Mittwoch, 30. Oktober 2019

Ein Telefon in jeder Küche - wegen Einweihung der Wasserversorgung

Die nachfolgende Kurzmeldung wurde vom Redaktor ohne weiteren Kontext in sein nach ihrem wöchentlichen Erscheinungstag «Freitagszeitung», vom Volksmund «Bürkli-Zeitung» genanntes Blatt gesetzt:

«Eine Wasserversorgung wurde am Sonntag in Weiach eingeweiht. Das Plauderstündchen am Dorfbrunnen soll künftig durchs Telephon, das in jeder Küche anzubringen wäre, ersetzt werden.»

Diese Zeilen werfen Fragen auf.

1. Die erste Haus- und Löschwasserversorgung der Gemeinde Weiach stammt aus dem Jahr 1877. Sie wurde völlig unabhängig vom Leitungs- und Reservoir-System der Dorfbrunnen konzipiert und gebaut. Zwanzig Jahre später kann es also nur um eine Erweiterung der Kapazität, bzw. eine Druckerhöhung gegangen sein, z. B. mit einem zusätzlichen Reservoir für die Hauswasserversorgung. Was da genau eingeweiht wurde? Bleibt einstweilen im Dunkeln.

2. Aus welcher Feder die scherzhaft gemeinte Ankündigung stammt, dass nun jede Küche mit einem Telefonanschluss ausgerüstet werden müsste, ist ebenfalls nicht bekannt. Dass das Telefon ausgerechnet in der Küche platziert werden sollte (also dort, wo die Frauen hingehörten...), ist ein deutlicher Seitenhieb auf den Dorfklatsch, der beim Wasserholen an den Laufbrunnen ausgetauscht werden konnte. Diese Tätigkeit war nun einmal weitgehend Frauensache, vor allem wenn es um Wasser für Wasch- und Kochzwecke ging.

Dass die Zeilen aus Weiach oder der unmittelbaren Nachbarschaft eingesandt wurden, ist nicht unwahrscheinlich, zumal die erste öffentliche Telephon- und Telegraphenstation in Weiach 1895 eingerichtet wurde. Die Idee eines privaten Telefons in jeder Küche einer Landgemeinde erschien wohl damals derart absurd, dass man auch in der Stadt Zürich (Telefonsystem ab 1880 im Aufbau) beim Lesen schmunzelte.

Noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein waren Telefone in Weiacher Privathaushalten keineswegs selbstverständlich. Da musste man schon auf der Post oder in einer Gastwirtschaft anrufen. Und der Gesprächspartner wurde dann ans Telefon gerufen.

Quelle

  • Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 48, 26. November 1897

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