Freitag, 4. Juli 2014

Direktvermarktung – ein Backofen als magischer Zauberstab

Nach offizieller Lesart versteht sich Weiach ja immer noch als Bauerndorf. Auch wenn nur noch ganz wenige Einwohner von der Landwirtschaft leben und man die Vollerwerbsbetriebe mittlerweile an zwei Händen abzählen kann. Und doch sind sie identitätsstiftend. Hier soll nun ein kleiner Blick hinter die Kulissen und in die Parallelwelt der Landwirtschaft gewagt werden.

Bei vielen stadtnahen Bauernbetrieben ist heutzutage die so genannte «Direktvermarktung» ein wichtiger Absatzkanal. Einkaufen direkt beim Produzenten ist in. Denn da sehen die Kunden, wo ihr Essen herkommt. Ob Bio oder nicht – kurze Wege für das Produkt sind in jedem Fall ein Gewinn.

Weniger bekannt ist, dass auch dieser Lebensbereich bis in alle Einzelheiten reglementiert wird. So zum Beispiel in den vom Bundesamt für Landwirtschaft zu Bern im März 2014 publizierten «Weisungen und Erläuterungen 2014 zur Verordnung über landwirtschaftliche Begriffe und die Anerkennung von Betriebsformen (Landwirtschaftliche Begriffsverordnung, LBV; SR 910.91) vom 7. Dezember 1998»

Auf den Seiten 3 und 4 wird der Artikel 5 besagter Verordnung erst zitiert und dann erläutert:

«Art. 5 Direktvermarkter

Als Direktvermarkter gelten Produzenten und Produzentinnen, die eigene Produkte ab ihren Betrieben direkt Verbrauchern und Verbraucherinnen verkaufen.
»

So einfach ist es nicht

Ein klarer Fall, würde man meinen. Aber nur bis man die dazugehörigen Erläuterungen vollständig gelesen hat. Die sind zu Beginn noch durchaus nachvollziehbar:

«Alle Produzentinnen und Produzenten, die eigene Produkte ab ihren Betrieben direkt verkaufen, gelten als Direktvermarkter. Es spielt dabei keine Rolle, ob sie die ganze Produktion des Betriebes, eines Betriebszweiges oder nur Teile davon über diesen Kanal vermarkten. Als Direktvermarkter gilt auch der Milchproduzent, der einen relativ kleinen Teil seiner Milch direkt an Konsumenten ausmisst, den Grossteil seiner Produktion jedoch einem Milchverwerter verkauft.»

Mehr Fragen wirft dann aber der zweite Abschnitt auf:

«Unter eigenen Produkten sind die auf dem Betrieb hergestellten und allenfalls verarbeiteten Landwirtschaftsprodukte (1. Verarbeitungsstufe) zu verstehen. Nicht unter eigene Produkte fallen hingegen veredelte Produkte (2. Verarbeitungsstufe). Verkauft beispielsweise ein Produzent auf dem Betrieb hergestellte Butter direkt, so gilt er als Direktvermarkter und muss die selbst verarbeitete und in Form von Butter direkt vermarktete Milch melden. Verwendet hingegen eine Produzentin auf dem Betrieb hergestellte Butter zum Backen und verkauft beispielsweise den hergestellten Zopf anschliessend auf dem Wochenmarkt, so gilt sie demnach nicht als Direktvermarkterin im Sinne der LBV und die im Zopf enthaltene Butter fällt folglich auch nicht unter die Definition der vermarkteten Milch

Der Backofen macht den Unterschied

Man ahnt, dass die Unterscheidung etwas mit Milchvermarktung und Butterbergen zu tun haben könnte. Fast noch verworrener wird die Angelegenheit im dritten Abschnitt der Erläuterungen:

«Verbraucher der direkt vermarkteten Produkte sind insbesondere die Konsumenten. Der Begriff ist jedoch nicht so eng gefasst, dass nur die Endverbraucher eines Produktes darunter fallen; auch Abnehmer, die es weiterverarbeiten, werden als Verbraucher bezeichnet. Verkauft beispielsweise ein Produzent auf seinem Betrieb hergestellte Butter an eine Bäckerei, so gilt dies ebenfalls als Direktvermarktung.»

Der Backofen der Bauersfrau als magischer Zauberstab. Ein bisschen Kneten, ein bisschen Hitze und schon verflüchtigt sich die Direktvermarktung. Da soll einer unsere Agrarbürokraten verstehen.

Aber vielleicht ist es ja nur so, dass solche Backaktivitäten eben nicht mehr als landwirtschaftliche Tätigkeiten gelten sollen. Sondern höchstens noch als Paralandwirtschaft – wie das Angebot «Schlafen im Stroh».

Mittwoch, 30. April 2014

Kirchenglocken zur Eröffnung der EXPO 64

Heute vor 50 Jahren ging es in der Hauptstadt der Waadt feierlich zu und her. Honoratioren aus allen Bereichen und Gegenden des Landes versammelten sich dort auf dem Gelände der Landesausstellung EXPO 64 und wohnten der Eröffnungszeremonie bei. Sogar in der Jahreschronik Walter Zollingers fand dieser symbolische Akt unter der Rubrik «Volkskundliches/Kulturelles» seinen Niederschlag:

«30. April: Um 10.15 Uhr läuten, wie überall im Schweizerland, auch unsere Kirchenglocken zur Eröffnung der EXPO 64 in Lausanne.» (G-Ch 1964, S. 23)

10:15 Uhr - das war der Zeitpunkt als Bundespräsident Ludwig von Moos das Eröffnungsband durchschnitt.


Original-Kommentar des Schweizer Fernsehens in der Wochenschau vom 8. Mai 1964: während von Moos «die symbolische Handlung vollzieht, läuten in der ganzen Schweiz die Kirchenglocken, denn die Expo ist ein Werk des ganzen Landes und fordert uns auf, über unsere Existenz als Volk und Staat nachzudenken.» (siehe Schweizer Filmwochenschau vom 08.05.1964)

Wenn man der Einschätzung von Georg Kreis im Historischen Lexikon der Schweiz (Online-Ausgabe) Glauben schenkt, dann ist dieses vom staatlichen Fernsehen übermittelte Ziel erreicht worden: «Bereits die Expo 64 sah sich den verschiedensten Erwartungen ausgesetzt. Den einen war sie zu traditionell oder zu affirmativ, den anderen zu futuristisch oder zu kritisch.» (vgl. Artikel Landesausstellungen, Stand 22.9.2010).

Bitte nicht wecken?

Der sprichwörtliche Mann und die Frau von der Strasse haben nämlich sehr wohl über die Zukunft nachgedacht. Oder zumindest über die Gegenwart und was daran gut ist oder eben verbesserungswürdig wäre, wie man der Website expo-archive.ch entnehmen kann:

«Für Schlagzeilen sorgte das Projekt "Gulliver". Ziel war es mittels einer soziologischen Untersuchung ein facettenreiches Gesicht der Realität aufzeigen. Dieses Bild sollte dank 310 Fragen präzise ausfallen. In einer Voruntersuchung wurden 1240 Personen in 344 Gemeinden befragt und die Antworten fielen teilweise so ungeschminkt ehrlich aus, dass Hans Georg Giger, Delegierter des Bundesrates, intervenierte und durchsetzte, dass die Fragen auf 80 reduziert und entschärft wurden. Zu den Themen Bodenspekulation, Medienmonopol, Militärdienstverweigerung, 40-Stunden-Woche, Schwangerschaftsabbruch, Niederlassungsrecht, nukleare Bewaffnung, die Beteiligung der Schweiz an der europäischen Integration und zum Kommunismus durften keine Fragen mehr gestellt werden.»

Denn: «Gulliver barg in den Augen des Bundesvertreters Giger die Gefahr, "schlafende Hunde zu wecken."» Wenig später, Ende Juni 1968, sind sie dann trotzdem aufgewacht: mit den Globus-Krawallen und der ganzen 68er-Bewegung.

Der traditionellen Schweiz blieb natürlich eher das an der EXPO64 ausgestellte Fahnenmeer der damals noch rund 3000 Schweizer Gemeinden in Erinnerung.

Quellen
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 – S. 23. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964].
  • Historisches Lexikon der Schweiz (www.hls-dhs-dss.ch, Referenz im Text)
  • expo-archive.ch (Website der SRG SSR idée suisse, Referenz im Text)

Donnerstag, 24. April 2014

Zivilschutz reisst Unterstand am Grubenweg ab

Unter dem programmatischen Titel «Zentrales Gebäude für Werke, Forst und Entsorgung» stellte der Gemeinderat im Oktober 2013 ein Projekt vor, das den gordischen Knoten gleich für alle drei in diesem Titel genannten Bereiche zerschlagen soll. Aufgrund verschiedener Erwägungen, nicht zuletzt des zu erwartenden Wachstums der Einwohnerzahl habe «...sich der Gemeinderat für den Standort am Grubenweg entschieden. Dieser befindet sich hinter dem First Stop. Der bestehende Unterstand musste bereits vor dem Einsturz einmal gesichert werden [sic!] und müsste somit aus Sicherheitsgründen früher oder später ohnehin abgerissen werden.» (MGW, Oktober 2013, S.13)

Eingestürzt war er zwar noch nicht, aber die Gemeinde Weiach will nach der Kreditgenehmigung durch die Gemeindeversammlung nun mit ihrem neuen Werkhof vorwärts machen.

Anfang April hatte deshalb das letzte Stündlein des Unterstandes hinter der alten Dreschscheune geschlagen (die Dreschscheune ist das noch stehende Gebäude links im Bild, es dient heute als Pneulager der First Stop AG, ehemals Pneu Müller).

Foto: Sicherheitszweckverband GlaStaWei

In der Berichterstattung zum Wiederholungskurs Zivilschutz 2014 des Sicherheitszweckverbands Glattfelden-Stadel-Weiach liest sich das dann auf der Website so:

Zivilschutz: KVK/WK 31.03./01.-02.04.2014

Anlässlich des KVK und WK's vom 31.03./01.-02.04.2014 führte die ZSO folgende Tätigkeiten aus:
  • Lektion Ortskunde, Inbetriebnahme KP Front (Führungsunterstützung)
  • Gruppenarbeiten Demenz, Rollstuhlbehandlung, Medikamente, Szenarien Lebensrettende Sofortmassnahmen (Betreuung)
  • Betreuungsaufgaben Alters- und Pflegeheim Eichhölzli inkl. Begleitung Ausflug (Betreuung)
  • Unterstützung Denkmalpflege (Kulturgüterschutz)
  • Abbruch einer Scheune (Unterstützung)
  • Unterhaltsarbeiten Kinderspielplatz (Unterstützung)
  • Inventarisierung Material, Kleideranprobe, Wartungsarbeiten (Logistik DAMT)
  • Überprüfung Sicherheitsvorrat Esswaren, Verpflegung aus eigener Küche während WK (Logistik RVG)
Eine beeindruckende Vielfalt von Aktivitäten zugunsten der Gemeinschaft. Ohne das mitgelieferte Bild würde man nicht auf die Idee kommen, dass der Zivilschutz gerade am Weiacher Grubenweg als «Abbruchunternehmer» tätig war.

Mittwoch, 23. April 2014

Tod eines Primarlehrers. Rentner Zollinger vikarisiert.

Ein Verweser (von althochdeutsch firwesan «jemandes Stelle vertreten») führt temporär ein Amt aus. Meist eines, für das man bei ordentlicher Besetzung gewählt werden muss (sei es von einer Gemeindeversammlung, einem Parlament oder einer Behörde).

Zur Zeit erlebt Weiach wegen des frühzeitigen Abgangs von Pfr. Christian Weber wieder einmal eine Phase ohne gewählten Pfarrer, weshalb dessen Funktionen aktuell durch eine Verweserin, Pfarrerin Yvonne Wildbolz, wahrgenommen werden.

Vor 50 Jahren gab es im schulischen Bereich einen etwas tragischeren, plötzlichen Grund einen Verweser einzusetzen, wie Walter Zollinger berichtet:

«In dem benachbarten Dörflein Zweidlen-Rheinsfelden starb am 23.4., also ganz kurz nach Beginn des neuen Schuljahres, und ganz unerwartet Herr Samuel Bindschädler, erst 42jährig. Der Schreiber dies musste dann die ersten 5 Wochen als Vikar in die Lücke treten (4.-6-Kl.), bis ein junger Nachfolger von Zürich aus als Verweser zur Verfügung stand. Auch ein Zeichen des immer noch anhaltenden Lehrermangels!» (G-Ch 1964, S. 14)

In diesen fünf Wochen war nicht nur klassischer Schulstoff auf dem Programm:

«28. Mai: Der Unterzeichnete besucht mit den Zweidler Schülern, bei denen er als Vikar wirkt, die Nachm.-Vorstellung des Zirkus Knie in Bülach.» (G-Ch 1964, S. 23)

Womit dann auch der zweite Begriff erneut genannt wäre, der sowohl bei Pfarrern wie Lehrkräften für ungewählte Vertretungen anstelle von «Verweser» verwendet wird: «Vikar» (von lateinisch vicarius «Statthalter, Stellvertreter»).

Quellen
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 – S. 14 + 23. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964].
  • Verweser. In: Wikipedia, die freie Enzyklopädie. Stand: 11. Dezember 2012, 09:10 UTC.
  • Vikar. In: Wikipedia, die freie Enzyklopädie. Stand: 7. April 2014, 15:26 UTC.
[Veröffentlicht am 24. April 2014]

Dienstag, 22. April 2014

Viele Lehrerwechsel an der Primarschule

«Viereinhalb Jahrzehnte als Lehrerin in Weiach» (WeiachBlog Nr. 370 vom 28. Januar 2007) und «Mehr als vier Jahrzehnte Lehrer in Weiach» (WeiachBlog Nr. 1073 vom 30. März 2012). Bei solchen Titeln könnte man meinen, solch lange Amtszeiten seien üblicher als anderswo. Das ist aber keineswegs der Fall. Und es war auch schon vor 50 Jahren nicht die Regel.

Einige Lehrerinnen und Lehrer waren nur ganz kurz im Einsatz, so dass man sie kaum bemerkte. Andere doch immerhin ein paar Jahre, wenn auch nicht gleich mehrere Jahrzehnte. Davon handelt der folgende Eintrag von Walter Zollinger in der Jahreschronik 1964 (umfassend die erste Seite zum Thema «Schulwesen»):

«Am 2. Februar fanden bereits die Bestätigungswahlen der Primarlehrer statt. Bei uns war nur Herr Kurt Ackerknecht wieder für eine neue Amtsdauer von 6 Jahren zu wählen. Die andern beiden Lehrstellen sind noch durch Verweser besetzt. Herr Ackerknecht erhielt 101 ja und 7 nein.»

Ein sehr gutes Resultat, das sicher auch damit zusammenhing, dass Kurt Ackerknecht nicht nur seit März 1962 Mitglied der Kirchenpflege war, sondern auch als Schwiegersohn von Schmiedemeister Albert Willi-Jost sehr gute Beziehungen zum Dorf hatte. Diese zeigten sich übrigens auch in seinen zahlreichen Filmaufnahmen. Einige davon haben in den sogenannten «Dorffilm Weiach» Eingang gefunden (vgl. den dreiteiligen Film Weiach 1957-1965 auf Youtube).

Weiter schreibt Zollinger: «Auf das neue Schuljahr hin wurde dann der bisherige Verweser an der Mittelstufe, Herr Ulrich Stadelmann, der inzwischen die kant. Wählbarkeit erlangt hatte, zur def. Wahl vorgeschlagen.

Der Wahlakt vom 12. Apr. zeitigte folgendes Resultat:
Stimmberechtigte  174
Stimmende (72%)   126
leere Stimmen  12
ungültige Stimmen  1
Jastimmen  113
»

Der zum Zeitpunkt seiner Wahl durch die Weiacher erst rund 23 Jahre alte Stadelmann wurde auf den Beginn des Schuljahres 1962/63 von der Erziehungsdirektion als Nachfolger von Walter Zollinger eingesetzt (vgl. WeiachBlog Nr. 1073).

Bündner Gastspiel und Unteroffiziers-Abverdienen

Damit sind die beiden Konstanten im Lehrkörper der Primarschule Weiach bereits genannt. Bei allen anderen Stellen war 1964 der Wechsel das dominierende Merkmal:

«An der 3. Lehrstelle amtete noch bis zum Sommer Hr. M. Sourlier. Nach den Sommerferien wurde eine Bündner Lehrerin, Frl. Reli, an dieselbe abgeordnet; sie verliess aber die Stelle bereits im Oktober wieder und nun amtete bis zum Ende des Schuljahres dann Frl. Ida Vischer.

An der Nähschule erhielt für 1964/65 eine frische Lehrkraft, Frl. Susi Stadelmann, die nun mit ihrem Bruder zusammen im Häuschen von der verstorbenen Frau Nepfer grad neben dem alten Gemeindehaus haushaltet. Herr Stadelmann selber musste von Ende Juni bis Ende November in die UOS und anschliessend eine zweite RS, sodass auch an dieser Schulabteilung während dieser Zeit wieder eine andere Lehrkraft, Frl. Frieda Meier aus dem Rafzerfeld, amten musste.

Etwas viele Wechsel im Verlaufe eines Jahres!»


Häuschen v. Frau Elise Nepfer, jetzt "Lehrerwohnhaus" Stadelmann
Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 – S. 13. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964].

Montag, 21. April 2014

Aprilwetter 1964: immer noch kein richtiger Frühling

Im Jahr 2014 hatten wir ja bekanntlich einen sehr schönen (und frühen Frühling) und das nach einem - zumindest im Mittelland - sehr milden Winter, den einige schon gar nicht mehr als solchen bezeichnen mochten. In den Bergen am Alpensüdhang hingegen wurden rekordverdächtige Schneemengen gemessen. Sogar im April schneit es im Bleniotal südlich des Lukmaniers noch locker einen halben Meter hin (vgl. Website der Meteo Schweiz).

Vor 50 Jahren war auch im Mittelland und damit in Weiach ein eher winterlicher Frühling zu konstatieren. Schon der März war eher ungemütlich (vgl. den Artikel zum Märzwetter) und auch der April vermochte nicht durchwegs zu überzeugen, wie Walter Zollinger in seiner Jahreschronik 1964 schreibt:

«April: Kommt er nun wohl, der ersehnte Frühling? - So richtig leider immer noch nicht; sehr wechselvoll zwischen bedecktem, bewölktem Himmel oder so halbsonnigen Tagen. Regen fällt 15mal, meist abends oder nachts; 6 ganze sonnige Tage und 5 halbe dazu laden wenigstens zur Feld- und Gartenarbeit ein. Immerhin sind die "bedeckten Nachmittage" meist angenehm-mild, sodass auch da im Freien gearbeitet werden kann. Die ersten Blüten erscheinen und das Gras wächst ordentlich.

Am 20.4. notierte ich: "Hans Schenkel-Albrecht führt heute sein Vieh zum 1.mal auf die obere Weide".

Am 22. 4. heisst's: "Die Kirschbäume blühn, während Pfirsich- und Aprikosenbäumchen schon beinahe verblüht haben; ebenfalls beginnen die Birnspaliere zu blühen."

Am 30.4. lese ich: "Die Birnbäume stehen in vollem Blust."

Höchsttemperaturen: morgens 13°, mittags 22°, abends 15°
Tiefsttemperaturen: morgens 0°, mittags 5°, abends 1°»

So schlimm stand es also nicht wirklich. Und der April ist ja bekanntermassen ein unsicherer Kantonist, wenn es um beständiges Wetter geht.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 – S. 4. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964].

Donnerstag, 17. April 2014

Pfarrer Wyss im Amt bestätigt, 1964

Vor einigen Tagen wurde der ehemalige Weiacher Pfarrer Robert Wyss zu Grabe getragen (vgl. Nachruf im Beitrag vom 10. April).
 
Wenn man in Zollingers Chronik des Jahres 1964 blättert, dann findet man heraus, dass Pfr. Wyss vor fast genau 50 Jahren zur Wiederwahl antrat. Die Kirchenpflege empfahl per Zeitungsinserat, ihn am 12. April 1964 «ehrenvoll zu bestätigen»:
 

Pfr. Wyss war noch bis Anfang der 80er-Jahre im Amt, wurde also von den Stimmberechtigten (erstmals mit den Frauen!) bestätigt.

Quellen
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1962 – zw. S. 10 u. 11. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1962].
  • Pfarrer Robert Wyss 97-jährig gestorben, WeiachBlog  Nr. 1166, 10. April 2014.

Dienstag, 15. April 2014

Hausarzt schneller erreichbar

Mit den Hausärzten ist es ja so eine Sache. Die Handwerker der medizinischen Grundversorgung sind auf dem Land nicht immer in der wünschbaren Dichte ansässig. Zu gross sind wohl die Präsenzzeiten und zu gering die damit korrespondierenden Verdienstaussichten - Hausarzt sein, das muss Dr. med. schon wollen. Umso erfreuter waren die Weiacher vor 50 Jahren, dass sie es nun näher hatten zum Herrn Doktor:

«In Kaiserstuhl eröffnet auf mitte April an der Rheingasse 27 Herr Dr. med. Heinz Hedinger seine ärztliche Praxis. Damit ist es endlich soweit, dass die Heilung suchenden Einwohner unseres Dorfes nicht mehr den weiten Weg nach Zurzach (Dr. med. M. Erb), nach Stadel (Dr. med. Oetiker) oder nach Glattfelden (Dr. med. Ebnöther) zu gehen oder zu fahren haben. Dr. Hedinger ist zudem bei uns kein Unbekannter, da er schon während geraumer Zeit in Kaiserstuhl wohnt und im Weiacher Kirchenchor, sowie bei unsern Pistolenschützen eifrig mitmacht.»

Dieses letztgenannte Kundenbindungsprogramm ist wohl bis heute einer der Erfolgsfaktoren für einen Landarzt.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 – S. 25. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964].
 

Montag, 14. April 2014

Die Weicherpöschä als Milchpanscher

Im WeiachBlog-Beitrag Nr. 1101 vom 27. April 2012 (vgl. Ein Werbevideo für die Gemeinde Weiach) habe ich mich etwas über den neuen Imageträger mokiert:

«Trotzdem vergibt der Video eine Chance, zum Schluss einen Appell an den Zuschauer zu richten: Weiach einen Besuch abzustatten und sich zu überlegen, ob man dorthin ziehen will.»

Diese Kritik wurde durch ein Posting des damals noch aktiven Weiacher Pfarrers Christian Weber auf Youtube teilweise aufgenommen. Und zwar schon im Titel: Weiach - da möchte ich wohnen! Also. Geht doch!

Volkult73 neckt die Weiacher

Nun aber zu dem Inhalt, der diesem Beitrag den Titel gibt: einem Kommentar von volkult73 zum Video «Weiach - da möchte ich wohnen!». Volkult73 gibt sich am 6. November 2012 als Einwohner/in der südöstlich von Weiach gelegenen Ortschaft Raat zu erkennen und schreibt:

«Die Weicherpöschä sind so saubere Leute, die waschen sogar die Milch. Gruss aus Raat!»

Nachdem der Verfasser dieses Blogs einmal über diesen Satz gestolpert war, hat ihn natürlich der Hafer gestochen. Er stellte volkult73 am 15. Februar 2014 schliesslich auf dessen Diskussionsseite folgende Frage:

«Liebe(r) volkult73 aus Raat: Können Sie mir sagen, wo Sie diesen Übernamen her haben? Höre ihn zum ersten Mal und finde es spannend, dass es neben den "Bachser Igeln" nun offenbar auch einen neuzeitlichen Übernamen für die Weiacher gibt

Was weiss man in der «Linde»?

Und die Antwort? Die kam am Abend des 21. Februar 2014:

«Der Name ist uralt und die Anspielung auf das Mich Waschen kommt daher, dass mal vor langer Zeit beinahe die Hälfte der Bauern im wegen Milchpanscherei im Gefängnis sass. Genaueres erfahren Sei sicher, wen Sie in der Linde nachfragen. ;)»

Nun, das werde ich bei Gelegenheit einmal tun. Vielleicht weiss der Linden-Otti ja tatsächlich etwas Handfestes darüber. Bis dahin seien die Raater daran erinnert, dass bei ihnen 1754 das ganze Dorf kollektiv in Konkurs gegangen ist (vgl. Historisches Lexikon der Schweiz, Artikel Raat, Stand: 23.7.2010). Auch nicht gerade ein Ruhmesblatt, eine solche Massenpleite ;)

Nun muss nur noch jemand erklären was «Pöschä» sind. Hat das etwas mit «Chrottepösche» (also Löwenzahn) zu tun?

Samstag, 12. April 2014

Schützengräben beim Bunker West

Gestern hat WeiachBlog über das jüngste Online-Angebot des Bundes berichtet, das Luftbildinformationssystem LUBIS. Wenn man darin etwas stöbert und inbesondere die Bilder mit kleinem Ausschnitt und demzufolge hohen Detailauflösungen auswertet, findet man Erstaunliches.

Der im Zweiten Weltkrieg erstellte Infanteriebunker nordwestlich oberhalb des Dorfkerns von Weiach steht heute mitten in einem Wäldchen - fast schon unsichtbar.

Das war nicht immer so, wie man dem untenstehenden Luftbild vom 20. Juli 1944 entnehmen kann. Am Tag des Sprengstoff-Attentats auf Adolf Hitler aufgenommen, zeigt das Bild nicht nur eine ungehinderte Sicht auf den Bunker, sondern auch die Schützengräben in seiner unmittelbaren Nähe.

Anders kann man die zickzack-kurvigen Gebilde auf diesem Bildausschnitt kaum deuten:


Oder haben Sie eine bessere Erklärung für diese Strukturen?

Quelle
  • LUBIS, Luftbildinformationssystem der Landestopografie, Bildnummer: 19440350410702. Flugdatum: 20-07-1944. Filmart: Glasplatte