Montag, 5. Februar 2007

So en Chaibe Grabe!

Die Worte «Chaib» und «chaibe» können in alemannischen Dialekten alles Mögliche bedeuten. Ich habe für diesen Beitrag nun keine Mundart-Lexika gewälzt und mich auch nicht ins Idiotikon vertieft. Was folgt ist deshalb meine ganz eigene Interpretation - z.T. gestützt auf lokale und im Internet per Google-Abfrage verfügbare Quellen.

Das Verb «chaibe» bedeutet meines Wissens vor allem «rennen» oder «laufen» (letzteres im Sinne der deutschen Standardsprache).

Als Substantiv verwendet ist «Chaib» (oder «Cheib» geschrieben) so etwas wie ein Universalausdruck für eine bestimmten Typ Mensch: «er isch en liebe Chaib» oder «sonen Luuschaib!» wird noch eher wohlwollend verwendet. Anders sieht es mit dem «dumme Chaib» oder gar dem «Sauchaib» aus. Analog ist die Verwendung als adjektiv möglich: «die chaibe Tüütsche». Das sind klar pejorativ verwendete Worte, die je nach Kontext als Beleidigung aufgefasst werden können.

Chaibegrabe?

Nun gibt es in Weiach und anderswo Flurnamen für Geländeinschnitte, die mit «Chaib-» beginnen. Worum geht es da? Es kann wohl nicht die oben grad erwähnte Bedeutung damit verbunden sein. Oder doch? Jedenfalls bezeichnet der Begriff nichts Erfreuliches.

Erklärt wird der Name «Chaibegrabe» von lokalen Quellen folgendermassen: «Dieser Graben trägt den Namen, weil in ganz früheren Zeiten dort die toten Pferde begraben wurden.» (Bersinger, 1941)

Das Wörterbuch Schriftdeutsch - Alemannisch der Grund- und Hauptschule Hausen im Wiesental (einer nördlich der Stadt Basel gelegenen süddeutschen Gemeinde) nennt das Verb «verchaibe» und erklärt es mit «verderben, mutwillig stören, zerstören».

Zuschanden gebrachte und eingegangene Tiere würde man im Alemannischen also wohl «verchaibete» nennen.

Wo es überall Chaibegräben gab

Hier noch die (nicht repräsentative) Aufzählung der von mir gefundenen Orts- und Flurnamen mit mutmasslich gleicher Bedeutung:

  • «Chaibegrabe»: Weiach ZH, Leuggern AG, Mettau AG
  • «Chaibengraben»: Obersiggenthal AG
  • «Galerei Cheibengraben»: Lostorf SO
  • «Cheibengraben» Urdorf/Dietikon ZH (Massnahmenplan Wasser des AWEL zum Einzugsgebiet Limmat und Reppisch vom 30. April 2005)

Quellen

  • Bersinger, R.: "Weiach!" 20Min-Vortrag in der Bezirksschule Kaiserstuhl. Handschrift, 10 Seiten. Zusammengestellt im November 1941. Xero-Kopie im Archiv des Ortsmuseums Weiach.

[Veröffentlicht am 19.2.2007]

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ebenfalls ind Südwest-D im Dorf Achkarren (siehe Wikipedia) wohnt meine Mutter. Sie war auch völlig "begeistert" davon, dass in den 80ern die Strasse, in der ihr Haus steht, nach einem alten Gewann-Namen in eben "Kaibengasse" umgetauft wurde ;-)

Anonym hat gesagt…

Meines Wissens kommt der Ausdruck "Chaib" aus dem jiddischen und bedeutet eine verwesende Pferdeleiche. Also etwas "gruusigs". Heutzutage wird das Wort als Steigerungswort verwendet.