Am 5. Dezember letzten Jahres ist im Gemeindehaus bekanntlich eine Informationsbombe gezündet worden. Mit Wirkung weit über die Kommunalpolitik hinaus. Der Gemeinderat Weiach platzierte eine Medienmitteilung auf der Gemeindewebsite. Sekundiert und unterfüttert war sie durch einen Kurzbericht der Firma Hanser Consulting. Liest man den seit 16. Februar 2026 auf der Website verfügbaren Beleuchtenden Bericht zur Abstimmungsvorlage, dann schält sich folgende Kernbotschaft heraus:
Im Jahre 2023 habe die Gemeindekasse je nach Sichtweise zwischen 263'000 und 600'000 Franken einschiessen müssen, um die Kosten der Beschulung von Aargauer Kindern zu decken. Verhandlungen, die dieses Problem adressieren sollten, seien wenig aussichtsreich verlaufen, die Prognose düster. Und daher gebe es keine andere Lösung, als die rasche Kündigung der Schulanschlussverträge auf den nächstmöglichen Zeitpunkt.
Notbremse zu spät gezogen?
Bohrende Fragen bleiben unbeantwortet: Seit wann war dieser Umstand dem Gemeinderat bzw. der Schulpflege bekannt? Schon seit vielen Jahren? Und erst jetzt wird die Notbremse gezogen? Ist der Schaden womöglich noch viel höher?
Der prominenteste und heftigste Kritiker in dieser Sache, alt Gemeindepräsident Werner Ebnöther, hat bereits kurz nach dem Eklat in einem Leserbrief an den «Zürcher Unterländer» erschreckend hohe Zahlen präsentiert. Seine Eingabe wurde unter dem Titel «Schadenssumme von über 5 Millionen» als Antwort auf den Beitrag «Abstimmung über Schulabkommen mit dem Aargau» (ZU, 9.12.2025; Autor: Astrit Abazi) am 11. Dezember 2025 auf S. 2 abgedruckt.
Zur Abrundung der Diskussion um die Vorlage, die nächsten Sonntag zur Abstimmung kommt, sei hier der ursprüngliche Leserbrief publiziert (d.h. die eingesandte Version):
Weiach: Millionen aus dem Kiesertrag in den Sand gesetzt
«Die Zustimmung von 2015 für die beiden RSA-Anschlussverträge mit Fisibach und Kaiserstuhl ist zu einem eigentlichen finanziellen Rohrkrepierer geworden. Der Gemeindepräsident war seit Frühjahr 2021 von mir über die massive Unterdeckung informiert worden, da die von den beiden AG-Gemeinden geleisteten RSA-Beiträge bei weitem nicht genügen! Er nahm dies jedoch nicht zur Kenntnis. Im Gegenteil wurde weiter am gigantischen Schulprojekt «gebastelt», ohne eine vertiefte Finanzanalyse vorgängig durchzuführen.
Meine Vollkostenrechnung (die jetzt klar durch die Firma Hanser Consulting bestätigt wurde) ergab für die Zeit von 2017 bis 2020 eine jährliche Unterdeckung von 300'000 bis 400'000 Franken (entspricht ca. 8 bis 10 Steuerprozenten). Wenn jetzt diese Anschlussverträge mit 3-jähriger Frist gekündigt werden, so haben wir eine insgesamte [sic!] Vertragsdauer von 13 Jahren hinter uns (2016–2029), welche der Gemeinde einen Schaden zwischen 3.9 und 4.8 Millionen Franken gebracht haben wird. Dazu kommt ein Betrag von gegen 1 Million Franken für zwei geplatzte Schulprojekte und Rechtskosten, verursacht durch den Gemeinderat. Also eine totale Schadenssumme von mindestens über 5 Millionen Franken.
Nicht zu vergessen ist, dass mit dieser Kündigung die Oberstufe Stadel auch betroffen ist. Auch hier wäre eine vertiefte Untersuchung der Kostenbeiträge der beiden AG-Gemeinden sehr notwendig. Denn auch hier zahlen die beiden AG-Gemeinden zu wenig in die Kasse der Oberstufe Stadel ein!
Ich wünsche den Weiacherinnen und Weiachern für die nächste Amtsperiode eine Führungsriege, welche transparent, ehrlich und sachbezogen ihre Einwohner informiert. Denn der schöne Kiesertrag der vergangenen Jahre geht demnächst zu Ende und mit diesem «Ende» heisst es, den Gürtel enger zu schnallen.»
Krasse Lüge? Die Vertrauensfrage steht im Raum
Am selben 11. Dezember erschien auf der Titelseite des Unterländers übrigens ein weiterer Artikel aus der Feder Abazis, der u.a. die Behauptung enthielt, Weiach «habe vor 2023 mit den Aargauern schon Gewinne erzielt» (wie Ebnöther sich WeiachBlog gegenüber äusserte). Das aber sei eine «krasse Lüge».
Nicht nur nach Ansicht des Autors dieses Beitrags wäre es deshalb eminent wichtig, dass auch der als «Vertraulich» klassifizierte Gesamtbericht der Hanser Consulting der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird (wenn nötig in edierter Form; d.h. mit Schwärzungen der datenschutzrechtlich zu schützenden Passagen).
Nur auf diese Weise wird man der Klärung der Frage näherkommen, ob auch dieser happige Vorwurf Ebnöthers tatsächlich stichhaltig ist. Oder doch hoffnungslos übertrieben. Kurzum: Wir brauchen eine Zeitenwende!
Glasnost und Perestroika
Denn: Mangelndes Vertrauen ist der grosse Elefant im Raum, der den Haussegen im Dorf in Schieflage gebracht und die Lösung der Schulraum-Frage bereits in drei Anläufen (The Bridge, Balance, Zukunft8187) kläglich hat scheitern lassen.
Unabhängig davon, wer künftig die Geschicke der Gemeinde führen wird: Diese Amtsträger müssen das Vertrauen untereinander sowie das von signifikanten Teilen der aktiven Stimmberechtigten zurückgewinnen. Nur so können grosse Bauprojekte an der Urne wieder mehrheitsfähig gemacht werden. Wie einst in den 1970er-Jahren, als die heutige Schulanlage Hofwies breite Zustimmung fand.
Weiach braucht jetzt Glasnost und Perestroika, sonst wird sich ein genügend breiter Konsens nie herstellen lassen. Für eine aktiv gestaltete Zukunft!
Quellen
- Abazi, A.: Abstimmung über Schulabkommen mit dem Aargau. In: Zürcher Unterländer, 9. Dezember 2025. [zit. n. ZU, 11.12.25]
- Ebnöther, W.: Schadenssumme von über 5 Millionen. In: Zürcher Unterländer, 11. Dezember 2025 - S. 2
- Abazi, A.: Weiach steht vor schwieriger Entscheidung. In: Zürcher Unterländer, 11. Dezember 2025 - S. 3.
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