Sonntag, 14. September 2025

Weiacher Strassen, Wege und Gassen mit einem ESID

Neben dem EGID (Eidg. Gebäudeidentifikator; vgl. WeiachBlog Nr. 885) und dem EWID (Eidg. Wohnungsidentifikator) gibt es auch den ESID (Eidgenössischer Strassenidentifikator).

Dieser ESID ist der Schlüssel für die Datenelemente in einer beim Bundesamt für Landestopografie geführten Datenbank, die auf map.geo.admin.ch wie folgt beschrieben wird:

«Offizieller Datensatz für «Amtliches Verzeichnis der Strassen», ID196, gemäss Katalog der Geobasisdaten nach Bundesrecht. Das amtliche Verzeichnis der Strassen beinhaltet sämtliche Strassennamen, welche im Eidgenössischen Gebäude- und Wohnungsregister (GWR) offiziell deklariert werden. Die Verantwortlichkeit für die Vollständigkeit der Namen im amtlichen Verzeichnis der Strassen erfolgt nach kantonalen Vorschriften. Es handelt sich um eine Collection, die sowohl Zugriff auf die Gebäudeadressen der Schweiz als auch Liechtensteins bietet.»

Unnötig abgemurkste traditionelle Hofnamen

Strassen und Wege nach diesem Verzeichnis müssen nicht unbedingt lineare Strukturen sein. Es kann sich auch um eine Fläche (sog. «Benanntes Gebiet») oder gar eine «Strasse ohne Geometrie» handeln, wie swisstopo das im Fachjargon nennt. 

Solche gibt es jedoch in Weiach auf Drängen kantonalzürcherischer Stellen bereits seit 2011 nicht mehr. Zwingend wäre das Aufgeben der damals noch elf benannten Gebiete aber nicht gewesen, wie man beispielsweise auf dem Sanzenberg bei den Kaiserstuhler Waldhütten auf Bachser Boden oder nahe dem höchsten Punkt des Kantons (Schnebelhorn) auf dem Gebiet von Fischenthal sehen kann. Selbst ganzjährig bewohnte Einzelgehöfte entlang der Strahleggstrasse haben im Tösstal ihre Namen behalten dürfen.

Verzeichnis der Weiacher Strassen und Wege

Die nachstehende Liste ist aus oben beschriebenem Amtlichen Verzeichnis extrahiert. Wenn Sie den jeweiligen ESID anklicken, zeigt Ihnen map.geo.admin.ch, wo sich die Strasse auf Gemeindegebiet befindet und wo sie sich durchschlängelt. 

ESID               Strassenname

10189894 Alte Poststrasse
10003350 Bachserstrasse
10176366 Bachtelweg
10154262 Bachweg
10003351 Baumweg
10176367 Bedmenweg
10003352 Bergstrasse
10189874 Birkenweg
10176369 Brunnenweg
10176370 Brunngass
10060857 Büechlihaustrasse
10240459 Büechlihauweg
10003354 Büelstrasse
10003353 Buhaldenstrasse
10068805 Chälenstrasse
10176371 Chürziweg
10177453 Damaststieg
10194633 Dammweg
10177454 Dorfweg
10052171 Dörndlihag
10241280 Erbweg
10177455 Fisibacherweg
10177456 Frankhaldenweg
10177457 Friedhofweg
10240470 Fürstenhaldenweg
10177458 Gartenweg
10111024         Glattfelderstrasse
10240462 Griesgrabenweg
10206705 Grubenweg
10241283 Haggenbergweg
10117361 Haslistrasse
10003356 Herzogengasse
10177459 Hintere Bergstrasse
10240463 Hörnlirainweg
10003357 Hornstrasse
10003358 Ifangstrasse
10068806 Im Bruchli
10177460 Im Bungert
10060859 Im Eschter
10120712 Im Hard
10174413 Im Höbrig
10003360 Im Ofen
10177461 Im See
10068807 Kaiserstuhlerstrasse
10177463 Kindergartenweg
10240464 Kumetlochweg
10194632 Lagerstrasse
10177464 Langächerweg
10060860 Leestrasse
10177465 Leiacherweg
10177466 Lindenweg
10110260 Luppenstrasse
10241137 Mülibodenweg
10003361 Müliweg
10177467 Müliwis
10003362 Neurebenstrasse
10068808 Oberdorfstrasse
10157224 Obstgartenstrasse
10240465 Panoramaweg
10177468 Querstrasse
10177469 Rebbergstrasse
10060861 Rebweg
10111025        Rhihofweg
10240458 Rhiuferweg
10003363 Riemlistrasse
10240461 Sädelweg
10241282 Sanzenbergweg
10003364 Schulweg
10240457 Schützenweg
10241284 Schwändihaldenweg
10177470 Seerenstrasse
10192747 Seerenweg
10177471 Soligass
10115757 Stadlerstrasse
10068809 Steinbruchstrasse
10003365 Stockistrasse
10241285 Tiefackerweg
10003366 Trottenstrasse
10177473 Turgäuerweg
10177474 Untere Hardstrasse
10240468 Wasenweg
10122473 Weinbergstrasse
10068810 Winkelstrasse
10240467 Winkelwiesenweg
10241281 Winzlenweg
10241279 Wörndlisbuckweg
10111026         Zelglistrasse

Namensstatistik 

Geht man die Liste durch, dann fallen einem ein paar wenige Exoten auf. So die sieben «Im ...»-Namen, die an die alte Hofnamentradition anzuknüpfen versuchen. Weiter drei Solitäre: je ein Name auf «-hag», «-stieg» und «-wis». Und schliesslich drei Namen auf «-gass» (2x) bzw. «-gasse» (1x).

Die grosse Mehrheit aber kommt so daher, wie man das erwartet. Entweder 31-fach als «-strasse». Oder 43-mal als «-weg». Dabei ist kein durchgehendes Muster erkennbar, nach welchen Kriterien im einzelnen Fall die eine oder eben die andere Bezeichnung gewählt wurde.

Festzuhalten ist weiter, dass die Gemeinde Weiach für die Strassenbenennung völlig auf die Verwendung von Personennamen verzichtet hat. Das hat durchaus Vorteile, weil man dann nicht riskiert, den Strassennamen ändern zu müssen, sollte die damit geehrte Person je in die Ungnade und damnatio memoriae eines künftig herrschenden Zeit(un)geistes fallen.

Quellen und Literatur

Samstag, 13. September 2025

Das Flugblatt der RGPK-Initianten. Worum es wirklich geht

Haben Sie es auch im Briefkasten gehabt, dieses Flugblatt?

An der Urnenabstimmung vom kommenden 28. September 2025 stehen zusätzlich zu den zwei eidgenössischen (E-ID und Eigenmietwert), sowie einer kantonalen (Energiegesetz) auch zwei kommunale Vorlagen an:

  • Bei der einen geht es um die organisatorische Abfederung der Folgen mangelnder Bestandeszahlen im Zivilschutz, 
  • bei der anderen um die Erweiterung der Kompetenzen des Wachhundes der Weiacher Stimmberechtigten.

Daran, dass dem Sicherheitszweckverband Glattfelden-Stadel-Weiach die Dienstpflichtigen im Bereich Zivilschutz abhandengekommen sind (und daher der Anschluss an den Sicherheitsverbund Zürcher Unterland faktisch alternativlos ist), trägt der Gemeinderat keine Schuld. Die geht auf die Kappe des Kantons.

Anders sieht das bei der kurz nach dem Bekanntwerden des Bundesgerichtsentscheids in Sachen Zukunft8187 eingereichte Einzelinitiative Lamprecht aus, die eine Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission (RGPK) einführen will. 

Mangelhaftes Verhalten des Gemeindepräsidenten

Hätten sich Gemeindepräsident Stefan Arnold und sein Gemeinderat in den letzten sechs Jahren in der Summe ihrer Interaktionen mit den Stimmberechtigten (und insbesondere mit ihren zunehmend schärferen Kritikern) anders verhalten, dann wäre es wohl weder im Juni 2020 zum Debakel in der Abstimmung um das Projekt Balance gekommen (vgl. WeiachBlog Nr. 1535), noch ab April 2023 zu der nervenaufreibenden Zweitauflage mit dem Infrastrukturprojekt Zukunft8187, das letztlich an einem mangelhaften Beleuchtenden Bericht auf dem Weg durch die Gerichtsinstanzen gescheitert ist (vgl. stellvertretend WeiachBlog Nr. 1940).

Es war nicht zuletzt eine Frage des zivilen Anstands, die Art und Weise, wie miteinander umgegangen, ja umgesprungen wird. Dass kritische Geister, die es wagen, hartnäckig nachfragend Klärung in Sachfragen zu fordern, selbst in Informationsveranstaltungen und Gemeindeversammlungen brüsk heruntergeputzt werden, das hat bereits 2020 manch Stimmberechtigten nicht nur hellhörig gemacht, sondern geradezu der Gegenseite in die Arme getrieben. 

Entzweiung in Gläubige und Misstrauische

Sogar ein um Ausgewogenheit bemühter Profi-Journalist wie Astrit Abazi vom Zürcher Unterländer musste sich vom Gemeindepräsidenten coram publico schulmeistern lassen, weil er es im Zusammenhang mit dem 30-Millionen-Megaprojekt gewagt hatte, das böse Wort Überschuldung in einen seiner Texte zu setzen. 

Das Missfallen über eine zunehmend als autokratisch empfundene Art der Amtsführung von Gemeinderat, Schulpflege und Baukommission und der dazu kursierende Übername Starnold für den vermuteten Dirigenten dieses Trauerspiels, haben die Gemeinde in der Tat entzweit: in Gläubige und Misstrauische. Und da die beiden Lager, was die mobilisierbaren Stimmberechtigten anbelangt, ziemlich genau mittig gespalten sind, ist Weiach in der wenig komfortablen Lage eines politischen Patts festgefahren.

Checks and Balances

Wie man da wieder herauskommt? Indem man das Vertrauen zurückkehren lässt. Diese Herkulesaufgabe wird wohl nur mit radikaler und schonungslos offener Analyse gelingen. Denn angefangen hat die Vertrauenskrise spätestens 2015, als der damalige Schulpräsident Lobsiger mit der faktenwidrigen Behauptung, die Weiacher Primarschule sei in ihrer Existenz gefährdet, ein zustimmendes Votum zum Zusammengehen mit Kaiserstuhl und Fisibach erwirkt hat (vgl. WeiachBlog Nr. 1931). Seither kämpft die Gemeinde mit den aus dem Ruder laufenden Folgen dieser Entscheidung.

Was kann eine RGPK, was eine RPK nicht kann?

In einer Versammlungsgemeinde des Kantons Zürich (wie Weiach eine ist) kann eine Geschäftsprüfungskommission (GPK) – im Gegensatz zu einer reinen Rechnungsprüfungskommission (RPK) – die Amtsführung der Exekutive (z. B. des Gemeindepräsidiums oder der Verwaltung) sowie die sachliche Zweckmässigkeit von Geschäften und Vorhaben prüfen. 

Dies umfasst eine umfassendere Kontrolle über die gesamte Geschäftsführung, einschliesslich nicht-finanzieller Aspekte wie die Angemessenheit der Verwaltungsprozesse oder die sachliche Richtigkeit von Abstimmungsvorlagen.

Die heutige RPK ist hingegen auf die finanzpolitische und -technische Prüfung beschränkt, z. B. Budget, Jahresrechnung, Verpflichtungskredite und wirtschaftliche Aspekte von finanziell relevanten Geschäften. 

In Versammlungsgemeinden kann die RPK optional mit Geschäftsprüfungsbefugnissen erweitert werden, was sie zu einer Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission (RGPK) macht, aber ohne diese Erweiterung fehlt ihr die Befugnis zur umfassenden Geschäftsprüfung.

Warum die Initianten eine Geschäftsprüfungskompetenz für sinnvoll halten

Auf dem Flugblatt ist das folgendermassen formuliert:

  • Dank einer RGPK wird der Rechnungsprüfungskommission neben der finanziellen zusätzlich auch die geschäftsprüfende Funktion übertragen.
  • Eine sachliche Prüfung der Abstimmungsvorlagen durch eine unabhängige Kommission ist heute leider nicht möglich. Deshalb soll die Rechnungsprüfungskommission auch die Geschäftsprüfung wahrnehmen können.
  • Das Fachwissen der (künftigen) RGPK-Mitglieder ist in etwa gleich gross wie das Fachwissen der Gemeinderats-Mitglieder.
Letztere Annahme ist berechtigt, wenn man sich vergegenwärtigt, dass bei den letzten Gemeindewahlen zwei Kandidaten für den Gemeinderat in die RPK gewählt wurden, ein – wie es Gemeindepräsident Arnold selber formuliert hat – Trainingslager für den Gemeinderat. Die RPK ist somit auch als Sparringpartner für den Gemeinderat zu sehen, an der er seine Strategie abgleichen kann. Aber nicht muss. Den Stimmberechtigten ist es dann immer noch freigestellt, die Sichtweise des Gemeinderats einzunehmen, wenn sich die beiden Gremien nicht einig sind.
  • Die Gemeinde Weiach erhält mit dieser RGPK eine zeitgemässe, ihrer Grösse entsprechende Behörde.
  • Dies ermöglicht es den Stimmberechtigten, die vom Gesetz geforderte Aufsicht über die Verwaltung durch mehr Transparenz auch tatsächlich und effektiv wahrzunehmen.
  • Gleichzeitig hilft diese «neue» Behörde den Abstimmenden, bei den immer komplexeren Vorlagen fundierte, sachgerechte Entscheide zu fällen. Den Stimmberechtigten würde künftig nicht nur die Begründung des Gemeinderates zur Verfügung stehen.
  • Zudem ist eine intensivere Zusammenarbeit von Gemeinderat und prüfender Behörde entsprechend dem «Vier-Augen-Prinzip» auch für den Gemeinderat nutzbringend.

Vor allem der zweitletzte Punkt ist in den Beleuchtenden Berichten augenfällig. Denn aktuell kann die RPK sozusagen nur mit angezogener Handbremse argumentieren.

Namens der Initiantinnen und Initianten zeichnet das Flugblatt der sich zur Wiederwahl stellende Präsident der RPK, Peter Lamprecht, und appelliert an die Stimmberechtigten: 

Wir bitten Sie, am 28. September 2025 mit einem JA dieser Initiative zuzustimmen.

[Veröffentlicht am 15. September 2025 um 00:37 MESZ]

Freitag, 12. September 2025

Die Weiach-Faszikel in StAZH A 199.7 und A 199.8

In den Dossiers StAZH A 199.7 und StAZH A 199.8 finden sich viele Unterlagen zu Weiach aus fürstbischöflich-konstanzischer Sicht.

Sie wurden 1932 im Tausch gegen Deutschland betreffende Bestände durch das badische Generallandesarchiv (GLA) in Karlsruhe an das Staatsarchiv des Kantons Zürich (StAZH) extradiert.

StAZH A 199.7

Bischof und Domstift Konstanz, Besitzungen und Rechte in zürcherischen Gemeinden, Orte U-W

Inhalt und Form: 1497-1803 Uhwiesen; 1793-1802 Wasterkingen; 1539-1796 Weiach.

1932 durch Tausch erworben vom GLA Karlsruhe.

Nachweis auch im Repertorium schweizergeschichtlicher Quellen im Generallandesarchiv Karlsruhe (RSQ), Bd. 1/3 ("ehemals GLA 82/... jetzt StA ZH A 199...."), vgl. dazu die Bemerkungen in RSQ, Bd. 1/1, S. vi, x-xi, Bd. 1/2, S. iv, Bd. 1/3, S. v, viii und RSQ Bd. 2, S. xi sowie Bernd Ottnad, Die Archive der Bischöfe von Konstanz, in: Freiburger Diözesan-Archiv 94, 1974, S. 270-516, hier S. 314-317, 471 und 475-476.

Erhalten ist nach wie vor die Faszikel-Einteilung nach dem Archivplan des Generallandesarchivs. Einen grossen Teil der Schachtel A 199.7 machen Weiach-bezogene Faszikel aus, mit einer Gesamtstärke von nicht weniger als 8 cm! 

Nachstehend jeweils die aktuelle Signatur gefolgt von der früheren Signatur, sowie dem ursprünglichen Titel, wie man sie heute noch im Findbuch 82 findet (vgl. Landesarchiv Baden-Württemberg):

A 199.7  Fasz. 2450
ex GLA 82 Nr. 2450 -- Das votum informativum et decisivum bei Gericht -- 1793

A 199.7  Fasz. 2451
ex GLA 82 Nr. 2451 -- Die Gerichtsbarkeit zu Weiach -- 1543-1742

A 199.7  Fasz. 2452
ex GLA 82 Nr. 2452 -- Die Zoll- und Untervogtsgarben zu Weiach -- 1617-1792

A 199.7  Fasz. 2454
ex GLA 82 Nr. 2454 -- Die Berainigung der Grundzinsen zu Weiach -- 1795-1796

A 199.7  Fasz. 2455
ex GLA 82 Nr. 2455 -- Hexerei zu Weiach -- 1539-1640

A 199.7  Fasz. 2456
ex GLA 82 Nr. 2456 -- Der Kirchen- und Neubruchzehnt zu Weiach -- 1546-1769

A 199.7  Fasz. 2457
ex GLA 82 Nr. 2457 -- Der Zehnt zu Weiach -- 1546-1783

A 199.7  Fasz. 2458
ex GLA 82 Nr. 2458 -- Der Zehntertrag zu Weiach -- 1660-1723

A 199.7  Fasz. 2459
ex GLA 82 Nr. 2459 -- Der Novalzehntbezug zu Weiach durch den Prädikanten -- 1791

Als «Faszikel» bezeichnet man eine nicht gebundene Einheit von Dokumenten in einem einheitlichen Umschlag. Ob und inwieweit in Karlsruhe im Vergleich zum Archivstand Meersburg (oder gar Rötteln?) – d.h. vor dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 und der Konstituierung des Rechtsnachfolgers Grossherzogtum Baden 1806 – Umgruppierungen vorgenommen wurden, ist nicht bekannt. Wir wissen also bisher nicht, ob diese Sortierung der ursprünglichen des Aktenbildners entspricht.

StAZH A 199.8

Bischof und Domstift Konstanz, Besitzungen und Rechte in zürcherischen Gemeinden, Orte W-Z sowie Pfrundakten

Inhalt und Form: 1742-1802 Winterthur; 1741-1801 Zürich; 1788-1803 Glattfelden (Pfrundakten); 1701-1743 Laufen (Pfrundakten); 1708 Niederweningen (Pfrundakten); 1550-1655 Rafz (Pfrundakten); 1591-1706 Weiach (Pfrundakten).

A 199.8  Fasz. 2453
ex GLA 82 Nr. 2453 -- Die Reparation des Kirchturms in Weiach und des Prädikaturhauses in Glattfelden, sowie der Kirchenzehnt zu Weiach -- 1591-1706

Faszikel 2453 ist der einzige, der hier aus der Reihe tanzt und in einer anderen StAZH-Archivsignatur zu finden ist, da Pfrundakten im Dossier A 199.8 zusammengezogen wurden.

Donnerstag, 11. September 2025

Wahlen 2026: Wer will weitermachen und wer tritt ab?

Diesmal ist die Gemeindeverwaltung, Abteilung Präsidiales, wirklich auf Zack. Im Frühling 2026 sind die Kommunalwahlen und schon jetzt steht fest, wer erneut kandidiert und wer sich aus seiner bisherigen Position verabschieden will.

Denn bereits auf Mitte August 2025 mussten sämtliche amtierenden Behördenmitglieder Farbe bekennen. Wollen Sie in der Amtsperiode 2026–2030 weiterhin dabei sein? Ja oder Nein?

Das Resultat wurde heute am frühen Nachmittag veröffentlicht. Einerseits zeigt es eine – angesichts der Probleme in der letzten Legislaturperiode – fast schon beruhigende Kontinuität, zumal in den Kernbereichen Gemeinderat und Schulpflege. Andererseits gibt es doch ein paar Überraschungen.

Durchzogenes Bild, je nach Gremium

Keine Überraschung ist der Rücktritt des Gemeindepräsidenten, Stefan Arnold. Er hat ja schon bei der letzten Wahl durchblicken lassen, seine dritte sei auch seine letzte Amtszeit. Neu will sich die Hochbauvorständin, Manuela Galimberti, in das höchste Gemeindeamt wählen lassen.

In der Schulpflege ist der Rücktritt des amtsältesten Mitglieds, Guido Moll, die wichtigste Nachricht. Nach derart vielen Kämpfen um die Erlangung von nach seiner Meinung adäquatem Schulraum ist dieser Rückzug ins Private verständlich. Zumal nun nach der Kündigungsinitiative 2021 erneut ein Vorstoss die schonungslose Überprüfung der 2015er-Verträge mit den Aargauer Nachbarn verlangt.

Selbst in der RPK Gemeinde, die sich etliche Scharmützel mit dem Gemeinderat geliefert hat, wollen bis auf Valentin Vieli alle noch eine weitere Amtszeit anhängen. Auch der streitbare Präsident Peter Lamprecht.

Sehr durchzogen sieht es hingegen bei der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde aus. Sie kämpft schon seit geraumer Zeit mit Unterbesetzung. Von fünf Sitzen war bisher schon einer vakant. Nun sind es gar drei. Mindestens eine neu kandidierende Person muss das Gremium unter Präsidentin Elsbeth Ziörjen ergänzen, sonst droht die Zwangsverwaltung von Zürich aus. Noch schlimmer ist die Lage nur bei der RPK der Kirchgemeinde, wo kein einziges Mitglied der Rumpfmannschaft (drei von fünf) weitermachen möchte. Alle drei bewährten Damen treten zurück.

Einzig die Oberstufenschulpflege lässt an Geschlossenheit und Kontinuitätswillen absolut gar keinen Zweifel aufkommen. 100 % treten wieder an!


Quelle

Sonntag, 7. September 2025

«Hofe-Puur»? Wenn WOZ-Journalisten ins Dorf einfallen

Armin Köhli ist ein Behinderter, der sich nicht behindern lässt. Beide Unterschenkel fehlen ihm seit seinen Teenagerjahren. Amputiert. Das hinderte ihn aber nicht, sich beruflich und sportlich ins Zeug zu legen. Beruflich hat er sich als Schreibender etabliert. Und sportlich – auf dem Velo durchtrainiert – hat er's bis an die Paralympics geschafft. Dafür wurde er von Ikonen der woke-linken Journi-Schickeria, wie dem Republik-Mitgründer Constantin Seibt, bewundert und über den grünen Klee gelobt.

Nur leider ersetzt ein schmissiger Schreibstil, der von der gelb-schwarz-süchtigen Klientel der WochenZeitung dank konsequenter Nutzung des Binnen-I und Industriebashing aufgesogen wird, wie die Muttermilch vom Kleinkind, halt nun einmal nicht die saubere Recherche.

Das Resultat ist dann in etwa das, was ein halbgebildeter Westler nach einem Blitzbesuch auf dem Tokelau-Archipel über die Eingeborenen und ihre Belange in die Welt hinausposaunt. 

Eine Dekonstruktion des Köhli-Artikels über unser Dorf von Anfang September 2000.

[Nachstehend der vollständige Artikel. Originaltext kursiv gesetzt. Kommentare sind straight gesetzt und stammen wie die Verlinkungen von WeiachBlog.]

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Gasland Schweiz: Heute bohrt man in Weiach

Hier noch ein Bäumchen, da ein Türmchen


von Armin Köhli

Mit den Erdölbohrungen wurden in der Schweiz in den sechziger und siebziger Jahren Millionen verlocht. Jetzt sucht ein amerikanisch-schweizerisches Konsortium in der kleinen Zürcher Gemeinde Weiach nach Erdgas.

Patrick Lahusen sieht aus wie ein kleiner Junge, der eine übergrosse Modelleisenbahnanlage zu Weihnachten bekommen hat. Hier will er noch ein Bäumchen setzen, da und dort ein Türmchen aufstellen, erklärt er stolz einer Gruppe von JournalistInnen und GeologiestudentInnen, die nicht neben einem Märklin-Bubentraum stehen, sondern in der Kiesgrube in Weiach und sich die Probebohrungen erklären lassen, mit denen die Möglichkeit einer kommerziell rentablen Erdgasförderung geprüft wird.

In dieser grossen Grube, deren graue Wände sich dreissig Meter in die Höhe erheben, wirkt der sonst wohl beeindruckende Bohrturm eben dann doch wie ein Märklin-Spielzeug. Spektakulär hingegen ist die Grösse der Kiesgrube, neben der ein kleines Bauerndörfchen mit knapp tausend EinwohnerInnen liegt, im letzten Zipfel des Kantons Zürich, nahe an der Grenze zum Kanton Aargau und zu Deutschland. Weiach ist ein «bohrerprobtes» Dorf: Bereits Anfang der achtziger Jahre führte die Nagra hier unzählige Sondierbohrungen durch, um einen geeigneten Ort zu finden, an dem man die radioaktiven Abfälle entsorgen könnte. Bei diesen Bohrungen stiess die Nagra auf ein Kohleflöz und Erdgas. GeologInnen vermuten ein Gasfeld, das sich vom Bodensee bis südlich der Vogesen erstreckt.

Der Zeitraum stimmt. Aber «unzählige» Sondierbohrungen? Es gab genau einen Standort, südlich des damaligen Verlaufs der Hauptstrasse Nr. 7 und nahe dem Ofenhof. Dort wurde langsam und sorgfältig gebohrt. Denn es ging ja explizit darum, gute Bohrkerne zu entnehmen und möglichst vielfältige Daten zum Untergrund zu erheben, also um ein Forschungsprojekt.
 
Die Weiacher Löcher

Mit den Erdölbohrungen wurden in der Schweiz in den sechziger und siebziger Jahren Millionen verlocht. Jetzt sucht ein amerikanisch- schweizerisches Konsortium in der kleinen Zürcher Gemeinde Weiach nach Erdgas.

Das Konsortium, das bis 2000 Meter in die Tiefe bohren will, gehört zu neunzig Prozent der Forest Oil International, einer Tochtergesellschaft der Forest Oil, die ihren Sitz in Denver, Colorado, hat. Die relativ kleine Erdölfirma ist vor allem im Golf von Mexiko, Kanada und dem Westen der USA aktiv und überlebte die tiefen Rohölpreise der achtziger Jahre nur dank einer 45-Millionen-Dollar Geldspritze des kanadischen Ölmagnaten Philip Anschutz. Heute rentiert die Forest Oil wieder, wegen der hohen Öl- und Gaspreise legte sie einen guten Halbjahresabschluss vor.

Und die Investitionen in der Schweiz sind ein kalkulierbares Risiko. Wenn man bedenkt, dass allein der Geschäftsführer der Forest Oil, Robert Boswell, jährlich ungefähr 770 000 Dollar verdient. Trotzdem wird das Risiko der Bohrungen aufgeteilt: Vierzig Prozent des Forest-Oil-Anteils sollen an die niederländisch-schweizerische Tochtergesellschaft einer Petroleum International Limited BVI mit Sitz im Steuerfluchtparadies British Virgin Islands gehen. Die restlichen zehn Prozent am Konsortium hält Lahusens Seag, die AG für schweizerisches Erdöl. Die Forest Oil liefert das Geld, die Seag die Kenntnisse der lokalen Bedingungen, ihre Beziehungen und das Know-how: Für Lahusen in diesem Fall einfach, denn er profitiert heute von den Nagra-Bohrungen, die nur etwa dreihundert Meter [falsch: Es sind vierhundert Meter] von der Kiesgrube entfernt stattfanden. Die Nagra, die Bund, Kantonen und AKW-Betreibern gehört, hat ihre Ergebnisse ausführlich dokumentiert und publiziert.

Vgl. u.a. Hinze, W.; Jäggi, K.; Schenker, F.: Gasmessungen. Sondierbohrungen Böttstein, Weiach, Riniken, Schafisheim, Kaisten, Leuggern. Technischer Bericht NAGRA 86-11. Baden 1989.

Die Seag gehört zu 49 Prozent Lahusen, Verwaltungsratspräsident ist der Zuger Alt-FDP-Nationalrat Georg Stucky. Der ehemalige Präsident der Erdölvereinigung ist ein Mann mit besten Beziehungen und ein Energielobbyist der Extraklasse: Bremser, Verwässerer und Verhinderer jeder Art von ökologischer (oder gar sozialer) Steuerreform.

Dafür ein Mammutzahn

Im Dorf Weiach sind am Strassenrand grosse Tafeln aufgestellt, auf denen die Männerriege zum gemeinsamen Fischessen in der Müli-Schüür einlädt. Ansonsten gibt es eine Bodyfit- und eine Chrabbelgruppe, der Männerchor ist seit zehn Jahren nicht mehr aktiv. [Richtig. Das letzte Konzert des Männerchors fand 1989 statt]Die kleinen Dorfbewohner gehen im Dorfschulhaus zur Schule, die etwas grösseren müssen nach Stadel, wo die Gemeinden Stadel, Bachs, Neerach und Weiach eine gemeinsame Oberstufenschule führen. Vor Jahren wurde ein 3,40 Meter langer Mammutzahn in der Kiesgrube gefunden. 

Mit Verlaub, das war 1948!! Was ebenfalls bedeutet, dass man diesen grössten bisher auf Gemeindegebiet gefundenen Mammutstosszahn gar nicht in dem 1961 in Betrieb genommenen Ausbeutungsgelände der Weiacher Kies AG gefunden haben kann. Es waren denn auch Arbeiten im Rahmen der Uferverbauungen am Rhein unten, die den Stosszahn zutage gefördert haben. 

Damals, Anfang der achtziger Jahre bei der Nagra-Bohrung, gab es im Dorf noch Proteste. Alle seien dagegen gewesen, erzählt man, nur «der Hofe-Puur da hinten, der ist damit reich geworden», weil die Nagra auf seinem Land bohrte. 

Schon die ersten Zeilen dieser flapsigen Charakterisierung unserer Gemeinde, die – wie bei Journis leider üblich – aufgrund einiger oberflächlicher Beobachtungen und aufgeschnappter Informationen zusammengemixt wurde, zeugen nicht gerade von Respekt. Erst recht unprofessionell wird es bei Schreibweisen nach Gehör, ohne weitere Überprüfung und Recherche. Korrekt wäre «Ofe-Puur», abgeleitet vom Hof- und Flurnamen «Im Ofen». Dass die Nagra auf seinem Land gebohrt habe, ist lediglich nach heutiger Sachlage (Parzelle Weiach-1348) gesichert. Ob das auch vor der Melioration der Fall war, die anfangs der 80er-Jahre noch in den Projektanfängen steckte, müsste geprüft werden.

Obwohl es nur eine Sondierbohrung war, hatten die DorfbewohnerInnen Angst, man könnte später die radioaktiven Abfälle in ihrer Gemeinde lagern. Da sie gegen Bohrungen nichts machen konnten, wollten sie wenigstens auch davon profitieren. Im Boden war es bis zu 200 Grad warm, und die Gemeinderäte überlegten sich, ob man mit dieser Erdwärme heizen könne, was laut einer technischen Studie machbar gewesen wäre. Doch die Erdwärmeheizung wurde nie realisiert, denn weder vom Bund noch von den Kantonen kamen Subventionen, die das Pilotprojekt ermöglicht hätten. Das könnte in Zukunft anders aussehen: Wird die Solarinitiative beziehungsweise die Förderabgabe bei der Abstimmung am 24. September angenommen, würden solche Projekte durch Subventionen unterstützt.

Alle diesbezüglichen auf eidgenössischer Ebene zur Abstimmung gestellten Vorlagen wurden abgelehnt. 

Weiach entschied sich letztlich für eine Holzwärme-Lösung. Schliesslich ist fast die Hälfte der Fläche der Gemeinde bewaldet. Im Untergeschoss des Schulhauses steht heute ein Häcksler, einige Ein- und Mehrfamilienhäuser und die öffentlichen Gebäude werden jetzt vom Schulhaus aus beheizt.

Auch hier wieder: Allzu flapsig. Erstens ist das nicht das Untergeschoss von einem der beiden Schulhäuser, sondern das der Mehrzweckanlage auf dem Schulareal. Und zweitens ist da kein Häcksler. Gehackt werden die Holzschnitzel seit eh und je im Wald. Und zwar in Anhänger hinein, deren Inhalt anschliessend in den Bunker unter dem Platz neben der Bushaltestelle geschüttet wird.

Wenigstens kein Atommüll

Das Bewilligungsverfahren für die Gasbohrung wurde, soweit es die Gemeinde betraf, zügig abgewickelt. «Wir beschlossen, ihnen keine Steine in den Weg zu legen», sagt Marc Griesser, Vorsteher des Landwirtschafts- und Forstdepartementes im Gemeinderat. 

Marc? Der korrekte Vorname dieses Gemeinderates ist Max. Max Griesser, Landwirt aus der Chälen.
 
Die Erfahrung mit der Nagra bestimmte auch die gemeinderätliche Diskussion. «Wenn sie Gas rausholen, dann lagern sie sicher keinen Atommüll», war das schlagende Argument für die Zustimmung zu neuen Bohrungen. Obwohl das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Die Nagra befand Weiach für ihre Pläne längst als ungeeignet, und momentan läuft das Bewilligungsverfahren für die endgültige Verfüllung des Nagra-Bohrlochs. 

Wie man heute – ein Vierteljahrhundert später – weiss, befindet die Nagra die Gegend Nördlich Lägern, besonders den Standort Stadel-Haberstal, eben nun doch als höchst geeignet. Aber das konnte damals kein Externer ahnen, auch Köhli nicht.

In den sechziger und siebziger Jahren, zu Zeiten des Ölbooms, sorgten Probebohrungen noch für erhebliche Aufregung und lieferten Stoff für Goldgräbergeschichten: Wie etwa 1960, als man in Küsnacht am Zürichsee nach Öl suchte und im Dorf erzählt wurde, der Hegi-Puur, der werde jetzt reich, bei dem hätten sie nämlich Öl gefunden. Die WeiacherInnen interessieren sich kaum für die neuen Bohrungen und fürchten sich nur vor zusätzlichem Lärm, denn das Dorf liegt genau in der Anflugschneise zum Flughafen Kloten. 

Das ist eine Anspielung auf die aktive Beteiligung der Gemeinde in der IG Nord (vgl. WeiachBlog Nr. 2217).

Erstaunlich ist, dass Lahusen und seine Seag es noch einmal geschafft haben, 3,5 Millionen Franken für eine Gasbohrung in der Schweiz aufzutreiben. Die Seag ist die Auffanggesellschaft der Swisspetrol Holding mit ihren neuen Tochtergesellschaften, die 1994 aufgelöst werden musste, nachdem während dreier Jahrzehnte Seag und Swisspetrol in der Schweiz vergeblich nach Öl und Gas gesucht und damit einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe erwirtschaftet hatten. Auch der Bund und die Kantone verloren bei diesen erfolglosen Experimenten mindestens zehn Millionen Franken. Die Swisspetrol durchlöcherte die Schweiz wie die Nagra: 24 Bohrungen wurden durchgeführt, zuletzt 1988/89 in Teuffenthal bei Thun und praktisch gleichzeitig bei der Einmündung der Rhône in den Genfersee bei Chessel. Nur in Finsterwald im Entlebuch wurde schliesslich auch Gas gefördert. Von den insgesamt dreissig Millionen Bohrkosten in Finsterwald wurden in der zehnjährigen Förderzeit knapp drei Millionen wieder hereingeholt. Man glaubte, mit der Schliessung und der anschliessenden Verfüllung des Brünnelis von Finsterwald am 8. Juli 1994 seien die Träumereien vom Öl- oder Gasland Schweiz endgültig begraben. Pensionär und Verwaltungsratspräsident Stucky sagt dazu salopp: «Ach wissen Sie, die Chancen sind fifty-fifty. Ich habe auch schon in Syrien und Libyen gebohrt, es ist immer das Gleiche.» Ansonsten spricht er an der Medienorientierung keine drei Minuten, doch was er sagt, lässt einen Hauch von Réduit durch das Publikum wehen. Ausgerechnet Kapital-Internationalist Stucky, der sich sofort ein Weissweinglas geschnappt hat, spricht von einem Beitrag zur Gasselbstversorgung Schweiz.

Das Réduit ist einer beliebtesten linken Topoi, die seit 1990 ausgewalzt wurden. Mit Narrativen wie: die Schweiz sei von Freunden umzingelt, etc. Wir wissen aus heutiger Perspektive, wie falsch das schon seit dem Ersten Weltkrieg war, wenn man die geopolitischen Verhältnisse (Rivalität zwischen den USA und Russland) in Betracht gezogen hat.

Umsatz für den Volg-Laden

Weiach ist eine reiche Gemeinde, auch ohne Gas. Der Steuerfuss liegt bei 86 Prozent und ist so tief wie in den reichsten der Zürcher Goldküstengemeinden. Den Reichtum verdankt man der Kiesgrube, ihren Abgaben und Gebührenzahlungen; ausserdem hält die Gemeinde einen Anteil der Grube. 

Das ist eine unzulässige Verkürzung, indem mit falschen Begriffen hantiert wird. Gebührenzahlungen gab es nie. Nur Kubikmeterentschädigungen für den Abbau von Kies, bzw. die Einlagerung von Material in die Inertstoffdeponie. Dass die Gemeinde einen Anteil der Grube halte, ist auch nicht korrekt formuliert. Sie hält ein Minderheitsaktienpaket an der Weiacher Kies AG. Und sie ist Landeigentümerin, u.a. dort, wo der Bohrturm aufgestellt wurde: in der Südgrube gegenüber den Verarbeitungsanlagen.

Zurzeit wird für ein paar Millionen die Kantonsstrasse von Weiach nach Glattfelden um ein paar Dutzend Meter nach hinten verlegt, an den Abhang nahe des Waldes. Die Kiesgrube muss wandern. Ein paar Mais- und Sonnenblumenfelder werden dem Kiesabbau geopfert. Die Grube wird ja wieder aufgefüllt und erneut zum Kulturland werden. Von der Verlegung der Strasse profitiert erneut der Hofe-Puur, dessen Hof dann für einige Jahre wie auf einer Insel hoch über der Grube zu liegen kommt. Und dem die Felder gehören. 

Noch eine unzulässige Verkürzung: den Eigentümern des Ofenhofs gehören längst nicht alle Felder, die dank der Verlegung der Hauptstrasse zusätzlich ausgebeutet werden konnten. Es gibt also noch andere, nicht genannte sog. Profiteure.

Sollte sich die Gasförderung als lohnend erweisen, wird Weiach davon profitieren? Noch ist nicht einmal klar, ob in Weiach gefördert werden wird. «Kiesgruben gibt es in der Gegend noch viele», sagt der Konsortiumsgeologe Werner Leu. Theoretisch könnte das Feld sogar von Deutschland aus, von einer Konkurrenzgesellschaft, angebohrt werden. «Aber da haben wir vorgesorgt», sagt Stucky, «wir haben mit den zuständigen Behörden in Deutschland gesprochen.»

Allgemein bekennt man sich im Konsortium zum Förderort Weiach. Doch «profitieren werden die Leute, die das Gas rausholen», sagt Gemeinderat Gregor Trachsel, und so hofft er, dass es ein neues Bewilligungsverfahren gibt, wenn sie fördern: «Dann möchten wir auch etwas davon haben.» Stucky winkt ab. Die Förderkonzession sei schon vorhanden. Das Bergregal liege in der Schweiz bei den Kantonen und nicht bei den Gemeinden; die Prozente gehen also an den Kanton Zürich (und über ein Kantonskonkordat an einige andere Kantone). 

Hier muss man tatsächlich sauber unterscheiden zwischen Bergregal und Grundeigentum. Die Lockergesteine direkt unter den Füssen und bis zur durch den Grundwasserschutz begrenzten Abbautiefe gelten als Teil des Grundeigentums. Deshalb gehen die Abbauentschädigungen auch an den Grundeigentümer, dessen Land ja auch tatsächlich an Wert verliert. Würde es sich um tieferliegendere Rohstoffe handeln, dann würde allerdings das Bergregal greifen. Und die Gemeinde erhielte keine Entschädigungen.

«Ich habe dem Lahusen gesagt, wenn ihr fündig werdet, dann solltet ihr mit uns schon ein Fest machen!», sagt ein Gemeinderat. «Ja, ja, dafür wirds schon noch reichen», antwortet Stucky.

Weiach hofft auf ein paar für die Förderung benötigte SpezialistInnen, die dann ihren Wohnsitz in die Gemeinde verlegen. Das bringt dem Volg-Laden und auch den Beizen mehr Umsatz. 

Wer's glaubt, wird selig! Denn Hand auf's Herz, diese paar Franken in die Kassen hätten die drei damals noch bestehenden Restaurants (Linde, Wiesental und Bahnhof) auch nicht wirklich retten können.

Während der Bohrung werden auch Bauarbeiten an lokale Firmen vergeben, behauptet das Konsortium. Zudem kann «die kurzfristige Vermietung/Verpachtung von Land für die Unterbringung der Bohrmannschaften (Trailer/Container) eine Möglichkeit sein, wobei die Bohrfirma die bestmögliche Variante zu finden hat. Schliesslich kann die Gemeinde Weiach in mehrerer Hinsicht profitieren: Bekanntheitsgrad national und international, Bauaufträge für Pipelinebau, Vergütungen für Durchleitungsrechte der Pipeline und vielleicht - und beim heutigen Steuerfuss gar nicht abwegig - Steuer- und Rechtsdomizil der Ausbeutungsgesellschaft», heisst es in einer Mitteilung des Konsortiums an die Weiacher Bevölkerung. 

Diese Mitteilung hat die Redaktion WeiachBlog in den «Mitteilungen für die Gemeinde Weiach» bislang nicht gefunden. Und Köhli schliesst mit den Sätzen:

Das kleine Dorf wird also bekannt werden, national und international. So bekannt wie Denver und die Virgin Islands.

~~~~

Wie dann wenige Wochen später bekannt wurde, ist aus der vollmundigen Ankündigung nichts geworden. Denn, wie Stucky ja selber oben zitiert wurde: Bohren ist ein Glücksspiel. Wer nicht mit geeigneten Methoden oder schlicht daneben bohrt, liegt eben daneben. Und geht leer aus.

Quelle und Literatur

Freitag, 5. September 2025

WeiachBlog: Nummerierung, Ausnahmeartikel und Sonderreihen

Ja, die Reihe der WeiachBlog-Artikel ist durchgehend nummeriert. Mit den regulären Nummern 1 bis 2276 (Stand am 4.9.2025).

Aber es gibt mehr als das. Stand heute (4.9.2025) sind es 120 separat nummerierte Beiträge, die teils in die Gesamtausgabe (d.h. Jahresbände des WeiachBlog) integriert sind, teils aber auch Separata bilden. Hier erhalten Sie einen Überblick.

In der Gesamtausgabe findet man drei Ausnahmen und eine Sonderreihe im Zusammenhang mit der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Weiach, wenn...» (nachstehend «FB-Gruppe»).

Ausnahmeartikel

  • Nr. 306a - Explosion beim Waldstrassenbau. Familienvater tot // [Ohne Datum; eingereiht zwischen 5. u. 6. November 2006]
  • Nr. 1273a - Shakespeares Tod: ein kalendarischer Irrtum // 23. April 2016 [als einziger Ausnahme-Artikel auf WeiachBlog publiziert]
  • Nr. 1649a - Das Zeichen der Zeit. Zum 200. Todestag von Napoleon Bonaparte // 5. Mai 2021 [nur in der FB-Gruppe publiziert]

Sonderreihe Z (Zusatzartikel)

Diese Artikel sind i.d.R. von Drittpersonen verfasst und auf der FB-Gruppe publiziert. Sie werden zu Dokumentationszwecken samt den dazugehörigen Kommentaren in die Gesamtausgabe aufgenommen. Auf diese Weise wird der Nachwelt der Entstehungskontext für die tagespolitischen redaktionellen WeiachBlog-Beiträge mit regulären Nummern geliefert.

  • Z01ff Z-Artikel ab 30. April 2023 (In der FB-Gruppe publiziert)
      • 85 Nummern per 4.9.2025.

Separatbeilagen (Sonderreihen I, S und Y)

Drei weitere Sonderreihen sind in je einem separaten Dokument gesammelt. Es handelt sich um originäre Beiträge des WeiachBlog-Redaktors, die keinen tagespolitischen Bezug aufweisen und die bislang nur in der FB-Gruppe publiziert wurden:

  • Y01ff Y-Artikel ab 1. August 2021 (Separatbeilage zur Gesamtausgabe)
      • 18 Nummern per 4.9.2025.
  • I-01ff I-Artikel im September/Oktober 2023 (Separatbeilage zur Gesamtausgabe)
      • 14 Nummern per 4.9.2025.

  • S-01ff      S-Artikel im Dez. 2025/Jan. 2026 (Separatbeilage zur Gesamtausgabe)
      • 25 Nummern per 4.5.2026. [Eingefügt am 19. Mai 2026]

Y-Artikel können zu einem späteren Zeitpunkt in aufdatierter und erweiterter Form als WeiachBlog-Artikel oder in einem Produkt des Wiachiana-Verlags erscheinen.

I-Artikel beziehen sich ausschliesslich auf die Fotoserie ISOS 5762 vom 1. Juli 1976 zur Signatur EAD-ISOS-ZH-4_2_10 in der Graphischen Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek. Diese Artikel sind primär als Forschungsgrundlage unter Einbeziehung von LeserInnen-Reaktionen konzipiert.

S-Artikel sind aufgrund von Materialien zum Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS) entstanden. Auch diese Artikel sind primär als Forschungsgrundlage unter Einbeziehung von LeserInnen-Reaktionen konzipiert.  [Eingefügt am 19. Mai 2026]

Schutzfrist

Alle oben aufgeführten Produkte des Wiachiana-Verlags unterliegen in der Form ihrer Gesamtausgabe der regulären Sperrfrist von 30 Jahren nach der Entstehung des jüngsten Beitrags. Schutzfristende dieses Bandes: 31. Dezember 2055.

Mittwoch, 3. September 2025

Pfarrpersonenfluktuation – historische Statistik und Ursachen

Kaum hat man sie begrüsst, schon sind sie wieder weg. Das laufende Jahr 2025 wird als eins der Vierpfarrerjahre in die Geschichte der reformierten Seelsorge auf Weiacher Gemeindegebiet eingehen. 

Pfrn. Ute Monika Schelb quittierte den Dienst per Ende Mai, ihre Co-Pfarrvertreterin Pfrn. Annemarie Pfiffner folgte per Ende Juni. Und im September muss die Evang.-ref. Kirchgemeinde Weiach nun auch von Pfr. Michael Landwehr (erst seit 1. Juni im Amt) bereits wieder Abschied nehmen (vgl. MGW, September 2025, S. 18).

Die vierte Pfarrperson, die uns der Kirchenrat hat zukommen lassen, ist die ab 1. Oktober 2025 amtierende Pfarrstellvertreterin Pfrn. Dagmar Rohrbach. Ihr Begrüssungsbeitrag (vgl. MGW, September 2025, S. 19) hebt mit den folgenden Worten an:

«Schon wieder eine neue Pfarrerin! 

Liebe Gemeinde, ich hoffe, Sie denken das nicht. Sie haben einiges an Pfarrwechsel erlebt. [...]»

Da kann einem in der Tat schon etwas wirblig im Kopf werden. Auch der hier Schreibende musste erst einmal nachschauen, wann genau denn Pfrn. Pfiffner ihren letzten Weiacher Tag gehabt hat.

Zurück in den Gründungszeiten der Pfarrei

Faktisch läuft es seit den Zeiten von Corona wieder so, wie weiland im 16. Jahrhundert, als uns die Prädikanten durch die Obrigkeit in der Stadt Zürich zugeteilt und zur Predigt hierher abkommandiert wurden. Ohne Wohnsitzpflicht, denn bis 1591 gab es noch kein Pfarrhaus, bzw. wollte der Zürcher Stadtstaat auch gar nicht für eines sorgen. 

Gewiss, die Bezahlung ist heute einiges besser als damals, wo die ab 1542 für Weiach vorgesehenen Prädikanten gerade einmal 10 Gulden Jahresbesoldung aus der Staatskasse erhielten. Das war nämlich noch zu wenig zum Sterben.

Heute kann man als Pfarrerin immerhin auf eine 50 %-Stelle mit geregelten Bezügen vertrauen. Sie muss auch nicht auf eine von der Gemeinde offerierte Mittagsverpflegung hoffen, bevor sie nach getaner Arbeit den langen Weg ins städtische Zuhause wiederum antritt (ihr Wohnort Dübendorf liegt ja fast in der Stadt Zürich). Damals ging dies per pedes apostolorum und bei jedem Wetter vonstatten.

Über den Titel dieses Abschnitts liesse sich noch trefflich streiten. Wenn die Einrichtung einer Pfarrei mit der Wohnsitznahme des gewählten Pfarrers zwingend verbunden wird, dann ist Weiach erst 1591 überhaupt eine Pfarrei geworden. Und wäre mittlerweile seit mehr als einem Jahrzehnt keine selbstständige Pfarrei mehr. Fakt ist: Unser 30. und bisher letzter residenter Pfarrer war Christian Weber, nominal bis Ende 2012.

Ernüchternde Statistik

Wenn wir die von Pfr. Kilchsperger ein Jahrhundert zuvor angestellte Amtszeitberechnung (zu finden in seinem Nachlass im Ortsmuseum, vgl. WeiachBlog Nr. 2270) auf die fünf Jahrhunderte seit der Reformation ausdehnen, dann sieht es mit den Standzeiten der für Weiach zuständigen Pfarrpersonen wahrlich nicht rosig aus.

Pfrn. Rohrbach ist nach der Weiacher Pfarrerzählung WPZ24 die fünfte Frau auf dieser Position und insgesamt die Nr. 118, wobei in dieser Zahl sämtliche namentlich bekannten Pfarrpersonen gewertet werden, auch wenn sie nur wenige Wochen als Vikar oder Stellvertreter tätig waren.

Rechnet man mit den Durchschnittszahlen, so kommen wir immerhin auf rund 4.25 Jahre Standzeit über dieses halbe Jahrtausend hinweg, was nur möglich ist, weil die dreissig residenten Pfarrer mit Amtszeiten bis zu 40 Jahren den Schnitt massiv nach oben heben. Über das erste Viertel des 21. Jahrhunderts sind es nämlich nur noch 1.7 Jahre.

Betrachten wir nur die letzten fünf Jahre, so liegen die durchschnittlichen Amtszeiten bei gerade einmal 7.5 Monaten. Dieser Wert unterbietet sogar noch die durchschnittlich 9.5 Monate der über 60 Amtsträger zwischen 1542 und 1590.

Sortiert man nun die 118 Namen nach Anzahl Monaten Amtszeit und teilt das Ergebnis in zwei gleiche Hälften, so erhalten wir den Median. Und der liegt unter einem Jahr. Was auch nicht wirklich verwundert, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Weiach sogar ein Sechspfarrerjahr erlebt hat (vgl. WeiachBlog Nr. 2206).

Hochfrequente Fluktuation. Woran liegt's?

Bliebe noch die im Titel versprochene Analyse der Ursachen. Schon erwähnt ist oben, dass die Obrigkeit nicht geneigt war, ein Pfarrhaus zur Verfügung zu stellen. Einerseits, weil das auch anderswo so nicht üblich war (sondern Gemeindeangelegenheit) und andererseits, weil sich die Weiacher 1540 standhaft geweigert hatten, den Gottesdienst in Stadel zu besuchen, wie die Regierenden in der Stadt ihnen das vorschreiben wollten.

Ein eigener «Grind» und ausgeprägter Selbstständigkeitswille, der sich letztmals bei der Fusionsabstimmung zur Kirchgemeinde Stadlerberg im Jahre 2017 deutlich manifestiert hat (vgl. die WeiachBlog-Sonderausgabe März 2017; PDF, 5 S.), fordern eben ihren Preis. 

Die Weiacher halten an der eigenen Kirchgemeinde fest. Selbst dann, wenn die Kirchenverwaltung am Hirschengraben und der Blaufahnenstrasse nur eine halbe Stelle besolden und unserer Pfarrperson auch nicht weitere Engagements zur Pensumaufstockung zuschanzen will, wie das noch zu Zeiten Pfr. Koellikers (im Amt: 1981 bis 1995) problemlos möglich war. 

Die Bedingungen, die von den Kirchenoberen an eine Festanstellung geknüpft werden, sind überdies offenbar der Art, dass die Weiacher Kirchenpflege wenig Aussicht darauf hat, eine Pfarrperson davon zu überzeugen, bei uns mit langfristiger Perspektive Fuss fassen zu wollen. Ein altbekanntes Gravamen unserer Pflege an die Adresse der Oberen.

Dienstag, 2. September 2025

Das Wappen des Offiziersaspiranten

Gestern erhielt ich eine e-mail von einem Weiacher Bürger aus alteingesessenem Geschlecht. Sein Enkel sei gerade in der Offiziersschule, schrieb er, und bereite sich auf die Zeit des Abverdienens vor.

Der gestickte Badge als Statussymbol

In den Rekrutenschulen dieser Waffengattung gibt es offenbar den Brauch, dass jeder Zug sein eigenes Abzeichen mit dem Wappen ihres Chefs führt. Also das des jungen Leutnants. Spezialisierte Hersteller, die solche Badges sticken, sind leicht zu finden. Und an Klettflächen, wo man so einen Spezialbadge draufpappen kann, ist auf dem modernen Armeematerial auch kein Mangel. 

Besagter Aspirant macht sich also auf die Suche nach seinem Wappen. In diesem Fall per Anfrage des Grossvaters (der nicht 24/7 auf Zack sein muss, wie der künftige Offizier grad aktuell) an seinen Bürgerort. Die Weiacher Gemeindeverwaltung verweist ihn an den Ortshistoriker und hat die Frage vom Tisch.

Hätte diese Familie mit Weycher Wurzeln ein althergebrachtes Wappen, das bereits auf dem heimischen Kachelofen oder an sonstiger prominenter Stelle im Einflussbereich der Vorfahren prangt, dann wäre die Anfrage obsolet gewesen. Nun stehen aber – wie bei jeder Frage nach einem noch unbekannten eigenen Wappen – grundsätzliche Überlegungen an. 

Eine Frage der Identität

Wappen transportieren Identität. Nicht umsonst ist auf dem Schweizer Wappen ein Kreuz zu finden. Es steht für die christliche Grundhaltung, die in der alten Eidgenossenschaft Konsens war (dass es ursprünglich ein vom Papst den Schwyzern verliehenes Ehrenzeichen sei, ist bloss eine Legende; für Deutungen vgl. den Artikel Schweizerkreuz im Historischen Lexikon der Schweiz). 

Auf Gemeindewappen findet man oft Elemente der früheren oder aktuellen Herrschaftsverhältnisse. So bei Weiach der blau-silberne Zürcherschild, auf dem das Dorfzeichen, der Stern, in gewechselten Farben platziert ist. 

Ein Familienwappen hat in vielen Fällen etwas mit dem Beruf zu tun, so wenn ein Müller ein Mühlrad in sein Wappen aufgenommen hat, um damit stolz zu dokumentieren, worauf seine gesellschaftliche Stellung und sein Wohlstand beruhen.

Wenn man auf dem Internet und in heraldischen Sammlungen auf die Suche geht, dann findet man durchaus Beispiele, bspw. hier. Da sind vielleicht auch solche mit dem eigenen Familiennamen dabei. Nur: ist es wirklich das Wappen MEINES Familienzweigs? Bei genauerer Betrachtung kommt man oft zum gegenteiligen Schluss. Die Frage ist also eher: 

Passt dieses Wappen zu mir?

Kommen wir auf unseren Offiziersaspiranten zurück. Er darf sich über seine eigene Identität Gedanken machen. Was macht die aus? Ist es die Herkunft: d.h. Zürcher oder Weycher? Ist es eher die Profession der Familiendynastie, aus der er stammt? Oder ist es etwas sui generis, also etwas Eigenes, was nur IHN ausmacht? Das gilt es herauszufinden.

Dann geht es um die Symbole. Einfach, schlicht und einprägsam, wie es die Erkennungszeichen auf den Schilden der mittelalterlichen Ritter häufig waren, ist oft besser als ein mit vielen Elementen überladenes Wappen. Ratsam ist es demnach, klug auszuwählen. Denn gerade hier geht es ja um die Gruppenidentität einer Kampfgemeinschaft.

Heraldikregeln machen Vorgaben... 

Im Bereich der Wappenkunde gibt es einige Regeln, die man beherzigen sollte, will man sich nicht dem Spott der Fachwelt aussetzen. So gilt es beispielsweise als Todsünde, Metall auf Metall oder Farbe auf Farbe zu platzieren. Es ist demnach verpönt, Silber und Gold direkt aufeinander zu legen, wie das der Zeichner des Weiacher Wappens im Dekanatsalbum auf das Jahr 1719 getan hat, als er den einst gelb-goldenen Weycher Stern zu grossen Teilen auf den weiss-silbernen Teil des Zürichschildes legte.

In alten Ritterwappen wurde auch fast nie die Farbe Grün verwendet, weil der Kontrast im Felde nicht genügend war und überdies die grüne Farbe in der Herstellung teurer und sie nicht lange haltbar war. Heute hat man damit eher weniger Probleme, wie die vielen grünen Dreiberge zeigen (bspw. im Wappen von Eglisau).

... und doch ist die Grafikerin matchentscheidend

Hat man also einmal seine Wappenbeschreibung festgelegt, die sogenannte Blasonierung, dann ist die Zeit der Grafikfachperson gekommen. Und deren künstlerisches Potenzial ist gefragt. 

Das war übrigens vor weniger als hundert Jahren auch beim heutigen Weiacher Gemeindewappen nicht anders, dessen Blasonierung lautet: «Schräggeteilt von Silber und Blau, mit achtstrahligem Stern in verwechselten Farben».

Quelle: Weiacher Geschichte(n) Gesamtausgabe, S. 312

Nur die Weiacher selber konnten damals den Grafiker daran hindern, die Blasonierung regelgerecht so auszulegen, dass der Stern so klein wie der Bachserstern in der linken oberen Ecke platziert wird. Auf diese verwegene Idee kam der aber nicht, wie seine Vorschläge zeigen.

Und so landen wir am Schluss unweigerlich wieder bei unserem Aspiranten und seiner Identitätsfindung. Affaire à suivre.

Montag, 1. September 2025

Der Aufruf «Pro Ortsmuseum» aus den Gründerzeiten

Anfangszeiten haben eine belebende Wirkung. Man kann und muss an seinem Konzept feilen, wo nötig das Umfeld einbeziehen, die eigene Sache bekannter machen. 

Exakt das hat die «Kommission für das Ortsmuseum Weiach» (so nannte man sie damals noch) auch getan, um das Jahr 1968 herum, als das Museum – gerade frisch aus dem Ei geschlüpft – der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

«Pro Ortsmuseum» war einer ihrer Slogans, der wohl entfernt an «Pro Patria» erinnern sollte. Eine Bezeichnung, die ins Herz zielt und Türen wie Portemonnaies öffnen kann. Man denke nur an die Zuschlags-Briefmarken der Post, die wohl bekanntesten Botschafterinnen der Bundesfeierspende.


Nachstehend der Volltext dieses Aufrufs, der – wohl im Sommer 1968 (genauer wissen wir es nicht) – im Ortsmuseum aufgelegen hat:

ORTSMUSEUM WEIACH

"Pro Ortsmuseum"

Lieber Besucher,

Sie haben unser "Ortsmuseum" besucht, besichtigt und hoffentlich auch kritisiert. Unser Ortsmuseum in Anführungszeichen ist noch gar kein richtiger, vollständiger Ort, ein lebendiger Ort so wie wir ihn vorstellen, ein Ort wo wir das Vergangene, Traditionelle, die Bräuche und Sitten, unser Dorf vorstellen können. Es fehlt uns noch viel, Ausstellungsmaterial und vorallem Ihre Mithilfe. Sie haben es sicher bemerkt. Die heutige Ausstellung gibt uns einen kleinen Einblick in die Kirchgemeinde. Eine Ausstellung, für die wir noch mehr Material zur Schau hätten bringen können. Aber es fehlt uns der Platz. Dort wo wir Ihnen die alten Schriften zeigten, möchten wir wieder eine typische Weiacherstube einrichten, mit all ihrer Eigenarten und Besonderheiten. Ausstellungen, wir denken vorallem an das Schul-, Forst- und Landwirtschaftswesen, möchten wir gerne in die oberen Räume verlegen. Auch Stall und Scheune und die Winde könnten wir dafür sehr gut brauchen.

Wir allein können das nicht. Dazu braucht es Hilfe aus dem ganzen Dorf. Schenken Sie uns alle Ihre Gegenstände aus der alten Zeit: Tische, Stühle, Betten, Kasten, Schränke, Geschirr, Leib- und Bettwäsche, Arbeitsgeräte, einfach all das was Sie entbehren können und für unser Ortsmuseum von bleibendem Wert ist. Als Gegenwert können wir Ihnen keine klingenden Münzen abgeben, wir sind arm. Dafür aber die Gewissheit, dass Ihr wohlbehüteter Schatz oder aber auch das achtlos behandelte Altertum, der Nachwelt, Ihren Kindern und Kindeskindern immer erhalten bleibt. Hier im Dorfe, wo sie hingehören, wo sie nur ganz allein ihren besondern Wert bewahren und nicht irgendwo bei einem Trödler und dann zweckentfremdet in einer Hotelhalle.

Sie haben auf Ihrem Rundgang festgestellt, dass wir nicht ein "Museum" schaffen wollen, ein verschlossener Raum, verträumt und verstaubt. Nein, wir wollen Räume voller Leben, Erinnerungen, Wärme. Mitten in der heutigen Hast ein Ort, ein Haus wo man miteinander zu diskutieren beginnt und das alte Weych zurückruft das sicher keinen schöneren und besseren Zeiten entgegensah als wir heute, auf das wir aber einfach stolz sind.

Helfen Sie uns.

Wenn Sie etwas für uns haben, telefonieren Sie der Gemeinderatskanzlei. Wir kommen bei Ihnen vorbei.

Herzlichen Dank.

Kommission für das Ortsmuseum Weiach

Ein Aufruf, der auf fruchtbaren Boden fiel

Angesichts der Entwicklung des Ortsmuseums kann man mit Fug und Recht festhalten, dass die Hauptintentionen der Gründergeneration sich nachhaltig verwirklicht haben. Auch der obere Stock gehört – entgegen den ursprünglichen Absichten des Gemeinderates – seit einem halben Jahrhundert als fixer Bestandteil zum Konzept des lebendigen Weiacher Dorfmuseums. Die beiden «leeren» Zimmer im Obergeschoss sind entscheidende Elemente. So kann es sich immer wieder neu präsentieren. 

Im Zentrum steht die grosse Ausstellung im Herbst. Dieses Jahr wird wieder Weycher Handwerk und Gewerbe das Thema sein. Der Gwunder auf die neuen Ausstellungsinhalte und die stets erfüllte Erwartung, sich nicht nur anhand der dort präsentierten Objekte der Sachkultur der eigenen Wurzeln erneut gewahr zu werden, sondern auch zu Speis und Trank ins Gespräch kommen zu können, sichert unserem Museum Lebendigkeit und Identität. 

Freitag, 29. August 2025

Weycher Ouverture zum Stadlerhandel 1834 – ein Setzerfehler

Auch prestigiöse Publikationen sind vor peinlichen Druckfehlern nicht gefeit. Das trifft auch für das Zürcher Taschenbuch (ZTB) zu, ein seit 1878 zuverlässig wie ein Uhrwerk erscheinendes Jahrbuch mit Fachaufsätzen zur Zürcher Historie, das wie andere zürcherische Neujahrsblätter jeweils auf den Bächtelistag herausgegeben wird.

So war das u.a. mit einem Artikel des Regensberger Lehrers und Regionalhistorikers Heinrich Hedinger, der im Taschenbuch auf das Jahr 1934 seinen Aufsatz über den sog. Stadlerhandel in Druck gab (vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 114 zu diesem handfesten Schulbücher-Streit).

Zwei Zeilen auf der falschen Druckplatte eingefügt

Entweder gab es überhaupt keinen Probeabzug (höchst unwahrscheinlich), oder das «Gut zum Druck» wurde ohne genügend sorgfältige Prüfung der Fahne gegeben.

Der Setzer hat sich jedenfalls geirrt, was zur Folge hat, dass man beim Lesen noch heute stolpert und leicht verwirrt zurückbleibt, wenn man sich nicht die Mühe nimmt, der Sache auf den Grund zu gehen.  

Da nun diejenige Stelle, wo zwei Zeilen irrtümlicherweise auf der vorangehenden Seite in die Druckplatte eingefügt wurden, ausgerechnet eine Passage betrifft, in der es um die Rolle der Weiacher in diesem Schulbücher-Aufstand geht, sei hier erst das Original aus dem ZTB und danach die korrigierte Fassung wiedergegeben:

[...]


Sie haben es vielleicht gemerkt. Da gibt es einen Bruch zwischen der dritt- und zweitletzten Zeile auf S. 171. Ein weiterer Sprung bei Zeile 1 von S. 172 und noch einer nach der Zeile 5 auf derselben Seite.

Richtig einsortiert

Nachstehend soll hier nun das Missgeschick des Setzers korrigiert werden. Die zwei letzten Zeilen der S. 171 sind auf der nachfolgenden Seite zwischen der Zeile 5 und 6 einzureihen. Dann liest sich der Text so, wie er eigentlich gedacht war. 

«                 Als Bezirksschulpfleger Hauser von Stadel
am 12. Dezember 1833 die Abteilung in Raat besuchte,
bemerkte er im Visitationsbuch: „Es ist mir leider bekannt, daß
die Hausväter zu Raat sich widersetzen, die obrigkeitlich
angeordneten oder gesetzlichen Lehrmittel in die Schule
einführen zu lassen, worüber ich mein Mißfallen aussprechen
muß. Auf eine solche Widersetzlichkeit kann nicht nur eine
leichte Ahndung, sondern gelegentlich eine ernstere Strafe
folgen" [Anm-42]. Am 29. Dezember 1833 besprach der hiesige, nur

[...]
[...]

S. 172

aus wenigen Mitgliedern bestehende freisinnige Zunftverein
die Angelegenheit, ohne eine befriedigende Lösung zu finden.
Nun bat die Schulpflege Stadel am 30. Dezember 1833 die
Bezirksschulpflege, „daß die obern Behörden einmal einschreiten
möchten, weil sie selbst nichts mehr wirken könne
[Anm-43]. Am

gleichen Tag besammelten sich auch die Bürger von Weiach.
„Mit großer Mehrheit ward dabei beschlossen, den Gebrauch

des ersten Lesebüchleins und des Scherrischen Tabellenwerks
in hiesiger Schule nicht zu gestatten und ebenso die Aufbauung
eines Schulhauses zu verweigern"
[Anm-44]. In dieser Gemeinde-
versammlung äußerte sich u.a. Gemeinderat Bersinger, „man
wolle mit der neuen Lehre die Religion wegtun, und das
könne man nicht leiden"
[Anm-45]. Damit erfahren wir in unserer
Gegend erstmals etwas vom Gedanken der Religionsgefahr,
der später den Stadlerhandel wesentlich beeinflußte, weil nun
zu den Geldsorgen hinzu noch die zähe Verteidigung des
geistigen Lebens kam, das damals eben hauptsächlich religiöser
Natur war.
»

Bemerkungen

1. Die vom Bezirksschulpfleger getadelten Raater Väter, ihrer 40 an der Zahl, waren geschlossen gegen die Einführung der neuen Schulbücher, ob primär aus Gründen des Geldmangels oder tatsächlicher religiöser Bedenken wegen, ist schwierig zu eruieren. Jedenfalls haben sie den dortigen Lehrer im späteren Verlauf der Angelegenheit unter Gewaltandrohung gezwungen, zu unterschreiben, dass in Raat die neuen Lehrmittel nicht eingeführt würden.

2. Der in der ersten Zeile auf S. 172 genannte «freisinnige Zunftverein» war die Vorläuferin der heutigen gemeindeübergreifenden FDP-Sektion Stadel. Diese politische Partei war mit der Staatsumwälzung 1831 an die Macht gekommen und hatte natürlich jedes Interesse, alles Beförderliche zu tun, damit die neue Schulkonzeption ihre Ziele auch erreicht. Die Zunft Stadel war eine Unterabteilung des Bezirks Regensberg. Sie fungierte als Wahlkreis für den Grossen Rat (Kantonsrat) und verfügte über ein Zunftgericht, das die Bezirksgerichte entlasten sollte.

3. Den Auszug aus dem Weiacher Schulpflegeprotokoll (Anmerkung 44) verdankt Hedinger sehr wahrscheinlich dem bei uns wohlbekannten Lehrer und Ortschronisten Walter Zollinger. Er erwähnt ihn explizit in Anmerkung 3 auf S. 163 des Aufsatzes als Lieferant für «vereinzelte Angaben».

Quelle und Literatur

  • Hedinger, H.: Der Stadlerhandel. In: Zürcher Taschenbuch auf das Jahr 1934. Zürich 1933 – S. 162-187.
  • Brandenberger, U.: Aufstand wegen neumodischen weltlichen Schulbüchern. Die Weiacher im «Stadlerhandel» vor 175 Jahren. Weiacher Geschichte(n) 114. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Mai 2009 – S. 14-21.