Sonntag, 26. Juli 2015

Kein Kindergarten am Kindergartenweg?

Im Kanton Zürich gibt es je einen in Embrach, Hochfelden und Dietikon: einen Kindergartenweg. Und einen vierten in Weiach. Speziell an der Weiacher Ausgabe ist, dass man da seit einiger Zeit keinen Kindergarten mehr findet. Beziehungsweise nur den alten Kindergarten. Denn das neue, mit farbigen Borsten aufgemotzte Gebäude - passenderweise «Kindergarten Farbtupf» genannt - steht auf dem Schulhausareal (Lagebezeichnung auf der Website der Primarschulgemeinde: «neben dem Schulhaus Hofwies in Richtung Roter Platz»).

Der alte Kindergarten wurde 1966 an einem seitlichen Stichsträsschen zur Riemlistrasse gebaut. Walter Zollinger schrieb in seiner 1972 erschienenen Monographie Weiach 1271-1971: «Kindergarten an der Riemlistrasse, ein Geschenk der Weiacher Kies AG». Die seit 1962 unter der Führung des Duisburger Haniel-Konzerns aufgebaute Kiesfirma zeigte sich also sehr spendabel. Denn so ein Gebäude war auch vor bald 50 Jahren nicht gratis zu haben.

Erst seit 1992 bestehender Strassenname

Im Rahmen der Neuorganisation der Weiacher Hausnummerierungen (Übergang vom Gebäudeversicherungs- auf das Polizeinummern-Modell) erhielt diese gerade einmal rund 70 Meter lange Stichstrasse im Jahre 1992 den Namen «Kindergartenweg». Das war damals durchaus passend, denn neben dem Kindergarten selber (Kindergartenweg 2) stand an dieser Sackgasse nur noch die Neuapostolische Kirche (ehemals Kindergartenweg 4).

Letztere ist von ihrer Glaubensgemeinschaft geschlossen, verkauft und schliesslich abgerissen worden (vgl. WeiachBlog vom 17. Dezember 2006). Auf dem rund 2800 m2 grossen Grundstück steht nun eine Siedlung mit insgesamt 6 Einfamilienhäusern. Die erhielten die Adressen Kindergartenweg 3 bis 8.

Dasselbe Schicksal wie dem neuapostolischen Gotteshaus könnte auch dem alten Kindergarten blühen. Denn der steht nun ebenfalls zum Verkauf. Für eine grössere Überbauung ist das Gelände viel zu klein (rund 862 m2 auf zudem nicht ganz üblichem Grundriss, vgl. gis.zh.ch; Grundstück 104 Weiach). Zudem wurde erst 2004 durch die Schulgemeinde noch eine grössere Investition getätigt: eine Stützmauer für 60'000 Franken.

Dennoch ist es wahrscheinlich, dass ein Käufer angesichts des wohl nicht mehr ganz über alle Zweifel erhabenen baulichen Zustands des Gebäudes oder anderer Raumbedürfnisse zum Entscheid gelangt, das Objekt abreissen und durch einen Neubau ersetzen zu lassen.

Neubenennung angezeigt

Das wäre dann definitiv der Zeitpunkt, ab dem der Strassenname zur rein historischen Reminiszenz verkommt. Vielleicht sollte man sich jetzt ernsthaft Gedanken zu einer Umbenennung machen.

Für die Neu-Weiacher in den sechs vor wenigen Jahren erstellten Einfamilienhäusern wäre das zwar eine grosse Umstellung (man muss schliesslich sämtliche Drucksachen anpassen - und es gibt zumindest eine dort ansässige Firma, die Y&G International Services GmbH). Aber trotzdem: jedesmal erklären zu müssen, dass man am Kindergartenweg ohne Kindergarten ansässig ist, das ist vielleicht auch nicht wirklich spassig.

Den Namen Kindergartenweg könnte man auf die von der Herzogengasse abzweigende, ebenfalls nur rund 60 Meter lange Sackgasse beim Roten Platz übertragen. Die liegt schliesslich direkt unterhalb des neuen Kindergartens. Da wäre der Strassenname nun passend. Und schliesslich gibt es ja auch schon den «Schulweg», als südliche Umfassung des Schulareals.

Vorschlag: Ehre wem Ehre gebührt!

Anstelle der heutigen Bezeichnung «Kindergartenweg» könnte die Gemeinde den Namen «Albert-Meierhofer-Weg» vergeben.

Warum gerade dieser Name? Nun, Albert Meierhofer-Nauer (1887-1967) war lange Jahre Weiacher Gemeindepräsident: von 1941 bis 1966. Er war massgebend daran beteiligt, dass die Weiacher Kies AG im Hard ihre Tätigkeit aufnehmen konnte. Und schon deshalb ist er nicht ganz unschuldig am Bau des Kindergartens von 1966 (vgl. dazu auch den WeiachBlog-Beitrag vom 14. April 2007: Wer war Albert Meierhofer?).

Es wäre daher schön - und auch passend - wenn man diesen trotz aller Tatkraft bescheidenen, aber für die Gemeinde Weiach sehr bedeutenden Mann mit der Benennung einer kleinen Strasse ehren könnte. Affaire à suivre!

1 Kommentar:

WG(n) hat gesagt…

Auf Anfrage hat der mit dem Verkauf des alten Kindergartens beauftragte Makler mitgeteilt, dass das Gelände meistbietend verkauft werden soll. Seine Empfehlung sei «ab ca.CHF 520.- p.m2 Land». Also rund 450'000 CHF.