Mittwoch, 19. Januar 2011

Unterschriften gegen das Frauenstimmrecht gesammelt

«Horrorvorstellung Frauenstimmrecht» lautete der Titel des WeiachBlog-Eintrags vom 1. Februar 2009. Die Skepsis vor den revolutionären Neuerungen in der Gesellschaft, welche sich auch in politischer Mitbestimmung der Frauen auswirken sollten, führte zu Gegenreaktionen, wie in den Weiacher Geschichte(n) Nr. 113 (publiziert im April 2009) nachzulesen ist:

«Im Zürcher Unterland gab es nach dem Zweiten Weltkrieg sogar eine Frauengruppe, die aktiv gegen die Einführung des Frauenstimmrechts kämpfte.»

Die Landfrauen sind dagegen

Wenn man die in der zweiten Jahreshälfte 2009 erschienene Bopplisser Zytig, Ausgabe 3/2009 auf Seite 29 aufschlägt, dann findet man auch den Namen dieser Gruppierung. Es handelt sich um die Landfrauenvereinigung Bezirk Dielsdorf:

«1960: Die Vertrauensfrauen (heute Ortsvertreterinnen) beschlossen beim Einziehen des Mitgliederbeitrags, zugleich Unterschriften zu sammeln. Man darf kaum erwähnen wofür, nämlich gegen das Frauenstimmrecht. Das war jedoch die Haltung anno dazumal! Wichtig war auch ihre Rolle als Anlaufstelle. In einer Zeit, wo praktisch alle öffentlichen Ämter mit Männern besetzt waren, war man froh, nicht mit jedem Problem zu einem Mann gehen zu müssen.»

Im Vorfeld der Abstimmung über das Frauenstimmrecht von 1959 war es so, dass die Schweizerische Landfrauenvereinigung (SLFV) die Nein-Parole ausgab. Erst zehn Jahre später, beim Marsch auf Bern und der Annahme des Manifests von Emilie Lieberherr war ihre Haltung dann pro Frauenstimmrecht.

Lokale Auswirkung einer nationalen Bewegung

Man darf also nicht davon ausgehen, dass sich die Gegnerschaft nur in Weiach formierte. Es dürfte sich eher um den lokalen Widerschein eines nationalen Phänomens gehandelt haben, das der damaligen Geisteshaltung vieler Weiacherinnen entsprach.

Der nach der Ablehnung 1959 gegründete «Bund der Schweizerinnen gegen das Frauenstimmrecht» argumentierte bspw. in konservativer Manier damit, «dass die Frauen aufgrund ihrer biologischen Verschiedenheit durch ihre politische und rechtliche Gleichstellung benachteiligt würden» (vgl. Wikipedia-Artikel Frauenstimmrecht in der Schweiz).

Interessant sind in diesem Zusammenhang der Nachlass der Anti-Frauenstimmrechtsaktivistin Getrud Haldimann, der im Gosteli-Archiv liegt, sowie die u.a. darauf aufbauende Berner Lizentiats-Arbeit von Daniel Furter «Die umgekehrten Suffragetten». Die Gegnerinnen des Frauenstimmrechts in der Schweiz von 1958-1971 [Bern, 2003].

Frühere Artikel

1 Kommentar:

WG(n) hat gesagt…

Unter dem Titel «Kämpferinnen gegen ihr eigenes Recht» veröffentlichte 20Minuten Online am 4. Februar 2011 einen Artikel zum Thema Gegnerinnen des Frauenstimmrechts.