Freitag, 7. März 2025

Telefonleitungsnotstand zuoberst im Oberdorf

Heute vor 50 Jahren ist in der katholisch geprägten Tageszeitung Neue Zürcher Nachrichten ein Inserat eines jungen Ehepaars mit Kind (3) aus Weiach erschienen. Cathrin war als Sekundarlehrerin wieder mit halbem Pensum tätig. Hans Peter war (und ist) selbstständiger Architekt:

Das Ehepaar Stahel hat 1974 zusammen mit Architektenkollegen (u.a. alt Gemeindepräsident Gregor Trachsel) die stillgelegte Mühle im Oberdorf gekauft und sie sukzessive zu ihrem neuen Arbeits- und Wohnumfeld umgebaut.

Warum der Telefonanschluss der Baltissers genutzt werden musste

Platz hatten sie im grossen Gebäude am obersten Ende des Oberdorfs mehr als genug. In anderer Hinsicht war aber Improvisieren angesagt. Die Organisation der Kinderbetreuung – das Hauptthema des Inserats – erwies sich in dieser Pionierzeit als eine prioritäre Baustelle. Die Telekommunikation war die andere. Das verrät die Telefonnummer mit dem (verschriebenen) Namen des Anschlussinhabers, der Familie Baltisser.

Der Bereich Telefonie befand sich damals noch fest in den Händen des Bundesbetriebs PTT. Und der Kunde war eher Bittsteller als König. So jedenfalls kommt einem das aus heutiger Sicht vor, wo Telefonanschlüsse, Mobilfunk und dergleichen in scheinbar selbstverständlichem Überfluss im Angebot sind.

Monopolist verlangt hohe Kaution

Auf die neuen Bedürfnisse in der Mühle war die Kreistelefondirektion jedenfalls nicht vorbereitet. Im Weiacher Oberdorf herrschte damals eklatanter Mangel an Telefonleitungen, sodass man als Neukunde viele Monate auf einen Anschluss warten musste. Wie ein Beitrag des Schweizer Fernsehens vom 22. Oktober 1975 belegt, war das damals auch andernorts in der Ostschweiz ein bekanntes Problem.

Einziger Ausweg während dieser Durststrecke: den Nachbarn bitten, einem den eigenen Telefonanschluss zur Verfügung zu stellen. Hans Peter erinnert sich, dass das für die Baltissers nicht gerade einfach gewesen sei, zumal er ja auch Kunden seines Start-ups auf diesen Anschluss habe verweisen müssen.

Auch als die technische Kapazität dann vorhanden war, habe die PTT Forderungen gestellt, weiss Architekt Stahel zu erzählen. Erst nach Einlage einer Kaution von 300 Franken sei er als Jungunternehmer zu seinem langersehnten Anschluss gekommen.

Quelle

  • Welches Mädchen hat Freude an Kindern. Inserat. In: Neue Zürcher Nachrichten, 7. März 1975 – S. 8.
  • Telefongespräch mit Hans Peter Stahel, Müliweg 7, Weiach.

[Veröffentlicht am 30. Dezember 2025 um 10:39 MEZ]

Keine Kommentare: