Donnerstag, 22. November 2007

Weiach als Bauernopfer für Bülach

Der bekannte Aviatik-Journalist Sepp Moser erklärte gestern im Zürcher Unterländer, weshalb Weiach seit 1976 (dem Zeitpunkt der Eröffnung der Blindlandepiste 14/32) mit Fluglärm eingedeckt wird. Weil man Bülach keinen Fluglärm zumuten wollte:

«Immer wieder habe man aus politischen Gründen Kompromisse eingehen müssen. Statt der V-Piste 14/32 sei eigentlich eine Parallelpiste zur Piste 16 vorgesehen gewesen. Weil jedoch die Stadt Bülach überflogen worden wäre, wurde die Idee wieder fallen gelassen.»

Kapazität auf dem Altar der Politik geopfert

Mit anderen Worten: man hat den für den Flugbetrieb ungünstigen, wegen der Überkreuzung der Anflugwege stark kapazitätssenkenden, Winkel zwischen den Pistenachsen 14 und 16 bewusst in Kauf genommen, weil der zu erwartende Widerstand in Bülach stärker war als der in Stadel, Weiach, Kaiserstuhl und Hohentengen.

Kein Wunder: schliesslich hantierten die Planer damals noch mit den Wachstumszahlen des Herrn Professor Francesco Kneschaurek, der dem Kanton Zürich in den frühen 60er-Jahren aufgrund von Babyboom und Hochkonjunktur eine Einwohnerzahl von 2 Millionen für das Jahr 2000 voraussagte.

Für Bülach liess dies 40'000 Einwohner und mehr erwarten - daher auch die überdimensionierten Umfahrungsinfrastrukturen, denn Kneschaureks Prognosen wurden zur Richtschnur bei der Planung von Strassen, Schulen und Spitälern. Weiach war mit damals gut 600 Einwohnern eine in diesem Poker völlig vernachlässigbare Grösse.

Warum ein Flughafen kein Bahnhof ist

Doch zurück zum Interview mit Sepp Moser:

Ähnliches [d.h. Vorliegen politischer Rücksichten] gelte für die Starts auf der Piste 16 mit Flugziel Westen. Ein Überflug der Stadt Zürich werde nach wie vor kategorisch abgelehnt, obwohl die Maschinen die Stadt in einer Höhe überfliegen würden, die im Verkehrslärm kaum stören würde, ist Moser überzeugt. Der Flughafen stecke insgesamt in einem engen betrieblichen Korsett, sodass ein vernünftiger Betrieb kaum möglich sei. Für Moser ist völlig unverständlich, dass niemand sich dafür einsetzt, den Flughafen so pragmatisch wie ein Strassen- oder Schienennetz zu betreiben, ganz nüchtern und nach objektiven Kriterien.»

Nun, das ist einfach zu erklären. Dies zu tun wäre politischer Selbstmord.

Die Südanfluggegner wehren sich ja eben gerade deshalb mit allen Tricks und NIMBY-Argumenten, weil ein Flughafen grundsätzlich anders betrieben werden könnte als ein Strassen- oder Schienennetz. Eine Luftstrasse kann man dort durchlegen, wo man will.

Das gilt nur beim Endanflug nicht uneingeschränkt, denn der wirkt wie eine lange, schnurgerade Strasse. Und diese Lärmstrassen sollen gefälligst nur im Norden betrieben werden? Das ist allerdings irrational.

Quelle

  • Huber, P.: «Die momentan geführte Debatte ist irrational». Flughafenabstimmung - Aviatik-Experte Sepp Moser hält sich aus dem Abstimmungskampf heraus. In: Zürcher Unterländer, 21. November 2007 - S. 19.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich habe gemeint, ihr im Norden seid alle so solidarisch miteinander?! Aber wenns dann konkret wird, so entdecken plötzlich auch die Einwohner Bülachs, dass man keine Flugrouten über dicht besiedelte Gebiete planen sollte. Einzige Ausnahme: Wenn man den eigenen Lärm anderen Anwohnern in der Stadt Zürich abschieben kann...

WG(n) hat gesagt…

Ich frage jetzt nicht, wie weit es mit der Solidarität im Süden her ist. So lange die Jets im Südabflug in einer engen Linkskurve wegzogen und so lange wie es keinerlei Anzeichen für Südanflüge gab, hat jedenfalls auf dem Pfannenstil kein Hahn nach den Opfikern gekräht. Und wenn es dort oben dadurch Ruhe gäbe, dass man den Lärm über der Stadt Zürich organisieren könnte, dann würden die unter dem Anflug 34 auf den Hügeln Wohnenden sofort Ja dazu sagen und alle Solidarität mit Schwamendingen wäre weg. So geht das mit dem St. Floriansprinzip. Und so wird dieser Flughafen seit Jahrzehnten betrieben. Mit williger Abstimmungs-Unterstützung all derjenigen, die immer glaubten (und immer noch glauben), sie hätten ein göttliches Recht auf absolute Ruhe über ihren Villendächern.

Anonym hat gesagt…

Nun ja, mittlerweile ist man schlauer und plant eine Parallelpiste für Kloten. Ich bin klar für einen Airport mit 450'000 Bewegungen. Was für Frankfurt gut ist, kann für Zürich nicht derart falsch sein, wie es von all den Bürgerprotesten immer wieder rausposaunt wird. Der SIL hat ja gezeigt, dass Pistenausbauten gar lärmmässig Vorteile bringen, daher verstehe ich die Opposition nicht.

Anonym hat gesagt…

Genau! Voll Rohr auf die Nordausrichtung! Da kann man beim Starten vor der Grenze abdrehen und alle Probleme sind gelöst. Und Parallelpiste: Eine Piste zum Starten, eine zum Landen. Wenn der Lügenberger nicht ein verkappter IG-Nord-Typ wäre, dann hätte er schon längst diese Variante gewählt. Aber wahrscheinlich hasst er Weiach. Nur schon wegen diesen Arschlöchern muss die 14/32 bleiben. Sonst haben die ja Ruhe. Und das würde ich ihnen am wenigsten gönnen - und vor allem IHM: dem WeiachBlog-Arsch!