Mittwoch, 4. Dezember 2019

Weiacher Fahnen mit Turnerkreuz, Armbrust und Lyra

Wer sich etwas auf die Fahne schreibt, der sendet eine Botschaft. Durch die Fahne als identitätsstiftendes Objekt  und das darauf Dargestellte. Farben, Muster, Figuren, Text.

Eine Weiacher Fahne, das ist für uns Heutige klarerweise eine mit einem achtstrahligen Stern in gewechselten Farben, der auf dem blau-silbern schräggeteilten Zürcherschild liegt. Diese Blasonierung die kein bestimmtes Verhältnis des Sterns zum Zürcherschild vorschreibt – wurde jedoch erst am 28. November 1931 offiziell durch den Gemeinderat angenommen. Davor gab es nach bisherigen Erkenntnissen kein offizielles Wappen.

Der Männerchor erbte seine Fahne vom Gesangverein

In früheren Zeiten war der Weiacher Stern nur sechsstrahlig und ohne Teilung. Und er lag auch nicht auf dem Zürcherschild. Entsprechend erschien er auch auf Fahnen. So auf der mit der Jahrzahl 1860 und dem Text «Gesangverein Weiach» beschrifteten Seidenfahne, die heute zum Sammlungsbestand des Ortsmuseums gehört. In der Mitte prangt ein goldener sechsstrahliger Stern auf hellblauem Grund.


Diese Fahne wurde später durch den 1891 gegründeten Männerchor Weiach geführt. Ab wann, ist mir unbekannt. Erwiesen ist, dass sie bis 1952 in Gebrauch war, wie Walter Zollinger in seiner ersten Jahreschronik überliefert:

«Von ganz besonderer Bedeutung war der Sommer 1952 für unseren Männerchor. Er hatte sich eine neue Fahne (die alte stammt aus dem Jahr 1860) vom bekannten Heraldiker Adrian Boller, Kilchberg schaffen lassen. Sie zeigt im blauweissen Zürcherschild den Weiacher Stern, ebenfalls blauweiss geteilt, dazu die Lyra, das Zeichen der Sänger. Turnverein und Schützengesellschaft besitzen bereits dieselben Fahnenbilder, nur je mit ihrem entsprechenden Wahrzeichen (Turnerkreuz, Armbrust). Es gibt ein erhebendes Bild, wenn jeweilen zu festlichen Anlässen die drei Fahnen gemeinsam im Winde flattern! - Am 22. Juni also fand in Weiach bei strahlendem Sonnenschein der Bezirkssängertag, verbunden mit der Fahnenweihe, statt. Der Männerchor Niederglatt war als "Göttisektion" auserkoren und brachte zum Feste sogar den Niederglatter Storch mit. "Es entwickelte sich ein Sängerleben, wie es so urchig u. fröhlich nur in einem Bauerndorf möglich ist, wo Feste zu den Seltenheiten gehören", schrieb der Berichterstatter Hs. Eckinger im "Zürichbieter".» (Zollinger, W.: Jahreschronik 1952. Typoskript. ZBZ Hs, Signatur: G-Ch Weiach 1952  S. 12)

Fotographie mit den drei Weiacher Fahnen im Vordergrund und den Fahnen anderer Chöre des Bezirks im Hintergrund (Bild mutmasslich von Walter Zollinger geschossen).

Bezirkssängertag und Brand am Vorabend

Dieser Anlass blieb den Weiachern auch noch aus einem feurigen Grund in Erinnerung:

«Am 21. Juni hingegen, ausgerechnet am Samstag vor der Fahnenweihe des Männerchors, war der stattliche Bauernhof des Hans Meierhofer-Wiesendanger im Bedmen einem Grossbrand zum Opfer gefallen. In der Folgezeit erstand nun am selben Platz ein imposanter Neubau; ein wirklich prächtiges Gebäude: das Wohnhaus ein Riegelbau, anschliessend eine mächtige Scheune mit Vieh-, Pferde-, Schweinestallungen u. geräumigem Wagenschopf. Es stellt auch heute wieder das ansehnlichste Bauernhaus des Dorfes vor.» (G-Ch Weiach 1952).

Das Gebäude steht bis heute an der Kaiserstuhlerstrasse 19, vom Dorfkern aus gesehen direkt nach dem Restaurant Wiesental.

Erster Auslandeinsatz der neuen Fahne

«Am 13. Juli sodann führte der Männerchor im benachbarten deutschen Dorf Hohenthengen ein Sängertreffen durch, wozu auch die drei Schweizer-Männerchöre Kaiserstuhl, Glattfelden und Weiach geladen waren und damit zum erstenmal seit dem Krieg die früheren freundschaftlichen Bande mit den Grenznachbarn wieder anknüpfen durften.» (G-Ch Weiach 1952)

Interessant, wie Zollinger den Ortsnamen unseres deutschen Nachbarorts schreibt: nach alter Sitte mit «th». Das passt. Man knüpfte ja an alte Zeiten an. An solche, wo die Hohentengemer noch den Zürchern Heerfolge leisteten.

Was bedeutet die Jahrzahl 1860?

Wenn man auf einer Fahne eine Jahrzahl sieht, dann ist nicht auf Anhieb klar, wofür diese steht. Für das Gründungsjahr oder für das der Anschaffung des edlen Tuches, also für das Jahr der Fahnenweihe?, so fragte ich in WeiachBlog Nr. 792. Die Antwort ist nach wie vor offen.

Üblicher ist es, dass die Jahrzahl der Anschaffung der Fahne auf dieselbe draufkommt  ähnlich wie bei einer Hausaufrichte o.ä., wo auch die Jahrzahl dieses Ereignisses angebracht wird  dasselbe für die Glocken der Kirche Weiach. Das schliesst aber nicht aus, dass doch das Gründungsjahr des Vereins auf der Fahne verewigt wurde. Bei Fussballvereinen ist das Gründungsjahr ja manchmal sogar Teil des Namens.

Weiterführende Artikel
  • Alter der Fahne oder Jahr der Vereinsgründung? WeiachBlog Nr. 792 v. 13. März 2010
  • Dorfzeichen, Wappen und Logo. Wie unsere Gemeinde zu ihren Erkennungszeichen kam (Teil 1). Weiacher Geschichte(n) Nr. 84. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, November 2006  S. 11-15.
  • 75 Jahre offiziell anerkanntes Wappen. Wie unsere Gemeinde zu ihren Erkennungszeichen kam (Teil 2). Weiacher Geschichte(n) Nr. 85. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Dezember 2006  S. 14-21.

Dienstag, 3. Dezember 2019

Keine Allerheiligen-Connection und ein paar Kalenderbetrachtungen

Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortsnamens «Wiach», in der es um die heutige Gemeinde im Zürcher Unterland geht, stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Ein Bild davon vermittelt der Beitrag WeiachBlog Nr. 1400.

In diesem Beitrag hier geht es ebenfalls um ein «Wiach», das allerdings die Ortschaft «Wiechs am Randen» (vorderösterreichisch, heute Baden-Württemberg, Deutschland) bezeichnet. Und es wird erklärt, warum Weiach keine Allerheiligen-Connection hat, jedenfalls keine aus dem 12. Jahrhundert. Daneben wird noch über Datierungsstile raisonniert, also darüber, wann das Kalenderjahr beginnt. Das muss nicht zwingend der 1. Januar sein.

Die Schenkung des Anno von Busilingin

Die älteste mir bekannte Erwähnung eines Wiach datiert auf 1166 oder 1167 und findet sich in einer Urkunde des Schaffhauser Klosters Allerheiligen (heute im Staatsarchiv des Kantons Schaffhausen; Signatur: StASH Urkunden 1/80).

So sieht sie aus. Und Wiach steht in der vierten Zeile:



Beschreibung StASH: «Bischof O(tto) von Konstanz bestätigt eine von Anno von Busilingin schon im Jahre 1131 unter Abt Adelbert I. gemachte Schenkung, wonach derselbe seine Besitzung in Busilingin und Wiach mit Ausnahme von zwei Höfen an Allerheiligen und die Zehenten in Nordhaldun, Burron und Wile an St. Agnesen vergabte.»

Landwirtschaftliche Güter in Wiechs gehörten also bereits im 12. Jahrhundert dem Kloster Allerheiligen, solche in Weiach ziemlich sicher nicht. Das wurde schon 2003 in Anmerkung 21 der dritten Auflage der ortsgeschichtlichen Monographie über Weiach angedeutet. Vergleiche dazu WeiachBlog Nr. 586, zu dessen Abschnitt «Fussnote 21 reloaded» vor einigen Monaten kurze Korrekturhinweise hinzugefügt wurden.

Die drei wesentlichen Punkte daraus seien hier etwas ausführlicher beleuchtet:

1. Busilingin ist nicht Büsingen

Da wäre einmal die 2003 fälschlich gewählte Identifizierung von Busilingin als Büsingen, einer vormals vorderösterreichischen Enklave in der Schweiz. Diese liegt nahe wegen der geographischen Nachbarschaft zur Stadt Schaffhausen und damit zum Kloster Allerheiligen. Aber es ist ein «false friend».

Mit Busilingin ist das heutige Büßlingen gemeint (vgl. Korrektur vom 9. April 2019 zu Nr. 586), das seit der Gemeindereform von 1974 wie Wiechs am Randen zur Stadt Tengen im Landkreis Konstanz gehört. Dies lässt sich u.a. aus dem Topographischen Wörterbuch des Großherzogtums Baden von Albert Krieger aus dem Jahre 1904 schliessen.

Wiechs am Randen und Büßlingen sind nicht etwa Nachbardörfer. Sie liegen nicht nur auf unterschiedlichen Höhenstufen (Wiechs auf 620 bis 670 m ü. M., Büßlingen auf ca. 490 m ü.M.). Dazwischen liegen auch die schaffhausischen Ortschaften Altdorf und Hofen (wenn man nach dem heutigen Strassenverlauf geht).

2. Wirtschaftseinheiten desselben Hofes liegen benachbart

Die von mir 2003 in Unkenntnis des Textzusammenhangs der Urkunde von 1166/1167 (siehe Bild oben) angenommene mögliche Verortung von Wiach mit dem heutigen Weiach ist nicht mehr haltbar, wenn man liest: «predium, quod in eadem villa [Busilingin] et in Wiach jure hereditario possederat».

Den Begriff predium (oder praedium) erklärt das Lateinisch-Teutsche Juristische Hand-Lexicon von  1753 wie folgt:

«Praedium rusticorum, ein Bauren- oder Feld-Gut, als da ist der Acker und die Gebäude, so zum Ackerbau, zur Verwahrung der Frucht und zur Viehzucht gehören, der Meyerhof genannt.»

Anno von Busilingin war also kein gewöhnlicher Bauer, sondern eher jemand, der wohl mindestens zum Ministerialadel gehörte. Dieser liess seine landwirtschaftlichen Güter an einem Ort und seinem Umfeld von einem Meier verwalten.

Der Textzusammenhang zeigt, dass es um einen möglicherweise grösseren Meierhof geht, der in zwei Ortschaften Land, bzw. Bewirtschaftungseinheiten besitzt. Das würde auch wirtschaftlich Sinn machen, denn es handelt sich – wie im vorstehenden Abschnitt erläutert – um zwei verschiedene Höhenstufen.

Wiechs und Büßlingen liegen auf der Strasse ca. 5 km auseinander. Weiach und Büßlingen hingegen rund 43 km (über die Kaiserstuhler Rheinbrücke). Schon allein daraus lässt sich ableiten, dass Wiach eher Wiechs sein muss als Weiach. Betriebe desselben Meierhofs lagen mit Vorteil relativ nahe beeinander, dann konnte der Meier auch eher zum Rechten schauen. Wäre mit Wiach tatsächlich Weiach gemeint, so hätten die Vertragsparteien wohl eher von zwei separaten Meierhöfen gesprochen. In der Urkunde steht aber der Singular: «predium».

3. Datierungsstil der Urkunde

Die Urkunde (vgl. Bild oben; Signatur. StASH Urkunden 1/80) wird vom Schaffhauser Staatsarchiv auf den 27. Dezember 1166 datiert. Gewisse Urkundenbücher (wie Hidber Bd. 2, Nr. 2238 von 1877 sowie QSG Bd. 3, Nr. 72 von 1883; s. unten) datieren sie aber auf den 27. Dezember 1167! Wer hat Recht?

Der Artikel «Kalender» im Historischen Lexikon der Schweiz (e-HLS) erläutert die Grundlagen des Problems Datierung:

«In Bezug auf den Jahresanfang galten versch. Stile: In den Bistümern Basel, Konstanz und Chur sowie im deutschsprachigen Teil des Bistums Lausanne galt der Natalstil (25. Dez.). Im französischsprachigen Teil der Diözese Lausanne war im 11. und 12. Jh. auch der Natalstil in Gebrauch; im Laufe des 13. Jh. setzte sich aber der Annuntiationsstil (25. März) durch, der in der bischöfl. Kanzlei bis 1536 angewandt wurde. Im 13. Jh. kam auch der Osterstil vor. In der Diözese Genf galt im 12. Jh. der Natalstil, im 13. Jh. bis 1276 der Osterstil, danach der Annuntiationsstil; ähnlich war es im Bistum Sitten. Im Laufe des 16. Jh. setzte sich im Gebiet der Schweiz - in den einzelnen Gebieten zu versch. Zeiten - der Circumcisionsstil (1. Januar) des sog. bürgerl. Jahres durch.»

Bei Datierungen aus dem Gebiet der heutigen Schweiz ist also höchste Vorsicht geboten bei allem, was auf das 16. Jahrhundert und ältere Zeiten im Mittelalter zurückdatiert.

Die Datierungsrichtlinien der Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen (SSRQ) sehen nicht umsonst vor, dass der Stil explizit erwähnt werden muss: «Circumcisionsstil (Jahresanfang am 1. Januar), Annu[n]tiationsstil (25. März) oder Natalstil (25. Dezember) muss vermerkt werden.»

Natalstil (25. Dezember) oder Circumcisionsstil (1. Januar), das ist hier die Frage

Der Hinweis vom 16. Mai 2019 am Fusse des Beitrags WeiachBlog Nr. 586 («Die Urkunde (Signatur. StASH Urkunden 1/80) ist auf den 27. Dezember 1166 datiert. Aufgrund des damals üblichen Natalstils begann das Jahr 1167 bereits an Weihnachten, weshalb in Urkundenbüchern teils die im Original stehende Jahrzahl 1167 erwähnt wird.» ) geht etwas zu voreilig davon aus, dass die StASH-Variante die richtige sei.

Der Bearbeiter der Nr. 72 des Bandes Die ältesten Urkunden von Allerheiligen in Schaffhausen, Rheinau und Muri (Basel 1883, S. 123-124; Quellen zur Schweizer Geschichte (QSG), Bd. 3) hat die folgende Bemerkung an den Schluss seiner Urkundenbeschreibung gesetzt:

«Weil die Urkunde in Schaffhausen gegeben wurde, wo schon im 11. Jahrhundert das Jahr mit 1. Januar, nicht mit Weihnachten begonnen wurde (wie sich aus Nr. 16, 22, 23, 24, 25 bestimmt ergibt), nehme ich als Jahr der Urkunde 1167, nicht 1166 an, wie sonst zweifelsohne aufgelöst werden müsste

Ein sehr deutlicher Hinweis auf die Annahme, dass die Kanzlisten im Kloster Allerheiligen den Circumcisionsstil verwendet haben. So kommen Baumann et al. auf den 27. Dezember 1167.

Die Katalog-Bearbeiter des Staatsarchivs Schaffhausen (StASH) gingen hingegen von der Verwendung des Natalstils aus, was dann bei Daten zwischen 25. Dezember und 1. Januar zur Verwendung der Jahrzahl des Vorjahres führt. Deshalb 27. Dezember 1166.

Ebenfalls für 1166 würde die Formulierung «Fer. III.  VI. Kal. Jan.» sprechen (vgl. Hidber unten).
Fer. steht für «Feria». Kal. Jan. für «Kalendas Januarii». Feria ist die Bezeichnung des Wochentags, die man damals ab dem Sonntag zählte. Der dritte Tag der Woche ist dann der Dienstag.
«VI. Kalendas Januarii» = am 6. Tage vor den Kalenden des Januars. Da man den 1. Tag des genannten Monats mitzählte, kommt man auf den Dienstag, 27. Dezember. Gemäss Ewigem Julianischen Kalender von Nimtsch würde dieser Wochentag für 1166 sprechen, nicht für 1167.

Einschätzung des Schaffhauser Staatsarchivars

Der Schaffhauser Staatsarchivar erklärte auf Anfrage von WeiachBlog, dieses Datierungsproblem sei vor kurzer Zeit gerade wieder ein Thema gewesen. Der Leiter des Archivs des Schwarzwald-Baar-Kreises in Villingen-Schwenningen habe die von Baumann et al. 1883 genannten Urkunden (vgl. oben zitierte Bemerkung) jüngst selber alle konsultiert. Sein Fazit: Es deute viel auf 1167 hin, es könnte aber auch 1166 richtig sein.

Ohnehin sei es im 12. Jahrhundert wichtiger gewesen, was in der Urkunde stand, wer sie ausgestellt und besiegelt hatte, sowie, wer die Zeugen waren. Darauf, welches exakte Datum draufstand, habe man nicht allzu grosses Augenmerk gehabt.

Da es aus dieser Zeit zudem sehr wenige Urkunden gibt und sich Kanzlisten auch einmal in der Datierung geirrt haben können, ist die Zuschreibung des Datierungsstils mit grösseren Unsicherheiten behaftet. Je nach Argumentation tendiere man deshalb auf die eine oder eben die andere Seite. (Dr. Roland E. Hofer, Staatsarchivar des Kantons Schaffhausen, mdl. Auskunft v. 3.12.2019)

Blick in die Urkundenbücher

Hidber Nr. 2238 (Hidber, Basilius: Schweizerisches Urkundenregister, Bd. 2, Bern 1877 – S. 216)

Baumann et. al.: Die ältesten Urkunden von Allerheiligen in Schaffhausen, Rheinau und Muri. (Quellen zur Schweizer Geschichte, Bd. 3)  Basel 1883 – Nr. 72, S. 123-124

Überarbeitete Fassung der ortsgeschichtlichen Monographie

Für die Ende Dezember erscheinende Version 6.20 von Weiach - Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes, 6. Auflage erhält die Fussnote-42 (ehemals Anmerkung 21) auf S. 15 folgende Fassung:

«Eine noch frühere Nennung des Ortsnamens «Wiach» erfolgte in einer Urkunde des Klosters Allerheiligen vom 27. Dezember 1166 bzw. 1167 (StASH Urkunden 1/80; vgl. Die ältesten Urkunden von Allerheiligen in Schaffhausen, Rheinau und Muri. Basel 1883 – Nr. 72, S. 123-124 (Quellen zur Schweizer Geschichte, Bd. 3) sowie WeiachBlog Nr. 586, 29. Dezember 2007). Darin wird durch den Bischof von Konstanz bestätigt, dass ein «Anno de Busilingin» im Jahre 1131 dem Kloster zur Beförderung seines und seiner Vorfahren Seelenheil «predium, quod in eadem villa et in Wiach jure hereditario possederat» (ein Gut, das er in diesem Dorf und in Wiach besessen hat) überschrieben habe. Aus dieser Formulierung erschliesst sich, dass Busilingin (als Büßlingen identifiziert) und dieses «Wiach» nahe beieinander gelegen haben müssen, denn es geht um einen einzelnen Meierhof und nicht um mehrere. Die Fachwelt ist daher – meines Erachtens zu Recht – der Ansicht, dass es sich bei diesem Wiach um Wiechs am Randen, an der schaffhausischen Nordgrenze nahe Bargen SH, gehandelt hat. Beide Ortschaften, Büßlingen und Wiechs, gehören heute zur Stadt Tengen, Landkreis Konstanz. «Wiach» am Rhein ist hier also nicht gemeint. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass spätere Nennungen von «Wiach» sich auf Weiach beziehen und fälschlicherweise Wiechs am Randen zugeschrieben werden. Vgl. auch WeiachBlog Nr. 1431 v. 3. Dezember 2019.»

Quellen und weiterführende Artikel
  • Lexicon juridicum romano teutonicum das ist: vollständiges Lateinisch-Teutsches Juristisches Hand-Lexicon, 4. Aufl. Nürnberg 1753 – S. 544.
  • Hidber, B.: Schweizerisches Urkundenregister. Herausgegeben mit Unterstützung der Bundesbehörden von der allgemeinen geschichtsforschenden Gesellschaft der Schweiz. Bd. 1, Bern 1863; Bd. 2, Bern 1877.
  • Baumann, F. L.; Meyer von Knonau, G.; Kiem, M.: Die ältesten Urkunden von Allerheiligen in Schaffhausen, Rheinau und Muri. Quellen zur Schweizer Geschichte (QSG), Bd. 3. Basel 1883. e-helvetica.admin.ch > nbdig-56934_2.pdf
  • Gehörte Weiach einst dem Kloster Allerheiligen? WeiachBlog Nr. 586 v. 29. Dezember 2007.
  • Die älteste erhaltene Erwähnung: StAZH C II 2, Nr. 79 e. WeiachBlog Nr. 1400 v. 17. Juni 2019.

Montag, 2. Dezember 2019

Parkierungskonzept-Flyer wirft Fragen auf

An der Gemeindeversammlung vom 28. November war keines der traktandierten Geschäfte das grosse Thema, weder das Budget 2020 noch das Einbürgerungsgeschäft.

Nein, die Aufmerksamkeit konzentrierte sich offensichtlich auf ein Thema, das noch vor wenigen Jahren keines gewesen wäre: das wilde Parkieren. Die seitens des Gemeinderates präsentierte Lösung für dieses Problem war sogar einen Aufmacher im Zürcher Unterländer wert.

Innerhalb eines Jahres hat der Gemeinderat ein «Parkierungskonzept für das Parkieren auf öffentlichem Grund» erarbeiten lassen. Man habe «eng mit der Kantonspolizei Zürich und einem Ingenieurbüro zusammengearbeitet, um die kritischen Stellen in Weiach zu identifizieren», so der Gemeindepräsident gemäss Unterländer.

Kommunikation mit den Abwesenden auf dem Prüfstand

Da die überwiegende Mehrheit der Weiacher sich weder an Informationsanlässen noch an Gemeindeversammlungen blicken lässt, ist es von grossem Interesse, wie der Gemeinderat zu diesem Thema schriftlich kommuniziert. Denn diese Zielgruppe muss sich allein auf Schriftliches abstützen.

Am 1. Dezember wurde unter der Rubrik Aktuelles das 4-seitige Dokument «Parkieren in Weiach» aufgeschaltet (PDF, 5.7 MB).

Im Dateinamen wird es zwar als Flyer bezeichnet, in der Ankündigung vom 1. Dezember und im Dokument selber (S. 1) nennt man das Papier aber explizit «Broschüre». Bei der auf Seite 4 unter dem Titel Weitere Informationen (S. 4) aufgeführten Broschüre «Parkieren in Weiach» scheint es sich um diesen Flyer zu handeln.

Nicht aufgeschaltet wurde hingegen das ebenfalls auf S. 4 aufgeführte Basisdokument «Parkierungskonzept Weiach mit Beilagen». Damit hätten sich möglicherweise einige der nachstehenden, durch den Flyer aufgeworfenen Fragen beantworten lassen. Aber eben: zeitgerechte und nachvollziehbare Internetkommunikation gehört (noch) nicht zu den Stärken dieser Gemeindeverwaltung.

Was gilt jetzt wo genau? Und ab wann genau?

Dass man nicht auf Trottoirs und vor fremden Einfahrten parkieren soll und dass der Verkehr nicht behindert werden darf (auch nicht der mit breiteren landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Lastwagen), das versteht sich von selbst. Und auch, dass auf der Stadlerstrasse (RVS 566 = Kantonsstrasse) das Parkieren nicht erlaubt ist - obwohl das nirgends erwähnt ist. Die als Hauptstrassen geltenden Kaiserstuhlerstrasse bzw. Glattfelderstrasse fallen sowieso nicht unter die Gemeindehoheit.

Aber auch beim Rest steckt der Teufel im Detail. Und man kann sich schon lebhaft vorstellen, wie parkierwillige und gesetzestreue Weiacher spätestens im Frühjahr 2020 (wann immer das datumsmässig sein mag) mit dem Messband bewaffnet ihre Strassen ausmessen, um ja keinen Fehler zu machen, der dem Ortspolizisten zu einem Bussgeldbescheid Anlass geben könnte.

Unter der Lupe

Auf der ersten Seite des Flyers werden die relevanten Massangaben anhand einer schematischen Darstellung präsentiert, für die ältere Semester schon einmal eine Lupe brauchen. Der Autor dieser Zeilen hat daraus das Nachstehende destilliert (aber vielleicht ist auch alles ganz anders):
  1. Jeweils fünf Meter vor Einmündungen anderer Strassen, dem «Einlenkerbereich», darf nicht parkiert werden. Und zwar auch auf der gegenüberliegenden Seite der Einmündung nicht.
  2. Wo auf einer Strasse ein Parkfeld aufgemalt ist, da darf in beide Richtungen nach «5-6 Personenwagen-Längen = ca. 30.00 Meter» wieder frei parkiert werden. Zwischen den Parkfeldern müssen also mehr als 60 Meter liegen, damit man dort sein Fahrzeug auf der Strasse abstellen darf.
  3. Gemeindestrassen mit einer Breite ab 5 Metern sind für das Parkieren zugelassen. Sobald aber zwischen Fahrbahnrand und Autotüre nur noch 2.50 Meter bleiben, dann ist das Parkieren wegen Verkehrsbehinderung verboten. Auf einer Strasse mit 4.50 Metern Breite herrscht also faktisch bereits Parkverbot.
Bei der Lektüre des Flyers wird man den Eindruck zuweilen nicht los, mit einer Art Denksportaufgabe konfrontiert zu sein. Es ist nicht auf den ersten Blick trennscharf definiert, was genau auf welcher Strasse gilt. Vor allem fehlt eine Liste aller derjenigen Strassen (bzw. Strassenabschnitte), auf denen a priori ein Parkverbot herrscht.

Wann wird sanktioniert? Einwohner anders als Auswärtige?

Unklar ist vor allem, wie diese «5-6 Personenwagen-Längen»-Regel im Strassenbild unmissverständlich kommuniziert wird. Gilt sie nur für Einwohner von Weiach, bei denen angenommen wird, dass sie diese Vorschrift intus haben? Wie erfahren Auswärtige, was Sache ist?  Bei der Tempo-30-Zone im Oberdorf ist das ja relativ einfach. Die ist an allen Eingängen klar signalisiert. Wird das bei den mit Parkfeldern auszustattenden Strassen (Chälenstrasse, Oberdorfstrasse, Seerenstrasse) auch so sein?

Verkehrssicherheit ohne Trottoir?

Von den drei mit Parkfeldern auszurüstenden Strassen hat die Seerenstrasse durchgehend ein Trottoir. Also kein Problem für die Fussgänger. Für den oberen Teil der Oberdorfstrasse mit fünf Parkfeldern oberhalb der Mühle ist dies auch der Fall, ebenso für das erste Parkfeld an der Chälenstrasse. Alles kein Problem.

Ganz anders sieht das mit dem sechsten Parkfeld der Oberdorfstrasse und den oberen drei Parkfeldern an der Chälenstrasse aus. Im Oberdorf ist die Verkehrssicherheit ja durch die 30er-Zone verstärkt worden. Aber in der Chälen? Da herrscht nach wie vor «Generell 50»!


Als die Baubewilligung für die Gebäude Chälenstrasse 23, 25 und 27 erteilt wurde, hat es die Gemeinde versäumt, die Weiterführung des Trottoirs bis zur Liegenschaft Nr. 29 durchzusetzen, angeblich aus Gründen des Ortsbildes, das nun mit den für den Ersatzbau direkt an der Strasse gewählten Materialien und Farben definitiv im Eimer ist.

(Foto: D. Meier, Chälenstr. 13)

Kein Trottoir also, obwohl weiter hinten Dutzende von Wohnungen der Überbauung Im Bruchli liegen und obwohl dorthin schon seit Jahren reger Verkehr herrscht.

Welcher «Experte» kommt auf solche Ideen?

Die Chälenstrasse ist vor allem im hinteren Teil (trottoirloser Teil nach Einmündung Stockistrasse) zu stark befahren und zu schmal, um noch auf der Fahrbahn parkierte Fahrzeuge tolerieren zu können.

Wie kann man da bloss auf die Idee kommen, ausgerechnet in der Kurve beim Steingarten der Liegenschaft Chälenstr. 22 einen Parkplatz platzieren zu wollen?

Ist das eine verkappte Verkehrsberuhigungsmassnahme, mit der die Einführung einer Tempo-30-Zone im Quartier Chälen verhindert werden soll? Denn würde am eben beschriebenen Ort kein Parkfeld auf die Strasse gemalt, dann müsste jedermann, der mit gesundem Menschenverstand und der Vorgabe «Verkehrssicherheit» ausgerüstet ist, vom Vorhaben ausgerechnet dort parkieren zu wollen, umgehend Abstand nehmen.

So sieht das wieder einmal danach aus, dass die Bewohner der hinteren Chälen diskriminiert werden, weil man die 60 Meter-Regel mit der Platzierung dieser vier Felder durchsetzen will. Der Gemeinderat nimmt schlicht in Kauf, dass es dort irgendwann verletzte oder gar tote Fussgänger gibt. Es sei denn, man würde nun endlich auch im Westen des alten Dorfkerns die im Oberdorf bereits bestehende 30er-Zone einführen.

«Ohne zeitliche Beschränkung»?

Schliesslich wäre da noch die Angabe «ohne zeitliche Beschränkung» zu den auf der Strasse mit weisser Farbe zu markierenden Feldern (vgl. Bild Chälenstrasse oben).

Bei den blauen Feldern der Parkierungsanlage Ortsmitte wird die sattsam bekannte Parkscheibe zum Einsatz kommen, wohl verbunden mit Tafeln, die auf die zeitlichen Einschränkungen und die Maximalparkzeit von sechs Stunden hinweisen.

Was ist nun mit der 48-Stunden-Beschränkung für Parkieren auf öffentlichem Grund ohne Bewilligung? Gilt die auf den weissen Parkfeldern nicht? Oder doch? Eine «Parkkarte 8187» wird ja offenbar nicht eingeführt.

Im Text erwähnter Artikel

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Nachtrag vom 3. Dezember 2019

Nun gibt es neben der Meldung unter Aktuelles auch eine eigene Webseite zum Parkierungskonzept. Zwar etwas versteckt und nur über die Suchfunktion auffindbar, aber immerhin.

Dort heisst es einleitend: «Die Gemeinde Weiach hat ein neues Parkierungskonzept für das Parkieren auf öffentlichem Grund entwickelt. In den folgenden Dokumentationen finden Sie die nötigen Informationen, um ihr Fahrzeug auf Gemeindegebiet korrekt abzustellen und die Neuerungen ab Frühjahr 2020 bezüglich des Parkierens in Weiach.» Nach diesem Text stehen drei Links:

Bei den beiden 9-Megabyte-Dateien handelt es sich um Ortspläne des ausführenden Planungsbüros Plane Raum aus Zürich.

Das sind offensichtlich die Beilagen zum nach wie vor nicht verfügbaren Dokument Parkierungskonzept Weiach mit Beilagen.

Der Plan Heutige Situation zeigt hellblau eingefärbt alle Strassenabschnitte auf, die sich zum Parkieren eignen. Zusätzlich wird die ungefähre Anzahl Parkplätze angegeben.

Der Plan enthält überdies die genauen Orte sämtlicher Strassenverkehrsunfälle der letzten 5 Jahre im überbauten Gebiet von Weiach: rund 60 Punkte, davon einige wenige rot, was Unfälle im Zusammenhang mit (falsch) parkierten Fahrzeugen bezeichnet.

Es zeigt sich auf diesem Plan auch, dass der offenbar einzige Strassenabschnitt mit signalisiertem Parkverbot derjenige vor den Mehrfamilienhäusern an der Steinbruchstrasse ist.

Überall sonst ist wildes Parkieren bisher nicht verboten, sofern man die Verkehrssicherheit beachtet. Und genau daran hat es ja in jüngster Zeit gehapert, sonst wäre der Gemeinderat nicht auf die Idee gekommen, das Thema aktiv anzugehen.

Der Plan Konzeption PP zeigt auf, welche Strassen und Strassenabschnitte sich nach Ansicht der Experten weiterhin für freies Parkieren eignen (grün) und welche gar nicht (violett; Parkieren nicht zulässig. Strassen die sich grundsätzlich für das Parkieren nicht eignen).

Diejenigen Abschnitte der Chälenstrasse, Oberdorfstrasse und Seerenstrasse, auf welchen Parkfelder vorgesehen sind (orange; Markierung der Parkfelder. Strassen auf denen das Parkieren durch die Bezeichnung von Parkfeldern klar geordnet wird) sind farblich gekennzeichnet. Hier wird die sonst universell geltende «5-6 Personenwagen-Längen»-Regel mittels Parkfeldern eingeschränkt.

In die Parkplatzbewirtschaftung der Privatstrassen Im Bruchli, Kindergartenweg und Birkenweg mischt sich die Gemeinde nicht ein (gelbe Markierung). Vergessen wurde dabei der Steinweg (zwischen Chälenstrasse und Herzogengasse).

Seltsamerweise gibt es auch öffentliche Strassen ohne Fahrverbot, wie die Herzogengasse, die Zelglistrasse, die Bachserstrasse, die Sackgasse Im Bungert, sowie der westliche Teil der Seerenstrasse, die überhaupt nicht eingefärbt sind - auch nicht violett. Da geht man offenbar davon aus, dass diese Strassen schmal genug sind, sodass keiner auf die Idee kommt, dort parkieren zu wollen.

Sonntag, 1. Dezember 2019

Unverständlicher Juristensprech, Anno 1884

Vor etwa zwei Wochen habe ich bereits aus einer Vorgängerzeitung des heutigen Thuner Tagblatts zitiert. Deren Redaktoren scheinen die Unterländer Zeitungen gelesen oder zumindest Korrespondenten gehabt zu haben, welche dies taten.

Vindikationen? Restitution? Ediktalladung? Litisdenunziation?

War es in WeiachBlog Nr. 1419 ein Inserat aus dem Bülach-Dielsdorfer Volksfreund (späteres Neues Bülacher Tagblatt), so soll es heute um einen Leser-Beitrag in der Bülach-Dielsdorfer Wochenzeitung gehen (heute: Zürcher Unterländer):

«Zürich. Ein Einsender der „Bül. Wochenztg." zieht gegen den Mißbrauch zu Felde, daß viele Gerichtskanzleien selbst auf dem Lande ihre Auskündigungen oft mit seltsamen, dem einfachen Manne unverständlichen lateinischen Schnörkeln verzieren. „Vor nicht gar langer Zeit kam ein Gemeindegenosse zu mir mit der Bitte, ihm folgende Stelle aus dem Erlaß einer Notariatskanzlei in's Deutsche zu übersetzen: „Für die von ihm angemeldeten Vindikationen ist Restitution ertheilt worden". Das veranlaßte mich, in solchen Publikationen nachzusehen, und zu meiner Verwunderung fanden sich da noch viele solcher Petrefakten, die den sämmtlichen Bauern von Batzenegg bis Weiach unverständlich bleiben, z. B. Ediktalladung, Litiganten, Litisdenunziation, Kridar ec. ec. Es wäre bald an der Zeit, deutsche Erlasse von diesen Ueberresten aus einer Periode traurigen Andenkens zu befreien" — und zwar nicht nur im Kt. Zürich, auch im Kt. Bern. Die Vindikationen und Manifestationen und Restitutionen dürften wohl verschwinden. Am besten wär's, wenn man auch die Liquidationen gründlich abschaffen könnte.»

Die Batzenegg ist eine Ortsgegend in der ehemaligen Gemeinde Sternenberg, an der Grenze zum Thurgau. Von Batzenegg bis Weiach bedeutet also quer durch den Kanton Zürich.

Und ich bin sicher, dass auch die Nichtjuristen unter den Lesern des WeiachBlog bei den meisten der obigen Fachbegriffe höchstens einen blassen Schimmer von deren Bedeutung haben.

Endlose Erwägungskaskaden heutiger Tage

Bevor man nun die Praxis vergangener Tage belächelt sei angemerkt:

1. Heute ist diese Krankheit in den Copy-und-Paste-Stuben der Fliessbandarbeiter des Rechts angekommen, juristischen Mitarbeitern von Staatsanwaltschaften, die sozusagen im Akkord Strafbefehle produzieren.

2. Auch heutige Bezirksräte und Vormundschaftsbehörden sind keineswegs davor gefeit, für den Laien kaum bis gar nicht verständliche Entscheide zu produzieren. Das kann man einem Blogbeitrag von Martin Steiger, Anwalt für Recht im digitalen Raum, entnehmen. Er zitiert aus einem Urteil des  Obergerichts des Kantons Zürich von 2012, das mehr als nur die Stirn gerunzelt hat:

«Der [..] Entscheid des Bezirksrates ist in einem einzigen Satz abgefasst, der sich über mehrere Seiten hinzieht. Die Amtssprache im Kanton Zürich ist Deutsch (Art. 48 KV), und die deutsche Sprache wird grundsätzlich in Hauptsätzen gesprochen und geschrieben. Die aus dem vorletzten Jahrhundert stammende Technik des "in der Erwägung dass..., dass ..." ist heute für den durchschnittlichen Leser und selbst für Rechtsmittelinstanzen nur noch schwer verständlich. Sie verleitet auch dazu, Banalitäten auszudrücken wie etwa die mitunter anzutreffende Floskel "nach Einsicht in die Akten ..." – in einem ordentlich formulierten Entscheid würde niemand schreiben: "Das Gericht hat Einsicht in die Akten genommen". Lange und komplizierte "dass..., dass..."- Entscheide kommen jedenfalls in die Nähe der ungenügenden Begründung, was eine Verletzung des rechtlichen Gehörs bedeutete (Tarkan Göksu, Dike-Kommentar ZPO [PrintAusgabe], Art. 53 N 24 ff.).»

Autsch.

Quellen