Samstag, 25. Juli 2020

Pfarrer Brennwald beim Bau der Kirche zu Tode geärgert

Der Weiacher Pfarrer Johann Heinrich Brennwald, geboren 1654, war massgeblich dafür verantwortlich, dass seine Gemeinde 1706 zu einer neuen Kirche kam. Denn er war es, der zuerst die beiden Obervögte des Neuamts und via diese schliesslich Bürgermeister und Rat der Stadt Zürich davon überzeugt hat, dass es so nicht mehr weitergehen könne.

Sein Schreiben darüber, «in was schlechtem Zustand das Kirchli zu besagtem Weÿach, sich befinde, und wie, aus allerhand bÿ benigned-ohnverwerflichen gründen, die hoche nothwendigkeit erfordern, dass nun die Ehr und Lehr Gottes auch seine erkantnuss und forcht pflichtmesig zu beförderung, eine noüwe und weiterere Kirchen erbauwet werde, gestalten dermahliges Kirchli, eine von 750 Seelen bestehende gemeind zu fassen, allzu klein, darauß allerhand ohnordnungen [Unordnungen] entstehnd», bildete im Juni 1705 die Grundlage für einen Grundsatzentscheid des Rates (vgl. StAZH B II 691. Ratsmanual des Baptistalrats des Unterschreiber, 1705. – Pag. 31 – 25. Juni 1705).

Lokaler Widerstand gegen das Kirchenbauprojekt

Damit begannen für den seit 1693 in Weiach amtierenden Pfarrherrn die Probleme. Zum einen waren die Weiacher selber gar nicht begeistert über dieses Bauvorhaben. Man kann sich die Gegenargumente gut vorstellen. Wozu ein solches Neubauprojekt? Wir haben doch im Oberdorf eine Kirche, haben sie erst 1644 vergrössert, 1658 den Turm neu gemacht. Die reicht doch vollends aus, oder nicht?

Dann war auch noch ziemlich viel Geld zu organisieren, damit es mit der Bauerei auch wirklich losgehen konnte. Denn einen Grossteil der Kosten musste Weiach selber tragen. Am 8. September 1705 hatten Bürgermeister und Rat entschieden, dass bis Martini (also innert nur zwei Monaten!) 1000 Gulden selber vorfinanziert werden müssten. Vorher werde sich der Staat nicht engagieren. Bei dieser Fundraising-Aktion musste sich Pfarrer Brännwald über sein Projekt und seine Person wüste Beschimpfungen gefallen lassen (vgl. Ein Gegner des Kirchenbaus landet im Zuchthaus. WeiachBlog Nr. 1395).

Eine Sonnenfinsternis...

Bevor Brennwald am 9. August 1706 mit den Worten «Gott erhalte dise Kirchen u. Thurm in beständigem wolstand u. behüte sie vor allem schaden bis an das end der welt. Amen» segnen konnte, da hing der Haussegen offenbar mehrmals ziemlich schief.

Sogar Sonne und Mond beteiligten sich in der Bauzeit mit einer grossen Sonnenfinsternis am 12. Mai 1706, bei welcher der Kernschatten über die Schweiz hinwegzog und auch unserer Gemeinde rund vier Minuten totale Finsternis bescherte.

Ausschnitt aus der Supplication der Hinterbliebenen des Pfr. Brännwald (StAZH E I 30.136 Nr. 47)


... und viel Ärger mit den Handwerkern

Besonders viel Verdruss hatte Brännwald mit den direkt am Bau Beteiligten, wie man einer sogenannten «Supplication» (Bittschrift) seiner nächsten Angehörigen an den Zürcher Bürgermeister  entnehmen kann. Sie schreiben darin:

«daß unser Vatter und Schwäher säll. eine zimmliche Zeit [1682-1693] den geringen und schlechten Helfferdienst zu Eglisau mit aller möglichsten Sorgfalt, Treuw und Fleiss versehen, [...] Er nun aus tragender hocher Gnad und Wolgewogenheit [...] den Pfarrdienst zu Weÿach erlangt und viel Jahr [1693-1707] selbigen nicht ohne grosse Mühe absonderlich wegen der beschwehrlichen Schularbeit versehen; ist darauf gut befunden worden, den Bau selbiger Kirchen vorzunemmen, bey welchem Bau ermelter unser liebe Vatter und Schwäher sell. sehr viel ausgestanden, grosse Kösten, Beschwerd und Verdruß gehabt, und welches das meiste ist, von den Arbeits Leüthen, wie es zu gehen pflegt, so vielmahlen zum Zorn gereizet worden, daß Er endtlich seine Krankheit daran erholt, welche Ihme den Lebensfaden so frühezeitig abgeschnitten» (StAZH E I 30.136, Nr. 47)

Am 23. November 1707 ist Johann Heinrich Brennwald an den Folgen einer nicht weiter spezifizierten schweren Krankheit verstorben. Sein Tod war offenbar absehbar, denn sein Nachfolger, Pfr. Wolf (der mit der Grabplatte in der Kirchenmauer, vgl. WeiachBlog Nr. 1544) wurde vom Rat auf Vorschlag des Antistes bereits am 17. November 1707 gewählt. (StAZH E I 30.136, Nr. 46)

Schuld am frühzeitigen Ableben mit nur 53 Jahren sind also, jedenfalls gemäss seiner Tochter und seinem Schwiegersohn, massgeblich auch die Handwerker.

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