Montag, 1. Mai 2017

Inventar über den Inhalt des Turmknopfs, Mai 1967

Im Zuge der Renovation eines Kirchturms wird traditionellerweise auch der Turmknopf vom Dachreiter geholt und geöffnet. So war das auch bei der letzten grossen Restauration der evangelisch-reformierten Kirche Weiach.

Die Kugel wurde am 25. April 1967 abmontiert, der Inhalt am 1. Mai 1967 - also heute vor 50 Jahren - inventiert. Und zwar durch Walter Zollinger, der einige Zitate aus den Turmkugeldokumenten in seiner Monographie «1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach» an Ostern 1972 erstmals (für die Nachwelt nachvollziehbar) in den Kontext stellte.

Im Sinne eines Vorabdrucks der in Vorbereitung stehenden vollständigen Text-Edition der «Weiacher Turmkugeldokumente» in der Reihe «Wiachiana Fontes» (Bd. 1 bis 3) soll hier die von Zollinger eigenhändig erstellte Inventarliste präsentiert werden:


A. Schriftliche Dokumente

N° 1 von 1659 durch Pfr. Hs. Rud. Erny
Text stark verrostet, z. kl. Teil defekt, daher allerlei unleserlich geworden.

N° 2 von 1706 durch Pfr. Heinrich Brennwald
Bewilligung des Kirchenbaues, zieml. genaue Beschreibung davon, Handwerker, Stillstände & weitere Behörden, sogar Schulmeister ist genannt.

N° 3 von 1763 durch Pfr. Hartmann Escher
nach 57 Jahren erste Kirchturm-Reparatur;
a. neu beschindeln: Michel & Lorenz Schwarz
b. gerüsten & decken: Meister Felix Volkart

N° 4 von 1763, Beigabe v. Hch. Volkart Nöschikon, Mahler
Solly deoglorya. sonst fast unleserlich

N° 5 von 1820 durch Pfr. Joh. Hch. Burkhard
wieder nach 57 Jahren, Kirchturm beschindeln [?] Jakob Thomann v. Ranggenschweil (Schwarzwald). Teuerung & Beigaben über 1817.

N° 6 von 1836 durch Pfr. Burkhard (wie oben)
Gebete, Lieder & Weiherede zum Neubau des jetzt noch benützten Schulhauses (30 Seiten)

N° 7 von 1850 durch Pfr. Konr. Hirzel u.a.
Ortsbeschreibung von Weiach (65 Seiten!!)
Allgemeiner Teil: Umfang & Bodenbeschaffenheit, Gelände & Wasserleitung, Bevölkerung, Strassen & Wege.
Spezieller Teil: Feldbau – Wiesenbau – Obstbau – Weinbau – Waldbau – Viehzucht – Dungstätten & Dünger – Technische Gewerbe & übrige, in das Gebiet der Landwirtschaft ge-hörende Versuche
(Verfasser sind: Pfr. Hirzel, Prsdt. Baumgartner, Schulpfleger Baumgartner, Hs. Hch. Willi Vieharzt.)

N° 8 von 1855 durch Pfr. Conrad Hirzel & Schreiber Jakob Morf, Lehrer.
Teilweise neue Beschindelung, Anstrich des Kirchturms, Erstellen einer neuen Zeittafel Nord-seite & der bisherigen aus Eisenblech, Vergoldung der Knöpfe, Anbringung einer Balance & Neubemalen der Fahne, etc.
Wichtige Stelle: Standort des alten Kirchleins, etc.

N° 9 von 1863 durch Pfr. Ludwig Schweizer
Vertrag [?] Baumeister Knabenhans i. Seefeld. Blitzableitung, Wetterfahne, Stern & Knöpfe, Schindel-Ergänzung, Malarbeiten, Buge im Innern neu verklammern, Dachreparatur. 1250 Fr.

N° 10 von 1878 durch Pfr. Johann Stünzi
Vertrag mit Josef Kaiser v. Ballenberg (Schwarzwald)
Helm reinigen, Schindelbeschläge ausbessern, Anstrich [?] „gut abgekochtem Leinöl“, Fahnenstange streichen, bisher vergoldete Turmteile frisch vergolden, auch Zeiger.

N° 11 von 1886 durch Pfr. Johann Stünzi
Vertrag mit Hochbauflaschner Gyr St. Gallen. Eindecken des Turms mit neuen, gestanzten Kupferschindeln 150 x 85 mm, 4 kg Blechgewicht per m2, Sprengung 50 mm, Kupferstiften [?] 25 mm Länge, je 2.


B. Münzen und Medaillen

1. von 1820: Medaillon von Zürich, d = 77 mm
„Andenken von der Grossen Theurung im Jahre 1817.“
Ringsum angeordnet wie Blütenblätter geformte rote Papierblätter mit aufgedruckten Angaben zu den Preisen der wichtigsten Lebensmittel (16).

2. von 1855 (vermutlich) Münzen.
17 Päcklein mit Münzen verschiedener Kantone und 17 Einzelmünzen, zieml. abgewetzte


C. Büchse, 1855 erstellt für diese Dokumente

26 cm hoch, 11,5 cm Durchmesser



Und heute?

Darüber, was heute im Turmknopf enthalten ist, gibt der Artikel Zeitmaschine Kirchturmkugel (WeiachBlog Nr. 229, 21. Juni 2006) Auskunft.

Der volle Wortlaut des nach der Restaurierung in die Turmkugel gelegten Dokuments der Kirchenpflege ist in der Monographie «ein nöüer Kirchenbauw allhier zu Weyach». 300 Jahre Kirche Weiach, 1706–2006. (Autor Ulrich Brandenberger, Weiach 2006, Online-Ausgabe 2007) auf den Seiten 57-60 abgedruckt (nicht ab S. 58, wie im Inhaltsverzeichnis irrtümlich angegeben).

[Veröffentlicht am 5. November 2018 um 12:25 MEZ]