Donnerstag, 14. Oktober 2010

Die Weiacher Kirche in Nüschelers «Gotteshäusern»

In der gestrigen Rezension des Reprints von Nüschelers «Die Gotteshäuser der Schweiz» wurde nur am Rande erwähnt, dass es auch einen Eintrag zur Weiacher Kirche gibt. Hier deshalb noch das Original (aus Heft 2, Seite 15):


«Weiach (Wiach 1281) [Fn 4] war bis zur Reformation nach Hohenthengen-Kaiserstuhl kirchgenössig und wurde nachher bis 1591 als Filiale von Zürich aus versehen, in letzterm Jahre aber auf Bitte der Einwohner zu einer Pfarrei erhoben [Fn 5]. Im Thurm der 1707 neu erbauten und auf einen andern Platz versetzten Kirche hingen zwei seither umgegossene Glocken, wovon die eine aus dem Jahre 1682 stammte, und die andere die Inschrift trug: "O . Rex . glorie . Christe . veni . cum . pace" [Fn 6]»

Die angegebenen Fussnoten lauten wie folgt:
  • Fn 4: «Staatsarchiv Z.» [Nüscheler nimmt hier wohl Bezug auf die 1900 im Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich (ZUB V,138) veröffentlichte Verkaufsurkunde von 1281.]
  • Fn 5: «Vogel, die alten Chroniken der Stadt und Landschaft Zürich. 1845 p. 818.»
  • Fn 6: «Vögeli, G. B.» [Hier ist wohl das «Glockenbuch» von Vögeli gemeint. Diese Handschrift gehörte damals der Stadt-Bibliothek Zürich, steht heute also bei der Rechtsnachfolgerin, in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich: «Glockenbuch oder Verzeichnis aller in den Kirchen des Cantons Zürich theils ehemals theils jetzt befindlichen Glocken und derselben Inschriften, fortgesetzt und ergänzt durch Tonhöhe und Tonqualität durch Pfr. L. Stierlin 1863.»]
Ergänzungen nötig

Anzumerken ist zu Nüschelers Text, dass Weiach bereits seit 1540 regelmässig durch von Zürich entsandte Prädikanten betreut wurde. Mit der Reformation und der dadurch verursachten Kirchenspaltung wurde das ursprüngliche Filialverhältnis der Kapelle von Weiach zur Mutterkirche in Hohentengen nämlich hinfällig. Und da Weiach überhaupt erst durch diese Trennung zu einer eigenen Kirchgemeinde werden konnte, stand die Kollatur (das Recht den Pfarrer einzusetzen) von Anfang weg der Zürcher Regierung zu.

Weiter ist die Frage zu stellen, wie Nüscheler für die Kirche auf das Baujahr 1707 kommt. Entweder hat er diese Angabe aus der Memorabilia Tigurina von 1742 oder aus dem Leu'schen Lexikon von 1764 entnommen (vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 116: «Die Collatur gehört dem kleinen Rath zu Zürich». Weiach in Standardwerken von 1742 bis 1820. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Juli 2009). Korrekt daran ist nur, dass 1707 die Neugestaltung des gesamten Kirchenbezirks abgeschlossen gewesen sein dürfte - nämlich mit der Fertigstellung der Pfarrscheune. Die eigentliche Kirche wurde bereits 1705/06 errichtet.

Die Glocke von 1682 erlitt am 22. Januar 1842 einen irreparablen Schaden. Sie wurde daher (wenn Nüschelers Darstellung stimmt) zusammen mit der im Glockenbuch erwähnten zweiten Glocke eingeschmolzen und zu den heutigen Glocken verarbeitet.

Schliesslich noch ein Hinweis auf die Angabe «Wiach 1281»: Bei dieser Jahreszahl handelt es sich nicht um die erste Erwähnung eines Gotteshauses in Weiach oder um die älteste Datierung in einem erhalten gebliebenen Schriftstück, wie auch schon fälschlicherweise angenommen (vgl. 1281? Der Irrtum des Bülacher Volksfreunds. In: WeiachBlog, 24. April 2007, Nr. 436).

Weiterführende Lektüre

Siehe für eine kurze Übersicht den Wikipedia-Artikel Reformierte Kirche Weiach sowie für eine umfassende Darstellung die Festschrift «ein nöüer Kirchenbauw allhier zu Weyach». 300 Jahre Kirche Weiach, 1706 – 2006. (Online-Ausgabe, April 2007; pdf, 17156 kB)

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