Donnerstag, 31. Dezember 2015

Dezemberwetter 1965: Schnee, Regen und grüne Weihnachten

Vor einigen Tagen hörte ich im Zug ein Gespräch zwischen zwei circa 30-jährigen Männern mit. Der eine war gerade daran, ein Formular auszufüllen, das wohl Datum und Unterschrift verlangte. «Was hämer hüt füres Datum?», fragte er sein Gegenüber und bekam zur Antwort: «Där 84. Oktober!» - Und auf den erstaunten Blick des Fragenden schob er nach: «Bi däm Duurhärbscht weigeren-ich-mich, d'Näme vo Wintermönet zu bruche. Muesch halt sälber umrächne.»

Damit hat der unbekannte Reisende den Nagel auf den Kopf getroffen. Und das Hauptproblem der beiden Monate November und Dezember 2015 in unkonventioneller Weise angesprochen. Sie waren viel zu warm, zu schön und zu trocken. Völlig unwinterlich eben.

Vor 50 Jahren lag der Dezember hingegen in dem für das Zürcher Unterland normalen Rahmen, wie man der Jahreschronik von Walter Zollinger entnehmen kann:

«Dezember. Er beginnt richtig winterlich. Es hat nachts nach dem gestrigen Nachmittags-Schneegestöber grad nochmals geschneit und schneit auch am Nachmittag des 2.12. noch etwas dazu. Die Temperatur ist am Morgen bei -5°. Aber dann ist's fertig mit dem schönen Winter; am 3.12. steigt das Thermometer gleich um 10 Striche auf +5° und heftiger Regen wäscht allen Schnee weg. Das trübe, unfreundliche Wetter hält die ganze erste Woche über an. Erst ab dem 7.12. bessert's für einige Tage; Hochnebel, aber doch keine Niederschläge; Reif am Morgen des 9.12. bei -2°C. Sonst wechselt es meist zwischen bedeckt und leicht aufheiternd. Hie und da wagt sich sogar ein Sonnenblick für kurze Zeit hervor, immer aber auch wehen wieder frische Winde dazwischen. Der schönste Tag war der 19.12. mit Sonne vom Morgen an, der scheusslichste aber der 5.12. mit Regenwetter und heftigen Winden. Die eigentlichen Weihnachtstage sind "grün"; am 27.12. konnte ich dann aber schreiben: "Es hat über nacht etwas geschneit, sodass Dächer, Wiesen und Bäume nun doch noch, wenn auch leicht verspätet, eine "weisse Weihnacht" feiern dürfen. "Die letzten Dezembertage sind trüb und unfreundlich, z.T. regnet's, sodass der wenige Schnee bald wieder verschwunden ist. Hoffen wir auf "bessere Zeiten" im neuen Jahr!

Höchsttemperaturen: morgens +9°, mittags +11°, abends +9°
Tiefsttemperaturen: morgens -5°, mittags 0°, abends -2°.
»

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 9-10. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].

Dienstag, 29. Dezember 2015

Verfügung betreffend die Maul- und Klauenseuche, Dezember 1965

Im WeiachBlog-Beitrag Maul- und Klauenseuche zu Weihnachten und Silvester vom 25. Dezember 2015 wird im zitierten Text betreffend die Abwehrmassnahmen auf den Anhang der Jahreschronik verwiesen. Nachstehend der dort eingeklebte Zeitungsausschnitt mit der Verfügung des kantonalen Veterinärdienstes (nach dem 10. Dezember 1965 publiziert):



Eine sogenannte «engere Schutzzone» ist gemäss Punkt 2 der Verfügung auf die Gebiete im Wehntal und Teilen des Furttales beschränkt, welche an die eigentliche Infektionszone in den Gemeinden Otelfingen und Niederweningen angrenzen.

In diesen Gemeinden wurde die «einfache Sperre» verhängt, was u.a. bedeutete, dass Paarhufer nicht aus den Ställen gelassen werden durften und der gesamte Bestand zwangsgeimpft wurde.



Die im Text nicht namentlich genannte Gemeinde Weiach lag in der «erweiterten Schutzzone» gemäss Punkt 3 der Verfügung, welche «alle übrigen Gemeinden des Bezirkes Dielsdorf» umfasste:
«Für dieses Gebiet gelten die folgenden Bestimmungen:
a) Der Verkehr mit Nutztieren der Rinder-, Schaf-, Ziegen- und Schweinegattung ist verboten.
b) Schlachttiere dürfen direkt an die Schlachtbank abgeliefert werden. Die Viehinspektoren haben auf den betreffenden Gesundheitsscheinen die Bemerkung anzubringen: "Zur sofortigen Abschlachtung in ... (Schlachtort)".
c) Die Milch darf nur von Personen, die nicht im Stall verkehren und die saubere Kleider und Schuhe tragen, in die Annahmestellen gebracht werden.
Käserei- und Molkereiabfälle dürfen nur nach Erhitzung auf mindestens 80°C an die Tierbesitzer zurückgegeben werden.
d) Das Betreten landwirtschaftlicher Gehöfte ist Händlern, Metzgern, Klauenschneidern, Vertretern, Hausierern etc. untersagt.
e) Das Deckgeschäft ausserhalb des eigenen Betriebes ist untersagt. Auf Gesuch hin bewilligt das kantonale Veterinäramt die Vornahme der künstlichen Besamung durch Tierärzte.
»

Freitag, 25. Dezember 2015

Maul- und Klauenseuche zu Weihnachten und Silvester

Im Dezember vor 50 Jahren wurde unser Dorf von einer hochansteckenden Viruserkrankung erfasst, der Maul- und Klauenseuche, die vor allem Rinder und Schweine betrifft, aber auch andere Paarhufer anstecken kann (vgl. Wikipedia für detailliertere Angaben zu Erreger, Übertragung, etc.).

Weil Weiach damals noch ein Bauerndorf war (und noch nicht - wie heute - so tat, wie wenn), hatte diese meldepflichtige Tierseuche grosse Auswirkungen auf das Leben im Zürcher Unterland. Dies kann man gleich drei Abschnitten in der Jahreschronik 1965 von Walter Zollinger entnehmen.

Im Abschnitt «Landwirtschaft» wird berichtet, wie sich die Angelegenheit entwickelte und was die Veterinäre anordneten:

«Eine unangenehme Ueberraschung für unsere Bauern war es, als man mitte Dezember den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche, die sich bisher meist auf die Westschweiz und das Bernbiet beschränkt hatte, nun in Otelfingen, Regensberg und Niederweningen, also Dörfern unsres Bezirkes selbst, feststellte. Sofort wurden die üblichen Abwehrmassnahmen seitens des kantonalen Veterinäramtes, wie der örtlichen Gesundheitskommission erlassen (siehe Anhang). Im Dorf selber wurden sofort vor allen Bauernhäusern und öffentlichen Gebäuden sog. "Seuchenteppiche" mit getränktem Sägemehl gelegt und am 18.12. sämtliches Klauenvieh geimpft. Aber die heimliche Angst schwebte trotzdem über allen Bauernhöfen. Und dies grad auf die kommenden Weihnachts-Feiertage hin!» (G-Ch Weiach 1965, S. 11)

Die Abschnitte «Schulwesen» und «Dorfmusik» zeigen die Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben auf - weit über die eigentlichen Landwirtschaftsbetriebe hinaus:

«Der heurige Schulsylvester, wie übrigens auch der "richtige" Sylvester, verliefen äusserst ruhig, weil der Seuchenmassnahmen wegen das Herumziehen im Dorf behördlich untersagt war. Es ging auch so; im Schulzimmer durfte ja ungezwungen gefeiert werden.» (G-Ch Weiach 1965, S. 15)

«An der kirchl. Sylvesterfeier allerdings konnte unser Korps diesmal nicht, wie sonst üblich, mithelfen; es hatte lange vorher seine Proben einstellen müssen, weil Herr Wyss, der Dirigent von Bassersdorf, wegen ausgebrochener Maul- und Klauenseuche (nicht bei sich selber!!), aber im Stalle eines Angehörigen, bei dem er wohnt, "Hausarrest" bekommen hatte. Pech sowas!» (G-Ch Weiach 1965, S. 18)

Da die Landwirtschaftsbetriebe zur damaligen Zeit noch viel häufiger mitten in den Siedlungen standen und daher viel engerer Kontakt zwischen den mit der Tierbetreuung befassten Personen und der restlichen Bevölkerung stattfand, waren auch die Auswirkungen gravierender.

Heute bekommt die Bevölkerung ausserhalb des «cordon sanitaire» um einen Landwirtschaftsbetrieb herum (allenfalls immer noch Hausarrest für den Landwirt und seine Familie!) sowie bezüglich der Massnahmen für das mit der Seuchenbekämpfung befasste veterinärmedizinische Personal nicht mehr viel davon mit.

Für ein genaueres Bild, was heute bei einem massiven Auftreten einer Tierseuche wie der Maul- und Klauenseuche passieren würde, wird auf das im Rahmen der «Nationalen Gefährdungsanalyse» (http://www.risk-ch.ch) erarbeitete «Gefährdungsdossier Tierseuche» verwiesen (Bundesamt für Bevölkerungsschutz, 30. Juni 2015).

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 11, 15 u. 18. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].
[Veröffentlicht am 29. Dezember 2015]

Freitag, 18. Dezember 2015

Treffsicherer Hausarzt - dem Militärdienst sei Dank

Aus der Jahreschronik 1964 wissen wir, dass der Kaiserstuhler Allgemeinmediziner Dr. Hedinger in Weiach auch deshalb «kein Unbekannter» war, da er «im Weiacher Kirchenchor, sowie bei unsern Pistolenschützen eifrig mitmacht» (vgl. den Beitrag: Hausarzt schneller erreichbar,WeiachBlog vom 15. April 2014).

Der nachstehende, von Walter Zollinger in der Jahreschronik 1965 vermeldete Erfolg ist damit auch einer der Weiacher Schützen - wenn auch nur ein klein wenig:

«Herr Dr. Heinz Hedinger, Arzt in Kaiserstuhl, errang an der seit 1950 vom "Schweiz. Revolver- & Pistolenschützenverband" alljährlich dezentralisiert durchgeführten Landeskonkurrenz mit 198 P. das beste Ergebnis des Jahres 1964.»

Warum nur ein klein wenig?

Hans Stengele, Mitglied der Kaiserstuhler Geschichts-Schreiber, die sich daran gemacht haben, bislang unerschlossene Akten aus dem Stadtarchiv zu transkribieren, wundert dieses Resultat kein bisschen. Er meinte vor kurzem, Hedinger habe schliesslich ausgiebig trainieren können: als Arzt sei er dem Fliegerärztlichen Dienst in Dübendorf zugeteilt gewesen und zwischen den Untersuchungen [der Piloten und Bordfotografen] hätte er viel Zeit und unbegrenzt Munition zur Verfügung gehabt. Das habe sich dann halt ausgezahlt.

Man sieht daran, dass die Schweizer Armee schon vor über 50 Jahren Sportler gefördert hat - nicht erst seitdem es das VBS, die Spitzensport-RS und Zeitmilitär-Stellen für Athletinnen und Athleten gibt.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 25. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].

Sonntag, 13. Dezember 2015

ZVV-Linie 510. Neue Nummer für unsere öV-Nabelschnur

Mit dem Fahrplanwechsel per heutigen Adventssonntag ändert sich für Weiach nach 25 Jahren eine ganze Menge. Vor allem bezüglich Nummern müssen die Hiesigen umlernen. Statt 515 ist jetzt 510 Trumpf. Neu fährt die Linie 510 direkt bis nach Kaiserstuhl - und das ist (nach wie vor) der Flughafenbus:



Wo seit 1990 die ZVV-Linie 515 von Bülach über Hochfelden, Neerach, Stadel, Windlach, Raat und Weiach nach Kaiserstuhl fuhr - man also in der Regel ohne Umsteigen in die Hauptstadt des Nachbarbezirks gelangte - da ist nun alles genau umgekehrt. Die Postauto-Linie 515 gibt es zwar nach wie vor. Sie verkehrt aber nur noch von den Busgaragen beim Schulzentrum Stadel aus. Wer nach Bülach will (z.B. ins Sportzentrum Hirslen, das an dieser Linie liegt) muss nun praktisch immer umsteigen - und Wartezeiten in Kauf nehmen.



Oberglatt als Hub. Umsteigen in Bülach wird selten

Das Dorf unter der Anflugschneise der V-Piste 14 erhält also nun einen direkten Anschluss an die Quelle seiner Belärmung. Aber auch an die Quelle für seine wirtschaftliche Prosperität, schliesslich profitieren die Baustoffindustrie (Weiacher Kies AG) und die Einwohner indirekt alle davon.

Wer einmal in Bülach ist muss sich daran gewöhnen, dass dort nun die S9 hält (und nicht mehr die S5). Für alle diejenigen, die nur nach Zürich wollen, ist hingegen die S9 nicht die Bahn der Wahl. Ab dem neuen Hauptumsteigebahnhof Oberglatt (wo die Linie 510 auch bisher einen wichtigen Kopplungspunkt hatte), fährt die S15 nach Zürich HB.

Grossstadtverdächtige Taktverdichtung

Für die Nostalgiker, die Bülach nicht missen wollen, gibt es am Morgen die 06:07/06:37/07:07-Variante. Diese Einsatzbusse fahren fahrplanmässig nach Bülach - wegen den Kantonsschülern, was die Endhaltestelle des Kurses «Weiach, Gemeindehaus ab: 07:07» deutlich macht. (Das ist übrigens eine sehr sinnvolle Entflechtung, denn zu Schulzeiten des Verfassers musste man noch am Bahnhof auf einen Sonderkurs umsteigen. Und der war natürlich Morgen für Morgen chronisch überfüllt.)

Weiter geht es am frühen Morgen zwar erst um 05:44 los mit den Abfahrten, dann folgen aber bis 06:44 nicht weniger als 4 (!) weitere Abfahrten.

Nix mehr mit Taktfahrplan?

Und noch etwas ist neu - wohl wegen der Verdichtung. Wo man sich früher noch darauf verlassen konnte, dass der Bus jede Stunde zur gleichen Minute abfährt (und sich nur die wenigen Taktlücken merken musste, da wird es nun mit den Abfahrtszeiten wesentlich verzwickter, wie man der Tabelle für den Montag, 14.12. entnehmen kann:



Wenn man sich aber die Haltestellenfahrpläne ansieht (für das oberste Bild unter:
http://online.fahrplaninfo.zvv.ch/pdf/j16/61/ah_61510A/ah_61510A_j16_b_00950.pdf), dann erkennt man, dass das System doch nicht so schwer zu merken ist.

Man muss halt nur pünktlich an der Haltestelle sein. Denn einige Kurse fahren an Werktagen drei Minuten früher als sonst: 05:44 bis 08:14, dann den Tag über um :17/:47, ab 16:44 bis 19:14 wieder mit den drei Minuten Vorsprung und ab da im Stundentakt (20:17 bis 23:17).

Am Samstag wird der Halbstundentakt nur zwischen 9 und 19 Uhr eingehalten. Am Sonntag gilt Stundentakt. Das macht sage und schreibe 78 Abfahrten pro Woche in Richtung Oberglatt. Abfahrten direkt nach Bülach gibt es nur sechs. Am Morgen und Abend unter der Woche - eben die erwähnten Kantonsschülerkurse mit dem grossen «E».

WeiachBlog-Beiträge zum Thema
[Veröffentlicht am 10. Januar 2016]

Sonntag, 6. Dezember 2015

Das Jahr 1965 aus landwirtschaftlicher Sicht

Man sagt den Bauern ja gelegentlich nach, sie würden ständig jammern, egal wie das Wetter ist. Das ist allerdings auch nicht verwunderlich. Ist doch die Produktpalette derart breit, dass es die perfekte Witterung für alle gar nicht geben kann. Ergo ist immer irgendeiner unzufrieden.

2015 war beispielsweise für Milchbauern kein so tolles Jahr. Wenig Futter und tiefer Ertrag, weil die Kühe unter der Hitze leiden. Für Winzer und Imker war es hingegen ein ausserordentlich ertragreicher Jahrgang. Mit hohen Öchslegraden und viel Tracht in den Waben. Allerdings ist der warme Winter für die Bienen nun wieder weniger optimal. Da die Völker nicht richtig zur Ruhe kommen muss man sie zufüttern, was den guten Ertrag des Sommers wieder schmälert.

Dass die Landwirte in Weiach aber vor 50 Jahren mit dem von Petrus Gebotenen alles andere als zufrieden waren, das kann man leicht nachvollziehen wenn man sich nur schon die Titel einiger Wetterartikel der letzten Monate ansieht:

Märzwetter 1965: der Winter geht in die Verlängerung // 30. März 2015
Aprilwetter 1965: reichlich Regenfall und sehr kühle Winde // 29. April 2015
Maiwetter 1965: Wiesen «knotschen» vor Nässe // 30. Mai 2015
Juniwetter 1965: überall vom Regen rotbraunes Futter // 29. Juni 2015
Juliwetter 1965: alles zwei Wochen im Rückstand // 31. Juli 2015

Und so präsentiert sich denn auch die Zusammenfassung von Walter Zollinger im Abschnitt «Landwirtschaft» seiner Jahreschronik:

«Das Jahr 1965 gehört, in landwirtschaftlicher Sicht, bestimmt zu den aussergewöhnlichen der letzten Jahrzehnte. Wenn wir an die ungünstigen Witterungsverhältnisse denken, begreift man, dass die meisten unserer Bauern für 1965 nicht viel gute Worte übrig haben; war es doch vom frühen Frühling an bis in den Monat Oktober hinein abnormal nass und kühl. Mehr als zwei bis drei schöne Tage hintereinander gab's selten. Die Kulturen litten selbstverständlich stark darunter und der Ablauf der Saat- und Erntearbeiten wurde empfindlich gestört. Dadurch ergaben sie auch wesentliche Verspätungen in allen Belangen des bäuerlichen Betriebes. Dass die Ernteerträge quantitativ wie qualitativ litten ist deshalb mehr als begreiflich. Vor allem war die Getreideernte geringer als üblich und bei den Kartoffeln traten Kraut- und Knollenfäule auf, was die Haltbarkeit verschiedener Sorten verringerte.»

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 10. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].
[Veröffentlicht am 29. Dezember 2015]

Montag, 30. November 2015

Novemberwetter 1965: ein trüber und betrüblicher Geselle

Nach dem recht schönen Oktober 1965 (vgl. WeiachBlog vom 30.9.2015), der die Weiacher für die verregnete Zeit davor etwas entschädigt hatte, war bereits im November wieder Schluss mit lustig. Windig war's und früh setzte auch der Schneefall ein, wie man Walter Zollingers Jahreschronik 1965 entnehmen kann:

«November. Dieser Monat bringt sozusagen keine Sonne mehr. Ein einziges Mal notierte ich einen schönen Nachmittag. Sonst war's immer sehr wechselvolles Wetter, meist mit Hochnebel oder starker Bewölkung. Regen fiel wähend 3 ganzen Tagen, 7mal des nachts oder schon spätabends; auch Schnee gab's bereits an 7 Tagen oder meist über nacht. Am 23.11. heisst's im Notizheft: "Jetzt haben wir schon die prächtigste Winterlandschaft, soviel Schnee fiel während der letzten 2 Tage." Am 27. sodann tönt's wieder anders: "Scheussliches Wetter, stürmische Regenschauer und noch stürmischere Winde dazu, der schlimmste Tag des ganzen Novembers." Wir hatten überhaupt während dieses Monates viel Wind; Nebel gab's an 7 Vormittagen. Im grossen und ganzen also ein trüber und betrüblicher Geselle, der November 1965!

Höchsttemperaturen morgens 10° am 1.11, 6° am 9.11.; mittags 16° am 1.11., 9° am 9.11.; abends 14° am 1.11., 8° am 9.11.
Tiefsttemperaturen morgens -6°, mittags -2°, abends -8°.

Zwischen dem 1. und 9.11 und auch nachher war's meist kühler, nämlich durchschnittlich immer um 3° herum morgens, 5° mittags, 4° abends. Die obigen Tiefsttemperaturen lagen so zwischen dem 13. und 18.11., vorher und nachher war's etwas besser, meist um 0° schon vom Morgen an.
»

Trüb und betrüblich? Ja, so ist ein normaler November halt in unserem Dorf. Tant pis!

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 9. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].
[Veröffentlicht am 29. Dezember 2015]

Mittwoch, 25. November 2015

Kirchenrestaurierung genehmigt

Die letzte grosse Renovation unserer 1705/06 erbauten evangelisch-reformierten Pfarrkirche im Bühl hat bekanntlich 1966-1968 stattgefunden. Nach deren Abschluss wurde das Gotteshaus 1970 dem eidgenössischen Denkmalschutz unterstellt.

Für eine Übersicht zur Geschichte und den Renovationen vgl. die Jubiläums-Seite 300 Jahre Kirche Weiach, insbesondere die dort eingangs erwähnte Monographie von 2006.

Heute vor 50 Jahren ging es für die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde darum, zu entscheiden, ob und wenn ja in welchem Umfang eine Renovation der Kirche genehmigt werden soll. Dazu äussert sich Walter Zollinger, der damals massgeblich beteiligt war, in seiner Jahreschronik 1965 wie folgt:

«Zwei Versammlungen der Kirchgemeinde, die ja nun getrennt von den übrigen Gütern tagen muss [Einführung des Frauenstimmrechts per 1.1.1964], waren 1965 notwendig:

Am 12. Mai war die Abnahme der Kirchengutsrechnung Hauptgeschäft. Anschliessend daran kam eine Aussprache über die seit 1 Jahr gehandhabte neue Gottesdienstordnung in Fluss. Es wurden zustimmende wie auch ablehnende Voten abgeben. In der Hauptsache aber beschloss man doch, sie mit einigen geringen Vereinfachungen weiter zu führen.

Ein gewichtigeres Geschäft brachte dann die Versammlung vom 25. November. Das zeigte schon der grosse Aufmarsch von 73 Kirchgenossinnen und -genossen.

Antrag der Kirchenpflege über die Renovation der ref. Kirche Weiach und Erteilung des erforderlichen Kredites von Fr. 677'000.---.

Natürlich gingen dieser Gemeindeversammlung mehrere Sitzungen der schon 1963 bestellten "Kirchenbaukommission" voraus, ferner Besprechungen und Abklärungen über die Finanzierung mit Kirchenrat, Hochbauamt, Denkmalpfege
[sic!] und einem Orgelexperten. Bereits am 16./17. Oktober hatten die Renovationspläne im alten Gemeindehaus zur Besichtigung aufgelegen und am 25. Oktob. hatte in der Kirche ein öffentlicher Orientierungsabend stattgefunden, an welchem Architekt Hintermann aus Rüschlikon über die geplante Restaurierung, sowie Kirchenrat Wegmann aus Marthalen als Verwalter der kirchl. Zentralkasse über die gedachte Finanzierung referierten.

Die Kirchgemeindeversammlung stimmte sodann dem Projekt, wie dem Kreditgesuch mit 57 Stimmen zu (demnach 16 Enthaltungen). Nun beginnt erst die Hauptarbeit für Baukommission und Architekt. Möge zwischen allen eine gute Zusammenarbeit herrschen zum Wohle der Kirchgemeinde und zur Freude unseres Pfarrherrn.
»

Zum denkwürdigen Informationsabend vom 25. Oktober, vgl. die Weiacher Geschichte(n) Nr. 80 (erstmals publiziert in: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Juli 2006) mit dem sprechenden Titel «Der Kirchturm wackelt, wenn mit allen Glocken geläutet wird». Dort wird übrigens der 21. Oktober als Datum des Orientierungsabends genannt. Als Grundlage dient eine Angabe in einem Zeitungsartikel, vgl. Wenn der Kirchturm wackelt (WeiachBlog vom 17. Juni 2006).

Dass es wirklich 16 Enthaltungen waren, wie Zollinger vorrechnet, ist meines Erachtens nicht sicher. Dies gilt vor allem, wenn - wie von mir bei Gemeindeversammlungen in späteren Jahren häufig konstatiert - nach Ermittlung eines «offensichtlichen Mehrs» (d.h. absolute Stimmenmehrheit und damit Zustimmung zum Antrag), das «Gegenmehr» der Ablehnenden durch den Präsidenten gar nicht mehr ermittelt wird. Ob dies nun geschieht, um Ablehnenden ein Outing zu ersparen oder schlicht um Zeit zu gewinnen, sei dahingestellt.

Abschliessend sei erwähnt, dass es mit der guten Zusammenarbeit in der Kirchenbaukommission nicht immer zum Besten bestellt war, vgl. WeiachBlog-Beitrag vom 10. April 2014, Abschnitt «Kein einfacher Zeitgenosse».

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 13. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].
[Veröffentlicht am 29. Dezember 2015]

Montag, 23. November 2015

Lehrerwohnung mit Steinschleuder beschossen

Heute vor 150 Jahren, am 23. November 1865, brachte das «Schaffhauser Intelligenzblatt» (die heutigen «Schaffhauser Nachrichten») auch Kurzfutter aus dem Nachbarkanton:

«Zürich. Oberst Schärrer hat die Berufung zum eidgen. Oberinstruktor der Cavallerie abgelehnt. — In Weiach wurde letzten Samstag Nachts in die Wohnstube des Schullehrers Morf, während er mit seinem Knaben nebst noch einer dritten Person sich darin befand, ein scharf (mit Steinen geladener) Schuß abgefeuert. Es wurde jedoch Niemand getroffen. Der Thäter ist noch nicht ermittelt.»

Weitere Angaben zu diesem Vorfall habe ich bislang nicht gefunden. Es ist also offen, ob es sich um einen Lausbubenstreich gehandelt hat, oder um einen Anschlag von ernsthafteren Gegnern des Lehrers. Aus heutiger Sicht bemerkenswert ist, dass es diese Begebenheit in die Zeitung geschafft hat. Aus der damaligen Perspektive sicher weniger, zumal in früheren Zeiten ein Lehrer noch eine Respektsperson war, die anzugreifen eine Ungeheuerlichkeit darstellte. Denn bei ihm handelte es sich wie bei einem Pfarrherrn um einen Repräsentanten der Staatsgewalt.

Unter der oben zitierten Mitteilung stehen weitere Kurznachrichten über das Geschehen in der Stadt Zürich, von der nicht viel mehr Neues zu berichten sei, als dass man mit einem neuen Wirtshausgesetz dem Prostitutionsproblem Herr werden wolle und dass die Bahnen Kapazitätsprobleme hätten.

Zum Begriff Intelligenzblatt (im Sinne des englischen intelligence, d.h. von Nachrichten) siehe WeiachBlog-Artikel über das Berner Pendant vom 9. Januar 2014.

Quelle
  • Schaffhauser Intelligenzblatt, 23. November 1865, S. 1105. (Hinweis: Verfügbar für Abonnenten im Archiv auf www.shn.ch - Da die Schweizerische Nationalbibliothek sich am SHN-Digitalisierungsprojekt finanziell beteiligt hat, ist die Abfrage von den Webstationen der NB auch ohne Abo möglich)

Sonntag, 22. November 2015

Durch alle Böden hindurch ein SVP-Dorf

Die Nordwest-Ecke des Kantons (genauer: der Norden des Bezirks Dielsdorf) ist eine SVP-Bastion. Das ist seit langem bekannt und es hat sich im 2. Wahlgang für den Ständerat erneut bestätigt.

Nachdem im 1. Wahlgang der SP-Mann Jositsch bereits das absolute Mehr erreicht hatte, fand heute die Ausmarchung um den zweiten Zürcher Sitz im Stöckli statt. Angetreten waren Hans-Ueli Vogt von der SVP, Ruedi Noser von der FDP und der Grüne Bastien Girod.

Im Vorfeld wurde spekuliert, dass Girod aufgrund der Zersplitterung der bürgerlichen Seite durchaus der lachende Dritte werden könnte. Nach Auszählung aller Stimmen ist Noser gewählt - dank dem Umstand, dass diesmal kein absolutes Mehr erforderlich war. Girod hat kantonsweit immerhin 30% aller Stimmen abgeräumt, wenn auch mehrheitlich bei seiner städtischen Klientel, der SVP-ler Vogt hingegen nur etwas über 21%.

In Weiach, Bachs und Stadel wäre das ganz anders gelaufen. Der noch nicht vergebene Sitz wäre in diesem Gebiet klar an Vogt gegangen. Nachstehend die Weiacher Resultate:

Vogt, SVP: 133 Stimmen, 50.00%
Noser, FDP: 84 Stimmen, 31.58%
Girod, GP: 46 Stimmen, 17.29%

Die restlichen 1.13%, entsprechend 3 Stimmen gingen an nicht offiziell Kandidierende.

Mit 31.78% lag die Weiacher Wahlbeteiligung etwas unter der beim 1. Wahlgang im Oktober (38.55% Beteiligung).

Vergleichen wir die Weiacher Stimmenverteilung vom 1. Wahlgang:

Vogt SVP 168, Noser FDP 96, Jositsch SP 92, Vereinzelte 63, Girod GP 29, Bäumle GLP 26, Schmid-Federer CVP 24, Ingold EVP 21, Herzog Piraten 1 sowie von Allmen ECOPOP 1

Am 20. Oktober gingen also 32.2% aller Stimmen an den SVP-Kandidaten, gerade noch 18.4% an die FDP und 17.6% an die SP. Das sind über zwei Drittel aller Stimmen. Immerhin 12% gingen an Vereinzelte, d.h. nicht auf den offiziellen Wahllisten aufgeführte Personen. Die Grünen holten - ihrem Wähleranteil etwa entsprechend - gerade einmal 5.5% aller Stimmen.

Nehmen wir an, dass die sinkende Wahlbeteiligung die Kräfteverhältnisse nicht wesentlich beeinflusst hat, dann müssten 139 Stimmen auf Vogt entfallen, 80 Stimmen auf Noser und 24 auf Girod.

Woher die gegenüber dem 1. Wahlgang fast verdoppelte Stimmenzahl für Girod kommt, ist leicht erklärbar. Das ist wohl der harte Kern der SP-Wähler.

Mehr Fragen wirft die Verteilung innerhalb der Bürgerlichen auf. Sind da einige Weiacher dem Vogt abtrünnig geworden und dem Noser zugelaufen?

Samstag, 14. November 2015

Lasst die Vergangenheit ruhen - 25. Jahrestag des Absturzes

14. November 1990 - 20:11:18. In diesem Moment jährt sich das schrecklichste Unglück auf Gemeindeboden seit Menschengedenken zum 25. Mal. Sekunden vor dem Absturz hat der Pilot des Alitalia-Fluges AZ 404 den Durchstart abgebrochen. Sekunden haben gefehlt und 46 Menschen hätten ihre Leben weiterführen können. Stattdessen sind ihre Namen nun gemeinsam auf einem Gedenkstein verewigt. Und sie stehen gemeinsam im Zivilstandsregister der Gemeinde Weiach. Alle unter demselben Datum: 14. November.

Wo ich bei anderen Themen Schreibfreude und Recherchierlust verspüre, da bemerke ich bei diesem düsteren Moment in der Geschichte unserer Gemeinde, dass ich auf eine seltsame Art zögere mich darauf einzulassen. Dass ich sozusagen nur anekdotenhaft berichte. Anekdoten über die damaligen Geschehnisse, wie sie die Hiesigen erlebt haben.

Ich komme nicht umhin zu konstatieren, dass die Schatten dieses "memento mori" immer noch schwer auf den Seelen lasten. Inklusive meiner eigenen. Ich stelle gerade etwas verwundert fest, dass ich mit meinem eigenen Vater nie darüber geredet habe. Und der war damals als Feuerwehroffizier immerhin hautnah dabei. Er selber hat nie von sich aus davon erzählt - ein Verhalten wie man es von vielen Kriegsrückkehrern kennt.

Ich muss konstatieren, dass viele der damals direkt mit den Absturzfolgen Konfrontierten vergessen möchten. Ob man die Bruchstückhaftigkeit der Erinnerungen als Symptom einer posttraumatischen Belastungsstörung werten soll? Möglich wäre das schon.

An diesem Novemberabend wurde jedem damals in Weiach Ansässigen klar vor Augen geführt, was es bedeutet in einer Anflugschneise zu leben. Vielen war wohl auch intuitiv klar, dass es bei noch tieferer Anflughöhe durchaus auch im Dorf selber hätte Tod und Zerstörung geben können.

Einer von zehntausenden Überflügen zwischen 1976 (dem Zeitpunkt der Eröffnung der Blindlandepiste 14/32) und heute hat in nächster Nähe im Desaster geendet. Als ungefragt Überflogener verdrängt man die Möglichkeit, dass es jederzeit wieder passieren kann. Dass sich eine abstrakte Gefährdung in schreckliche Realität verwandelt - wie in Nassenwil oder Bassersdorf einige Jahre später.

Deshalb wollen wir diesen Teil der Vergangenheit nun ruhen lassen.


Dienstag, 10. November 2015

Ein halbes Jahrhundert Industriezone im Hard

Die Gemeindeversammlung hat das letzte Wort. Aber nur im engen Rahmen dessen, was die von oberen Ebenen vorgesehenen Korsette eben noch zulassen. Manchmal dienen Gemeindeversammlungen wirklich nur dem offiziellen Abnicken von vorschriftsgemässen Verwaltungsakten. Wie die Gemeindeversammlung vom 23. Juni 1965. Zollinger schreibt dazu in seiner Jahreschronik:

«Abnahme der Gutsrechnungen 1964;
daneben musste, auf Begehren des Regierungsrates die Bauordnung mit Zonenplan in folgenden Punkten abgeändert werden:
a. Aufhebung der Zone öffentlicher Bauten u. deren Zuteilung zur Dorfkern-Zone,
b. Ausscheidung eines Industriegebietes (ca. 8 ha im Hard), auf dem nur Bauten zugelassen sind, die im Zusammenhang mit der Ausbeutung u. Verarbeitung von Kies, Sand, Lehm stehen.
c. Ergänzung des Art. 21 (alt 22) mit einem neuen Absatz 3, mit dem die besonderen Vorschriften für die Ueberbauung des Industrieareals im Hard festgelegt wird.
»

Mit Zonenplänen hatte halt die Gemeinde noch nicht so viel Erfahrung. Und mancher betrachtete sie wohl eher als lästige bürokratische Pflichtübung und nicht als wertvolles Planungsinstrument für die kommenden Jahrzehnte. Offensichtlich wurden zumindest die Punkte b und c genehmigt, sodass folgende von Zollinger im Typoskript eingeklebte Bekanntmachung erscheinen konnte:

«Gemeinde Weiach - Zonenplanänderung

Der Regierungsrat des Kantons Zürich hat am 8. Oktober 1965 den Beschluss der Gemeindeversammlung Weiach vom 23. Juni 1965 betreffend Umteilung der ehemaligen Zone für öffentliche Bauten in die zweigeschossige Dorfkernzone sowie die Ausscheidung einer rund 8 ha umfassenden Industriezone im Hard mit zugehöriger Bauordnungs-Bestimmung genehmigt.
Der Beschluss tritt am Tage nach der Veröffentlichung in Kraft.

Weiach, den 9. November 1965
Der Gemeinderat.
»

Wie bei Zollinger üblich: ohne jeden Hinweis in welcher Zeitung die Bekanntmachung erschienen ist.

Quellen
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 11a und 12. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].
[Veröffentlicht am 4. Januar 2016]

Sonntag, 8. November 2015

Risse im Mauerwerk durch Läuten der Kirchenglocken?

Es ist bald ein halbes Jahrhundert her seit der letzten grossen Restaurierung und Renovation der Kirche Weiach, vgl. die Jubiläums-Webseite 300 Jahre Kirche Weiach.

Wie man aus berufenem Munde (von Kirchenpfleger Daniel Elsener höchstpersönlich) hört, muss sich die Kirchgemeinde nun offenbar wieder grössere Baumassnahmen überlegen.

Elsener hat selber festgestellt, dass die Querstreben des Dachreiters sich sichtbar bewegen, wenn mit allen Glocken geläutet wird! Das tönt verdächtig ähnlich wie vor 50 Jahren, als man den Weiacherinnen und Weiachern die Gesamtrenovation u.a. mit dem Argument verkaufte, der Dachreiter wackle beim Läuten, vgl. die Weiacher Ge­schichte(n) Nr. 80 (Titel: «Der Kirchturm wackelt, wenn mit allen Glocken geläutet wird».)

Nun wird befürchtet, dass die anlässlich der letzten grossen Renovation 1968 vorgenommene Abstützung des Dachreiters auf das Mauerwerk im Verlaufe der Jahre zu grösseren Schäden in den Mauern geführt hat. So sind Risse in Fensterbögen sichtbar - ein Warnzeichen.

Elsener will deshalb herausfinden, wie die Bewegungen im Mauerwerk aussehen. Es interessiert insbesondere, was die dynamischen Lastwechsel durch das Läuten der Glocken mit den Mauern anstellen. Zu diesem Zweck wurde eine Firma engagiert, die auf das Detektieren von Bewegungen im Mauerwerk spezialisiert ist.

Zudem wird nun auch ein Monitoring des Innenraumklimas aufgezogen, weil bei der Installation der Bewegungssensoren an der Holzdecke im Innenraum Schimmelrasen entdeckt worden seien. Schimmelpilze deuten auf zu hohe Luftfeuchtigkeit hin.

Quelle
  • Telefongespräch vom 14.10.2015 mit Daniel Elsener, Mitglied der evang.-ref. Kirchenpflege Weiach
[Veröffentlicht am 29. Dezember 2015]

Montag, 2. November 2015

Kaiserstuhler Bäckerdynastie Geugel vor 50 Jahren in Ruhestand

Die Jahreschroniken von Walter Zollinger enthalten auf den letzten Typoskript-Seiten jeweils die Rubrik «Nachbarliches». Mit gutem Grund, denn etliche Gewerbetreibende, Ärzte etc. fanden die Einwohner von Weiach schon vor Jahrzehnten nur ausserhalb der eigenen Gemeindegrenzen. So war es ab 1958 auch, wenn man eine Bäckerei suchte, denn:

«Von jetzt an [1. April 1958] verkauft die ″Landwirtschaftl. Genossenschaft″ sämtliche Backwaren. Diese werden nun im Wechsel die eine Woche von Herrn Bäckermeister Hch. Hintermann Stadel und die andere Woche von Herrn Bäckerm. Emil Geugel Kaiserstuhl geliefert.» (zit. n. WG(n) Nr. 101, S. 394; Original: G-Ch Weiach 1958, S. 18)

Die Weiacher Konkurrenz war nach Auskunft des Sohnes des letzten Weiacher Bäckers eingegangen, weil er selber sie nicht weiterführen wollte. Dazu hatte er keine Lust, denn der Verdienst war nicht gerade berauschend und ausserdem habe es in Kaiserstuhl geheissen, der Weycher Beck habe «z’grossi Löcher im Brot», das Brot der beiden Kaiserstuhler Bäcker Jedele und Geugel sei viel fester. (WG(n) 101 , S. 390)

Ab 1958 konnten die Weiacher also vergleichen, welcher Bäcker der bessere war. In Kaiserstuhl gab es schon wenige Jahre später einen Wechsel, wie der Zollinger'schen Jahreschronik 1965 zu entnehmen ist:

«Die Bäckerei Geugel Kaiserstuhl, die auch nach Weiach Brot lieferte, geht mit dem 2. November an Fam. Kurt Meier-Kunz über. Seit 72 Jahren lag sie in den Händen der Familien Geugel (Vater, Sohn, Witwe).» (G-Ch Weiach 1965, S. 25)

Quellen


[Veröffentlicht am 4. Januar 2016]

Samstag, 31. Oktober 2015

Zehn Jahre WeiachBlog

«Einszweidrei, im Sauseschritt - Läuft die Zeit; wir laufen mit.» So textete Wilhelm Busch 1877 zu seinem Cartoon «Julchen».

Manchmal hat man sogar den Eindruck, dass - je älter man wird - die Zeit immer schneller läuft. Wohl weil ein Jahr im Vergleich zu den bisher bereits erlebten Jahren einen immer kürzeren Zeitraum des Lebens ausmacht. Für einen Fünfjährigen ist ein Jahr 20%. Für einen Fünfzigjährigen nur noch 2%.

WeiachBlog hat am 31. Oktober 2005 das Licht der Welt erblickt, feiert also heute den 10. Geburtstag. Nach dem zum ersten Jahrestag (Ein Jahr WeiachBlog), dem zum zweiten (2 Jahre WeiachBlog) und dem zum fünfjährigen (WeiachBlog wird fünf Jahre alt) hier wieder einmal ein Rückblick in eigener Sache.

Änderung der Prioritäten

Zuerst einmal ist festzuhalten, dass es schon ziemlich ruhig geworden ist. Jedenfalls verglichen mit der stürmischen Anfangsphase, in der fast jeden Tag ein Artikel erschienen ist. Mittlerweile werden es selten mehr als zwei, drei Artikel pro Monat. Und der Grund ist ganz einfach: andere Prioritätensetzung beim Autor. Da kommt das Bloggen meist weit, weit hinten auf der Liste.

Dass dem wirklich so ist, zeigt die Aktualisierung der vor fünf Jahren erstmals aufgestellten, rein quantitativen Bilanz. In den verflossenen 10 Jahren:
  • wurden 1239 Artikel publiziert, d.h. für jeden dritten Tag einer (nach 5 Jahren waren es 946, also im Schnitt zu jedem zweiten Tag einer);
  • gab es darauf insgesamt 576 veröffentlichte Kommentare - reiner Spam wurde gelöscht (nach fünf Jahren waren es bereits 529);
  • ergibt dieses Material formatiert auf Lauftext-Grösse «Arial 12 Punkt» inkl. Vorwort und Inhaltsverzeichnis rund 1655 A4-Seiten (nach fünf Jahren: 1300 Seiten!)

Viele Seitenaufrufe - wenige Favoriten

Auch nach 200'000 von Blogger geloggten Seitenaufrufen in den letzten fünf Jahren hat sich eines nicht geändert: dass nämlich einige wenige Artikel häufiger (z.T. mehrmals täglich) aufgerufen werden - die grosse Mehrheit hingegen eher selten, einige fast gar nie. Das Phänomen ist unter der Bezeichnung «Long tail» bekannt (vgl. Der Wert von WeiachBlog).

Alle diese Beiträge haben eines gemeinsam: sie stehen - wählt man die Begriffskombination im Titel als Suchbegriffe - bei Google (und anderen) auf der ersten Resultat-Seite. Meistens sogar zuoberst. Der langjährige Rekordhalter - ein Artikel zum 15. Jahrestag des Flugzeugabsturzes von Alitalia AZ 404 - rangiert auch heute noch immer auf dem ersten Platz. Er wird aber wohl über kurz oder lang von der Nummer 2, einem Beitrag mit dem simplen Titel «Alte Monatsnamen» überholt. Der hat nämlich im Monatsvergleich jeweils deutlich mehr Klicks als sein früher publizierter Konkurrent.

[Veröffentlicht am 3. April 2016]

Freitag, 30. Oktober 2015

Oktoberwetter 1965: auch der Nebel «kochte» mit

Im September vor 50 Jahren stellte sich nach der sehr nassen Witterung der Vormonate die Frage, ob es für die Trauben noch reichen würde (vgl. WeiachBlog vom 30.9.2015). Offenbar hatten die Weiacher damals im Oktober Wetterglück, wenn man Walter Zollinger in seiner Jahreschronik 1965 folgt:

«Oktober. Höchsttemperaturen morgens 12°, mittags 19°, abends 14°
Tiefsttemperaturen morgens 2°, mittags 4°, abends 2°.
Die erste Woche war wirklich ordentlich warm (19, 17, 15, 13° um mittag herum). Erst ab dem 10.10. bleibt das Thermometer am mittag meist um 10° herum stehen, am Morgen und Abend entsprechend tiefer. Immerhin war es, mit Ausnahme der 3 Tage vom 24. bis 26. Oktober, nie unter 5°, sodass dieser Monat doch noch recht ausgiebig zum bessern Ausreifen des Obstes und der Trauben beitrug. Auch der viele Nebel an den Morgen (14mal) "kochte" also mit. Die Nachmittage und Abende waren sehr oft recht sonnig (13mal); oftmals zwar stand der Himmel hinter einer Wolkendecke verborgen (10 ganze u. 7 halbe Tage), stark bewölkt waren 5 ganze u. 2 halbe Tage; Regen fiel sehr wenig in diesem Monat, nämlich an 2 ganzen Tagen und 2mal des nachts. Auch der Wind verschonte uns. Ich notierte nur 3 Tage mit spürbarem Luftzug. Natürlich beginnt unter diesen Umständen jetzt das Obsten und Wümmen; am 14.10. sah ich den ersten Bauern, der seine Direktträger heimholte. Auch mit Obstpflücken begann alles; der Ertrag ist allerdings nur mittelmässig nach diesem nassen Sommer. Tafelobst ist rar, dagegen hat es genug Mostobst.
»

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 8-9. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].

[Veröffentlicht am 4. Dezember 2015]

Dienstag, 20. Oktober 2015

Immer noch eine SVP-Hochburg

Bei den diesjährigen Wahlen für den Nationalrat und den Ständerat, die beiden Kammern des nationalen Parlaments der Schweiz, ist für Weiach nichts wirklich Überraschendes herausgekommen. Erneut hat sich bestätigt, was seit Jahren klar ist: Weiach ist immer noch eine SVP-Hochburg. Damit könnte man diesen Artikel bereits zum Abschluss bringen. Die Details sollen den Leserinnen und Lesern des WeiachBlog trotzdem nicht vorenthalten werden.

Ständerat: Vogt wäre gewählt

Bei den Ständeratswahlen sieht man den SVP-Effekt besonders schön. Diese Wahlen sind immer noch stark davon abhängig, welche Person sich zur Wahl stellt. Umso interessanter der Umstand, dass Hans-Ueli Vogt, ein Universitäts-Professor und dazu bekennender Schwuler, mit Abstand am meisten Stimmen auf sich vereint:
  • Vogt, SVP: 168
  • Noser, FDP: 96
  • Jositsch, SP: 92
  • Vereinzelte: 63
  • Girod, GP: 29
  • Bäumle, GLP: 26
  • Schmid-Federer, CVP: 24
  • Ingold, EVP: 21
  • Herzog, Piraten: 1
  • von Allmen, ECOPOP: 1
Damit gingen 32.2% aller Stimmen an den SVP-Kandidaten (absolut weniger Stimmen als mit 197 auf der SVP-Liste für den Nationalrat, wo man immerhin noch streichen und panaschieren kann). Gerade noch 18.4% konnte sich die FDP sichern. Dicht dahinter die SP mit - Jositsch sei Dank - stolzen 17.6% an die SP. Das sind über zwei Drittel aller Voten. Immerhin 12% gingen an Vereinzelte, d.h. nicht auf den offiziellen Wahllisten aufgeführte Personen.

Nachdem nur Jositsch den Sprung nach Bern im ersten Anlauf geschafft hat, wird die Ausmarchung nun wohl zwischen Vogt und Noser entschieden. Spannend wird sein, was die Linkswähler bei dieser Ausgangslage tun: auf einen Bürgerlichen setzen oder doch den Grünschnabel Girod wählen.

Nationalrat: Absolute Mehrheit für SVP

Bei den NR-Wahlen standen 35 Listen zur Auswahl (was in der Menge ungefähr den 25 Listen im Kanton Bern entspricht). Von den 869 Wahlberechtigten beteiligten sich immerhin 40.85% an den Nationalratswahlen (was beim Vergleich mit emotional diskutierten Sachvorlagen eher wenig ist). Von den 355 gültig eingelegten Wahlzetteln waren 158 unveränderte Listen, 192 veränderte (d.h. kumuliert, panaschiert oder sogar frei zusammengestellt).

Klare Wahlsiegerin in Weiach ist die SVP mit einem Plus von 4.81% (verglichen mit 2011), gefolgt von der SP mit +2.30%. Die Überraschung sind die Grünen mit einem kleinen Zugewinn von +0.14%. Auf tiefem Niveau ebenfalls praktisch stabil die EVP: -0.01.

Alle anderen Parteien haben teils massiv Wähleranteile eingebüsst. Grosse Verlierer in Weiach: BDP -2.63%, CVP -1.67%, FDP -1.53% sowie GLP -1.24%. Auch die EDU hat Terrain verloren: -0.57%. Völlig bedeutungslos geworden sind bei den Hiesigen die Schweizer Demokraten (SD) - abgestürzt von 0.30 auf 0.02%!

Erreicht wurden folgende Anteile: SVP 56.41%, SP 12.09%, FDP 8.17%, EVP 4.68%, glp 4.66%, BDP 4.46%; Grüne 2.37%, CVP 2.01%, EDU 1.34%, jEDU 1.17%, Piraten 0.60%, JUSO 0.55; AL 0.35%, TPS 0.31%, JSVP 0.30. Alle übrigen Listen erreichten lediglich 0.1% oder weniger.

Würden die Parlamentarier nach den Weiacher Resultaten nach Bern entsandt, so ergäbe sich bei den ersten 28 von 35 Sitzen folgende Verteilung: 19 SVP, 4 SP, 2 FDP, 1 EVP, 1 glp, 1 BDP. Der Rest würde nach Listenverbindungen verteilt (eine komplizierte Rechnung, die ich mir hier erspare).

Berücksichtigen muss man indes die vielen Verflechtungen unter den Listen. So gibt es vier grosse Blöcke, denen lediglich 6 Listen nicht angehören (Liste 10 Schweizer Demokraten (SD), Liste 11 Unabhängigkeitspartei up!, Liste 17 Anti-PowerPoint-Partei. Liste 24 DU Die Unpolitischen, Liste 34 Flückiger Hans Ulrich (Hanf Ueli), unabhängig. Liste 35 Schweizer Freiheit und Recht)

Die grossen Blöcke sind (vgl. die Übersicht Listenverbindungen):
I SVP/EDU/Auto
II Sozialdemokraten/Grüne/Zentrumspartei/AL/PdA/K+P
III FDP
IV GLP/BDP/CVP/EVP/ECOPOP/Piraten/TPS

Köppel räumt auch in Weiach ab

Der neu kandidierende Chef der Weltwoche, Roger Köppel, kam in Weiach besonders gut an: 2.1% aller Stimmen entfielen allein auf ihn. Ansonsten war das Resultat weitgehend von den Kumulierungen und Panaschierungen auf den SVP-Listen dominiert:
  1. Köppel 250; Listenplatz 17
  2. Steinemann 229; Listenplatz 11 (Watt-Regensdorf)
  3. Rickli 226; Listenplatz 1
  4. Heer 216; Listenplatz 3
  5. Rutz 200; Listenplatz 7
  6. Sulser 200; Listenplatz 18 (Otelfingen)
  7. Matter 199; Listenplatz 9
  8. Fehr 197; Listenplatz 4 (Eglisau)
  9. Vogt 197; Listenplatz 10
  10. Schläpfer 193; Listenplatz 22
  11. Langhart 193; Listenplatz 23
  12. Hauser 193; Listenplatz 27 (Hüntwangen)
  13. Haab 192; Listenplatz 12
  14. Stahl 191; Listenplatz 5
  15. Suter 191; Listenplatz 28
  16. Lehmann 190; Listenplatz 20 (Glattfelden)
  17. Egloff 187; Listenplatz 6
  18. Walliser 187; Listenplatz 14
  19. Tuena 187; Listenplatz 16
  20. Kuoni 187; Listenplatz 19
  21. Zanetti 186; Listenplatz 15
  22. Hübscher 185; Listenplatz 31
  23. Mörgeli 184; Listenplatz 2
  24. Trachsel 181; Listenplatz 13
  25. Schibli 180; Listenplatz 8 (Otelfingen)
  26. Liebi 180; Listenplatz 24
  27. Hofer 181; Listenplatz 30
  28. Scheck 181; Listenplatz 33
  29. Oswald 179; Listenplatz 26
  30. Rogenmoser 179; Listenplatz 34 (Bülach)
  31. Krebs 178; Listenplatz 21
  32. Frei 178; Listenplatz 25
  33. Walder 177; Listenplatz 29
  34. Dalcher 169; Listenplatz 32
  35. Fischer 161; Listenplatz 35
Bei der SP kam Jositsch auf 84 Stimmen, Hardegger auf 67 (Gemeindepräsident von Rümlang), Badran auf 58, Galladé auf 54 und Naef auf 51. Die neu gewählte Min Li Marti holte lediglich 42 Stimmen. Ohne Proporzwahlrecht hätte auch die drittplatzierte FDP kaum Chancen, ginge es nur nach Weiach: Noser 56 Stimmen (wenig, verglichen mit den 96 im Ständeratswahlkampf), weiter Fiala 36 und Bigler 34. Auch da: ein Gewerbler erhält in Weiach nicht viele Stimmen, wenn er nicht auf SVP-Liste steht. Ingold von der EVP kam auf 36 Stimmen (mehr als im Ständeratswahlkampf mit 21!), Bäumle von den Grünliberalen auf 41 (ebenfalls mehr als für den Ständerat; dort 26). Bei der CVP schliesslich zeigte sich der «Bauerneffekt»: Winkler (Landwirt aus Ellikon a.d.Th.) kam auf 31 Stimmen, die in den Nationalrat gewählte Quadranti holte in Weiach nur 26 Stimmen.

[Veröffentlicht am 11. März 2016]

Montag, 12. Oktober 2015

Jakob Meyerhofer - im Aktivdienst 1915 umgekommen

Vor hundert Jahren blieb es den Schweizer Wehrmännern erspart, von feindlichen Kugeln, Granaten, etc. zerfetzt und in den Schützengräben in sinnlosem Stellungskrieg verheizt zu werden.

Dennoch: Kriege fordern Opfer. Zivile und militärische gleichermassen. Und die meisten von Ihnen kommen nicht etwa durch direkte Gewalteinwirkung seitens des Aggressors ums Leben. Nein, sie fallen ganz banalen Unfällen, Krankheiten und dergleichen anheim.

So war es hierzulande auch im 1. Weltkrieg. Am 12. Oktober 1915 wurde ein Weiacher Soldat zu Grabe getragen, ums Leben gekommen bei einem tragischen Unfall.

Die Zusendung des nachstehenden Ausrisses aus der Zürcher Wochenchronik verdanke ich Willi Baumgartner-Thut:

WEHRSTAND

+ Jak. Meyerhofer von Weiach, Soldat, Guid. Schw. 36

Anläßlich der Wiedermobilisierung der 4. Division war die Landw.-Guiden-Schwad. 36 zum aktiven Dienst nach Zug auch einberufen. Das Schicksal wollte es, daß schon am ersten Tage ihres Dienstes ein Soldat durch Unglücksfall das Leben einbüßen mußte.

Meyerhofer, Jakob, Soldat der Guiden-Schwadron 36, wurde beim Transporte von Pferden vom Stellungsplatze nach den Stallungen von einem Pferdehufschlag so unglücklich am Kopfe getroffen, daß er auf der Stelle liegen blieb. Abends gegen 7 Uhr fanden ihn seine Dienstkameraden in bewußtlosem Zustande und leisteten ihm die erste Hilfe. Sie verbrachten ihn nach dem Bürgerspital, wo die ärztliche Untersuchung rechtsseitige Schädelzertrümmerung und Hirnverletzung feststellte. Ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, starb er nach zwei Tagen, am 8. Oktober, nachmittags 4 1/2 Uhr, in Gegenwart seiner herbeigeeilten jungen Gattin.



Ein kurzes ehrendes Wort sei dem allgemein beliebten Verstorbenen anmit als bescheidener Nachruf gewidmet: Jakob Meyerhofer ist 1875 als Sohn einer in weitem Umkreise in hohem Ansehen stehenden Landwirtsfamilie in Weiach geboren. Er war berufen, sich der Landwirtschaft zu widmen. Nach mit Auszeichnung bestandener Schulzeit begann er sein Wirken auf dem Gute seines Vaters. Schon von Anfang an zeigte er Schaffensfreude, und überall wo Arbeit war, sah man ihn fleißig mitarbeiten. Immer mehr entwickelten sich in ihm Energie und Liebe zu dem einmal begonnenen Berufe; er nahm mit Interesse Anteil an allen Unternehmungen seines Vaters, zeigte klares Verständnis für alle Fragen und wurde zum eifrigen Mitförderer für fortschrittliche Einrichtungen. An dem Aufschwunge und der Blüte ihres Betriebes fällt ihm nicht geringes Verdienst zu. Auch in Gemeindeangelegenheiten beteiligte er sich und war gerne gesehenes Mitglied verschiedener Verwaltungskommissionen.

Er war ein unermüdlicher Arbeiter, gewissenhaft in Erfüllung seiner Pflichten und die schwer zu ersetzende Stütze seines nun betagten Vaters. Bescheidenheit, goldlauterer Charakter, Freundlichkeit, humanes Handeln machten ihn zum allgemein beliebten Mann.

Den Verhältnissen gemäß ging er vor einem Jahre daran, sich selbständig zu machen, bezog ein zugekauftes Heimwesen mit extra darauf neuerbautem Wohnhaus und wähnte sich mit seiner ihm letztes Frühjahr angetrauten lieben Gattin glücklich darin. Hoch freute er sich, eine blühende Existenz geschaffen zu haben und stolz war er darauf, bald Vater werden zu dürfen.

Es sollte aber anders werden. - Er wurde für einige Tage zum Militärdienst einberufen und nachdem er mit Sorgfalt und Mühe noch alles geordnet und bestellt hatte - nichts durfte fehlen - verließ er am frühen Morgen des 6. Oktober Haus und Hof. Als gesunder Mann, der er immer war, und als schöner, strammer Soldat zog er hinaus in den Dienst fürs Vaterland, im Weggehen den Seinen noch zurufend: "Ja ich komme ja bald wieder heim." Tatsächlich hätte er schon am 9. Oktober, als an seinem Geburtstage, wieder heimgehen dürfen, aber ein Befehl höherer Macht kam diesem zuvor und beorderte ihn da hinüber, wo ewiger Friede herrscht.

Der Kommandant der Guid.-Schw. 36, Herr Hauptmann Boller, gerührt von Mitleid für die Angehörigen, äußerte großes Bedauern über den auf diesem unglücklichen Wege erfolgten Verlust des ihm als guten Soldaten bekannt gewordenen J. Meyerhofer; das gleiche ließen die Unteroffiziere und Soldaten der Guiden-Schwadron auch bekunden.

Am 9. Oktober fand die Ueberführung der Leiche nach Weiach statt. Offiziere des Platzkommandos Zug und eine Abteilung der Haub.-Batt. 79 gaben ihr das Ehrengeleite bis zum Bahnhof daselbst. Die militärische Beisetzung am 12. Oktober in Weiach gestaltete sich zu einer Trauerkundgebung, wie sie wohl an diesem Orte noch nie gesehen worden ist. Die Massenteilnahme gab beredtes Zeugnis dafür, was der Verstorbene im Leben gewesen ist. Leute aus weiter Umgebung und die Guid.-Schw. 36 vollzählig nahmen daran teil. Die Kirche vermochte sie nicht alle zu fassen. Bei der kirchlichen Feier zeichnete der Herr Pfarrer ein Lebensbild des Verstorbenen, wie es erhebender und schöner nicht sein kann. Dann folgte am Grabe ein militärischer Akt, der gewaltigen Eindruck machte. Die ganze Trauerversammlung nahm Aufstellung auf dem Friedhofe, in der Mitte die Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten der Guid.-Schw. - In markanter, tiefergreifender Ansprache spendete Herr Hpt. Boller der Trauerfamilie Trost und dem ihm einst Unterstellten den Abschiedsgruß.

Namens der Kameraden trug Guide Pfister einen in rührenden Versen gereimten Nachruf vor, worauf Feldw. Vogt den Ehrengruß, *drei Salven", folgen ließ. Dann schloß sich das Grab über einem zur ewigen Ruhe gebetteten guten Kameraden, einem treuen Freund und Bürger. U.


Damit verlassen wir die Bühne des heute vor 100 Jahren verabschiedeten Weiachers und wenden uns dem militärischen Hintergrund zu.

Guiden und Dragoner

Meyerhofer war also ein Guide - und diese taten ihren Dienst zu Pferde. Nach Angaben auf den Webseiten der Compagnie 1861, einer historischen Sektion des kantonalen Unteroffiziersverbandes Zürich und Schaffhausen, bestand die Aufgabe der Guiden «hauptsächlich aus Melde- und Stafettendienst, Bewachung der Hauptquartiere der Divisionen sowie aus heerespolizeilichen Aufgaben». Leicht anders formuliert die Funktionsbeschreibung auf derselben Website (Beschreibung der Dragoner): «Guiden. Letztere waren für den Aufklärungs- und Heerespolizeidienst bestimmt, oder waren den Divisionsstäben zugeteilt für Kurier- und Staffettendienst». Und für solche Aufgaben nimmt man in der Regel die erfahrenen, älteren Semester. Dass die Guiden-Schwadron 36 eine Landwehrformation war, passt also ins Bild. Bei den Dragonern hingegen waren mehrheitlich Wehrmänner des Auszugs eingeteilt, denn die Dragonerschwadronen waren die Kampfverbände der Kavallerie.

Kantonale Militärhoheit

Eine Suche auf dem Schweizer Archivportal archives-online.org zeigt, dass die Guiden-Schwadron 36 entweder eine Thurgauer oder eine Schaffhauser Einheit war:
  • Staatsarchiv des Kantons Thurgau (StATG): «4'423'35: Guiden Schwadron 36, s.d. (sine dato)»
  • Staatsarchiv des Kantons Schaffhausen (StASH): «Militaria 5/370: Korpskontrolle, Guiden, Schwadron 36 und 41, Landwehr. Enthält Personalien, Details der Dienstleistungen, Beförderungen, Bemerkungen. ca. 1890-ca. 1920»
Da der Thurgauer Bestand gemäss der übergeordneten Archiveinheit nur bis ca. 1906 reicht, ist es durchaus möglich, dass die Schwadron 36 im Jahre 1915 schaffhausisch war. Genauer liesse sich das abklären, wenn die Sperrfrist des Schaffhauser Staatsarchivs nicht bis Ende 2020 laufen würde.

Wie dem auch sei: die sehr traditionsbewussten Kavallerie-Einheiten gehörten als kantonale Formationen sozusagen zu deren Kernbestand. Einen der Gründe für diese Zuordnung erklärt der Artikel zur Schweizer Kavallerie auf Wikipedia (Stand am 15. Oktober 2015):

«Die Militärorganisation von 1907 war ein Kompromiss, der dem Umstand Rechnung trug, dass die vollständige Zentralisierung des Militärwesens bei der Volksabstimmung von 1895 scheiterte. Die Kantone stellten weiterhin die Dragonerschwadronen und beschafften deren persönliche Ausrüstung. Die Militärorganisation 1907 brachte die Unterstellung der Guiden auf die sechs Divisionen (je eine Abteilung zu zwei Kompagnien).

Der Erste Weltkrieg mit seiner erhöhten Feuerkraft, den Giftgaseinsätzen und dem Umstand, dass die Dragoner während der Grenzbesetzung zu Fuss dienten, stellte die weitere Existenz der Kavallerie in Frage. 1916 waren die 24 Dragoner-Schwadronen in vier Kavallerie-Brigaden zu zwei Regimentern mit je drei Schwadronen eingeteilt. Daneben gab es zwölf Guiden-Schwadronen und acht Mitrailleur-Schwadronen. Damit wurde der Höchststand mit 6'600 Mann erreicht. 1918 musste die Kavallerie beim Generalstreik die innenpolitisch heikle Aufgabe des Ordnungsdienstes übernehmen.
»

Gerade dieser Auftrag kam nicht von ungefähr, handelte es sich doch bei den Kavalleristen meist um konservativ eingestellte Soldaten vom Land, die mit den sozialistischen Ideen der Streikenden nicht viel am Hut hatten. Fraternisierungen waren da nicht zu befürchten.

Eine Chronik aus der Stadt Zürich

Schliesslich sei noch kurz etwas zur Herkunft des Ausrisses, der Zürcher Wochen-Chronik erwähnt, die zwischen 1899 und 1918 herausgegeben wurde. Auf der Website Alt Züri steht dazu:

«Die Wochenchronik erschien als Loseblattausgabe wöchentlich am Samstag und berichtete über Amtliches, Strassenbauarbeiten, Kurioses, Unfälle, Polizeinachrichten sowie liebevolle Bildreportagen aus den Quartieren, der Region und einzelnen Bauwerken. Die Loseblattausgaben wurden dann nach Jahrgängen, pro Buch ein Jahrgang, zur Buchausgabe gebunden. Format 25.5 x 32 cm, zwischen 400-600 Seiten, je nach Jahrgang.» Als Verlag zeichnete das «Art. Institut Orell Füssli».

Wer sich weiter in die Zürcher Wochen-Chronik vertiefen möchte, findet sie im Staatsarchiv des Kantons Zürich (StAZH Dm 25; Jg. 17 (1915)), im Stadtarchiv Zürich (STAR (Zürich) Pd 3 USTAR) oder im Schweizerischen Landesmuseum (SLM Ze ZH 9).

Quelle
  • Zürcher Wochen-Chronik, Jg. 17 (1915), S. 373-374
[Veröffentlicht am 10. November 2015]

Mittwoch, 30. September 2015

Septemberwetter 1965: ein paar schöne Nachmittage

Dass die Vegetation witterungsbedingt ziemlich im Rückstand war vor 50 Jahren, das hat sich in etlichen Wetter-Artikeln gezeigt, vgl. u.a. den zum August 1965. Reichlich Regen, nasse Wiesen, rotbraunes Futter: wahrlich kein gutes Jahr für die Landwirtschaft. Und in diesem Stil ging es auch im September weiter. Jedenfalls vorerst:

«September. Er beginnt in der ersten Woche mit wechselvoller Witterung, bald bedeckt, dann wieder bewölkt bis sonnig, aber auch Regenschauer dazwischen. Schlimmes Wetter für's Emden, aber auch für's Reifen von Obst und Trauben, Bohnen und anderem Gemüse gar nicht günstig. So geht’s fort bis zum 14.9. Darum ist auch jetzt noch der Wasserstand bei Rheinfelden überdurchschnittlich, nämlich:

am 6.9. langjähriges Mittel 1'026 m3/skde
tatsächliche Wasserführung 1'373 m3/skde
Vorjahr gleiche Zeit 686 m3/skde

Ab mitte Monat bessert's beträchtlich, da kommt endlich eine Reihe z.T. sehr schöner Nachmittage. Am Vormittag schleicht jeweils noch der Nebel um die Höhen, wie es ja im September üblich und auch recht ist; der "Traubenkocher" ist um diese Zeit willkommen. Die schönen Nachmittage reizen die Bauern zum nochmaligen Emden, wo wenigstens noch etwas zu holen ist. Gegen Ende Monat gibt's wieder eher unfreundliches Wetter; einzig der letzte Tag, der 30.9. ist wieder angenehm mild, sogar leicht sonnig am Nachmittag und Abend.

Höchsttemperaturen morgens 14°, mittags 20°, abends 16°
Tiefsttemperaturen morgens 5°, mittags 10°, abends 8°

Obst und Trauben stehen natürlich auch im Rückstand, man wird noch auf den Oktober hoffen müssen, vielleicht bringt er mehr Wärme und sonnigere Tage zum bessern Ausreifen.
»

Immerhin. Wenigstens ein paar schöne Nachmittage. Aber ob das für die Trauben gereicht hat?

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 7-8. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].

[Veröffentlicht am 8. November 2015]

Mittwoch, 16. September 2015

Einsatz der Massenmigrationswaffe gegen Europa?

Die neue Völkerwanderung ist Tatsache und Europa erweist sich in der Organisationsform EU in den letzten Tagen einmal mehr als unfähig, die geostrategisch richtigen Antworten zu finden. Das ist leider keine Neuigkeit, denn die Geschicke des Kontinents werden spätestens seit dem Ende des 2. Weltkriegs im Wesentlichen von Supermächten ausserhalb ihrer Grenzen gelenkt - trotz der Wirtschaftsmacht der EU-Staaten.

Dennoch reibt man sich die Augen. Die Migrationsströme aus und über «gescheiterte Staaten», an deren Zusammenbruch gerade die westliche Supermacht USA alles andere als unschuldig ist, sind ja nun weiss Gott keine Neuigkeit. Warum hat Europa keine (gemeinsamen) Massnahmen vorbereitet? Ist das nur Unwissenheit, Dummheit, Unfähigkeit oder gar Absicht?

Wie die Waffe funktioniert

Man hätte es längst wissen können. Bereits 2011 hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) das 2010 erschienene Buch «Weapons of Mass Migration» der amerikanischen Politikwissenschaftlerin Kelly M. Greenhill rezensiert. Die heute an der Tufts-Universität tätige Professorin kam damals auf den ziemlich beunruhigenden Schluss, dass die EU die Sanktionen gegen Muammar al-Gaddafi 2004 primär deshalb ausser Kraft setzte, weil dieser sich bereit erklärt habe, den anschwellenden Strom afrikanischer Migranten nach Europa einzudämmen. Es spricht einiges dafür, dass das stimmt: Gaddafi betonte ja bis kurz vor seinem Ableben immer wieder, dass nur ein funktionierender libyscher Staat (unter Leitung seines Clans) verhindere, dass sich Abertausende von seinen Gestaden aus auf den Weg ins gelobte Land (d.h. Europa) machten. Anders ausgedrückt: er setzte auf «migrationsgestützte Nötigung» (Greenhill) und liess sich sein Wohlverhalten mit Milliarden-Zahlungen abgelten.

Greenhill zeigte, dass diese Art von Erpressung keineswegs so selten vorkommt wie man vermuten könnte. Sie ist wohl eine der mächtigsten Waffen überhaupt. Massenmigrationswaffen werden nach Greenhill definiert als «grenzüberschreitende Bevölkerungsbewegungen, die absichtlich erzeugt oder manipuliert wurden, um von einem Zielstaat oder Zielstaaten politische, militärische und/oder wirtschaftliche Zugeständnisse zu erzwingen» [zit. n. Wisnewski 2014]. Man kann damit allerdings durchaus auch wirklich umwälzende Veränderungen geostrategischen Ausmasses anstreben, nämlich die faktische Ausschaltung oder gar Auslöschung der Zielstaaten.

Unterwanderungsstrategie

Strategisch eingefädelte Massenmigration wird gemäss Greenhill oft nicht als solche erkannt und wenn doch, wird ihre Bedeutung unterschätzt. Man sieht das Phänomen, erkennt aber die eigentlichen Hintergründe nicht. Nehmen wir die aktuell nach Europa einflutenden Syrer und Kurden (um nur zwei Volksgruppen zu nennen) als Beispiel. Ohne den gezielt inszenierten Bürgerkrieg gegen den syrischen Machthaber Assad und den orchestrierten Aufstieg des in vorher (durch Interventionen des Westens) destabilisierten Regionen wütenden Islamischen Staats, wären diese Leute kaum alle miteinander auf die Idee gekommen, alles zurückzulassen wofür sie und ihre Vorfahren ihr Leben lang gearbeitet haben, um ihr Heil bei uns zu suchen.

«Überschwemmung» mit Migranten ist eine erfolgversprechende Methode. Dies gilt insbesondere dann, wenn ein industrialisierter Staat eine liberale Politik verfolgt, die Stammbevölkerung tendentiell überaltert ist und eine tiefe Reproduktionsrate aufweist. Wenn die Integration in die bestehende Gesellschaft und den Arbeitsmarkt scheitert, dann belasten Migranten nicht nur die Sozialbudgets, sondern befeuern vor allem auch soziale Spannungen jeglicher Art. Und zwar sowohl bei den ursprünglichen Einheimischen, die sich bedrängt fühlen durch Konkurrenz um Jobs und fremde kulturelle Standards, sondern auch bei den Neuankömmlingen und ihren im Zielland geborenen Kindern, die feststellen müssen, dass die Perspektiven im gelobten Land auch alles andere als golden sein können und sie alles andere als willkommen sind.

Genau dieser mittel- und langfristige Destabilisierungseffekt - ausgelöst durch die Überforderung der Integrationskraft einer bestehenden Gesellschaft im Zielgebiet - kann das Kriegsziel des Angreifers sein. Die Zielländer der erfolgreichen Masseneinwanderung sind dann nämlich mit den Folgen der Migration mehr als nur beschäftigt - im schlimmsten Fall werden sie selber zu gescheiterten Staaten.

Wenn man sich die alles entscheidende Frage «Cui bono?» («Wem nützt's?») stellt, dann kommt man nicht umhin, aus mannigfachen Indizien (z.B. diesen Aussagen US-amerikanischer Exponenten, von ex-NATO-General Wesley Clark über Barack Obama bis zu George Friedman, dem Direktor des Think Tanks STRATFOR) den Schluss zu ziehen, dass gerade die Massenmigration von kulturell dem europäischen Abendland völlig fremden Menschen zur gezielten strategischen Unterwanderung Europas eingesetzt werden soll. Mit anderen Worten: dass die Türkei, Saudi-Arabien und Katar (um nur die wichtigsten Unterstützer zu nennen), gezielt die Islamisierung Europas anstreben. Denn wo sollen denn all diese (z.T. völlig unqualifizierten) Neuankömmlinge ein Auskommen finden? Europa kämpft ja schon ohne sie mit Massenarbeitslosigkeit und völlig zerrütteten Staatsfinanzen. So gesehen werden die Immigranten zu einer potenten Waffe.

Wenn man ausserdem die Worte Friedmans ernst nimmt, dass die Kombination deutscher Intelligenz und Finanzkraft mit russischen Rohstoffen und Arbeitskraft (also letztlich eine eurasische Allianz von Lissabon bis Wladiwostok) eine der wenigen Entwicklungen ist, welche die USA wirklich beunruhigen, weil sie sie existentiell gefährden könnten und wenn man weiss, dass sich die USA in den nächsten Jahrzehnten auf die Pazifikregion konzentrieren wollen, um das aufstrebende China in Schach halten zu können, dann kann man sich leicht vorstellen, wie nützlich diese Migranten sind, um Europa zu beschäftigen und einen Keil zwischen die west- und osteuropäischen Staaten zu treiben (man vergleiche die Reaktionen Ungarns und Deutschlands auf den Massenansturm und die aufgeregten gegenseitigen Vorwürfe ihrer führenden Politiker). In Kombination mit den Bündnisverpflichtungen innerhalb der NATO sowie mit dem gezielten Ausnützen von Spannungen innerhalb der EU, der Ukraine und anderer osteuropäischer Staaten im ehemaligen Einflussbereich der Sowjetunion verhindert diese Strategie letztlich ein Zusammengehen Deutschlands und Russlands.

Und was heisst das für uns?

Bezogen auf die Schweiz bedeutet dies meines Erachtens folgendes: wir sollten uns all dieser strategischen Interessen bewusst sein und uns von jeglichen Grossmachtgebilden distanzieren, seien es die USA, die EU, die NATO oder andere Machtblöcke. Eine institutionelle Einbindung in die EU, wie das von Brüssel immer wieder gefordert wird, ist ein unkalkulierbares Risiko für unsere Sicherheit. Im Binnenverhältnis gilt es primär, die Integrationskraft der Gesellschaft zu stärken - und zwar mit allen Mitteln, denn es gibt nichts Gefährlicheres als Ansammlungen von desillusionierten Menschen, die nichts zu verlieren haben und von fremden Interessen instrumentalisiert werden können.

Weil weder die Gemeinde Weiach, noch der Kanton Zürich und auch die Schweiz keine wirtschaftlichen Inseln sind, wird dies aber nur gelingen, wenn man sich wachen Sinnes allen Herausforderungen stellt - und dennoch nie vergisst, was die Willensnation Schweiz im Innersten zusammenhält. Das ist eine Herkules-Aufgabe. Aber wir dürfen ihr nicht ausweichen. Das sind wir den Gründern unseres Staatswesens, den heute hier Lebenden und letztlich der Zukunft dieses Planeten schuldig.

Weiterführende Artikel

Dienstag, 15. September 2015

Zehn Jahre www.weiach.ch

Heute vor 10 Jahren hat die Gemeinde Weiach erstmals ihre Website www.weiach.ch auf dem Netz aufschalten lassen. Sie war mit ihrem Webauftritt eine der letzten politischen Gemeinden im Kanton Zürich - aber immerhin nicht die letzte im Bezirk Dielsdorf.

Wie es dazu kam und wie der Autor des WeiachBlog die Neuerscheinung kommentiert hat, kann in den Weiacher Geschichte(n) Nr. 71 nachgelesen werden: «Keine verspielte, teure und nutzlose Selbstdarstellung». Zur Erstaufschaltung der Website der Gemeinde Weiach – 15. September 2005. (Im Oktober 2006 ging dann übrigens auch die Reformierte Kirchgemeinde Weiach online, vgl. den Beitrag auf WeiachBlog vom 15. Oktober 2006.)

Zweites Redesign

Sozusagen auf das 10-Jahr-Jubiläum hin hat sich die Gemeinde eine Auffrischung des Designs geleistet. Die letzte solche Aktion erfolgte vor drei Jahren noch unter dem früheren Präsidenten Paul Willi, wobei damals leider weitgehend «alter Wein in neuen Schläuchen» angeboten wurde, vgl. den WeiachBlog-Beitrag vom 27. Mai 2012, der etliche Mängel auflistet, sowie den Beitrag vom 7. Mai 2012: «ffnungszeiten». Gemeindewebsite völlig veraltet.

Angekündigt wurde die Neuerung in den jüngsten Mitteilungen für die Gemeinde Weiach (MGW; September 2015, S. 4):

«Gerne informieren wir Sie darüber, dass am 1. September 2015 die neue Homepage der Gemeindeverwaltung Weiach aufgeschaltet wird. Die neugestaltete Website bietet den Besuchern neue Dienstleistungen an wie zum Beispiel den Online-Schalter, von welchem man schnell und einfach die gewünschten Formulare oder Verordnungen herunterladen oder auch ausdrucken kann. Ausserdem besteht auf der neuen Homepage die Möglichkeit den Gemeindesaal direkt von zu Hause oder unterwegs mit dem neuen Online-Reservationssystem zu reservieren oder sich durch die Bildergalerie mit neu gemachten Bildern der Gemeinde Weiach zu klicken.

Wir freuen uns, wenn Sie einen Blick auf die neue Homepage werfen und hoffen, dass wir Ihnen mit den neuen Dienstleistungen weiterhelfen können.

Neben der neuen Homepage wird es auf der Gemeindeverwaltung die Möglichkeit geben, Zahlungen über ein Zahlterminal durchzuführen. Mit Hilfe des Zahlterminals können Zahlungen am Schalter nicht mehr nur bar, sondern auch mit EC-Karten sowie Postfinance-Karten ausgeführt werden.
»

Seit dem 1. September ist tatsächlich der neue Webauftritt online - samt aktuellem MGW September 2015 (was sonst nicht immer auf den Monatsersten klappt).



Es geschehen noch Zeichen und Wunder

Als langjähriger Beobachter des Webauftritts stellt man fest: endlich ist auch auf der Weiacher Gemeindeverwaltung die Erkenntnis angekommen, dass die wichtigsten Grundlagen aufs Netz gehören.

Besonders lobenswert sind aus der Sicht des Stimmbürgers die «Weisungshefte und Protokolle» zu den Gemeindeversammlungen, die separat und parallel zu den MGW bislang nur in gedruckter Form in die Briefkästen verteilt wurden. Aktuell online: die Dokumente zur «Gemeindeversamlung vom 10. Juni 2015» [sic!].

Weiter ist eine ganze Reihe von Erlassen und Dokumenten, die im Leben der Gemeinde von einiger Wichtigkeit sind, nun endlich online verfügbar: Allgemeine Bedingungen für Baubewilligung, Bau- und Zonenordnung, Bau- und Zonenplan, Gesuch Wasseranschluss, Friedhofsverordnung, Spesenbeleg, Wirtepatent, Wirtepatent befristet mit Polizeistundenverlängerung, Gemeindesaal Benützungsreglement, Anmeldung Sozialhilfe, Abfalldokumentation, Abfallkalender 2015, Gebührenverordnung SEVO, Siedlungsentwässerungsverordnung (SEVO), Wasserreglement mit Gebühren-Verordnung.

Zwei Wochen nach dem Designwechsel ist nun die bei der Neuaufschaltung am 1. September noch fehlende Polizeiverordnung ebenfalls online verfügbar. Wenn auch nur das Hauptdokument. Der Anhang zur PolVo Weiach, das «Reglement über das gemeinderechtliche Ordnungsbussenverfahren» samt Ordnungsbussenliste fehlt hingegen nach wie vor.

Wieso fehlt die Verfassung?

Völlig unverständlich ist, weshalb die «Gemeindeordnung» fehlt. Dabei handelt es sich immerhin um die Verfassung der Gemeinde - und ausgerechnet die kann man weder herunterladen noch in den Warenkorb legen. Liebe Gemeindeverwaltung: stellt bitte endlich auch die Gemeindeordnung als PDF ins Netz. Solltet ihr die nicht in elektronischer Form vorliegen haben kann man sie notfalls retrodigitalisieren. Das ist heutzutage keine Hexerei mehr - zumal ihr ja junge Mitarbeiter in der Kanzlei habt, die das als Digital Natives mit links können sollten.

Nach wie vor mangelhafte Qualitätssicherung

In Bezug auf die Qualitätssicherung muss nach wie vor Remedur geschaffen werden. Es macht einen denkbar schlechten Eindruck wenn gleich auf der Titelseite etliche Schreibfehler auftauchen: wie «Jugenschiessen» oder «Ausstelllung». Oder von der «Gemeindeversamlung» die Rede ist. Oder auf jeder Seite unten ein Link «zum Seitananfang» steht.

Ist in den Erfassungsmasken keine Rechtschreibkorrektur eingebaut? Oder ist es den Verantwortlichen ganz einfach egal? Dieser Missstand ist übrigens seit Jahren immer wieder festzustellen (auf der Website wie in den MGW), wie Stilblüten à la «Amtilche Publikation» belegen, vgl. nachstehendes Bild vom Juni 2012 (noch mit dem alten Design).



Neuer Webdesigner

Wie man der praktischen Fussleiste (siehe Bild unten) mit den Kontaktdaten und Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung entnehmen kann, wurde der neue Auftritt auch von einem neuen Designerteam gestaltet. Grundlage für die Gemeindewebsite ist nicht mehr die seit 2005 verwendete GemWeb-Umgebung der innovative Web AG aus Zürich. Neu kommt das Produkt eines ausserkantonalen Unternehmens zum Einsatz (vgl. Impressum):

«Gemeinsam mit der Internetagentur backslash AG, Frauenfeld, und deren eGovernmentlösung GOViS entwickelte die Gemeinde Weiach diese behindertengerechte und zukunftsgerichtete Website. Die Website wurde am 1. September 2015 aufgeschaltet.»



Preis-Leistungs-Verhältnis ausschlaggebend

Wie Gemeindepräsident Arnold heute gegenüber WeiachBlog auf telefonische Anfrage hin mitteilte, sei es mit dem alten Produkt nicht möglich gewesen, moderne Anforderungen (mehrere Bilder pro Seite etc.) zu realisieren. Deshalb habe sich der Gemeinderat von zwei Anbietern neue Lösungen präsentieren lassen. Bei Webauftritten sei es im übrigen wie bei Häusern, wo man den Architekten am Stil erkenne. Sie hätten sich deshalb auch mehrere Referenz-Websites anderer Gemeinden angesehen. Letztlich habe das Preis-Leistungs-Verhältnis den Ausschlag für den Anbieter aus dem Thurgauer Kantonshauptort gegeben.

Dass es auf der Website noch viel zu tun gibt, wird von Arnold keineswegs bestritten. Im Gegenteil. Er habe schon auf mehrere zu korrigierende Punkte hingewiesen, die nun von der Gemeindeverwaltung richtiggestellt werden müssten. Diese Wartungsarbeiten habe der Gemeinderat aus Kostengründen nicht an die backslash AG vergeben.

Nun, da darf man gespannt sein, wie sich das Baby «Website 2015plus» entwickelt.

Freitag, 11. September 2015

Der Callcenter-Pest den Riegel schieben

043 508 10 06, 043 508 11 19, 043 508 14 52, 043 508 23 68. Vier Telefonnummern, von denen aus ich in den letzten Tagen angerufen wurde. Ein Blick ins Telefonverzeichnis zeigt: das sind samt und sonders anonyme «Call Center».

Wie man einem Beitrag von SRF online vom 28. April 2015 entnehmen kann, stehen die wohl mehrheitlich irgendwo im Ausland:

«Die Callcenter rufen von Schweizer Festnetznummern aus an: Aber nur zum Schein. Die Nummern stehen nicht im Telefonbuch, sie sind Firmen zugeteilt, die ganze Nummernblöcke an Dritte weiter vermieten - auch ins Ausland. Spoofing nennt sich das zweifelhafte Verhalten dieser Callcenter. Die grossen Schweizer Callcenter würden nicht hinter den Anrufen stecken, sagt Dieter Fischer, Präsident des Verbands Callnet, in dem die grössten Schweizer Callcenter vertreten sind.»

Kommt noch dazu: Oft werden die Anrufe von Computern getätigt, die (ob wahllos oder systematisch sei dahingestellt) Mobiltelefon-Nummern aufrufen um zu testen ob sie aktiv sind oder nicht.

Solche Nummern sind oft nicht in öffentlichen Telefonverzeichnissen aufgeführt. Sie können also auch keinen Stern-Eintrag aufweisen, der signalisiert, dass die Person im Besitz des betreffenden Anschlusses keine Werbeanrufe wünscht. Diese wären gemäss Art. 3 Abs. 1 Bst. u UWG unlauterer Wettbewerb: Unlauter handelt, wer «den Vermerk im Telefonbuch nicht beachtet, dass ein Kunde keine Werbemitteilungen von Dritten erhalten möchte.»

Wieso stehen diese Firmen nicht mit Namen hin?

Eine Suche nach dem Begriff «Call Center» auf tel.search.ch ergibt zur Zeit 199 Einträge. Einige gehören eindeutig zu (teils namhaften) Firmen andere sind völlig anonym.

Gerade letzteres sollte gesetzlich verboten werden. Jedes Call Center ist eine geschäftlich tätige Entität, die gefälligst zu ihrem Tun zu stehen hat. Mit vollem Namen und Adresse. Alles andere ist meines Erachtens unlauterer Wettbewerb und sollte bestraft werden.

Das Gesetz ist da ganz deutlich (vgl. Art. 3 Abs. 1 Bst. s Ziff. 1 UWG):

«Unlauter handelt insbesondere, wer: [...] Waren, Werke oder Leistungen im elektronischen Geschäftsverkehr anbietet und es dabei unterlässt: [...] klare und vollständige Angaben über seine Identität und seine Kontaktadresse einschliesslich derjenigen der elektronischen Post zu machen.»

Leider können sich aber Call Center auf eine Ausnahmebestimmung in Art. 3 Abs. 2 UWG berufen:

«Absatz 1 Buchstabe s findet keine Anwendung auf die Sprachtelefonie und auf Verträge, die ausschliesslich durch den Austausch von elektronischer Post oder durch vergleichbare individuelle Kommunikation geschlossen werden.»

Hintertürchen schliessen!

Das SECO als zuständiger Regulator in dieser Sache muss sich die Frage stellen: weshalb hat man diese Hintertüre offengelassen?

Eine geeignete Gegenmassnahme gäbe es: die gemäss tel.search.ch 301 Nummern des 10'000er-Blocks 043 508 xx xx samt und sonders sperren. Die sind nämlich zu über 90% anonymen Call Centern zugeordnet.

Sollte sich die Qatar Airways (Zweigniederlassung Zürich: 043 508 05 78) daran stören, müsste sie halt ihre Nummer wechseln.

Nachtrag vom 14.9.2015

Auf der BAKOM-Seite https://www.eofcom.admin.ch/eofcom/public/listEofcom_e164Allocated.do kann man die E.164-Nummernblöcke abfragen und so herausfinden wer sie gemietet hat. Im Fall des 10'000er-Blocks 043508xxxx ist dies die Voxbone SA, Avenue Louise 489, 1050 Bruxelles, Belgien!

Freitag, 4. September 2015

Hagelzug 1715 und ein Bericht zur Sonnenfinsternis 1706

Vor 150 Jahren hat Rudolf Wolf in der Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft Zürich (1746 gegründet) ein paar Einträge zu Witterung, Ernte und anderen Besonderheiten aus «handschriftlichen Chroniken» veröffentlicht, die er in der Stadtbibliothek Winterthur gefunden hat. Leider gibt Wolf keinerlei Hinweise, aus welchen Unterlagen er da geschöpft hat (auch nicht im ersten Teil der Zusammenstellung). Eine Rückverfolgbarkeit ist daher sehr schwierig. Dennoch seien hier die Weiach betreffenden Einträge erwähnt.

Auf den Tag genau vor 300 Jahren traf ein Unwetter unsere Gegend, welches dergestalt war, dass es den Chronisten offenbar eine Notiz wert war: «1715 [...] IX 4 Hagel über Weyach, Eglisau, Rafzerfeld, Flachthal bis Winterthur.» (Wolf, S. 190)

Ebenso interessant ist der folgende Augenzeugenbericht zur grossen Sonnenfinsternis vom 12. Mai 1706 (vgl. dazu die weiterführenden Beiträge unten):

«1706 [...] V 12 von 10 Uhr an war ein Finsternuss, da war ich (Bucher) by der Metzg, da war die heilig Sonn so überal verfinstert, dass es so finster war, dass man bi Schrit in der Metzg einanderen nit känte und man sah den Himmel voller Sternen.» (Wolf, S. 189)

Quelle
Weiterführende Beiträge

[Veröffentlicht am 29. Dezember 2015]

Montag, 31. August 2015

Augustwetter 1965: Bindemäher ratterten ohne Unterlass

Der Titel des Artikels über das Juliwetter 1965 gibt auch für den Folgemonat den Takt vor: Alles zwei Wochen im Rückstand. Dieser Umstand war auch im August vor 50 Jahren für den Dorfchronisten von Weiach prägend:

«August. "1. August – und sozusagen noch nichts geerntet, während andere Jahre um diese Zeit Hard und Hasli schon voller Puppen und Garben standen", steht am Beginn dieses Monats. Während die ersten paar Tage noch unsicher, weil neblig und dann bewölkt, waren, begann nun endlich um den 4.8. herum das rechte Erntewetter; und jetzt ging’s im Feld unten zu, ohne Unterlass rattern Bindemäher und Mähdrescher drauf los. Am 9.8. geht nun auch das Dreschen im Dreschgebäude an. "Vor 1 Jahr den Weizen am 27.7. meist daheim, dies Jahr am 2.8. den ersten und am 12.8. den letzten heimgeführt", äussert Nachbar Meierhofer. Die erste Monatshälfte hielt sich demnach ordentlich, nur wenig Regen; aber vom 20.8. an ändert’s, fast täglich kürzere Regenschauer gewittrigen Charakters, sodass die "Frucht" vielfach nicht die für Mähdrescher notwendige "Todreife" aufweist und darum einer künstlichen Nachtrocknung bedarf. Auch zum Emden ist’s natürlich denkbar ungünstig.

Höchsttemperaturen morgens 19°, mittags 29°, abends 23°
Tiefsttemperaturen morgens 9°, mittags 15°, abends 12°

Immer noch führt der Rhein viel Wasser. Eine Wasserstandsmeldung vom 9.8. bei Rheinfelden besagt:
Langjähriges Mittel  1'226 m3/skde
Tatsächliche Wasserführung  1'779 m3/skde
Vorjahr gleiche Zeit  609 m3/skde
»

Ein enges Zeitfenster von zwei Wochen also für die Getreideernte und das Emden. Da werden wohl nicht alle fertig geworden sein. Und mancher wird in der zweiten Monatshälfte ein langes Gesicht gemacht haben.

Ungewöhnlich für Zollinger: die Wasserstandsmeldung aus Rheinfelden. Das liegt dann doch weit von Weiach entfernt und zudem unterhalb der Aaremündung bei Koblenz.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 7. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].
[Veröffentlicht am 6. September 2015]

Mittwoch, 12. August 2015

Datierungsverwirrungen - Stilus novus vs. Stilus vetus

Bei der Durchsicht der aktuellen Zugriffe auf WeiachBlog sind mir zwei Zugriffe auf einen Beitrag vom Januar 2010 aufgefallen. Der Artikel handelt von einem Ehrverletzungsprozess vor dem Dorfgericht zu Weyach, der vor rund 400 Jahren verhandelt wurde.

Damals war das reformierte Zürich kalendermässig anders ausgerichtet als die katholisch geprägte Nachbarschaft. Zwischen 1582 und 1700 stützte sich die Zürcher Obrigkeit noch auf den julianischen Kalender, die katholischen Obervögte des Fürstbistums Konstanz datierten ihre Schriftstücke aber bereits mit dem gregorianischen Zeitmass.

Weyach lag an der Schnittstelle zwischen diesen zwei Herrschaftsbereichen. Mit der Hochgerichtsbarkeit gehörte es zu Zürich, mit den niederen Gerichten zum Fürstbischof. Die Weiacher mussten als erste Gerichtsinstanz - anders als alle anderen Einwohner des Neuamts - ihr Dorfgericht anrufen. Für sie war nicht das Amtsgericht der Obervogtei Neuamt zuständig.

Novus oder vetus? Man muss genau hinschauen

So kommt es, dass man bei Gerichtsakten aus Weiach bei der Datierung immer im Hinterkopf haben muss, dass sie fürstbischöflich - und mithin ab 1582 gregorianisch ist.

In der Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen (SSRQ) wird man im Band Neuamt in der Datierungszeile daran erinnert. Im Falle des einleitend angesprochenen Prozesses mit folgender Notation: «1612 Mai 9, 17 [St. n.] und 16 [St. v.]».


«St. n.» steht für «Stilus novus», also die Datierung im neuen Stil, d.h. nach dem gregorianischen Kalender. «St. v.» steht dagegen für «Stilus vetus» (ab und zu auch «Stilus antiquus» genannt), der Datierung im alten Stil, also nach julianischem Kalender.

Kreuzfalsch umgesetzt

Im Artikel vom 10. Januar 2010 habe ich die beiden Angaben ärgerlicherweise genau übers Kreuz falsch umgesetzt. Standen doch da bis heute die folgenden Sätze:

«Am 9. Mai 1612 nach julianischem Kalender fand vor dem Dorfgericht zu Weiach ...», «Am 17. Mai 1612 tagte das Dorfgericht erneut ...», sowie «Ende Mai 1612 (genau: am 16. Mai nach gregorianischer Zeitrechnung) sahen die Räte der Stadt Zürich ...»

Wenn man weiss, dass 1582 der gregorianische Kalender dadurch eingeführt wurde, dass 10 Tage ausgelassen wurden (auf den 4. Oktober folgte der 15. Oktober), dann merkt man sofort, dass besonders der letzte Satz absoluter Blödsinn ist. Umgekehrt wird ein Schuh draus.

Seit heute ist der Fehler direkt im Artikel korrigiert: Selbstbefriedigung an einem Weidenbaum?; WeiachBlog Nr. 738.

Sonntag, 9. August 2015

Der 1. Weltkrieg stoppte den Vormarsch des Hochdeutschen

In der Deutschschweiz ist der Dualismus zwischen Dialekt und Hochdeutsch weit verbreitet. Der Dialekt wird vor allem gesprochen (daher auch der Begriff «Mundart»). Das Hochdeutsche hingegen - auch als «Standardsprache» bezeichnet - wird vor allem geschrieben (daher der Begriff «Schriftsprache»).

Standards erleichtern zwar die Verständigung...

Dieser Blog ist ein gutes Beispiel. Er handelt von einem kleinen Fleck Erde (knapp 10 Quadratkilometer), von seiner näheren Umgebung und von den Menschen, die mit ihm in irgendeiner Beziehung stehen und gestanden haben. Wenn ich das hier Geschriebene quasi nur für die Eingeborenen vorgesehen hätte, dann könnte ich ihn auch im Zürcher Unterländer Dialekt verfassen.

Das Problem dabei: es gibt keine wirklich allgemein akzeptierte Art und Weise, schweizerdeutsche Dialekte zu schreiben. Wohl gibt es Wörterbücher für so ziemlich alle Varianten hiesiger Dialekte. Die sind aber (anders als Wörterbücher der Standardsprache wie der «Duden» oder der «Wahrig») in der Regel nicht Teil der Ausbildung an den öffentlichen Schulen.

So kommt es, dass einem oft die passenden Buchstaben fehlen, um gewisse Dialektlaute in Schrift umzusetzen. Es muss quasi jede(r) seinen bzw. ihren eigenen Weg finden. Das fördert zwar die Kreativität. Die Schwierigkeiten beim Schreiben treten dann natürlich spiegelbildlich beim Lesen eines von Dritten niedergeschriebenen Dialekttextes auf. Manchmal muss man sich das Vorliegende im Geiste (oder gar laut) vorlesen - dann versteht man auch besser was gemeint ist. Und das geht wohl nicht nur mir so.

Hochdeutsch dient also der besseren Verständigung, sowohl innerhalb des eigenen Landes (z.B. mit den Romands) als auch mit Personen aus anderen deutschsprachigen Regionen.

... aber Sprache transportiert eben auch Identität

Die Wahl der Sprachform hat jedoch nicht nur etwas mit Verständlichkeit zu tun. Sprache muss nicht nur praktische Nützlichkeit aufweisen. Es geht auch um Identität und Selbstbehauptung. Und letzteres dürfte denn auch der tiefere Grund sein dafür, dass man hierzulande eisern am Dialekt festhält - ja ihm sogar noch weitere Verbreitung verschafft und zubilligt. Dialekt ist gerade bei Lokalradios heutzutage Standard - mit Ausnahme der Nachrichtenbulletins. Selbst in den «heiligen» Sendegefässen des Staatsfernsehens SF DRS wird immer mal wieder Dialekt verwendet. Selbst im Printbereich gibt es Ansätze: die Pendlerzeitung «Blick am Abend» lässt alle paar Monate eine Ausgabe in Dialekt schreiben.

Das muss erlaubt sein, schliesslich ist Deutsch auch aufgrund der von vielen Kleinstaaten geprägten Geschichte der deutschsprachigen Landen von Niederösterreich über Sachsen, Vorpommern, Schleswig-Holstein und das Rheinland bis ins Südtirol und Oberwallis eine sogenannt plurizentrische Sprache. Eine Sprache mit vielfältigsten dialektalen Färbungen, wie sie eigentlich ganz natürlich ist (beim Französischen war das früher auch noch viel eher der Fall).

Standardisierung ist ein imperiales Konzept. Eine Vereinheitlichungsmaschine, die grosse Landstriche und Bevölkerungsmassen auf Linie bringen soll. Mit ähnlichen Sprachen können Nationen zusammengezimmert werden, wegen besserer Verständigung und der Schaffung einer neuen Identität. Die gewonnene Schlagkraft kann dann in die Eroberung von Kolonien - oder sonstige Ausdehnung der eigenen Einflusssphäre umgesetzt werden. Standardsprache ist kulturelle Machtentfaltung.

Zerreissprobe Erster Weltkrieg

In der prosperierenden, langen Zeit relativen Friedens von 1871 bis 1912 spürte man in der Schweiz zwar die Muskeln des Deutschen Reichs, fühlte sich aber nicht unmittelbar bedroht. Mit der auf globalen Massstab ausgeweiteten Neuauflage des Konflikts Deutschland - Frankreich stellte sich aber die Frage, ob man nun deutsch sei oder französisch. Oder eben etwas Eigenes.

Die Eliten beidseits des Röstigrabens, die die jeweilige Standardsprache der grossen Hegemonialmächte zur kulturellen Abgrenzung von den niederen Ständen verwendeten, mussten sich entscheiden. Und sie entschieden sich für die Schweiz. Für ein Land mit sprachlichem Erbe aus mindestens drei nationalen Kulturkreisen (Deutschland, Frankreich, Italien) aber eben eigener Identität.

Historischer Zufall?

Die Frage der Journalistin Julia Wartmann von der Limmattaler Zeitung: «Warum wird in der Schweiz überhaupt noch Dialekt gesprochen, während in Deutschland die Standardsprache dominiert?» wurde von der Sprachwissenschaftlerin Ingrid Hove wie folgt beantwortet:

«Die Tatsache, dass in der Schweiz immer noch Mundart gesprochen wird, ist ein historischer Zufall. Im 18. und 19.  Jahrhundert hatte sich das sogenannte Hochdeutsch als Alltagssprache in Deutschland ausgebreitet, und zwar tendenziell von Norden nach Süden. Diese Entwicklung war zu Beginn des 20. Jahrhunderts sogar in Basel und Zürich angekommen.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs distanzierten sich die Schweizer jedoch bewusst von Deutschland und behielten ihre Dialekte bei. War man vor etwas mehr als hundert Jahren noch davon überzeugt, dass sich die Standardsprache auch in der Schweiz als Alltagssprache durchsetzen würde, ist eine Abwendung vom Schweizerdeutschen heutzutage nicht in Sicht

Wenn man den 1. Weltkrieg als Zufall ansieht, dann ist wohl auch der Entscheid für den Dialekt einer.

Ich glaube allerdings, dass diese Entwicklung angesichts der Grundkonstruktion der Schweiz als eine Art Antithese zum Konzept «sprachlich homogener Nationalstaat» zwingend war. Zur Sicherung seines Überlebens ist unser Land nun einmal auf eine eigene Identität angewiesen. Und die ist letztlich auch eine Frage des eigenen sprachlichen Ausdrucks. Ein mündlicher Aufstand gegen alle Standardisierungsversuche.

Quelle