Freitag, 28. Februar 2025

IG-Nor(e)d. Schülerprivilegierung nur für Südschneiser

Mit Erstaunen registriert man zum 25. Jahrestag des nachstehend reproduzierten NZZ-Beitrags, dass die Gemeinde Weiach nicht mehr Mitglied der IG Nord ist. Warum eigentlich? 

Diese Stimme der «Nordschneiser» ist für den Gemeinderat offenbar kein unverzichtbares Gegengewicht mehr zu mächtigen Gegenspielern, insbesondere aus dem Süden, die lautstark eine Kanalisierung des Fluglärms auf den Norden verlangen.

Die Interessengemeinschaft IG Nord verleiht denjenigen Gemeinden, die seit einem halben Jahrhundert die Hauptlast hauptsächlich der Landungen auf dem Zürcher Flughafen (Pisten 14 und 16) zu ertragen haben, eine eigene Stimme.

Es reicht nicht, wie Weiach heute lediglich Mitglied beim Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Zürich (SBFZ) zu sein. Das zeigt die eklatante Bevorzugung der von den Aktivisten des 2002 gegründeten VFSN «Südschneiser» genannten Bewohner der Region auf Pfannenstil und am Zürichsee durch Politik, Regierung und Flughafendirektion:

Unmut im Norden des Flughafens

«asp. Mit Unmut reagiert die Interessengemeinschaft Nord, in der sich die nördlichen Anrainergemeinden des Flughafens zusammengeschlossen haben, auf die jüngste Entwicklung auf dem Flughafen Zürich Kloten. In einer Verlautbarung mit dem Titel «Wo bleibt das Verständnis für den Norden?» weist sie darauf hin, dass wegen der Sperrung der Hauptstartpiste und der damit verbundenen vorübergehenden Änderung des Pistenbenützungskonzeptes im Zuge der 5. Bauetappe den Schulen in den Südgemeinden gewisse Entlastungen mit Lärmschutzfenstern und Beiträgen an zusätzliche Klassenlager zugesprochen worden sind. 

Die Interessengemeinschaft schreibt mit spürbarer Verbitterung in einer Verlautbarung, es falle auf, dass die Region im Norden des Flughafens einmal mehr vergessen worden sei oder einfach übergangen werde. Obwohl in Höri, Stadel und Weiach Schulanlagen unter der Anflugachse der Piste 14 liegen, hätten sich keine Verantwortlichen dafür interessiert, ob die rund 42 000 Landeanflüge in den Monaten Juni bis August den Schulunterricht stören. Auch in der Region Nord freuten sich Kinder und Eltern über jeden Beitrag, welcher eine Verbesserung einer als unhaltbar zu bezeichnenden Situation ermögliche. Die Interessengemeinschaft Nord hofft, dass das vielfach versprochene Lärm-Management rasch eingeführt wird und insbesondere der Bevölkerung im Norden des Flughafens eine ausreichende Nachtruhe sichert. Dabei wird darauf verwiesen, dass im vergangenen Jahr mehr als 52 Prozent der gesamten Flugbewegungen über das Gebiet nördlich des Flughafens abgewickelt worden sind.»

Ein halbes Jahrhundert belärmt

Nächstes Jahr ist es so weit: Weiach und alle weiteren Gemeinden in der Anflugschneise der V-Piste 14 werden dann seit einem halben Jahrhundert als Lärmkübel missbraucht. Wie selbstverständlich. Man ignoriert uns einfach. Wie gehabt.

Von Beiträgen an zusätzliche Klassenlager für die geplagten Weiacher Schülerinnen und Schüler oder dergleichen Entgegenkommen seitens der Regenten in der Stadt hätte WeiachBlog jedenfalls noch nie etwas gehört. 

Kurz: Ein Skandal. Für die «Südschneiser» war und ist das aber völlig in Ordnung. Sie halten sich schliesslich für etwas Besseres. Bis heute glauben sie, Südanflüge seien «unzulässig». 

Quellen und Literatur

  • asp.: Unmut im Norden des Flughafens, Neue Zürcher Zeitung, 29. Februar 2000 – S. 48.
  • IG Nord: Umverteilung des Flugverkehrs im Sommer: Wo bleibt das Verständnis für den Norden? In: Neues Bülacher Tagblatt, 2. März 2000.
  • Brandenberger, U.: Fluglärm stört Abdankungsfeiern. WeiachBlog Nr. 190, 13. Mai 2006.
  • Brandenberger, U.: Terrible simplificateur aus der Südschneise. WeiachBlog Nr. 417, 5. April 2007.
  • Brandenberger, U.: Zürcher Arroganz – live in der Helferei. WeiachBlog Nr. 481, 8. Juni 2007.
[Veröffentlicht am 29. Dezember 2025 um 19:15 MEZ]