Montag, 3. August 2020

Nächster Postwagenkurs: Kaiserstuhl–Baden, August 1850

Bekanntlich gab es erst ab dem 1. Juni 1852 einen Postwagenkurs von Kaiserstuhl über Weiach nach Zürich (vgl. WeiachBlog Nr. 1509). Wie kam die Post vor dieser Zeit ins Dorf? Antwort: mit dem Zürich-Boten.

Dieser Weiacher Zürich-Bott (vgl. u.a. WeiachBlog Nr. 1455) erhielt aber ab dem Zeitpunkt der Gründung der eidgenössischen Postverwaltung am 1. Januar 1849 ernsthafte Konkurrenz.

Wie dicht die Postwagenkurse bereits im August 1850 betrieben wurden, zeigt die in der Kartensammlung der Zentralbibliothek Zürich aufbewahrte, kürzlich auf e-rara.ch zur Verfügung gestellte «Kurs-Karte der schweizerischen Postverwaltung», auf der auch Linien abgebildet sind, die grösstenteils über das Territorium des Grossherzogtums Baden verliefen (Basel–Beuggen–Säckingen–Waldshut–Lauchringen–Riedern am Sand–Schaffhausen):


Zwischen Zürich und Baden sieht man die am 7. August 1847 in Betrieb gegangene Spanisch-Brötli-Bahn, die selbstverständlich auch für Postzwecke genutzt wurde. Alle übrigen Strecken wurden mit Postkutschen betrieben.

Wie die Zahlen zu interpretieren sind, wird auf der Karte erklärt:


Im August 1850 startete also ein Postwagenkurs an drei Tagen in der Woche (Sonntag, Dienstag, Donnerstag) jeweils morgens um 7 Uhr in Kaiserstuhl und erreichte um 10 Uhr die Stadt Baden. Von dort ging er um 13 Uhr wieder ab und war um 16 Uhr zurück in unserem Nachbarstädtchen. Als Strecke werden 3 2/8 Schweizerstunden à 16 000 Fuss angegeben, was 15.6 km entspricht (ziemlich genau das, was auch heutige internetbasierte Routenplaner dafür veranschlagen).

Die von Weiach aus gesehen übernächsten Postrelaisstationen waren Niederweningen als Endpunkt einer Linie ab Zürich, sowie Bülach und Eglisau (auf der Linie Zürich–Schaffhausen). Es ist deshalb gut möglich, dass die Post spätestens ab August 1850 bis Ende Mai 1852 auch über Kaiserstuhl nach Weiach gelangt ist. Und dem Weiacher Zürich-Bott die Aufträge wegbrachen.

Quelle
  • Kurs-Karte der schweizerischen Postverwaltung. [Bern] : [Schweizerische Postverwaltung], 1850. Zentralbibliothek Zürich, 5 Hb 46:1:1, https://doi.org/10.3931/e-rara-83268

Sonntag, 2. August 2020

Weiacher Kirche wurde 1555 im Ratsmanual erwähnt

Vor wenig mehr als zehn Jahren habe ich auf WeiachBlog darauf hingewiesen, dass die älteste Weiacher Gemeindeordnung von 1596 angenommen wurde, nachdem sie «einer gantzen gmeind Wyach jnn der kilchen daselbs von einem articel zum anndern offentlich vorgeläßen» worden war.

Um die alte Kapelle aus vorreformatorischer Zeit (die im Raum Bedmen gestanden hat, vgl. WeiachBlog Nr. 1353) kann es sich dabei kaum gehandelt haben, denn die war bereits zum Zeitpunkt des Weidgangsstreits mit Kaiserstuhl und Fisibach (zwei Jahre zuvor) eine Ruine oder zumindest in sehr schlechtem Zustand und dürfte auch nicht genügend Platz gehabt haben. Nein, der Ort dieser Versammlung muss die Pfarrkirche im Oberdorf gewesen sein.

Klar ist auch, dass das Fragezeichen im Titel von WeiachBlog Nr. 878 vom 13. Juli 2010 (Ältester Hinweis auf die Kirche im Oberdorf?) völlig berechtigt und der im Text stehende Satz «Die älteste direkte Erwähnung einer Kirche zu Weyach habe ich bislang völlig übersehen.» ziemlich irreführend ist.

Die Kirche stand schon 1555

Nach wie vor korrekt: die Passage «Wahrscheinlich ist die alte Kirche mehrere Jahrzehnte vor dem Entstehen der Offnung [von 1596] erbaut worden. [...]. Es ist nämlich nach wie vor möglich, dass im Zürcher Staatsarchiv in einem Dokument ein noch älterer Hinweis auf seine Entdeckung wartet.»

Und den gibt es tatsächlich. Finden kann man ihn mittlerweile auch online, im Schweizerischen Idiotikon (Id.), dem umfangreichsten Regionalwörterbuch des deutschen Sprachraums:

«Eim Öppis i d'Schueh schütte' Z, dafür modern auch 'schiebe' wie nhd. 'Eim i d' Schueh (ine) brünzle, seiche'; s. Bd. V 771 (auch BSi.); Bd VII 142 und vgl.: 'Dero halb, so inn der kilchen zuo Wiach einanderen inn die schuoch brünzlen und die von Keiserstuol sy darumb in trostung genommen...' 1555, Z RM. 'Schim sëlb in d' Schueh brunze', 'sich selbst zum Nachteil reden oder zeugen' GRD. (B.).» (Id. VIII, 452)

«Z» steht für «Zürich», «RM» für «Ratsmanuale» («BSi.»: «Simmental»; «GRD.»: «Davos»).

Die Kaiserstuhler liessen sich nichts in die Schuhe schieben

Der Umstand, dass in der Weiacher Kirche schlecht übereinander geredet wurde (man sich gegenseitig Sachen in die Schuhe schob), hat also derart grossen Unmut verursacht, dass sich selbst in einem Ratsmanual der Hohen Obrigkeit zu Zürich noch ein Niederschlag davon finden lässt.

Man darf annehmen, dass es die Regierung des Stadtstaates nicht gross interessiert hätte, wenn das eine rein dorfinterne Angelegenheit gewesen wäre, oder eine, die sich mit den Nachbarn auf Augenhöhe hätte regeln lassen. Doch hier fühlten sich offenbar die Kaiserstuhler derart betroffen, dass sie von den Weiachern eine Bürgschaft verlangten (in Form eines Versprechens und/oder einer Geld- oder Sachleistung). Die lokale Aufregung nahm also sozusagen eine diplomatische Dimension an.

Sinn und Zweck einer «Trostung»

Was unter dem Rechtsbegriff der Trostung zu verstehen sein kann, darüber findet man ebenfalls im Idiotikon Hinweise (vgl. Id. XIV, 1421). In einem religiös aufgeladenen Konfliktfeld, wie es sich auch zwischen den neugläubig gewordenen Weiachern und den altgläubigen (d.h. letztlich katholisch gebliebenen) Kaiserstuhlern seit 1532 entwickelt hatte, könnte dieses «in die schuoch brünzlen» in der Kirche durchaus Fragen umfasst haben, die letztlich den Landfrieden betreffen, vgl. dazu die folgende Passage aus dem erwähnten Artikel Trostung, wo es um die gemischtkonfessionelle Gemeine Herrschaft Rheintal (GRh.) geht (Id. XIV, 1423):


Das ist ein Auszug aus den Eidgenössischen Abschieden (Absch.), wo die an der Herrschaft Rheintal beteiligten Orte 1532 (zu diesem Zeitpunkt neben ZH: LU, SZ, GL, UR, NW/OW, ZG und das damals noch nicht geteilte Appenzell) unter Umgehung von Zürich eine finanzielle Sicherung des Landfriedens beschlossen haben. Diese Bürgschaft war mit der Androhung strafrechtlicher Konsequenzen und weiterer finanzieller Nachteile verbunden. Und das ist denn auch die zweite Hauptbedeutung des Wortes Trostung: «Amtliches Verbot, Interdikt mit Strafandrohung» (Id.-Online-Version).

Diese Regelung hat übrigens der zuvor in Weiach tätige Pfarrer Mathias Spiller am eigenen Leib erfahren müssen. Er geriet 1559 sozusagen zwischen die diplomatischen Fronten, wurde verhaftet und als dem Landfrieden abträglich aus seinem Pfarramt in Altstätten (damals Teil der Vogtei Rheintal, heute Kanton St. Gallen) entfernt, vgl. WeiachBlog Nr. 1542.

Quellen und Literatur
  • Schweizerisches Idiotikon: Band 8 (1920) und Band 14 (1987) (vgl. idiotikon.ch).
  • Brandenberger, U.: Disput um die Finanzierung der Kirchturmrenovation. Was die alte Kirche im Oberdorf einem Grossbrand zu verdanken hat. Weiacher Geschichte(n) Nr. 106. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, September 2008.
  • Brandenberger, U.: Gemeindeoffnung 1596: Ältester Hinweis auf die Kirche im Oberdorf? WeiachBlog Nr. 878 v. 13. Juli 2010.

Sonntag, 26. Juli 2020

Weyach und Weiach auf demselben Brief

Vorgestern Freitag hat sich WeiachBlog auf die Ablösung der Schreibweise «Weyach» durch «Weiach» eingelassen und erklärt, wie daraus heute ein Chuchichäschtli-Test wurde (vgl. WeiachBlog Nr. 1552).

Zufälligerweise ist in den letzten Wochen ein Nachnahmebrief des Gemeindammannamts Weiach vom 6. Mai 1884 auf der Online-Plattform Ricardo angeboten worden, fand aber für den verlangten Preis (140 Franken) keinen Abnehmer. Dass diese Ganzsache so teuer ist, hat seinen Grund wohl in der Briefmarke (Nr. 57 nach dem Schweizer Briefmarken-Katalog), die offenbar einen Katalogwert von bis zu 475 Franken hat, wenn sie ungelaufen ist. Zwischen 25 und 100 Franken muss aktuell hinblättern, wer eine solche Marke (und nur diese) auf Ricardo erwerben will.

Aus Weiacher Sicht interessant: hier sieht man auf ein und demselben Dokument sowohl die progressive Form «Weiach» (verwendet von der Zürcher Gerichtsbarkeit, zu deren Aufsichtsbereich die Betreibungsämter gehören), wie «Weyach» (verwendet von der Eidg. Postverwaltung, die sich neue Stempel bis 1904 gespart hat).


Der Brief ging an das Tit. Notariat Niederglatt (Tit. steht für Titulatur, ein Kürzel, das stellvertretend für alle sonst anzuführenden Ehrenbezeugungen verwendet wurde, manchmal noch mit Ausrufezeichen versehen). Das Notariat musste dem Pöstler 4 Franken und 15 Rappen hinblättern. Nicht gerade wenig, wie mit dem Swiss Historical Monetary Value Converter (www.swistoval) zu ermitteln ist. Der Historische Lohnindex ergibt einen heutigen Wert von rund 225 Franken für Nachnahme und Porto.

Schwierige Lage, enorm viele Betreibungen

Zu diesem Brief von Amtsstelle zu Amtsstelle gibt es noch eine Hintergrundgeschichte (die sich ausführlich in Weiacher Geschichte(n) Nr. 36 nachlesen lässt). Wir kennen den Namen des Absenders: Heinrich Meier. Und den des Empfängers: Notar Alexander Schmid (seit 1868 im Amt).

Es war damals schwierig, einen Gemeindeammann zu finden, der einerseits den ihm übertragenen Aufgaben gewachsen und andererseits (und vor allem) gewillt war, diese auch auszuführen. Denn immerhin musste der Betreibungsbeamte ja gegen die eigenen Dorfgenossen vorgehen.

Und Betreibungen gab es zu dieser Zeit in Weiach «abnorm viele», obwohl die Gemeinde nicht zu den ärmsten im Kanton zähle, wie die Aufsichtsbehörde befand (damals wie heute das Obergericht des Kantons Zürich). Es waren nach dem Rechenschaftsbericht 1884 «im Jahr ungefähr doppelt so viele als Einwohner».

Wenn man in die Statistik schaut, findet man für 1880 einen Höchststand von 743 Einwohnern, 1888 einen von nur noch 643. Mithin dürften es somit rund 1400 Betreibungen jährlich gewesen sein, die der Weiacher Gemeindammann zu bearbeiten hatte. Also fünf Stück an jedem Werktag! Dass die schlechte Zahlungsmoral der Weiacher etwas mit ihrer wirtschaftlichen Lage zu tun gehabt haben dürfte, darf angenommen werden. Es waren harte Jahre, die manchen dazu bewogen haben, wegzuziehen oder gar auszuwandern.

Weiacher Gemeindeammänner bestraft

Sowohl der am Anfang des Jahres 1884 zurückgetretene Gemeindeammann (ein Meierhofer), wie auch Heinrich Meier, der den oben abgebildeten Nachnahme-Brief abgeschickt hat, wurden von den Aufsichtsbehörden wegen fahrlässiger Amtspflichtverletzung bestraft. Der eben erwähnte Heinrich Meier sogar zweimal im selben Jahr 1885. Und zwar mit einer auch aus heutiger Sicht saftigen Busse von 60 Fr. im einen und 80 Fr. im anderen Fall. Umgerechnet mit dem Historischen Lohnindex HLI von Swistoval (www.swistoval.ch) ergäbe dies total 7600 CHF nach heutigen Geldwerten! Die musste er auch tatsächlich zahlen, denn bedingte Geldstrafen gab es damals noch nicht.

Samstag, 25. Juli 2020

Pfarrer Brennwald beim Bau der Kirche zu Tode geärgert

Der Weiacher Pfarrer Johann Heinrich Brennwald, geboren 1654, war massgeblich dafür verantwortlich, dass seine Gemeinde 1706 zu einer neuen Kirche kam. Denn er war es, der zuerst die beiden Obervögte des Neuamts und via diese schliesslich Bürgermeister und Rat der Stadt Zürich davon überzeugt hat, dass es so nicht mehr weitergehen könne.

Sein Schreiben darüber, «in was schlechtem Zustand das Kirchli zu besagtem Weÿach, sich befinde, und wie, aus allerhand bÿ benigned-ohnverwerflichen gründen, die hoche nothwendigkeit erfordern, dass nun die Ehr und Lehr Gottes auch seine erkantnuss und forcht pflichtmesig zu beförderung, eine noüwe und weiterere Kirchen erbauwet werde, gestalten dermahliges Kirchli, eine von 750 Seelen bestehende gemeind zu fassen, allzu klein, darauß allerhand ohnordnungen [Unordnungen] entstehnd», bildete im Juni 1705 die Grundlage für einen Grundsatzentscheid des Rates (vgl. StAZH B II 691. Ratsmanual des Baptistalrats des Unterschreiber, 1705. – Pag. 31 – 25. Juni 1705).

Lokaler Widerstand gegen das Kirchenbauprojekt

Damit begannen für den seit 1693 in Weiach amtierenden Pfarrherrn die Probleme. Zum einen waren die Weiacher selber gar nicht begeistert über dieses Bauvorhaben. Man kann sich die Gegenargumente gut vorstellen. Wozu ein solches Neubauprojekt? Wir haben doch im Oberdorf eine Kirche, haben sie erst 1644 vergrössert, 1658 den Turm neu gemacht. Die reicht doch vollends aus, oder nicht?

Dann war auch noch ziemlich viel Geld zu organisieren, damit es mit der Bauerei auch wirklich losgehen konnte. Denn einen Grossteil der Kosten musste Weiach selber tragen. Am 8. September 1705 hatten Bürgermeister und Rat entschieden, dass bis Martini (also innert nur zwei Monaten!) 1000 Gulden selber vorfinanziert werden müssten. Vorher werde sich der Staat nicht engagieren. Bei dieser Fundraising-Aktion musste sich Pfarrer Brännwald über sein Projekt und seine Person wüste Beschimpfungen gefallen lassen (vgl. Ein Gegner des Kirchenbaus landet im Zuchthaus. WeiachBlog Nr. 1395).

Eine Sonnenfinsternis...

Bevor Brennwald am 9. August 1706 mit den Worten «Gott erhalte dise Kirchen u. Thurm in beständigem wolstand u. behüte sie vor allem schaden bis an das end der welt. Amen» segnen konnte, da hing der Haussegen offenbar mehrmals ziemlich schief.

Sogar Sonne und Mond beteiligten sich in der Bauzeit mit einer grossen Sonnenfinsternis am 12. Mai 1706, bei welcher der Kernschatten über die Schweiz hinwegzog und auch unserer Gemeinde rund vier Minuten totale Finsternis bescherte.

Ausschnitt aus der Supplication der Hinterbliebenen des Pfr. Brännwald (StAZH E I 30.136 Nr. 47)


... und viel Ärger mit den Handwerkern

Besonders viel Verdruss hatte Brännwald mit den direkt am Bau Beteiligten, wie man einer sogenannten «Supplication» (Bittschrift) seiner nächsten Angehörigen an den Zürcher Bürgermeister  entnehmen kann. Sie schreiben darin:

«daß unser Vatter und Schwäher säll. eine zimmliche Zeit [1682-1693] den geringen und schlechten Helfferdienst zu Eglisau mit aller möglichsten Sorgfalt, Treuw und Fleiss versehen, [...] Er nun aus tragender hocher Gnad und Wolgewogenheit [...] den Pfarrdienst zu Weÿach erlangt und viel Jahr [1693-1707] selbigen nicht ohne grosse Mühe absonderlich wegen der beschwehrlichen Schularbeit versehen; ist darauf gut befunden worden, den Bau selbiger Kirchen vorzunemmen, bey welchem Bau ermelter unser liebe Vatter und Schwäher sell. sehr viel ausgestanden, grosse Kösten, Beschwerd und Verdruß gehabt, und welches das meiste ist, von den Arbeits Leüthen, wie es zu gehen pflegt, so vielmahlen zum Zorn gereizet worden, daß Er endtlich seine Krankheit daran erholt, welche Ihme den Lebensfaden so frühezeitig abgeschnitten» (StAZH E I 30.136, Nr. 47)

Am 23. November 1707 ist Johann Heinrich Brennwald an den Folgen einer nicht weiter spezifizierten schweren Krankheit verstorben. Sein Tod war offenbar absehbar, denn sein Nachfolger, Pfr. Wolf (der mit der Grabplatte in der Kirchenmauer, vgl. WeiachBlog Nr. 1544) wurde vom Rat auf Vorschlag des Antistes bereits am 17. November 1707 gewählt. (StAZH E I 30.136, Nr. 46)

Schuld am frühzeitigen Ableben mit nur 53 Jahren sind also, jedenfalls gemäss seiner Tochter und seinem Schwiegersohn, massgeblich auch die Handwerker.

Freitag, 24. Juli 2020

Der Weiacher Chuchichäschtli-Test

Rechtschreibreformen sind dafür verantwortlich, dass man heute anhand der Aussprache recht genau unterscheiden kann, ob jemand schon länger in Weiach wohnt, bzw. von dort (und der näheren Umgebung) herkommt oder aber ein komplett Fremder ist und nicht dazugehört.

Fremde erkennen im Alten Testament

Es ist schon fast so etwas wie ein lokaler Chuchichäschtli-Test. Ausserhalb der Deutschschweiz (und anderen Gebieten, wo unser Dialekt wegen dem kratzenden «ch» als Halskrankheit empfunden wird) ist dieses Prinzip als Schibboleth bekannt, vgl. Richter 12 Verse 5-6 im Alten Testament der Bibel:

«5 Und Gilead besetzte die Furten des Jordan vor den Efraimiten. Und wenn ein Flüchtling von den Efraimiten sprach: Ich will hinüber!, sagten die Männer des Gilead zu ihm: Bist du Efraimit? Sagte er dann: Nein!, 6 so sagten sie zu ihm: Sag Schibbolet. Sagte er dann Sibbolet, weil er es nicht so aussprechen konnte, ergriffen sie ihn und machten ihn nieder an den Furten des Jordan.» (Zürcher Bibel, nach https://www.bibleserver.com/de/verse/Richter12,5 [Abgerufen am 24.7.2020])

Die Übersetzer der Zürcher Bibel merken zu Vers 6 an: «In diesem Vers zeigen sich Ausspracheunterschiede im Hebräischen der damaligen Zeit. Schibbolet bedeutet «Flut»  oder «Ähre».» 

Der Weiacher Schibboleth ist der Name des Ortes selber. Und wird glücklicherweise nicht so radikal für die Freund/Feind-Erkennung eingesetzt, wie es hier Gilead zugeschrieben wird.

Die Schreibweise «Weiach» (mit «i») setzte sich bis Ende des 19. Jahrhunderts gegen die Schreibung mit y («Weyach») durch. Die Progressiven schrieben schon in den 1830er-Jahren konsequent «ei» (vgl. Ignaz Thomas Scherr in WeiachBlog Nr. 1538). Eine solche Schreibung wird wie in «Vogel-Ei» ausgesprochen. Und nicht mit einer Art implizitem Trema als «ey». 

Fehlendes Trema und trotzdem ein Spray 

In manchen älteren Texten wird dieses sogenannte diakritische Zeichen durchaus verwendet. Da steht dann «Weÿach» (vgl. Bild: Weisses Register, 1717 erstellt), was den Leser dazu anleitet, die Buchstaben e und y (oder halt «i») nicht als Standard-Diphthong ei, ai, ey, ay ​(Aussprache: [⁠aɪ̯⁠] wie​ in Leim, Mais, Speyer, Mayer) zu verstehen, sondern eben als dialektalen Diphthong [ɛɪ̯], der nur in der lexikalischen Peripherie existiere (wie sich die Wikipedia ausdrückt) und wie in «Spray» ausgesprochen werde.

StAZH KAT 38. Grösseres Kanzleiregister oder Weisses Register bis 1739, Band XVI: Trucken 462-497 - S. 35

Die Schreibweise «Weïach» wäre eigentlich im 19. Jahrhundert noch möglich gewesen (und hätte den Schibboleth verhindert). Aber schon nach der Reform von 1902 und spätestens seit der neuesten Reform 1996 wäre das Problem dann doch entstanden:

«Im Deutschen wird das Trema heute nicht mehr in seinem ursprünglichen Sinne zur Kennzeichnung einer abweichenden Aussprache im Lautzusammenhang verwendet. Während bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts Tremata in der deutschen Schrift nur gesetzt werden sollten, um in einzelnen Fällen Missverständnisse auszuschließen, rieten die deutschen Rechtschreibregeln von 1902 bis 1996 von der Nutzung des Tremas generell ab. So sollte statt des französischen „Zaïre“ das Wort „Zaire“ geschrieben werden (siehe Das Trema in der deutschen Rechtschreibung im 19. Jahrhundert). Die aktuellen Regeln seit der Rechtschreibreform von 1996 befassen sich gar nicht mehr mit dem Trema.» (Auszug aus dem Wikipedia-Artikel «Trema», Version v. 3. April 2020)

Dass das Trema wegfallen musste, ist auch der immer weiteren Verbreitung der Schreibmaschine geschuldet. Die hatte nun einmal einen begrenzten Satz von Typenhebeln. Was zu regionalen Unterschieden führte. Auf der Deutschschweizer Tastatur fehlt ja bis heute der Buchstabe ß (Eszett), der hierzulande in Druckerzeugnissen noch lange üblich war, wie man sich auch auf e-newspaperarchives.ch oder in WeiachBlog Nr. 1539 (für Liechtenstein) überzeugen kann. Und das obwohl in den 1930er-Jahren beschlossen wurde, das Eszett in der Schule nicht mehr zu lehren, womit für die Schweiz und Liechtenstein ein Sonderweg begann.

Frühere Erklärungsversuche...

Wollen Sie den Test bestehen? Ein paar zusätzliche Details geben ein Artikel und eine Audio-Datei, beide schon ziemlich älteren Datums:
  • Brandenberger, U.: Wîach Wijach Wygach Wyach Weyach Weych Weiach. ei oder ey ? – Wie es zur Schreibweise «Weiach» kam. Weiacher Geschichte(n) Nr. 2. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Januar 2000 – S. 16.
  • Brandenberger, U.: «Weyach, nicht Weiach...» (Besonderheiten, historische Anekdoten, Mentalität der Bewohner. Tonbandinterview für die Datenbank Onoma anlässlich der Expo.02.) In: Interview des Tages. Schweizer und Schweizerinnen stellen ihre Gemeinden vor, 12.10.2002, Weiach (ZH). Yverdon 2002.

...und die Wÿach-Frage

Die Frage, wie es von den alten Schreibweisen «Wiach» oder «Wyach» zu «Weyach» gekommen ist, die ist nach wie vor ungeklärt. Diese Änderung ist möglicherweise dem Versuch geschuldet, das in der lokalen Mundart verwendete, zerquetschte «e» vor dem «i» irgendwie in der Schrift abzubilden. Ein möglicher Ansatz liegt in der manchmal beobachteten Schreibweise «Wÿach», wo man die Punkte über dem y auch als über den Buchstaben gestelltes kleines «e» deuten könnte (in Frakturschrift vereinfacht mit Strichen oder Punkten dargestellt), das hier aber VOR dem i stehen würde und nicht danach wie bei ä, ö oder ü.

Aber das sind vorerst wilde Spekulationen ohne wirkliche Beherrschung des linguistischen Werkzeugkoffers. Konzediert der Autor dieser Zeilen und freut sich über fachliche Einlassungen auch zum oben Aufgeführten, sollte es da Fehler drin haben.

Donnerstag, 23. Juli 2020

Weiacher Pfarrhaus ab 1963 mit Zentralheizung

Holz gibt, wie der Volksmund sagt, mehrmals warm. Beim Fällen des Bäumes, beim Rücken, beim Zersägen, beim Spalten und schliesslich, wenn es im Ofen brennt. Heisst: Heizen ist zeitaufwendig. Das war früher jedem klar, auch dem Regierungsrat des Kantons Zürich, der sich – man glaubt es kaum – am 25. Juli 1963 mit der Holzheizung des Weiacher Pfarrhauses befassen musste:

«Für die Beheizung des sehr geräumigen Pfarrhauses Weiach, in dem sich die Wohnung des Pfarrers auf den ersten und zweiten Stock verteilt, stehen ein Kachelofen und sechs Oefen zur Verfügung. Das Zubringen des Heizmaterials und das Unterhalten des Feuers beansprucht in Kälteperioden eine volle Arbeitskraft. Zudem lassen sich ein Schlafzimmer und das Badezimmer nicht heizen. Das Pfarrerehepaar widmet seine Arbeitskraft der seelsorgerischen und der sozialen Tätigkeit in der Gemeinde, und die Kinder besuchen tagsüber auswärtige Schulen, weshalb nicht genügend geheizt werden kann. Zur Besserung der Verhältnisse ist die Einrichtung einer Zentralheizung mit Oelfeuerung auf den Beginn der Heizperiode 1963/64 unerlässlich. Die Kosten sind auf Fr. 38 000 veranschlagt, welcher Betrag im Voranschlag nicht enthalten ist. Die Baudirektion wird ermächtigt, mit der zweiten Serie 1963 den erforderlichen Nachtragskredit auf Konto 3010.705.02 einzuholen und mit den Arbeiten unverzüglich zu beginnen

Schon bemerkenswert, dass a) man davon ausging, dass sonst ja die Kinder diese Heizarbeit ausführen könnten (mussten sie in anderen Haushalten schliesslich auch) und dass b) an sehr kalten Tagen eine volle Arbeitskraft für diese Öfen veranschlagt wurde. Jedenfalls billigte der Regierungsrat die Sichtweise der zuständigen Direktion:

«Auf Antrag der Direktion der öffentlichen Bauten beschliesst der Regierungsrat:

I. Dem Ersatz der Einzelofenfeuerung durch eine Zentralheizung mit Oelfeuerung im Pfarrhaus Weiach im Kostenbetrage von Fr. 38 000 zu Lasten des Kontos 3010.705.02 wird zugestimmt.

II. Die Baudirektion wird ermächtigt, mit der zweiten Serie 1963 den erforderlichen
Nachtragskredit einzuholen und mit den Arbeiten sofort zu beginnen.

III. Mitteilung an die Direktionen der öffentlichen Bauten und der Finanzen.»

Mit anderen Worten: Pfarrer Robert Wyss (ab August 1962 in Weiach) und seine Frau waren die ersten, die in den Genuss einer Zentralheizung gekommen sind. Alle früheren Pfarrer mussten selber dafür sorgen, dass ihre Öfen befeuert wurden.

Quelle 

Mittwoch, 22. Juli 2020

Berufskleidung für Gemeindepräsidenten, Anno 1495

Die Untervögte der Gemeinden am Zürichsee erhielten von der Stadt einen Amtsrock, der ihre Stellung heraushob und sie als Gemeindevorsteher kennzeichnete. So eine Auszeichnung wollten ihre Amtskollegen in anderen Gemeinden selbstverständlich auch haben.

Am 30. Dezember 1494 beratschlagten Bürgermeister Röist und beide Räte der Stadt Zürich (Kleiner Rat und Grosser Rat) daher über die Bitte der Untervögte der stadtnahen Gemeinwesen Fluntern, Hottingen, Oberstrass und Unterstrass (Vier Wachten) ihnen ebenfalls eine Amtstracht zu verabfolgen.

Das Regest im Katalogeintrag des Staatsarchivs zeigt, dass man sich in der Sache gar nicht einig war. Die einen argumentierten, wenn man bereits den Vögten am See Röcke gewährt habe, dann solle dies auch für Untervögte in Stadtnähe so sein. «Als Gegenargument wird vorgebracht, dass es zu viele Kosten verursache, da die Bitte um Röcke dann auch von anderen Untervögten käme. Deshalb solle den Untervögten der Vier Wachten für dieses Mal eine abschlägige Antwort erteilt werden. Nichtsdestotrotz sollen die Untervögte bei der nächsten Vergabe von Röcken mit der Bitte vorstellig werden, damit der Rat erneut darüber befinde.»

Es war natürlich allen klar, dass man den anderen Untervögten die Amtstracht nicht gut würde verweigern können. Schon wenige Tage später, am «sambstag nach Dorothee», dem 7. Februar 1495, entschieden sich die Räte für die Untervögte im Neuamt (und damit auch in Weyach), in Alt-Regensberg, Wipkingen, Dübendorf, Schwamendingen, Ossingen, Stammheim, Weiningen, Wiedikon, Altstetten, Dietlikon und Erlenbach, Amtskleidung herauszugeben. Ob die Kollegen der Vier Wachten tatsächlich leer ausgingen, darüber steht im Katalog nichts.

Diese Beschlüsse findet man im Beschlussprotokoll des Natalrats des Jahres 1495. Der Kleine Rat bestand aus zwei Ratshälften mit je 25 Ratsherren, die sich halbjährlich jeweils im Juni und im Dezember ablösten (für ein Schaubild s. das e-HLS). Im Juni galt der Johannistag (24. Juni; nach Johannes dem Täufer, bzw. Johannes Baptista) als Wechseltermin (deshalb wurde die an diesem Tag übernehmende Ratshälfte «Baptistalrat» genannt), im Dezember fand der Wechsel an Weihnachten statt (deshalb als «Natalrat» bezeichnet).

Quelle
  • Beschluss von Bürgermeister und beiden Räten von Zürich zur Herausgabe von Amtsröcken an Untervögte verschiedener Orte. Signatur: StAZH B II 26 (S. 14, Eintrag 1)

Montag, 20. Juli 2020

In Tyrannos!

Heute vor 76 Jahren ist einer der vielen Versuche gescheitert, Adolf Hitler vom Leben zum Tod zu befördern.

In Deutschland ist der 20. Juli ein Gedenktag. Ein Tag, bei dem aber meist nur die Person im Fokus steht, welche die Bombe in die ostpreussische Kommandozentrale Wolfsschanze getragen hat: Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Viele weitere Namen von rund 200 hingerichteten Beteiligten sind lediglich Interessierten und Spezialisten bekannt.

Was das mit uns zu tun hat, mögen Sie sich fragen. Sehr viel. Jede Diktatur, jeder Tyrann braucht nämlich die implizite Zustimmung einer schweigenden Mehrheit. Einer Mehrheit, die aus Angst nichts sagt, nichts tut, nichts wissen will.

Wer sich mit den vorgefertigten Narrativen nicht zufrieden gibt, wer etwas sagt, gar Taten folgen lässt, den lässt das Regime das spüren. Das fängt mit Shitstorms und diffamierenden Medienbeiträgen an. Und es endet in der Kriminalisierung des Dissidenten. Wenn gar nichts mehr hilft, verschwindet er oder sie in der Psychiatrie, oder wird physisch exterminiert.

Die Essenz ist die Inszenierung von Angst vor aller Augen. Sie ist es, die eine Diktatur erst möglich macht. Weil alle, die zur schweigenden Mehrheit gehören doch eigentlich nur in Ruhe ihr Leben leben möchten. Und sich deshalb dazu konditionieren lassen, wegzuschauen und nicht nachzudenken.

Bestrafe einen, erziehe Tausende. Das funktioniert seit Jahrtausenden so. Ausgenützt wird das Bedürfnis, dazugehören zu wollen. Ausgenützt wird, dass die Menschen bei Gefahr zusammenstehen (sei sie nun eingebildet oder wirklich vorhanden).

Nicht Adolf Hitler oder die Nazis sollen thematisiert werden. Das sind nur Symptome. Nein, es geht um die tiefliegenden Ursachen: diese Mechanismen der Schweigespirale, die müssten obligatorischer Schulstoff sein. Auch bei uns.

Nur ein Ausbrechen aus diesem Kreislauf der Angst wird uns davor bewahren, immer wieder dieselben Fehler zu machen, nur halt jeweils in neu gestalteter Verpackung.

Zugegeben: Das ist eine kollektive Herkulesaufgabe, die nur zu bewältigen ist, wenn jede(r) sie sich selber stellt. Oder um es mit Gottfried Keller zu sagen: Wenn der Bürger vor die Türe tritt, um zu sehen, was es gibt.

In diesem Sinne, wie es der Titel sagt: Wider die Tyrannen!

Sonntag, 19. Juli 2020

Sommerschulen bringen «gar großen nuzen», 1771/72

Die Zürcher Schulumfrage des Jahres 1771/72 ist eine grosse Enquête des alten Zürcher Stadtstaates, mit der Daten zu verschiedensten Aspekten des Schulwesens erhoben werden sollten. Über Weiach gibt es auch in den Antworten zu Glattfelden eine Passage.

Verfasst hat die Glattfelder Antworten der dazumalige Pfarrer, Hartmann Escher (1720-1788), seit 1769 in Glattfelden und vorher ab 1753 in Weyach. Junker Escher konnte also vergleichen.

Und einen grossen Unterschied gab es damals zwischen Glattfelden und Weiach, wie man dem Punkt 8 in Kapitel «C. Ueber den Nuzen des Schul-Unterrichts, und den Schaden des Versaumnisses» entnehmen kann:

Frage C8: «Verspüret man an denen Orten, wo Sommer-Schulen sind, einen so merklichen Nuzen von denselben, und hingegen wo keine sind, einen so merklichen Schaden der Unterlassung, daß wirklich zu wünschen wäre, daß man aller Orten Sommer-Schulen einführte?»

Antwort Pfr. Escher: «Wenn ich Weyach betrachte, da keine sommerschuhl gewesen, und Glattfelden, allwo gehalten worden, / so verspühre bey letsterem einen gar großen nuzen.

Mit anderen Worten: die Leistungen der Schüler scheinen von mehr Schulstunden profitiert zu haben. Was allerdings die Eltern dazu sagten, die ihre Kinder in den arbeitsintensiven Sommermonaten entbehren mussten, steht auf einem anderen Blatt.

Quelle
  • Zürcher Schulumfrage 1771/1772 online. Glattfelden. Signatur: StAZH E I 21.3.79

Samstag, 18. Juli 2020

Lehrerwohnhaus Neureben und Baulandpreise Anno 1965

Noch im 19. Jahrhundert wohnten die Schulmeister im Schulhaus selber. Mit steigenden Anforderungen, insbesondere als eine dritte Lehrkraft angestellt werden musste, war das nicht mehr möglich. Die Lehrer mussten sich sonstwo im Dorf eine Wohnung suchen.

Um geeignete Lehrkräfte besser von einem Umzug nach Weiach überzeugen zu können, ging die Primarschulgemeinde neue Wege, wie dem Kapitel «Schulwesen» in der Jahreschronik 1965 von Walter Zollinger zu entnehmen ist:

«Am 20. Januar, anlässlich der Budgetversammlung, wurden noch die beiden nachfolgenden Kaufverträge genehmigt und die dazu nötigen Kredite bewilligt:
  • mit Josef Bütler z. "Wiesental" über 795 m2 Wiesen im Riemli für Fr. 14'500.-- 
  • und Arnold Nauer, Landwirt Kellen über 358 m2 Baumgarten im Riemli für Fr. 8'000.--,
in beiden Fällen samt den zu übernehmenden Fertigungskosten und Steuern. Diese beiden Landparzellen sind als Baugrund für ein bald zu errichtendes "Lehrerwohnhaus" vorgesehen.»

Man sieht: Damals konnte eine Exekutive nicht einfach für sechsstellige Beträge Land kaufen, so wie heute der Gemeinderat (vgl. WeiachBlog Nr. 1532). Aber auch die Primarschulpflege hat heute wesentliche grössere Kompetenzen: 50'000 CHF gemäss Art. 21 Ziff. 7 der Gemeindeordnung 2010 der Primarschule Weiach.

Landpreise auch inflationsbereinigt nur ein Drittel der heutigen

Berechnet man aus obigem Chronikeintrag die Quadratmeterpreise, so kommt man auf:

18.24 CHF/m2 für das grössere Wiesengrundstück
22.35 CHF/m2 für das kleinere Bungert-Grundstück

Umgerechnet mit dem Historischen Lohnindex HLI wären das heute ca. CHF 100-125. Und selbst nach dem BIP-Index käme man lediglich auf max. CHF 185 (s. www.swistoval.ch).

Berücksichtigen muss man allerdings, dass es sich hier um noch unerschlossenes Bauland handelt. Trotzdem: Nimmt man die real erzielbaren Werte von heute (CHF 300 und 400 im Durchschnitt, vgl. die Daten des kantonalen Statistikamts), dann sind da schon signifikante Steigerungen zu verzeichnen, die nicht auf die Teuerung, sondern wohl allein auf den Sogeffekt der Metropolitanregion Zürich zurückzuführen sind.

Je stadtnäher desto teurer

Ein anderer Effekt ist aber immer noch festzustellen. Je näher an der Stadt eine Gemeinde liegt, desto höher steigen die Baulandpreise.

Das zeigen die Zahlen aus einer Studie, die 1962 in der Fachzeitschrift Geographica Helvetica erschienen ist, ganz deutlich. Die sogenannte «lokale Differenzierung der Bodenpreise» für die Gemeinden Dielsdorf und Opfikon-Glattbrugg zeigt Tabelle 7. Angegeben werden: «Geläufige Bodenpreise in verschiedenen Zonen der Gemeinde, in Franken». Dass die Angabe pro Quadratmeter erfolgt, erwähnt der Autor nicht explizit.

Dielsdorf
Bauland im Dorf:  1946/47: CHF 4-8; 1955/56: CHF 10-15; 1960: CHF 20-39
Kulturland außerhalb Bauzone: 1946/47: CHF 1-1.5; 1955/56: um 1.5 CHF; 1960: CHF 2-4

Opfikon-Glattbrugg
Wohnzone Glattbrugg: 1940/45: 9-15; 1950: 11-22; 1954/55: 25-40; 1957: 50; 1959/60: 50-103
Rein landwirtschaftl. Land:  1940/45: 0.7-1; 1950: 0.9-1.2; 1954/55: 1.3-8; 1957: 10; 1959/60: 9-20

Bemerkenswert ist der scharfe Preisanstieg beim Kulturland in Opfikon-Glattbrugg ab Mitte der 50er-Jahre. Die Preisentwicklung in Dielsdorf ist dagegen geradezu moderat.

Und: im ländlichen Bezirkshauptort sind die Baulandpreise ebenfalls noch im Rahmen derjenigen in Weiach, aber doch klar höher.

Heute dürften die Median-Quadratmeterpreise für Bauland in Dielsdorf bei rund 800 CHF liegen. Und in Opfikon-Glattbrugg bei mindestens 1400 CHF. In Weiach dagegen nur bei 400 CHF.

Quellen und Literatur