Mittwoch, 5. März 2008

Schüblig-Essen nach der Generalversammlung

In seinen Jahreschroniken berichtete Walter Zollinger auch über die Vereinslandschaft von Weiach. Der gemeinsame Gesang war vor einem halben Jahrhundert derart beliebt, dass es noch zwei Chöre gab, den Kirchenchor und den Männerchor. Heute existiert in der Gemeinde überhaupt kein Musikverein mehr.

Über die Aktivitäten der beiden Vereine im Jahre 1958 schreibt Zollinger unter anderem:

«Die Mitwirkung von Kirchen- und Männerchor an den folgenden Anlässen ist seit Jahren so eingebürgert, dass sie in Zukunft hier nicht mehr besonders erwähnt werden soll: Neujahrsgottesdienst / Kirchgemeindeabend / Männerabende / Palmsonntag / Pfingstsingen im Dorf herum / Missionsfeier / Bundesfeier / Bettagsgottesdienst / Reformationsfeier / Evangelisationswoche / Sylvestergottesdienst.»

Ob die beiden Chöre jeweils gemeinsam oder einzeln auftraten, verrät der Chronist nicht, wohl aber, dass das Administrative zusammen erledigt wurde:

«Die gemeinsame Generalversammlung der beiden Chöre fand am 5. März statt, wiederum im "Sternen". Nach Erledigung der statutarischen Geschäfte findet jeweilen ein sog. "Schübligbankett" statt, anschliessend folgen freie gesangliche und theatraliche Darbietungen; auch getanzt wird jeweilen gerne.»

Was ein Schüblig genau ist? Kurz gesagt eine Wurst aus Rindfleisch, Schweinefleisch, Rückenspeck, Nitritpökelsalz und Pfeffer in einem essbaren Naturdarm. Die weiteren Zutaten sind je nach Region verschieden - und so gibt es auch viele verschiedene Sorten. Genaueres findet man auf der Website gesalzen + gepfeffert.

Dass es nach getaner Arbeit einen Schüblig gibt, ist übrigens ein Brauch der weitherum gepflegt wurde und in traditionalistischen Gemeinden teilweise heute noch lebt, so z.B in Humlikon im Zürcher Weinland.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1958. - S. 13.

[Veröffentlicht am 8. Februar 2009]

Montag, 25. Februar 2008

Weiacher Gemeindeammann neu in Stadel zuhause

Betreibungsbeamter sein ist kein Zuckerschlecken. Zumal dann nicht, wenn man gegen seine Nachbarn vorgehen und Zahlungsbefehle durchsetzen muss, obwohl einem völlig klar ist, dass die Bestimmungen des Schuldbetreibungs- und Konkursgesetzes (SchKG) dem Schuldner wirtschaftlich das Genick brechen werden.

Deshalb waren wohl im 19. Jahrhundert etliche Weiacher Gemeindeammänner (so heissen die Betreibungsbeamten im Kanton Zürich) etwas allzu nachsichtig, was die Durchsetzung des Rechts anbelangte. Die Aufsichtsbehörden enthoben aus diesen Gründen mehr als einmal den hiesigen Ammann des Amtes.

Solches dürfte heute eher selten vorkommen. Der Weiacher Gemeindeammann wohnt auch seit geraumer Zeit nicht mehr auf dem Gebiet der Gemeinde. Lange Jahre war der Amtsinhaber in Bachs ansässig. Nun ist ein Neuer gewählt worden. Und der wirkt von Stadel aus.

Magere Stimmbeteiligung

Wie schon fast üblich bei solchen Wahlen ist das Interesse nicht gerade überwältigend:

«Weiach : Neuer Betreibungsbeamter
Weiach . – Oskar Rüegg ist mit 89 Stimmen zum neuen Gemeindeammann und Betreibungsbeamten gewählt worden. Leer wurden 81 Wahlzettel eingelegt, auf Vereinzelte entfielen 5 Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug 24 Prozent
», berichtet kurz und knapp der Tages-Anzeiger.

Viel ausführlicher wurde auch die regionale Konkurrenz von Zürcher Unterländer und Neuem Bülacher Tagblatt nicht:

«Rüegg definitiv
Weiach. Oskar Rüegg wird definitiv neuer Gemeindeammann und Betreibungsbeamter in Weiach. Er hatte das Amt nach dem Rücktritt von Walter Albrecht bereits ad interim geführt. Rüegg erhielt gestern 89 Stimmen, das absolute Mehr lag bei 48 Stimmen. Knapp 24 Prozent der Wahlberechtigten gingen zur Urne.
» (Zürcher Landzeitung / ZU / NBT Montag, 25. Februar 2008, S. 6)

[Veröffentlicht am 8. Februar 2009]

Dienstag, 5. Februar 2008

Grippewelle vor 50 Jahren

Die Grippe schlägt bekanntlich mit schöner Regelmässigkeit zu. Das war diesen Winter besonders eindrücklich zu beobachten. Neu ist das Phänomen nicht. Weiach war nicht nur 1957 (vgl. WeiachBlog-Artikel v. 15. Februar 2007) sondern auch vor genau 50 Jahren von Influenza betroffen:

«3.-5. Feb.: 4.-8. Klasse schulfrei, wegen Grippeerkrankung des Lehrers*»

Auf der nächsten Seite unter dem * die Anmerkung:

«*Das Hudelwetter der ersten Hornerwoche hat nicht nur den Schullehrer ins Bett gelegt, auch unter den Schülern regierte die Grippe, sodass in jenen Tagen in der 4.-8. Klasse bis zu 12 Absenzen pro Schultag zu notieren waren.»

Die getroffene Massnahme war wohl das Klügste was man tun konnte. Die Schulkinder waren sicher nicht traurig. Auch wenn es mit dem Schnee von Ende Januar 58 bereits wieder vorbei war.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1958 - S. 12 u. 13

[Veröffentlicht am 9. Februar 2009]

Mittwoch, 2. Januar 2008

Gab eine Burgunderkönigin dem Bärchtelistag ihren Namen?

Am heutigen Bächtelistag (auch Bärchtelistag oder Bechtelistag genannt) finden traditionellerweise gesellige Festivitäten statt, so z.B. die Ausgabe der Neujahrsblätter in der Stadt Zürich. In früheren Jahrhunderten waren viele Hiesige überzeugt: «Was mer am Bächtelistag schaffet, das frässed d’Müs!».

Also eine gute Gelegenheit zusammenzukommen, zu feiern und dabei die Überschüsse des letzten Jahres zu verbächtelen. Was die gnädigen Herren zu Zürich von solchen Aktivitäten hielten verrät der WeiachBlog-Artikel vom 2.1. letzten Jahres.

Heidnisches Maskentreiben, aufrührerische Grafen oder eine Heiligenverehrung?

Heute geht es mehr um die Frage, woher denn der Name kommt. In den Weiacher Geschichte(n) Nr. 50 wird dies auf den S. 130 und 131 en détail erörtert (vgl. Link unten). Hier sei nur eine mögliche Variante erwähnt:

«Wesentlich plausibler ist eine Deutung, welche spätere Ausgaben des Schweizerischen Idiotikons (Bd IV – Sp. 1538-1539) bieten: «Als Name eines in den Zwölften umziehenden gespenstischen Weibes» sei Berchta «unserm Gebiete fremd». Wohlbekannt ist aber eine historisch verbürgte Person dieses Namens, die in der Westschweiz grosse Achtung genoss: «la bonne reine Berthe». Die Angabe «ze dem berhten tage» kann deshalb in Beziehung zur Burgunder-Königin Bertha (od. Berchta) gesetzt werden. Ihr Vater war Herzog Burchard von Schwaben. Nach seinem im Jahre 919 bei Winterthur über König Rudolf von Hochburgund erfochtenen Sieg verheiratete er seine Tochter mit dem Unterlegenen. Sie wird als Gründerin zahlreicher Kirchen vor allem in der Westschweiz genannt. Folgerichtig dann auch eine Notiz in einem Jahrzeitbuch, wo der 2. Januar als der Tag «Berchte regine Burgundie» bezeichnet wird. Ihre letzte Ruhestätte fand die schwäbischstämmige Burgunderherrscherin in Payerne. Noch heute tragen verschiedene Cafés und Restaurants in der Westschweiz den Namen «Reine Berthe». Der Bächtelistag als Feiertag einer Volksheiligen? Warum auch nicht.»

Nett ist vor allem, dass diese Gemeinsamkeit über den Röschtigraben hinweg eine Brücke schlägt. Und eine kulturelle Einheit vermittelt bei denen beiden, Romands wie Deutschschweizern, warm ums Herz wird - wenn auch nicht aus den gleichen Gründen.

Weiterlesen?

Die obige Passage stammt aus dem Artikel «Helse» an Neujahr, Fäschte am Bächtelistag. Bräuche zum Jahresanfang gestern und heute. Erschienen in der Reihe Weiacher Geschichte(n), Nr. 50, in den Mitteilungen für die Gemeinde Weiach vom Januar 2004.

Weitere Angaben zur Tradition des Bächtelistags im WeiachBlog-Artikel Nr. 59 vom Montag, 2. Januar 2006: Was mer am Bächtelistag schaffet, das frässed d’Müs!

Dienstag, 1. Januar 2008

Das alte Gemeindehaus und die Feuerspritze von 1858

In der Januar-Ausgabe der Mitteilungen für die Gemeinde Weiach findet man den neuesten Artikel aus der Reihe Weiacher Geschichte(n), die Nummer 98.

Der Beitrag befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen der Beschaffung einer neuen Feuerspritze und dem Bau des (seit 1948) Alten Gemeindehauses beim Friedhof.

Er zeichnet anhand von Gemeindeversammlungsprotokollen (im Originalwortlaut transkribiert) nach, wie die Weiacher vor 150 Jahren dazu kamen, sich nicht nur eine Feuerspritze anzuschaffen, sondern auch gleich noch ein Gemeindehaus samt integriertem Spritzenhaus zu bauen. Für die Web-Ausgabe vgl. den Link unten.

Maurer Grießer = Baugeschäft Griesser?

Der Zwischentitel «Der Bauplan stammte von Maurer Griesser» gab nun dieser Tage im Hause Kurt Griesser vom Baugeschäft Griesser an der Chälenstrasse 32 Anlass zur Erforschung der eigenen Geschichte.

Ob es sich bei diesem Maurer um einen Griesser gehandelt habe, der mit seiner Familie nicht verwandt sei, fragte er per e-mail. Sein Vater sage nämlich, das Geschäft sei erst nach dem 1. Weltkrieg gegründet worden.

Nach etwas Nachforschen in meinen Unterlagen kann ich folgenden Beleg aus einem 60-jährigen Werk über den Kanton Zürich präsentieren:

«Gebrüder Griesser, Baugeschäft. Der Gründer dieses Geschäftes, Jakob Griesser, wurde am 22. April 1873 als Bauernsohn geboren und wuchs im Kreise von 9 Geschwistern im elterlichen Heimwesen in Weiach auf. In den Jahren 1904-1908 arbeitete er im Maurer- und Zementgeschäft von Adam Arigoni, wo er den Maurerberuf erlernte. 1909 vertauschte er diese Stelle mit einer solchen im Maurergeschäft von Gottfried Nepfer in Weiach, wo er bis zum Tode seines Meisters im Jahre 1923 arbeitete. Darauf gründete Jakob Griesser mit bescheidenen Mitteln ein eigenes Maurergeschäft. 1925 erbaute er sich in Weiach ein Heim. Als Achtundsechzigjähriger übergab er sein Geschäft 1941 seinen beiden Söhnen Gottlieb und Ernst Griesser, die 10-15 Arbeiter beschäftigen und sämtliche in ihr Fach einschlagenden Bauarbeiten ausführen.» (Kläui et al.: Kanton Zürich. Band I. Zollikon 1948, S. 193)

Der Gründer (in diesem Fall mutmasslich die Quelle) wird sich wohl noch richtig erinnern, denke ich. Das Gründungsjahr der Firma Baugeschäft Griesser wäre dann also 1923 - und die Erinnerung des Vaters von Kurt Griesser völlig korrekt.

Es braucht genealogische Untersuchungen

Mit anderen Worten: zwischen dem Maurer Grießer, welcher 1857 den Plan für das mit einem Spritzenhaus kombinierte neue Gemeindehaus zeichnete und dem heutigen Baugeschäft Griesser besteht kein direkter Zusammenhang.

Nicht ausgeschlossen ist aber, dass der damalige Maurer Grießer auch Nebenerwerbsbauer war und sich aus dieser Familie in direkter Linie später wieder jemand für das Bauhandwerk interessierte - der 1873 geborene Jakob Griesser eben.

Ohne die Stammbäume der Griesser von Weiach zu konsultieren, kann man in diesem Punkt allerdings keine weiteren Aussagen machen.

Quellen

Montag, 31. Dezember 2007

Die SBB definieren den Anschluss neu

Die S-Bahn Zürich müsse pünktlicher werden, befand man beim Zürcher Verkehrsverbund. Um dies zu erreichen, brummte man den SBB happige Konventionalstrafen auf.

Das findet der regelmässige Bahnkunde ganz in Ordnung. Pünktlichkeit ist gut. Bis einen die Auswirkungen dann selber treffen.

An den Toleranzen schrauben

«Nachdem die SBB wegen ungenügender Pünktlichkeit dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) für das Jahr 2006 eine Strafgebühr von 1,75 Millionen Franken zahlen mussten, unternehmen sie nun alles, um den Malus heuer zu vermeiden», schrieb die NZZ am Sonntag am 26. August 2007.

Sie unternehmen wirklich alles. Man hat den Eindruck die SBB wandle auf den Spuren des Karikaturisten Horst Haitzinger, der vor Jahren in einem Cartoon zwei EU-Beamte in Anzug und Krawatte zeichnete, die bis zum Bauchnabel inmitten von Fischen im Wasser stehen, daneben eine Verkehrstafel. Und einer der beiden sagt zum andern: «Das muss man jetzt nicht gleich so panikmacherisch "Hochwasser" nennen. Wir erhöhen einfach etwas den Grenzwert für Feuchtigkeit!».

Und was tun die SBB, wenn ihnen das Wasser bis zum Bauch steht? Erst definieren sie die Pünktlichkeit neu (indem man an den Toleranzen schraubt und erst drei, dann vier Minuten zu späte Abfahrt immer noch als pünktlich bezeichnet). Und dann definiert man auch noch den Anschluss neu.

Anschluss auf den letzten Bus nicht mehr gewährleistet

Dass dem so ist, merken jetzt die Weiacher, Stadler und Neeremer. Und zwar beim Anschluss an die letzte S-Bahn/Bus-Verbindung des Tages (Zürich HB ab: 23.37 Uhr, Bülach ab 00:04).

Wer wie der Schreibende regelmässig westlich von Zürich geschäftlich zu tun hat, der schätzt es, beispielsweise in Bern erst um 22.30 in den IC nach Zürich einsteigen zu können. Denn der Anschluss auf die S-Bahn in Zürich war garantiert. Und wenn sie einem doch entschwand, dann konnte man zum Trost in Bülach auf SBB-Kosten ein Taxi bestellen. Eine gute Sache, zumal die VBZ bei Tramverspätungen etc. sich nicht einmal in Ansätzen für den Ärger mit verpassten Anschlüssen interessieren.

Mit der Kulanz und dem garantierten Anschluss ist es nun offenbar auch bei den SBB vorbei. Denn seit dem letzten Fahrplanwechsel hat der Schnellzug von Bern nach Zürich einen fahrplanmässigen Halt in Olten. Er fährt dort exakt 23.00 Uhr ab. Alle früheren Züge von Olten nach Zürich mit ähnlicher Abfahrtsminute sind ICN ab der Jurasüdlinie. Und die verlassen Olten 1 Minute vor der vollen Stunde.

Eine Minute zu spät - und die Anschlussgarantie ist weg

Diese eine Minute hat es nun in sich. Kommt ein Zug fahrplanmässig statt 23.30 erst um 23.31 Uhr in Zürich HB an, dann wird eine 23.37 irgendwo im HB abgehende Verbindung von fahrplan.sbb.ch nicht mehr angezeigt. Warum? Weil die minimale Umsteigezeit 7 Minuten beträgt. Auf dem elektronischen Fahrplan der SBB sieht man das nicht. Dies verrät nur fahrplanfelder.ch, die Internet-Ausgabe des guten alten Kursbuches, wo in einem quadratischen Kästchen bei jedem grösseren Bahnhof die minimale Umsteigezeit in Minuten angegeben ist (vgl. dieses Beispiel).

Keine offizielle Verbindung - keine Entschädigung

Mit anderen Worten: Nur wer in Bern um 22.00 Uhr oder in Olten um 22.30 Uhr auf den Zug geht, hat von den SBB die Garantie, noch mit dem letzten Bus nach Weiach oder Stadel zu gelangen.

Fährt der Zug auch nur 2-3 Minuten verspätet in Zürich HB ein, so wartet die S5 diese Verbindung nun nicht mehr ab (und unter 4 Minuten Umsteigezeit wird es kritisch beim Wechseln in den Bahnhof Museumsstrasse). Damit könnte man als Kunde ja noch leben. Mit dem Wegfall des Rechts auf Entschädigung für ein Taxi nach Hause weniger.

Also: Entweder eine halbe Stunde in Zürich oder am Flughafen warten. Oder darauf hoffen, dass der Zug ab Bern keine (zu grosse) Verspätung hat.

Ich bin ja gespannt, wie kulant sich die SBB geben werden, wenn ich dereinst mit der Quittung eines Bülacher Taxi-Unternehmers beim Kundendienst vorbeischaue.

Sonntag, 30. Dezember 2007

Dezemberwetter 1957

Der Christmonat des Jahres 1957 war dem Dorfchronisten wieder ein paar Zeilen mehr wert als der bloss statistisch abgehandelte November:

«Der Dezember beginnt gleich "richtig", nämlich mit heftiger Kälte, -10° am 2.12. morgens, ein kalter Oberwind weht dazu. Das Thermometer hält sich dann während der ganzen ersten Woche immer zwischen -2 und +2°; sie steigt auch an den Nachmittagen selten gross an (einmal auf +7°). Erst am 8.12. änderts; die Temperatur steigt auf +10°, dafür setzt nach stürmischer Nacht ein unfreundlicher Tag ein, mit Regen, der auch am 9. und 10.12. noch anhält. Der 11., wie auch der 12.12. bringen mit -2°C eine Reifschicht, aber darauf sonnige Nachmittage. Die folgende Zeit ist eher wieder ungefreut: z.T. regnerisch oder doch beständig trübe und grau, auch ziemlich kühl. Die letzten 10 Tage zeigen ab 22. Dezember fortwährend Morgentemperaturen unter 0° und damit Reif oder Rauhreif "bis zum Haggenberg und Sanzenberg hinauf".»

Haggenberg und Sanzenberg heissen die beiden Hausberge (für Flachländer; Bergler würden sie eher als Haushügel bezeichnen) von Weiach. Wenn der Rauhreif so hoch hängt, dass man den Kalter Wangen nördlich über dem Rhein sieht, dann hängt auch die Nebeldecke hoch. Zollinger bestätigt das:

«Meist folgte daraufhin eine Hochnebeldecke. Tiefsttemperaturen am 24.12. mit -7° am Morgen, 0° am Nachmittag. Der letzte Dezembertag bringt noch "ein winziges Schäumchen Schnee" auf Dächer und Hausplätze; auf den Wiesen aber hält er sich nicht.»

Und bei diesen schwachen Schneefällen wird es wohl auch dieses Jahr bleiben. Mit Ausnahme von vielleicht zwei Wintern pro Jahrzehnt dürfte sich die Schneehöhe im Schweizer Mittelland auch künftig auf wenige Millimeter beschränken. Willkommen im Klimawandel-Europa der Gegenwart.

Bereits im WeiachBlog erschienene Wetterartikel
Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 6-7 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)

Samstag, 29. Dezember 2007

Gehörte Weiach einst dem Kloster Allerheiligen?

Die älteste erhalten gebliebene Nennung des Ortsnamens Wiâch findet man bekanntlich in einem Zinsrodel (Einnahmenverzeichnis) der Fraumünsterabtei zu Zürich, datiert auf Februar 1271. Der Eintrag selber ist zwar nicht mit einer Datumsangabe versehen, er steht jedoch zwischen datierten Einträgen, welche in etwa diese zeitliche Zuordnung vermuten lassen.

Fussnote 21 reloaded

Nun gibt es aber noch ältere Dokumente, welche uns diesen Namen mit der genau gleichen Buchstabenkombination überliefern - wie ich 2003 angemerkt habe:

«Eine noch frühere Nennung des Ortsnamens «Wiach» erfolgte in einer Urkunde des Schaffhauser Klosters Allerheiligen von 1167 in der vom Bischof von Konstanz bestätigt wird, dass ein «Anno von Busilingin» im Jahre 1131 dem Kloster zur Beförderung seines und seiner Vorfahren Seelenheil u.a. Güter in «Wiach» überschrieben habe.

Die Forschung ist offenbar der Ansicht, dass es sich bei diesem Ort um Wiechs am Randen, heute ein deutsches Dorf nahe Bargen SH, gehandelt habe. Dies erscheint zwar logisch. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass eigentlich «Wiach» am Rhein gemeint war.

Umgekehrt ist es möglich, dass spätere Nennungen von «Wiach» unserem Dorf fälschlicherweise zugeschrieben wurden und sich tatsächlich auf Wiechs am Randen beziehen.

Im Bezug auf obgenannte Urkunde lässt sich diese Frage nur dann beantworten, wenn es im Aktenbestand des Klosters Allerheiligen weitere Dokumente geben sollte, die eine eindeutige Zuordnung der fraglichen Güter im genannten «Wiach» zu solchen in Wiechs ermöglichen.
»

Wo hatte dieser Anno von Busilingin seinen Grundbesitz?

Das ist die entscheidende Frage. Ausgeschlossen ist es jedenfalls nicht, dass das 1049 von einem Nellenburger gegründete Benediktinerkloster Allerheiligen durch die Schenkung des Anno von Busilingin (wohl: von Büsingen; vgl. den letzten Abschnitt) ab 1131 auch in Weiach Grundbesitz hatte.

Es muss sich ja nicht um denselben Besitz gehandelt haben, welcher der Fraumünsterabtei spätestens ab Februar 1271 Einkünfte brachte. Denn daneben waren bis 1295 vor allem die Freiherren von Wart Besitzer von Boden und Rechtstiteln wie der niederen Gerichtsbarkeit.

Wenn es so war, dann müsste das Kloster diese Besitzung relativ rasch wieder veräussert haben, ohne dass diese Transaktion für uns heute verwertbare Spuren hinterlassen hätte - es sei denn, dass in den Akten zum Kloster noch die eine oder andere Notiz unbeachtet geblieben wäre.

Wenn aber die Einträge zu Wiach seit 1131 nicht mehr abbrechen und sich diese als eindeutig und ausschliesslich auf Wiechs am Randen bezogen herausstellen sollten, dann steht die These, Allerheiligen mit dem rheinabwärts gelegenen Weiach in Verbindung bringen zu wollen, nach den noch vorhandenen Urkunden zu urteilen auf schwachen Füssen.

Quelle
  • Brandenberger, U.: Weiach – Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes. Dritte, überarbeitete Auflage von Walter Zollingers «Weiach. 1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach». Oktober 2003 – S. 11, 14 und Fn-21, S. 73
[Ein pdf-File der 4. Auflage, Ausgabe November 2007 (auf den neuesten Stand gebrachte Version) ist verfügbar unter dem URL: http://www.esnips.com/web/Ortsgeschichte-Auflage-4 ]

Korrektur vom 9. April 2019

Im Haupttext dieses Beitrags wird vermutet, bei Busilingin handle es sich um die östlich Schaffhausen gelegene deutsche Exklave Büsingen. Gemäss dem Topographischen Wörterbuch des Großherzogtums Baden muss es sich jedoch um «Büßlingen» handeln. Büsingen wird mit den historischen Bezeichnungen «villa Bousingin (1111)» oder «villa Bousingen (ca. 1150)» in Verbindung gebracht. «Anno de Busilingin» ist in Spalte 361 unten erwähnt: im Artikel über Büßlingen.

Vgl. Krieger, Albert; Badische Historische Kommission [Hrsg.]: Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden (Band 1) Heidelberg, 1904 – Sp. 360-361. https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/krieger1904bd1/0203 f.

Hinweis vom 16. Mai 2019

Die Urkunde (Signatur. StASH Urkunden 1/80) ist auf den 27. Dezember 1166 datiert. Aufgrund des damals üblichen Natalstils begann das Jahr 1167 bereits an Weihnachten, weshalb in Urkundenbüchern teils die im Original stehende Jahrzahl 1167 erwähnt wird.

Freitag, 28. Dezember 2007

50 Jahre Tankstelle an der Sternenkreuzung

Mit dem heutigen Tag ist es genau 50 Jahre her, seit eine der Wohnungen im damals neu erbauten Tankstellen-Gebäude an der Hauptstrasse nördlich des Dorfkerns ihre ersten Bewohner vollzählig begrüssen konnte.

Walter Zollinger klebte in seine Chronik 1957 die in der Zeitung publizierte Bauankündigung ein:

Und notierte dazu etwas weiter oben auf derselben Seite:

«Am 11. Juni wurde auch mit dem Bau des Zweifamilienhauses mit Werkstattanbau und Tankstelle "Aral" des Albert Willi-Jost, Schmiedmeister begonnen. Es kommt an die Kaiserstuhlerstrasse, gleich gegenüber der Weidwiese z. Sternen zu stehen. Bezug der untern Wohnung am 28.12.57. Die obere wird an den Schwiegersohn Herr Kurt Ackerknecht-Willi, Lehrer vermietet, aber erst im Laufe des ersten Quartals 1958 bezogen werden.»

Wie man sieht, ist aus dem blau-weissen Design mit dem markanten auf einer Ecke stehenden Aral-Quadrat, nach einigen Jahrzehnten mittlerweile eine in den Migrol-Farben daherkommende Tankstelle geworden.

Quelle

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 18 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)

Mittwoch, 26. Dezember 2007

Fällig für s «gääle Wägeli»?

Ein paar Schneiser sind ja bekanntlich der Ansicht, der Betreiber dieses Blogs sehe weisse Mäuse: «Er leidet ziemlich sicher an Halluzinationen, schreibt er doch von Drohungen und Angriffen, wird aber nie konkret», schreibt Hans Bantli (Tipp: Sehen Sie sich einmal die Kommentare im November und Dezember 2007 an und urteilen Sie selbst), bezeichnen ihn als Psycho und empfehlen schon einmal vorsorglich fürsorgerischen Freiheitsentzug samt Abholung durch das Gelbe Wägeli (vgl. dort Kommentar 5 und 6 zum Artikel vom 1. Dezember).

Und das alles, weil er die Kühnheit hatte, einen Entscheid des Bezirksgerichts Zurzach gut zu finden und ganz allgemein der Meinung ist, jeder Himmelsrichtung um den Flughafen Zürich sei ein fairer Anteil Fluglärm zumutbar, schliesslich profitierten wir ja alle von dieser Einrichtung. Item. Sei's drum.

Woher kommt diese Redewendung?

Von grösserem Interesse ist, weshalb der Volksmund überhaupt so häufig von diesem «gääle Wägeli» spricht. Darüber gibt eine Seite des Web 2.0-Projekts DRS 2 Wissensblog Auskunft.

«Woher stammt der Ausdruck: "vom gäle Wägeli gholt werde"?», fragte am 9. Oktober 2007 um 22:05 eine Evelyn aus Affoltern am Albis.

Bislang gibt es darauf zwei Antworten. Mit stadtzürcherischen Jugenderinnerungen wartet Walti aus Beckenried auf, der am 11. Oktober um 11:20 schrieb:

«Ich wuchs in den 40er Jahren in der Stadt Zürich auf. Ich erinnere mich genau, dass es damals eine psychiatrische Klinik Burghölzli gab. Diese hatte Fahrzeuge von gelber Farbe. So kursierte damals der Spruch anstelle von "du spinnst wohl!", "sell ich im gäle Wägeli go aalüüte?"»

Büsiatrische Ortsnamenkunde

Dieses «Burghölzli» gibt es auch heute noch: die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich. Und so wie man im Thurgau von «Münschterlinge Seesiite» oder im Berner Oberland von «Münsige linggs» (der Bahnlinie) redet, hat eben jede Region ihren ganz speziellen Ort des Schauderns.

Jemand der als «Cécile Uebelhart Riehen» zeichnet, ergänzte am 11. Oktober um 19:02 Uhr unter dem Titel Psychiatrie:

«Ich weiss beruflich darum, dass früher Menschen welche aus irgend einem Grund "ausrasteten" jeweils nicht mit einem weissen Krankenwagen oder von der Polizei in eine psychiatrische Klinik abgeholt wurden, sondern durch ein gelb gekennzeichnetes Auto, welches sich nicht an Strassenvorschriften zu halten hatte und welches auch andere Fixier-Ruhestellungsmöglichkeiten bot, an die dementsprechenden Orte eingeliefer wurden.»

Damit dürfte die Angelegenheit erschöpfend erläutert sein. Für allfällige Ergänzungen hier noch die Quelle auf DRS.ch

Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht noch die Erkennungsfarbe der vereinsorganisierten Schneiser: Gelb.

[Veröffentlicht am 28. Dezember 2007]