Dienstag, 20. Oktober 2015

Immer noch eine SVP-Hochburg

Bei den diesjährigen Wahlen für den Nationalrat und den Ständerat, die beiden Kammern des nationalen Parlaments der Schweiz, ist für Weiach nichts wirklich Überraschendes herausgekommen. Erneut hat sich bestätigt, was seit Jahren klar ist: Weiach ist immer noch eine SVP-Hochburg. Damit könnte man diesen Artikel bereits zum Abschluss bringen. Die Details sollen den Leserinnen und Lesern des WeiachBlog trotzdem nicht vorenthalten werden.

Ständerat: Vogt wäre gewählt

Bei den Ständeratswahlen sieht man den SVP-Effekt besonders schön. Diese Wahlen sind immer noch stark davon abhängig, welche Person sich zur Wahl stellt. Umso interessanter der Umstand, dass Hans-Ueli Vogt, ein Universitäts-Professor und dazu bekennender Schwuler, mit Abstand am meisten Stimmen auf sich vereint:
  • Vogt, SVP: 168
  • Noser, FDP: 96
  • Jositsch, SP: 92
  • Vereinzelte: 63
  • Girod, GP: 29
  • Bäumle, GLP: 26
  • Schmid-Federer, CVP: 24
  • Ingold, EVP: 21
  • Herzog, Piraten: 1
  • von Allmen, ECOPOP: 1
Damit gingen 32.2% aller Stimmen an den SVP-Kandidaten (absolut weniger Stimmen als mit 197 auf der SVP-Liste für den Nationalrat, wo man immerhin noch streichen und panaschieren kann). Gerade noch 18.4% konnte sich die FDP sichern. Dicht dahinter die SP mit - Jositsch sei Dank - stolzen 17.6% an die SP. Das sind über zwei Drittel aller Voten. Immerhin 12% gingen an Vereinzelte, d.h. nicht auf den offiziellen Wahllisten aufgeführte Personen.

Nachdem nur Jositsch den Sprung nach Bern im ersten Anlauf geschafft hat, wird die Ausmarchung nun wohl zwischen Vogt und Noser entschieden. Spannend wird sein, was die Linkswähler bei dieser Ausgangslage tun: auf einen Bürgerlichen setzen oder doch den Grünschnabel Girod wählen.

Nationalrat: Absolute Mehrheit für SVP

Bei den NR-Wahlen standen 35 Listen zur Auswahl (was in der Menge ungefähr den 25 Listen im Kanton Bern entspricht). Von den 869 Wahlberechtigten beteiligten sich immerhin 40.85% an den Nationalratswahlen (was beim Vergleich mit emotional diskutierten Sachvorlagen eher wenig ist). Von den 355 gültig eingelegten Wahlzetteln waren 158 unveränderte Listen, 192 veränderte (d.h. kumuliert, panaschiert oder sogar frei zusammengestellt).

Klare Wahlsiegerin in Weiach ist die SVP mit einem Plus von 4.81% (verglichen mit 2011), gefolgt von der SP mit +2.30%. Die Überraschung sind die Grünen mit einem kleinen Zugewinn von +0.14%. Auf tiefem Niveau ebenfalls praktisch stabil die EVP: -0.01.

Alle anderen Parteien haben teils massiv Wähleranteile eingebüsst. Grosse Verlierer in Weiach: BDP -2.63%, CVP -1.67%, FDP -1.53% sowie GLP -1.24%. Auch die EDU hat Terrain verloren: -0.57%. Völlig bedeutungslos geworden sind bei den Hiesigen die Schweizer Demokraten (SD) - abgestürzt von 0.30 auf 0.02%!

Erreicht wurden folgende Anteile: SVP 56.41%, SP 12.09%, FDP 8.17%, EVP 4.68%, glp 4.66%, BDP 4.46%; Grüne 2.37%, CVP 2.01%, EDU 1.34%, jEDU 1.17%, Piraten 0.60%, JUSO 0.55; AL 0.35%, TPS 0.31%, JSVP 0.30. Alle übrigen Listen erreichten lediglich 0.1% oder weniger.

Würden die Parlamentarier nach den Weiacher Resultaten nach Bern entsandt, so ergäbe sich bei den ersten 28 von 35 Sitzen folgende Verteilung: 19 SVP, 4 SP, 2 FDP, 1 EVP, 1 glp, 1 BDP. Der Rest würde nach Listenverbindungen verteilt (eine komplizierte Rechnung, die ich mir hier erspare).

Berücksichtigen muss man indes die vielen Verflechtungen unter den Listen. So gibt es vier grosse Blöcke, denen lediglich 6 Listen nicht angehören (Liste 10 Schweizer Demokraten (SD), Liste 11 Unabhängigkeitspartei up!, Liste 17 Anti-PowerPoint-Partei. Liste 24 DU Die Unpolitischen, Liste 34 Flückiger Hans Ulrich (Hanf Ueli), unabhängig. Liste 35 Schweizer Freiheit und Recht)

Die grossen Blöcke sind (vgl. die Übersicht Listenverbindungen):
I SVP/EDU/Auto
II Sozialdemokraten/Grüne/Zentrumspartei/AL/PdA/K+P
III FDP
IV GLP/BDP/CVP/EVP/ECOPOP/Piraten/TPS

Köppel räumt auch in Weiach ab

Der neu kandidierende Chef der Weltwoche, Roger Köppel, kam in Weiach besonders gut an: 2.1% aller Stimmen entfielen allein auf ihn. Ansonsten war das Resultat weitgehend von den Kumulierungen und Panaschierungen auf den SVP-Listen dominiert:
  1. Köppel 250; Listenplatz 17
  2. Steinemann 229; Listenplatz 11 (Watt-Regensdorf)
  3. Rickli 226; Listenplatz 1
  4. Heer 216; Listenplatz 3
  5. Rutz 200; Listenplatz 7
  6. Sulser 200; Listenplatz 18 (Otelfingen)
  7. Matter 199; Listenplatz 9
  8. Fehr 197; Listenplatz 4 (Eglisau)
  9. Vogt 197; Listenplatz 10
  10. Schläpfer 193; Listenplatz 22
  11. Langhart 193; Listenplatz 23
  12. Hauser 193; Listenplatz 27 (Hüntwangen)
  13. Haab 192; Listenplatz 12
  14. Stahl 191; Listenplatz 5
  15. Suter 191; Listenplatz 28
  16. Lehmann 190; Listenplatz 20 (Glattfelden)
  17. Egloff 187; Listenplatz 6
  18. Walliser 187; Listenplatz 14
  19. Tuena 187; Listenplatz 16
  20. Kuoni 187; Listenplatz 19
  21. Zanetti 186; Listenplatz 15
  22. Hübscher 185; Listenplatz 31
  23. Mörgeli 184; Listenplatz 2
  24. Trachsel 181; Listenplatz 13
  25. Schibli 180; Listenplatz 8 (Otelfingen)
  26. Liebi 180; Listenplatz 24
  27. Hofer 181; Listenplatz 30
  28. Scheck 181; Listenplatz 33
  29. Oswald 179; Listenplatz 26
  30. Rogenmoser 179; Listenplatz 34 (Bülach)
  31. Krebs 178; Listenplatz 21
  32. Frei 178; Listenplatz 25
  33. Walder 177; Listenplatz 29
  34. Dalcher 169; Listenplatz 32
  35. Fischer 161; Listenplatz 35
Bei der SP kam Jositsch auf 84 Stimmen, Hardegger auf 67 (Gemeindepräsident von Rümlang), Badran auf 58, Galladé auf 54 und Naef auf 51. Die neu gewählte Min Li Marti holte lediglich 42 Stimmen. Ohne Proporzwahlrecht hätte auch die drittplatzierte FDP kaum Chancen, ginge es nur nach Weiach: Noser 56 Stimmen (wenig, verglichen mit den 96 im Ständeratswahlkampf), weiter Fiala 36 und Bigler 34. Auch da: ein Gewerbler erhält in Weiach nicht viele Stimmen, wenn er nicht auf SVP-Liste steht. Ingold von der EVP kam auf 36 Stimmen (mehr als im Ständeratswahlkampf mit 21!), Bäumle von den Grünliberalen auf 41 (ebenfalls mehr als für den Ständerat; dort 26). Bei der CVP schliesslich zeigte sich der «Bauerneffekt»: Winkler (Landwirt aus Ellikon a.d.Th.) kam auf 31 Stimmen, die in den Nationalrat gewählte Quadranti holte in Weiach nur 26 Stimmen.

[Veröffentlicht am 11. März 2016]

Keine Kommentare: