Samstag, 26. August 2006

«s'Zauberrohr» - wie unsere Nachbarn sich vor 100 Jahren zusammenrauften

Seit gestern Freitagabend und noch bis Sonntagabend läuft es bei unseren Nachbarn südlich des «Kistenpasses» rund. Rund um den historischen Dorfbrunnen aus dem Jahre 1636 findet nämlich das Stadler Dorffest statt.

Ein Army Band-Treffen...

Die Hauptattraktion dürfte für die Auswärtigen zwar schon heute zu bestaunen gewesen sein: Militärkapellen (US Air Force Jazz Band, US Air Force Concert Band, SHAPE International Band (d.h. die NATO Big Band) und aus Lyon, Frankreich, die Musique de la Région Terre sud-est. Man staunt, wie es die Verantwortlichen zustande gebracht haben, diese hochkarätigen Formationen zusammenzutrommeln.

Wer es mehr mit dem Lokalhistorischen hat, der sei auf das Festspiel mit dem Titel «s'Zauberrohr» hingewiesen. Warum dieses Festspiel mit historischem Background auch heute noch sehr aktuell ist, kann man der Dorffest-Sektion der Stadler Website entnehmen:

Festspiel «s'Zauberrohr»

«Unter diesem Titel führt der Dramatische Verein Stadel am Dorffest ein Festspiel auf. Dieses setzt sich mit den Begebenheiten vor 100 Jahren in unsern vier Dörfern Stadel, Windlach, Raat und Schüpfheim auseinander.

Die Einwohner jedes der vier Dörfer hätten es am Liebsten gehabt, wenn sie sich nicht mit den andern zu einer Einheitsgemeinde hätten verschmelzen müssen. Doch der Druck der Obrigkeit, sowie die fehlenden Geldmittel, liessen den Bürgern keine andere Wahl, als diesem für damalige Verhältnisse harten Kompromiss klein beizugeben. Aber es brauchte viel bis das Zusammengehen im Dezember 1906 soweit war.

Mit dem «s'Zauberrohr» wird es möglich in die Häuser der vier Dörfer zu gucken. Die «Heutigen» erleben wie es bei den «Gestrigen» zu und her ging, bis endlich alle vier Dörfer zu einer Gemeinde zusammengefügt waren. Dass es nicht eitel Freude und Begeisterung war, darüber ist in den Chroniken schon viel geschrieben worden.

Heinrich Guggenbühl - der Verfasser der Stadler Gemeinde Chronik - und Rudolf Binder der langjährige Regisseur des Dramatischen Vereins schrieben das Festspiel. Mit ihrem fundierten Gemeinde- und Theaterwissen liessen sie die Geschehnisse jener Tage entstehen. Sämtliche dargestellten Szenen sind authentisch mit Ausnahme der umrandenden Geschichte des jungen Paares Felix und Regula.

So führt uns das «Teleskopum historicae retro versum» - wie das Zauberrohr genannt wird - zurück in die Vergangenheit. Eine Zeit, in der die Männer das Sagen in der Politik hatten, die Frauen und Kinder aber nur daneben standen und zuschauten. Doch auch sie hatten ihre Meinungen und machten sich Gedanken über die dörflichen Verhältnisse.


Aufführung in der Kirche Stadel

Dass das «s'Zauberrohr» gerade in der Stadler Kirche «zurückschaut», hat zweierlei Gründe. Zum einen ist es in Stadel leider nicht möglich eine Aufführung im Freien durchzuführen, da die moderne Fliegerei dabei zu stark stören würde. Zum andern war die Kirche der einzige Ort, wo die vier zerstrittenen Dörfer schon vor hundert Jahren eine Einheit bildeten.»

Noch zu spielende Aufführungen:
SAMSTAG, 26.08.2006; 20.00 – 20.45 Uhr
SONNTAG, 27.08.2006; 14.00 – 14.45 Uhr und 16.00 – 16.45 Uhr

Man merkt die Unterschiede bis heute

Die fehlende Begeisterung hing auch mit der unterschiedlichen Finanzkraft der Fusionspartner zusammen. Stadel ging es gut. Raat hingegen war faktisch pleite - nicht zum ersten Mal übrigens. Kein Wunder stimmten die Raater der Fusion zu, die Stadler und Windlacher überhaupt nicht. Schon aus prinzipiellen Erwägungen. Und so kam es schliesslich zur Zwangsfusion per obrigkeitlichem Dekret.

Bis heute haben die Windlacher und die Stadler zäh an ihren Zivilgemeinden festgehalten - erst die neue Kantonsverfassung zwingt sie zum Harakiri. Die politische Gemeinde Stadel hat immer noch den Charakter einer Vernunftehe. Dass gegenwärtig ein Windlacher Gemeindepräsident ist, das ist auch eher Zufall als die Regel.

Positiv aber ist: Die vier Dörfer haben ihre Integrität bewahrt und sind (bisher jedenfalls) noch nicht in einem einzigen Siedlungsbrei aufgegangen. Und sie feiern an diesem Wochenende ein gemeinsames Fest. Im Dorfkern von Stadel.

Weitere Infos über das Dorffest

Wer sich darüber ins Bild setzen will, was sonst noch läuft (und das ist einiges), dem sei das Programm in Tabellenform empfohlen. Den Gesamtüberblick erhält man hier: http://www.stadel.zh.ch/dorffest/

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Vermutlich habe ich es einfach nicht gefunden. Also, wo finde ich Dein Impressum mit Kontaktmöglichkeiten?

WG(n) hat gesagt…

Das Impressum steht auf der Website der "Weiacher Geschichte(n)" (vgl. die Links oben rechts). Und die E-mail ist: weiacher.geschichten[affenschwanz]schweiz.ch (jedenfalls bis die Eidgenossenschaft dem heutigen Betreiber von schweiz.ch die domain wegnimmt).