Freitag, 31. August 2007

Mit zwei Damen besetzter VW auf dem Dach

Unter dem Titel Verkehrswesen / Unfaelle notierte Walter Zollinger in seiner Jahreschronik 1957:

«Dass der motorisierte Strassenverkehr auch "auf dem Lande" ständig zunimmt, beweisen die ebenfalls von Jahr zu Jahr zahlreicher werdenden Verkehrsunfälle; zum Glück liefen alle noch verhältnismässig glimpflich ab:

26. Mai, 17.15 Uhr
Zusammenstoss zwischen Mopedfahrer und Personenwagen auf der Kaiserstuhlerstrasse. Mopedfahrer angetrunken, wurde leicht verletzt, Sachschaden ca. Fr, 1500.-.
»

WeiachBlog hat diesen Unfall bereits in einem früheren Artikel aufgegriffen.

Ansonsten ereignete sich in der ersten Jahreshälfte kein Verkehrsunfall mehr. Dafür aber in der zweiten gleich mehrere. Am 22. August waren die Folgen schwerwiegender als Ende Mai:

«Ein von zwei Damen besetzter und auf der Glattfelderstrasse mit grosser Geschwindigkeit fahrender VW geriet bei einer Kurve über die Strassenböschung und überschlug sich. Beide Insassen mussten mit erheblichen Verletzungen ins Kreisspital Bülach verbracht werden», schrieb Zollinger.

Ebenfalls in der Jahreschronik findet man einen vom Chronisten eingeklebten Zeitungsausschnitt (leider unbekannt aus welcher Zeitung, da ohne Quellenangabe):

«Verkehrsunfall in Weiach. Am Donnerstag, den 22. August, 09.30 Uhr, fuhr ein VW, der von zwei Damen besetzt war, von Weiach gegen Glattfelden. Bei einer Linkskurve geriet das schnellfahrende Fahrzeug an den rechten Strassenrand, worauf die Lenkerin nach links und hernach wieder nach rechts steuerte und dann die Herrschaft über ihr Fahrzeug verlor. Der VW fuhr über die rechte Strassenböschung hinunter, wo er nach einem «Salto» wieder auf die Räder zu stehen kam. Die Fahrzeuglenkerin wurde aus dem Wagen geschleudert. Die Lenkerin sowie die Mitfahrerin erlitten erhebliche Verletzungen und wurden ins Bezirksspital Bülach überführt. Das Fahrzeug ist stark beschädigt worden.»

Aufgrund der Schilderung muss man vermuten, dass es sich um die berüchtigte Kurvenkombination östlich des Ofen und kurz vor der Gemeindegrenze handelt. Diese Linkskurve nach einer langgezogenen geraden Strecke hat auch in den Jahrzehnten danach noch manch rasanten Autofahrer auf dem falschen Fuss erwischt. Seit der Verlegung der Kantonsstrasse an den Südrand der Ebene und der Trassenführung südlich des Ofen ist diese Kurve etwas entschärft.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 16 u. 17. (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)
[Veröffentlicht am 24. November 2007]

Donnerstag, 30. August 2007

Schützenhaus auf Gemeindekosten instandgestellt

Dass das Schützenhaus de facto eine Gemeindeliegenschaft ist, mag manchen erstaunen. Dem war aber schon vor 50 Jahren so und ist auch heute noch so.

Was das Jahr 1957 betrifft, so findet man einen Eintrag im Protokoll des Gemeinderates zu diesem Thema für die Sitzung vom 30. August:

«Instandstellung des Schützenhauses:
171 Mit Datum vom 28. August 1957 unterbreitet Gottlieb Griesser, Baumeister, Weiach, dem Gemeinderat einen Kostenvoranschlag über die Erd- und Maurerarbeiten am Schützenhaus. Die Kosten für die Instandstellung belaufen sich auf Fr. 2124.85.

BESCHLUSS: Gottlieb Griesser, Baumeister, Weiach, wird beauftragt, das Schützenhaus in Stand zu stellen. Der hiefür nötige Kredit von Fr. 2124.85 wird bewilligt.
»

Von einer Diskussion im Gemeinderat oder gar einer vorgängig erfolgten öffentlichen Ausschreibung dieses Bauvorhabens ist nicht die Rede.

Quelle
  • Gemeinde Weiach: Geschäft Nr. 171/1957 vom 30. August 1957; Gemeinderatsprotokoll 1957 - S. 75. [Archiv der politischen Gemeinde]

[Veröffentlicht am 24. November 2007]

Mittwoch, 29. August 2007

50 Jahre Lagerhaus Landwirtschaftl. Genossenschaft Weiach

Das Gebäude, in dem sich heute der Laden der Landi Weiach-Siglistorf befindet, feiert dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen.

Walter Zollinger schreibt darüber: «Die Landwirtschaftliche Genossenschaft Weiach hat [..] den an der Generalversammlung vom 29. Aug. 56 beschlossenen und in der letzten Chronik bereits angekündigten Bau eines Lagerhauses mit Geleiseanschluss durchführen können. Das neue grosse Gebäude steht an der Kaiserstuhlerstrasse, nahe bei der Abzweigung des Weges zum Rheinhof hinab. Was es besonders sehenswert macht, sind die von Kunstmaler Eugen Fauquex Weiach geschaffenen Giebelseiten mit Darstellungen eines säenden Bauern auf der Ostseite und eines Obst pflückenden Bauern auf der Westseite des Gebäudes.»

Fotos von Walter Zollinger ins Typoskript eingeklebt [Zum Vergrössern anklicken].

Heute sind die Wandmalereien etwas verblichen, vor allem der obstpflückende Bauer auf der Westseite hat unter der Einwirkung von Wind und Regen gelitten. Der säende Bauer auf der Ostseite ist nur noch eingeschränkt sichtbar, da vor einigen Jahren ein Gipsereiunternehmen seine Halle zwischen das ehemalige Polizistenhäuschen und das Landi-Haus gebaut hat.

Der Bahnübergang und direkteste Zugang zum ehemaligen Rheinhof ist heute aufgehoben, die Zufahrt erfolgt von Osten her aus dem Raum Bedmen, wo die Bahnlinie in einer Unterführung gequert wird.

Quelle

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 16. (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)

[Veröffentlicht am 25. November 2007]

Montag, 27. August 2007

Urkundenbücher und Quellensammlungen

Manchmal werde ich gefragt, wo ich denn all die Details für die Weiacher Geschichte(n) her hätte. Die Antwort: Aus ganz unterschiedlichen Quellen. Mündlichen wie schriftlichen.

Letztere sind in gut sortierten zürcherischen Bibliotheken jedermann zugänglich. Deshalb poste ich hier einmal eine Liste sämtlicher Urkundenbücher, die Einträge zu Weiach enthalten.

Sortiert ist die Liste nach dem ersten Erscheinungsdatum des ältesten Bandes in der jeweiligen Reihe - nicht (wie sonst üblicher) nach Autoren- oder Titelnamen.
  • Nüscheler, A.: Die Gotteshäuser der Schweiz. Historisch-antiquarische Forschungen. Zweites Heft: Bisthum Constanz. Erste Abtheilung: Archidiakonate Breisgau, Klettgau, vor dem Schwarzwald und Thurgau. Zürich, 1867. [Bisthum Constanz in Heft 2-3, Zürich 1864–1873. Fortsetzung in: Der Geschichtsfreund 39–48 (1884–1893)].
  • Strickler, J. (Hrsg.): Actensammlung zur schweizerischen Reformationsgeschichte in den Jahren 1521-1532 im An­schluss an die gleichzeitigen eidgenössischen Abschiede. Zürich, 1878-1884.
  • Egli, E. (Hrsg.): Actensammlung zur Geschichte der Zürcher Reformation in den Jahren 1519-1533. Zürich, 1879.
  • Oechsli, W.: Quellenbuch zur Schweizergeschichte. Winterthur, 1885.
  • Strickler, J.: Amtliche Sammlung der Acten aus der Zeit der Helvetischen Republik (1798-1803). 16 Bände. Bern, 1886 bis Freiburg, 1966.
  • Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich. Antiquarische Gesellschaft in Zürich (Hrsg.). Zürich, 1888-1957. (Band 4, 1896; Band 5, 1900/01; Band 6, 1903; Band 8, 1909/11; Band 9, 1915; Band 10, 1916; Band 11, 1917; Band 12, Nachträge I, 1939; Band 13, Nachträge II, 1957)
  • Regesta Episcoporum Constantiensium [REC]. Regesten zur Geschichte der Bischöfe von Con­stanz von Bubulcus bis Thomas Berlower, 517-1496. Zweiter Band: Innsbruck, 1894; Dritter Band: Innsbruck, 1913.
  • Thommen, R. (Hrsg.): Urkunden zur Schweizer Geschichte aus österreichischen Archiven. Erster Band, 765-1370. Basel, 1899; Zweiter Band, 1371-1410. Basel, 1900; Dritter Band, 1411-1439. Basel, 1928. (Band 4 und 5 keine Einträge zu Weiach)
  • Habsburger Urbar. In: Quellen zur Schweizer Geschichte. Bände 14, 15/1, 15/2. Basel, 1904.
  • Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen. XVI. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons Argau Erster Teil: Stadtrechte. Dritter Band: Die Stadtrechte von Kaiserstuhl und Klingnau; bearbeitet und herausgegeben von Dr. Friedrich Emil Welti. Arau, 1905.
  • Hauser, K. (Hrsg.): Die Chronik des Laurencius Bosshart von Winterthur, 1185-1532. Quellen zur schweizerischen Reformationsgeschichte, Band 3. Basel, 1905.
  • Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen. I. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons Zürich. Erster Teil: Offnungen und Hofrechte. Erster Band: Adlikon bis Bertschikon, bearbeitet und herausgegeben von Robert Hoppeler. Arau, 1910. (Bachser Offnung von 1509)
  • Forrer, L. (Hrsg.); Gagliardi, E.: Die sog. Waldmannschen Spruchbriefe. Nach den Originalen des Zürcher Staatsarchives. Zürich, 1927.
  • Quellenwerk zur Entstehung der Schweizerischen Eidgenossenschaft : Urkunden, Chroniken, Hof­rechte, Rödel und Jahrzeitbücher bis zum Beginn des XV. Jahrhunderts / mit Unterstützung der Bundesbehörde und der V Inneren Orte hrsg. von der Allgemeinen Geschichtforschenden Gesell­schaft der Schweiz. Aarau, 1933-1975. (Abt. 2, Bände 2 und 3).
  • Hegi, F.: Der Glückshafenrodel des Freischiessens zu Zürich 1504. Zürich, 1942.
  • Feger, O.: Das älteste Urbar des Bistums Konstanz, angelegt unter Bischof Heinrich von Klingenberg. Untersuchungen und Textausgabe. Quellen und Forschungen zur Siedlungs- und Volkstumsgeschichte der Oberrheinlande. 3. Band. Karlsruhe, 1943.
  • Kläui, P.: Urbare und Rödel von St. Blasien, Einsiedeln, Engelberg, Fraumünster in Zürich, der Herren von Hallwil und Hünenberg und des Bistums Konstanz. Als: Quellenwerk zur Entstehung der Schweize­rischen Eidgenossenschaft. Abt. 2, Urbare und Rödel ; Band 2. Aarau, 1943.
  • Kläui, P.: Rödel von Luzern (Kloster im Hof und Stadt), Muri und Rathausen und der Herren von Rinach; Nachträge. Als: Quellenwerk zur Entstehung der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Abt. 2, Ur­bare und Rödel ; Band 3. Aarau, 1951.
  • Kläui, P.: Die Urkunden des Stadtarchivs Kaiserstuhl. Aargauer Urkunden, Band XIII, Kaiserstuhl. Aarau, 1955.
  • Die Steuerbücher von Stadt und Landschaft Zürich des XIV. und XV. Jh. Bd. 8. Zürich, 1958.
  • Urbare und Rödel der Stadt und Landschaft Zürich – von den Anfängen bis 1336. Schnyder, Werner (ed.), Hrsg. Antiquarische Gesellschaft in Zürich. Zürich, 1963.
  • Gagliardi, E.; Forrer, L.: Katalog der Handschriften der Zentralbibliothek Zürich, Band II: Neuere Handschriften seit 1500 (Ältere schweizergeschichtliche inbegriffen). Zürich, 1982.
  • Urkundenregesten des Staatsarchivs des Kantons Zürich 1336-1460. 7 Bände. Zürich, 1987-2007. Band 1: 1336-1369. Zürich, 1987 (Brupbacher, D.; Eugster, E.); Band 2: 1370-1384. Zürich, 1991 (Lassner, M.); Band 3: 1385-1400. Zürich, 1996 (Amacher, U.; Lassner, M.) [keine Einträge zu Weiach]; Band 4: 1401-1415. Zürich, 1999 (Amacher, U.; Niederhäuser, P.); Band 5: 1416-1430. Zürich, 2002 (Niederhäuser, P.); Band 6: 1431-1445. Zürich, 2005 (Sieber, Ch.); Band 7: 1446-1460. Zürich, 2007 (Sieber, Ch.).
  • Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen. I. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons Zürich. Neue Folge. Zweiter Teil: Rechte der Landschaft; Erster Band: Das Neuamt; Aarau, 1996. (Als Fak­si­mile und ohne weiteren Kommentar in den Mitteilungen für die Gemeinde Weiach veröffentlicht wurden die Nr. 176-180, 183-185, 189, 190, 196 und 197.).
  • Braun, J. W.: Urkundenbuch des Klosters Sankt Blasien im Schwarzwald. Von den Anfängen bis zum Jahr 1299. Bearbeitet von Johann Wilhelm Braun. Stuttgart, 2003 (Veröffentlichungen der Kom­mission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg Reihe A Quellen 23. Band Teil I
  • Staatsarchiv des Kantons Zürich (Hrsg.): Archivführer der Zürcher Gemeinden und Kirchgemeinden sowie der städtischen Vororte vor 1798. Zeugnisse zürcherischer Gemeinde-, Verwaltungs- und Rechtskultur im agrarischen und kirchlichen Zeitalter [Bearb.: alt Staatsarchivar O. Sigg; Abk.: Gemeindearchivführer] Zürich, 2006 – Weiach: S. 112-113.
[Veröffentlicht am 22. September 2007]

Sonntag, 26. August 2007

Regensberger Burgspektakel

Die letzten drei Tage standen im Städtchen Regensberg ganz im Zeichen des Burgspektakels. Ein ziemlicher wilder Mix von "mittelalterlichen" Kulturelementen war da in und um die Kleinstadt auf dem östlichen Lägernsporn zu sehen:
  • Der Gründer von Regensberg, Freiherr Lütold V., zog mitsamt Gattin und Gefolge ein, letzteres gespielt von der Gruppe Zähringervolk. Eine Reminiszenz an das Hochmittelalter um 1244).
  • Dann war da auf dem Schlossplatz die Company of Saynt George, ebenfalls eine Truppe von Angefressenen, die tageweise Vollzeit in, mit und für ihr Hobby leben. Sie stellen eine Artillerieeinheit aus der Zeit der Burgunderkriege dar (also um 1470, d.h. am Ende des Mittelalters im Übergang zur Neuzeit).

Darüber lässt sich jedoch leicht hinwegsehen. Denn es war eine Freude, all die vielen Rollenspielertruppen sowie die liebevoll gestalteten Marktstände zu sehen, an denen die Produkte alter handwerklicher Kunst angepriesen und verkauft wurden. Met, Fleischkuchen und ein am Spiess gedrehtes ganzes Spanferkel. Das waren nur drei der kulinarischen Versuchungen.

Fast keine Weiacher zugegen

Wehntaler Prominenz war stark vertreten, Weiacher sah man dagegen fast keine - jedenfalls heute Sonntag. Das verwundert nicht. Gab es doch mit dem traditionellen Fischessen lokale Konkurrenz.

Im übrigen fühlen sich die Weycher trotz Zuteilung zum Bezirk Dielsdorf, die seit 1815 Tatsache ist, immer noch irgendwie als Neuämtler. Regensberg und Dielsdorf sind weit weg - und nur mit dem eigenen Auto in einigermassen vernünftiger Zeit erreichbar. Bülach und Kaiserstuhl liegen näher.

Freiherren von Regensberg mischten in unserer Gegend mit

Trotzdem hat die Gründerdynastie des Städtchens eine enge Beziehung zu Weiach. Einerseits durch ihre Besitzungen auf Gemeindegebiet, welche sie nach der verlorenen Auseinandersetzung mit den Habsburgern in der sogenannten Regensberger Fehde, d.h. nach 1267, sukzessive verscherbeln mussten.

Andererseits durch ihre massgebliche Beteiligung an der Gründung von Kaiserstuhl im Jahre 1255 und die kurz darauf erfolgte Übernahme des Rheinstädtchens. Bei dieser Gründungsaktion war nämlich ein Teil des Gemeindebanns von Weiach beansprucht und als Kaiserstuhler Gebiet ausgeschieden worden.

Neue Publikation zur Geschichte der Freiherren

Der Regensberger Josef Harder hat die Geschichte der Freiherren aufgerollt und sie nun in einem populärwissenschaftlich geschriebenen, ausgiebig bebilderten Buch herausgegeben:

Harder, J.: Die Freiherren von Regensberg. Herkunft und Geschichte einer Adelsdynastie. Verlag elfundzehn, Eglisau 2007. CHF 24.-

Das hat WeiachBlog sich natürlich gekauft. Sobald es gelesen und rezipiert ist kann dann auch ein Abgleich mit den schon bekannten freiherrlichen Verbindungen nach Kaiserstuhl und Weiach erfolgen.

Weiterführender Artikel

  • Zrinski, S.: Vom Hügel auf den Berg. Regensberg - Aus der Geschichte der Freiherren. In: Zürcher Unterländer, 18. August 2007.

Samstag, 25. August 2007

Manhattan ist nicht einmalig

Am «3ten Aprill 1876» schrieben «Jakob Grießer und Ehefrau» in Manhattan, USA einen Brief an ihre Verwandten in Weiach. Sie beschreiben darin, wie sie ihre neue Existenz als Farmer in den Vereinigten Staaten aufbauen.

Der sich im Besitz des Ortsmuseums Weiach befindende Brief gibt detaillierte Angaben zu Agrarprodukten samt Preisen - alles Informationen, welche die Daheimgebliebenen ziemlich interessierten. Trugen sie sich doch oft selber mit dem Gedanken, auszuwandern und der Schweizer Heimat endgültig den Rücken zu kehren.

Nicht nur an der Mündung des Hudson River

Als ich vor mehr als sechs Jahren einen Artikel über diesen Brief schrieb, ist mir das Naheliegendste nicht eingefallen. Nämlich, dass es in den USA ausser dem Manhattan par excellence am Hudson River auch noch andere Orte dieses Namens geben könnte. Und so kam am Schluss des Artikels diese etwas dümmliche Spekulation heraus:

«Manhattan ist als Absendeort angegeben. Wohl weil Jakob Griesser in der Stadt Neuyork zu tun hatte und da auch gleich den Brief aufgab. Weingärten in Manhattan wird es damals wohl schon nicht mehr gegeben haben.»

Natürlich hat es keine mehr gegeben. Denn 1870 hatte die Industrialisierung Amerika schon voll im Griff und Manhattan, New York, war schon längst eine überbordende Grosstadt. Da war ganz sicher kein Platz mehr für Landwirtschaft.

Weiacher Geschichte(n) 17 überarbeitet

Deshalb habe ich den Artikel nun in korrigierter Version ins Internet gestellt. Obige Passage lautet neu:

«Fragt sich nun nur noch, welches Manhattan mit dem Absendeort gemeint ist. Der heutige Stadtteil von New York ist es sicher nicht. Für Weingärten war der Boden schon damals zu teuer. Griessers Manhattan liegt eher in den Bundesstaaten Illinois, Kansas oder Montana.»

So ganz spontan würde ich auf Manhattan, Illinois tippen. Denn im entsprechenden Artikel in der englischen Version von Wikipedia findet man darüber folgende Bemerkung:

«Manhattan was incorporated in 1886. It is an old and established community. Having its roots in farming, the village has grown over the last ten years to accommodate over 3,200 people. Its forebears of German and Irish heritage give expression in the early spring festival Irish Fest.»

Deutschsprachige Nachbarn und einen eigenen Hof. Was kann ein Weiacher Bauer mehr wollen?

Quelle
  • «Das Welschkorn hat einen Preis von 20 bis 25 Cent pro Buschel». Jakob Griesser schreibt aus dem fernen Amerika, April 1876. Weiacher Geschichte(n) 17. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, April 2001 – S. 15-16.

Freitag, 24. August 2007

3750.- exklusiv NK

Eine hübsche Summe - jenseits von Gut und Böse für Normalos. Seit einiger Zeit ist das ehemalige Haus des Dirigenten und Komponisten René Dublanc am unteren Teil der Büelstrasse zur Vermietung ausgeschrieben. Gemäss Inserat bekommt man aber auch einiges dafür:

«5.5 Zi-Bauernriegelhaus mit Oekonomiegebäude u. Gästehaus in Weiach (Steuerfuss 81%). Zentral im Dorfkern, Nähe Schule, VOLG, Post u. öV. Das Haus ist ökologisch neu renoviert u. bietet aussergewöhnliches Wohnen. Sep. Atelierhaus geeignet f. Arbeit od. Musik. Grosser gepflegter Garten m. Obstbäumen. Schöner Innenhof m. Brunnen, Pergola. PW-Abstellplätze (mind. 5), ged. Unterstand, gr. Scheune m. Stall/Werkstatt, Naturkeller. Moderne Fernwärme-Zentralheizung, Kachelofen u. Kunst. Grosse Wohnküche m. Holzherd (Tiba) u. mod. Electrolux-Geräten (Glaskeramik), Marmorabdeckung etc. Ganzes Haus Holz- od. Keramikböden (Bodenheizung). Rundum ein Haus m. Charme ! Nur an NR. Miete chf 3'750.- exkl. NK

Eigenschaften:
| Terasse | Sitzplatz | Garage | Parkplatz | Keller | Estrich | Parkett | Steinböden | Glaskeramikherd | Geschirrspüler | Dusche | Badewanne | separates WC | Kabel-TV | Cheminée | kinderfreundlich | neu renoviert
»

Neben dem Preis gibt es allerdings drei Wermutstropfen. Die Front zur Büelstrasse öffnet sich direkt auf die stark befahrene Hauptstrasse Nr. 7 Basel-Winterthur. Oben drüber hat man den Fluglärm (wie alle anderen in Weiach auch). Und die Verbindungen mit dem öffentlichen Verkehr könnten besser sein.

Wer damit leben kann und die nötige finanzielle Polsterung mitbringt... warum nicht? Vielleicht finden die Vermieter ja jemanden, der sich in das Haus verliebt.

Donnerstag, 23. August 2007

Warum Hohentengen nicht zur Schweiz gehört

In einem Kommentar zum WeiachBlog-Artikel vom 15. Juli 2006 jammert der Schneiser «Thomas», die Einrichtung einer militärischen Sperrzone auf deutschem Territorium als Antwort auf die Einführung des Gekröpften Nordanflugs (und damit eine 2.5 Meilen breite Flugverbotszone entlang der Grenze auf Schweizer Gebiet, welche diesen verhindern würde) wäre ein kriegerischer Akt.

Zürcher sind selbst schuld

Er weiss wohl nicht, dass die Zürcher selbst daran schuld sind, dass Hohentengen, «das Nest, das Kloten lahmlegt» wie der Blick herablassend schrieb, heute nicht zum Rafzerfeld und damit zur Schweiz gehört.

Dabei wäre das durchaus im Rahmen des Möglichen gewesen. Während Jahrhunderten beanspruchten die Eidgenossen nämlich einen Cordon sanitaire auf fürstbischöflich-konstanzischem Gebiet nördlich des Rheins samt deren Mannschaftsrecht für sich (d.h. sie griffen im Bedrohungsfall wie selbstverständlich auf die Wehrkraft der dortigen Bauern zurück).

Als aber die Gelegenheit bestand, Hohentengen seinem Gebiet einzuverleiben, hat sich Zürich nicht wirklich dafür eingesetzt - im Gegenteil.

Hohentengener wollten Schweizer werden

Zur Zeit der Helvetik wurde nach dem Frieden von Lunéville im Februar 1801 klar, dass die Tage der staatlichen Existenz des Fürstbistums Konstanz endgültig gezählt waren. Napoleon wollte seine neuen Verbündeten, u.a. den Markgrafen von Baden, mit dem Land aufgelöster deutscher Kleinstaaten für den Verlust linksrheinischer Territorien entschädigen.

Die Hohentengener hatten aber etwas dagegen, einfach dem sich abzeichnenden neuen badischen Machtzentrum zugeteilt zu werden. Die jahrhundertealte, enge Verbindung mit der Eidgenossenschaft war stärker als jede künftige Loyalität zu einem im fernen Karlsruhe residierenden Markgrafen.

Salva Quardia-Tafeln und eine Militärtrommel

Schliesslich hatten die Hohentengener für die Verteidigung ihres von der Bischofs-Residenz Meersburg am Bodensee weit entfernten Gebietes schon jahrhundertelang unter dem Schutz und der Militärhoheit der Eidgenossen gestanden. Belege dafür sind alte «Salva Guardia»-Schilder (die an den Grenzen des Gemeindebannes standen und auf die Tatsache des eidgenössischen Schutzes hinwiesen) sowie eine Zürcher Militärtrommel, die in Hohentengen noch im späteren 19. Jahrhundert in Ehren gehalten wurde.

Für den Dorfmayer von Hohentengen, Johann Georg Hauser und den Ersten Geschworenen, Andreas Mayer, war es daher ganz natürlich, sich 1801/02 intensiv um den Anschluss an Zürich zu bemühen. Sie führten zunächst Gespräche mit den Nachbardörfern Herdern und Lienheim (ebenfalls fürstbischöflich-konstanzisch), dann auch mit Kaiserstuhl, das ebenfalls ein jahrhundertealtes Untertanenverhältnis zum Fürstbistum hatte.

Sie verhandelten mit dem Kaiserstuhler Bürgermeister Moritz Buol, um die zusammen mit Weiach zum alten Amt Rötteln gehörigen Orte Kaiserstuhl und Fisibach dazu zu bewegen, sich gemeinsam mit den rechtsrheinischen, fürstbischöflichen Besitzungen dem Kanton Zürich anzuschliessen.

Die Religionshürden erweisen sich als unüberwindbar

Die ganze Angelegenheit scheiterte an den Bedenken der Herdener und Lienheimer, besonders aber am vehementen Widerstand links des Rheins. Der Grund: Die Kaiserstuhler Katholiken befürchteten, im reformierten Zürich unter die Räder zu geraten.

Meersburg hatte für die Aktivitäten von Hauser und Mayer erst recht kein Musikgehör. Die fürstbischöfliche Regierung war entsetzt, dass Hohentengen sich «bei der gegenwärtigen kritischen Lage» Helvetien anschliessen wolle (immerhin ging in der Helvetischen Republik damals alles drunter und drüber: vier Staatsstreiche in weniger als anderthalb Jahren!). Deshalb liessen sie die beiden für diesen Abspaltungsversuch bestrafen.

Und die Zürcher? Hans von Reinhard (1755-1835), der Zürcher Bürgermeister und spätere «Landammann der Schweiz», befürchtete ebenfalls Schwierigkeiten mit dem katholischen Hohentengen. Er wollte keinen Ärger, lehnte das Ansinnen ebenfalls ab. Und damit war die Angelegenheit endgültig gegessen.

Keine Lust mehr, Schweizer zu werden

Dieser Entscheid brachte den Hohentengenern in den folgenden zweihundert Jahren immerhin zwei verlorene Weltkriege samt den damit verbundenen Gefallenen, an die - wie überall in Deutschland - ein Denkmal erinnert.

Heute würde der Bürgermeister von Hohentengen, Martin Benz, wohl nicht mehr auf die Idee kommen, sich von Baden-Württemberg und der EU zu verabschieden. Auch des Fluglärms wegen. Schliesslich hat Berlin der Gemeinde und dem Landkreis Waldshut endlich Gehör geschenkt - wenn auch erst nach Jahren aktiven Ignorierens.

Quelle

Mittwoch, 22. August 2007

Schon wieder ein neuer Jugendarbeiter

In Weiach geben sich die Jugendarbeiter die Klinke in die Hand. Wieviele waren es in den letzten Jahren? Drei, vier oder fünf? Man verliert leicht die Übersicht, wenn im Schnitt alle anderthalb Jahre ein Neuer kommt.

Jedenfalls war ich nicht sonderlich überrascht, im gestrigen Zürcher Unterländer zu lesen, dass Weiach nun schon wieder einen neuen Jugendarbeiter angestellt hat. Eine interessante Neuigkeit ist hingegen die Entwicklung in Richtung einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit:

«Nauer hat in Weiach eine 30-Prozent-Stelle. Zurzeit laufen betreffend die Jugendarbeit jedoch Gespräche zwischen Weiach und seinen aargauischen Nachbargemeinden Kaiserstuhl und Fisibach. «In diesen beiden Gemeinden besteht ebenfalls das Bedürfnis nach einem Jugendarbeiter», erklärt der Weiacher Gemeinderat Boris Macullo. «Darum arbeiten wir zurzeit an einem gemeinsamen Konzept.» Im Moment könne er aber noch nichts Genaueres sagen», zitiert Florian Riesen unseren Sozialvorstand.

Von einer 30%-Stelle kann man schlecht leben

Wie von Macullo heute zu erfahren war, ist es in der Jugendarbeiter-Community durchaus üblich, dass die Engagements so kurz sind. Dazu komme im Falle von Weiach, dass es sich a) um eine Einzelkämpferposition handle und b) nur eine 30%-Stelle geboten werden könne. Viele würden lieber in einem kleinen Team arbeiten. Und die meisten seien auf einen lebenssichernden Verdienst angewiesen - tiefe Stellenprozente würden daher vor allem Studierende ansprechen.

Damit wird klar, dass nicht etwa schlechtes Betriebsklima und Ärger mit dem Gemeinderat zu den Abgängen führte. Es ist vielmehr eine Kombination aus branchenüblichem Fluktuationsverhalten und zu tiefen Verdienstmöglichkeiten, die zur raschen Abwanderung führt.

Bleibt zu hoffen, dass ein künftig zusammen mit Kaiserstuhl und Fisibach auf eine bessere Basis gesetzter Posten dessen Inhaber zu längerem Bleiben bewegen kann. 50 Stellenprozent würden da schon genügen und so viel Bedarf, dass es für 20% reicht, haben die zwei Aargauer Nachbargemeinden durchaus.

Längere Engagements der Jugendarbeiter erleichtern den Behörden die Arbeit. Für die Jugendlichen scheint dies hingegen weniger wichtig zu sein. Sie wachsen schliesslich in wenigen Jahren über das Alter hinaus, in dem dieses Angebot interessant ist.

Quelle

  • Riesen, F.: Eine Brücke zur Jugend schlagen. Weiach - Christian Nauer ist neuer Jugi-Leiter. In: Zürcher Unterländer, 21. August 2007.

[Veröffentlicht am 23. August 2007]

Dienstag, 21. August 2007

Jokertage - neue Broschüre der Primarschulgemeinde

Gestern hat das Schulsekretariat die Ausgabe 07/08 der Infobroschüre der Primarschulgemeinde Weiach online gestellt.

Wenn man sie mit der letztjährigen Ausgabe vergleicht, dann fällt eine Neuerung auf: die Jokertage.

«Jokertage sind schulfreie Tage, die von den Eltern ausserhalb der üblichen Absenzenregelung beantragt werden können.»

Sie sind zwar anscheinend nicht erst dieses Jahr eingeführt worden. Als liberales Instrument zur Verhinderung allzu häufiger Absenzengesuche (oder gar Strafverfahren wegen eigenmächtiger Ferienverlängerung etc.) scheinen sie sich aber bewährt zu haben, sonst wären sie nicht landauf landab beschlossen worden.

In der Primarschule Weiach gelten für den Bezug folgende Regeln:

  • Pro Schuljahr können Eltern ihre Kinder im Umfang von 2 Jokertagen dispensieren.
  • Der Bezug von Jokertagen muss der Klassenlehrperson durch die Eltern 1 Tag im Voraus schriftlich gemeldet werden.
  • Die Benachrichtigung der Lehrpersonen von Musik- und Therapiestunden ist Sache der Eltern.
  • Wird nur ein halber Tag bezogen oder findet am besagten Tag nur halbtags Schulunterricht statt, wird trotzdem ein ganzer Jokertag verrechnet.
  • Verpasste Stoffinhalte müssen in eigener Verantwortung und nach Absprache mit der Klassenlehrperson erarbeitet werden.
  • Nicht unter diese Regelung fallen Absenzen, welche gesetzlich geregelt sind: Krankheit, Unfall, besondere Vorkommnisse in der Familie (Todesfall, Hochzeit usw.).

Auch sonst enthält die Broschüre viel Wissenswertes für alle Eltern von schulpflichtigen Kindern. Und für alle übrigen Weiacher vermittelt sie neben den offiziellen Besuchstagen einen Eindruck davon, wo mehr als die Hälfte unserer Gemeindesteuern hinfliessen - eben in die kommunale Schule.

[Veröffentlicht am 1. November 2007]

Montag, 20. August 2007

Frei von Sinn... ist doch einfach schön

«Hier entsteht etwas schönes ………» behauptet die lokale FDP-Ortsgruppe auf ihrer Website vollmundig. Und lässt die Besucher dann frei in der Luft hängen.

Was da für den Zuständigkeitsbereich «Stadel-, Neerach-, Weiach-, Bachs» genau entstehen soll, darüber kann man nämlich nur rätseln. Genauso wie über die kommabewehrten Bindestriche zwischen den einzelnen Gemeindenamen. Wollte die FDP so verhindern, dass Fusionsängste aufkommen?

Immerhin scheint es um so etwas wie Kommunikation zu gehen - bei einem Webauftritt naheliegend - denn der Titel der einzig verfügbaren Seite lautet: «Grundform für Brief innerhalb FDP, 1/3, Fenster» und so sieht der Inhalt des Source-Files denn auch aus. Tonnenweise Steueranweisungen wie sie für datenbankgesteuerte Serienbriefe nun einmal nötig sind.

So ist das offenbar heutzutage mit der alten Dame FDP. Sie redet nur noch mit sich selber. Keiner versteht was sie zu sagen hat. Aber liberal nennt sie sich.

Und ist offensichtlich in der Lage Sinnfreies auf dem Internet zu publizieren. Frei von Sinn.

Sonntag, 19. August 2007

Augustwetter 1957

Den Ausführungen des Dorfchronisten Walter Zollinger über das Wetter vor 50 Jahren merkt man ganz deutlich an, dass Weiach damals noch eine von bäuerlichen Sorgen mitgeprägte Gemeinde war:

«Der August bringt gottlob während der ganzen ersten Woche das längst ersehnte Erntewetter und es geht mithilfe allermöglicher Maschinen nun rasch vorwärts. Die vorher voll aufgepuppter Garben stehenden Aecker entleeren sich; bereits beginnen ein paar "Frühfertige" mit emden. Ab 9. August setzt dann wieder recht wechselvolles Wetter ein, fast täglich oder nächtlich einige Regenschauer, manchmal Platzregen, daneben aber auch sonnige, oft gar schwüle Nachmittage, dann wieder ganz angenehme Abende, mehrmals Morgennebel. Das feuchtwarme Klima ist den Kartoffeln nicht besonders bekömmlich, weshalb bereits gegen Ende Monat mit dem Ausfahren begonnen wird.
Tiefsttemperaturen: Morgens +5°, mittags +14°, frühabends +12°, Höchsttemperaturen: Morgens +17°, mittags +28°, frühabends +21°.
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Also alles in allem kein hitziger August, sondern eine eher feuchte Angelegenheit. Interessant ist, dass dies nach Einschätzung von Meteo Schweiz auch im August 2007 nicht viel anders war:

«Die Schweiz wurde im August 2007 vor allem von den enormen Niederschlagsmengen in Atem gehalten. Die Monatstemperatur bewegte sich in den meisten Gebieten sehr nahe dem langjährigen Durchschnitt, während die Besonnung unterdurchschnittlich ausfiel.»

Bereits im WeiachBlog erschienene Wetterartikel

Quelle

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 5 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)

[Veröffentlicht am 30. Dezember 2007]

Sonntag, 5. August 2007

Wissenschaft ist nur, was von der Hochschule kommt

Dieser Ansicht ist man zumindest bei swisstopo, dem Bundesamt für Landestopographie in Wabern bei Bern.

Diese Bundesstelle, angesiedelt in der Gruppe armasuisse beim VBS von Samuel Schmid, ist eine Goldgrube. Denn sie kann kraft einer Bundesverordnung die Drittverwendung ihrer Produkte mit happigen Gebühren belegen. Und zwar auch die Backlist.

Alles im grünen Bereich, wenn es Dritten darum geht, mit der Abbildung oder Weiterverarbeitung von Landeskartenmaterial einen Profit zu machen. Die sollen die happigen Ansätze ruhig bezahlen, denkt sich der Hobby-Ortshistoriker. Bei ehrenamtlichen Non-Profit-Aktivitäten sieht das seiner Meinung nach anders aus.

Was das Wörtchen «rein» so alles bedeutet

Und da Art. 10 Abs. 1 lit. c der Verordnung über die Benützung des eidgenössischen Kartenwerkes vom 24. Mai 1995 bei der Verwendung von «Kartendaten für rein wissenschaftliche Veröffentlichungen» die Möglichkeit einer «Gebührenfreien Benützung von Karten» bzw. einer «Gebührenherabsetzung» vorsieht, kann man es ja einmal mit einem Gesuch probieren.

Doch weit gefehlt: Die Weiacher Geschichte(n) und mit ihr alle anderen ortsgeschichtlichen Werke gälten nicht als wissenschaftliche Publikationen, belehrte man mich seitens swisstopo. Es sei denn, es handle sich dabei um Veröffentlichungen direkt aus dem universitären Elfenbeinturm.

Die Lizenzabteilung schrieb auf mein Gesuch um Gebührenerlass:

«Der erwähnte Artikel für die gebührenfreie Benützung von Karten bezieht sich auf rein wissenschaftliche Veröffentlichungen. Als rein wissenschaftlich gelten:
- Veröffentlichungen der Universitätsinstitute, der naturwissenschaftlichen und archäologischen Forschungsstellen sowie Dissertationen, Semesterarbeiten udgl.
- Projekte, die vom Schweiz. Nationalfonds unterstützt werden.
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Willkürlich auslegbare Verordnung?

Dann sollen sie das doch bitte auch genau so in die Verordnung schreiben... «rein wissenschaftlich» habe ich nämlich so verstanden, dass damit keine Profitabsicht verbunden ist - und nicht als eine willkürliche Einschränkung auf den Forschungsträger.

Man ahnt, was im Schreiben von swisstopo nun unweigerlich folgen muss:

«Publikationen zur Information der Bevölkerung, welche auch einen massgebenden Anteil von wissenschaftlicher Arbeit beinhalten, gelten hingegen nicht als rein wissenschaftlich, auch dann nicht, wenn sie von Verwaltungsstellen herausgegeben werden. Dazu gehören populärwissenschaftliche Publikationen, wie Ortsgeschichten, usw.

Deshalb können wir Ihnen leider keine gebührenfreie Bewilligung erteilen. Die Gebühren für den gewünschten Kartenausschnitt betragen Fr. 50.00 (+ MWSt).
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Und das nota bene für einen Miniausschnitt (9 auf 10 cm) und eine Auflage von nicht einmal 500 Exemplaren. Ein stolzer Preis. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich die Arbeit der Landestopographie seit vielen Jahren via Bundessteuer mitfinanziere.

Warum ist es kein Bildzitat?

Man kann sich auch fragen, warum man in einem solchen Fall nicht von einem Bildzitat sprechen kann. Textausschnitte darf man ja schliesslich auch in ein eigenes Produkt einbinden, sofern es sich nicht um ein Vollzitat handelt - und das ohne den Urheber zu fragen und ohne ihm etwas dafür bezahlen zu müssen.

Diese Frage können wohl nur Juristen mit jahrelanger Erfahrung in Theorie und Praxis des Immaterialgüterschutz-Rechts beantworten.

Ungerechtfertigte Ungleichbehandlung

Besonders lachhaft ist nun, dass lediglich Universitäten nichts für eine Veröffentlichung bezahlen müssen, Verwaltungsstellen (inkl. das VBS selber) aber sehr wohl, ausgenommen wenn sie in einer Abstimmungsunterlage mit Hilfe eines Landeskartenausschnitts etwas illustrieren wollen.

Wenn man sich das vorstellt, wie häufig es dank dieser komplizierten Regelung zu Verletzungen der Rechte von swisstopo durch Amtstellen kommt - von Gemeinden bis zum Bund ... das gibt ja schon wieder Arbeit für einen weiteren Bundesangestellten, der all diesen Verstössen nachgeht.

Sollte man bei swisstopo nämlich auf die Idee kommen, systematisch und flächendeckend nach Schwarzveröffentlichungen fahnden zu lassen, wie das von der Billag mit den Schwarzsehern bereits praktiziert wird, dann könnte es für ein paar Website-Betreiber teuer werden. Was denen blüht, erklärt Artikel 18 der bereits genannten Verordnung.

Unabhängige Forschung kostet extra

Für einmal beisse ich in den sauren Apfel und zahle für dieses Ausschnittchen. Aber eigentlich finde ich es eine Zumutung, dass die Bestimmung «rein wissenschaftlich» so stur gehandhabt wird.

Denn damit wird die universitäre Forschung (auch Semesterarbeiten mit teils fragwürdiger Qualität fallen darunter) einseitig mit einem finanziellen Wettbewerbsvorteil bedacht und de facto auch noch mit einem amtlichen Gütesiegel versehen.

Die ebenso unentgeltlich geleistete Forschungstätigkeit im öffentlichen Interesse dagegen wird nicht nur explizit als «populärwissenschaftlich» bezeichnet und damit in den Augen der Öffentlichkeit in die Nähe der Unwissenschaftlichkeit gerückt, sondern auch noch - amtlich abgesegnet - finanziell abgestraft.

Es wäre fairer und näher an der Kostenwahrheit auch für den Ausbildungsbereich, wenn alle zahlen müssten - auch die Elfenbeintürme, die mit Artikel 10 Absatz 1 Buchstabe c obgenannter Verordnung unter obrigkeitlichen Heimatschutz gestellt werden.

Alte Kartenwerke sind freigegeben

Kostenpflichtig ist übrigens nur die Verwendung der aktuellen Serie der "Landeskarten der Schweiz" (LK). Die sogenannte Siegfried-Karte (offiziell «Topographischer Atlas der Schweiz», Abkürzung «TA»), sowie die ältere Dufour-Karte (offiziell «Topographische Karte der Schweiz», Abkürzung «TK») sind zum kostenlosen Abdruck freigegeben.

Das erklärte mir ein swisstopo-Mitarbeiter am Telefon. Aber vorsichtshalber fragt man im konkreten Fall doch noch einmal nach, ob dem auch wirklich noch so ist.

Donnerstag, 2. August 2007

Regierungsrat Markus Kägi: Ansprache zum 1. August in Weiach

Dass Weiach am selben Tag von NZZ und Tages-Anzeiger erwähnt wird, ist selten. Da muss schon ein Flugzeug abstürzen, Sereina Trachsel Schweizermeisterin werden oder - wie gestern - ein Zürcher Regierungsrat seine 1. August-Ansprache hier halten.

«Baudirektor Markus Kägi zieht es nach Weiach, wo er auf dem Schulhausareal die Ansprache hält», schrieb der Tagi am Dienstag.

Damit traf er voll ins Schwarze, denn Kägi hat tatsächlich eine ganz besondere und langjährige Beziehung zu unserem Dorf. Worin diese besteht, erklärte er in seiner gestrigen Ansprache gleich selber.

Weil ich leider selber nicht dabeisein konnte und es auch Weiacher in aller Welt gibt, die gern wissen möchten, was Kägi gestern abend gesagt hat, habe ich seine Kommunikationsabteilung um den Text und die Abdruckrechte gebeten.

Eine Rede ist keine Schreibe

Wie üblich steht natürlich auch über diesem Redetext «ES GILT DAS GESPROCHENE WORT» - der Redner soll schliesslich kurzfristig auf aktuelle Gegebenheiten vor Ort reagieren können und sich nicht sklavisch an sein Manuskript halten müssen.

Es ist also gut möglich, dass Kägi gestern abend auch noch Anderes gesagt, oder im Text Enthaltenes nicht erwähnt hat.

Trotzdem hat die stellvertretende Leiterin Kommunikation Baudirektion nach Rücksprache mit Regierungsrat Kägi den integralen Abdruck erlaubt. Sie teilte der Redaktion des WeiachBlog heute nachmittag mit, «dass Sie die Rede telquel verwenden können».

Merci villmal! Die Leser des WeiachBlog finden nachstehend den vollen Wortlaut von RR Kägis gestriger Ansprache - und Kommentare erst ganz am Schluss:

1. Augustfeier 2007 in Weiach
Ansprache von Regierungsrat und Baudirektor Markus Kägi


«Sehr geehrter Herr Gemeindepräsident,
liebe Weycherinnen und Weycher, geschätzte Gäste

Ich danke Ihnen für Ihre Einladung hier nach Weiach und freue mich, die heutige Bundesfeier mit Ihnen begehen zu können. Die Schweiz, unser Heimatland, feiert heute ihren Geburtstag. Den 716. Eine stolze Zahl, doch wie Sie wahrscheinlich wissen, ist Weiach gemäss Urkunden noch 20 Jahre älter, denn Ihr Dorf wurde bereits 1271 in einem Dokument erstmals schriftlich erwähnt. Tatsächlich jedoch geht die Geschichte Weiachs noch wesentlich weiter zurück, deuten doch zahlreiche archäologische Fundstellen auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde darauf hin, dass dieses Territorium schon seit dem Ende der letzten Eiszeit ein bedeutendes Siedlungsgebiet war.

Von Max Frisch, dem bedeutenden Schweizer Dramatiker und Erzähler, stammt das Zitat: "Heimat sind die Menschen, die wir verstehen und die uns verstehen." Ich möchte es noch einfacher formulieren. Für mich ist Heimat da, wo ich mich zuhause fühle. Und hier in Weiach fühle ich mich zuhause, auch wenn in dieser Gemeinde der absolute Tiefpunkt des Kantons Zürich erreicht wird – topografisch gesehen! Doch Spass beiseite. Es ist wirklich so, dass mich mit Weiach ganz besondere Beziehungen verbinden, dass dieser Ort für mich ein echtes Stück Heimat ist. Hier ging ich schon als Bub immer mit meinem Vater auf die Jagd, und bin auch heute noch ein begeisterter Jäger. Hier hat unsere Familie ihre Jagdhütte, was mich allerdings etwas beunruhigt. Denn es soll ja vorkommen, dass in Weiach gelegentlich eine Jagdhütte – wie die Jagdhütte Sanzenberg – gewissermassen über Nacht abhanden kommt und auf dem Gebiet einer anderen Gemeinde wieder auftaucht.

Verstehen und verstanden werden, dies trifft für mich und die Weiacher zu. Ich bin oft und gerne hier und kenne zahlreiche Menschen, den Gemeinderat, die Bauern. Wobei mir die Bauern natürlich ganz besonders am Herzen liegen. Als neuer Baudirektor des Kantons bin ich nämlich auch zuständig für die Landwirtschaft, da ja das Amt für Landschaft und Natur vor einem Jahr der Baudirektion angegliedert worden ist. So freut es mich denn umso mehr, dass von der Gesamtfläche der Gemeinde Weiach noch heute rund ein Drittel von der Landwirtschaft beansprucht wird und knapp die Hälfte Wald ist, wobei grosse Teile des Waldes der Gemeinde gehören.

Weiach war seit jeher von der Landwirtschaft geprägt und in dieser Hinsicht schon früh sehr fortschrittlich. So entfaltete der im Jahre 1846 gegründete Landwirtschaftliche Verein, dem einige aufgeschlossene Gemeindemitglieder angehörten, eine rege Tätigkeit. Seine Bestrebungen wurden über Jahre hinweg von den Preisgerichten an landwirtschaftlichen Festen mehrmals öffentlich anerkannt. Ab 1848 erhielten die Absolventen der Abschlussklasse praktische Unterweisungen in der Obstbaumzucht. In dieser eigens zu diesem Zweck beim Schulhaus errichteten kleinen Baumschule, gab es zudem auch einige Beete für Rebensetzlinge besserer Sorten. Zu den fortschrittlichen Ideen des Vereins gehörten die Prüfung und Anwendung moderner Anbaumethoden sowie die Einführung neuer Kulturpflanzen wie Mais, Hopfen oder Tabak. Wer weiss, vielleicht ist ja hier in Weiach das Urkonzept für die Landwirtschaftsschule Strickhof entstanden?

Zur Baudirektion des Kantons Zürich gehört auch das Amt für Raumordnung und Vermessung. Dort ist die Kantonsarchäologie angesiedelt. Unsere Kantonsarchäologen sind auf dem Gebiet der Gemeinde Weiach verschiedentlich zum Einsatz gekommen. Neben Funden von monumentalen Mammutzähnen wurde hier im Jahre 1979 auch ein frühmittelalterliches Gräberfeld sichergestellt. Im Frühjahr 2001 entdeckten die Archäologen bei Notgrabungen eine bronzezeitliche Siedlung.

All dies hing zusammen mit einer anderen Art von Grabungen, dem Kiesabbau. Informiert man sich im Internet über Weiach, so kann man dazu Folgendes lesen: Die Ausbeutung des einzigen in nennenswerten Quantitäten vorhandenen Bodenschatzes der Schweiz liess die Gemeinde zum ersten Mal in ihrer Geschichte ihre Finanzprobleme vergessen. 1995 machte Weiach als steuergünstigste Gemeinde des Kantons Schlagzeilen.

Im Zusammenhang mit dem Kiesabbau hier in Weiach und mit einer allfälligen Verlagerung wurden in letzter Zeit einige Fragen aufgeworfen. Natürlich gibt es in dieser Sache – wie sollte es auch anders sein – ganz offensichtliche Interessenskonflikte, denn auf jedem Quadratmeter Land lasten mehrfache Ansprüche. Für mich als Baudirektor und meine zuständigen Ämter ist dies eine grosse Herausforderung und ich bin dankbar, dass uns das Instrument der Richtplanung zur Verfügung steht. Wir sehen uns mit zahlreichen Sachzwängen konfrontiert und haben uns mit Nutzungskonflikten auseinander zu setzen. Aber, doch ich bin zuversichtlich, dass wir über einen vernünftigen Dialog Lösungen finden werden.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, meine Damen und Herren, wenn man als Regierungsrat des Kantons Zürich hier in Weiach in der Öffentlichkeit spricht, führt kein Weg daran vorbei, auch ein Problem anzuschneiden, das die Gemeinde und Sie ganz persönlich stark beschäftigt: der Fluglärm, der gekröpfte Nordanflug und die damit verbundene Sicherheit.

Mit Schrecken denke ich zurück an den Flugzeugabsturz von 1990 am Stadlerberg. Ich kann deshalb nur zu gut verstehen, dass die Bevölkerung von Weiach sensibilisiert ist und berechtigte Angst davor hat, dass sich ein derartiges Ereignis wiederholen könnte. Die negativen Auswirkungen eines gekröpften Nordanflugs auf die Gemeinde sind denn auch nicht von der Hand zu weisen und ich kann bestens nachvollziehen, dass der Gemeinderat zusammen mit den Mitgliedgemeinden der Interessengemeinschaft Nord eine Einspracheschrift einreichen wird. Damit ist das Problem natürlich nicht gelöst, zumal die gegenseitigen Standpunkte unvereinbar scheinen und die Verhandlungen mit Deutschland in einer Sackgasse gelandet sind. Was also tun?

Ich habe dazu meine ganz persönliche Meinung, denn ich lebe seit 53 Jahren in Niederglatt und weiss, wovon ich spreche, wenn es um Fluglärm geht. Ich habe die Zeiten noch miterlebt, als die Caravelle gestartet und gelandet ist. Da haben bei uns im Geschirrschrank die Gläser geklirrt. Als direkt Betroffener muss ich jedoch feststellen, dass man – wie meistens im Leben – nicht alles haben kann, auch in dieser Frage gibt es nicht den Föifer und das Weggli. Es geht darum, nach einer optimalen Lösung zu suchen, die für alle Anwohner erträglich ist. Wir, die um den Flughafen herumwohnen, profitieren ja auch von ihm. Und einen Flughafen ohne Lärm kann es nun einmal nicht geben, zumindest in naher Zukunft nicht. Aber ich bin entschieden dafür, dass dieser unvermeidliche Lärm gerecht verteilt wird und dass es in dieser Angelegenheit keine Privilegien geben darf. Es sollte doch möglich sein, dieses Problem freundeidgenössisch zu lösen!

Eidgenössisch oder Eidgenossenschaft – was ist das überhaupt? Ich finde, so eine Bundesfeier ist die ideale Gelegenheit, wieder einmal über unsere eigene Identität nachzudenken. Die Schweiz, unsere Heimat, ist ein grossartiges Land. Darauf dürfen stolz sein, dafür sollten wir aber auch dankbar sein. Und gemeinsam dafür sorgen, dass dies so bleibt.

Was macht denn die Schweiz so aussergewöhnlich? Denken wir zuerst einmal an unsere weltweit einmaligen demokratischen Rechte. Wir haben nicht nur das Recht, alle vier Jahre eine demokratische Regierung zu wählen, sondern auch das Recht, in allen wichtigen Sachgeschäften mitbestimmen zu können – doch leider verzichten regelmässig viel zu viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger auf dieses Recht. Denken wir weiter an unseren Föderalismus, der die Macht auf das ganze Land verteilt und nicht zentralistisch in Bern konzentriert. Denken wir an unseren Wohlstand, unsere Sozialwerke und das gut funktionierende Gesundheitswesen.

Denken wir aber auch daran, dass dies alles nicht selbstverständlich ist, sondern bewusst gepflegt werden muss. Dabei geht es um mehr als um persönlichen, wirtschaftlichen oder politischen Erfolg oder um die Steigerung unseres Wohlstandes. Es geht auch um das Verlangen nach Sicherheit, Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Zuverlässigkeit, Solidarität und Vertrauen. Auch diesen menschlichen Grundbedürfnissen hat unsere Wirtschaft und Politik Rechnung zu tragen. Daher brauchen wir heute in unserem Land viel mehr Frauen und Männer, für die die Gesellschaft als Gemeinschaft und die soziale Verantwortung ganz allgemein wichtiger sind als eigenes Prestige, Selbstverwirklichung und Gewinnoptimierung.

Wir brauchen Frauen und Männer, die solche Ideale umsetzen und nicht nur auf die Fehler und Mängel anderer zeigen, die nicht nur Krisen, sondern auch Chancen sehen. Wir neigen dazu, uns selber schlecht zu machen und nörgeln ständig an allem herum. Ich denke, wir sollten das Verantwortungsbewusstsein von uns allen für andere und damit für unsere Gesellschaft ganz allgemein neu entdecken und zugunsten der Allgemeinheit einen kleinen Teil unserer eigenen Überzeugung in den Hintergrund rücken. Wir sollten den Mut haben, uns für ethische Grundwerte einzusetzen, welche das Gemeinsame, die Solidarität und nicht den Egoismus fördern.

Freuen wir uns doch über das Gute in unserem Land, in unserem Kanton, in unserem Dorf, aber auch bei unseren Nachbarn und bei unseren Behörden – und reden wir darüber. Nörgler und Stänkerer haben keine Zukunft. Lassen wir uns anstecken von der Tatsache, dass es uns eigentlich gut geht. Sich freuen, fröhlich und zufrieden sein ist ansteckend und schafft eine gute Laune. Und die wünsche ich ihnen zum heutigen Feiertag ganz besonders!

Ich danke Ihnen.
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Kommentar WeiachBlog

Der Einstieg mit der lokal üblichen Eigenbezeichnung Weych ist Kägi gelungen. Auch mit seinen geschickten Hinweisen auf seine eigene Verbundenheit mit dem Ort seiner Ansprache und ihrer Geschichte dürfte er bei den Zuhörern Punkte gemacht haben.

Mit dem launigen Einwurf, es beunruhige ihn etwas, hier eine Jagdhütte zu besitzen, «denn es soll ja vorkommen, dass in Weiach gelegentlich eine Jagdhütte – wie die Jagdhütte Sanzenberg – gewissermassen über Nacht abhanden kommt und auf dem Gebiet einer anderen Gemeinde wieder auftaucht», nimmt er auch ein Thema eines WeiachBlog-Artikels auf: Wo die Jagdhütte Sanzenberg hingekommen ist.

Wenig überzeugt hat Kägi leider auf dem politischen Minenfeld Nummer 1 des Kantons, dem Thema Fluglärm-Verteilung oder -Kanalisierung. Er fühlte sich wohl verpflichtet, darauf einzugehen.

Bei dieser Ansprache unter freiem Himmel war das unvermeidlich, wurden doch nach Angaben von Unique sämtliche Flugbewegungen über den Norden abgewickelt - aus Sicherheitsgründen. Warum? Im Süden des Flughafens hat man dieses Jahr wieder Millionen per Feuerwerk in höhere Luftschichten verpulvert. Das Risiko, dass dabei eine Maschine getroffen oder auch nur durch Irritation der Piloten gefährdet würde, wollten die Sicherheitsverantwortlichen nicht eingehen. Deshalb dürfte unser 1. August-Redner mehrmals von Fluglärm unterbrochen worden sein.

Dennoch greift der Herr Regierungsrat quasi in die Verharmlosungskiste, wenn er davon spricht, früher hätten beim Start einer Caravelle noch die Gläser im Kasten gezittert. Solche Einzelereignisse mag man damals noch eher toleriert haben. Unter anderem weil von einer Mengenausweitung, wie wir sie seither erlebt haben, in der Anfangszeit weder etwas zu spüren, noch explizit die Rede davon war. Aber dass wir quasi stellvertretend für alle anderen den Fluglärm schlucken sollen, damit die Wirtschaft gedeiht, das haben breite Kreise im Unterland schon lange als ungerecht empfunden - auch zu den Zeiten der Caravelle. Man frage nur einmal die alteingesessenen Bewohner von Höri.

Hoffen wir, dass Kägi seiner Aussage: «Aber ich bin entschieden dafür, dass dieser unvermeidliche Lärm gerecht verteilt wird und dass es in dieser Angelegenheit keine Privilegien geben darf» in seiner Arbeit als Regierungsrat auch gegenüber seinen Amtskollegen wirklich nachlebt. Und vor allem, dass er nicht einknickt, wenn die Südschneiser wieder ihre unverschämten Forderungen nach immerwährender Ruhe auf Kosten aller anderen Miteidgenossen und deutschen Nachbarn durchzudrücken versuchen.

Quellen