Freitag, 8. Juni 2007

Zürcher Arroganz – live in der Helferei

Erste Erfahrung gestern morgen: auch wer eine Milliardenpleite zu verantworten hat, wird nicht zur Verantwortung gezogen und erhält zusätzlich zum richterlichen Persilschein auch noch eine fürstliche Prozessentschädigung aus Steuergeldern. 19 Millionen soll der Swissair-Prozess gekostet haben. Mit anderen Worten: jeder Zürcher zahlt für dieses Theater noch 20 Franken Eintritt. Dummheit ist erlaubt und strafrechtlich irrelevant.

Nicht wirklich viele Einsprachen

Heute ist die Rekursfrist gegen den Gekröpften Nordanflug abgelaufen. Es gab gerade einmal 455 Einsprachen, davon 378 «auf dem gleichen vorgedruckten Formular einer Fluglärmorganisation», schreibt der Tages-Anzeiger. Den Grossteil wird das BAZL also wohl in globo beurteilen.

Es handelt sich auch nicht wirklich um eine Einspracheflut von Seiten gewöhnlicher Betroffener, wie sie in den letzten Jahren von den Südschneisern organisiert wurde. Im Norden hat man sich auf privater Ebene offensichtlich mit der Belärmung abgefunden - nicht aber auf der politischen. Das Engagement der Gemeinden und einiger Flulärmvereine wird unterstützt - wenn auch nicht derart spektakulär wie in den traditionell aufrührerischen Gebieten auf dem Pfannenstil und am See.

Die Selbstdarsteller schlagen ihre Pfauenräder

Zweite Erfahrung gestern abend nach 18:30 Uhr an einer Podiumsdiskussion zum Gekröpften Nordanflug: Die Zürcher Politik südlich des Flughafens glaubt nach wie vor, arrogantes Auftreten gegenüber den Süddeutschen bringe Verhandlungsvorteile. Die Verkörperung dieser Arroganz war der Part von Filippo Leutenegger, dem zum Politiker mutierten Arena-Moderator des Schweizer Fernsehens.

Neben Leutenegger waren auch die Präsidenten der Vereine Gekröpfter Nordanflug Nein und Flugschneise Süd Nein (VFSN) auf dem Podium sowie als weiterer Nationalrat der Aargauer Grüne Geri Müller.

Im Kulturhaus Helferei an der Kirchgasse 13 mitten in der Zürcher Altstadt kreuzten also folgende Herren die Klingen (v.l.n.r.):
  • Thomas Morf, Präsident Flugschneise Süd – NEIN
  • Kurt Schmid, Präsident Gekröpfter Nordanflug NEIN
  • Filippo Leutenegger, NR FDP, Zürich
  • Geri Müller, NR GPS, Aargau
Stephan Oehen, politischer Berater des Fluglärmforums Süd (der Vereinigung der Gemeinden im Süden des Flughafens) versuchte sich als Moderator.


Das Publikum? Entsprechend dem Organisator (erkennbar an den allgegenwärtigen gelben VFSN-Bannern) bestand es vor allem aus saturierten Wohlstandsbürgern im Pensionierungsalter, die beim Warten auf die Podiumsdiskussion die nächsten sogenannten «Mahnwachen» am Flughafen besprachen. Die bewährte Claquer-Truppe also, die gerne ihrem Guru Thomas Morf zuhört und alle ausbuht, die nicht genau auf dieser Linie fahren.


Taschenspielertricks verwedeln alles

Während Morf wie ein Taschenspieler sec seine Zahlen und Fakten herunterratterte, die von vielen Zuhörern brav mit Kopfnicken quittiert wurden, war Leutenegger für die populistischen Kraftmeiereien zuständig.

Das lässt sich an einem Beispiel vom Beginn der Veranstaltung illustrieren:

Geri Müller sagte da unter anderem: «Wir haben ein Mengenproblem. Nun dürfen die heissen Herdöpfel nicht im Kreis herumgeschoben werden.» Der gesamte Flugverkehr müsse reduziert werden, man dürfe nicht einfach verlangen, das sollten die im Süden fressen. Der Südanflug sei ebenso nicht akzeptabel wie der Gekröpfte Nordanflug. Das freute die meisten Zuhörer natürlich.

Müller hatte allerdings auch ein gewichtiges Gegenargument im Köcher. Im Zwischenlager Würenlingen stünden 8 Castoren mit nur 20 cm Betondecke darüber. «Die KSK [Kommission für die Sicherheit der Kernkraftwerke] hat ihre Meinung dazu gesagt und das floss nicht in die Beurteilung ein!». Daraus muss man schliessen, dass die KSK-Stellungnahme überhaupt nicht positiv ausgefallen ist - im Gegenteil (vgl. den WeiachBlog-Artikel vom 4. Juni).

Leutenegger als Arroganzbolzen

Leutenegger hörte sehr selektiv zu. Er dankte für die Steilvorlage, Südanflüge seien etwas Schlechtes. Und zog dann gegen die Raumplanungspolitik des Kantons vom Leder. Da sei Kritik nötig. Man habe «am falschen Ort (..) zusätzliche Ansiedlungen gemacht». Dann streute er Asche über sein Politikerhaupt: «Man muss das Instrument GNA richtig interpretieren. Die paar Dörfer im Süddeutschen konnten sich nur wehren weil wir arrogant gehandelt haben». Da hat er allerdings recht. Und es tönt schon fast so, als sei das eine späte Einsicht. Schliesslich war Leuteneggers FDP massgeblich daran beteiligt, den Staatsvertrag zu kippen.

Bald zeigte sich allerdings, was von diesen Worten zu halten ist. Der Gekröpfte sei nur eine «temporäre Massnahme damit die Schweiz den Willen bekundet, dass wir diesen Zustand nicht akzeptieren und mit Deutschland verhandlungsfähig werden. Dann haben die Deutschen wieder ein Interesse zu verhandeln. Wir müssen dafür sorgen, dass wir Verhandlungsmasse haben», sagte Leutenegger. Also Spiegelfechten. Zwängerei. Und deshalb: Arroganz pur. Nichts gelernt. Da werden die Deutschen nur noch mehr blocken.

Verschobene Wahrnehmung

Die Krone setzte der Ex-Arena-Matador dem Ganzen auf, als er schliesslich noch etwas faselte von «Waldshut» (gemeint: der Landkreis), das sich «in der Geiselhaft von Hohentengen» befinde. Eine völlige Verkehrung der Realitäten. Berlin und Waldshut benutzen die Hohentengener auch nur als Spielfiguren. Da wundere sich noch einer, wieso die FDP auf dem absteigenden Ast ist. Bei solchen Politikern ist das die logische Folge.

Die einzig realistische Stellungnahme dazu gab Geri Müller: «Deutschland wird dem nie und nimmer zustimmen. Die werden sofort Retorsionsmassnahmen ergreifen».

[Veröffentlicht am 20. August 2007]

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Apropos Geri Müller: Stimmt! Und deshalb sollte die Schweiz den Flughafenkonflikt mit Deutschland endlich als das behandeln, was er ist, ein Wirtschaftskrieg! Es gibt keinen Grund gegenüber Deutschland ständig nachzugeben. Oder doch? Ah ja, der Flughafen profitiert ja von den deutschen Beschränkungen...

Anonym hat gesagt…

Zum Glück gibt es positive Signale zum GNA - Das BAZL hat den Deutschen kürzlich widersprochen, als sie behaupteten, der GNA liesse sich durch "lauftraumorganisatorische Massnahmen" (konkret: DFS überwacht deutschen Luftraum währen Verbotszeiten) verhindern.

Rechtlich ist es ganz einfach so, dass die Flugzeuge nicht über deutschem Territorium fliegen dürfen.

Sollten die Deutschen den Luftraum nun bis an die CH-Grenze die Konrolle ausübern wollen, so müssen sie uns garantieren, dass kein Flieger in den CH-Luftraum eindringt. Mit der vorhandenen Technologie heisst das, dass kein Flugweg näher als 2.5 Meilen an der schweizer Grenze geplant werden kann.

Nun hat man nachgewiesen, dass der GNA auch mit einer Luftraumbreite von 1 Meile sicher durchführbar ist, unter Verwendung von P-RNAV. somit können wir unsere Flugwege bis 1 Meile an die deutsch Grenze hin legen. Ohne den Segen Deutschlands.

Jetzt gilt es zu handeln! Entweder wir kriegen mit den deutschen eine bessere Randstundenregelung hin oder aber der GNA wird tatsächlich geflogen. Das ist die "Verhandlungsmasse", die Filippo Leutenegger meint.

Filippo ist der engagierteste Politiker für die zürcher Bevölkerung und bekommt von mir auf jeden Fall 2 Stimmen bei den Wahlen!

WG(n) hat gesagt…

Für mich bleibt es dabei: der GNA ist eine elende Zwängerei auf Kosten der Sicherheit und (erneut) der Bevölkerung im Norden. Und das nur, um "Verhandlungsmasse" zu bekommen und die aufgebrachten Südschneiser zu gschweigen. Deshalb: Leutenegger und die FDP-Flughafenturbos sind für mich als Weiacher nicht wählbar.

Anonym hat gesagt…

Und ob es den Anwohnern im Norden passt oder nicht: Nicht nur Süddeutsche und Weiacher schlafen mal gerne länger als bis 6 Uhr, v.a. am Wochenende.

Wenn das Deutschland nicht selber einsieht, so muss man es eben zu dieser Einsicht zwingen.

Ales Zureden hat bei den sturen Schwaben bisher nix gefruchtet. Da fragt man sich schon, wer da der "arrogante" Part ist?!

WG(n) hat gesagt…

Den Vorwurf der Arroganz kann man tel quel zurückgeben.

1. Wenn man im Süden nach 1984 und vor dem gescheiterten Staatsvertrag kapiert hätte, dass auch der Flughafen-Norden (Zürcher Unterland und Süddeutschland) "gerne länger als bis 6 Uhr, v.a. am Wochenende", dann wäre es nicht zu solchen einseitigen Massnahmen (DVO's) gekommen.

Wenn man es nicht so weit hätte kommen lassen wollen, dann hätte das bedingt, dass man auf dem Pfannenstil bereit gewesen wäre, seinen Anteil am Fluglärm zu übernehmen - z.B. im Rotationssystem.

Das wollte und will man dort aber auf gar keinen Fall. Man glaubt immer noch an sein absolutes Recht auf Ruhe. Völlig realitätsfremd. Diese Zeiten sind vorbei.

2. Deutschland zur Einsicht zwingen? Mit der Einführung des Gekröpften Nordanflugs? Lächerlicher kann man sich nicht machen. Die machen sich in Berlin schon vor Angst in die Hose. Get real, liebe Südschneiser!

3. Wer jahrelang beschissen worden ist (Verwaltungsvereinbarung 1984 wurde nie eingehalten), der schaltet irgendwann auf stur. Der dauernde Vertragsbruch durch UNIQUE kam der Bundesregierung in Berlin sehr zupass. Einfacher kann man den Konkurrenten in Stuttgart und München nicht Vorteile zuschanzen.

Fazit: Ignoranz (und Arroganz) ist südlich des Flughafens geradezu endemisch und epidemisch vorhanden.

Anonym hat gesagt…

Ja, der GNA kann ohne deutsche Einwilligung geflogen werden. In die Hose machen sich die Deutschen deswegen kaum, denn die Flieger sind von den Siedlungen auf deutscher Seite 10-20 mal weiter Entfernt als über Zürich, Kloten oder Opfikon.

Aber selbstverständlich will Berlin einen aviatischen Konkurrenzflughafen für München oder FFM schwächen, da kommt die Bevölkerung von Hohentengen als Vorwand gelegen...

Deutschland kann den GNA trotzdem verhindern - indem man ganz einfach wieder normal von Norden anfliegen lässt - Gemäss unserem Freund Geri Müller die einzige sinnvolle Variante.

WG(n) hat gesagt…

Hey! Der Satz "Die machen sich in Berlin schon vor Angst in die Hose." war doch IRONISCH gemeint. Machen sie sich eben gerade nicht.

Eines muss allerdings jedem Südschneiser klar sein: mit dem alleinigen Nordanflug ist es wohl für länger vorbei. Die Deutschen werden niemals so vielen Nord-Straight-Anflügen zustimmen (über 85% aller Anflüge auf Piste 14) wie sie in den 90er-Jahren in Verletzung der Verwaltungsvereinbarung durchgeführt wurden.

Ohne eine signifikante Anzahl Südanflüge geht es nicht. Jeder muss einen Anteil übernehmen.

Anonym hat gesagt…

Falsch. Am SIL Prozess wird als Langfristvariante eine Kombination von Nord- und Ostanflügen angestrebt, weil damit die Zahl der belasteten Anwohner weiter sinken kann.

Auf jeden Fall wird in Zukunft vermehrt nach Norden gestartet werden. Aber das wünschen die Bewohner des Unterlands offenbar, wenn sie immer nach Süd- und Ostanflügen schreien.

Südanflüge sind höchstens bei starken Bisenlagen flugtechnisch sinnvoll, aber nie als sinnvolle Massnahme bezüglich "Lärmmanagement".

Anonym hat gesagt…

Wir wünschen uns mehr Politiker von der Qualität Filippo Leuteneggers. Weiter so, Filippo!

Anonym hat gesagt…

Leutenegger zum Flughafen/GNA

http://www.zueriplus.ch/xml_1/internet/de/application/d8/f15.cfm?film=/zueriplus/wochen/2007/W01/W01v07

WG(n) hat gesagt…

Hört, hört. Es wird also eingeräumt, dass Südanflüge "flugtechnisch sinnvoll" sein können. Mit anderen Worten, bei Bise kann es aus Sicherheitsgründen nötig sein, von Süden her anzufliegen. Aber selbst dagegen läuft man ja im Süden Sturm. Es geht also überhaupt nicht um diesen Punkt.

Im Gegensatz zu den Südschneisern sind wir hier im Flughafen-Norden der Meinung, dass alle ihren fairen Anteil übernehmen müssen. Die paar Prozente, die der Süden heute mitträgt, können durchaus als das verstanden werden - a fair share.

Wir im Unterland haben nicht verlangt, dass das ausgerechnet von 6-7 Uhr morgens sein muss. Das hat sich die Politik mit ihrer Ablehnung des Staatsvertrages selbst eingebrockt.

Sollte der Süden im Rahmen des SIL-Prozesses einseitig bevorzugt und vollständig von Fluglärm verschont werden (nicht zuletzt dank finanzkräftigen Lobbyings und dauernder PR-Bombardements), dann wäre dies eine eklatante Ungleichbehandlung gegenüber den anderen Himmelsrichtungen, die mit keinem noch so ausgeklügelten Index (ob ZFI oder etwas anderes) gerechtfertigt werden kann.

Uns geht es ums Prinzip. Alle profitieren vom Flughafen - also sollen auch alle etwas vom Lärm haben. Das ist gerechtes Lärmmanagement. Und durchaus mit dem Umweltschutzgesetz zu vereinbaren - auch wenn das von egoistischen Südschneisern rundweg abgestritten wird.

WG(n) hat gesagt…

Zum oben referenzierten TV-Beitrag von ZüriPlus: Interessant, aber leider reine Hofberichterstattung der Südschneiser - wie man an den über weite Strecken völlig tendenziösen Fragen und Kommentaren der Moderatorin sieht.

Anonym hat gesagt…

Umweltschutzgesetz: Das Beurteilungskriterium ist die Zahl Personen, die über den IGW belastet wird. Im Bericht über die 19 Betriebsvarianten des SIL-Prozess wird diese für alle möglichen Verfahren berechnet. Am besten schneidet die Variante A (Betrieb 2000) ab sowie Varianten mit einer Kombination aus Nord- und Ostausrichtung.

Es ist festgehalten: "Für die bevorzugte Wahl eines Betriebsreglements gegenüber einem andern ist die Zahl über IGW belasteter Personen ausschlaggebend, sofern der Unterschied signifikant ist".

Signifikanz bedeutet dabei mindestens 5-10% abweichend.

Mit Lärmverteilung (Variante G) werden die lärmgünstigsten Betriebsregime lärmmässig um ca. 40% übertroffen, weshalb diese Ideen am SIL auch fallengelassen wurden, weil umweltrechtlich schlicht nicht haltbar.

Der Favorit ist Variante J - wobei das Ja der Regierung zum Pistenausbau daran gekoppelt ist, dass Deutschland Hand bietet für die Aufhebung des Südanfluges - ohne dieses Entgegenkommen ist der GNA die erste Wahl.

WG(n) hat gesagt…

Erst einmal: Wo sind die Quellenangaben für Ihre Aussagen?

Dann zu den einzelnen Punkten: Lärmverteilung sei "umweltrechtlich nicht haltbar"? Das ist sie nur dann, wenn man es sich als Politiker oder Regierender aus politischer Opportunität und Bequemlichkeit von seinen Experten so zurechtlegen lässt.

Die Entscheidung, möglichst wenige Leute, diese dafür aber stark und von früh bis spät der Beschallung im 1.5-Minuten-Takt auszusetzen - also ein Verbrechen an deren Gesundheit zu begehen - fällt einem Politiker leicht. Denn Minderheiten sind in Volksabstimmungen leicht zu überstimmen, wenn man der Mehrheit einen Vorteil dadurch verspricht, dass sie den Lebensraum dieser Minderheit gratis und franko belasten und als Lärmkübel missbrauchen darf. Dieses NIMBY-Prinzip funktioniert auch beim SIL-Prozess - und zwar in Reinkultur.

Den Artikel im Schweizer Umweltschutzrecht (und zwar nur dem von Parlament und Volk verabschiedeten und in der Systematischen Sammlung aufgenommenen Erlassen), der explizit ein Kanalisieren verlangt und ein Verteilen verbietet, den möchte ich gern einmal schwarz auf weiss sehen. Eine Vorschrift, man müsse nach "Anzahl stark gestörter Personen" auf Minimum optimieren, findet man da jedenfalls nirgends.

Und übrigens: Der Sachplan Infrastruktur Luft (SIL) ist ein Raumplanungsinstrument. Umweltschutz (und damit Schutz der Bevölkerung vor übermässigem Lärm) ist da nur ein Aspekt von vielen. Das lässt sich dem BAZL-Dokument "Kriterien (ungewichtet) für die Bewertung der Betriebsvarianten und Erläuterungen" vom 4. Oktober 2005 entnehmen.

Anonym hat gesagt…

Gemäss USG sind Siedlungen wohnlich zu erhalten und von schädlichen (über IGW) und lästigen (störend, obwohl IGW nicht überschritten, z.B. Südanflüge um 6 Uhr morgens) Immissionen und Erschütterungen zu verschonen. Dass man die möglichst gute Einhaltung dieser Vorgaben an der möglichst minimalen Zahl der Personen misst, für die das nicht gilt, ist seit jeher rechtliche Praxis und darum läufts am SIL eben gegen Verteilvarianten.

Zudem wird mit dem SIL auch unter obiger Prämisse eben gerade nicht eine Permanentbeschallung von Leuten angestrebt! Die favorisierte Variante J ermöglicht für die grösstmögliche Zahl von Anwohnern lärmfreie Zeitfenster Im Süden gibts zeitenweise eine Entlastung von Starts und Südanflüge müssen höchstens bei starken Bisenlagen durchgeführt werden - der bisher privilegierte Osten muss zu Gunsten des Gesamtwohls eine Mehrbelastung in Kauf nehmen, dafür bekommen v.a. die Anwohner im Westen eine starke Entlastung.

Einzig in einem kleinen Gebiet im Norden (Höri und Stadel) sind damit keinen lärmfreien Fenster ausserhalb der 7 Stunden Nachtruhe möglich. Aber da der Flughafen schon seit 1961 nach Norden ausgerichtet ist, ist dies nicht derart ungerecht, wie immer wieder vom Norden dargestellt. Wer vor 1961 dort eine Immobilie besessen hat, hat ein Anrecht auf Entschädigung, und wer später dort gebaut hat, hat sich sein Haus wissentlich in eine Flugschneise mit Jetbetrieb gebaut und kann nicht legitim verlangen, dass der Verkehr anderen Menschen aufgebürdet wird.

WG(n) hat gesagt…

Eine "Permanentbeschallung" wird zwar nicht angestrebt, aber das ist de facto der Lebenszustand unter der Schneise 14 - seit Jahrzehnten.

Es braucht schon ziemlich viel Frechheit, Dinge zu schreiben wie: "Wer vor 1961 dort [unter der Schneise 14 in Stadel oder Höri] eine Immobilie besessen hat, hat ein Anrecht auf Entschädigung".

Hat uns doch der Regierungsrat schon vor Jahren angelogen indem er behauptet hat, der Fluglärm werde abnehmen: "In der Weisung an den Stimmbürger war unter anderem zu lesen, dass der Fluglärm keinen weitere Steigerung, sondern im Laufe der Jahre eine Milderung erfahre.
Das war vor 50 Jahren (Quelle im WeiachBlog-Artikel vom 6. Juni 07)

Wir glauben gar nichts mehr. Kommt dazu: Von einem Recht auf Entschädigung haben wir im Unterland noch nie etwas gehört, geschweige denn Geld gesehen. Und da wird auch nichts kommen - schon nur weil man keine Präzedenzfälle schaffen will. Notfalls findet das Bundesgericht wieder einen Weg wie man uns das Recht darauf absprechen kann.

Es ist ziemlich verwegen, den im Unterland Wohnenden nun vorzuhalten, man habe ja schon immer gewusst, dass dort Fluglärm sei - und daraus abzuleiten, dass man diesen praktisch beliebig ausdehnen kann.

Mit dieser Logik in der Tasche sind auch 400'000 Flugbewegungen kein Problem, denn schliesslich ist ja immer noch die kleinstmögliche Anzahl Menschen beschallt.

Hauptsache der Süden hat Ruhe und die Gelbkäppchen rennen dem Regierungsrat und der UNIQUE nicht mehr die Bude ein.

Anonym hat gesagt…

Halt mal: Wenn die Bewohner von Höri/Stadel eine Entschädigung wollen, so haben sie sicher den Support der anderen Himmelsrichtungen. Aber nicht, wenn sie die Bewegungen einfach dem Süden oder Osten anhängen wollen.

Im übrigen hat sicher der Regierungsrat am SIL gegen eine Parallelpiste ausgesprochen, welche 400k Bewegungen und mehr erst ermöglichen würde, ebenso die meisten Südgemeinden. Befürworter von Parallelpisten sind v.a. die Aargauer, aber auch die Thurgauer, nebst den anderen Nachbarkantonen - eure Lärmverteilerfreunde sozusagen.

WG(n) hat gesagt…

Soso. Und warum hat man sich in den letzten Jahrzehnten nicht dafür stark gemacht?

Im Norden ist man unter den Schneisen 14 und 16 nicht mehr bereit, allen zusätzlichen Verkehr zu übernehmen, ohne dass die anderen Himmelsrichtungen substantiell dabei helfen, diese Belastung mitzutragen.

Wenn man diese Aussage bereits interpretiert als "die Bewegungen einfach dem Süden oder Osten anhängen wollen", dann nützen auch ein paar Ablasszahlungen seitens des Flughafenbetreibers nichts. Diese Unterstellung weisen wir in aller Form zurück.

Fakt ist: man hat uns im Unterland fast allen Lärm zugeschoben, weil wir a) im Kanton eine Minderheit sind, die b) traditionell dafür bekannt ist, dass sie nicht so revoluzzerisch ist wie die Bewohner auf dem Pfannenstil und am Zürichsee.

Warum sind die Unterländer nun nicht mehr bereit, alles zu schlucken? Ganz einfach: Seit den 80er-Jahren ist die Belastung geradezu explodiert. Momentan ist sie zwar wieder etwas kleiner als in den Boomjahren der späten Swissair. Was der Flughafen plant, lässt aber Schlimmes befürchten.

Vor allem dann, wenn man im Süden der Meinung ist, dass diese ganzen Steigerungen nur vom Norden getragen werden sollen, da es ja eine "natürliche Nordausrichtung" gebe.

Solche sprachlichen Entgleisungen machen uns wütend. Wir sind nicht mehr der bequeme Abfallkübel des Kantons. Das ist die Botschaft der IG Nord. Und es ist letztlich auch die Botschaft aller anderen von Ihnen als "Lärmverteilerfreunde" apostrophierten Aargauer und Süddeutschen.

Anonym hat gesagt…

Fakt ist: Viele Anwohner im Süden und Westen tragen seit jeher die höhere Lärmbelastung als die in Weiach, Stadel oder gar die in Süddeutschland. Und die können jetzt endlich eine Entlastung bekommen durch einen Ausbau der Pisten und ein intelligentes Lärmmanagement, d.h. man verschiebt die Starts in den kaukm bevölkerten Norden, wenn eben Landungen von Norden zeitweise nicht möglich sind.

Tja, man kann den Verkehr nicht zur Zufriedenheit aller Regeln, aber man kann ihn so regeln, dass nur wenige Anwohner belärmt werden.

Auch wenn die im Norden und Osten wenig Gemeinsinn haben, wir gehen am SIL erfreulicherweise in eine gute Richtung. Rita Fuhrer macht das korrekt.

Es gibt ohne Zweifel eine "historische" Nordausrichtung - daran hat man sich bei der Besiedlung um den Flughafen faktisch halten müssen und gerade im Umfeld eines Flughafens sind die Investoren darauf angewiesen, dass dies nicht einfach aus politischer Willkür geändert wird. (Nachhaltigkeitsprinzip der Raumplanung nennt man das)

WG(n) hat gesagt…

Bei den erwähnten Anwohnern im Süden und Westen handelt es sich um die Rümlanger und die Opfiker. Und gerade in diesen beiden Gemeinden hat das von Ihnen bemühte "Nachhaltigkeitsprinzip der Raumplanung" kläglich versagt. Da hätte man nämlich glatt jede weitere Bautätigkeit verbieten müssen. So etwas wie ein Glattpark hätte auch nicht entstehen dürfen.

Zu behaupten, ein Ausbau der Pisten entlaste diese Anwohner, zeugt von Blauäugigkeit, ja eklatanter Unkenntnis. Warum wohl wehren sich die Rümlanger gegen die Verlängerung der Piste 28 nach Westen? Sicher, weil sie dadurch entlastet werden, oder? Ergo ist diese Behauptung ziemlich lächerlich - zumindest im Falle Rümlangs.

Die euphemistische Formulierung "intelligentes Lärmmanagement, d.h. man verschiebt die Starts in den kaukm bevölkerten Norden" zeigt wieder einmal die Arroganz der Mehrheit. Wenn man "kaum bevölkert" liest, denkt man an Nordnorwegen oder Kanada mit 1-2 Einwohner pro Quadratkilometer. Aber nicht an die 200'000 Menschen wie in den Bezirken Bülach und Dielsdorf (alle über 400 Einwohner pro Quadratkilometer und noch viel mehr wenn man die überflogenen Ortskerne nimmt - dann steigt dieser Wert bei Weiach auf fast 900 an - das kommt an Durchschnittszahlen des Bezirks Dietikon heran.

Weiter ist die Aussage "auch wenn die im Norden und Osten wenig Gemeinsinn haben" eine bodenlose Frechheit. Immerhin übernehmen wir über 80% aller Anflüge. Wenn das kein Gemeinsinn ist, dann weiss ich auch nicht, was man dann noch darunter verstehen soll. Uns geht es nur darum, dass nicht alle zu erwartenden Steigerungen bei uns landen - einfach weil es so praktisch ist, das Argument der "historischen Nordausrichtung".

An Raumplanungsgrundsätze hat man sich beim Ausbau der Besiedlung um den Flughafen eben gerade nicht gehalten. Von Bauverboten im Unterland war jedenfalls bis vor wenigen Jahren nicht die Rede. Und klar ist auch warum: denn das hätte unweigerlich wütende Reaktionen der Betroffenen und hohe Entschädigungsforderungen nach sich gezogen - auf die man auf keinen Fall eingehen wollte.

Politische Willkür ist es, wenn man zwar eine offizielle Raumplanung hat, sich dann aber nicht daran hält und am Schluss vor der vollendeten Tatsache steht, dass beispielsweise in Bülach und anderswo im Unterland (z.B. in Kloten, wenige hundert Meter östlich der Schwelle der Westpiste 10/28) wie verrückt gebaut wurde und wird. Das zu verhindern hatten die Regierenden der letzten Jahrzehnte schlicht den Mut nicht. Und sie haben ihn auch heute nicht. Auch Frau Fuhrer mit ihrem SIL-Gebastel nicht.

Anonym hat gesagt…

Also die Rümlanger reagieren (teilweise) sehr emotional. Es ist ohne Zweifel so, dass bei einer vermehrten Benützung der Ostpiste als Landebahn weniger Starts nach Westen stattfinden werden. Folglich hört man auch keine grosse Opposition der restlichen Gemeinden aus dem Westen.

Hinter Relief stehen insbesondere die Gemeinden Wallisellen, Opfikon u.a. - diejenigen Gebiete also, die sowohl unter Südstarts und -anflügen leiden müssen.

Anonym hat gesagt…

Im folgenden Dokument stellt der anerkannte Lärmfachman die Idee der Lärmverteilung der Idee des Lärmmanagement à la RELIEF entgegen:

http://www.bantliz.com/suedanflug/suedanflug-downloads/050405-Vortrag-Hofmann-Opfikon.pdf