Mittwoch, 31. Oktober 2007

2 Jahre WeiachBlog

«Tempora mutantur et nos mutamur in illis.»

Die Zeit läuft tatsächlich. Heute feiert WeiachBlog bereits den zweiten Geburtstag. Der erste Beitrag überhaupt ging nämlich am 31.10.05 um 18:56 online.

Lokalpolitisches Sprachrohr

Aus einer Ergänzung zu den Weiacher Geschichte(n) wurde im Laufe der Monate ein eigenständiges Produkt, das sich nicht nur auf Korrigenda und Zusatzinformationen zu bereits erschienenen Artikeln beschränkt, sondern darüber hinaus auch eine Art lokalpolitisches Sprachrohr geworden ist.

Der Betreuer von WeiachBlog hat sich entschieden, Position zu beziehen, hartnäckig und zuweilen polemisch bis satirisch überspitzt aktuelle Angelegenheiten auf den Punkt zu bringen.

Dies sehr zum Leidwesen und nicht gerade kleinen Ärger gewisser Schneiser. Die finden es alles andere als nett, dass ihnen da jemand aus dem Flughafennorden in die Parade reitet. Das kann man an der Anzahl und Art der Kommentare bei fast allen Artikeln zur Flughafen-Kontroverse und Fluglärmfrage deutlich ablesen.

Mosaiksteinchen von gestern und heute

Gleichzeitig hat sich das Format aber auch in seiner eigentlichen Zweckbestimmung bewährt: Nämlich als eine Art Archiv und Mosaiksteinchen-Sammlung zu Geschichte und Gegenwart der Gemeinde Weiach zu dienen.

Die mittlerweile von durchschnittlich 25 Besuchern pro Tag angeklickten Beiträge (aktuell rund 530) decken ein weites Feld ab. Umformatiert in ein Textverarbeitungs-Format sind bis dato über 750 A4-Seiten zusammengekommen. Und es ist ernsthaft zu überlegen, wie die Navigation und damit der Lesernutzen mittels einem Kategorien-System (und dem sog. Tagging) verbessert werden kann.

Hauptproblem: Zeitmangel

Eigentlich gäbe es noch viel mehr zu schreiben. Neben einem Vollzeitjob, Familie und gesellschaftlichen Verpflichtungen muss WeiachBlog aber oft zurückstehen. Seit etwa einem halben Jahr hat sich daher ein Material-Vorrat für Dutzende von Artikeln aufgebaut.

Manches davon wird - so Zeit vorhanden ist - nachgeliefert. Erkennbar ist dies dann am eckigen Klammervermerk «[Veröffentlicht am ...]» ganz am Fuss eines Beitrags. Nur Artikel ohne diesen Vermerk (wie der vorliegende) wurden auch tatsächlich am oben orange angegebenen Tag ins Netz gestellt.

Es geht weiter, aber in gemächlicherem Tempo

Trotz Zeitmangel: es soll weitergehen. Mit grösseren Pausen ist aber jederzeit zu rechnen. Und auch damit, dass aktuelle Themen nicht immer (sofort) aufgegriffen und kommentiert werden.

An dieser Stelle dankt «WG(n)» allen, die WeiachBlog verlinkt und in ihren Artikeln erwähnt haben. Dann natürlich all jenen, welche die Beiträge lesen und Kommentare dazu abgeben - auch den Schneisern. Vor allem aber seiner Frau: Danke, dass Du mein Steckenpferd immer noch tolerierst! It must be love.

Dienstag, 30. Oktober 2007

Humor aus dem Appenzellerland - live in der Gemeindebibliothek

Heute abend um 20 Uhr findet in der Schul- und Gemeindebibliothek Weiach im Alten Schulhaus eine Autorenlesung statt.

Zu Gast ist der Erfinder des Appenzeller Witzwanderwegs, Peter Eggenberger. Der Ex-Legionär und Autor diverser Bücher, u.a. eines autobiographischen Kriminalromans, liest aus seinen Werken.

Mit diesem Einzelblatt lädt die Bibliothekskommission zu diesem Anlass mit anschliessendem Apéro ein:



Nachtrag vom 31. Oktober

Der mit ca. 30 Personen sehr gut besuchte Anlass war ein voller Erfolg. Nach wenigen Minuten hatte der Referent die Zuhörer im Sack. Keine Spur von dröger Lesung.

Der - dem Klischee entsprechend - kleinwüchsige Eggenberger erzählte allerlei Müsterchen, von den obligaten Appenzeller Witzen über die Naturheilerszene bis zu seinen Erfahrungen in der französischen Fremdenlegion. Sein Kurzenberger Dialekt war die erste Überraschung. Der tönt nämlich so, als ob da ein Schaffhauser aus dem Klettgau zu uns sprechen würde, mit dem charakteristischen langen A, wie in «Schlaaate saaat mä» (dem Werbeslogan der Schleitheimer, mit dem sie Auswärtigen die lokal korrekte Aussprache ihres Ortsnamens beibringen).

So gab er denn auch viele Geschichtchen aus Walzenhausen und Umgebung zum Besten, wie z.B. die vom kleinwüchsigen Seppetoni (75 cm gross), der mit seinen träfen Sprüchen vor ca. 70-100 Jahren zum Magneten für eine der Gastwirtschaften auf dem Berg wurde. Viele Gäste seien nur gekommen, um dieses Original sehen und hören zu können.

Eggenberger sprach mit Schalk in den Augen davon, wie sich eine feministische Kommission aus der Stadt St. Gallen darüber aufgehalten habe, einige Witze auf den Tafeln des von ihm mitinitiierten Witzwanderwegs seien frauenfeindlich, wie z.B. dieser: Sind zwei Kollegen unterwegs und wollen in einem Wirtshaus einkehren. «Und, was gits?», fragt der eine den anderen, der gerade die Karte studiert hat. Da stehe: «Hier essen Sie wie zuhause» gibt er zur Antwort. Darauf der Fragende: «I dem Fall gömer besser es Huus wiiter!» (sinngemäss in Zürichdeutsch geschrieben, da mir Appenzellerisch nicht so gut von der Hand geht).

Oder der hier (zu finden auf dem Flyer «Lache isch gsond» über den von Heiden nach Wolfhalden und Walzenhausen verlaufenden Witzweg): «Woromm sääd me, de Alkohol sei Gift?, fröget de Lehrer i de Schuel. Doo mänt de Hansli: Will d'Mueter jedesmool giftig weerd, wenn de Vatter en Ruusch hääbringt.»

Besonders spannend war auch der Blick auf die vielfältige Heilerszene im Appenzell-Ausserhodischen, seit den 1870er-Jahren das einzige Reservat für nicht-akademisch gebildete Naturärzte. Einige von denen waren wirkliche Kapazitäten, andere blosse Geschäftemacher - halt wie bei den universitär gebildeten Medizinern auch.

Man spürt, dass Eggenberger Land und Leute in seiner engeren Heimat genau kennt und gern hat - und gerade deshalb mit spitzer Feder Allzumenschliches aufs Korn nimmt. Die fünfjährige Abwesenheit bei der Legion (1959-1964) hat ihm den Blick von aussen erst eigentlich ermöglicht.

Fazit: Ein vergnüglicher Abend!

Weiterführende Links

Montag, 29. Oktober 2007

Gemeinderat verschlampt Massnahmen gegen schmutziges Brunnenwasser

Auch in diesem Artikel geht es wieder um die Allgemeine Umfrage einer Gemeindeversammlung am 19. Oktober 1957. Nach Fragen zum Ausbau der Kantonsstrasse zwischen dem «Sternen» und der Grenze bei Kaiserstuhl sowie den Problemen rund um das Stationsgebiet wurde in den Voten Nr. 4 und 5 die Wasserversorgung thematisiert.

Erneut meldete sich Förster Siegenthaler zu Wort. Und zwar zur

d) Vergebung grösserer Arbeiten für die Wasserversorgung

«Auf Anfrage», heisst es da im Protokoll, erhielt er «vom Gemeindegutsverwalter Pfenninger die Auskunft, dass grössere Arbeiten für die Wasserversorgung in der Regel auf Grund der vom Technischen Büro Gujer in Rümlang eingezogenen und geprüften Offerten mindestens zweier Unternehmen zur Vergebung gelangen».

Das letzte Thema hatte es nun in sich. Denn hier musste sich der Gemeinderat gröbere Versäumnisse vorhalten lassen:

e) Beanstandung der Brunnenwasserversorgung in der Kellen


[Bild: Der Brunnen an der Stockigasse]

«Meier-Bleuler Hans rät der Behörde dringend, nun endlich einmal die Brunnenwasserversorgung in der Kellen in Ordnung zu bringen. Bei Regenwetter führen die Kellen-Brunnen schmutziges Wasser. Dieser Zustand dauert schon lange. - Die nachfolgende Diskussion ergibt, dass eine diesbezügliche Meldung von Brunnenmeister Walter Meierhofer bei einem Mitglied des Gemeinderates stecken geblieben ist. Der Vorsitzende sichert raschmöglichste Abhilfe zu.»

Raschmöglichst verschlampt

Was darunter zu verstehen war, kann man sich ausrechnen, wenn man im Protokoll der Gemeindeversammlung vom 22. Januar 1958 unter dem Traktandum «Allgemeine Umfrage» liest:

«Gemeinderat Baumgartner nimmt eine wiederholte Anfrage von Meier-Bleuler Hans betr. Sanierung der Brunnen in der Kellen zur Kenntnis. Er verspricht, sich mit dieser Angelegenheit zu befassen.»

Peinlich, peinlich. Es ist zwar bis dato nicht bekannt, wo im Dorf das säumige Mitglied des Gemeinderats seine Hofstatt hatte. Sollte er aber im Oberdorf gewohnt haben, dann war man in der Chälen schnell mit dem Vorwurf zur Hand, den interessiere es halt nicht, weil es nur um das «Chälepack» gehe - und nicht um seine Oberdörfler.

Von solchen Problemen ist dem Schreibenden in den letzten drei Jahrzehnten nichts zu Ohren gekommen. Das Wasser an den öffentlichen Brunnen in der Chälen erfreute immer mit sehr guter Qualität - Regenwetter hin oder her.

Quelle
  • Gemeinde Weiach: Gemeindeversammlungsprotokoll. Gemeindeversammlung vom 19. Okt. 1957 - S. 49. [Archiv der politischen Gemeinde, Abteilung IV B]

[Veröffentlicht am 31. Oktober 2007]

Sonntag, 28. Oktober 2007

Muss Weiach wiederbelebt werden?

Manchmal staunt man schon etwas über die Sprachkreationen professioneller Zeitungsmacher. Und reibt sich ob Schlagzeilen wie: «Neuer Verein soll Weiach wiederbeleben» die Augen.

Wiederbelebung? Das tönt ja gerade so, als würde die Gemeinde quasi im Koma liegen. Das ruft nach Bildern wie Mund-zu-Mund-Beatmung oder dem Einsatz von Defibrillationsgeräten (den unser Gemeinderat der Feuerwehr nicht zumuten will).

Reanimation ist zum Glück noch nicht nötig

So ist ja wohl nicht. Jedenfalls dürften die meisten Weiacher anderer Meinung sein - es läuft ja schliesslich einiges! Nur nicht so breit gefächert wie sich das manche wünschen würden. 950 Einwohner sind halt keine Grossstadt.

Das erklärte Ziel des vom Tages-Anzeiger thematisierten neuen Weiacher Vereins «f.o.r.u.m.» ist es, dem Reanimationsfall präventiv entgegenzuwirken. Das Anliegen wird vom Gemeinderat aktiv unterstützt, denn: Gegensteuer muss man früh geben, will man nicht riskieren, dereinst die Schule schliessen müssen, nur weil regelmässiger Nachwuchs ausbleibt.

Und deshalb soll der sich abzeichnenden Überalterung und der demographischen Lücke bei den 20-29jährigen aktiv Paroli geboten und die Gemeinde als Wohnort und Lebensraum für junge Familien mit kleinen und grösseren Kindern (wieder) attraktiv(er) gemacht werden (vgl. den Artikel von gestern).

Quellen
  • Zrinski, S.: Engagement für die Gemeinde. Weiach - Bisherige Interessengemeinschaft gründet den Verein Forum. In: Zürcher Landzeitung/ZU/NBT, 19. Oktober 2007 - S. 8.
  • Georgoulas, V.: Neuer Verein soll Weiach wiederbeleben. In: Tages-Anzeiger Zürcher Unterland, 27. Oktober 2007.

[Veröffentlicht am 31. Oktober 2007]

Samstag, 27. Oktober 2007

Ein FORUM-Nachmittag für die Kinder

Im Beitrag vom Freitag habe ich auf das FORUM-Gründungsfest hingewiesen. Das taten heute Samstag auch Plakate am Dorfeingang, wie z.B. dieses hier:


Prominent beim Sternenbrunnen platziert, wenn auch nicht in wirklich auffallender und von weitem (z.B. aus dem Auto lesbarer) Schrift angepriesen.

(Hinweis: Zum Vergrössern Bilder anklicken. Text der Einladung auch als Flyer erschienen; vgl. Beitrag von gestern)

Within walking distance

Vor dem Alten Schulhaus sind bereits um 17 Uhr alle Parkplätze besetzt. Auf welche weiteren Plätze dieser Wegweiser zeigen soll? Das ist selbst dem Ortskundigen nicht klar.

Aber es ist ja auch ein Anlass von Weiachern für Weiacher. Da müssen nur die ersteren mit dem Auto kommen. Wer nicht schwer zu tragen hat, der kann zu Fuss ins Dorfzentrum kommen - es sei denn er wohne im Ofen draussen.


Nicht auf die Alten zugeschnitten

Selbstkritisch erklärte Mitinitiant Andreas Brüngger gegen Schluss des Anlasses gegenüber WeiachBlog, man habe wohl etwas zu wenig für die älteren Semester gemacht.

Mag sein. Nun besteht aber eines der Hauptziele des vor kurzem gegründeten Vereins f.o.r.u.m. weiach darin, unser Dorf für Familien mit Kinder (wieder) attraktiver zu machen. Das erreicht man sicher nicht primär mit Altersnachmittagen - die werden ja schon von anderen Institutionen (Frauenverein, etc.) organisiert.

Sondern eben mit einem Happening für den Nachwuchs. Und für den war der Spielnachmittag schon «de Plausch»:


Volle Konzentration am Töggelikasten...


... und eifrig dabei bei weiteren Spielen der kleinen "Dorfolympiade", wie man an diesen Resultatzetteln sieht:


Wobei für den OL quer durch das Dorf die Regel «Je älter, desto grösser der Aktionsradius» galt:


Derweil bereiteten sich die Vereinsmitglieder in der zum Festsaal umgebauten Turnhalle auf den Abend vor:


Die Jury (u.a. mit Dorfmaler Hans Rutschmann) machte sich an die schwierige Aufgabe, die Resultate des Zeichnungswettbewerbs zu begutachten. Die Kinder sollten das Dorf so zeichnen, wie sie es sich wünschten.

Im Kindergarten kam dabei eine Gemeinschaftsproduktion in Form einer Collage heraus (jedes Kind steuerte sein Haus bei):


Die Primarschüler befassten sich in Einzelarbeiten mit dem Thema. Und es kamen durchaus bedenkenswerte Optionen für mögliche künftige Raumordnungs-Konzepte zusammen. Vom völlig autofreien Dorf mit Bäumen, Weihern und vielen Tieren (besonders Pferdehaltung) aber auch einem sich im Ortszentrum behauptenden VOLG...


... bis hin zur technisch optimierten Variante mit der eigenwilligen Namenschreibung «Waiach». Schnurgerade Strassen, genormte Häusern und das Schwimmbad (komplett mit Riesenrutschbahn und 10-m-Sprungturm samt Kiosk), wie der Konfiseur (!) in nächster Nähe des Schulhauses:


Bemerkenswert, wie stark sich die Marke «Fleischli» (ein im Zürcher Unterland sehr erfolgreicher Bäcker-Konditor, der von Niederglatt aus mit innovativen Konzepten seit Jahren fleissig expandiert) bereits im Bewusstsein von Primarschülern festsetzt. Wenn das kein erfolgreiches Marketing ist...

Sehr gut besuchtes Abendprogramm

Die Abendveranstaltung mit Pasta à discretion, zubereitet von Michael Bärtsch, dem Koch des Vorderen Sternens am Zürcher Bellevue (ja genau, der mit der Weiacher Quittenrahmsauce) lockte gegen 200 Besucher an, welche die Halle gut, aber nicht bis auf den letzten Platz füllten.

Sie sahen Darbietungen der Jugendriege und hörten Ansprachen der Vereinsgründer selber, des Gemeindepräsidenten und des Autors der Weiacher Geschichte(n) in der alten Militär-Uniform von Walter Zollinger - seinerzeit Lehrer in Weiach und Autor der ersten gedruckten Weiacher Chronik.

Alles in allem ein schöner Erfolg für den jungen Verein. Ad multos annos!

[Veröffentlicht am 29.10.2007]

Freitag, 26. Oktober 2007

FORUM-Gründungsfest am Samstag, 27. Oktober

«f.o.r.u.m. weiach» nennen sich die 16 Mitglieder. Das soll ein Akronym sein für «fröhliche offene runde unkomplizierter menschen». Und eigentlich wollten sie gar kein Verein werden. Wollten mit Vereinsstatuten und Generalversammlungen und Mitgliederbeiträgen nichts am Hut haben. Denn das engt ein.

Aber eben: wenn man etwas bewegen will, dann schlagen schnell die Sachzwänge zu. Banken verlangen für eine Kontoeröffnung Statuten, die Gemeinde will eine Vereinsstruktur sehen, wenn sie Beiträge für einen Mittagstisch sprechen soll, etc. Kurz: Jemand muss formell die Verantwortung tragen. Und deshalb ist das FORUM Weiach jetzt doch ein Verein geworden. Am Samstag, 27. Oktober ist offizielles Gründungsfest.


Im Dorf, mit dem Dorf, für das Dorf. Der gelbe Flyer, der in allen Weiacher Haushaltungen gelandet ist, kündigt einen ganzen Strauss von Aktivitäten von Weiachern für Weiacher an. Die sollen durchs Band weg Spass machen und zeigen, dass in Weiach etwas läuft. Für Familien und alle die etwas bewegen wollen. So wie die Präsidentin, Isabelle d'Overschie.

Selbstverständlich leisten die Weiacher Geschichte(n) auch ihren Beitrag. Mit ein paar lustigen Geschichten, die sich in der Zeit des Zweiten Weltkriegs in Weiach zugetragen haben. WeiachBlog fällt morgen die Rolle der Berichterstattung zu.

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Wenn die Versetzung einer Ortstafel ein halbes Jahrhundert dauert

Vor einigen Tagen war auf WeiachBlog von der Allgemeinen Umfrage einer Gemeindeversammlung vor genau 50 Jahren die Rede. In der ersten Frage ging es um den Ausbau der Kantonsstrasse mit einem Trottoir vom Sternen bis zur Kantonsgrenze.

Die zweite und dritte Frage drehten sich um die SBB-Station und ihre nächste Umgebung:

b) Beanstandung betr. SBB-Stationsplatz Weiach-Kaiserstuhl

«Meierhofer Walter, Posthalter, appelliert an die Behörde, in Bezug auf die unmögliche Bekiesung des Stationsplatzes bei den zuständigen SBB-Instanzen vorstellig zu werden. Er erhält vom Vorsitzenden die Auskunft, dass auch in dieser Beziehung bereits bei den SBB reklamiert worden sei und endlichen eine Verhandlung in Aussicht stehe.»

Worin das «Unmögliche» der Bekiesung bestand, darüber schweigt sich das Protokoll leider aus.

Damit war der Ärger rund um das Stationsgebiet noch nicht ausgestanden, denn auch die nächste Frage zielte dorthin:

c) Gefährdung des Verkehrs durch unhaltbare Parkierungsverhältnisse im Stationsgebiet

«Siegenthaler Robert, Förster, empfiehlt der Gemeindeversammlung, eine Resolution zu fassen betr. Beseitigung der Unfallgefahr im Stationsgebiet durch Schaffung geordneter Parkierungsverhältnisse für Motorfahrzeuge. Er wird unterstützt von Dietschi Robert, welcher es als Pflicht der Gemeindebehörde bezeichnet, ihr möglichstes zu tun, damit endlich die für die Beseitigung des gefahrvollen Zustandes nötigen Anordnungen getroffen würden. Auch bittet er die Gemeindebehörde, dafür besorgt zu sein, dass die Innerortstafel an der Kaiserstuhlerstrasse westlich der hiesigen Schäftefabrik der Firma Walder & Co. versetzt würde. - Beiden Rednern werden von Seiten des Präsidenten die schon im Gange befindlichen Bestrebungen des Gemeinderates in Bezug auf die Beseitigung der Unfallgefahr bestätigt.»

Was der damalige Gemeinderat dann tatsächlich getan hat, um der monierten Unfallgefahr zu begegnen, ist WeiachBlog nicht bekannt.

Die Versetzung der Innerortstafel an die von Dietschi beantragte Stelle liess jedenfalls noch fast ein halbes Jahrhundert auf sich warten. Sie erfolgte erst nach der Jahrtausendwende - wohl auch im Hinblick auf die Umsetzung der Quartierpläne «Bedmen» und «See».

Quelle

  • Gemeinde Weiach: Gemeindeversammlungsprotokoll. Gemeindeversammlung vom 19. Okt. 1957 - S. 48 unten. [Archiv der politischen Gemeinde, Abteilung IV B]

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Ortstafeln-Rochade - ein Nachtbubenstreich

Von einem gelungenen Nachtbubenstreich berichtet die heutige Ausgabe der Zürcher Landzeitung. Unbekannte hätten letzte Woche die Ortstafeln von Weiach, Stadel und Bachs abmontiert und reihum vertauscht wieder sauber montiert, schreibt Roland Tellenbach:

«Postautochauffeur André Frank traute letzte Woche seinen Augen nicht mehr: Da fuhr er früh morgens mit dem Bus wie schon unzählige Male zuvor auf seiner Route Richtung Stadel. Die Häuser, die Strassen – kein Zweifel, er näherte sich Stadel. Aber auf dem Ortsschild stand unzweifelhaft etwas anderes, nämlich Weiach»!

Offensichtlich hat sich da jemand einen Streich erlaubt

Der von den Postchauffeuren und anderen aufmerksamen Frühaufstehern avisierte Stadler Gemeindeschreiber informierte den Unterhaltsdienst des kantonalen Strasseninspektorats, welcher seine Mitarbeiter auf die Piste schickte.

«Diese stellten fest, dass das Stadler Ortsschild abgeschraubt und in Bachs wieder montiert worden ist. Jenes von Bachs hing in Weiach und das Weiacher Schild in Stadel», erklärte Erwin Zengaffinen vom Unterhaltsdienst. Er und sein Personal hätten zwar Arbeitszeit investieren müssen, «aber wenigstens haben die Lausbuben nichts kaputt gemacht».

Und gearbeitet haben sie genauso wie die Männer vom Unterhaltsdienst. Sechs Mal mussten sie sich an einer Tafel zu schaffen machen - je dreimal abschrauben und dreimal wieder anschrauben.

Fusion kein Thema

Auch der Stadler Gemeindeschreiber Richard Kälin trug die Angelegenheit mit Humor: «Es haben sich einige Leute gemeldet und sich gefragt, ob wir über Nacht mit der Gemeinde Weiach fusioniert hätten. Das ist natürlich nicht der Fall, wobei es sich für uns Stadler vom Steuerfuss her durchaus lohnen würde.»

Ob bei einem Zusammengehen der Steuerfuss nicht gleich auf Stadler Niveau ansteigen würde, müsste man sich erst noch ausrechnen. Eine Fusion ist aber tatsächlich kein Thema. Bei der Feuerwehr und der Oberstufenschule mag man ja durchaus zusammenarbeiten. Aber für mehr sind die Zeiten noch längst nicht reif. Dazu sind die drei Gemeinden wohl einfach zu unterschiedlich.

Quelle

  • Tellenbach, R.: Aufgeschnappt: Weiach ist Bachs ist Stadel. In: Zürcher Landzeitung/ZU/NBT, 24. Oktober 2007 - S. 9.

Dienstag, 23. Oktober 2007

Weiacher Stimmbeteiligung im kantonalen Durchschnitt

Der Mobilisierungseffekt dieser eidgenössischen Parlamentswahlen war auch in Weiach deutlich zu spüren. Ob das nun an den im Unterland bevorzugt auf Landwirtschaftsparzellen entlang der Strassen zu Hunderten platzierten SVP-Plakaten lag (wie die Zürcher Landzeitung heute mutmasst) oder an der dank Schäfchenpolemik und Bundesplatzkrawall ganz generell aufgeheizten Stimmung: die Stimmbeteiligung war verglichen mit dem Urnengang im Mai 2006, mehr als doppelt so gross. Sie erreichte 48.1 Prozent. Das liegt nur knapp unter dem Kantonsdurchschnitt von rund 48.9 Prozent der Stimmberechtigten.

Wie die Verteilung nach Gemeinden aussieht, das kann man auf den Wahlresultat-Seiten des kantonalen Statistischen Amts nachschauen. Da sieht man dann, welch hohe Prozentwerte die kleinen, noch stark agrarisch geprägten Landgemeinden des Weinlandes aufweisen. An der Spitze liegt Truttikon mit 64.6%. Verglichen mit den über 80 Prozent in gewissen Walliser Gemeinden (vor allem im Bezirk Leuk) ist das immer noch wenig.

In Weiach sind die urbanen Zeiten und die Zugehörigkeit zur Agglomeration Zürich auch am Grad des Urnenabsentismus abzulesen. Das benachbarte Bachs gehört nach den Kriterien des Bundesamts für Statistik nicht zur Agglo - und erreicht mit 59 Prozent die beste Stimmbeteiligung im Bezirk Dielsdorf.

Spekulationen über ungültige Stimmabgaben

In Weiach beteiligten sich von 726 Stimmberechtigten deren 372 an der Wahl. 93.8 % warfen gültige Wahlzettel ein. Immerhin 6.2 % der eingegangenen Wahlzettel waren aber ungültig (sie werden als «nicht in Betracht fallende» bezeichnet). 23 Stimmberechtigte haben also etwas falsch gemacht, z.B. mehrere Listen im Couvert, den Stimmrechtsausweis nicht beigelegt oder diesen nicht unterschrieben - der möglichen Gründe sind viele.

Verglichen mit anderen Gemeinden ist das wenig. Mit Verlust muss man rechnen. Was soll man aber beispielsweise von den unglaublichen 35.3% ungültigen Stimmen in Volken halten? Oder von den 0% in Kyburg? Beides lässt einen leicht verwundert zurück. Wenn man nämlich bei einer Population eine Normalverteilung wahlbezogener Intelligenz annimmt, dann müsste so ziemlich genau das herauskommen wie in Weiach: ein kleiner Prozentsatz schnallt es einfach nicht. Aber mehr als ein Drittel?

Bleibt die Frage: Gibt es eine Qualitätskontrolle für Wahlbüros? Wer schaut denen auf die Finger? Das wäre ja einmal eine Aufgabe für neutrale Wahlbeobachter.

Quellen

  • Wahl-Website des Statistischen Amts des Kantons Zürich
  • Riedel, S.: Viele Plakate bringen viele Stimmen. Unterland: Lächeln für den Wahlsieg – SVP-Gesichter dominieren Strassenränder und den Wahlkampf. In: Zürcher Landzeitung/ZU/NBT, 23. Oktober 2007.

Montag, 22. Oktober 2007

SVP baut absolute Mehrheit weiter aus

Die Nationalratswahlen 2007 brachten in der Zürcher Unterländer Gemeinde Weiach keine Überraschung - jedenfalls nicht was die unangefochtene Führungsposition der SVP anbelangt. Denn unser Dorf ist eine traditionelle SVP-Hochburg.

Gegenüber 2003 konnte die SVP ihre absolute Mehrheit wieder ausbauen. An die über 60% Wähleranteil, welche vor dem Zuzug von städtisch geprägten Stimmbürgern zur Norm gehörten, kann die SVP aber heute in Weiach nicht mehr anknüpfen.

Dennoch ist die Dominanz der «Blocher-Sünneli-Messerstecher-Schwarze-Schafe-Partei» erdrückend. Wäre Weiach die Schweiz, so sähen die Prozentanteile im Nationalrat für die nächste Legislaturperiode nämlich wie folgt aus:

SVP 54.80% [Kantonsschnitt: 33.92%]; SP 12.87% [19.81%]; FDP 7.98% [13.15%]; Grüne 5.86% [10.37%]; Grünliberale 5.14% [7.01%]; CVP 4.70% [7.56%]; EVP 4.26% [3.68%]; EDU 1.88% [2.12%]; FPS/AP 0.88% und SD 0.87% [0.54%]. (Listen ohne Listenverbindungen unter 0.5% nicht erwähnt; Kantonswert in eckigen Klammern)

Ständeratswahlen: Galladé mit Achtungserfolg

Das obige Bild setzt sich auch bei den Ständeratswahlen fort. Die besten Resultate erzielten Ueli Maurer mit 181 und Felix Gutzwiller mit 160 Stimmen - was nicht erstaunt, denn das war das offizielle bürgerliche Ticket.

Schon erstaunlicher, wie gut Chantal Galladé abschnitt (67 Stimmen). Ganz im Gegensatz zu der Grünliberalen Verena Diener (39) und dem Grünen Daniel Vischer (28).

Die Parteien mit christlichem Anstrich folgen dicht dahinter: Kathy Riklin (CVP) mit 19 und Ruedi Aeschbacher (EVP) mit 18 Stimmen; der abgewählte EDU-Nationalrat Markus Wäfler holte immerhin noch 9 Stimmen. Völlig abgeschlagen der Alternativaktivist Niklaus Scherr aus Zürich, sowie die unbekannten Einzelmasken Anton Stadelmann und Heinz Zaehner mit je 1 Stimme und Politclown Marian Danowski mit 0 Stimmen. Spannend ist der im Kantonsvergleich hohe Anteil von 50 Vereinzelte (!).

Weiacher Kandidaten wie erwartet unter ferner liefen

Zurück zum Nationalrat. Während die Grünliberale ex-Regierungsrätin Verena Diener zeigte, dass bei hohem Bekanntheitsgrad auch ein Listenplatz 34 nicht davor schützt, mit dem drittbesten Resultat für eine kürzlich neu gegründete Partei in den Nationalrat gewählt zu werden, hatten die Weiacher Kandidaten erwartungsgemäss nicht den Hauch einer Chance:

Peter Wild (FDP) schaffte es dank kantonsweit 42475 Stimmen immerhin noch auf Platz 30 seiner Liste (von Listenplatz 32 aus). Der örtliche Lokalbonus spielte für ihn: in Weiach liegt er mit 53 Stimmen um Längen vor den gewählten FDP-Grössen. Da kumulierten und panaschierten offenbar doch mindestens 10-15 Weiacher zu seinen Gunsten.

Ganz wenige Weiacher Auto- und Hanffreunde

Erika Fehr (Freiheitspartei/Autopartei) hingegen holte nur 244 Stimmen (Weiach: 3 Stimmen) und landete mit Listenplatz 14 auf Platz 25 ihrer Partei. Sie wurde von ihrem Mann Peter Fehr geschlagen, der es auf 312 Stimmen (Weiach: 7) brachte und damit vom Listenplatz 22 auf Platz 14 vorstiess. Hier ist überhaupt kein Weiach-Bonus festzustellen.

Gegenüber den beachtlichen 7500 Stimmen (Weiach: 3), die der mutterseelenallein auf Liste 9 kandidierende «Hanf Ueli» über den ganzen Kanton hinweg auf sich vereinen konnte, ist das schon recht mickrig.

Wenn man aber nicht über die aus im Dunklen liegenden Kanälen geschöpften Werbe-Millionen der SVP (und anderer grosser Parteien) verfügt, dann ist dieses Abschneiden keine Schande für die Kandidierenden - eher für diejenigen Wähler, die sich von den Propaganda-Stahlgewittern eines permanenten Wahlkampfs in den Bann schlagen lassen und nicht selber nachdenken.

Sonntag, 21. Oktober 2007

Hirsch-Schnitzel an Weiacher Quittenrahmsauce

Sind Sie wild auf Wild? Nicht auf den Weiacher Nationalratskandidaten und FDP-Politiker Peter Wild natürlich, sondern auf saisonal passenden kulinarischen Genuss?

Dann hat das Restaurant Vorderer Sternen am Bellevue mitten in der Stadt Zürich heute noch etwas ganz Spezielles im Angebot. AOC Weiach sozusagen, wie die aktuelle Karte verrät (nur am Samstag & Sonntag 20. / 21. Oktober 2007 so abrufbar):

Wild

«Hirsch-Schnitzel
an Weiacher Quittenrahmsauce
34.50

Reh-Pfeffer
mit Champignons, Speck, Perlzwiebeln & Brotcroûtons
42.00

Reh-Geschnetzeltes
mit Pilzen & Trauben an Wildrahmsauce
39.00

Zu diesen drei Gerichten servieren wir Ihnen unsere hausgemachten Spätzli und ½ Apfel gefüllt mit frischen, marinierten Cranberries
».

Da läuft einem ja das Wasser im Munde zusammen. Wenn ich nicht schon zu einem Wild-Essen im privaten Rahmen eingeladen wäre, dann wüsste ich heute abend wohin: auf ins Sterne Föifi! Gutes darf auch seinen Preis haben.

P.S.: Dass der Leiter des Vorderen Sternen engere Verbindungen nach Weiach hat als andere Gastrounternehmer, das kann man sich bei dieser Quittenrahmsaucen-Kreation ja denken, oder?

Samstag, 20. Oktober 2007

Die Urne - Verkörperung des Volkswillens

Sie ist Eigentum der politischen Gemeinde, ist korrekt mit Inventarnummer in einem Verzeichnis vermerkt und kommt jedes Jahr mehrmals zum Einsatz - aktuell gerade für die eidgenössischen Parlamentswahlen. Was ist das?

Die Rede ist von der kommunalen Wahl- und Abstimmungsurne.


Am Samstagabend hat das Wahllokal jeweils von 19-20 Uhr geöffnet, am Sonntagmorgen von 9-10 Uhr. Bewacht wird die Urne in den genannten Stunden von Mitgliedern des Wahlbüros. Bei der vorzeitigen Stimmabgabe auf der Gemeindeverwaltung sind Angestellte der Gemeinde für's Hüten zuständig.

Nach Schliessung des Wahllokals werden alle Wahlzettel herausgenommen und die Urne wird wieder ins Lager gestellt.


Die Bilder zeigen die Urne am Sonntagabend auf dem Tisch im Eingangsbereich des Gemeindehauses.

[Veröffentlicht am 21. Oktober 2007]

Freitag, 19. Oktober 2007

Zahlen die Aargauer für die Trottoirs bis zur Grenze?

Am Schluss jeder Gemeindeversammlung steht die sogenannte Allgemeine Umfrage auf der Traktandenliste. Das ist oft der weitaus interessanteste Teil des Abends, denn da geht es nicht mehr um die von der Exekutive zur Abstimmung gebrachten Geschäfte. Da kommt zur Sprache, was den Bürgern aktuell unter den Nägeln brennt und der Gemeinderat muss Red' und Antwort stehen.

Im Zusammenhang mit der Materialsammlung für die Weiacher Geschichte(n) Nr. 95 über die ersten Gehversuche der Kiesindustrie vor 50 Jahren bin ich in den Gemeindeversammlungsprotokollen auch auf die Themen von damals gestossen.

Was in der Versammlung vom 19. Oktober 1957 aufs Tapet kam, darüber wird WeiachBlog nun in lockerer Folge in den nächsten Tagen berichten - Wortmeldung für Wortmeldung.

In der ersten Frage ging es um den

Ausbau der Kantonsstrasse von der Kantonsgrenze bis zum Sternen

«Nepfer Albert wünscht vom Gemeinderat Auskunft über das Gerücht, dass die Kaiserstuhlerstrasse von der Kantonsgrenze bis zum Sternen nächstens ausgebaut werde. Er erhält von Gemeindepräsident Meierhofer die Auskunft, dass das Projekt hiefür gegenwärtig beim Gemeinderat zur Prüfung liege, dass aber noch einige Fragen der Abklärung bedürfen. Er meint damit die fragliche Beitragsleistung der aargauischen Gemeinden an die Erstellung eines Trottoirs von der Bahnstation bis zur Kantonsgrenze, die Gehweg- und Stationsplatzgestaltung auf der Bahnstation, die fragliche Uebernahme eines Teils des alten Strassengebietes bei der Station durch die Gemeinde. Die Behörde hofft, im Verlaufe der nächstens mit den Organen der SBB stattfindenden Verhandlung zu einem annehmbaren Ziel zu kommen.»

Dass die Gemeinde Weiach von den aargauischen Nachbarn Kaiserstuhl und Fisibach Beiträge an die Kosten erwartete ist einfach zu erklären. Der gemeinsam genutzte Bahnhof Weiach-Kaiserstuhl liegt einige hundert Meter östlich der Kantonsgrenze auf Weiacher Gebiet. Von der Strecke Bahnhof-Kantonsgrenze lag der Nutzen bei den Aargauern, die Weiacher dagegen hatten nichts davon - ausser den Kosten.

Quelle

  • Gemeinde Weiach: Gemeindeversammlungsprotokoll. Gemeindeversammlung vom 19. Okt. 1957 - S. 48 unten. [Archiv der politischen Gemeinde, Abteilung IV B]

[Veröffentlicht am 25. Oktober 2007]

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Hände weg von Defibrillationsgeräten?

Feuerwehrleute sollen nicht an diesen Reanimationsgeräten ausgebildet werden, findet unsere Exekutive:

«Der Gemeinderat lehnt im Rahmen der Vernehmlassung der kantonalen Feuerwehr die Ausbildung und den Einsatz von Feuerwehrangehörigen als „First-Responder“ im Sinne des Antrages der Sicherheitskommission des Zweckverbandes ab. Der Auftrag dieser Feuerwehrangehörigen besteht im Ersteinsatz bei Herzstillständen mit Defibrillationsgeräten. Die Behörde ist der Meinung, dass für diesen Einsatz medzinisches Fachpersonal eingesetzt werden soll, welches auch den allgemeinen Geamtzustand der betroffenen Personen beurteilen kann.» (MGW, Oktober 2007 - S. 5)

Copy/Paste und ein unpassender Titel

In der Zürcher Landzeitung wurde dies fast wörtlich übernommen:

«Der Weiacher Gemeinderat lehnt im Rahmen der Vernehmlassung der kantonalen Feuerwehr die Ausbildung und den Einsatz von Feuerwehrangehörigen als «First-Responder» im Sinne des Antrages der Sicherheitskommission des Zweckverbandes ab. Dies teilt er aus seinem neuesten Verhandlungsbericht mit. Der Auftrag dieser Feuerwehrangehörigen besteht im Ersteinsatz bei Herzstillständen mit Defibrillationsgeräten. Die Behörde ist der Meinung, dass für diesen Einsatz medizinisches Fachpersonal eingesetzt werden soll, welches auch den allgemeinen Geamtzustand der betroffenen Personen beurteilen kann.» (Zürcher Landzeitung/ZU/NBT, 18. Oktober 2007 - S. 7)

Immerhin haben die Lektoren den «Geamtzustand» in einen «Gesamtzustand» überführt und das «medzinische» zum «medizinischen» Fachpersonal gemacht.

Aber sonst? Sonst wird da munter paraphrasiert - wie vor über 100 Jahren, als das Übernehmen der Texte Anderer noch üblicher war als heute!

Sind die Risiken wirklich so gross?

Auch der Titel ist leicht irreführend. Denn aus dem ablehnenden Entscheid des Gemeinderates Weiach alleine geht noch längst nicht hervor, dass nun die (Weiacher) Feuerwehrleute nicht mehr als «First Responder» eingesetzt würden. Das ist nur die Meinung eines Gremiums - die unseres Gemeinderates.

Ob die fünf Weisen im Gemeindehaus da wirklich auf objektiver Grundlage entschieden haben ist eine andere Frage, denn der Trend geht ganz klar in die entgegengesetzte Richtung. Medizinisch geschultes Personal komme oft zu spät, schrieb die Pharmazeutische Zeitung aus Deutschland schon vor sechs Jahren:

«Die Effizienz der Defibrillation und damit die Überlebenschance sinkt pro verstrichener Minute um bis zu 10 Prozent. Nach neun Minuten sei der Patient schon fast nicht mehr zu retten, sagte Arntz. Ein Notarzt schafft es nur selten, früher zur Stelle zu sein. Wie also kann die Zeitspanne weiter verkürzt werden? "Es geht nur mit Laien", sagte Siegfried Steiger, Präsident der Björn-Steiger-Stiftung. "Wir brauchen Leute, die in den ersten drei Minuten vor Ort sind, Menschen also, die man nicht rufen muss."»

Mittlerweile sind die Defibrillatoren in vielen Firmen und öffentlichen Einrichtungen schon fast Standard. Stellt sich also die Frage, ob sich der Gemeinderat nicht vorwerfen lassen müsste, Hilfeleistung verweigert zu haben.

Quellen
  • Czajka, S.: Defibrillieren kann jeder. URL: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/fileadmin/pza/2001-40/medizin5.htm [Download am 31. Oktober 2007]
  • Gemeinderat Weiach: Rubrik Sicherheitszweckverband. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Oktober 2007 - S. 5.
  • Weiach. Feuerwehrangehörige nicht im Einsatz. In: Zürcher Landzeitung/ZU/NBT, 18. Oktober 2007 - S. 7

[Veröffentlicht am 31. Oktober 2007]

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Oktoberwetter 1957

Dem Oktober vor 50 Jahren setzte Walter Zollinger ein trockenes, frostiges Denkmal, was man sich anhand der unten beschriebenen Nacht- und Nebelaktion mit den eigenen Topfpflanzen bildlich vorstellen kann:

«Der Oktober ist, wie letztes Jahr, wiederum recht nebelreich, vor allem an den Vormittagen (14mal), dazu kommen 13 Tage mit einer Hochnebeldecke oder doch "wechselnd bewölkt". Auch war's durchwegs ziemlich kühl, morgens wie abends. Viermal lag bereits Reif und am 23.10. war's abends so kalt geworden, dass ich noch nach der Kirchenchorprobe, also um ca. 22.30 Uhr, alle "Majen" auf den Lauben und vor dem Haus herein nehmen musste. Wohl gab's auch 12mal sonnige Nachmittage mit Temperaturen um 15°C, nur ein einzigesmal aber über 20°, am 12.10. Dennoch kann der Oktober eigentlich als trocken bezeichnet werden, sodass die herbstlichen Feld- und Gartenarbeiten günstig profitierten. Regen fiel nur wenigemal, dann aber gleich von stürmischem Wind begleitet, nämlich vom 19./20. und am 22. Oktober.»

In diesem Jahr war der Oktober gemäss Meteo Schweiz ebenfalls eine trockene Angelegenheit. Jedoch nicht so kalt wie der vor einem halben Jahrhundert:

«Der Oktober 2007 war weitgehend hochdruckbestimmt. Entsprechend zeigte sich im Allgemeinen die Sonne etwas häufiger als im langjährigen Oktobermittel, und es gab in vielen Landesteilen sehr wenig Niederschlag.»

Bereits im WeiachBlog erschienene Wetterartikel

Quelle

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 6 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)

[Veröffentlicht am 30. Dezember 2007]

Dienstag, 16. Oktober 2007

Auto gegen Kind - Unfall im Dorf, 1957

«Dass der motorisierte Strassenverkehr auch "auf dem Lande" ständig zunimmt, beweisen die ebenfalls von Jahr zu Jahr zahlreicher werdenden Verkehrsunfälle; zum Glück liefen alle noch verhältnismässig glimpflich ab.»

So leitete Walter Zollinger seinen Bericht über dieses Thema ein (vgl. auch die früheren WeiachBlog-Beiträge Angetrunkener Mopedfahrer baut Unfall vom 27. Mai 2007 sowie Mit zwei Damen besetzter VW auf dem Dach vom 31. August 2007).

Unfallursache unbekannt, Kind im Spital

Für kleine Kinder war und ist der ständig dichtere Verkehr tatsächlich eine Bedrohung. Zumal Autos viel schneller unterwegs sein können als Pferdefuhrwerke oder Traktoren und kleine Kinder grosse Geschwindigkeiten schlicht nicht richtig einschätzen können. Was genau die Ursache war, verrät Zollinger allerdings nicht wenn er in seiner Jahreschronik 1957 notiert:

«18. Okt. ca. 18.00 Uhr:
Das kleine Mädchen Käthi Willi rennt beim Haus Robert Meierhofer, vom Bühl herkommend, in ein vom Oberdorf daherkommendes Personenauto hinein und muss mit Beinverletzungen ins Spital verbracht werden.
»

Auch über das weitere Schicksal von Käthi Willi schweigt sich der Chronist aus. Da er diese Zeilen im Sommer 1959 getippt hat und nicht erwähnt, das Mädchen sei nun invalide oder gar tot, hat es wohl keinen grösseren bleibenden Schaden davongetragen.

Quelle

Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 17. (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)

[Veröffentlicht am 30. Dezember 2007]

Montag, 15. Oktober 2007

GlaStaWei-Behördentreffen in Weiach

Was dabei herauskommt, wenn Redaktoren eine Zeitungsseite füllen müssen, sieht man in der Zürcher Landzeitung vom 11. Oktober auf Seite 9.

Neben einem sehr interessanten Artikel der in historischen Belangen sehr versierten und auch als Wissenschaftsjournalistin ausgezeichneten Sandra Zrinski - er handelt von einem geplanten Gedenkstein für die Aktivdienstzeit im Eggwald der Nachbargemeinde Bachs - und einem ebenfalls von Zrinski verfassten Artikel über die Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des grünen Kantonsrats Brunner aus Steinmaur wegen dem Überhandnehmen von Einweg-Paletten, gibt es noch etwas Kurzfutter:

Kredit für Behördentreffen

«Weiach. Der Weiacher Gemeinderat hat einen Kredit von 2200 Franken für die diesjährige Durchführung des Behördentreffens der Gemeinderäte Glattfelden, Stadel und Weiach bewilligt. Dies teilt er im Verhandlungsbericht mit.

Das ist so ziemlich das Maximum, was man aus dem einen Satz in den Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Oktober-Ausgabe, S. 4, herausholen kann.

Man fragt sich da wirklich, was denn nun der Nutzwert einer solchen Information ist. Ich meine: im Gemeindeblatt mag das ja noch angehen, denn da darf man annehmen, dass die Weiacherinnen und Weiacher sich noch erinnern, was der Sinn und Zweck dieser Behördentreffen ist - nämlich der Gedankenaustausch über den gemeinsam betriebenen Sicherheitszweckverband Gla[ttfelden]-Sta[del]-Wei[ach], der die vereinigten Feuerwehren, die fusionierten Zivilschutzorganisationen sowie den Zweckverbandskernstab (ZVKS) umfasst.

Aber in einer regionalen Zeitung? Gut, man kann daraus ableiten, wieviel die Sache pro Kopf kostet. Glattfelden hat 5 Gemeinderate, Stadel hat 7 (!) und Weiach 5. Also knapp 130 Franken Budget pro Gemeinderat. Ob das viel ist oder nicht, das kann man ohne Kenntnis des organisierten Anlasses schlicht nicht sagen.

Fazit: Lückenfüller ohne Nährwert. Informations-Junkfood.

Quelle

  • Kredit für Behördentreffen. In: Zürcher Landzeitung/ZU/NBT, 11. Oktober 2007 - S. 9.

[Veröffentlicht am 2. November 2007]

Sonntag, 14. Oktober 2007

Shit happens...

... und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Etwas vornehmer ausgedrückt könnte man in diesem Fall sagen: Excrement happens.


Das wissen alle Eltern mit Kindern. Windeln bis zum Abwinken - eine unvermeidliche Tatsache in den ersten Wochen des Nachwuchses. Die einzige Wahl besteht in der Frage: Waschen im Akkord oder für Abfallsäcke zahlen?

Vogeleltern haben es einfacher. Hier fällt der Dreck über die Nistperiode zwar auch in einem Umfang an, der dem Volumen der Nesthöhle locker Konkurrenz macht. Nur für das Wegräumen müssen sie nicht selber gradestehen.

Was da auf dem Fenstersims des WeiachBlog-Autors liegt ist auch nur ein Teil der Kotproduktion von zwei Schwalben-Jungen in diesem an die Hausfassade geklebten Nest Marke Eigenbau:


Das Nest wird (wohl von den ursprünglichen Bauherren) Jahr für Jahr wieder ausgebessert - 2007 haben hier schon zum dritten Mal junge Schwalben ihre hungrigen Mäuler fleissig anfliegenden Eltern entgegengestreckt.

Eltern und Junge sind schon längst weg. Abgeflogen in den Süden. Uns bleibt nur noch «Gutes Überwintern» zu wünschen - und auf das Kommen der Schwalben im nächsten Frühling zu plangen.

[Veröffentlicht am 21. Oktober 2007]

Samstag, 13. Oktober 2007

Das geheime Nachbarschaftsprogramm der Post

Wie vertrottelt sind eigentlich heutige Postangestellte, dass sie es partout nicht schaffen, Briefe und adressierte Drucksachen richtig zu sortieren??? (Sorry für diese Wortwahl, aber irgendwänn emal hauts eim eifach de Nuggi use!)

Der Hintergrund: Die Zustelldienste der Schweizerischen Post sind offenbar mit simplen Adressangaben und dem Sortieren von korrekt adressierten Briefen überfordert. Nicht nur in Weiach, auch an etlichen anderen Orten.

Mit der früher vielgerühmten Zuverlässigkeit der Post ist es heute bös bestellt. Man fragt sich, wieviele wichtige Briefe einfach irgendwo verschwinden und wundert sich nicht mehr über "Wenn Sie nicht bis am"-Aufforderungen, die aus heiterem Himmel eintreffen, obwohl man vorher nie eine Rechnung erhalten hat.

Verrutschen und Vertauschen

Beispiele gefällig? Da werden in einer bernischen Stadt Briefe für eine Johanna Erb an der Allmendstrasse 25 bei Elisabeth Erb an der Allmendstrasse 35 ein paar Häuser weiter eingeworfen und umgekehrt (Namen und Adressen geändert). Könnte man ja noch verstehen, wenn's einmal passiert. Aber zum 7. Mal in nur einem halben Jahr?

Anderes Beispiel aus Weiach: dass Briefe für die Chälenstrasse 21b statt im dortigen Briefkasten an der Chälenstrasse 23 und solche für die Chälenstrasse 23 bei der 25 eingeworfen werden, dieses schon fast systematische Verrutschen und Vertauschen wundert doch ziemlich. Zumal die Familiennamen und Vornamen der dort Wohnenden unterschiedlicher nicht sein könnten.

Geheimplan der Post?

Ist das nur der Schlampigkeit und/oder geistigen Überforderung des Zustellpersonals geschuldet?

Oder sind die Zusteller/innen durch zu eng kalkulierte Zeitpläne derart gestresst, dass ihnen solche Fehler unterlaufen? Ist das also alles die Schuld der posteigenen Arbeitsvorratverwalter?

Vielleicht muss man aber auch ganz andere Überlegungen anstellen. Nämlich die: Hat das gar System? Hat die Post eine hidden agenda, zieht ein geheimes Nachbarschaftsprogramm durch?

Dieses Programm könnte dann in etwa so aussehen: Um der Anonymität im Quartier oder Weiler aktiv Gegensteuer zu geben, werden Briefe nach einem ausgeklügelten System falsch eingeworfen. Mit der Zielsetzung, dass sich durch die dann zwangsläufig privat organisierten letzten Meter der Zustellung neue Kontakte und Gespräche ergeben und dadurch der Zusammenhalt in der Nachbarschaft gestärkt wird. Eine ganze neue Definition von Service Public. Haben die schon ein Patent darauf angemeldet?

Freitag, 12. Oktober 2007

Pro Senectute goes local

Wenn die Blätter fallen, dann meldet sich jeweils die Pro Senectute mit ihrer Herbstsammlung zu Wort. Nicht ganz einfach: Ihr Promotionsmaterial muss in Konkurrenz zu all den anderen bunten Prospekten und Bettelbriefen, die in unsere Briefkästen gestopft werden, unsere Aufmerksamkeit gewinnen.

Das ist der 1917 gegründeten Stiftung mit schweizweit 19000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieses Jahr besonders gut gelungen, findet WeiachBlog, denn: Pro Senectute setzt auf ihre Ortsgruppen und den lokalen human touch. Und zwar ganz konsequent, wie man hier am Weiacher Beispiel sieht:

(zum Vergrössern anklicken)

Das Rezept: Die Ortsvertretungen schreiben die eigenen Leute im Dorf direkt an. Das bringt Vorteile! Wenn es sich bei der Unterzeichneten - wie bei Rösli Baumgartner - um eine vor Ort bekannte Grösse handelt, dann wirkt sich die Information, dass ein Teil des gespendeten Geldes direkt in den eigenen Ort zurückfliesst, wohl um so besser auf das Sammelergebnis aus.

Mit lokalem Engagement punkten

In den auf die örtlichen Verhältnisse angepassten Serienbriefen wird ganz gezielt auch das jeweils konkrete lokale Engagement erwähnt. Im unserem Falle sieht das wie folgt aus:

«In Weiach gratulieren die Freiwilligen von Pro Senectute den Hochbetagten zum Geburtstag und organisieren den beliebten Spielnachmittag. Das wöchentliche Turnen bringt frohe Gemeinschaft und hilft mit, beweglich zu bleiben.»

Dass die Kooperation mit dem Frauenverein beim Gratulieren gut funktioniert, darf an dieser Stelle auch noch erwähnt werden.

Weiterführende Artikel

[Veröffentlicht am 21. Oktober 2007]

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Wie die Verwaltungsvereinbarung von 1984 verletzt wurde

Am 4. Oktober 2007, 18:49 behauptet ein Anonymus in einem Kommentar auf WeiachBlog: «Die Schweiz hat die Flughafen-Verwaltungsvereinbarung mit Deutschland nicht verletzt.»

Mit welchen Argumenten will denn der Anonymus (oder die Anonyma) DAS belegen? Fakt ist, dass die Schweiz folgende nicht in Zahlen gegossene Verpflichtung in der Verwaltungsvereinbarung von 1984 dem Geiste nach verletzt und damit das Vertrauen der deutschen Seite ausgenützt hat:

«Der Flugsicherungsdienst Zürich, unterstützt von der Direktion des Flughafens Zürich und vom Bundesamt für Zivilluftfahrt, wird sich weiterhin bemühen, eine ausgewogenere Benutzung der beiden Landebahnen 14 und 16 zu verwirklichen. In den Fällen, in denen die Verkehrslage einen Anflug auf die Landebahn 16 zulässt, wird das Anflugverfahren für diese Landebahn benutzt.»

Dieser Punkt wurde einseitig zugunsten des Flugbetriebs ausgereizt. Das Verhältnis der Anflüge auf Piste 14 zu denen auf Piste 16 wurde in den 90ern noch wesentlich ungleicher als anfangs der 80er-Jahre und landete letztlich bei 9 zu 1.

Dass dies bei zunehmendem Verkehrsaufkommen wegen der Pisten-Kreuzung 16/28 nötig wurde, ist keine Entschuldigung. Als Gegenmassnahme hätte man rechtzeitig entweder Piste 16 nach Norden verlängern oder die Vereinbarung neu aushandeln sollen. Beides wurde nicht gemacht. Und deshalb hat sich die Schweizer Seite das Debakel mit den einseitig erlassenen deutschen Anflugbeschränkungen selber zuzuschreiben. Pacta sunt servanda. Auch wenn sie nicht alles in Zahlen festhalten. Das gilt selbst für den Flughafen Zürich und deren selbstherrliche Lenker Josef Felder und Andreas Schmid.

Heute ist das Verhältnis übrigens keineswegs ausgeglichener. Im Gegenteil: jetzt sind es sogar über 97% aller Nordanflüge, die auf die Piste 14 gehen, wie man auf ZRHWiki nachlesen kann: «2005 erfolgten 99'440 Landungen auf Piste 14 und 2'668 Landungen auf Piste 16, das heisst rund 76,4 % der landenden Flugzeuge – insgeseamt [sic!] 102'108 – gelangten per Nordanflug zum Flughafen Zürich.»

Fazit: Von Weiach bis Höri schlucken wir also Jahr für Jahr fast 100'000 Anflüge. Das heisst: immer noch kommen drei Viertel aller Anflüge auf Zürich über den Norden herein.

Davon, dass wir unseren fairen Anteil nicht tragen, kann also keine Rede sein. Wir schieben keinen Fluglärm nach Süden ab - das Gegenteil ist seit über 30 Jahren der Fall. Das Zürcher Unterland und das Bohnenviertel (mit Hohentengen) werden als Lärmkübel missbraucht.

Dienstag, 9. Oktober 2007

Steuersenkung für Reiche = Bumerang für Alle

Am 29. September berichtete der Tages-Anzeiger darüber, dass der Kanton Zürich die Abwanderung der Reichen stoppen will, indem die Steuern für hohe Einkommen gesenkt werden. Das ruft natürlich nicht nur Zustimmung hervor. «Wo soll dieses Steuerwettrennen noch hinführen?», fragen sich viele.

Unter den Leserbriefen an den Tagi am 2. Oktober 2007 war auch eine Zuschrift des Weiacher EVP-Politikers Daniel Elsener. Unter dem Titel «Ein gefährliches Steuergeschenk» wurde folgender Wortlaut abgedruckt:

«Klingt doch schön und für einige Parteien sind Steuergeschenke das Mittel, um Wählerstimmen zu holen. Schön für die Wenigen, die viel arbeiten und viel verdienen. Schön auch für die Regierung, welche auf viele Millionen verzichten und solche Angebote machen kann. Angebote wie das einer Swiss Flat Tax aus der Küche der Freisinnigen. Aber aufgepasst, vielleicht fällt das Steuergeschenk wie ein Bumerang auf den Mittelstand und die vielen Kleinverdiener zurück. Indem die fehlenden Millionen mit einer 800 Franken hohen Kopfsteuer beispielsweise für Studenten und AHV-Bezüger oder mit höheren Gebühren und Abgaben wieder kompensiert werden. Trotz in Aussicht gestellten Steuergeschenken warten die Familien im Kanton immer noch auf die Umsetzung des Bundesgesetzes zu den Familienzulagen.

Quintessenz: Die Aktion ist ein Bumerang. Die Tagi-Redaktion setzte zusammenfassend dieses eine Wort an den Beginn von Elseners Beitrag.

Und ich gehe mit Elsener einig: dieses Szenario hat leider eine sehr hohe Verwirklichungs-Wahrscheinlichkeit. Wo hat denn die Sparerei - z.B. an den Kantonsschulen - in den letzten Jahren hingeführt? Zu besserer Qualität?

Quelle

Elsener, D.: Leserbrief zum Artikel Kanton Zürich will die Steuern für hohe Einkommen senken. Unter dem Titel "Ein gefährliches Steuergeschenk" abgedruckt am 2. Oktober 2007 - S. 23.

[Veröffentlicht am 28. Dezember 2007]

Sonntag, 7. Oktober 2007

Die drei Weiacher Nationalratskandidaten unter der Lupe

Schon in zwei Wochen ist er wieder für 4 Jahre vorbei - der Wahlk(r)ampf. Ob man für die drei Kandidatinnen und Kandidaten mit Wohnsitz Weiach von Kampf oder gar Krampf reden kann, bleibe dahingestellt. Jedenfalls haben sie so gut wie keine Chance, gewählt zu werden.

Beim FDP-Kandidaten Wild ist es die Platzierung auf der Liste, beim Ehepaar Fehr, das für die Freiheitspartei ins Rennen gestiegen ist, die Partei selber, mit der man bei Ausmarchungen wie dieser auf keinen grünen Zweig kommen kann. Im Kanton Zürich gibt es nämlich nur 34 Nationalratssitze und 2 Ständeratssessel zu vergeben. Aber 29 Listen. Kleine Parteien können daher schon stolz sein, wenn sie ihre Spitzenkandidaten nach Bern bringen.

Trotzdem wollen wir auf die drei Kandidaten aus Weiach ein Auge werfen. Das geht ganz ohne Feldstecher und Deep digging im Internet. Verwendet werden lediglich die Websites smartvote.ch und das elektronische Telefonverzeichnis.

Peter Wild, Nr. 32 auf Liste 3

Auf Liste 3 bringt die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) ihren Kandidaten Nr. 32 ins Rennen. Peter Wild, wohnhaft im oberen Teil der Oberdorfstrasse, hat Jahrgang 1967, hat seine Hochschul-Ausbildung als Dr.oec. abgeschlossen und noch ein MBA am IMD in Lausanne angehängt. Heute ist er als Linienpilot auf Langstrecke tätig. Der Bürger von Basel BS und Gossau ZH ist reformiert, verheiratet und hat keine Kinder. Als Hobbies nennt er Segeln und Bergsteigen. Sein Lieblingsfilm ist "Matrix". Wild ist aktiver Rotarier (Vorstandsmitglied) und Vizepräsident der FDP des Bezirks Dielsdorf.

Das findet man (bis auf die Adresse) alles auf Smartvote.ch. Wer wissen will, ob Peter Wilds Ansichten zu den eigenen passen, kann sich auf der Website von Smartvote anmelden, dort die gleichen Fragen wie er beantworten und dann den eigenen spidergraph mit diesem hier vergleichen:



Erika Fehr, Nr. 14 und Peter Fehr, Nr. 22 auf Liste 26

Die Liste 26 wurde der Freiheits-Partei/die Auto-Partei (FPS/AP) zugeteilt. Auf dem Platz 14 kandidiert (wie auch schon vor vier Jahren) Erika Fehr, Jahrgang 1952, wohnhaft an der Trottenstrasse. 2007 ist auch ihr Mann Peter Fehr, Jahrgang 1951, auf der Kandidatenliste vertreten. Erika gibt als heutigen Beruf kaufmännische Angestellte an, Peter ist Maschinenschlosser. Beide haben Bürgerort Niederglatt ZH. Über ihre sonstigen Interessen und Mitgliedschaften haben sie auf Smartvote.ch nichts weiter verraten.

Dafür aber die Fragen für den Spider beantwortet. So findet man bei Smartvote diese beiden Radargraphen, den von Erika Fehr (oben) wie den von Peter Fehr (unten):



Fazit: Aussenpolitisch geschlossen

Bemerkenswert ist, dass alle drei von (weiterer) aussenpolitischer Öffnung und Engagements offenbar wenig bis gar nichts halten. Damit sind sie voll im Trend der Mehrheit der Weiacher Stimmberechtigten, welche in den letzten Jahren auch abstimmen gingen. Abstimmungsthemen mit solcher Ausrichtung stossen bei diesen Weiachern nicht auf offene Ohren. Interessant auch, dass der FDP-ler Wild Law&Order viel stärker favorisiert als die FPS-Kandidaten.

Freitag, 5. Oktober 2007

Lesen für Chinesen verboten

WeiachBlog ist für Chinesen zu gefährlich. Wer in der VR China online geht, darf diese Zeilen nicht lesen.

Was die dortigen staatlichen Zensoren so alles für gefährlich halten und ihre Landsleute deshalb auf keinen Fall sehen dürfen, kann man bei http://www.greatfirewallofchina.org/ herausfinden.

Einfach URL eintippen, warten - und sich dann über die bei uns noch herrschende Meinungsfreiheit freuen.

Für WeiachBlog sieht das Resultat so aus (zum Vergrössern anklicken):


Quelle

  • Ein Artikel über das Picidae-Projekt auf dem Recherchenblog (Übrigens eine absolute Perle, was Recherchier-Tips, Tools und Site-URLs anbelangt! Sehr empfehlenswert!)

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Hohentengen-Bashing by Rita Fuhrer

Da geht also eine Zürcher Regierungsrätin nach St. Gallen (vgl. ZU, 4.10.07, S. 13) und beklagt sich dort in einem Vortrag am Center for Aviation Competence (CFAC) der Universität St. Gallen über den Bürgermeister einer kleinen Gemeinde: er bestimme die deutsche Luftfahrtpolitik gegenüber der Schweiz. Die Rede ist von unserem nördlichen Nachbarn Hohentengen am Hochrhein und deren Bürgermeister Martin Benz:

«Einer einvernehmlicheren Lösung als der geltenden Deutschen Verordung (DVO) stünden», so Oliver Steimann vom Zürcher Unterländer, «verschiedene Hindernisse im Weg. «Berlin» wolle nur mit dem Segen Baden-Württembergs zu einer Verständigung Hand bieten. In Stuttgart sei man dazu nur bereit mit dem Einverständnis des Landkreises Waldshut. Und Waldshut bewege sich nicht ohne Zustimmung aus Hohentengen. «Deshalb ist es leider so, dass der Bürgermeister von Hohentengen die Politik in Berlin bestimmt.» Fuhrer ist überzeugt, dass eine Rückkehr zur früheren Nordausrichtung des Flugbetriebs illusorisch bleibt, auch mit dem gekröpften Nordanflug. «Die heutigen Ostanflüge werden wir nicht mehr zurücknehmen können.»»

Selbstverschuldete Folgen schamloser Vertragsverletzungen

Ja, das sagt WeiachBlog schon lange. Hätte man sich nur an die vor etwa 25 Jahren ausgehandelten Bestimmungen der Verwaltungsvereinbarung von 1984 gehalten. Hätte man den Deutschen (und allen in der Pistenachse 14 gelegenen Schweizer Gemeinden von Weiach bis Höri) nicht ohne mit der Wimper zu zucken und wider Treu und Glauben und in flagranter Verletzung der Vereinbarung Jahr für Jahr Tausende von zusätzlichen Anflügen aufs Auge gedrückt und so den guten Willen über die Massen beansprucht. Dann hätte man heute eine gute Verhandlungsbasis. Aber so?

Die historische Nordausrichtung ist realpolitisch tot. Punkt. Die Deutschen werden da keinen Millimeter nachgeben. Fuhrer sieht das offenbar ein, weiss aber nicht, wie sie das den Südschneisern auf dem Pfannenstil und an der Goldküste verklickern soll - ohne dass diese gleich wieder publizistisch Amok laufen. Die im Ostanflug Wohnenden machen auch ganz schön Dampf. Irgendwas muss die Zürcher Regierung da tun - mindestens pro forma. Deshalb haut Fuhrer auf das kleine Hohentengen ein, das angeblich die hohe Berliner Politik steuern soll.

Hohentengen von beiden Seiten instrumentalisiert

Dabei ist es so, dass die Grenzgemeinde auch auf der nördlichen Seite des Rheins nur für eigene Zwecke benutzt wird: Die Cleverles im Landratsamt zu Waldshut, in der Landesverwaltung von Baden-Württemberg in Stuttgart und in den Luftfahrtämtern zu Berlin schieben Hohentengen und die Erholungsregion Schwarzwald nur deshalb vor, weil das a) die eigene Karriere befördert und/oder b) sie aus anderen Gründen nicht mehr verhandeln wollen. Jahrelang hat man sich in Bonn und Stuttgart um die eigenen Bürger am Rande der Provinz foutiert. Jetzt aber kann man - um nur einen möglichen Grund zu nennen - den Flughafen Zürich zugunsten der Hubs in Frankfurt am Main und München ausbremsen. Da kommt ein Hohentengen (das den Fluglärm schon länger satt hat) gerade recht.

Fuhrer und Dettling auf dem Holzweg

Die Zürcher Regierung hoffe nun, dass der «Gekröpfte» bereits im ersten Quartal 2008 eingeführt werden könne, steht auf Seite 1 des heutigen Unterländers. Wenn Fuhrer aber glaubt, die Deutschen mit dem gekröpften Nordanflug am Verhandlungstisch zu Konzessionen zwingen zu können, dann ist sie auf dem Holzweg. Wie würden wir denn auf solche Druckversuche und Kraftmeiereien reagieren? Eben. Erst recht wenn wir am längeren Hebel wären.

Die Juristin Regula Dettling, Beraterin der Swiss sprach in St. Gallen ebenfalls zum Thema Nordanflug. Auch sie gibt Traumtänzereien à la Wiedereinführung der natürlichen Nordausrichtung «kaum noch Erfolgschancen». Mit anderen Worten: die «noch hängigen Verfahren gegen die deutschen Anflugbeschränkungen» verpuffen weitgehend wirkungslos.

Gekröpfter Nordanflug: Aktivismus als politische Beruhigungspille

Dass der deshalb aus dem Hut gezauberte gekröpfte Nordanflug (GNA) reine politisch motivierte Zwängerei ist, dass Aufwand und Ertrag - gemessen an der tatsächlichen Kapazität dieses Verfahrens - in keinem Verhältnis zueinander stehen, das wurde von Dettling und Fuhrer natürlich nicht erwähnt.

Dettling ist offenbar der Meinung, der GNA finde «hoheitsrechtlich [...] ganz klar über Schweizer Boden statt.» Auf dem Papier mag das ja stimmen. Aber so wie ich die Piloten aus jahrzehntelanger Erfahrung als Überflogener kenne, wird der eine oder andere trotzdem nördlich des Rheins (oder zumindest näher als im Mindestabstand) in die Kurve gehen.

Dann werden sich die Deutschen beschweren. Aber verhandlungsbereiter werden sie dabei sicher nicht. Denn hier geht es nicht nur um «einen einzigen Passus in den einschlägigen Vorschriften», d.h. konkret die Grenzabstände bei der Ideallinie (minimal: eine oder zweieinhalb Meilen?). Sondern um Fairness und gegenseitige Achtung. Mit Worten wie dem Fazit zur Haltung Berlins: «Die Hunde bellen, und die Karawane zieht weiter.» (Dettling zitiert nach ZU-Journalist Steimann) zeigt man nur eines: Arroganz bis zum Abwinken.

Unser Fazit: 1. Karawanen bestehen aus Kamelen. 2. Manche von denen lernen es wohl nie. (Oder sind die Zürcher die kläffenden Hunde und die Deutschen die Karawane?)

Quellen und frühere WeiachBlog-Artikel zum Thema