Mittwoch, 6. September 2006

Der gekröpfte Nordanflug ist ein Sicherheitsrisiko

Gestern war wieder einmal einer dieser nicht allzu häufigen Tage, an denen Weiach in der NZZ auftaucht. Der Regionalredaktor Hilmar Höber berichtete über die Stellungnahme unseres Gemeinderats zum so genannten Gekröpften Nordanflug. Was beweist, dass das lokale «Mitteilungsblatt» auch an der Zürcher Falkenstrasse regelmässig gelesen wird:

«Die Flughafen Zürich AG (Unique) möchte im Rahmen der Einführung des gekröpften Nordanflugs im Gebiet des Haggenbergs auf Weiacher Territorium eine zusätzliche Hindernisbefeuerung installieren. In einer Stellungnahme sieht der Gemeinderat im unüblichen manuellen Sicht-Anflugverfahren mit einem Richtungswechsel von rund 45 Grad über dem topographischen Hindernis (Stadlerberg) eine erhöhte Sicherheitsgefährdung der Bevölkerung. Das geplante Anflugverfahren weise grosse vertikale Toleranzgrenzen der Anflugroute auf, stellt die Behörde fest. Bei ungenügenden Sichtverhältnissen müssten über dem Gemeindegebiet von Weiach Durchstarts in geringer Höhe in Kauf genommen werden. Beim Landeanflug wären allein das Können und die Verantwortung des Piloten massgebend. Der Gemeinderat lehnt deshalb den gekröpften Nordanflug sowie die zusätzliche Hindernisbefeuerung ab.»

Südschneiser «wäffelt» wieder einmal

Berufsschneiser "Thomas" (1475 Beiträge) konnte es nicht lassen, daraus im Südanflug NEIN! Fluglärm-Diskussionsforum den Satz zu zitieren:

"In einer Stellungnahme sieht der Gemeinderat im unüblichen manuellen Sicht-Anflugverfahren mit einem Richtungswechsel von rund 45 Grad über dem topographischen Hindernis (Stadlerberg) eine erhöhte Sicherheitsgefährdung der Bevölkerung."

und dazu den folgenden, eher sinnfreien Kommentar abzugeben:

«Wenn es Weiach wirklich um die Sicherheit gehen würde, dann würde man sich dort dafür einsetzen, dass wieder ganz normale gerade Nordlandungen stattfinden können.»

Sollen wir etwa in Berlin lobbyieren gehen? Wie wenn bei uns keine solchen Anflüge mehr stattfinden würden. Ein bisschen mehr Realitätssinn, bitte! Übrigens: schon der gerade Nordanflug ist nicht frei von Tücken, wie der Absturz vom 14. November 1990 zur Genüge beweist. Wir könnten ganz gut auch ohne dieses Damoklesschwert leben.

Heikles Terrain für einen Richtungswechsel

Damit klar wird, worauf genau sich Höber bei seinem Artikel bezieht, hier der volle Wortlaut der Gemeindemitteilung:

«Der Gemeinderat nimmt auf Anfrage der UNIQUE Flughafen Zürich AG, Stellung zur geplanten zusätzlichen "Hindernisbefeuerung" im Gebiet Haggenberg für den "gekröpften Nordanflug". Die Behörde sieht im unüblichen manuellen Sichtflug-Anflugverfahren mit einem Richtungswechsel von ca. 45° über dem topographischen Hindernis (Stadlerberg) eine erhöhte Sicherheitsgefährdung der Bevölkerung. Das geplante Anflugverfahren weist grosse vertikale Toleranzgrenzen der Anflugroute auf. Bei wechselhafter Witterung bzw. ungenügenden Sichtverhältnissen müssen Durchstarts in geringer Höhe über dem Gemeindegebiet in Kauf genommen werden. Beim Landeanflug ist einzig und allein das Können und die Verantwortung des Piloten das Mass aller Dinge. Der Gemeinderat lehnt deshalb den "gekröpften Nordanflug" und die zusätzliche Hindernisbefeuerung ab.»

Quellen

  • Flugverkehr - Gekröpfter Nordanflug - Hindernisbefeuerung. Rubrik: Aus dem Gemeinderats-Sitzungszimmer. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, September 2006 - S. 4.
  • Höber, H.: Gefährdete Sicherheit. Weiach lehnt gekröpften Nordanflug und Hindernisbefeuerung ab. In: Neue Zürcher Zeitung, 5. September 2006 – S. 51.
  • Eintrag von "Thomas" am 05.09.06 16:57 unter Thema: Kommentare zu Berichte in den Medien Sept. 2006. In: Südanflug NEIN! Fluglärm-Diskussionsforum.

Kommentare:

STG hat gesagt…

Ich kann den Gekröpften Nordanflug nicht beurteilen. Aber ich weiss, dass solche Anflüge die "Zukunft" darstellen. Moderne Navigation wird immer häufiger ermöglichen, völlig flexibel anzufliegen anstatt starren Anflugachsen folgen zu müssen. Schade, dass die Schweiz hier nicht innovativ ist!

WG(n) hat gesagt…

Da werden aber die Schneisen-Fanatiker gar keine Freude haben an solch flexiblen Anflügen. Die wollen doch die totale Kanalisierung...

Anyway. Die Regionalpresse von heute bringt gleich zwei Artikel zum Thema dieses Blogbeitrags:

- Schaer, F.: Vereinte Prophylaxe gegen den «Gekröpften». Wie Stadel und Weiach einen Bau ablehnen, für den noch gar kein Gesuch gestellt wurde. In: Neues Bülacher Tagblatt, 7. September 2006.

- Tellenbach, R.: Befeuerung nur unter Bedingungen. Stadel - Zivilgemeinde lehnt zusätzliche Signalmasten für den gekröpften Nordanflug ab. In: Zürcher Unterländer, 7. September 2006.

WG(n) hat gesagt…

Auch die grossen Zürcher Tageszeitungen nehmen den Faden auf:

Widerstand gegen gekröpften Nordanflug. In: Tages-Anzeiger, 7. September 2006.

Stadel lehnt neue Befeuerung für Nordanflug vorläufig ab. In: Neue Zürcher Zeitung, 7. September 2006.

Anonym hat gesagt…

Wir haben in der Tat unsere Freude an GPS-Anflugverfahren, so kann man besiedeltes Gebiet besser umfliegen.

Wichtig ist nicht, ob ein Anflug gerade oder krumm ist, hauptsache, man legt ihn über kaum besiedeltes Gebiet. Dann ist der Lärmkanal eben gekrümmt...

STG hat gesagt…

Entscheidend ist nicht, wie an- und abgeflogen wird, sondern dass vom entsprechenden Fluglärm möglichst wenig Menschen betroffen sind. Es besteht aber natürlich die Gefahr, dass flexiblere An- und Abflugvarianten dazu führen, dass mehr und nicht weniger Menschen mit Fluglärm belästigt werden.

WG(n) hat gesagt…

Entscheidend ist aber auch, dass man dann eine faire Lösung für die "Wenigen" findet, deren Lebensraum man als Lärmkübel missbraucht, weil anderswo mehr Personen in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt würden. So wie das jetzt läuft geht es nicht.

Entweder man zahlt den Belärmten hohe Entschädigungen (so dass sie auch wegziehen können wenn sie den Lärm nicht wollen) oder man stellt den Flugbetrieb ein.

Wie die Entschädigungsmilliarden finanziert werden sollen? Ganz einfach nach Verursacherprinzip. Das Geld kann man sich von den Arroganzbolzen holen, die glauben, heutzutage ums Verrecken noch fliegen zu müssen. Lärm- und Dreckgebühr 100 Franken pro Person. Je für Abflug und Landung.

martin hat gesagt…

«In einer Stellungnahme sieht der Gemeinderat im unüblichen manuellen Sicht-Anflugverfahren mit einem Richtungswechsel von rund 45 Grad über dem topographischen Hindernis (Stadlerberg) eine erhöhte Sicherheitsgefährdung der Bevölkerung.»

Ich ging bislang davon aus, dass der Gekröpfte Nordanflug bis nach der Kurve automatisch erfolgen würde, erst danach auf der Pistenachse manuell, und auch das nur in einem ersten Schritt, das heisst früher oder später wird der ganze Gekröpfte Nordanflug automatisch geflogen werden können. Bin ich nicht (mehr) auf dem Laufenden?

Anonym hat gesagt…

Vermeidbare Anflüge über dicht besiedeltes Gebiet kurz vor der Pistenschwelle sind ein untolerierbares Sicherheitsrisiko. Und auch aus lärtechnischer Sicht sind solche Anflüge unsinnig.

WG(n) hat gesagt…

Bei unbegrenztem Wachstum des Flugverkehrs werden eben auch Anflüge über dicht besiedeltes Gebiet unvermeidbar (siehe London City Airport).

Die obige Aussage ist von einem reinen Risikomanagement-Standpunkt aus zwar nachvollziehbar. Dennoch wirkt sie zynisch, weil sie impliziert, Lärm und Absturzrisiko seien für uns tolerierbar - und das nur, weil wir nach Köpfen weniger zählen.

Bleibt die Frage, ob und wann man gewillt sein wird, uns dieses Zusatzrisiko abzugelten. Wohl nie! Denn Trittbrettfahren auf Kosten einer Minderheit ist dank der Diktatur der Mehrheit immer möglich. Es sei denn, die Minderheit wehre sich in einer Weise, welche die Opportunitätskosten dieses Verhaltens der Mehrheit für diese untragbar erscheinen lassen.

Rolf hat gesagt…

Wer findet den Unterschied zwischen dem Bild im Artikel unter http://www.buelacher.ch/module/newspaper/npView/npArticle.asp?id=7123 und dem Bild unter http://www.zrhwiki.ch/wiki/Stadlerberg. Und wer erkennt die Ähnlichkeiten beim Text?

Traurig. Ich werde die ZRHwiki-Verantwortlichen gleich informieren.

dosenfreddy hat gesagt…

Wie wäre es, zuerst einmal dies hier durchzulesen bevor irgend welche Behauptungen in den Raum gestellt werden:

http://www.vfsn.ch/images/stories/INFO/Dossier_GNA_2006.pdf

WG(n) hat gesagt…

Um welche Behauptungen geht es denn? Mit irgendwelchen Vorwürfen kann ich nichts anfangen. Denn: Einseitig abgestützte Parteigutachten gibt es wie Sand am Meer.

WG(n) hat gesagt…

Was von der Südschneiser-Zwängerei um den GNA zu halten ist (nämlich gar nichts) sieht man heute in der Unterländer Presse erneut bestätigt:

«Zu verlangen, den GNA sofort einzuführen, ist fahrlässig», wird der frühere Chef der Zürcher Flugsicherung zitiert. Und weiter:

«Der "Gekröpfte" ist eine politische Angelegenheit, operationell absolut unvernünftig. In den USA untersucht die Flight Safety Foundation seit Jahren alle Flugunfälle. Sie empfiehlt, Anflüge möglichst ohne Kurven kurz vor der Landung zu fliegen, damit ein möglichst langer, stabilisierter Anflug erfolgen kann.»

Mit anderen Worten: Die Südschneiser-Lobby propagiert ein unsicheres Anflugverfahren, das mit höherer Wahrscheinlichkeit zu Abstürzen führt - in der egoistischen Absicht sich zu entlasten. Den Preis abstürzender Flugzeuge zahlen ja dann die Unterländer oder die Aargauer. Scheinheiliger geht's nicht.

Quelle: «Gekröpfter» als Risikofaktor. Kloten - Der frühere Tower-Chef Andreas Heiter bezieht Stellung zur FDP-Initiative. In: Zürcher Landzeitung/ZU/NBT, 18. April 2007 - S. 3.

Anonym hat gesagt…

In diesen Kommentaren zeigt WG(n) ja klar was für ein grüner Depp er ist. Und dann droht er auch noch auf hinterfotzige Art:

"Es sei denn, die Minderheit wehre sich in einer Weise, welche die Opportunitätskosten dieses Verhaltens der Mehrheit für diese untragbar erscheinen lassen."

Was soll das heissen? Wollt ihr Terroranschläge machen? Ich würde ja zu gern solche Typen wie Dich hinter Gittern sehen. Am besten für immer.

Wir Schneiser halten uns an die Gesetze. Nur der Lügenberger wendet illegal Notrecht an. Südanflüge sind illegal und bleiben es.

Gekröpfter Nordanflug rasch einführen!!

Daniel hat gesagt…

Und wenn der Streit um den Flughafen in Wirklichkeit die ideale Möglichkeit wäre, einen unliebsamen Konkurrenten zu schädigen?

Daniel Stanislaus Martel
http://aeroskies.wordpress.com/