Sonntag, 30. April 2006

Marke «Zürcher Unterland» - Sechs Arbeitsgruppen am Werk

«Ein weitgehend intaktes Erholungsgebiet, ein hohes Bildungsangebot, die Nähe zu Zürich und zum Flughafen, sowie ein gut ausgebautes Verkehrsnetz sind Stärken des Zürcher Unterlandes. Doch fehlt ein geschlossener Auftritt der Region nach aussen. Dem soll abgeholfen werden». So charakterisiert Alfred Spaltenstein im Neuen Bülacher Tagblatt vom 18. April die Lage der Region.

Er bezieht sich auf einen Workshop der Planungsgruppe Zürcher Unterland (PZU) vom 2./3. Dezember. Siehe die WeiachBlog-Beiträge: Existiert die Region Zürcher Unterland? sowie Beyond PZU – eine Regionalidentitätsagentur muss her.

Ergebniskonferenz am 4. Mai

Nun ruft die PZU zur Ergebniskonferenz. Nach dem Workshop vor fünf Monaten präsentieren sechs Arbeitsgruppen Anfang Mai ihre Arbeit. Sie erläutern ihre seit Januar erarbeiteten Vorschläge.

  • Zeit: 4. Mai 2006, 18:00
  • Ort: Evangelisch-reformiertes Kirchgemeindehaus, Grampenweg 5, Bülach

Aufsteller und Ablöscher

In dem Anfang April verschickten 21-seitigen Dossier sind gleich zu Beginn die im Dezember entstandenen Ranglisten mit den grössten Aufstellern und Ablöschern («Stinker» genannt) aufgeführt.

Als Aufsteller erkoren die Teilnehmenden durch Vergabe einer pro Person fixen Anzahl Klebepunkte folgende als positiv empfundene Eigenschaften des Unterlands:

1. Naherholungsgebiet (53 Pt.)
2. Bildungsangebot (40 Pt.)
3. Zentrumsnähe / Reichtum durch Nähe Zürich und Flugplatz (32 Pt.)
4. Öffentlicher Verkehr und gute Verkehrserschliessung (32 Pt.)
5. Medizinische Versorgung (21 Pt.)
6. Wir haben Entwicklungspotential (20 Pt.)
7. Intakte Landschaften und Siedlungen / Vielseitigkeit der Region (20 Pt.)
8. Viele kulturelle Aktivitäten und Zugang zum kulturellen Angebot (18 Pt.)
9. Gute natürliche Ressourcen (Wasser, Kies, Wald, Landschaft) (15 Pt.)


Natur und Landschaft sind offensichtlich die grössten Pluspunkte. Dass Punkt 4 trotz fehlendem Halbstundentakt ab Oberglatt so viele Punkte erhält ist aus Sicht eines Weiachers schon erstaunlich, widerspiegelt aber auch die Herkunft und Sichtweisen der Teilnehmenden an diesem Workshop.

Zu den Ablöschern («Stinker») nahmen die Teilnehmenden allerdings fast ebenso deutlich Stellung:

1. Kein geschlossener Auftritt / fehlende Vernetzung (42 Pt.)
2. Flughafen / Planungsunsicherheit (30 Pt.)
3. Nadelöhr Eglisau (27 Pt.)
4. Stellenverluste / zu wenig Arbeitsplätze / problematische wirtschaftliche Entwicklung (26 Pt.)
5. Verteufelung des Flughafens (25 Pt.)
6. Verkehrsprobleme / Kies / Stau (22 Pt.)
7. Kantonale Verwaltung behandelt Region despektierlich (20 Pt.)
8. Fehlender Halbstundentakt (15 Pt.)
9. Kampf um breites Bildungsangebot (14 Pt.)


Das fehlende Profil des Unterlandes liegt auf Platz 1. Nicht verwunderlich angesichts des Titels «Identität Zürcher Unterland», den dieser Workshop trug. Auch klar ist: wer kein klares Profil hat, der wird vergessen oder beiseite geschoben (vgl. Platz 7). Selbst der fehlende Halbstundentakt findet hier seine Kritiker.

PZU-Vorstand formuliert «Visionen Zürcher Unterland»

Auch die Planungsgruppe selber ist nicht untätig geblieben. Ihr Vorstand hat die an der Auftaktveranstaltung formulierten Anliegen und Ziele zu Visionen verdichtet:

  • Das Zürcher Unterland wird als Region mit eigener Identität wahrgenommen und Bülach übernimmt Zentrumsfunktionen.
  • Das Zürcher Unterland ist ein attraktiver Wirtschaftsraum mit hoher Lebensqualität.
  • Das Zürcher Unterland verfügt über ein breit gefächertes Bildungsangebot.
  • Nutzen und Belastung durch den Flughafen sind definiert und akzeptiert. Es besteht Planungssicherheit.
  • Das Zürcher Unterland ist verkehrstechnisch gut erschlossen und frei von Nadelöhren.
  • Die Naherholungsgebiete sind erfasst, vernetzt und geschützt, aber auch nachhaltig wirtschaftlich genutzt.
  • Das Zürcher Unterland ist über die Region hinaus vernetzt und verfügt über ein eigenes Kompetenzzentrum.

Spaltenstein fasste dies im Neuen Bülacher Tagblatt wie folgt zusammen: «Das Unterland soll als Region mit eigener Identität wahrgenommen werden und auch über ein eigenes Kompetenzzentrum verfügen. Angestrebt wird ein attraktiver Wirtschaftsraum mit hoher Lebensqualität und einem breit gefächerten Bildungsangebot. Im Bereich des Flughafens soll (wieder) Planungssicherheit entstehen und Nutzen und Belastungen definiert und akzeptiert sein.»

Sechs Arbeitsgruppen sind aktiv

Die vorgeschlagenen Massnahmen und Ziele sind natürlich um einiges vielfältiger als in wenigen Zeilen zum Ausdruck gebracht werden kann. Hier nur meine Eindrücke beim Durchlesen des Arbeitspapiers:

1. Bildungszentrum Zürcher Unterland
Das Unterland soll Bildungsstandort bleiben, unter Einbezug von Musik und Sport: Sicherung - Ausbau - Bildung bleibt im Unterland!

2. Aktivierung Jugendlicher
Dialog mit den Jugendlichen. Ernstnehmen und Respektieren jugendlicher Stimmen. Aktive Mitgestaltung der Zukunft durch Jugendliche. Plattform für Austausch unter Jugendlichen.

3. Naherholung
Bestandesaufnahme, Vernetzung optimieren und Vielseitigkeit fördern. PR für das Naherholungsgebiet Zürcher Unterland.

4. Kompetenzzentrum und Strukturen
Label Züri Unterland; Gründung einer entsprechenden Organisation. Schaffung einer ständigen Geschäftsstelle, die in beiden Bezirken angesiedelt ist und sich um das Standortmarketing kümmert. Besonders wichtig: Klärung der Frage der geografischen Abgrenzung.

5. Sicherung und Ausbau der Arbeitsplätze
Zielvorstellung ist, für jeden Arbeitsfähigen in der Region einen Arbeitsplatz bieten zu können.

6. Gesamtverkehr
Genannt werden die Bereich: Öffentlicher Verkehr, Strasse, Fahrradwege/Wanderwege/Wasserwege. Ziel ist das Entschärfen von Engpässen und die Erschliessung der Randgebiete. Weiter eine Gesamtverkehrsplanung Zürcher Unterland. Vor allem aber eine leistungsfähige Verbindung zwischen Bülach und dem Autobahnanschluss Singen.

Das Dossier Flughafen wurde keiner Arbeitsgruppe zugeordnet. Die Bearbeitung erfolge «entsprechend den kantonalen Vorgaben im Vorstand der PZU», hiess es im Arbeitspapier.

Erst das Selbstbewusstsein - dann die Lobby

Spaltenstein schliesst seinen Artikel im Neuen Bülacher Tagblatt mit den Worten: «Schon während des Workshops wurde klar, dass wegen des Fehlens politischer Kompetenzen nicht alle Ziele aus eigener Kraft verwirklicht werden können. Von grösster Bedeutung ist deshalb, dass die Region Zürcher Unterland geschlossen und selbstbewusst auftritt. Die Region soll aber auch Denkanstösse zu Zukunftsformen einer übergeordneten Zusammenarbeit vermitteln.»

Das ist meines Erachtens auch das grösste Problem. Die PZU ist nicht wirklich mit politischer Macht ausgestattet - und dieser Umstand wirkt sich umso fataler aus, als die Region keine kraftvolle Lobby hat - weder im Kantonsrat noch im Regierungsrat.

Quellen

  • Planungsgruppe Zürcher Unterland (Hrsg.): Arbeitspapier «Workshop Identität Zürcher Unterland», 2./3. Dezember 2005, Vetropack-Zentrum Rütenen, Bülach (für Nichtmitglieder der Arbeitsgruppen verschickt am 7. April 2006).
  • Spaltenstein, A.: Mit kleinen Schritten zum Label «Zürcher Unterland». Sechs Arbeitsgruppen beackern regionale Problemfelder — Ergebniskonferenz anfangs Mai. In: Neues Bülacher Tagblatt, 18. April 2006.

1 Kommentar:

WG(n) hat gesagt…

Die im Web verfügbaren Pressereaktionen auf die Ergebniskonferenz vom Donnerstag, 4. Mai beschränken sich auf zwei Artikel im Neuen Bülacher Tagblatt:

Spaltenstein, A.: Den Planern rauchen die Köpfe. Breiter Themenkatalog der Planungsgruppe Zürcher Unterland wartet auf Umsetzung. In: Neues Bülacher Tagblatt, 5. Mai 2006

Spaltenstein, A.: Soll die Region eine Geschäftsstelle erhalten?
Impressionen von der Ergebniskonferenz Zürcher Unterland in Bülach. In: Neues Bülacher Tagblatt, 6. Mai 2006.