Freitag, 20. April 2007

Pfarrherrlicher Kindersegen

Bekanntlich warfen die pfarrherrlichen Pfründe zu Weiach nicht allzu viel ab. Nicht dass der Pfarrer hätte verhungern müssen. Aber eine Familie war offenbar schwierig durchzubringen, vor allem in den ersten Jahren nach 1540, als man sich zwar einen eigenen Pfarrer erkämpft hatte, es für diesen aber noch kein eigentliches Pfrundgut gab.

Deshalb haben auch wiederholt Weiacher Pfarrer Gesuche um Zuteilung einträglicherer Stellen eingereicht oder sonst um ihre Einkünfte kämpfen müssen.

Pfarrer Hüsli braucht eine besser bezahlte Stelle

Einer dieser Gesuchsteller hiess Rudolf Hüsli. Er wurde 1555 nach Weiach versetzt und «mit Rücksicht auf seine grosse Familie» bereits 1557 «nach Zollikon befördert», wie man im Zürcher Pfarrerbuch 1519-1952 lesen kann.

Dabei hatte er noch gar nicht so viele Kinder, wie sie später sein Pfarrhaus belebten. Das Keller'sche Promptuar spricht Bände über den Kindersegen dieses Mannes.

Er war ursprünglich von Langnau am Albis, wurde in den 1520er-Jahren geboren (genaues Geburtsjahr unbekannt) und starb um 1600. Hüsli war zweimal verheiratet. Seine erste Ehefrau hiess Catharina Sprüngli, die zweite Catharina Meyer.

Zwei Frauen, dreizehn Kinder

Mit diesen beiden Frauen hatte Hüsli nicht weniger als 13 Kinder:

1) Conrad 1554
2) Georg 1555
3) Elisabetha 1556
4) Rudolf 1558
5) Ulrich 1559
6) Caspar 1560
7) Johannes 1561
8) Sebastian 1563
9) Susanna 1564
10) Verena 1566
11) Mathias 1569
12) Caspar 1571
13) Catharina 1572

Welche Kinder von welcher Frau geboren wurden, das verrät das Promptuar leider nicht. Man sieht aber, dass Hüsli 1555-57 erst drei Kinder hatte: Conrad, Georg und Elisabetha. Schon für diese fünfköpfige Familie reichte es in Weiach nicht zum Leben.

Ob auch Zollikon zuwenig abwarf? Jedenfalls wechselte Hüsli 1559 nach Dinhard. Dort scheint er dann auch geblieben zu sein und zeugte weitere acht Kinder! Aus dem Promptuar geht nicht hervor, wieviele seiner ingesamt 13 Kinder das Erwachsenenalter erreichten.

Erst 1590 legten die Wyacher übrigens Geld zusammen, um einem Pfarrer das wirtschaftliche Überleben im Dorf zu ermöglichen. Von da an blieben die Pfarrer wesentlich länger bei uns als nur ein paar Monate.

Quellen
  • Keller-Escher, C. (1851-1916): Promptuarium Genealogicum, IV: Hor-La, S. 241ff (ZBZ Handschriftenabteilung, Signatur: Ms Z II 4). Zürich, o.J.
  • Dejung, E.; Wuhrmann, W.: Zürcher Pfarrerbuch 1519–1952. Zürich, 1953.

[Veröffentlicht am 29. April 2007]

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