Sonntag, 25. November 2007

NIMBY-Koalition wählt ZFI plus

Regierungsrätin Rita Fuhrer wird zufrieden sein mit dem heutigen Abstimmungswochenende. Die Zürcher wollen ihren ZFI plus und haben die Plafonierungsinitiative bachab geschickt. Alles andere wäre eine grosse Überraschung gewesen.

Denn das Ergebnis ist genau so herausgekommen, wie in der Flughafenfrage schon seit Jahrzehnten. Nämlich NIMBY-mässig und damit ganz deutlich vom St. Florians-Gedanken getragen, der in diesem Fall etwa so formuliert werden kann: «Erhalte uns den Flughafen und die (anscheinend) nur dadurch erzielbare wirtschaftliche Prosperität, aber verschone uns bitte vor möglichst vielen negativen Auswirkungen - am liebsten grad vor allen. Amen».

Dass dies von der Regierung mit dem ZFI plus geschickt bediente Mantra im Endeffekt auf einen Lärmkübel namens Zürcher Unterland hinausläuft, nimmt man im Rest des Kantons in Kauf. Jemand muss schliesslich die negativen Folgen tragen, nicht wahr? Und wo man gerade dabei ist, könnte man dann dort auch grad alle Deponien und Lager für radioaktive Abfälle samt einem Rheinhafen konzentrieren. Und das alles nur zu einem Ziel: Ad majorem gloriam Turicensis. Die Weiacher sollen froh sein, dass sie so am Fortschritt teilhaben können. Ausser dem Kies, das heute noch von dort kommt interessiert nämlich in Zürich nicht einmal ansatzweise, was diese Dörfler denken.

Erstaunlich gutes Abschneiden von Verena Diener

Schauen wir einmal, wie sie gewählt haben: 38.53 % Verena Diener (glp); 60.83 % Ueli Maurer (SVP); 0.64 % Vereinzelte. Die Resultate sind wie erwartet. Der SVP-Kandidat wurde favorisiert. Man darf annehmen, dass die starke SVP-Basis treu «den Ueli» gewählt hat, sekundiert von einer Handvoll Konservativer, denen «die Diener» aus persönlichen Gründen ein Dorn im Auge ist (z.B. wegen der Schliessung des Bezirksspitals Dielsdorf). Beachtlich ist dafür, wie viele Stimmen die grünliberale Ex-Regierungsrätin dann doch geholt hat. Fast 40 Prozent! Das kann man eigentlich nur so erklären, dass auch viele FDP-Wähler sich dafür entschieden haben, Maurer im Nationalrat zu belassen und damit eine Wiederwahl Schlüers definitiv zu verhindern.

Tramlinie in der Stadt abgelehnt

Dass sich die Weiacher auch heute noch als vom Kanton vergessene Gegend vorkommen, zeigte sich bei der Vorlage zur neuen Tramlinie Zürich-West, die mit 48.17 % Ja knapp abgelehnt worden ist. Anders denn als Folge des Gedankens: «Was nützt mir dieses blöde Tram in der Stadt? Ich will nicht auch noch dafür Steuern zahlen müssen», ist das schwer zu erklären, wenn man die Ja-Mehrheiten rundherum betrachtet. Dazu passt: diese Vorlage hatte in Weiach mit 40.79 % die schlechteste Stimmbeteiligung aller Vorlagen.



Die Änderung des Steuergesetzes, wo es um die Wettbewerbsfähigkeit des Kantons bei der Unternehmensbesteuerung ging, haben die Hiesigen mit 52.77 % etwas lustlos und mit 41.60 % Stimmbeteiligung gutgeheissen. Das Abwandern von Unternehmen und Unternehmern nur der Steuerbelastung wegen will man dann doch nicht. Die Drohung funktioniert wie erwartet.

Anflugschneise 14 Nord geschlossen gegen den ZFI plus

Chancenlos war in den Gemeinden in der Nordwestecke des Kantons - allen voran in Stadel, Weiach und Hochfelden - der Gegenvorschlag von Regierung und Kantonsrat. Mit nur 21.07 % für den ZFI plus (bei 45.26 % Stimmbeteiligung) erhielt Rita Fuhrer in Weiach einen klaren Denkzettel. Berücksichtigt man die konsistenten Nein-Parolen von Bürgerinitiativen wie dem ZUF und Behördeninitiativen wie der IG-Nord ist das leicht verständlich. Trotzdem darf man sich über das (auf der Karte tiefrot gefärbte) starke Widerstandsnest unter dem nördlichen Approach 14 freuen:


Uneinheitlicher dagegen das Bild bei der Plafonierungsinitiative, welche 250'000 Flugbewegungen als oberes Dach und 9 Stunden Nachtruhe verlangte. Immerhin 38.79 % befürworten die Initiative "Für eine realistische Flughafenpolitik". Zu gross ist wohl die Verwirrung, wie das Resultat dann in Bern oder Zürich interpretiert würde, zweimal Nein z.B. als Einverständnis für grenzenloses Wachstum? Und vielleicht spielte auch die Angst mit, die Wirtschaft könnte bei Annahme der Initiative doch Schaden nehmen.

Wenn man dann aber das Resultat der Stichfrage analysiert, dann wird klar, was man bei den Hiesigen für das kleinere Übel hält: eine satte Mehrheit von 61.59 % beantwortet die Frage, welche der beiden Vorlagen in Kraft treten solle, sollten beide Ja-Mehrheiten auf sich vereinigen, im Sinne der Initiative (vgl. grün eingefärbte Gemeinden).


Ein deutliches Misstrauensvotum gegen den ZFI plus und Rita Fuhrer. Und wieder sieht man den Cluster von Weiach über Stadel nach Hochfelden. Diese Gemeinden haben denn auch am meisten zu befürchten vom Fuhrerschen ZFI-Wahnsinn.

Kämpfen wir weiter. Gegen den Gekröpften Nordanflug.

Quelle

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wieder mal ein Beweis mehr, dass in diesem Kaff nur Trottel wohnen. Die haben den Lärm verdient. Sind ja auch deswegen dorthin gezogen. Tiefer Steuerfuss, billigste Hauspreise und dann auch noch allen Fluglärm an die andern abschieben wollen? Neenee, so geht das nicht. Den Weiacher Trittbrettfahrern, die nicht mal verstehen, wozu eine Tramlinie gut sein soll, hat das Wochenende gezeigt was sie zu tun. Endlich die Schnauze halten.

WG(n) hat gesagt…

Was sie zu tun haben?

Bravo. Ein «substantieller» Beitrag von einem User von GGA Maur (wieder einmal).

Dick gepackt mit undifferenzierter Märchen-Rhetorik, dummdreister Tatsachenverdrehung und garniert mit Verbalinjurien.

Ich hoffe für die Anwohner der Südschneise, dass es dort auch noch Leute gibt, die nicht anonyme Beleidigungen von sich geben müssen.

Sondern einsehen, dass wir im Norden genauso ein legitimes Bedürfnis auf Rechtssicherheit und einen fairen Anteil Ruhezeit haben dürfen.

Anonym hat gesagt…

Sorry, die Dörfer im Norden haben ja praktisch keine Einwohner, sind soz. bevölkerungsfreie Fläche.

Ich erwarte, dass man den ZFI-Wert möglichst minimiert, was mit den SIL-Variante B,J oder P der Fall ist.

Nun sind die Behördeninitiative zurückzuziehen und die Initiative "Fairflug" ist ungültig zu erklären, da sie dem ZFI klar widerspricht.