Montag, 9. Januar 2006

Hausgeschichte dank staatlicher Brandassekuranz

Häuser können abbrennen. Und ein Schutz gegen die finanziellen Folgen dieses Risikos ist nur über eine kollektive Absicherung zu erreichen.

Diesen simplen Tatsachen verdanken wir die Institution der Versicherung.

Im Kanton Zürich besteht seit dem Jahre 1808 eine staatliche Brandversicherungskasse und ein Versicherungsobligatorium. Deshalb verfügen die Archive seit dieser Zeit über detaillierte Verzeichnisse sämtlicher Gebäude, die man je gebaut und wieder abgerissen hat; aber auch darüber, welche abbrannten und für wieviel sie entschädigt wurden.

Die Lagerbücher zur Gemeinde Weiach setzen im Jahre 1812 ein. Seit dieser Zeit haben wir ein genaues Bild, was zu einem bestimmten Zeitpunkt im Dorf an baulichen Strukturen bestand, wem diese gehörten und für wieviel sie versichert waren. Eine Fundgrube für Hausgeschichten und Rückblicke in Werden und Vergehen ganzer Siedlungsteile.

Das Bild oben rechts ist ein Ausschnitt aus einer der ersten Seiten des ältesten Lagerbuches, das von 1812 bis 1895 (d.h. bis zur ersten Umnummerierung) in Gebrauch war.

Die Geschichte des Hauses Oberdorfstrasse 31 in Weiach

1812 gehörte das Haus Nr. 12 im Oberdorf (später Nr. 13, heute Oberdorfstr. 31) der Witwe des Heinrich Bersinger sel. Es bestand aus einem Wohnteil, einer Scheune, einem Stall und einer Trotte. Das Gebäude war ein 100%iger Riegelbau, gedeckt mit Ziegeln. Und das zu einer Zeit, da dies noch längst nicht üblich war. Viele Häuser hatten 1812 noch ein Strohdach (vgl. den Artikel Die Habsburger sind schuld).

Dann scheint umgebaut worden zu sein, der Besitzer von 1832, Felix Duttweiler, verfügte jedenfalls über keine Trotte mehr (die wäre erwähnt worden, da von signifikantem Wert). Dafür war das Haus nun zu 1/4 gemauert, zur Hälfte aus Riegelwerk und der Rest bestand aus Holz, das Ganze ebenfalls mit Ziegeldach versehen.

1839 sind die Gebrüder Jakob und Hans Heinrich Trüllinger als Besitzer genannt. 1842 und 1844 erfolgen Neuschätzungen; wohl nachdem die beiden gebaut hatten. Aufgeführt sind nun: 1 Wohnhaus, 1 Schweinstallanbau, 1 Scheune, Stall & Kellerli.

Das Jahr 1844 wird heute von der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich als technisches Baudatum genannt, d.h. die tragenden Elemente stammen mehrheitlich aus dieser Zeit.

1850 schliesslich ist Jakob Meierhofer, Wegknecht, als Besitzer genannt. Die 1290 Gulden, die das Haus damals an Wert hatte, wurden 1853 mit der Einführung der schweizweit einheitlichen Währung zu 3100 Franken - ob das einer Neuschätzung entsprach oder nur eine Umrechnung war, ist nicht ganz klar. Nach der Münzordnung von 1851 galt jedenfalls 1 Gulden = Fr. 2.33. Rechne.

Eins fällt auf: jedes dieser am selben Platz stehenden Häuser verfügte praktisch ohne Ausnahme über einen Schweinstallanbau. Auch 1923, bei der letzten mir vorliegenden Schätzung, war das noch so.

Quelle:
  • Lagerbuch Weiach der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich, 1812-1895, S. 12; Signatur: StAZH RR I 397 a
  • Die Habsburger sind schuld. In: WeiachBlog, 3. Dezember 2005 [Nr. 31]

1 Kommentar:

WG(n) hat gesagt…

Vgl. dazu auch den WeiachBlog-Artikel Wie man eine Hausgeschichte schreibt vom 24. Dezember 2006.