Mittwoch, 1. April 2026

V-Piste 14/32 – Ein halbes Jahrhundert Anfluglärm

Name: Runway 14/32. Übername: V-Piste. Signalement: 3300 m × 60 m Asphalt und Beton.

Dieses Bauwerk auf dem Flughafen Zürich-Kloten hat die Gemeinde Weiach im letzten halben Jahrhundert wohl stärker geprägt als jede andere bauliche Struktur. 

An der Kreuzung der Westpiste 10/28 mit der Instrumentenlandepiste 16/34.

Eine säkulare Zäsur für Weiach

Die offizielle Inbetriebnahme fiel auf den 1. April 1976. Kein Aprilscherz, leider. Mit diesem Tag hat sich die Taktung des Lebens der Weiacherinnen und Weiacher sozusagen für immer verändert. 

Der Rhythmus der Triebwerksgeräusche drückt unserer Lebensrealität den Stempel auf. So sehr, dass man als Weycher vor lauter Ruhe schon fast aus dem Konzept gerät, wenn sie einmal fehlen. 

Anfangs gab es in Hochbetriebsphasen alle drei Minuten einen Anflug, später alle 90 Sekunden. Wer im offenen Gelände eine Rede hält, sei es eine Grabrede auf dem Friedhof oder eine Erstaugust-Ansprache auf dem Schulhausplatz, der muss diese Geräuschkulisse auf dem Zettel haben.

Natürlich ist die Lautstärke nicht mehr so extrem wie zu Zeiten von Caravelle und Tupolew. Und meist überfliegen landende Jets unser Dorfzentrum, wesentlich leiser als startende Maschinen, wie sie auf der Westpiste abheben und die Gläser in den Rümlanger Küchenkasten erzittern liessen (vgl. die Ansprache von Regierungsrat Kägi, WeiachBlog Nr. 498). Aber trotzdem: Flüsterjets, wie einst versprochen, sind das auch heute nicht.

Ob Franken oder Kubikmeter. Für die Piste werden Millionen bewegt. 

Bereits weniger als ein Vierteljahrhundert nach der Eröffnung (im Jahre 1948) platzte der Flughafen aus allen Nähten. Durch das Pistenkreuz (vgl. den Blick auf die Kreuzung im Bild oben) war aber die Zahl der Flugbewegungen begrenzt. Auf der in der ersten Hälfte der 1970er grössten Baustelle der Schweiz liefen aus diesem Grund viele Aktivitäten, sodass nicht alles im Zeitplan fertig wurde. Die zusätzliche Start- und Landebahn hatte aber wohl die höchste Priorität, was man Mitte 1973 aus den Neuen Zürcher Nachrichten herauslesen konnte:

«Eröffnet wird aber so oder so im Früjahr [sic!] 1976 die neue Piste 14/32. Für diese 3300 Meter lange Piste sind seit Herbst 1971 rund 1,8 Mio. Kubikmeter Erde verschoben und im nördlichen Pistenbereich bis zehn Meter hohe Dämme geschüttet worden. Durch den Pistenbau mussten für mehrere Millionen Franken der Himmelbach verlegt und gleichzeitig wertvolle Biotope verpflanzt werden. Bald wird mit dem Auftragen der Auflast begonnen und 1974/75 mit der Stabilisierungsschicht des Belages. Ab 1976 schliesslich kann dank dieser neuen Piste die stündliche Zahl der Flugbewegungen von 35 auf 55 heraufgesetzt werden.» (NZN, 14. Juni 1973)

Der Übername V-Piste wird geprägt

Spätestens ein Jahr danach taucht der Übername in den Medien auf. Erwähnt wird, dass die neue Piste eigentlich bereits zu kurz sei und auch aus anderen Gründen dringend benötigt werde. Der Zustand der Blindlandepiste, die seit November 1948 in Betrieb war, machte den Verantwortlichen Sorgen: 

«Auf dem Flughafen Zürich nimmt die dritte Hauptpiste Gestalt an. Ihre Längsachse verläuft in der Richtung 140/320 Grad, und deshalb lautet ihre Bezeichnung in der Fachsprache 14/32. Bereits hat sie aber einen einprägsameren Namen erhalten: «V-Piste». Dem Bau dieser 3300 Meter langen Piste stimmten die Zürcher Bürger 1970 zu; sie bildet einen Bestandteil der dritten Ausbauetappe. Dagegen ist die Frage umstritten, ob die V-Piste verlängert werden soll. Da der Zustand des Belages der Instrumentenanflugpiste 16/34 sich in erstaunlich kurzer Zeit überraschend verschlechterte, wurde von den zuständigen Behörden die Möglichkeit geprüft, die V-Piste nordwärts zu verlängern, um sie während der Instandstellungsarbeiten an der Instrumentenanflugpiste als Ersatz für Starts von schweren Flugzeugen, die eine längere Startrollstrecke benötigen, verwenden zu können.» (NZZ, 9. Juli 1974)

«Endausbau» kurz vor dem Abschluss

Nachdem am 30. März der erste Jumbo Jet auf der V-Piste aufgesetzt hatte, war es heute vor 50 Jahren dann so weit: Die V-Piste wurde für den regulären Betrieb freigegeben. Was im Jahr davor und rund um diese neue Piste herum sonst noch so gebaut wurde, darüber berichteten u.a. wiederum die Neuen Zürcher Nachrichten am 31. März 1976:

«Es. Nach der letztjährigen Eröffnung des Terminal B und der Fingerdocks im Flughafen Zürich-Kloten wird nun am 1. April die neue Piste 14/32, auch V-Piste genannt, eingeweiht. Zur gleichen Zeit wird eine Fussgängerverteilebene im zweiten Geschoss des Parkhauses B, die unmittelbar über dem im Bau befindlichen SBB-Bahnhof der Flughafenlinie liegt, in Betrieb genommen. Ebenfalls eröffnet werden zahlreiche Geschäfte in dieser Kontaktzone sowie ein weiteres Flughafenrestaurant.

Eigens für die Presse wurde gestern Dienstagvormittag die erste Landung mit einem Jumbo-Jet der Swissair im Beisein der Regierungsräte Jakob Stucki und Alois Günthard durchgeführt. Sicher und fast auf den Millimeter genau setzte Flugkapitän Hürzeler, der übrigens mit diesem Flug in den «Pilotenruhestand» tritt, den rund 350 Tonnen schweren Stahlvogel auf der neuen Landebahn auf. Die neue Piste 14/32, mit deren Bau im Jahre 1973 begonnen wurde, ist 3300 Meter lang und rund 60 Meter breit. Die in erster Linie für Anflüge bestimmte V-Piste ist die dritte des Flughafens Zürich-Kloten. Sie wurde gebaut, weil die bestehenden Flugbahnen, die Blindlande- und die Westpiste, sich kreuzen und damit den Flugverkehr erschwerten.

Leistungsfähiges Dreipistensystem

Von der Leistungsfähigkeit des neuen Dreipistensystems kann erwartet werden, dass sie den Anforderungen über Jahre hinaus genügen wird. Doch ist sie definitiv erst auswertbar, nachdem die Sanierungsarbeiten der Blindlandepiste abgeschlossen sind. Im Dezember letzten Jahres haben die Stimmbürger der Erneuerung der Blindlandepiste zugestimmt. Im Herbst dieses Jahres werden denn auch die dazu erforderlichen Bauarbeiten beendet sein, und auf den 1. Oktober ist die Inbetriebnahme eingeplant. Wie Baudirektor Günthard in seiner Ansprache ausführte, werden die Tiefbauarbeiten mit dieser Pistensanierung ihren Abschluss finden. Denn im Herbst 1976 wird der Flughafen Zürich-Kloten über eine noch Jahre andauernde ausreichende Kapazität verfügen.

Fussgängerverteilebene

Im neuen von der Flughafen-Immobilien-Gesellschaft erstellten Parkhaus B, das gegenüber dem Terminal B liegt, wird am 1. April das zweite Geschoss, die Fussgängerverteilebene in Betrieb genommen. Diese Kontaktzone für Passagiere und Besucher liegt unmittelbar über dem im Bau befindlichen SBB-Bahnhof der Flughafenlinie, der bis 1980/81 ebenfalls fertiggestellt sein wird. In dieser Kontaktzone, die über eine Passarelle und Rolltreppe vom Terminal B oder direkt vom Parkhaus B erreicht wird, sind zahlreiche Geschäfte, Einkaufsläden und Dienstleistungsbetriebe untergebracht.  Zu den Neuheiten im Flughafen Zürich-Kloten gehört nun auch ein weiteres Restaurant am Ende der Fingerdocks, von dem man einen weiten Rundblick über das Flughafengelände geniessen kann.» (NZN, 31. März 1976)


Bildlegende: «Die neue Piste 14/32 von Norden her aufgenommen. Rechts die Instrumentenlandepiste 16/34, die während der nächsten sechs Monate erneuert wird.»

Quellen