Montag, 10. Januar 2011

Ungenutztes Potential des Weiacher Waldes

«Wieviel Öl wächst im Gemeindewald pro Jahr?», fragte WeiachBlog am 4. März 2010 und kam zum Schluss, dass allein auf der Waldfläche die der Gemeinde gehört jährlich ein Äquivalent von 265'000 Liter Heizöl nachwächst.

Damit könnte man rund die Hälfte aller Weiacher mit nachhaltig erzeugter, kohlendioxid-neutraler Heizenergie versorgen. Ein Potential das durch die Holzschnitzel-Fernheizung im Mehrzweckgebäude Hofwies längst nicht ausgeschöpft wird.

Ausbau auf über das Doppelte möglich

Auch die Zürcher Regierung, oder genauer: das «Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft» (AWEL) macht sich darüber Gedanken.

Im Energieplanungsbericht 2010, dem Bericht des Regierungsrates über die Energieplanung des Kantons Zürich werden «Genutzte und ungenutzte Wärmepotenziale an Holzenergie (Waldholz) in MWh pro Jahr» aufgelistet, sofern das ungenutzte Angebot im Jahre 2009 mehr als 2000 MWh umfasste.

Kantonsweit sind schon 440'000 MWh genutzt. Über die Hälfte des verfügbaren Potentials. In Weiach dagegen könnte man nach Ansicht des AWEL locker das 2.5-fache der aktuellen Nutzung an Wärmeholz herausholen. Genutzt wurden 2009 Wärmepotenziale im Umfang von 2100 MWh. Noch ungenutzt blieben hingegen ganze 3800 MWh! (vgl. Tabelle 17 auf S. 37)

Verschlafen wir die Zukunft?

Da fragt man sich: Wo bleiben eigentlich die Anreize der Gemeinde, wenigstens die neu erstellten Bauten an den umweltfreundlichen kommunalen Fernwärmeverbund anzuschliessen?

Für solche Investitionen in die Zukunft würde sich das Steuernzahlen wenigstens lohnen, finden Sie nicht?

Kommentare:

Christian Dünki hat gesagt…

Im Raum Wehntal, Stadel, Bachs, Weiach gibt es tatsächlich ein sehr grosses Potenzial an Holznutzungen. Es sind jedoch in erster Linie nicht die öffentlichen Wälder, welche ein Nutzungsdefizit aufweisen, sondern die privaten. Die Förster setzten sich immer wieder für die Pflege und Nutzung des Privatwaldes ein, aber der finanzielle Anreiz zur Holznutzung ist heute einfach noch zu klein, sprich das Holz zu günstig. Auf dem Holzmarkt spielt die besonders beim Bauholz die Konkurrenz aus dem Ausland eine gewichtige Rolle. Langsam jedoch wird das Energieholz mehr genutzt (z.B. Holzheizkraftwerk Aubrugg) und der Markt wird die Preise in den nächsten Jahren sicherlich etwas nach oben korrigieren. Für die privaten Waldbesitzer ist das Holz im Wald eine Kapitalanlage, welche sich in Zukunft wieder rechnen wird. Allerdings darf man mit der Nutzung wirklich nicht allzu lange warten, da die Stabilität der Bestände leidet und die Holzindustrie nur auf grosse Zwangsnutzungen aus Windwurf- oder Käfergeschädigten Wäldern wartet. Das reicht soweit, dass sie damit kalkuliert und der Holzpreis damit drückt. Regelmässige Nutzungen in Privatwälder helfen so die Bestände und den Holzpreis zu stabilisieren. Die Aufgabe der Gemeinde ist die lokale Abnahme mit Holzfeuerungen und Holzbauten zu fördern. Leider ist dieses Bewusstsein in unserer Umgebung noch sehr gering. Als ich an der Gemeindeversammlung einwarf, wieso die Gemeinde Steinmaur nicht einen Holzbau für die Erweiterung der Verwaltung prüfte, sagte der Gemeindepräsident: Es ist uns gar nicht in den Sinn gekommen, dass ein Holzbau auch reichen könnte. Eine Studie eines Energieingenieurs für einen Wärmeverbund mit Schnitzenlheizung in Steinmaur fand kein (öffentliches) Interesse.
Wir müssen regionale Ressourcen wieder fördern und den Umgang mit Wald und Holz überdenken! Christian Dünki, Dipl. Forsting. ETH, Sünikon

WG(n) hat gesagt…

Herzlichen Dank an Christian Dünki für diesen ausführlichen Kommentar.

Es ist in der Tat so, dass noch viel zu wenig an die Ressourcen vor der eigenen Haustüre gedacht wird. Das wäre unseren Vorfahren, denen es wirtschaftlich wesentlich schlechter ging als uns aktuell, gar nicht in den Sinn gekommen. Damals galt: Gut bestockter Holzboden = Reichtum. Hoffentlich gilt das auch in Zukunft wieder mehr.

Mehr davon wie eine nachhaltige Kleinlandwirtschaft vor unserer Haustüre aussehen könnte, findet man auf der Website von Dünkis Beratungsunternehmen: http://www.pyrus.ch/ - ein Besuch lohnt sich!