Mittwoch, 8. November 2006

Gekröpfter Endanflug nur auf Sicht

Gestern war wieder einmal einer dieser nicht allzu häufigen Tage, an denen der Ortsname «Weiach» über die Ticker der Nachrichtenagenturen geht.

Zu verdanken haben wir das einer Medienmitteilung des Flughafenbetreibers Unique Zurich Airport (auch bekannt als «Flughafen Zürich AG») mit dem Titel: «Überarbeitetes Gesuch für den "gekröpften Nordanflug" eingereicht». Dort kommt Weiach vor. Und entsprechend auch in den meist nur leicht umgeschriebenen Beiträgen der Online-Redaktionen - oder vielleicht sollte man besser schreiben: Content-Durchlauferhitzer?

Google News verzeichnete heute jedenfalls insgesamt 22 (!) Artikel zum selben Thema. Die Titelliste findet man unten unter den Quellen. Lehrreiche Einsicht in die Funktionsweise von Kopfblattsystemen. Es sieht nach Vielfalt aus. Und kommt doch nur aus einer Quelle.

Das Zuspiel der PR-Abteilung...

Datiert ist es mit dem 07.11.2006 15:00:00.

«Unique (Flughafen Zürich AG) hat Ende Oktober 2006 beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) das überarbeitete Gesuch für den gekröpften Nordanflug mit einem Sicht-Endanflug eingereicht. Der Anflug wird aus dem Warteraum GIPOL im Gebiet Frick via Würenlingen und Siglistorf bis in die Nähe von Weiach nach Instrumenten geflogen. Der Kurvenflug und der Endanfllug erfolgen nach Sicht, wie dies vom BAZL verlangt wurde.

Hauptänderungen

Im überarbeiteten Gesuch wird die Kurve auf den Endanflug neu nach Sicht geflogen. Dies bedeutet, dass der Pilot die Piste bereits vor der Kurve sehen und die minimale Sichtweite für den Anflug somit neu zehn statt acht Kilometer betragen muss. Diese vom BAZL geforderte Änderung führte dazu, dass das Anflugverfahren neu gerechnet und eine neue Sicherheitsbeurteilung erfolgen musste.

Der Kurvenflug nach Sicht bedingt, dass zusätzliche Hindernisbefeuerungen am Stadlerberg angebracht werden. Der gekröpfte Nordanflug soll auch bei Dunkelheit geflogen werden können. In einer ersten Phase ist er vorerst zwischen 6 und 7 Uhr morgens vorgesehen. Das entsprechende Plangenehmigungsgesuch für die Hindernisbefeuerungen ist Bestandteil des überarbeiteten Gesuchs. Gespräche mit den betroffenen Gemeinden haben bereits stattgefunden.

Unique (Flughafen Zürich AG) setzt alles daran, dass der neue Anflug aus Norden möglichst bald eingeführt werden kann. Der eingereichte Anflug kann allerdings nur bei gewissen Wetterbedingungen geflogen werden. Die Sicht muss grösser sein als zehn Kilometer und die Wolkenuntergrenze muss höher liegen als 3'100 Fuss (rund 950 m) über Meer. Das wird dazu führen, dass der Anflug nur an ungefähr 40 Prozent der Tage möglich sein wird. Die Anflugkapazität liegt bei rund 18 bis 24 Anflügen pro Stunde.

Rückblick und Ausblick

Der gekröpfte Nordanflug wurde auf Druck des Flughafens Zürich durch die verschiedenen beteiligten Organisationen im Sommer 2002 in Angriff genommen. Unique (Flughafen Zürich AG) reichte am 31. Dezember 2004 beim BAZL das Gesuch für einen gekröpften Nordanflug mit einem Sicht-Endanflug ein. Die vom BAZL damals zusätzlich geforderte Sicherheitsbeurteilung, welche unter der Führung von Skyguide erarbeitet wurde, konnte am 2. März 2005 eingereicht werden. Das BAZL teilte am 15. Dezember 2005 mit, dass der gekröpfte Nordanflug zwar anspruchsvoll, für Piloten aber durchführbar ist. Das eingereichte Gesuch müsse in einzelnen Punkten überarbeitet werden. Danach machten sich die Spezialisten umgehend an die Arbeit. Das BAZL präzisierte in einem Brief vom 6. Juli 2006 an Unique, was nachgereicht werden müsse. Ende Oktober 2006 reichte Unique das überarbeitete Gesuch wieder beim BAZL ein.

Unique und Skyguide arbeiten bereits an der Weiterentwicklung des gekröpften Nordanfluges. Ziel ist es, den Anflug auch bei schlechteren Wetterbedingungen und mit höherer Kapazität fliegen zu können. Die europaweite Einführung der dafür notwendigen Technologien wird jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
»

... und schon nehmen die Presseagenturen den Ball auf

Ziemlich genau eine Stunde später, um 16:01, schickte AP Associated Press folgende Mitteilung auf den Weg in die Redaktionen:

«Überarbeitetes Gesuch für gekröpften Nordanflug eingereicht

Kloten (AP) - Die Zürcher Flughafenbetreiberin Unique hat das gemäss den Wünschen des BAZL abgeänderte Gesuch für den gekröpften Nordanflug auf den Flughafen Zürich-Kloten Ende Oktober eingereicht. Wie die Flughafen Zürich AG (Unique) am Dienstag mitteilte wird der Anflug aus dem Warteraum in der Region Frick über Würenlingen und Siglistorf bis in die Nähe von Weiach nach Instrumenten geflogen. Die Kurve und der Endanflug erfolgen auf Verlangen des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) auf Sicht. Dies bedeutet laut Unique, dass der Pilot die Piste bereits vor der Kurve sehen muss. Dadurch erhöht sich die minimale Sichtweite für den Anflug von acht auf zehn Kilometer, und die Wolkenuntergrenze muss höher liegen als 950 Meter über Meer. Dies führt dazu, dass der gekröpfte Nordanflug nur an etwa 40 Prozent der Tage möglich sein wird, wie Unique schrieb. Der Kurvenflug nach Sicht soll auch bei Dunkelheit geflogen werden können und bedingt zusätzliche Hindernisbefeuerungen am Stadlerberg.

In einer ersten Phase ist der gekröpfte Nordanflug zwischen 06.00 und 07.00 Uhr morgens vorgesehen. Unique will die Anflugvariante so rasch als möglich einführen. Die Flughafenbetreiberin arbeitet laut Mitteilung zusammen mit der Flugsicherungsunternehmung Skyguide bereits an der Weiterentwicklung des gekröpften Nordanflugs, um diesen auch bei schlechterem Wetter und mit höherer Kapazität ausführen zu können. Die europaweite Einführung der notwendigen Technologien nehme jedoch noch einige Zeit in Anspruch.
»

Es ist sehr zu begrüssen, dass sich das BAZL durchgesetzt hat und der Sicherheit höhere Priorität gegeben wird als dem lautstarken Gejammere und Geschrei einiger Südschneiser. Das ist auch im Interesse der Flugpassagiere. Da muss man weiss Gott kein zusätzliches, völlig unnötiges und gefährliches Anflugmanöver einführen. Gerade Anflüge aus allen Richtungen ohne Schwenker im Final Approach sind immer noch das sicherste Verfahren. Der Absturz auf Gemeindegebiet vor 16 Jahren war schon einer zu viel.

Basierend auf der schon erwähnten Medienmitteilung verfasste auch die NZZ-Online-Redaktion einen Beitrag und liess ihn wenige Minuten später aufschalten:

Überarbeitetes Gesuch für «gekröpften» Nordanflug

Flughafen geht auf BAZL-Forderung ein


«Die Flughafenbetreiberin Unique hat beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) ein überarbeitetes Gesuch für den gekröpften Nordanflug auf den Flughafen Zürich eingereicht. Neu wird bereits die Kurve vor dem Endanflug nach Sicht geflogen.

(sda) Der Anflug soll aus dem Warteraum GIPOL im Gebiet Frick via Würenlingen und Siglistorf bis in die Nähe von Weiach nach Instrumenten geflogen werden, wie Unique in einer Mitteilung vom Dienstag schreibt. Der darauffolgende Kurvenflug sowie der Endanflug erfolgen nach Sicht, wie dies vom BAZL verlangt wurde.

Höhere Sichtweite verlangt

Der Pilot müsse die Piste deshalb bereits vor der Kurve sehen, schreibt Unique weiter. Die minimale Sichtweite für den Anflug müsse deshalb neu zehn statt acht Kilometer betragen. Der Kurvenflug nach Sicht bedingt auch zusätzliche Hindernisbefeuerungen am Stadlerberg. In einer ersten Phase ist der gekröpfte Nordanflug laut Unique für die Zeit zwischen 6 und 7 Uhr vorgesehen. Das Planungsgesuch ist Bestandteil des Ende Oktober 2006 beim BAZL eingereichten, überarbeiteten Gesuchs.

Unique setze alles daran, dass der neue Anflug aus Norden möglichst bald eingeführt werden kann, heisst es in der Mitteilung weiter. Allerdings könne der «Gekröpfte» nur bei gewissen Wetterbedingungen geflogen werden.

Tiefere Kapazität

Die Sicht muss grösser sein als zehn Kilometer und die Wolkengrenze muss höher liegen als 3100 Fuss oder rund 950 Meter. Darum wird der Anflug nur an ungefähr 40 Prozent der Tage möglich sein. Die Kapazität liegt bei rund 18 bis 24 Flügen pro Stunde.

Unique und die Flugsicherung Skyguide arbeiteten bereits an der Weiterentwicklung des gekröpften Nordanflugs, heisst es in der Mitteilung weiter. Ziel sei es, dereinst auch bei schlechtem Wetter und mit höherer Kapazität fliegen zu können. Dafür müsste aber auf einer längeren Strecke nach Instrumenten geflogen werden können, erklärte Unique-Sprecherin Sonja Zöchling auf Anfrage. Die europaweite Einführung der dafür notwendigen Technologien wird jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
»

Damit liegt die Kapazität deutlich unter den bis zu 40 Anflügen pro Stunde, die auf den geraden Anflügen möglich wären. Die Südschneiser sollen also froh sein. So viel wie wir im Norden über Jahre schlucken mussten und müssen werden sie nie über ihren Dächern haben.

Quellen

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das "Gejammere einiger Südschneiser" ist berechtigt. Es sind allerding einige tausend. Und es tut der Schweiz gut, dass sie sich von Deutschland nicht jedes idiotische Flugverfahren aufzwingen lässt und unnötigerweise eine Flugschneise über eine Grossstadt (!!!) legt.

Wir erwarten, dass man nach der Einführung des GNA auf Sicht rasch eine wettertauglicheres System entwickelt.

WG(n) hat gesagt…

Nein, das Gejammer ist völlig übertrieben. Jedenfalls aus dem Mund von all jenen, die in den letzten zehn Jahren in die Verlängerung der Pistenachse 32 nach Süden gezogen sind. Und auch alle anderen konnten sich schon 1997 ausrechnen, was dereinst einmal im Bereich des Möglichen liegen könnte. Südanflüge nämlich. Mit den wenigen Flugbewegungen von heute sind sie noch gut bedient.

Dass wir im Norden nach Jahrzehnten der Geringschätzung und Schnoddrigkeit seitens der im Süden Residierenden genau das Gegenteil erwarten, dürfte wohl klar sein.

Wir hoffen jedenfalls, dass jedes mögliche Rechtsmittel einlegt wird, das uns gegen die Diktatur der Mehrheit zur Verfügung steht, um solche technischen Mittel zur Verbesserung der Allwettertauglichkeit hinauszuzögern.

Anonym hat gesagt…

In die Verlängerung der Pistenachse 32 nach Süden? Wie soll das funktionieren? Und was hat das mit dem Gekröpften Nordanflug zu tun?

Und wie konnte man sich 1997 die Einführung von Südanflügen ausrechnen?

In Zukunft wird uns die Diskussion über den Gekröpften Nordanflug im Rückblick lächerlich erscheinen, denn man wird nicht mehr auf gerade Anflugachsen angewiesen sein. Ein Traum für jeden Fluglärmverteiler, denn noch gibt es ja im Kanton Zürich ein paar Flecken ohne Fluglärm...

Anonym hat gesagt…

Aha, unser wg(n) hat keine Ahnung aber eine grosse Klappe. Die Südanflüge gehen auf Piste 34. Anflüge auf Piste 32 würden über Wetzikon/Uster/Dietlikon/Kloten führen, nicht über Wallisellen, Schwamendingen und Opfikon.

Der Verkehrsrichtplan ist (wäre)behördenverbindlich. Dort sind keine Südanflüge eingetragen. gerade die Flughafenregion wäre auf diese Rechtssicherheit angewiesen gewesen. Man msste nicht von der Einführung von Südanflügen ausgehen, sie wurden von Deutschland in typisch grossgekotzter Art diktiert. Ich wäre sehr stolz auf unsere Regierung, wenn sie dem Gekröpften zum Durchbruch verhelfen würde oder gar nordausgerichtete Parallelpisten bauen würde.

WG(n) hat gesagt…

Ist doch toll, dass der Anonmyus endlich einmal einen offensichtlichen Fehler findet, an dem er sich ergötzen kann. *g*

In diesem Punkt gebe ich ihm recht: Der Begriff Südschneiser bezieht sich tatsächlich auf die Piste 34 (vgl. Artikel Pistensystem im ZRHWiki).

Dass es noch keine Anflüge auf die 32 gibt, hat wohl damit zu tun, dass man die Ostanflug-Variante offenbar dringender braucht.

Für mich aber ebenso unverständlich. Jede Richtung soll ihre Anflüge und Abflüge haben.

Deshalb ist allein schon die Äusserung der Idee von nordausgerichteten Parallelpisten eine Kriegserklärung an den Norden.

Die grosse Klappe führt der Süden. Das kann man gerade in den Kommentaren auf WeiachBlog deutlich sehen.

WG(n) hat gesagt…

Hier noch die Antwort auf die Frage: "Und wie konnte man sich 1997 die Einführung von Südanflügen ausrechnen?"

Die Antwort hat einen Namen: "Bruggisser" oder "Hunter-Strategie". Spätestens damals haben Swissair und Flughafen begonnen sich auch auf die Hubstrategie einzuschiessen.

Da diese Projekte auf Mengenwachstum ausgelegt waren, konnte man sich damals schon mit ein wenig Nachdenken vorstellen, dass irgendwann die Kapazitäten mit dem bestehenden Anflug/Abflug-Regime nicht mehr ausreichen und neue Verfahren angestrebt werden würden.

Anonym hat gesagt…

wg(n) unterlaufen auch Fehler, aber ihn deswegen einer grossen Klappe zu bezichtigen, halte ich für falsch.

Was die Südanflüge auf Piste 32 betrifft: "Piste 32 könnte ebenfalls für Südanflüge genutzt werden, doch finden solche bislang aufgrund von Hindernissen im Endanflug nicht regelmässig statt. Lediglich 2000 wurde Piste 32 aufgrund der Sperrung von Piste 28 für Landungen genutzt." (http://www.zrhwiki.ch/wiki/S%C3%BCdanflug)

Das sozialistische Konzept von Fluglärmverteilung befürworte ich nicht, aber da darf wg(n) natürlich anderer Meinung sein. Der Flughafen freut sich über Fluglärmverteilung, bedeutet das doch faktisch unbeschränkte An- und Abflüge zum Nulltarif.

Was das "Rechnen" mit Fluglärm betrifft: Würde ich heute bauen, dann nur in einer Region ohne direkten Fluglärm. Dennoch würde ich aber präventiv Schallschutzmassnahmen umsetzen. Die sind schliesslich auch ohne Flieger hilfreich, z.B. gegen Nachbarn, die in der Nachbarschaft Lärm verursachen.

Anonym hat gesagt…

"Deshalb ist allein schon die Äusserung der Idee von nordausgerichteten Parallelpisten eine Kriegserklärung an den Norden."

Wieso denn? Pisten in Nordsüdrichtungen betreffen bekanntlich beide Himmelsrichtungen, da jeweils aus einer Richtung gelandet und in die andere gestartet wird...

"Da diese Projekte auf Mengenwachstum ausgelegt waren, konnte man sich damals schon mit ein wenig Nachdenken vorstellen, dass irgendwann die Kapazitäten mit dem bestehenden Anflug/Abflug-Regime nicht mehr ausreichen und neue Verfahren angestrebt werden würden."

Ein Argument, über das man diskutieren kann. Allerdings wurden die neuen Südanflüge und zusätzlichen Ostanflüge nicht eingeführt, weil man sie aus Kapazitätsgründen benötigen würde. Insofern muss dieses Argument aktuell nicht diskutiert werden.

Anonym hat gesagt…

Wieso sollen die Süd- und Ostanflüge wegen Kapazitätswünschen eingeführt worden sein????

Erstens haben diese Verfahren die geringere Kapazität als die normalen Anflüge von Norden.

Zweitens wurde zusammen mit den Südanflügen das Landen vor 0600 verboten

Drittens kann es nicht im Interesse eines Flughafens, der immer wieder des Volksmehrs bedarf sein, möglichst viele Anwohner zu verärgern.

Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien, die Besagen, der Flughafen wolle Süd- und mehr Ostanflüge.