Sonntag, 20. Juni 2010

Tour de Suisse 2010 durchgerauscht

Am gestrigen Samstagnachmittag kurz vor 15:30 Uhr herrschte auf der Hauptstrasse Nr. 7 Koblenz-Winterthur, die nördlich am Dorf Weiach vorbeiführt, für kurze Zeit der Ausnahmezustand. Das Postauto nach Kaiserstuhl wurde gerade noch durchgelassen. Dann hiess es: Strasse gesperrt!

Mit dem Segen des Gemeinderats

Interessanterweise musste der Weiacher Gemeinderat diese Sperrung bewilligen, obwohl es sich bei der Hauptstrasse Nr. 7 klar um eine Kantonsstrasse handelt:

«Der Gemeindrat erteilt folgende Durchfahrtsbewilligungen: Tour de Suisse am Samstag, 19. Juni 2010 auf der Glattfelderstrasse. Clubinternes Radrennen des Velo Club Zürich-Affoltern am Samstag, 03. Juli 2010 auf der Kaiserstuhler- und Stadlerstrasse. Züri-Metzgete am Samstag, 05. September 2010 auf der Kaiserstuhler- und Stadlerstrasse.» (Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Mai 2010 - Rubrik Polizeiwesen, S. 8)

Wenn man es nun ganz genau genommen hätte, dann wäre nach diesem Wortlaut an der Sternenkreuzung Endstation gewesen. Die Bewilligung erstreckte sich aber sicher auch auf die Kaiserstuhlerstrasse, in die sich die Glattfelderstrasse verwandelt, sobald man die Sternenkreuzung Richtung Westen passiert.

Soldat auf der Kreuzung

Vor Ort präsentierte sich die Lage zum obgenannten Zeitpunkt so: Ein Polizeiauto mitten auf der Kreuzung. Ein Soldat als Verkehrsposten, der die auf der Stadlerstrasse herannahenden Fahrzeuge abzuweisen hatte. Und am Strassenrand eine Handvoll Schaulustige aus dem Dorf. Die Durchfahrt des Tour-de-Suisse-Trosses wollten sie sich trotz nass-kaltem Regenwetter nicht entgehen lassen.

Was da durchrauschte war vor allem eine beeindruckende Menge an Motorrädern. Neben solchen der Kantonspolizei Zürich, waren auch Töffs der Schaffhauser und Aargauer Kapo auszumachen. Dann natürlich die offiziellen Tour-Motorräder. Und dazwischen viele Personenwagen - auffallend häufig solche der Marke Skoda, Modell Octavia.

Die Pedaleure als eigentliche Hauptakteure gingen angesichts dieser motorisierten Armada fast unter. Zuerst sauste eine Spitzengruppe vorbei, 1 Minute 32 Sekunden dahinter, so verkündete ein Speaker-Wagen, folge dann das Feld. Und so war es dann auch: ein langgezogener Pulk mit einigen Dutzend in Regenkleidern verpackten Rennfahrern, dahinter die Mannschaftswagen und einige versprengte Fahrer die zum Feld aufzuschliessen versuchten, bevor man die ruppigen Steigungen des Siglistorfers erreichte.

Weniger los als früher

Ein Zuschauer mit Mapei-Käppchen erinnerte sich fast wehmütig an frühere Zeiten. Da habe es zwar auch schon viele Begleitfahrzeuge gegeben. Aber viel mehr Lautsprecher-Lärm von Werbefahrzeugen. Heute seien nur noch wenige Zuschauer da - und Werbegeschenke gebe es auch keine mehr.

Einer anderer Zaungast werweisste, ob da wohl mehr Begleitfahrzeuge als Rennfahrer unterwegs seien. Und meinte dann, eigentlich müsste man diese Veranstaltung in «Tour de Töff» umbenennen. Zum Glück gibt es noch kleinere Radrennen, die nicht derart verkommerzialisiert sind - zum Beispiel am 3. Juli.

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