Montag, 28. November 2005

Stadttrend und Stadtablehnung – Weiacher Abstimmungsresultate

Der Aufreger des ersten Advents-Wochenendes ist vorbei. Für die Ladenbetreiber in zentraler Lage stand Zittern bis zuletzt auf dem Programm: «Der Match Türkei - Schweiz war eine Schlaftablette dagegen», zitiert der Tages-Anzeiger den Shop-Ville-Geschäftsführer Andreas Zürcher. Der hohe Neinstimmen-Anteil sei ein klares Signal, findet der Zürcher Stadtrat Martin Vollenwyder: Mindestens für die nächsten Jahre dürfe man die Öffnungszeiten nicht weiter ausdehnen.

Vollenwyders wirtschaftsliberalen Parteikollegen werden gut daran tun, den Bogen nicht zu überspannen. Immerhin haben gerade einmal 23'020 Zürcher haben bei über einer Million abgegebener Stimmen das Zünglein an der Waage gespielt. Die Zürcher für einmal in der Rolle von Appenzell-Innerhoden. Die NZZ spricht gar von einer "Lex Shop-Ville", nach der unterirdischen Einkaufspassage im Hauptbahnhof Zürich.

Sollte nun versucht werden, auch Einkaufszentren und Geschäften im weiteren Umkreis um die aus deren Sicht privilegierten Bahnhöfe und Flughäfen herum zu einem Dauersonntagsverkauf zu verhelfen, dann könnten sich die Verhältnisse bei einem weiteren Referendum plötzlich umkehren. Man darf jedenfalls gespannt sein auf die Debatte im Nationalrat am nächsten Mittwoch.

Weiacher Stimmbeteiligung im guten Durchschnitt

Werfen wir nun einen Blick auf die Abstimmungsresultate im Kanton und in der Gemeinde Weiach. Auf kantonaler Ebene zählte man 714 Stimmberechtigte, auf eidgenössischer 730. Die Weiacher Stimmbeteiligung betrug ca. 42%. Das ist nicht berauschend, aber auch nicht schlecht – ein guter Durchschnitt. Die drei Vorlagen dürften doch den einen oder anderen dazu bewogen haben, seine Stimme abzugeben.

Bei den eidgenössischen Vorlagen ging es um eine Initiative, die ein fünfjähriges Moratorium für den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft forderte, sowie um die Frage der Beibehaltung des Status Quo bei den Ladenöffnungszeiten am Sonntag. Auf kantonaler Ebene stand ein über drei Jahre auszuschüttender Staatsbeitrag an Integrationskurse für jugendliche Immigranten zur Abstimmung.

Nationalkonservativer Trend bestätigt

Weiach ist nicht nur geographisch am Rand des Kantons gelegen. Auch auf einer politischen Landkarte des Kantons (vgl. Moser, P.: Politik im Kanton Zürich - eine Synthese, S. 10) liegt die Gemeinde peripher. Die Mehrheit der Stimmenden ist deutlich nationalkonservativer eingestellt als der Rest des Kantons.

Das macht die Analyse der einzelnen Ergebnisse interessant:

  • Beim Gentechmoratorium standen 133 Ja gegen 163 Nein (44.93% Ja-Stimmen). Hier waren vielleicht Befürchtungen wirksam, der Wissenschaftsplatz Schweiz könnte Schaden nehmen.
  • Das umgekehrte Bild ergab sich bei der Frage der Ladenöffnungszeiten am Sonntag: 163 Ja zu 139 Nein (53.97% Ja-Stimmen). Möglicherweise hat sich doch ein Teil der Stimmenden überlegt, dass eine weitere Ausdehnung der Sonntagsöffnungszeiten den eigenen Dorfladen noch mehr in Bedrängnis bringen würde.
  • Bei den Beiträgen für die Integrationskurse war ein wuchtiges NEIN zu verzeichnen, das deutlichste im ganzen Unterland: 102 Ja zu 195 Nein (34.34% Ja-Stimmen) . Hier dürfte - wieder einmal - eine deutliche Misstrauensbekundung gegenüber der geltenden Schweizer Einwanderungspolitik vorliegen.


Quellen