Sonntag, 12. März 2006

Zecken können töten - besonders im Unterland

Gegenwärtig regiert zwar noch der Winter, aber bald werden die milden Temperaturen auch die Zecken wieder begünstigen. Darauf macht die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich am Freitag, 10. März 2006, mit einer Medienmitteilung aufmerksam.

Der Zürcher Unterländer hat dieses Thema aufgenommen: «Zeckenstiche können tödlich sein» titelt er gestern Samstag, 11. März 2006. Gerade im Unterland herrsche grosse Gefahr, was mit einer Karte eindrücklich illustriert wird.

Fazit: Schon die Hälfte des Unterlandes ist verseucht. Verseucht mit Zecken (Ixodes ricinus oder Holzbock genannt), die Träger von gefährlichen Krankheiten wie der Frühsommer-Meningo-Encephalitis (FSME) oder der Lyme-Borreliose sind.

Schon etliche Opfer in Weiach - nicht nur Waldarbeiter

Weiach wird zwar nicht direkt genannt. Aber die Wälder rund um das Dorf (und damit Gebiet der politischen Gemeinde) sind schon seit Jahren betroffen.

Auch etliche Weiacher haben die genannten Krankheiten am eigenen Leib erleben müssen. So ein früherer Mitarbeiter des kantonalen Strassenunterhaltsdienstes, der wegen Lyme-Borreliose heute IV-Rentner ist (vgl. Quellen unten)

Oder die Mutter des Schreibenden, eine Lehrerin, die schon vor vielen Jahren an von einer Zecke übertragener Frühsommer-Meningo-Encephalitis schwer erkrankte, knapp am Rollstuhl vorbeikam und heute noch Einschränkungen hinnehmen muss (keine Kraft mehr in der linken Hand, Fahrradfahren unmöglich).

Ein Prozent Todesrate

«Ein Prozent aller Menschen, oft ältere Personen, die sich durch Zeckenstiche mit Hirn- und Hirnhautentzündung infizieren, überleben die Krankheit nicht», zitiert der Unterländer eine Mitarbeiterin des Kantonsärztlichen Dienstes. Wurden im Kanton im Jahre 2000 noch 28 Fälle registriert, haben sich die registrierten Fälle bis Ende letzten Jahres mehr als verdoppelt - auf 61 Erkrankte pro Jahr.

Generelle Impfempfehlung für alle Personen ab 6 Jahren

Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich fordert nun nicht mehr bloss Personen, die oft im Freien sind, auf, sich gegen FSME impfen zu lassen, sondern generell die gesamte Bevölkerung.

Diese Empfehlung gilt insbesondere für die Unterländer. In unserer Gegend sind die Zecken, die die Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME) übertragen können nämlich endemisch, es gibt also sesshaft gewordene Naturherde.

Um die Zahl neu Infizierter gering zu halten, sollen sich alle Personen ab sechs Jahren von ihrem Hausarzt impfen lassen. Die Kosten tragen die Krankenkassen in der Grundversicherung. Eine geimpfte Person ist etwa zehn Jahre lang vor einer FSME-Ansteckung sicher.

Wegen Lyme-Borreliose lange Kleider und Repellents trotz Impfung erforderlich

Weil die Blutsauger neben der FSME aber noch weitere Krankheiten, wie die Lyme-Borreliose übertragen, ist es empfehlenswert, sich in der Zeit von März bis Oktober im Freien vor Zecken zu schützen. Durch geeignete Kleidung und Insektenschutzmittel.

Quellen und weiterführende Literatur

Kommentare:

WG(n) hat gesagt…

Jetzt wo es rasch Frühling wird finden auch die Zecken das Leben wieder angenehm.

Da kommt der folgende Artikel im heutigen NBT gerade richtig:

Gefährliche Zeckenbisse: Lassen Sie sich impfen!

Verfasst von Dr. med. Ulrich Girsberger, Spezialarzt für Allgemeine Medizin, Bülach. In: Neues Bülacher Tagblatt, 22. März 2006

impfentscheidung hat gesagt…

Hm, so unreflektiert würde ich diese Horror-Meldungen nicht zum Anlass nehmen, mich impfen zu lassen.

WG(n) hat gesagt…

Horrormeldungen? Ich kenne mehrere Opfer persönlich. Und die haben den Horror am eigenen Leib erlebt. Ich bin beleibe kein Verfechter von unreflektierter Impferei. Aber in diesem Fall sehe ich den Nutzen unmittelbar. Was sind denn die Gegenargumente? Wenn es die gibt, dann gehören sie eigentlich auf den Tisch. Hier oder anderswo (mit Link auf dieses Anderswo).

WG(n) hat gesagt…

Die Zecken werden dieses Jahr wohl besonders massiv auftreten. Grund: der milde Winter.

Passend zur Jahreszeit (nicht zum Schnee dieser Woche) ein kürzlich erschienener Artikel von Doro Baumgartner:

«Im Zürcher Unterland haben sich die Zecken gefährlich vermehrt. Viele der Tiere tragen Krankheitserreger in sich, die Behinderungen bis ans Lebensende auslösen können.» (Leadtext)

Baumgartner, D.: Massive Bedrohung aus dem Unterholz. In: Tages-Anzeiger, 9. März 2007.