Donnerstag, 28. August 2025

«Wilder» Automobilist gefährdet Militärradfahrer-Meisterschaft!

Vor 75 Jahren, gerade einmal ein halbes Jahrzehnt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und mitten in einem neuen militärischen Ringen der Grossmächte, dem Koreakrieg, da war der Schweizer Wehrwille zwar noch intakt, aber die neuen Prioritäten der anrollenden Hochkonjunktur schon deutlich am Horizont zu erkennen.

Wie unter dem Brennglas wird die Ungeduld der neuen Zeit sichtbar: an einem Vorfall auf Weiacher Gebiet, der beinahe zu Verletzten geführt hätte. Doch lassen wir in dieser Angelegenheit den Sportredaktor der Zeitung «Die Tat» (gegründet von Migros-Pionier Duttweiler im Jahre 1935) im Originalton zu Wort kommen – einzig die beiden Verlinkungen auf das Historische Lexikon der Schweiz (e-HLS) und der Einschub in eckigen Klammern stammen von WeiachBlog:

«Lange war diese 35. Meisterschaft unserer Militärradfahrer in Frage gestellt, weil keine Sektion die Organisation und damit die großen Kosten und Umtriebe übernehmen wollte. Schließlich sprangen die Zürcher in die Lücke. Freilich sahen auch sie sich außerstande, einen Mehrkampf zu organisieren. So blieb es für einmal beim bloßen Radrennen, wie es vor dem zweiten Weltkrieg üblich war. In Zukunft wird man freilich wieder zum Dreikampf, bestehend aus Schießen, Hindernislauf und Radrennen zurückkehren, denn das Radrennen bietet den Rennfahrern doch zu große Vorteile, wie gerade diese Meisterschaft deutlich bewies. Ein Militärradfahrer muß ja letzten Endes nicht nur möglichst schnell fahren, er soll sich auch ohne Rad im Gelände schnell fortbewegen und vor allem natürlich gut schießen können. Unter dem Kommando von Oberstleutnant Müller und Fw. Müller spielte die Organisation dieser Meisterschaft ausgezeichnet, wovon sich die zahlreichen Ehrengäste, unter denen Oberstdivisionär de Muralt, der Waffenchef der leichten Truppen, und Regierungsrat Vaterlaus zu bemerken waren, überzeugen konnten. Der Publikumserfolg war allerdings nicht besonders groß. Vor allem hatten sich die Militärradfahrer überall an der Strecke eingefunden, um die Kameraden ihrer Einheit anzufeuern, oder um ihnen mit Tranksame Hilfe zu gewähren. Der Korpsgeist der Radfahrer-Truppe ist ja sprichwörtlich, und er fand an dieser Meisterschaft erneut ein schönes Beispiel. Erwähnen wir nur den 54jährigen Grf. Hirzel [sic! Gruppenführer? Es ist wohl eher ein verschriebenes Gfr., also Gefreiter gemeint], der nicht nur das Rennen seiner Kategorie flott durchgestanden hat, sondern er benützte schon seine Trainingsfahrten recht fleißig zum Prämiensammeln und hat dabei Gaben im Werte von mehreren hundert Franken zusammengetragen , wovon ein bescheidener Teil nun auch in seine Tasche gewandert ist, weil viele Spender auch an den ältesten Teilnehmer dachten.

Die Gebr. Hutmacher diktierten das Rennen des Auszuges 

Bei direkt idealem Wetter gibt Altmeister Rdf. Paul Egli am Neumühlequai das Startzeichen. Die Höhe des Milchbucks wird von den siebzig Fahrern im Eiltempo erstürmt. Durch Sturz und Defekt verlieren zwei Mann außerhalb Glattbrugg den Anschluß. An der Lufinger Steigung zieht sich das Feld in die Länge. In der Abfahrt schließt der große Haufen jedoch wieder zusammen. Die Wagenbreche benutzt Rdf. Dähler zu einem Solovorstoß. Kurz vor Glattfelden, wo eine Durchfahrtsprämie winkt, wird er jedoch wieder eingeholt und das Geld wandert in die Tasche des Gfr. Gubelmann. Kurz vor Weiach will dann ein unvorsichtiger «wilder» Automobilist dem Feld vorfahren. Dabei rammt er einen Markierungspfosten, reißt in der Aufregung das Steuer wild nach rechts und fährt mitten in die Fahrer hinein. Nur die Geistesgegenwart der Militärradfahrer verhindert einen ernstlichen Unfall. Unterdessen hat sich Rdf. Scheuermeier allein vom Feld gelöst. Bei Raat verzeichnet er einen Vorsprung von 50 Sekunden. Rdf. Willy Hutmacher bringt durch dauernde Antritte immer wieder Unruhe in den großen Haufen, was sein Bruder, Gfr. Hans Hutmacher, geschickt zur Flucht benützt. [...]»

Nach dieser Durchfahrt des Weiacher Gemeindebanns sei hier der O-Ton beendet. Wer den Rest des Artikels auch noch lesen will, wird auf den Link in den Quellen verwiesen.

Quelle

  • gr.: 35. Schweiz. Militärradfahrer-Meisterschaft in Zürich. Gfr. Hans Hutmacher (Auszug) und Wm. Funk (Landwehr) Schweizer Meister. In: Die Tat, Nr. 233, 28. August 1950 – S. 5.

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