Die NZZ hat ja bekanntlich eigens für die kantonalzürcherischen Kantons- und Regierungsrats-Wahlen eine Blogplattform eröffnet. Sie heisst «
NZZvotum» und enthält kurioserweise bereits dreimal den Ortsnamen Weiach.
Zwei Nennungen finden sich in Diskussionsanstössen der Grünen Partei (GP). Einer dreht sich um das Reizthema Flughafen und trägt den etwas hölzernen Titel
Gerecht Fluglärmverteilung. Geschrieben hat den Initialbeitrag Kantonsratskandidatin Regula Käser, die nach Angaben der Website auch Bezirkspräsidentin und Mitglied des Gemeinderates von Kloten, also des Stadtparlaments ist.
Mantras - tausendfach verbreitetes Tema con variationiWie bei diesem Thema nicht anders zu erwarten: alsobald kreuzen die sattsam bekannten Südschneiser auf. Hans Bantli und Thomas Stäubli pflastern den Blogbeitrag mit ihren schon tausendmal wiederholten Mantras.
Den Vogel als terrible simplificateur schoss Stäubli am 23. Februar kurz vor 16 Uhr mit folgendem Beitrag ab:
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@Regula Käser,
Ja, Raumplanung zieht alle Himmelsrichtungen mit ein. Süden=Wohnen und Arbeiten, Norden=Anflugschneise, Westen=Starts, Osten=Landungen bei Westwind.
Wenn die Raumplanung Fehler gemacht hat, dann den, dass man in Höri oder Weiach nach dem Bau des Flughafens weiterhin Wohnbauten bewilligt hat. Trotzdem gibt es keine Alternative zu einer Lärmkanalisierung.» (2007-02-23 15:51:59)
Aus der Sicht eines Südschneisers natürlich nicht. Herr Stäubli, wenn man aus eigensüchtigen Motiven keine Alternative diskutieren will, dann gibt es keine.
Die oben aufgeführten Gleichungen zeigen mit ätzender Schärfe, welches Denken in manchen Köpfen auf dem Pfannenstil Einzug gehalten hat: Wohnen und Arbeiten tut man offenbar nur im Süden. In allen anderen Himmelsrichtungen wohnt und arbeitet man nicht. Da lebt allenfalls das dumme Stimmvieh, das den Südschneisern wieder zu ihrer angeblich gottgewollten Ruhe verhelfen und ansonsten die Klappe halten soll. Und im Norden ist sowieso nur etwas verortet: der Lärmkübel, damit im Süden Ruhe herrscht.
Auch wenn man diese Behauptungen noch tausendmal wiederholt. Wahrer werden sie deshalb nicht. Man erkennt nur immer deutlicher, wie dumm und einfältig ihre
NIMBY-Proponenten sich gebärden.
Offenbar ist es doch laut in Kaiserstuhl: der Beweis aus dem SüdenDass dem tendentiell so ist, kann man dem Leibblatt des Südens entnehmen: der NZZ. Und zwar dem Artikel:
Der Fluglärm und die Gäste aus dem Norden. Deutsche in Zürich zum offenen Brief von Stadtpräsident Elmar Ledergerber. (Neue Zürcher Zeitung, 28. Februar 2007):
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Keine Frage: Auch er leidet unter dem Fluglärm, wacht vor allem bei Westwind jeden Morgen mit der Ankunft des ersten Fliegers auf. Deshalb ging er anfangs auch mit Schweizer Freunden an Demonstrationen gegen den Fluglärm. Dann kam der Tag, an dem ein Bekannter im schweizerischen Kaiserstuhl - an der Grenze zu Deutschland - beerdigt wurde. Dreimal habe der Pfarrer die Predigt wegen des Flugzeuglärms unterbrechen müssen. Da habe ein Schweizer Kollege geflüstert: "Das ist wirklich laut hier, die Deutschen haben doch recht".»
Na also, bitteschön. Wir Weiacher wissen das schon seit längerem: Vgl. den WeiachBlog-Artikel Nr. 190
Fluglärm stört Abdankungsfeiern vom Samstag, 13. Mai 2006.
Bei dem oben genannten Westwindaufwacher handelt es sich übrigens um einen dieser Gelbkäppchen-Südschneiser. Wenn sie ehrlich wären, würden sie zugeben, dass bei uns störender Fluglärm die Regel ist. Stattdessen wird lieber mit Totschlagargumenten im Stile Stäublis polemisiert.
Mehr Gerechtigkeitssinn bitte!Man darf annehmen, dass dieselben Herren vor Jahrzehnten mit derselben Vehemenz und ohne grosses Federlesens NIMBY-mässig ins Feld gezogen wären. Und zwar gegen jegliche Entschädigung für solche massiven Einschränkungen unserer Lebensqualität, wie sie sie heute unentwegt und unverfroren zu fordern pflegen.
Wir fragen: Was war vorher? Hohentengen (älteste erhaltene urkundliche Nennung: 877), das Städtchen Kaiserstuhl (gegründet: 1255) und die Gemeinde Weiach (älteste erhaltene urkundliche Nennung: 1271) oder der Flughafen? Und haben die Hohentengener, Kaiserstuhler und Weiacher nicht auch ein Recht auf Ruhe?
Machtpolitisch vielleicht nicht. Wenn die Kanalisierungspropagierer kraft ihrer demographischen Potenz obsiegen, dann mögen auch Bauverbote gerechtfertigt sein. Aber dann muss endlich auch die Frage der vollen Entschädigung auf den Tisch. Ruhe im Süden gibt es nicht gratis, meine Herren!
[Veröffentlicht am 18.4.2007]