Samstag, 13. Mai 2006

Fluglärm stört Abdankungsfeiern

Wenn Weiach «Anflugdienst» hat, dann ist es mit der Totenruhe auf dem Friedhof vorbei. Das spürt man besonders bei Abdankungsfeiern, die traditionsgemäss unter offenem Himmel vor dem geöffneten Sarg der Verstorbenen beginnen. Eine letzte Gelegenheit, Abschied zu nehmen. Dieser Moment wird oft brutal gestört, wie ich bei der Verabschiedung des Dorforiginals «Tante Ruth» wieder einmal selber feststellen konnte.

Das 90-Sekunden-Diktat des Flughafens

Bei Anflugdienst geht es nämlich Schlag auf Schlag. Unerbittlich. Im 90-Sekunden-Takt überfliegen die Jets das Dorf. Die Kessellage verstärkt den Lärm durch Reflexion. Dem Pfarrer bleibt nichts anderes übrig, als seine trostspendenden Worte fast jede Minute für längere Zeit zu unterbrechen. Lautes Schreien wäre pietätlos und die in der Mehrzahl meist älteren Zuhörer würden das Gesagte ohnehin kaum verstehen.

In den 80er-Jahren war es noch möglich, durch einen einfachen Telefonanruf bei der Flughafendirektion eine temporäre Umleitung der Anflüge auf die Piste 16 zu erwirken. Formlos ermöglichte der Flughafen Zürich auf diese Weise einen ruhigen Abschied von den Heimgegangenen.

Tempi passati. Seit die Drehscheibenträume die Anzahl Flugbewegungen auf schwindelerregende Höhen getrieben haben, gab es nur noch eine Maxime. Und die heisst ganz einfach: maximale Ausnützung der Kapazität. Der Mammon regiert am Flughafen. Pietätlosigkeiten hin oder her.

Adding insult to injury...

Diese markante Beeinträchtigung des bewegendsten Momentes einer Abdankungsfeier und die Zehntausenden von weiteren Anflügen pro Jahr schleckt keine Geiss weg und dennoch behaupten gewisse Damen und Herren aus der sogenannten Schneiser-Szene hartnäckig, nördlich des Stadlerbergs gebe es überhaupt keinen Fluglärm, jedenfalls keinen nennenswerten.

Mit dieser Verniedlichungsstrategie versuchen sie auf Teufel komm 'raus, den Gekröpften Nordanflug durchzudrücken. Ihr Ziel: sie wollen den Lärm aus ihrem Gebiet weg haben - und zwar allen Fluglärm. Auf wessen Kosten auch immer.

Seit 2003 gibt es die Südanflüge und seit dieser Zeit ist den neu der negativen Wirkungen des Flugverkehrs bewusst Gewordenen nur noch eines wichtig: der Lärmkübel soll gefälligst wieder dort stehen, wo er in den letzten Jahrzehnten ihrer Meinung nach «natürlicherweise» positioniert war.

Nämlich bei einer Minderheit, die in Abstimmungen zur Flughafenfrage bequem überstimmt werden kann. Und die man - da sie keine finanziell schlagkräftige Lobby hat - anschliessend auch noch entschädigungslos materiell enteignen kann.

«Mit denen kann man das machen»

Viel mehr als die sprichwörtliche Faust im Sack blieb den Hiesigen nicht übrig. Deshalb hat man den Unterländern von Kaiserstuhl über Weiach bis Höri mit der Eröffnung der Piste 14 im Jahre 1976 auch ohne Bedenken den Jahr für Jahr zunehmenden Strom anfliegender Düsenjets auf's Auge - oder besser gesagt: auf's Ohr gedrückt.

Man ging beim Kanton und in den nicht belasteten Gebieten am See und auf dem Pfannenstil stillschweigend davon aus, dass die Unterländer diese Belastung im Interesse der grösseren Prosperität des Standortes Zürich ganz selbstverständlich und ohne Murren zu schlucken hätten.

Auch ein Weg, Minderheiten unter die Räder geraten zu lassen. Und das nennt man dann Demokratie.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich schätze Deinen Blog für Artikel wie diesen. Ich teile zwar Deine Meinung nicht zu 100%, aber Du formulierst Deine Beiträge sehr sorgfältig, verlinkst sehr interessant (das Flughafen-Wiki kannte ich noch nicht!) und bist ganz offensichtlich mit Herzblut beim Bloggen - Lokaljournalismus mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts und einer Qualität, die man bei professionellen Journalisten leider nur noch selten antrifft!

Florian

Anonym hat gesagt…

Scheisse habt ihr Deutschen keine anderen Probleme?
Geh du mal wirklich dort wohnen wo es Fluglärm gibt (Kloten oder Opfikon) dann würdest du wegen deinem "Lärm" nicht mehr so laut reklamieren...

Anonym hat gesagt…

Weiach (http://www.zrhwiki.ch/wiki/Weiach) liegt nicht in Deutschland.

Anonym hat gesagt…

Ihr Arschlöcher macht gewaltig Kohle mit dem Kies. Das geht nur wegen dem Wirtschaftsboom dank dem Flughafen. Das habt ihr offenbar vergessen.

Anstatt dafür dankbar zu sein wollt ihr nun den Fünfer und das Weggli. Gar keinen Fluglärm mehr.

Wenig Fluglärm habt ihr doch jetzt schon!!! Zu behaupten, dass das bisschen Lärm störe ist eine Frechheit und eine Beleidigung aller Südschneiser!!!!!

Tiefe Steuern, tiefe Bodenpreise, das ist bei euch der Alltag. Und dann seid ihr verdammten Profiteure nicht bereit, die paar Flüge des Gekröpften zu übernehmen - wieder übernehmen muss ich sagen.

Die habt ihr Landesverräter in Verschwörung mit den Deutschen Mimosen dem Süden und anderen abgeschoben.

Also hör endlich auf WG(n), du Trottel! Arbeite was Anständiges statt all diesen Scheiss zu schreiben. Ist besser für Deine Gesundheit, glaub mir. Und sonst schau in Deinen Briefkasten, Arschloch.