflicht nämlich (noch) nicht. Sei's drum.

Waagrecht 72: «toller Aussichtpunkt»
Auch nur dank dem Weiach-Bezug dieses Rätsels ist klar, dass es sich hier um den «Leuechopf» handeln muss. In genau dieser zürichdeutschen Schreibweise, denn «Leuenkopf», wie man's auch ab und zu lesen kann, würde für Senkrecht 74 (CAD) keinen Sinn mehr machen.

Waagrecht 75: «Trockenstandort östl. von Weiach»
Hier sind nun wieder lokalgeografische Kenntnisse gefragt. Gemeint ist ein Hochplateau über einer senkrechten und teilweise überhängenden Felswand, der «Stein».

Waagrecht 82: «Fördert die Attraktivität von Weiach»
An diesem Begriff beissen sich Auswärtige wohl am meisten die Zähne aus. Dazu muss man wissen, dass die lockere Gruppierung F.O.R.U.M. sich genau dies zum Ziel gesetzt hat, und zwar bewusst ohne jede formelle Vereinsgründung (vgl. WeiachBlog vom 26. Oktober 2007; zum Gründungsfest den Artikel vom 27.10.07). Auf der Website des F.O.R.U.M findet man das Motto im Leitbild. Lösungswort also: «FORUM».

Waagrecht 85: «ehem. Weiacher Radprofi, Spitzname»
Die wohl schwerste Knacknuss für Nicht-Weiacher. Liegen doch die aktiven Zeiten von «Bäumli» schon einige Jahre zurück. Der frühere Radrennfahrer hat Jahrgang 1953 und heisst mit bürgerlichem Namen Walter Baumgartner. Die Lösung heisst (bei Auflösung der Umlaute): «Baeumli». Bei ebendiesem Walter Baumgartner hat sich der Autor übrigens 1985 aus seinem ersten selbstverdienten Geld einen Cilo-Halbrenner gekauft. Anderthalb Wochen Fensterputzen im Spital Dielsdorf (oder CHF 750.-) kostete ihn das. Dafür gab's aber auch ein von Bäumli höchstpersönlich zusammengebautes Velo. Das im übrigen bis heute fahrtüchtig ist.

Die Begriffe im Einzelnen - Senkrecht

Senkrecht 13: «Weiacher Hügelzug»
Zehn Buchstaben, die zu nicht weniger als sechs weiteren Begriffen passen müssen, die der gesuchte Name kreuzt. Und wenn schon denn schon: da muss es schon einer der markantesten Hügel sein, der auch grossmehrheitlich auf Weiacher Gebiet liegt: der «Sanzenberg» (vgl. Swisstopo-Karte).

Senkrecht 14: «Hält seit 1995 nicht mehr in Weiach»
Erneut etwas für in der Ortsgeschichte Bewanderte (aber auch sonst noch einigermassen einfach zu erraten). Die Lösung lautet: «Zug», denn am 28. Mai 1995 wurde der Bahnhof Weiach-Kaiserstuhl für den Personenverkehr stillgelegt, vgl. den Wikipedia-Artikel.

Senkrecht 15: «Bodenschatz in Weiach»
Da geht es nicht um irgendeinen von Hunnen oder Rittern angeblich zu Weiach vergrabenen geheimnisvollen Schatz. Sondern um den Wandkies, der Weiach während Jahrzehnten gute Einnahmen brachte. Die Weiacher Kies AG ist bis heute das grösste und wichtigste Unternehmen auf Gemeindegebiet. Somit heisst die Lösung: «Kies».

Senkrecht 18: «ältester Ortsname Weiachs»
Gemeint ist die älteste erhalten gebliebene Nennung des Ortsnamens. Diese erfolgte 1271 in der Form «Wiach». Was denn auch zu den geforderten fünf Buchstaben passt.

Senkrecht 24: «Inhaber der ehem. Kleinsägerei»
Schon wieder etwas für lokalhistorisch Interessierte. Es geht hier nicht um das grosse Werk der Heinrich Benz AG (mit Sitz in Kloten ZH), das an der Hauptstrasse zwischen dem alten Bahnhofsgebäude und dem Städtchen Kaiserstuhl zu finden ist. Nein, hier geht es um die Sägerei am Sagibach, der durch die Chälen fliesst. Deren Besitzer hiessen Schär. Und so lautet die Lösung: «Schaer». Andere kleine Sägereien würden nicht auf die geforderten sechs Buchstaben passen.

Senkrecht 29: «Hobby einer fröhlichen Männergruppe»
Ein weiteres Toughie. Da muss man schon regelmässig Zeitung gelesen haben um zu wissen, dass besagte Gruppe vom «Kochen» beseelt ist. Es handelt sich um die Mannechuchi Weych (vgl. den Vereinseintrag auf der Gemeindewebsite). Rein zufällig sind einige der Mitglieder auch beim F.O.R.U.M. aktiv.

Senkrecht 36: «Quartier in Weiach»
Mit sieben Buchstaben und den geforderten fünf Begriffen die diesen Namen kreuzen, kann es sich nur um die Chälen handeln. Lösung also: «Chaelen». Dieses Gebiet ist zwar historisch gesehen ein eigenes kleines Weiach und war neben Oberdorf und Büel auch räumlich ein eigener abgegrenzter Ortsteil. Wegen der starken Bautätigkeit der letzten Jahre ist dies aber heute nicht mehr so deutlich sichtbar. Mehr zur Geschichte der Chälen vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 52.

Senkrecht 37: «Neues Quartier in Weiach»
Gemeint ist hier das Gebiet See-Winkel. Lösungswort: «See». Der etwas seltsam anmutende Ortsname rührt daher, dass früher in diesem Gebiet vor den Toren Kaiserstuhls tatsächlich ein kleiner See aufgestaut war. Das Grundwasser steht bedingt durch den Kalkrippen-Riegel, auf dem das Städtchen steht und der die Kiesebene nördlich Weiach begrenzt, bis heute ziemlich hoch.

Senkrecht 48: «Wurde 2004 eingeweiht»
Zugegeben, da habe ich mir etwas mehr Gedanken machen müssen. 2004? Spielplatz? Nein, der war später. Und das Wort passt auch nicht. Zwei Buchstaben weniger sind gefragt. Und so kommt man dann dank Waagrecht 51, 70 und 82 schliesslich zur Lösung: «Friedhof». Gemeint ist der neue Friedhofsteil «Fuori le mure», östlich des von der Mauer der reformierten Kirche umgrenzten, alten Friedhofs Weiach. Vgl. das Bild auf den Wiki Commons, das die (umstrittene) Begrenzung aus Holzelementen zeigt.

Senkrecht 57: «Gibt es seit 2009 nicht mehr in Weiach»
Klarer Fall, jedenfalls für Einheimische. In diesem Jahr verlor Weiach sein eigenes Postbüro. Seither gibt es nur noch eine stark abgespeckte Agentur in der Volg-Filiale (vgl. den WeiachBlog-Artikel vom 7. April 2009). Die Lösung lautet also: «Post».

Senkrecht 63: «Verband zum Schutz vor Fluglärm Abk.»
Da könnte man auf die Idee kommen, es gehe um die IG Nord, die Interessensgemeinschaft der Gemeinden nördlich des Flughafens. Aber hier ist eine ältere Organisation gemeint: der 1967 gegründete Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Zürich, abgekürzt «SBFZ» (http://schutzverbandzuerich.ch/). Die Gemeinde Weiach ist bei beiden Vereinigungen Mitglied.

Senkrecht 67: «Lebensmittelladen»
Da es in Weiach ausser der Landi seit Jahren nur noch einen einzigen Laden gibt, der neben Lebensmitteln auch noch andere Gegenstände des mehr oder weniger täglichen Bedarfs verkauft, ist auch hier die Lösung bei vier geforderten Buchstaben schnell gefunden: «VOLG».

Senkrecht 73: «Stromversorger in Weiach»
Eine echte Weiacher Institution versteckt sich hinter dieser Rätselfrage, die Elektrizitätsgenossenschaft Weiach (EGW; http://www.ewweiach.ch/), die 1912 das hundertjährige Jubiläum der ersten Stromanschlüsse feiern konnte. Bei der «EGW» kann jede(r) Weiacher Einwohner(in) Genossenschafter werden. Wenn man in Weiach Strom bezieht dann kommt der Strom zwar von der Axpo. Das Endverteilnetz gehört aber wie seit Anbeginn der EGW. Und zwar auf dem gesamten Gemeindegebiet. Mit ganz wenigen Ausnahmen: den Ofenhof und die Weiacher Kies AG beliefern die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) direkt. An allen anderen Orten kommt man nicht an der EGW vorbei.

Senkrecht 81: «Architekt und Spekulant aus Bülach (Initialen)»
Und schliesslich und endlich erlaubt sich die Erstellerin des Weiacher Weihnachtsrätsel noch einen Seitenhieb auf Oskar Meier, den Inhaber des gleichnamigen Architekturbüros aus Bülach, der seit Jahren gleich über der Strasse (und damit vor der Nase der Familie Eberle) eine Grossüberbauung erstellen will. Nur ist es offenbar nicht so einfach, die geplanten Eigentumswohnungen zu verkaufen, weshalb ausser einem Bauprojekt und Landumlegungen bislang nicht viel gelaufen ist. Warum, wird bei einem Ortstermin schnell klar: der Standort liegt nicht nur zwischen der Hauptstrasse Basel-Winterthur und der Bahnlinie Koblenz-Eglisau. Er ist - wie der Rest von Weiach - auch noch direkt unter der Anflugschneise der Piste 14 des Flughafens Kloten. Die Lösung lautet daher «OM».

Und damit verabschiedet sich WeiachBlog für das Jahr 2014 - mit nochmaligem Dank an die Erstellerin des Rätsels Heidi Eberle-Wapp.

Guete Rutsch!

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Meyerhofer als Betrüger verurteilt. Schaffhauser wollen Schadenersatz

Am 22. September 1814 hatte der Kleine Rat des Standes Zürich (Regierungsrat) entschieden, den Weiacher Hans Ulrich Meyerhofer nach Schaffhausen auszuliefern. Er sollte dort wegen Betruges vor Gericht gestellt werden (für die Details vgl. WeiachBlog vom 22.9.2014).

Zusammen mit dem Auslieferungsentscheid liess die Zürcher Regierung ihren Schaffhauser Kollegen ausrichten, dass sie über das Urteil gegen Meyerhofer sowie den Ausfertigungsort der zum Betrug benutzten Urkunden informiert zu werden wünsche.

Am 24. Dezember 1814, also heute vor 200 Jahren, war die Antwort der Schaffhauser eingetroffen und wurde im Rat besprochen:

«Die Zuschrift des L. Standes Schaffhausen vom 16ten Decembris, enthaltend die Mittheilung theils des Berichts über den Inquisitions-Prozeß mit dem in Schaffhausen inhaftierten Betrüger Ulrich Meyerhofer von Weyach, theils des unterm 9ten December über denselben ausgefällten Urtheils, – wird in originali dem Herrn Bezirksstatthalter Angst in Regensberg zur Execution des den Kostens- und Schadens-Ersatz betreffenden Theils dieser Sentenz und mit dem Auftrag zugestellt, über die Vollziehung dieses Geschäfts vor Ende des könftigen Monats Jenner dem Kleinen Rath einen umständlichen schriftlichen Bericht zu erstatten, und mit demselben zugleich die Acten wiederum zurückzusenden. In deßen Gewärtigung bleibt die Antwort an den L. Stand Schaffhausen einstweilen eingestellt.»

Zum oben erwähnten Ausfertigungsort enthält dieser Beschluss keine Angaben. Hingegen wird der Statthalter auf dem Regensberger Schloss damit beauftragt, die Vermögenslage des Hans Ulrich Meyerhofer abzuklären und Vermögensgegenstände zwecks Deckung von Prozesskosten und Schadenersatz sicherzustellen.

Anmerkung: «L.» steht wiederum für «Löblich». Wie man an diesem Protokollauszug sieht, war ausserdem die Bedeutung des Wortes «Sentenz» damals noch eine andere, im Sinne der lateinischen Herkunft ursprünglichere, als heute, wo man darunter nur noch einen «Sinnspruch» versteht. Ein Gerichtsbeschluss eben.

Quelle
  • MM 1.51 RRB 1814/1212. L. Stand Schaffhausen communiciert seine Sentenz über Hs. Ulrich Meyerhofer von Weyach. 24.12.1814
[Veröffentlicht am 30. Dezember 2014]