An der Gemeindeversammlung vom 11. Juni, der sog. Rechnungsgemeinde, hat Präsident Stefan Arnold den letzten grossen Auftritt seiner zwölf Amtsjahre. Gleichzeitig dürfte das auch der letzte Anlass sein, bei dem er sich mit einem anderen Präsidenten – demjenigen der Rechnungsprüfungskommission (RPK) – in den Ring begeben und dort öffentlich die Klingen kreuzen muss. Denn ab 1. Juli konstituiert sich der neue Gemeinderat. Und eine personell rundum erneuerte RPK.
Das Geschäft Nr. 4, die Kreditabrechnung der 750-Jahr-Feier, dürfte am meisten zu reden geben. Man kann dies schon allein an der Länge des dazugehörenden RPK-Abschieds abschätzen. Aber auch an den beiden weiteren Kreditabrechnungen und der Jahresrechnung 2025 der Politischen Gemeinde. Die vermochten nämlich der – in den letzten vier Jahren überaus streitbaren – RPK keine ins Gewicht fallenden Bemerkungen zu entlocken.Kryptische Nachricht for insiders only
«Der Gemeinderat hat die Kreditabrechnung zur 750-Jahr-Feier vom 9. bis 11. September 2022 zuhanden der Gemeindeversammlung vom 11. Juni 2026 verabschiedet. Die Veranstaltung schliesst bei Gesamtaufwendungen von rund CHF 456'700 und Einnahmen von rund CHF 366'300 mit einem Defizit ab. Der Gemeindebeitrag beträgt insgesamt CHF 240'339.14. Nach Rückfluss von Mitteln aus der Auflösung der IG reduziert sich die effektive Nettobelastung der Gemeinde auf CHF 223'737.43. Der bewilligte Verpflichtungskredit wurde insgesamt eingehalten.» (MGW Mai 2026, S. 6; PDF, 6.5 MB)
Aussenstehende, die diesen Abschnitt 750-Jahr-Feier Weiach: Kreditabrechnung in der Mai-Ausgabe des Mitteilungsblattes gelesen haben, dürften sich etwas ratlos am Kopf gekratzt haben: Wie ging das und was haben die da eigentlich gerechnet? Verstehen Sie das?
Nun, da blieb nichts anderes übrig, als bis 20 Tage vor dem Versammlungstermin zu warten. Das ist nämlich der gesetzlich festgelegte späteste Zeitpunkt, an dem Gemeindeschreiber Diethelm den Beleuchtenden Bericht auf der offiziellen Website aufzuschalten hat.
Gemeindebeitrag reichte nicht. Aus dem Ruder gelaufenes Defizit
Man hätte natürlich auch in alten Mitteilungsblättern suchen können. Aber der Beleuchtende Bericht fasst die Abfolge der Ereignisse zum besseren Verständnis bequemer zusammen (Geschäft Nr. 4 auf S. 9-12):
Was in dieser Abrechnung auch nicht so ganz transparent ist: Die 2019 bewilligten 150'000 Franken sind also Teil der Einnahmen der «IG 750 Jahre Weiach»? Und der Nachtragskredit samt zusätzlichen Aufwendungen zu Lasten der Erfolgsrechnung (2025?) deckt das Defizit ab?
Manöverkritik des OK: «Insgesamt» positiv. Mit Eintrübungen
Die «Weisung» zum Geschäft Nr. 4 versucht jedenfalls das Gesamtbild zu retten:
«Die 750-Jahr-Feier der Gemeinde Weiach fand vom 9. bis 11. September 2022 statt. Das Organisationskomitee (OK) zieht insgesamt ein positives Fazit. Insbesondere das Musical fand grossen Anklang in der Bevölkerung. Auch von den Sponsoren sowie den Veranstaltern der STIHL Timbersports gingen sehr gute Rückmeldungen ein.»
Zwischen den Zeilen kann man herauslesen, dass Timbersport für viele Weiacherinnen und Weiacher nicht ein Bestandteil ihrer Vorstellungen von einem gelungenen Dorffest war und ist. Gerade die schon seit Jahrzehnten mit der Gemeinde verbundenen älteren Semester erinnern sich eben noch an die – in ausgeräumten Ökonomieteilen und auf den Strassen des Oberdorfs gefeierten – legendären Feste, bspw. die von 1987 oder 2012.
Wie das OK die Abweichungen begründet
Dann allerdings folgt der Klartext doch noch:
«Das Budget konnte weder auf der Aufwand- noch auf der Ertragsseite eingehalten werden. Die Hauptgründe sind:
• Geringere Besucherzahlen infolge schlechten Wetters (insbesondere am Freitag)
• Parallel stattfindende regionale Veranstaltungen
• Ungenügende Budgeteinhaltung
• Fehlende operative Anpassungen während des Anlasses
• Unbewährtes Gutscheinsystem
• Erträge überwiegend aus Getränkeverkauf
Wesentliche Kostenabweichungen ergaben sich insbesondere bei:
• Vereinshelfern
• Stromversorgung»
Die Rechnungsprüfungskommission der Gemeinde Weiach zerpflückt oben Zitiertes (aus dem GRB 55/2026) in ihrem anderthalbseitigen (!) Kommentar [Zwischentitel: WeiachBlog]:
«[...] Die im Gemeinderatsbeschluss aufgeführten Gründe für die Abweichungen, insbesondere schlechtes Wetter, geringere Besucherzahlen, parallel stattfindende Veranstaltungen, Budgetdisziplin, operative Anpassungen, Gutscheinsystem sowie tiefere Gastro- und Getrankeertrage, sind als allgemeine Erklärung nachvollziehbar. Kritisch zu hinterfragen ist jedoch, weshalb anschliessend ausgerechnet die Vereinshelfer und die Stromversorgung als wesentliche Kostenabweichungen hervorgehoben werden.
Gerade bei den Vereinshelfern erscheint diese Gewichtung unverhältnismässig. Die Entschädigung von rund CHF 15.00 pro Stunde stellte im Gesamtkontext des Anlasses keine zentrale Kostengrösse dar, war für die beteiligten Dorfvereine jedoch eine wichtige und berechtigte Einnahmequelle. Wenn Vereine für einen Gemeindeanlass Personal zusagen und bereitstellen, ist es nur bedingt sachgerecht, diese kurzfristig nach Hause zu schicken, weil sich Besucherzahlen oder Wetter anders entwickeln als erhofft.»
Vereine und ihre Mitglieder sollen nicht für Planungsfehler gradestehen
«Die Verantwortung für die Dimensionierung des Gesamtanlasses, die Kostenstruktur und die finanziellen Risiken lag bei der Gesamtplanung und den dafür zuständigen Entscheidungsträgern. Die RPK hält deshalb fest, dass die finanzielle Hauptlehre aus der 750-Jahr-Feier nicht darin bestehen kann, künftig Vereinshelfer früher nach Hause zu schicken. Die Hauptlehre liegt vielmehr darin, dass Gemeindeanlässe realistisch dimensioniert, transparent budgetiert und mit wirksamem Kostencontrolling geführt werden müssen. [Hervorhebung: WeiachBlog] Die Vereinshelfer mögen zahlreich gewesen sein; sie waren aber kaum der Grund, weshalb aus einer Jubiläumsfeier eine Rechnung in der Grössenordnung von fast einer Viertelmillion Franken für die Gemeinde wurde.
Für künftige Anlässe empfiehlt die RPK, finanzielle Risiken frühzeitig auszuweisen und Programmpunkte mit hohen Fixkosten besonders kritisch zu prüfen. Ziel muss sein, Anlässe zu ermöglichen, die für die Bevölkerung attraktiv, für die Vereine fair und für die Steuerzahlenden finanziell vertretbar sind.»
Begründung der Kostenabweichungen nicht stichhaltig!
«Die Rechnungsprüfungskommission empfiehlt der Gemeindeversammlung einstimmig, die Kreditabrechnung zu genehmigen, verbindet dies jedoch mit dem Hinweis, dass die Begründung der Kostenabweichungen nicht stichhaltig erscheinen und bei künftigen Anlässen eine deutlich zurückhaltendere und stärker kostendeckende Planung angezeigt ist.
Weiach, 14. Mai 2026
Der Präsident: [sig.] Peter Lamprecht
Der Aktuar: [sig.] Robin Kohli»
Weshalb hat die Abrechnung des 750-Jahr-Kreditpakets so lange gedauert?
Diese Frage hat der Gemeindeschreiber Th. Diethelm am 4. Juni gegenüber der Redaktion WeiachBlog wie folgt beantwortet:
«Die Kreditabrechnung wird im Rahmen des Legislaturabschlusses vorgelegt. Da das Vorhaben nach Abschluss der letzten Buchungen im Jahr 2024 keine offenen finanziellen Risiken mehr aufwies, wurden in den vergangenen Jahren aufgrund beschränkter personeller Ressourcen und der Priorisierung dringenderer GV-Geschäfte andere Aufgaben vorgezogen.» (Anm. WeiachBlog: GV = Gemeindeversammlung)
Was bringt es, die Angelegenheit bis zum letztmöglichen Termin zu verzögern? Will man den Kritikern eine besonders stabile Plattform bieten? Denjenigen, die moniert haben, das sei gar kein richtiges Dorffest gewesen (ausser vielleicht der Musical-Teil)? Oder denen, die den nördlich der Hauptstrasse stattfindenden, von Aspen- und Motomix-Düften begleiteten Anlass für Motorsägen-Aficionados gerne als «Stefan-Arnold-Festspiele» bezeichnen?
Der Vorhang fällt. Und viele Fragen bleiben.










