Dienstag, 31. Januar 2006

Drei Pfarrer im Durchlauferhitzer

Online-Lexika sind praktische Gefährten - zumal wenn sie wirklich hochstehende Inhalte bieten. Eine solche Quelle ist das Biographisch-Bibliographische Kirchenlexikon (BBKL) des Bautz-Verlags.

Die Weiacher als «Lehrblätz»

Wenn man in der Suchmaske das Stichwort «Weiach» eingibt, werden einem drei Persönlichkeiten aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts präsentiert: Johannes Brunner, Tobias Egli und Rudolf Hospinian - allesamt evangelisch-reformierte Pfarrer, die in ihrer Laufbahn einmal für kurze Zeit die Pfarrstelle Weiach innehatten.

Da waren sie alle noch sehr jung, meist war es gar ihre erste Stelle und schon nach wenigen Wochen wurden sie auf andere Posten versetzt. Aus einem einfachen Grund: diese Pfarrstelle in der Nordwestecke des Zürcher Herrschaftsgebiets ermöglichte keine eigene Existenz.

Der eigene Pfarrer will erkämpft sein

Einen eigenen Pfarrer hatte Weiach erst seit 1540, nachdem die Dorfbewohner damit gedroht hatten, eher die Messe im benachbarten, gerade erst rekatholisierten fürstbischöflich-konstanzischen Kaiserstuhl zu besuchen, als den viel weiteren Weg über den Hügel bis nach Stadel unter die Füsse zu nehmen.

Es dauerte nochmals ein halbes Jahrhundert, bis die Obrigkeit der Kirchgemeinde Weiach 1591 einen im Ort residenten Pfarrer zugestand. Doch auch diese nun eingerichtete Pfrund verfügte nur über sehr bescheidene Güter. Davon konnte man kaum eine Familie durchbringen - eine grosse mit vielen Kindern erst recht nicht.

Diese Sorgen dürften die drei nachfolgend Porträtierten noch nicht gehabt haben. Dazu waren sie zu kurz der Gemeinde zugeteilt und wohl weder dort wohnhaft noch durch sie bezahlt.

(Bei den untenstehenden kursiven Texte handelt es sich jeweils um die ersten Zeilen des Eintrags im BBKL. Den ganzen Eintrag finden Sie durch Anklicken der Namen.)

Um das Jahr 1558 waren Pfarrer ...

Johannes Brunner (23 Jahre alt)

* um 1535 in Hemberg/ Schweiz † nach 1587, reformierter Theologe und Professor, Konvertit. - Johann Brunner stammt aus der Toggenburger Gemeinde Hemberg. Er war als Stipendiat an der Zürcher Großmünsterschule. Am 8. Oktober 1556 wurde er zusammen mit drei oder vier weiteren Zürchern an der Universität Marburg immatrikuliert. Nach seinem Studienabschluß im Jahre 1558 übernahm er zuerst das Helferamt in der Zürcher Gemeinde Weiach und wurde noch im gleichen Jahr Diakon in Küsnacht. Als er sich im November 1560 Ausfälle gegen die katholischen Orte der Eidgenossenschaft erlaubte, wurde er entfernt. Er wechselte in kurpfälzische Kirchendienste und übernahm eine reformierte Pfarrstelle in Weinheim, wo er im Sommer 1561 tätig gewesen ist. Von dort schreibt er an Bullinger nach Zürich. Anfang Dezember 1561 hielt er sich zusammen [...]»

Tobias Egli (24 Jahre alt)

ref. Pfarrer und Antistes der evangelisch-rätischen Kirche, * 1534 in Zürich + 15. November 1574 in Chur an der Pest. - Tobias Egli stammte aus einer Familie, die ursprünglich den Namen Götz führte und aus dem thurgauischen Ort Neunforn stammte. Er wurde 1534 in Zürich geboren, wo er auch die Schulen besuchte. Sein gesamter Bildungsweg ist bestimmt durch die Begleitung des Zürcher Reformators Heinrich Bullinger, der sein Mentor wurde. Um 1557 hielt er sich in Marburg auf, wie ein Brief des Professors Andreas Gerhard Hyperius an seinen Kollegen Johann Wolf in Zürich berichtet. Im Jahre 1558 wurde er in Zürich ordiniert und erhielt kurz danach die Pfarrei Weiach. Noch im gleichen Jahr wurde er durch die Vermittlung Bullingers Pfarrer der reformierten Gemeinde Frauenfeld im Thurgau, wo er sehr bald als entschiedener Kämpfer für die reformierte Sache auftrat. Er geriet mit den Katholiken in Streit und wurde 1561 auf der Tagsatzung in Baden als Störer des Landfriedens im Thurgau verklagt. Einer Verhaftung konnte er sich nur durch die Flucht nach Zürich [...]»

(vgl. auch: Rastloser Kämpfer für die reformierte Sache. Tobias Egli, Pfarrer zu Weyach, 1558. Weiacher Geschichte(n) Nr. 16)

10 Jahre später...

Rudolf Hospinian (21 Jahre alt)

[Pseudonym für Rudolf Wirth], * 7.11. 1547 in Altdorf/Kt. Zürich, als Sohn des Pfarrers und Dekans Adrian Wirth, † 11.3. 1626 in Zürich. H. studierte Theologie in Zürich, Marburg und Heidelberg. 1568 wurde er ordiniert. Danach war er in verschiedenen Zürcher Landgemeinden als Pfarrer tätig (1568 Weiach, Hirzel, 1576 Schwamendingen). 1576 wurde H. zum Rektor der Schola Carolina in Zürich ernannt. 1588 erhielt er seine Berufung als Archidiakon und Chorherr am Großmünster in Zürich. 1594 wurde er Pfarrer am Zürcher Fraumünster, wo er 1623 resignierte. H. war Verfasser verschiedener theologischer Schriften, die sich besonders gegen die katholische Sakramentenlehre richteten, aber auch der innerprotestantischen [...]»

Quellen
  • Artikel HOSPINIAN, Rudolf. In: BBKL, Band II (1990) Spalten 1075-1076 (Autor: Friedrich Wilhelm Bautz)
  • Artikel EGLI Tobias. In: BBKL, Band XV (1999) Spalten 510-514 (Autor: Erich Wenneker)
  • Artikel BRUNNER Johannes. In: BBKL, Band XXI (2003) Spalten 155-158 (Autor: Erich Wenneker)

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