Donnerstag, 30. November 2006

Altersheim Weiach?

Weiach werde zusehends überaltern, es fehlten die Kinder. Das liest man dieser Tage in den Zeitungsspalten der Tages-Anzeiger-Regionalausgabe Unterland.

Was machen eigentlich die ganz Alten? Nicht alle können noch mit über 90 Jahren einen eigenen Haushalt führen.

Ein eigentliches Altersheim gibt es bei uns nicht. Dafür ist die Gemeinde zu klein. Das Weiacher Altersheim steht deshalb in Niederglatt:

«Im neuen Dorfzentrum Eichi wurden 1979/80 eine Kirche, ein Oberstufenschulhaus und ein grösserer Mehrzwecksaal fertig gestellt. In den Jahren 89/90 ist das Zentrum mit dem Gemeindehaus und dem Altersheim mit 40 Betten ergänzt worden. Am Altersheim sind auch die Gemeinden Höri, Neerach, Stadel und Weiach beteiligt.» (Quelle: Website der Gemeinde Niederglatt)

«Das Altersheim Eichi liegt an ruhiger, zentraler Lage in Niederglatt. Zusammen mit der Kirche, dem Gemeindehaus, dem Oberstufenschulhaus und der Bibliothek bildet es das Zentrum Eichi. Zum Zentrum gehören viel Freiraum mit Grünflächen, Garten und der romantische "Eichi-See". Reizvolle, verkehrsfreie Wege und naturnahe Spazierwege entlang der Glatt bieten sich in nächster Umgebung als Erholungsgebiet an. Post, Bank und verschiedenste Einkaufsgeschäfte sind zu Fuss bequem erreichbar. Es bestehen Busverbindungen nach Bülach-Dielsdorf und nach Stadel-Oberglatt-Flughafen. Die Bushaltestelle "Altes Schulhaus" liegt in unmittelbarer Nähe des Heims. Die S-Bahn Station ist zu Fuss in 8 bis 10 Minuten erreichbar.» (Quelle: Website des Altersheim Eichi)

Mit anderen Worten: das Altersheim ist von Weiach aus selbst mit öffentlichen Verkehrsmitteln in vernünftiger Zeit zu erreichen. Und mit nur einmal Umsteigen. Das erleichtert Besuche auch wenn man im fortgeschrittenen Alter nicht mehr selber ans Steuer sitzen darf. Ein klares Plus für einen aus Weiacher Sicht gut ausgewählten Standort.

Mittwoch, 29. November 2006

Kaiserstuhler Katholiken mit Weiacher Verstärkung

Seit dem Kirchenschisma der Reformation ab 1519 und der Rückkehr der Kaiserstuhler zum katholischen Glauben nach 1534 ist der konfessionelle Graben unübersehbar.

Dennoch sind die Verbindungen nach Kaiserstuhl enger als die zur römisch-katholischen Kirchgemeinde Glattfelden-Eglisau zu der das Weiacher Territorium gehört.

Das kann man mindestens daraus schliessen, dass die Kaiserstuhler Kirchenpflege sogar Weiacher Verstärkung hat, wie man in der Aargauer Zeitung von heute lesen konnte:

«Bei den Gesamterneuerungswahlen in der Katholischen Kirchgemeinde Kaiserstuhl-Fisibach haben 35 Stimmberechtigte (18 Prozent) teilgenommen. Als Gemeindeleiter bestätigt wurde Walter Blum, Nussbaumen (35 Stimmen). Als Mitglieder der Kirchenpflege gewählt wurden: Zdena Kudrna, Fisibach (35), Felix Vögele, Fisibach (33), Christa Surenmann, Weiach (31). Als Präsident der Kirchenpflege bestätgt haben die Stimmberechtigten Felix Vögele (33). Als Mitglied der Synode gewählt wurde Hanspeter Bräm, Fisibach (32).»

Quelle
  • Kaiserstuhl-Fisibach. Wahlen in der Kirchgemeinde. In: Aargauer Zeitung, 29. November 2006.

Dienstag, 28. November 2006

Zollgarbenstreit beigelegt

Heute vor 215 Jahren, am 28. No­vember 1791, trafen sich Vertreter der Gemeinde Weiach, des fürstbischöflich-konstanzischen Obervogts zu Röteln und des Rates der Stadt Zürich «mit und neben den Herren Obervögten des Neu-Amts» im Städtchen Eglisau zu einer Konferenz.

Da­bei kam ein Ver­gleich zustande, der schon 1789 vom konstanzischen Ober­vogt Freiherr von Landsee vorgeschlagen worden war.

Es hiess da: «Wer einen Zug [4 Stiere] hat, muss dem Zoller zu Kaiserstuhl jährlich eine Zollgarbe oder Korngarbe geben [...], wer einen halben Zug [also 2 Stiere oder Kühe] hat, muss eine halbe Garbe abliefern [...], wer keinen Zug hat, der muss nur jedes dritte Jahr eine Korngarbe (und nit mehr) geben.»

Der Streit war deshalb entbrannt, weil der Vogt von Rötelen «immer zuviel» abforderte, in­dem er Bauernhöfe, die inzwi­schen durch Erbschaft oder andere Ursachen (Aufteilung und Landverkauf) kleiner geworden waren, noch «als ganze oder halbe Züge qualifizierte». (Quelle: Staatsarchiv Zürich, Neuamt A 135/4.)

Bei diesem Zollgarbenstreit um die Bemessungsgrundlagen handelte es sich letztlich um die Frage, wer wie viel an die Besoldung des Brückenzoll-Beamten bezahlen müsse.

Die Frage des Unterhalts der Brücke selber gab übrigens auch zu Streitigkeiten Anlass. Aber das ist eine andere Geschichte.

Literatur

Zitate nach Walter Zollinger: «Weiach. 1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach». Dielsdorf 1972. -- Die 2. Auflage (von 1984) ist als pdf-Datei verfügbar unter: http://weiachergeschichten.ch

Montag, 27. November 2006

Gutgläubigkeit ausgenutzt

Das grösste Boulevard-Medium der Schweiz, der «Blick» aus dem Hause Ringier führt eine «Wut-Ecke» für Leserreaktionen der besonderen Art.

Letzten Samstag wurde Esther Werthmüller, Weiach ZH mit folgenden Sätzen zitiert:

«Kürzlich klopfte es an unser Stubenfenster. Ein ca. 30-jähriger, netter Mann erzählte aufgeregt, ihm sei die Tasche mit allen Wertsachen gestohlen worden. Ob wir ihm 150 Franken auslehnen würden. Er bringe das Geld am nächsten Tag samt einer Flasche Wein zurück. Gutgläubig gaben wir ihm das Geld, warten aber immer noch aufs Retourbringen. Inzwischen haben wir erfahren, dass er es noch an anderen Orten versuchte. Wir werden niemandem Fremden mehr glauben. Unser Vertrauen in die Menschen hat den Nullpunkt erreicht!»

Fazit: Gesundes Misstrauen ist immer angebracht. Auch auf dem Land, das immer mehr zur Stadt wird.

Wer auf diese Weise angeschnorrt wird, der/die sollte nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Um eine Telefonnummer bitten, wo die Person Hilfe erwarten kann. Selber dort anrufen. Wenn die Person dann flüchtet: Signalement notieren. Meldung an die Polizei.

Noch besser: Gleich die Polizei rufen und dies der Person auch ankündigen. Schliesslich sollte der (behauptete) Diebstahl ja gemeldet werden. Auf diese Weise kann am besten überprüft werden, ob jemand Dreck am Stecken hat.

Quelle

  • BlickLeser Wut Ecke. In: Blick, 25. November 2006, S. 13

Sonntag, 26. November 2006

Weiach stimmt mehrheitlich konservativ

Alles wie gehabt. Wenn man sich die Ergebnisse der heutigen Volksabstimmung ansieht, dann wird schnell klar: Weiach ist wie eh und je ein von SVP-Parolen stark beeinflusstes Gebiet. Man sieht aber auch klar den Einfluss der städtisch geprägten Neuzuzüger der letzten paar Jahre.

Bei einer Stimmbeteiligung von immerhin 47.9% zeigte sich der SVP-Effekt besonders stark bei der kantonalen Vorlage: Mit Hüttikon, Glattfelden, Bachs, Rafz und Wil ist Weiach (mit 51%) eine der wenigen Gemeinden im Zürcher Unterland, die sich für Annahme der Volksinitiative «Nur eine Fremdsprache an der Primarschule» entschieden hat. Von den grossen Parteien hat sich nur die SVP für ein Ja ausgesprochen. FDP, CVP und SP gaben Nein-Parolen aus.

Kohäsionsmilliarde wuchtig abgelehnt

Auch bei den Eidgenössischen Volksabstimmungen sind deutliche nationalkonservative Tendenzen zu erkennen:

Keine Überraschung bei der Kohäsionsmilliarde (offiziell: «Bundesgesetz vom 24. März 2006 über die Zusammenarbeit mit den Staaten Osteuropas»). Sie wurde wuchtig abgelehnt. Nur 34.5% waren dafür. Platz 3 hinter Hofstetten und Hüttikon.

Das Familienzulagengesetz (offiziell: «Bundesgesetz vom 24. März 2006 über die Familienzulagen») hingegen wurde angenommen. Weiach liegt mit 54% Ja-Stimmen sogar noch vor Herrliberg (52.8%). Hüttikon lehnte als einzige Gemeinde ab.

Quelle

Samstag, 25. November 2006

«Slach inn huffen» oder: Familiengeschichte zum Anfassen

Nicht nur Ortshistoriker befassen sich mit der Geschichte unserer Gemeinde. Das tun auch die Genealogen (oder zu deutsch: Familienforscher). Sie spüren den oft verzwickten Verwandtschaftsverhältnissen von Menschen nach, die Jahrzehnte bis Jahrhunderte vor unserer Zeit lebten. Und können dabei ganz schön hartnäckig sein. Müssen sie auch, denn das Entziffern der Handschriften in manchem Kirchenbuch ist kein Zuckerschlecken.

Seit einigen Monaten gibt es für den mitteleuropäischen Raum eine neue Diskussionsplattform: das Geneal-Forum. Selber bezeichnet sie sich als

«Diskussionsforum in deutscher und französischer Sprache für alle Ahnenforscher in Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, der Schweiz, Österreich und Liechtenstein.»

Als solches ist es auch für Weiach schon erstaunlich ergiebig. Über die Suchfunktion kann man nach beliebigem Text suchen. Sucht man nach «Weiach», so erscheint derzeit eine Liste mit 13 verschiedenen Threads, wie die Themen genannt werden. Einige alteingesessene Weiacher Geschlechter wie die Baumgartner, Meier oder Bersinger werden bereits in einem oder mehreren eigenen Threads diskutiert.

Besonders aktiv ist der im Waadtland wohnhafte Eddie. Eduard G. Meier, wie er mit vollem Namen heisst, erforscht die Geschichte seiner eigenen Vorfahren mit Akribie und hat dem Weiacher Ortshistoriker schon etliche Aha-Erlebnisse beschert.

Und was ist mit diesem brutalen Schlägertypen? Dem «Slach inn huffen»? Nun, das wäre heute wohl ein «Schlagenhauf». Zur Quelle und der Diskussion geht es mit diesem Link. Besuchen Sie das Geneal-Forum. Es lohnt sich.

Freitag, 24. November 2006

Bei der Schulhauseinweihung den Eltern ins Gewissen geredet

Heute feiert das zweitälteste öffentliche Gebäude in Weiach seinen 170. Geburtstag. Es steht im Dorfkern zwischen Oberdorf und Chälen. Die Rede ist vom «Alten Schulhaus».

Diesen Namen trägt es seit der 1976 erfolgten Eröffnung der Mehrzweckanlage Hofwies (mit neuem Schulhaus), welche für das u.a. als Standort der Gemeindebibliothek genutzte Bauwerk den Namenszusatz «Altes» nötig machte.



Grosser Opferwillen der Weycher

Die Einweihung fand am 24. November 1836 unter grosser Beteiligung von Erwachsenen und Schülern statt. Angesichts der hohen Baukosten von 8750 Gulden verwundert das nicht. Der Beitrag des Staates belief sich auf ganze 750 Gulden, nicht einmal 10%. Den Rest mussten die Weyacher aus eigener Kraft aufbringen.

Der damalige Schulpräsident und Pfarrer Johann Heinrich Burkhard pries daher in einer äusserst lang geratenen Weiherede den Mut und Eifer der Behörden genauso wie den grossen Opferwillen der Dorfbewohner:

«Wenn alle Bürger dieser lieben Gemeinde den besten Dank verdienen für die vielfachen Aufopferungen an Zeit und Kraft, die sie sich bey diesem Bau gefallen liessen, wenn auch die verschiedenen Handwerker durch geschickte, schöne und dauerhafte Arbeit […] unsere beste Anerkennung erworben haben […], so sbreche ich es doch bey diesem Anlass öffentlich aus, dass alle Bürger und ich […] dem unermüdet thätigen Herrn Präsidenten der verehrlichen Bau-Commission und jeden Mitgliedern derselben […] innigsten Dank schuldig sind […], Lohn an irdischer Ehre oder Gut habet ihr dafür nie gefordert; aber der höhere Lohn eines guten Bewusstseyns wird euch in reichem Masse dafür zu Theil werden.»

Diese derart über den grünen Klee gerühmte Baukommission bestand aus: Jakob Baumgartner, Gemeindeammann, und Rudolf Meyerhofer, von der Schulpflege abgeordnet; Hans Ulrich Schenkel, Gemeindepräsident, und Hans Heinrich Willy, vom Gemeinderat bestimmt; Rudolf Meyerhofer, Gemeinderat, Johann Meyer, Weibel, und Johann Baumgartner, Bezirksrichter, von der Bürgerschaft gewählt. (Quelle nach W. Zollinger: Gemeindearchiv Weiach, Band IV, B IIa.)

Wider die Geringschätzung der Schule

Der Opferwille der Weyacher ist erstaunlich, vor allem wenn man bedenkt, dass sich manche von ihnen nur zweieinhalb Jahre zuvor aktiv am berühmt-berüchtigten Stadlerhandel beteiligt haben sollen.

Damals drang eine aufgebrachte Menge ins Schulhaus von Stadel ein und warf die neu eingeführten Lehrmittel unter Protest auf die Strasse. Dass der Katechismus plötzlich nicht mehr als Schulbuch gelten und altgediente Schulmeister als unfähig bezeichnet und von ihren Posten entfernt wurden, konnte man nur schwer begreifen.

Pfarrer Burkhard redete deshalb in seiner Ansprache den Eltern ins Gewissen. Er machte ihnen klar, dass die wirkliche Arbeit jetzt erst beginne. Mit dem Aufstellen eines Hauses sei es nicht getan. Wahre christliche Eltern müssten

«der Geringschätzung und Verachtung gegen die Schule und gegen das, was darin gelehrt wird, entsagen, und die Übungen, die mit ihren Kindern da vorgenohmen werden, die Kenntnisse die ihnen da beygebracht werden, achten und schätzen lernen, wenn ihnen auch der Nuzen davon nicht allemal sogleich in die Augen leuchtet.»

Deutlicher kann man es kaum ausdrücken. Sprachlich etwas modernisiert würden solche Ermahnungen auch manchen Eltern der heutigen Zeit nicht im Geringsten schaden. Immer vorausgesetzt, dass sie aus dazu berufenem Munde kommen.

Für obiges Zitat trifft das zu: Als Präsident der Bezirksschulpflege hatte Pfr. Burkhard den Stadlerhandel von 1834 natürlich hautnah miterlebt, weshalb sich seine Worte direkt auf die jüngste Vergangenheit bezogen - ohne diese auch nur mit einer Silbe zu erwähnen.

Nachtrag vom 10. Juni 2016

Zur Bedeutung des Stadlerhandel vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 114 vom Mai 2009.

Literatur
  • Brandenberger, U.: Weiach – Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes. Dritte, überarbeitete Auflage von Walter Zollingers «Weiach. 1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach». Oktober 2003 – S. 37-38. Ein pdf-File der 4. Auflage ist verfügbar auf weiachergeschichten.ch.

Donnerstag, 23. November 2006

Weiacher Kirchennachrichten - Zeitung in der Zeitung

Der Herbst ist voller Überraschungen. Von der für die Jahreszeit zu warmen Witterung einmal abgesehen.

Denn auch die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde macht von sich reden. Genauer gesagt: deren Pfarrverweser Christian Weber und die von ihm vorangetriebenen Projekte.

Zuerst die Website dann das eigene Nachrichtenmagazin

Mitte Oktober entdeckte WeiachBlog eine vielversprechende, offiziell noch nicht freigeschaltete Website (und konnte es nicht lassen, diesen Fund der Welt zu präsentieren; vgl. den Artikel Premiere: Web(er)-Auftritt der Kirche Weiach).

Äxgüsi, Herr Pfarrer! Er nahm dem "Weiachblogger" das Vorpreschen aber offenbar nicht allzu übel, wie man einige Tage später lesen konnte (vgl. Abschnitt "Wir sind entdeckt!" unten).

Anfang November fand die geneigte Leserin nämlich beim Durchblättern der Mitteilungen für die Gemeinde Weiach eine ganz neue Dachrubrik: Die Weiacher Kirchennachrichten, eine zehnseitige Zeitung in der Zeitung, die folgende Themen führte:

  • 300 Jahre Kirche Weiach: Die Jubiläumsfeier (von Christina Witz), S. 1
  • Die Jubiläumspredigt (von Pfr. Christian Weber), S. 5
  • Wir sind entdeckt! (von Pfr. Christian Weber), S. 8
  • Kalender November 2006, S. 10

Den Kalender kann man auch auf der Kirchen-Website einsehen. Den Volltext der übrigen Artikel samt farbigen Bildern findet man hier (auf der Website der politischen Gemeinde).

WeiachBlog bringt deshalb nur einige ausgewählte Abschnitte.

Zuerst zur frühzeitigen Aufdeckung der neuen Kirchenwebsite, die der Pfarrer mit Fassung trug und mit Schalk wie folgt kommentierte:

Wir sind entdeckt!

«Unsere Tarnung ist aufgeflogen, nun weiss es die ganze Welt: Die Reformierte Kirchgemeinde Weiach hat eine Internetseite. Unsere Arbeit im Internet hat Spuren hinterlassen, auf die der Weiachblogger* Ulrich Brandenberger gestossen ist, obwohl unsere neue Website auf www.kirche-weiach.ch bis zu ihrer Fertigstellung noch hätte versteckt bleiben sollten. Aber Brandenberger hat recht, vieles ist bereits jetzt schon nützlich und soll deshalb niemandem mehr vorenthalten bleiben.»

Dazu ein Screenshot des Artikels vom 15. Oktober und als Ergänzung ein Kasten mit der Erklärung: Was ist ein Blogger? Ja, das wissen immer noch viele nicht. Auch wenn das die Blogosphäre-Insider nicht ganz verstehen können. Man kann auch ohne ganz gut leben. Ehrlich. ;)

Zu den hinterlassenen Spuren nur so viel: Sitemeter erfasst u.a. auch eine Referring URL. In diesem Fall die Link-Seite der neuen Website. Ein Klick und schon war ich mittendrin.

Einige Seiten weiter vorne steht ein ausführlicher Bericht mit vielen Fotos samt Bildlegenden über die Jubiläumsfeier vom 1. Oktober. Hier der Abschnitt über den historischen Wortbeitrag:

Schiessscharten und Schussloch

«Nach dem Essen gab es einen aufschlussreichen Vortrag vom Ortshistoriker Ulrich Brandenberger zur Geschichte der Kirche Weiach. Zu erfahren war zum Beispiel, dass die frühere Kirche an einem anderen Platz stand. Einige ältere Bewohner Weiachs erinnerten sich noch, dass früher Kinder im Oberdorf mit Totenschädeln gespielt hätten. "Dass sich niemand darüber aufgeregt hat", erläuterte Brandenberger, "zeigt, dass damals den Leuten der Standplatz des alten Friedhofes noch gegenwärtig war."»

Zum Standort dieses alten Friedhofs und den erwähnten Schädelfunden hat WeiachBlog am 2. Oktober den Artikel Güllenloch gegraben und Skelette gefunden veröffentlicht.

«Auch interessante und rätselhafte Details über die Kirchturmkugel, die "Flaschenpost aus der Vergangenheit", gab es zu hören. Der Inhalt der Kirchturmkugel wurde bei der letzten grossen Renovation 1967 geborgen und dem – extra für den Festtag geöffneten und rege besuchten – weiacher Ortsmuseum anvertraut. Leider sind einige Dokumente durch Rost teilweise unkenntlich geworden. Denn die Kirchturmkugel, so führte Brandenberger aus, wies ein Einschussloch auf. Während sich die jüngeren Zuhörer noch wunderten, wie um Himmelswillen das goldene Wahrzeichen einen Schuss abbekommen hatte, und ob dies etwa gar etwas mit der Schiessscharte unter der Kanzel zu tun hatte, schienen die älteren Zuhörer kein bisschen erstaunt.»

Für nicht schon seit Jahren Ortsansässige (die Verfasserin ist die Lebenspartnerin des Pfarrverwesers) war die geballte Ladung an Daten und Fakten wohl doch des Guten etwas zu viel. Interessant ist allemal was davon hängengeblieben ist: das Gruselige *schmunzel*.

Das Schussloch in der Kugel ist - wie man im Dorf erzählt bekommt - nicht etwa kriegerischen Ereignissen geschuldet (was beim amerikanischen Luftangriff auf einen Güterzug am 9. September 1944 durchaus hätte passieren können). Nein, das war eher die Folge eines Lausbubenstreichs anfangs der 60er Jahre. An dieser Tat soll - horribile dictu - auch der Sohn des damaligen Pfarrers beteiligt gewesen sein.

Wie auch immer: die Rostflecken auf den ältesten Urkunden dürften wesentlich älteren Datums sein.

Quellen und weitere Artikel

Mittwoch, 22. November 2006

Cablecom spart auf unsere Kosten

«Schlechte Qualität und überrissene Tarife!». Das würde man wohl von manchem Weiacher hören, spräche man ihn auf seine Meinung zum Kabel-Anbieter Cablecom an. Viele machen seit Jahren die Faust im Sack.

Die Wut der Kunden

Und damit wären sie in guter Gesellschaft. Gemessen an der Anzahl Beiträge im Internetforum der Sendung Kassensturz des Schweizer Fernsehens ist der Unmut landauf, landab nämlich beträchtlich:

«Was halten sie davon, dass Cablecom immer mehr Sender aus dem Grundangebot ins teurere, digitale Programm kippt?», fragte der Kassensturz nach einer Sendung zum Thema «Cablecom: TV-Angebot immer teurer» im Oktober.

Das Resultat: eine Sturzflut an Kommentaren. 891 Einträge zählt das Forum zu diesem Thema, allesamt verfasst zwischen dem 11. und 17. Oktober. Zum Vergleich: bei einem Thema wie «die Pille» sahen sich nicht einmal zwei Dutzend Personen veranlasst, einen Kommentar zu schreiben.

Modernisierung lohnt sich nicht - abkassiert wird trotzdem

Es gibt zwar nur einen einzigen Beitrag von einem Weiacher. Was Matthias Hauser am 12.10.2006 schrieb, hat es aber dennoch in sich (Originaltext ab Website sf.tv):

«In Weiach ist noch eine ganz andere Unverschämtheit gegenüber den Cablecom-Kunden. Wir haben nur das alte analoge Programm zur Verfügung mit sehr mieser Bildqualität und weniger Sendern als in grösseren Ortschaften. Trotz Reklamation über die Gemeinderäte will Cablecom das Netz bei uns nicht modernisieren, weil es sich für 1000 Einwohner nicht lohnt. Wir haben kein Didit-TV, kein High_speed-Internet etc. im Angebot, verlieren aber immer mehr Sender im Angebot, weil sie aus dem Analogen Netz genommen werden . Wir können kein Digit empfangen über cablecom! Wir erhalten auch kein MTV und TSI 2 und TSR 2 kommen nur voller Schnee und etliche Sender in mieser Bildqualität. Die Bildqualität innerhalb des Dorfes variiert zudem von Liegenschaft zu Liegenschaft.Alle bezahlen aber gleichviel und Cablecom hat noch die Frechheit bei Neubauten werbung zu machen und einen nur auf 2 Jahre per jeweils Ende Jahr kündbaren Vertrag auszustellen. Die Jahregebühr ist im voraus für ein Jahr zu zahlen und dann ist der Abonnent ausgeliefert! Ich wollte die schon früher dem Kassensturz mitteilen, doch Frau Weiss von Otelfingen meinte damals frech, es sei so bewilligt vom Konsumentenschutz!! Vielleicht nehmen Sie diese Problematik mal auf mit der Cablecom. Übrigens können pro Satellitenantennen-Schüssel (85cm) zahlreiche Wohnungen (also auch 20 Wohnungen einer Liegenschaft) angeschlossen werden. Die Schüssel sind fix installiert und nicht mehr zu schwenken früher. Also braucht nicht jeder Balkon eine.»

Anmerkung: Die Firma Cablecom ist in Otelfingen domiziliert.

Altbekanntes Problem

Neu sind solche Klagen nicht. Das kann man sogar im Internet sehen. Beispielsweise in einem Eintrag in der Netzwoche vom 5.12.2003 (Originaltext): «Die Cabelcom Angebote wären eigentlich schon sehr attraktiv, nur leider immer noch nicht überall vorhanden. So zum Beispiel in Weiach.»

Und darüber, dass die Netz-Monopolisten durch Investitionsunlust auffallen hat sich auch WeiachBlog schon geäussert:

«Leider gibt es [...] zwei Querschläger, die auch sonst nicht gerade durch übermässige Investitionen auf Gemeindegebiet auffallen: Leitungen für Kabelfernsehen und Telefon wurden nicht ins neue GIS eingespiesen. Die Cablecom wollte dafür kein Geld ausgeben und die Swisscom hat ihr eigenes System und gab die Daten nicht heraus.»

Digitalangebot erst am St. Nimmerleinstag?

Hauser ist mit seiner Kritik nicht allein. Ähnliches hört man auf Nachfrage auch von anderen Einwohnern. Sogar beim Sender SF1 schneie es, heisst es im Oberdorf. Und die Qualität des Radioangebots sei auf dem Niveau eines Mittelwellensenders, sagt ein Klassikfan.

Wieso dauert es mit dem Digitalangebot denn so lange? Auch das kann man Hausers Beitrag entnehmen. Einige hundert Anschlüsse in Stadel, Windlach, Weiach, Kaiserstuhl und Hohentengen sind den Konzernoberen der Cablecom offensichtlich zuwenig lukrativ.

Antragswelle für Satellitenschüsseln zu erwarten

Also lässt man die Kunden warten. Spannend wird es nach 2010, wenn alle Analogangebote abgeschaltet werden und unser Netz immer noch nicht auf Digitalbetrieb umgestellt ist. Das dürfte die Cablecom mit einem Exodus von sich verschaukelt vorkommenden Kunden bezahlen.

Bis dahin werden wohl viele Weiacher bei der Gemeinde eine Satellitenschüssel beantragen und diese auch bewilligt bekommen - je mehr Sender aus dem Analogangebot gekippt werden, desto eher.

Denn auch wenn die Bau- und Zonenordnung der Gemeinde Weiach solche Aussenantennen aus Gründen des Ortsbildschutzes zu verhindern sucht: das Prinzip der Informationsfreiheit steht im Zweifelsfall immer höher und wird von den Gerichten regelmässig geschützt.

Dienstag, 21. November 2006

Novemberwetter 1956

Der Herbst 2006 ist ungewöhnlich warm und Stürme gibt es eigentlich fast gar keine. Das wunderschön gefärbte Laub hängt deshalb auch noch allenthalben an den Bäumen. Die einzige Parallele zum Wetter vor 50 Jahren ist der Nebel:

«Die ersten drei Wochen des November reihen sich in ziemlich analoger Art dem Vormonat an: neblige Morgen, Hochnebel, nur einige wenige Male Sonnenschein; Tagestemperaturen halten sich zwischen +3° und +7°. Vom 21. an aber wirds kälter, meist am Morgen etwas unter 0°. Am 23. z.B. zeigen die Ablesungen -3 1/2° am Morgen, -1° am Nachmittag. Auch traten bereits am 29. und 30.11. die ersten, wenn auch nur geringen Schneefälle ein.»

Nun, wir werden sehen ob es von heute an kälter wird. So wie damals vor 50 Jahren. Für Schnee bis in die Niederungen wird man aber wohl noch etwas länger Geduld haben müssen.

Bereits im WeiachBlog erschienene Wetterartikel

Weiacher Wetter im Jahre 1955 (28. Dezember 2005)
Januarwetter 1956 (14. Januar 2006)
Februarwetter 1956 (12. Februar 2006)
Märzwetter 1956 (6. März 2006)
Aprilwetter 1956 (13. April 2006)
Maiwetter 1956 (9. Mai 2006)
Juniwetter 1956 (12. Juni 2006)
Juliwetter 1956 (13. Juli 2006)
Augustwetter 1956 (22. August 2006)
Septemberwetter 1956 (20. September 2006)
Oktoberwetter 1956 (21. Oktober 2006)

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1956 – S. 5 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1956)

Montag, 20. November 2006

Ein roter Stern im Wappen?

Vor einigen Tagen war bereits von der Arbeit der Zürcher Gemeindewappen-Kommission die Rede (vgl. WeiachBlog vom 13. November).

Hätten Sie gedacht, dass sich die Kommission das Weiacher Gemeindewappen durchaus auch in den Farben «rot/silber» statt «blau/silber» hätte vorstellen können? Mit einem achtzackigen Stern, nicht mit einem fünfzackigen wie in der Sowjetwelt, aber immerhin. Auch die Farbe Rot wäre aus heraldischer Sicht begründbar gewesen.

Farben des Niedergerichtsherrn verwenden?

Am 31. März 1931 notierte Heinrich Hedinger, der Beaufragte der Kommission für den Bezirk Dielsdorf, folgende Zeilen auf ein Begleitkärtchen:

«Bei Weiach bin ich nicht mehr sicher ob Rot (Konstanzerfarbe) oder Blau bestimmt wurden. Sollte Rot sein, so müsste im Text der Hinweis auf Konstanz noch beigefügt werden (1295 erwarb Domstift Konstanz niedere Gerichtsbarkeit v. Wyach, auch Kirchensatz)». Die Angabe zum Kirchensatz ist gestrichen und die Änderung mit dem Vermerk «vergl. Nüscheler II 15 und Wirz, Etat» versehen.


Dieses im Archivdossier enthaltene, handschriftliche Begleitschreiben an ein Kommissionsmitglied (oder den beauftragten Grafiker?) ist eine der Trouvaillen aus den Nachforschungen zur Geschichte unseres Gemeindewappens. Denn es gibt einen deutlichen Hinweis auf Diskussionen in der Kommission.

Man hat also ernsthaft in Erwägung gezogen, statt der Farben der Hohen Obrigkeit diejenigen des Niedergerichtsherrn zu verwenden! Der Zeichner erstellte denn auch eine Version des heute vertrauten Wappenschildes in Rot-Weiss, statt Blau-Weiss:

In diesem kleinen Intermezzo sind die beiden jahrhundertelangen Konkurrenten um die Macht in Weyach sozusagen symbolisch ein letztes Mal gegeneinander angetreten: der Stadtstaat Zürich als Inhaber der Hohen Gerichtsbarkeit (seit 1424) und das Fürstbistum Konstanz als Inhaber der Niederen Gerichtsbarkeit (seit 1295).

Noch im Jahre 1925 lagen die zürcherische Herrschaft (1424-2006) und die konstanzische (1295-1798) punkto Dauerhaftigkeit gleichauf. Mittlerweile ist die Wahl der Farben Blau und Silber die einzig logische - auch wenn es nur nach Jahren der Herrschaftsausübung geht.

Nimmt man allerdings die realpolitischen Verhältnisse zum Massstab, so war das mächtige Zürich gegenüber dem etwas schwächlichen Fürstbistum spätestens seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts klar im Vorteil - und setzte folglich auch seinen Machtanspruch in Weiach klar durch. Ein Umstand, den das heute geltende Wappen mit der Übernahme der Farben Blau und Silber/Weiss widerspiegelt.

Quellen
  • Archivdossiers der Wappenkommission der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 1925-1936. Depot im Staatsarchiv des Kantons Zürich. Signaturen: N 1219.1 [Allgemeines]; N 1219.7 [Weiach et al.].
  • Nüscheler, A.: Die Gotteshäuser der Schweiz. Historisch-antiquarische Forschungen. Zweites Heft: Bisthum Constanz. Erste Abtheilung: Archidiakonate Breisgau, Klettgau, vor dem Schwarzwald und Thurgau. Zürich, 1867. [Bisthum Constanz in Heft 2-3, Zürich 1864–1873. Fortsetzung in: Der Geschichtsfreund 39–48 (1884–1893)].
  • Wirz, K.: Etat des Zürcher Ministeriums von der Reformation bis zur Gegenwart. Aus gedruckten und ungedruckten Quellen zusammengestellt und nach Kirchgemeinden geordnet. Zürich, 1890.

Sonntag, 19. November 2006

Weiacherstern auf altem Dachziegel?

In den Archiv-Beständen des Ortsmuseums Weiach ist Zollingers Ortsgeschichte-Ordner eine der ergiebigsten Quellen überhaupt.

[Hinweis vom 14.9.2017; Handschriften-Vergleich hat ergeben, dass die Abschriften im Ortsgeschichte-Ordner überwiegend nicht von Zollinger sondern von Pfister stammen dürften, vgl. auch Zollinger 1972, Vorwort des Verfassers].

Da findet man u.a. ein mit einer Handzeichnung versehenes Dokument, das zwar leider keinen Urhebervermerk trägt. Dafür aber nachstehende mit rotem Farbband maschinengetippte Erläuterung:

«Am 13.6.1941 fand Maurer Griesser auf dem Dach von Ernst Baumgartner, Friedensrichters, im Oberdorf den oben [hier: links abgebildet] gezeichneten Ziegel mit dem achtzipfligen Stern im Fünfeck. Unten links Handwerkerzeichen? Rings um das Fünfeck mit Spachtel eingegrabene Strahlen die sich schneiden.

Handelt es sich um den im Weiacherwappen vorkommenden Stern?

Sehr wahrscheinlich stammt der Ziegel aus der Ziegelei, die ehemals unter dem Gemeindehaus stand. (heute findet sich dort das Haus der Frau Nepfer-Demuth)

Zwei Tage vor diesem, fand ich auf Rafen unter demselben Dach zwei Hohlziegel mit der Jahrzahl 1688.
»

Dem Heimatkundeunterricht sei Dank

Wer ist dieser Ich-Erzähler? Es handelt sich ziemlich sicher um den früheren Weiacher Lehrer Adolf Pfister, der zwischen 1936 und 1942 ortsgeschichtliches Material zusammentrug. Das muss man jedenfalls aus dem bereits anderweitig auf WeiachBlog zitierten, im November 1941 in der Bezirksschule in Kaiserstuhl gehaltenen Vortrag von Ruth Bersinger schliessen (vgl. Beitrag vom 28. August).

Interessant ist die in oben abgebildeter Ritzzeichnung hervortretende Andeutung der Facettierung des Sterns, wie sie früher üblich war - so z.B. auf der ältesten Darstellung eines Weiacher Wappens von 1719 (Dekanatsbuch des Kapitels Regensberg) oder auch in der Wappentafel von Krauer, die um 1860 gedruckt wurde (vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 84 für Abbildungen).

Alt Ortsmuseumspräsident Hans Rutschmann vermutet, bei dem Geritzten handle es sich um blosses Feierabendgekritzel. Was den Stern anbelangt bin ich da anderer Meinung. Die Analogien zum achtzackigen Stern nach Krauers Wappentafel sind jedenfalls augenfällig. Lediglich die Teilung des Sterns durch den Zürcherschild ist nicht vorhanden. Die findet man aber auch auf der Gesangvereinsfahne von 1860 und den Glocken von 1843 nicht.

Standorte des Funddaches und der Ziegelei

Dieses ergiebige Dach von Ernst Baumgartner, Friedensrichters, gibt es heute noch. In renoviertem Zustand natürlich. Es handelt sich um das Haus Baumgartner-Brennwald an der Oberdorfstrasse 26, Vers.-Nr. 286, mit technischem Baujahr 1782. Die Hohlziegel waren also zur Bauzeit fast hundert Jahre älter und stammen möglicherweise von einem Vorgängerbau an gleicher Stelle. Das nennt man sparsamen Umgang mit Ressourcen.

Das kleine Haus der Frau Nepfer (s' Näpferhüsli) auf dem Platz zwischen dem Alten Gemeindehaus und der Abzweigung Luppenstrasse steht schon seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Dort hat die Gemeinde 1985 ein modernes Mehrfamilienhaus errichten lassen.

Quellen
  • Zollinger, W.: Ortsgeschichtlicher Ordner. Archiv des Ortsmuseums Weiach, noch ohne Signatur
  • Bersinger, R.: "Weiach!" 20Min-Vortrag in der Bezirksschule Kaiserstuhl. Handschrift, 10 Seiten. Zusammengestellt im November 1941. Xero-Kopie im Archiv des Ortsmuseums Weiach.
  • Brandenberger, U.: Dorfzeichen, Wappen und Logo. Wie unsere Gemeinde zu ihren Erkennungszeichen kam (Teil 1). Weiacher Geschichte(n) Nr. 84. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, November 2006 - S. 11-15.

Samstag, 18. November 2006

Elf Jahre Fernwärme dank Holzschnitzelheizung

Am 18. November 1995 konnten auf dem Gelände der Schulanlage Hofwies nach knapp einjähriger Bauzeit gleich drei neue Gemeinschaftswerke eingeweiht werden: der Gemeindesaal, die Holzschnitzel-Heizung und der Kinderspielplatz.

Schon vor dem Bau der Schulanlage (eingeweiht 1976) war über eine Holzheizung diskutiert worden. Als die Ölheizung schliesslich einer Sanierung bedurfte, befasste sich die 1991 konstituierte «Kommission Wärmeverbund» mit der Möglichkeit der Wärmenutzung der NAGRA-Bohrung.

Da die Bau- und Unterhaltskosten einer Leitung vom Bohrloch bis ins Dorfzentrum zu hoch gewesen wären und die Preise für Industrieholz seit 1982 in den Keller gestürzt waren, entschied man sich im September 1994 für den Bau einer Holzschnitzelheizung.

Nachschub direkt aus dem Gemeindewald

Die Befüllung des Bunkers unter dem unteren Schulhausplatz mit noch grünen und feuchten Schnitzeln erfolgt per Lastwagen direkt aus den gemeindeeigenen Wäldern. Kürzer könnten die Anfahrtswege kaum sein. Und die Kohlendioxid-Bilanz kaum besser.

Die Zentrale hat eine Nennleistung von 450 kW. Sie befindet sich im Untergeschoss des Turnhallentraktes und verfügt über eine Spitzenlastergänzung durch einen Ölbrenner. Das dazugehörende Fernwärmenetz wies im Erstausbau eine Länge von 850 Metern aus. Das gesamte Projekt kostete die Gemeinde 1.6 Mio Franken.

Damit hat das Fernwärmesystem der Gemeinde Weiach sozusagen die Nachfolge des früheren Bürgernutzens angetreten (vgl. WeiachBlog vom 5. Mai 2006: Brennholz nur für Einheimische).

Literatur
  • Brandenberger, U.: Weiach – Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes. Dritte, überarbeitete Auflage von Walter Zollingers «Weiach. 1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach». Oktober 2003 – S. 65. (Ein pdf-File der 4. Auflage ist verfügbar auf weiachergeschichten.ch.)

Freitag, 17. November 2006

Leben von der Substanz

Der Gemeinderat hat sich offensichtlich erneut dafür entschieden, den Steuerfuss konstant zu halten und noch ein weiteres Jahr von der Substanz zu leben. «Entnahme aus dem Eigenkapital» heisst das Zauberwort - oder etwas weniger vornehm ausgedrückt: Die Gemeindekasse wird schamlos geplündert.

Steuerfuss müsste eigentlich 22% höher liegen

Nachlesen kann man den Entscheid in den Gemeinde-Mitteilungen. Der Zürcher Unterländer nahm das Thema am 8. November auf:

«Der Gemeinderat Weiach hat den Voranschlag 2007 der Politischen Gemeinde verabschiedet. Wie er im jüngsten Verhandlungsbericht mitteilt, soll der Steuerfuss unverändert bei 18 Prozent liegen.

In der laufenden Rechnung wird mit einem Aufwand von 3,6 Mio. Franken (Vorjahr 3,3 Mio. Franken) und einem Ertrag von knapp 2,7 Mio Franken (2,5 Mio Franken) und somit mit einem Aufwandüberschuss von rund 900 000 Franken gerechnet. Dieser soll durch den Steuerertrag von 430 000 Franken und durch die Entnahme von einer halben Million Franken aus dem Eigenkapital gedeckt werden. Die Nettoinvestitionen werden mit rund 600 000 Franken angegeben (ZU).
»

Da ein Steuerprozent in Weiach gegenwärtig etwa 22'500 Franken entspricht, müsste der Steuerfuss der Politischen Gemeinde eigentlich mehr als das Doppelte betragen, nämlich 40%.

Hidden Agenda: Quartierpläne nicht gefährden

Warum will man weiterhin auf Kosten der Zukunft leben? Der Grund ist ganz einfach: Würde der Steuerfuss von 85 auf 107% steigen, dann wäre die gute Platzierung im vordersten Feld der Tiefsteuergemeinden im Kanton Zürich dahin.

Weiach würde zwar immer noch etliche Prozentpunkte unter dem Maximalsteuersatz von 123% liegen und etwa um die Plätze 50-55 herum klassiert werden. Bei einem Total von 171 Gemeinden wäre das gar nicht so schlecht.

Die Befürchtung der Gemeindeoberen ist offenbar eine ganz andere. Bei einer solchen Erhöhung würde die bauliche Entwicklung der Gemeinde in den vor wenigen Monaten vom Kanton bewilligten Gebieten der Quartierpläne See/Winkel und Bedmen einen empfindlichen Knick erfahren. Vor allem wenn man noch den Strassen- und den Fluglärm dieser Gebiete in Betracht zieht. Von der peripheren Lage zu den Beschäftigungszentren im Grossraum Zürich ganz zu schweigen.

Fazit: Wer in den erwähnten Quartierplangebieten Land besitzt oder sich Bau- und andere Aufträge erhofft, der ist noch so gerne bereit, eine unheilige Allianz mit dem Steuerzahler einzugehen und für tiefe Steuerfüsse zu plädieren. Und darauf zu hoffen, dass spätere Generationen die Zeche bezahlen werden - wenn die Rechnung nicht aufgehen sollte.

Prognose 2007: Weiach auf Rang 16

Gemäss der Neuen Zürcher Zeitung von gestern, 16. November 2006, liegt Weiach mit beantragten unveränderten 85% ex aequo mit Stäfa (Senkung um 5%) und Aesch (Erhöhung um 3%) auf dem 16. Platz - und dürfte damit auch 2007 noch unter den 10% günstigsten Steuerdomizilen landen.

Eine Spitzenplatzierung auf Zeit. Denn spätestens wenn die Weiacher Kies AG in einigen Jahren nach Ausbeutung der letzten Reserven ihren Betrieb einstellen muss, sieht es mit den Gemeindefinanzen noch wesentlich schlechter aus. Dann wird eine Anhebung des Steuerfusses wohl unumgänglich.

Aber bis dahin will man den finanziellen Realitäten anscheinend lieber nicht so direkt ins Auge sehen.

Quellen und weitere Artikel

Donnerstag, 16. November 2006

Verkaufsverträge am St. Otmarstag besiegelt

Am Tage des Heiligen Otmar im Jahre 1380, dem 16. November, beurkundeten «Rüdiger Maness, Ritter, Burgermeister», sowie «der Rath und die Zunftmeister der Stadt Zürich», dass Rudolf Mos, Bürger von Zürich, seinen Hof «ze Wyach gelegen […] ze köffen geben hat Johans Smit von Keiserstuel umb achtzig Gul­den an Gold». (Quelle: Urkundenregesten des Staatsarchivs des Kantons Zürich, 1987-2002, Band II, Nr. 2746.)

In einer Urkunde der Fraumünster-Abtei, ebenfalls vom 16. November, aber drei Jahre später (1383) ausgegeben, wird eine weitere Transaktion besiegelt, die das heutige Gemeindegebiet von Weiach betrifft.

Diesmal sind zwei Bürger des Nachbarstädtchens Kaiserstuhl untereinander handelseinig geworden. Sie liessen das Geschäft von der Lehensinhaberin beglaubigen. Die Äbtissin fungierte als eine Art Notariatsperson. Die Genehmigung des Verkaufs selbst dürfte reine Formsache gewesen sein:

«Wir Beatrix von Wolhausen, von gottes gnaden aebtissin des gotteshauses Zürich in Con­stantzer bistumb, bekunden allen, die disen brieff lesent oder hörend lesen, das füer uns [vor uns] kham der erber [ehrbare] mann Walter Grebel von Kayserstuel unnd ein hofstat gele­gen ze Wyach im dorff vor Hannss Wissmanns hauss, die mann nennet die Bünten, stosst ein­halb an die bach, annderhalb an die mathen und ist erb von unserm gotshauss, umb ei­nen Züricher pfenning iährlich davon ze geben, mit steeg, mit weg unnd sonderlich mit aller zue­gehört, mit unnser handt willen unnd gunst recht unnd redlich ze khauffen geben hat dem erbern knecht Johannsen Schmidt von Kayserstuel umb acht unnd viertzig pfund pfen­ning gueter unnd gewonlicher Züricher müntze.» (Quelle gemäss Zollinger 1972: Nüscheler, Regesten)

Dieser Johannes Schmid war also offensichtlich wohlhabend (vielleicht durch Handel zu Geld gekommen) und kaufte in den 80er-Jahren des 14. Jahrhunderts Land zusammen. Systematisch, wie es scheint.

Während die Ortsangabe von 1380 nicht genau spezifiziert, um welchen Dorfteil es sich handelt (Chälen, Bühl oder Oberdorf), ist die Urkunde von 1383 deutlicher: «gele­gen ze Wyach im dorff» bedeutet, dass die Hofstatt im heutigen Oberdorf gelegen haben muss.

Literatur
  • Brandenberger, U.: Weiach – Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes. Dritte, überarbeitete Auflage von Walter Zollingers «Weiach. 1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach». Oktober 2003 – S. 15. [Eine pdf-Datei der 4. Auflage ist verfügbar auf weiachergeschichten.ch.]
  • Brandenberger, U.: Im Hochmittelalter gab es zwei Wiach. Was die Chälen vom Dorf trennte (Sied­lungsgeschichte 2). Weiacher Geschichte(n) 52. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, März 2004 – S. 14-16.

Mittwoch, 15. November 2006

Luftgewehr und Steinschleuder?

Was ein Lokalredaktor aus einer dürren Mitteilung aus dem Gemeinderats-Sitzungszimmer alles machen kann, zeigt der zweite Weiacher Artikel im seit 6. November erscheinenden Regionalbund Zürcher Unterland des Tages-Anzeigers.

Der Titel «Neue Beleuchtung» ist schon fast verdächtig unspektakulär für die Recherche-Ergebnisse von Lorenz Schmid:

«Weiach. - Die Strassenlampen an der Oberdorfstrasse werden bis Ende Jahr ersetzt. Der Gemeinderat hat knapp 11 000 Franken bewilligt, um die defekte Beleuchtung zu ersetzen. Dabei bleiben die Ständer bestehen, ausgetauscht werden nur die Leuchteinheiten. «Viele haben kein Schutzglas mehr drin, da diese ab und zu einem Luftgewehr oder einer Steinschleuder zum Opfer fielen», sagt Gemeindeschreiber Peter Wunderli. Die neuen Lampen verfügen wieder über ein Schutzglas, welches die Birne vor Witterungseinflüssen schützt und das Herunterfallen von Teilen verhindert, sollte die Birne einmal bersten. Zudem bieten die Lampen eine verbesserte Lichtstreuung, was die Sicherheit erhöht. Eine Reparatur der bestehenden Anlagen ist nicht möglich, da deren Hersteller nicht mehr existiert und keine Ersatzteile mehr erhältlich sind. (los)»

Von derartigen Vandalenakten war in der offiziellen Verlautbarung in den November-Mitteilungen keine Rede. Die entsprechende Passage sei zum Vergleich hier abgedruckt: «Der Gemeinderat bewilligt einen Kredit von CHF 10'481.70 für den Ersatz der defekten Auf- und Ansatzstrassenleuchten an der Oberdorfstrasse. Für die defekten Leuchten sind keine Ersatzteile mehr erhältlich, da der Leuchtenhersteller nicht mehr existiert.»

Da fragt man sich nun, ob a) das ein für Weiach neues Phänomen ist, sich b) der Gemeinderat eine Strafanzeige gegen die mutmassliche Täterschaft überlegt und c) ob auch andere Strassenzüge betroffen sind.

Konsequent und mit harter Hand vorgehen müsste man gegen systematische Vandalenakte. Bei vereinzelten Lausbubenstreichen wäre das wohl unverhältnismässig, zumal es den einen oder anderen kühnen Schuss übermütiger Weiacher - sei's mit Luftgewehr oder Steinschleuder - auch vor Jahrzehnten schon gegeben hat.

Die Nachbarn der Kirche wissen jedenfalls noch heute ganz genau, welche Lausbuben für das Loch in der Kirchturmkugel (vgl. den Artikel «Zeitmaschine Kirchturmkugel» vom 21. Juni 2006) verantwortlich sind.

Quellen
  • Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, November 2006, S. 5. (Rubrik «Aus dem Gemeinderats-Sitzungszimmer», Abschnitt «Finanzen»)
  • Schmid, L.: Neue Beleuchtung. In: Tages-Anzeiger, 14. November 2006, Zürcher Unterland - S. 62.

Dienstag, 14. November 2006

Kommunale Feuerschau vor 400 Jahren

In der Weiacher Gemeindeordnung vom 14. November 1596, erlassen «durch unserer gnedigen herren von Zürich als der hohen oberkeit verordnete» findet man u.a. auch Vorschriften für die Feuerschauer. Ihre Aufgabe wird ausführlich beschrieben:

«Sy, die geschwornnen, söllent auch jerlich jm dorf von einem huß zum andern umbhin gaan, die öfen, herdstatten unnd andere ort, alda man fhüret, besichtigen. Unnd wo sy fundent, das es fhürs halb gefharlich unnd nit wol versorget were, als dann sy an zechen pfund pfenning bůß gebieten unnd heißen, das zeënderen, zů verbeßeren unnd dermaß zemachen, das man fhürs halb ohn sorg syn möge.»

Eigene Strafkompetenz der Gemeinde

Für solche, deren Feuerstätten nicht in guter Verfassung befunden wurden, konnte von diesen Geschworenen also eine Busse bis auf «10 pfund Pfenning» ausgesprochen werden. Das war 1 Pfund mehr als die höchstzulässige Geldstrafe, die der Fürstbischof von Konstanz als Niedergerichtsherr durch seine Verwalter in Kaiserstuhl verhängen lassen konnte.

Angesichts der Tatsache, dass Bauernhäuser in unserer Gemeinde damals noch praktisch ohne Ausnahme Holzständerbauten mit Strohdächern waren, kann man sich vorstellen, wie wichtig diese Vorschrift für die Prävention von Dorfbränden war.

Verhindern konnte man sie trotzdem nicht, wie die Brandkatastrophen im 17. Jahrhundert zeigen.

Quelle und Literatur
  • Akten Staatsarchiv des Kantons Zürich über die Obervogtei Neuamt, Signatur: A 135.4
  • Pestaluz, J.: Vollständige Sammlung der Statute des eidg. Kantons Zürich. Zürich, 1834. Bd. 1 – S. 199.
  • Offnung der Gmeind Weyach von Anno 1596. In: Zeitschrift für schweizerisches Recht, Alte Folge Bd. 4 (1855) – II. Rechtsquellen, S. 174-183.
  • Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen. Die Rechtsquellen des Kantons Zürich. Neue Folge. Zweiter Teil: Rechte der Landschaft; Erster Band: Das Neuamt; Aarau, 1996.
  • Rechtsquellen Neuamt Nr. 183. Gemeindeordnung. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, September 1997 – S. 22-24.
  • Brandenberger, U.: Weiach – Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes. Dritte, überarbeitete Auflage von Walter Zollingers «Weiach. 1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach». Oktober 2003 – S. 47. Ein pdf-File der 4. Auflage (2326 KB) ist verfügbar auf weiachergeschichten.ch.

Montag, 13. November 2006

Heinrich Hedingers «Gemeinde-Wappen im Bezirk Dielsdorf»

Die von der Tamedia beauftragte Agentur SFLB hat sich zum Zwecke der Vermarktung der neuen Regionalausgaben die Zürcher Wappen gekrallt (WeiachBlog kommentierte am 5. November).

Die gerade eben gegründete Redaktion Zürcher Unterland des Tages-Anzeigers nimmt dies zum Anlass, in ihrem Regionalbund in lockerer Folge eine Gemeindewappen-Serie laufen zu lassen.

Quelle für die neuesten Weiacher Geschichte(n)

Lustige Koinzidenz: Im November 2006 sind genau 75 Jahre vergangen, seit der Weiacher Gemeinderat offiziell die Annahme des schon seit über hundert Jahren genutzten Gemeindewappens bestätigt hat.

Die Weiacher Geschichte(n) Nr. 84 und 85 vom November und Dezember gehen deshalb den Ursprüngen unseres Gemeindewappens auf den Grund. (Nr. 84 kann hier bezogen werden, Nr. 85 erscheint am 1. Dezember in den Mitteilungen für die Gemeinde Weiach und wird gleichentags auf der Website aufgeschaltet.)

Der nachfolgend in Auszügen unverändert wiedergegebene Text mit dem Titel «Die Gemeinde-Wappen im Bezirk Dielsdorf stammt von Dr. h.c. Heinrich Hedinger. Er wurde in zwei Teilen, am 7. und 10. Februar 1936, in der Zeitung Der Wehnthaler abgedruckt. (Apropos: Der Wehnthaler erschien von 1871 bis 1947 und ging dann im Zürichbieter auf, der später seinerseits mit dem Zürcher Unterländer fusionierte.)

Hedingers Vortrag ist für den WeiachBlog zwecks besserer Lesbarkeit in neue Absätze gegliedert und mit Zwischentiteln versehen worden. Bühne frei für Hedinger:

Nicht nur so ein Wäpplein

« [...] Ehre und Ansehen ihres Wohnortes waren den Vorfahren nicht gleichgültig, was gerade aus der Wappengeschichte deutlich hervorgeht. Ihr Dorfschild sollte sie in Freud und Leid daran erinnern, wurde von ihnen ganz anders gewertet als "nur so ein Wäpplein" und war darum ehedem recht häufig zu sehen, z.B. auf prächtigen Glasgemälden, Brunnen und Glocken, aber auch an Feuerspritzen und teilweise in den Fähnlein, unter denen die Unterländer zum Krieg ausrückten. So erschienen diese alten Ehrenzeichen vielen Geschichtsfreunden als würdig, nach den Grundsätzen der Wissenschaft und des Heimatschutzes erhalten, bereinigt, renoviert und künftigen Geschlechtern endgültig richtig überliefet zu werden.»

Von Rittern erfunden - von Bürgern und Bauern übernommen

«Zum allgemeinen Verständnis der nachfolgenden Wappengeschichte sind vorerst noch allerlei Bemerkungen nötig. Die Wappen entstanden vor etwa 1000 Jahren zur Zeit des Rittertums aus rein praktischen Bedürfnissen. Wenn nämlich so ein gepanzerter Edelmann daher kam und gar noch das Helmvisier geschlossen hatte, war er fast nicht zu erkennen. Deshalb ließ er seinen Schild mit weithin sichtbaren Zeichen bemalen, die er dann auch auf Siegel, Mantel, Pferdedecke, Fähnchen und schliesslich, wie ein Bauer seinen Brennstempel, auf allen Waffen anbrachte, aus welch letzterem Wort die mittelhochdeutsche Bezeichnung "Wapen" entstanden ist. Mit den gleichfarbigen Abzeichen war der Vorreiter des Herrn geschmückt, der sogenannte Herold, weshalb man auch von einer Heroldskunst oder Heraldik redet. Dabei entwickelten sich schon früh einige Fachausdrücke und Regeln, an die man sich heute noch in ganz Europa hält.»

Heraldisches Fachchinesisch - leicht erklärt

«Die äußere Form eines Schildes ist nebensächlich und richtet sich nach Stil oder Raumverteilung. Altem Brauch entsprechend wird links und rechts in der Heraldik umgekehrt angegeben, d.h. so, wie wenn der Beschauer das Abzeichen selbst auf seiner Brust trüge. Gespalten ist z.B. das Wappen von Luzern, geteilt das von Freiburg und schräggeteilt jenes von Zürich. Ein senkrechter Streifen wird als Pfahl bezeichnet, ein waagrechter mit Balken. Natürliche Figuren dürfen den Schildrand nicht berühren und müssen stilisiert und flächenhaft dargestellt werden. Als Haupterfordernis gilt die Einfachheit eines Wappens; denn es soll auf weite Sicht rasch zu erkennen sein und darum keine nebensächlichen Zutaten enthalten. Aus diesem Grunde geschah die Bemalung von Anfang an nur mit wenigen leuchtenden Grundfarben. Statt Weiß und Gelb wurden oft Silber und Gold verwendet. Im 17. Jahrhundert kam als Notbehelf gegenüber der teuern farbigen Darstellung jene mit Schraffuren auf, wie sie auch in den folgenden Wappen zu finden ist. Senkrechte Striche bedeuten Rot, waagrechte Blau und schräge Grün, ferner gelten punktierte Felder als gelbe oder goldene. Braun kennt man in der Heraldik nicht, und es wird meist durch Rot oder Gold ersetzt. Wegen der Kontraste darf nie Farbe auf Farbe kommen, z.B. Blau auf Rot, wobei die grünen Dreiberge eine Ausnahme machen. Gold und Silber galten hier ehedem nicht als Farben, sondern als Metalle. Heute hingegen braucht ein Maler dafür nicht besondere Bronzen zu verwenden, und eine silberne Rose ist z.B. sinngemäß weiß darzustellen. Alle diese Regeln samt vielen anderen waren also bei der Bereinigung etlicher Wappen maßgebend. Warum erschien eine solche da und dort als notwendig?»

Vom Dorfzeichen zum offiziellen Gemeindewappen

«Die Geschichte unserer ältesten Dorfzeichen geht bis weit ins Mittelalter zurück, weshalb es verständlich ist, wenn einige im Lauf der Jahrhunderte allerlei Aenderungen unterworfen waren oder manche ursprüngliche Form vergessen wurde. Das bewog neben geschäftlichen Interessen den Zürcher Lithographen Krauer, 1860 eine neue kantonale Sammlung von Gemeindewappen herauszugeben und durch billigen Verkauf weit zu verbreiten.

Weil diese sogenannte "Krauertafel" ziemlich eilig entstanden war, enthielt sie viele Fehler. Von den 158 angegebenen Wappen waren 80 ganz oder teilweise falsch, und 22 politische Gemeinden hatten hier gar keines. Mit der Zeit regte sich manchenorts von selbst die Erkenntnis, daß auf diesem schönen Porträt vieles nicht stimme. Etwa hatten ältere Bürger das Dorfzeichen von früher her noch in Erinnerung, oder man sah es in seiner ehemaligen Gestalt da und dort noch vor Augen.

Diesem Wirrwar wollte das Staatsarchiv ein Ende machen, indem es 1917 an alle Gemeindekanzleien große Fragebogen verschickte mit der Bitte um genaue Angaben über die betreffenden Wappen. Allein unsere Behörden hatten damals, zum Beginn der Rationierungsmaßnahmen, den Kopf voll andere Sorgen und antworteten meist nur mangelhaft oder gar nicht, so daß die vorgesehene Bereinigung nicht erfolgen konnte.

Nach dem Krieg fing dann die bekannte Kaffee Hag-Aktiengesellschaft an, zu Reklamezwecken schweizerische Wappenbildchen herauszugeben, und immer mehr wurden die Beamten des Staatsarchivs mit Anfragen nach den richtigen Gemeindezeichen bestürmt, besonders von Vereinen. Weil auch sie derartige Berichte nicht von heute auf morgen liefern konnten, und die Natur der Sache einer einseitigen Lösung von Zürich aus widersprach, kam man auf den üblichen Ausweg, d.h. der Vorstand unserer kantonalen Antiquarischen Gesellschaft bestellte Ende 1924 eine Kommission zum privaten Studium dieser verwickelten Fragen. Sie war präsidiert von Prof. Dr. F. Hegi und nach dessen Tod von Dr. E. Hauser. Entschädigungen wurden mit Ausnahme der Bahnspesen etc. keine ausbezahlt.

In jedem Landesteil [d.h. Bezirk] mußte ein mit den örtlichen Verhältnissen bekanntes Mitglied vorerst das reichliche Material zusammensuchen. Das geschah im Bezirk Dielsdorf wieder mit Fragebogen, die im Februar 1925 versandt wurden und bis Ende 1927 an den Schreibenden zurück kamen, nachdem er vielenorts seinen "Agenten" in den Gemeinden selbst behilflich gewesen war. Darin berichteten diese nun eingehend mit Wort und Bild, wie das betreffende Wappen in ihrem Dorfe dargestellt wurde, z.B. auf Marksteinen, Feuerspritzen, Windlichtern, Feuerkübeln, Glocken, Vereinsfahnen, Gebäuden, Brunnen, Möbeln, Fruchtsäcken, Glasgemälden, Siegeln, Stempeln, Briefköpfen, Drucksachen, Dokumenten, Bildern, Karten und dergleichen, ferner wurden im Zweifelsfall stets noch alte Ortsbürger befragt. C. Biedermanns kurze Bezirksgeschichte aus 1882 erwies sich auch hier als unzuverläßig. An dieser Stelle sei allen Mitwirkenden nochmals herzlich Dank gesagt.

Die Ergebnisse ihrer wertvollen Untersuchungen wurden dann durch die Arbeitsgemeinschaft unserer Wappenkommission ergänzt mit vielen zweckdienenden Angaben aus alten Vorlagewerken des zürcherischen Stadtarchivs, des Staatsarchivs, der Zentralbibliothek und des Landesmuseums sowie aus andern Quellen. Es waren hauptsächlich das Wappenbuch von Gerold Edlibach aus 1488, Stumpfs Schweizerchronik von 1548 und die vielbändigen Geschlechterbücher von Pfarrer Erhard Dürsteler ab 1737 und J. F. Meiß ab 1740. Diese werden bei den einzelnen Abschnitten weiter hinten mit dem bloßen Verfassernamen zitiert. Ganz besonders wichtig war für den Bezirk Dielsdorf eine Akten- und Wappensammlung des ehemaligen Pfarrkapitels Regensberg, das sogenannte Dekanatsbuch aus 1719. So kam ein umfangreiches Beweismaterial zusammen, das gegenüber allerlei phantasievollen Legenden oder vorgefaßten Meinungen, die eine irrtümliche Tradition verteidigen wollten, meist entscheidend war. Es wird durch allfällige neue Funde später kaum wesentlich verändert.

Weil alles Wissen Stückwerk ist, schickte dann die Kommission ihren begründeten Vorschlag mit einer farbigen Skizze in demokratischer Weise dem betreffenden Gemeinderat zur Genehmigung, die fast überall ziemlich bald erfolgte, teilweise sogar durch formelle Beschlüsse von Gemeindeversammlungen. Ihr Datum ist ordnungshalber bei den einzelnen Abschnitten stets am Schluß notiert. Wo es Differenzen gab, was verständlich war, reiste der Bezirksvertreter nochmals hin, unterhandelte persönlich mit den Behörden, schrieb aufklärende Zeitungsartikel oder hielt Vorträge. In noch schwierigeren Fällen begab sich die die ganze Kommission auf den Kampfplatz oder lud Gemeindeabgeordnete zu sich ins Staatsarchiv ein, wo sie meist die bessern Gründe anerkannten und in diesem Sinn ihre Mitbürger beeinflußten.

Ferner wurden durch unsern besondern Verlag (Plattenstr. 44, Zürich 7) viele Tausende netter Wappenkarten, die als Mustervorlagen dienen können, unter das Volk gebracht, und nächstens kommt eine große neue Tafel in den Handel. Sie sei Behörden und Privaten bestens empfohlen! Unterdessen ist ja bereits ein prächtiger Abreißkalender des Dielsdorfer Baugeschäftes Schäfer im Unterland verbreitet worden, worauf die hiesigen Gemeindewappen farbig dargestellt sind.

Nach über 100 Sitzungen hat die Kommission Ende 1935 ihre schöne Arbeit abgeschlossen. Das wird nicht aus Prahlerei gesagt, sondern um darauf hinzuweisen, mit welcher Achtung und Sorgfalt die einzelnen Mitglieder unsere ländlichen Ehrenzeichen behandelten. (Aehnliche jahrelange Forschungen durch solche Arbeitsgemeinschaften aus Stadt und Land würden, nebenbei bemerkt, auch andern Teilaspekten der Zürchergeschichte sehr zugute kommen, z.B. jenen betreffend Familienwappen, Geschlechts- und Flurnamen, Volkstrachten oder alte Währungen und Maße.) Die so bereinigten Wappen aller politischen Gemeinden unseres Kantons machen nach der vorn geschilderten Art ihres Entstehens Anspruch auf amtlichen Charakter und sollten zukünftig auch in Kleinigkeiten durch Handwerker oder Maler nicht verändert werden.
[...]»

Nach dieser Einführung bringt das Original für jede einzelne Gemeinde des Bezirks eine Kurzgeschichte samt Blasonierung (heraldische Beschreibung) des Wappens ergänzt mit der Schwarz/Weiss-Darstellung nach den oben erklärten Regeln.

Auszüge aus diesem Text mit weiterführenden Erklärungen zum Weiacher Wappen finden Sie in den Weiacher Geschichte(n) Nr. 84.

Quellen und Literatur

  • Hedinger, H.: Die Gemeinde-Wappen im Bezirk Dielsdorf. In: Der Wehntaler, 7. Februar 1936.
  • Krauer, J.: Wappen sämmtlicher Hauptgemeinden des Kantons Zürich [Wappentafel des Zürcher Lithographen Johannes Krauer; Zürich, um 1860] Signatur ZBZ: LS 94 FAV 400
  • Kopp, P.F.: Artikel «Wappen». In: Historisches Lexikon der Schweiz. Online-Ausgabe

Sonntag, 12. November 2006

Kirchenbauboom dank städtischem Wohlstand

Der Zürcher Kirchenbote brachte in Ausgabe 21 vom 1. November einen Artikel über die auffällige Häufung von Kirchenneubauten des Jahres 1706. Damals wurde nämlich nicht nur die Weiacher Kirche errichtet.

«Gleich vier Kirchen im Kanton Zürich feiern dieses Jahr ihr 300-jähriges Bestehen», schreibt Redaktor Matthias Herren im Lead seines Artikels und fragt: «Was steckt hinter dem Kirchenbau-Boom am Anfang des 18. Jahrhunderts?». Die Antwort steht im Titel:

«Städtischer Wohlstand machte es möglich».

Der Betreuer des WeiachBlog gehörte selbst zu den im Verlauf der Recherche Angefragten. Herzlichen Dank an M. Herren für die Erlaubnis, diesen interessanten Beitrag nachfolgend im vollen Wortlaut wiedergeben zu dürfen:

«Landauf, stadtab feiern Kirchgemeinden im Kanton Zürich das 300-jährige Bestehen ihrer Gotteshäuser. Ob in Sternenberg zuhinterst im Tösstal, in Weiach an der Grenze zu Deutschland, in Schöfflisdorf im Wehntal oder im Zürcher St. Peter – diese Kirchen wurden 1706 eingeweiht.

Warum ein Bauboom?

Steckt hinter dem Kirchenbau-Boom vom Anfang des 18. Jahrhunderts ein besonderes geschichtliches Ereignis? Auf Anfrage des «Kirchenboten» konnten Kirchengeschichtler und Historiker keine Gründe nennen, weshalb vor 300 Jahren an verschiedenen Orten neue oder grössere Kirchen gebaut wurden. Die Erweckungsbewegung setzte mit dem Pietismus erst einige Jahrzehnte später ein, und die damals gesetzliche Verpflichtung, den Gottesdienst zu besuchen, war schon seit einiger Zeit in Kraft.

Auffallend ist, dass die neuen Kirchenbauten in den Landgemeinden damit begründet wurden, dass die bestehenden Gotteshäuser zu klein waren. In Schöfflisdorf wurde es in der Kapelle zu eng für die damals 556 Mitglieder der Kirchgemeinde, zu der auch die Dörfer Oberweningen und Schleinikon gehören. Auch Weiach verzeichnete Ende des 17. Jahrhunderts ein Bevölkerungswachstum. Und in Sternenberg lebten damals auf den weit verstreuten Höfen etwa 1300 Menschen, die vor dem Kirchenneubau den Gottesdienst in Wila oder Bauma besuchen mussten.

Tatsächlich begann im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts die Bevölkerung des Kantons Zürichs wieder zu wachsen. Wegen Hungersnöten und vier Pestzügen hatten rund 40 Prozent der Einwohner im Kanton Zürich das Leben verloren. Das Bevölkerungswachstum machte die Neubauten zwar nötig – möglich wurden sie aber, weil die Stadtzürcher Bevölkerung dank der erfolgreichen Zünfte zu Wohlstand gekommen war. Dieser schlug sich auch in der Staatskasse nieder.

So unterstützte der Staat die Kirchenneubauten in Weiach und Sternenberg mit je 300 Talern. In Sternenberg stiftete der Zürcher Bürgermeister gar persönlich eine Glocke. Und die Weiacher durften im ganzen Kanton eine Kollekte erheben. Allein aus eigener Kraft hätten die armen Landgemeinden ihre neuen Gotteshäuser nicht errichten können.

Stuckaturen im St.Peter

Anders als bei den schlichten Landkirchen fand der gestiegene Wohlstand in der Stadt bei der Kirche St. Peter seinen sichtbaren Ausdruck. Dem romanischen Turm und Chor wurde 1705/06 eine barocke Kirche mit roten Marmorsäulen und Stuckaturen angefügt. Erst als der Wohlstand auf dem Land gestiegen war, entstanden auch dort repräsentative Kirchenbauten. Mitte des 18. Jahrhunderts wurden unter anderem in Wald, Stäfa, Hombrechtikon, Richterswil oder Wädenswil Kirchen in städtisch-elegantem Stil errichtet.
»

Kirchenbote - die Eckdaten

Der Kirchenbote für den Kanton Zürich erscheint alle 14 Tage. Die Auflage beträgt nach Angaben auf der Website 254'250 Exemplare. Zur Trägerschaft wird vermerkt: «Seit seiner Gründung am Bettag 1915 wird der Kirchenbote vom reformierten Pfarrverein des Kanton Zürich herausgegeben. Er ist dadurch in die Verantwortung der reformierten Kirche eingebunden, aber frei von Beeinflussung durch Organe der Landeskirche.»

Quelle

Samstag, 11. November 2006

Harley-tramp-mein-Sohn für Weiacher Schüler

Im Dezember letzten Jahres fiel der Entscheid des Gemeinderates. Ausser im Winter sollen die Weiacher Oberstufenschüler wie bisher mit dem Velo über den «Kistenpass» (so heisst der Kulminationspunkt bei Raat im Volksmund) ins Zentralschulhaus zwischen Schüpfheim und Stadel «trampen».

Der Unterländer schrieb Anfang Januar 2006 mit Bezug auf den entsprechenden Abschnitt in den Gemeinde-Mitteilungen:

«Der Gemeinderat Weiach will sich nicht mit 3500 Franken an zusätzlichen kostenlosen Postauto-Abonnementen für die Schülerinnen und -Schüler aus Weiach beteiligen, welche die Oberstufenschule in Stadel besuchen. Er lehnt einen entsprechenden Antrag der Oberstufenschulpflege ab, wie er im jüngsten Verhandlungsbericht mitteilt.

Die heutige Regelung sieht die kostenlose Abgabe eines Abos je für einen Monat
[vor] und nach den Weihnachtsferien vor. Je nach nach [sic!] Bedarf wird dies bei schlechtem Wetter mit Tageskarten ergänzt. Der Gemeinderat ist der Meinung, dass diese Regelung ausreiche und nicht erweitert werden soll. (ZU)» (Originaltext, Ergänzungen mit [ ] durch WeiachBlog)

Der Entscheid ist völlig gerechtfertigt. Erstens ist tägliches Fitnesstraining gerade in Zeiten zunehmenden Übergewichts bei Kindern und Jugendlichen ein Gebot der Stunde. Ein Töffli haben sie dann noch früh genug. Und zweitens ist die gesamte Strecke mit Velowegen bestückt. Darauf kann man in den eisfreien Jahreszeiten gefahrlos fahren.

Im Winter sieht es allerdings anders aus. Und so werden in einigen Tagen für den Postautokurs 515 also wieder belebtere Zeiten anbrechen.

Quelle
  • Kein Beitrag für mehr Postauto-Abos. In: Zürcher Unterländer, 7. Januar 2006 - S. 7.

Freitag, 10. November 2006

Kampf der Steuerhinterziehung vor 300 Jahren

Offenbar versuchten nicht wenige der zehntenpflichtigen Bauern mit allerlei Tricks die abgabepflichtige Menge zu verringern.

Das kann man aus einem Zehntenmandat der «Chantzley der Stadt Zürich» herauslesen, welches «Donstags den Sieben und Zwäntzigsten Brachmonats von der Gnadenreichen Geburt Unsers Lieben Herren und Heilandes Jesu Christi gezellte Einthusent und Sieben-Hundert Jahre» oder kurz gesagt am 27. Juni 1700 erlassen wurde und ein volles Dutzend Verhaltensregeln enthält, die den für den Zehnteneinzug verantwortlichen Amtsleuten «zur Ehrlichen» Durchführung empfohlen werden:

«Erstlichen, dass wo Jemand einen Acker zu schneiden anfaht und ehe er damit fehrtig ist, keinen andern zu schneiden anheben, sonder denselbigen gleich nacheinanderen völlig abschneiden sole, vilweniger einige Garben mit sich heimb nemmen möge, biss der Zehenden vom gantzen Acker würcklich aufgestellt und abgestattet seyn wird.»

«Zum Andern sol allwegen die zehende Garb, sie seye gross oder klein, wie es sich der Ordnung und dem Zellen nach füeget, zum Zehenden aufgestellt […] und alles vortheilhaftigen Gesüechs und Betrugs, die Zellung der Garben zu End des Ackers angehebet […] werden.»

«Viertens hat man gewahret, dass die Zeit und Jahr hero, Erbsen, Linssen, Wickhen und andre kurtze Frucht nit in Garben gebunden, sonder an ohngleiche Hauffen gestellet und darmit vortheilhaftiges Gesüech getriben werden; dahero Unsere Meinung ist, dass solche Früchte hinführo aller Orten in Garben zusammen gebunden und der Zehenden darvon in Treuen aufgestellt werden solle.»

Dieses Mandat galt für das gesamte Züribiet, und damit auch für die Gemeinde Weiach. Es wurde vom Pfarrer oder einem Mitglied des Stillstands (Kirchenpflege) am Sonntag in der Kirche verlesen.

Man sieht: Der Versuch der Steuerhinterziehung ist keineswegs ein neues Phänomen. Und auch die Gegenmassnahmen gab es damals wie heute.

Quelle
  • Brandenberger, U.: Weiach – Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes. Dritte, überarbeitete Auflage von Walter Zollingers «Weiach. 1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach». Oktober 2003 – S. 20.
  • Bibliotheksnachweis: Staatsarchiv des Kantons Zürich: Dc W 28a; Zentralbibliothek Zürich: DW 17296; Schweizerische Landesbibliothek Bern: Nbq 50617; Universität Basel WWZ/SWA: RJ 11402; Bayerische Staatsbibliothek München: 4 2004.6240; Universitätsbibliothek Freiburg im Breisgau: KA 2005/484; Deutsche Bücherei Leipzig: 2005 B 16824.
  • Ein pdf-File der 4. Auflage (2326 KB) ist verfügbar auf weiachergeschichten.ch

Donnerstag, 9. November 2006

Kein Platz für Protestanten auf katholischem Friedhof

1859 wurde der Kirchhof (d.h. der Friedhof) von Weiach nach 1838 zum zweitenmal erweitert, und zwar indem man die Mauer zum 1857 erstellten Gemeindehaus einige Meter in Richtung Kaiserstuhl verlegte. So kam sie bündig zur Westmauer der Kirche zu liegen.

Der Riegel-Vorbau der Kirche konnte dank dieser Erweiterung um eine «Leichenkammer», d.h. einen Aufbahrungsraum, erweitert werden.

Interessant ist an diesem neuen Friedhofsteil, was im Kirchturmdokument aus dem Jahre 1863 an Reminiszenzen über alte Streitereien und ihre aus heutiger Sicht absurden Folgen zu lesen ist:

«Die erste erwachsene Person, die auf dem erweiterten Kirchhofe ihre Ruhestätte fand, war eine im Schnee auf Weiachergebiet verunglückte Frau von Hohenthengen, welcher das dortige Pfarramt das Begräbniss in Hohenthengen verweigerte, da sie eine Protestantin sei.»

Die damalige Leichenkammer dient übrigens heute als Vorbereitungsraum für den Sigrist und ist seit der Restauration 1966/68 auch aus dem Kirchenschiff direkt zugänglich.

Quelle
  • Brandenberger, U.: «ein nöüer Kirchenbauw allhier zu Weyach». 300 Jahre Kirche Weiach, 1706 – 2006. Herausgegeben von der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Weiach und der Ortsmuseumskommission Weiach. Weiach 2006 – S. 51.

Mittwoch, 8. November 2006

Gekröpfter Endanflug nur auf Sicht

Gestern war wieder einmal einer dieser nicht allzu häufigen Tage, an denen der Ortsname «Weiach» über die Ticker der Nachrichtenagenturen geht.

Zu verdanken haben wir das einer Medienmitteilung des Flughafenbetreibers Unique Zurich Airport (auch bekannt als «Flughafen Zürich AG») mit dem Titel: «Überarbeitetes Gesuch für den "gekröpften Nordanflug" eingereicht». Dort kommt Weiach vor. Und entsprechend auch in den meist nur leicht umgeschriebenen Beiträgen der Online-Redaktionen - oder vielleicht sollte man besser schreiben: Content-Durchlauferhitzer?

Google News verzeichnete heute jedenfalls insgesamt 22 (!) Artikel zum selben Thema. Die Titelliste findet man unten unter den Quellen. Lehrreiche Einsicht in die Funktionsweise von Kopfblattsystemen. Es sieht nach Vielfalt aus. Und kommt doch nur aus einer Quelle.

Das Zuspiel der PR-Abteilung...

Datiert ist es mit dem 07.11.2006 15:00:00.

«Unique (Flughafen Zürich AG) hat Ende Oktober 2006 beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) das überarbeitete Gesuch für den gekröpften Nordanflug mit einem Sicht-Endanflug eingereicht. Der Anflug wird aus dem Warteraum GIPOL im Gebiet Frick via Würenlingen und Siglistorf bis in die Nähe von Weiach nach Instrumenten geflogen. Der Kurvenflug und der Endanfllug erfolgen nach Sicht, wie dies vom BAZL verlangt wurde.

Hauptänderungen

Im überarbeiteten Gesuch wird die Kurve auf den Endanflug neu nach Sicht geflogen. Dies bedeutet, dass der Pilot die Piste bereits vor der Kurve sehen und die minimale Sichtweite für den Anflug somit neu zehn statt acht Kilometer betragen muss. Diese vom BAZL geforderte Änderung führte dazu, dass das Anflugverfahren neu gerechnet und eine neue Sicherheitsbeurteilung erfolgen musste.

Der Kurvenflug nach Sicht bedingt, dass zusätzliche Hindernisbefeuerungen am Stadlerberg angebracht werden. Der gekröpfte Nordanflug soll auch bei Dunkelheit geflogen werden können. In einer ersten Phase ist er vorerst zwischen 6 und 7 Uhr morgens vorgesehen. Das entsprechende Plangenehmigungsgesuch für die Hindernisbefeuerungen ist Bestandteil des überarbeiteten Gesuchs. Gespräche mit den betroffenen Gemeinden haben bereits stattgefunden.

Unique (Flughafen Zürich AG) setzt alles daran, dass der neue Anflug aus Norden möglichst bald eingeführt werden kann. Der eingereichte Anflug kann allerdings nur bei gewissen Wetterbedingungen geflogen werden. Die Sicht muss grösser sein als zehn Kilometer und die Wolkenuntergrenze muss höher liegen als 3'100 Fuss (rund 950 m) über Meer. Das wird dazu führen, dass der Anflug nur an ungefähr 40 Prozent der Tage möglich sein wird. Die Anflugkapazität liegt bei rund 18 bis 24 Anflügen pro Stunde.

Rückblick und Ausblick

Der gekröpfte Nordanflug wurde auf Druck des Flughafens Zürich durch die verschiedenen beteiligten Organisationen im Sommer 2002 in Angriff genommen. Unique (Flughafen Zürich AG) reichte am 31. Dezember 2004 beim BAZL das Gesuch für einen gekröpften Nordanflug mit einem Sicht-Endanflug ein. Die vom BAZL damals zusätzlich geforderte Sicherheitsbeurteilung, welche unter der Führung von Skyguide erarbeitet wurde, konnte am 2. März 2005 eingereicht werden. Das BAZL teilte am 15. Dezember 2005 mit, dass der gekröpfte Nordanflug zwar anspruchsvoll, für Piloten aber durchführbar ist. Das eingereichte Gesuch müsse in einzelnen Punkten überarbeitet werden. Danach machten sich die Spezialisten umgehend an die Arbeit. Das BAZL präzisierte in einem Brief vom 6. Juli 2006 an Unique, was nachgereicht werden müsse. Ende Oktober 2006 reichte Unique das überarbeitete Gesuch wieder beim BAZL ein.

Unique und Skyguide arbeiten bereits an der Weiterentwicklung des gekröpften Nordanfluges. Ziel ist es, den Anflug auch bei schlechteren Wetterbedingungen und mit höherer Kapazität fliegen zu können. Die europaweite Einführung der dafür notwendigen Technologien wird jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
»

... und schon nehmen die Presseagenturen den Ball auf

Ziemlich genau eine Stunde später, um 16:01, schickte AP Associated Press folgende Mitteilung auf den Weg in die Redaktionen:

«Überarbeitetes Gesuch für gekröpften Nordanflug eingereicht

Kloten (AP) - Die Zürcher Flughafenbetreiberin Unique hat das gemäss den Wünschen des BAZL abgeänderte Gesuch für den gekröpften Nordanflug auf den Flughafen Zürich-Kloten Ende Oktober eingereicht. Wie die Flughafen Zürich AG (Unique) am Dienstag mitteilte wird der Anflug aus dem Warteraum in der Region Frick über Würenlingen und Siglistorf bis in die Nähe von Weiach nach Instrumenten geflogen. Die Kurve und der Endanflug erfolgen auf Verlangen des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) auf Sicht. Dies bedeutet laut Unique, dass der Pilot die Piste bereits vor der Kurve sehen muss. Dadurch erhöht sich die minimale Sichtweite für den Anflug von acht auf zehn Kilometer, und die Wolkenuntergrenze muss höher liegen als 950 Meter über Meer. Dies führt dazu, dass der gekröpfte Nordanflug nur an etwa 40 Prozent der Tage möglich sein wird, wie Unique schrieb. Der Kurvenflug nach Sicht soll auch bei Dunkelheit geflogen werden können und bedingt zusätzliche Hindernisbefeuerungen am Stadlerberg.

In einer ersten Phase ist der gekröpfte Nordanflug zwischen 06.00 und 07.00 Uhr morgens vorgesehen. Unique will die Anflugvariante so rasch als möglich einführen. Die Flughafenbetreiberin arbeitet laut Mitteilung zusammen mit der Flugsicherungsunternehmung Skyguide bereits an der Weiterentwicklung des gekröpften Nordanflugs, um diesen auch bei schlechterem Wetter und mit höherer Kapazität ausführen zu können. Die europaweite Einführung der notwendigen Technologien nehme jedoch noch einige Zeit in Anspruch.
»

Es ist sehr zu begrüssen, dass sich das BAZL durchgesetzt hat und der Sicherheit höhere Priorität gegeben wird als dem lautstarken Gejammere und Geschrei einiger Südschneiser. Das ist auch im Interesse der Flugpassagiere. Da muss man weiss Gott kein zusätzliches, völlig unnötiges und gefährliches Anflugmanöver einführen. Gerade Anflüge aus allen Richtungen ohne Schwenker im Final Approach sind immer noch das sicherste Verfahren. Der Absturz auf Gemeindegebiet vor 16 Jahren war schon einer zu viel.

Basierend auf der schon erwähnten Medienmitteilung verfasste auch die NZZ-Online-Redaktion einen Beitrag und liess ihn wenige Minuten später aufschalten:

Überarbeitetes Gesuch für «gekröpften» Nordanflug

Flughafen geht auf BAZL-Forderung ein


«Die Flughafenbetreiberin Unique hat beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) ein überarbeitetes Gesuch für den gekröpften Nordanflug auf den Flughafen Zürich eingereicht. Neu wird bereits die Kurve vor dem Endanflug nach Sicht geflogen.

(sda) Der Anflug soll aus dem Warteraum GIPOL im Gebiet Frick via Würenlingen und Siglistorf bis in die Nähe von Weiach nach Instrumenten geflogen werden, wie Unique in einer Mitteilung vom Dienstag schreibt. Der darauffolgende Kurvenflug sowie der Endanflug erfolgen nach Sicht, wie dies vom BAZL verlangt wurde.

Höhere Sichtweite verlangt

Der Pilot müsse die Piste deshalb bereits vor der Kurve sehen, schreibt Unique weiter. Die minimale Sichtweite für den Anflug müsse deshalb neu zehn statt acht Kilometer betragen. Der Kurvenflug nach Sicht bedingt auch zusätzliche Hindernisbefeuerungen am Stadlerberg. In einer ersten Phase ist der gekröpfte Nordanflug laut Unique für die Zeit zwischen 6 und 7 Uhr vorgesehen. Das Planungsgesuch ist Bestandteil des Ende Oktober 2006 beim BAZL eingereichten, überarbeiteten Gesuchs.

Unique setze alles daran, dass der neue Anflug aus Norden möglichst bald eingeführt werden kann, heisst es in der Mitteilung weiter. Allerdings könne der «Gekröpfte» nur bei gewissen Wetterbedingungen geflogen werden.

Tiefere Kapazität

Die Sicht muss grösser sein als zehn Kilometer und die Wolkengrenze muss höher liegen als 3100 Fuss oder rund 950 Meter. Darum wird der Anflug nur an ungefähr 40 Prozent der Tage möglich sein. Die Kapazität liegt bei rund 18 bis 24 Flügen pro Stunde.

Unique und die Flugsicherung Skyguide arbeiteten bereits an der Weiterentwicklung des gekröpften Nordanflugs, heisst es in der Mitteilung weiter. Ziel sei es, dereinst auch bei schlechtem Wetter und mit höherer Kapazität fliegen zu können. Dafür müsste aber auf einer längeren Strecke nach Instrumenten geflogen werden können, erklärte Unique-Sprecherin Sonja Zöchling auf Anfrage. Die europaweite Einführung der dafür notwendigen Technologien wird jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
»

Damit liegt die Kapazität deutlich unter den bis zu 40 Anflügen pro Stunde, die auf den geraden Anflügen möglich wären. Die Südschneiser sollen also froh sein. So viel wie wir im Norden über Jahre schlucken mussten und müssen werden sie nie über ihren Dächern haben.

Quellen

Montag, 6. November 2006

«Circus Geschwister Gasser» beim Alten Bahnhof

Der Circus ist da. «Gegenüber ehem. Bahnhof Weiach», meldete die Aargauer Zeitung am 2. November, stelle er seine Zelte und Wohnwagen auf.

Für Ortskundige ist klar: das muss der Platz zwischen dem ehemaligen Lederwarenbetrieb Fruet und dem südlich der Kantonsstrasse gelegenen Holzlagerplatz der Benz AG sein. Denn sonst gibt es keine Wiese auf der man die für ein grosses Zirkuszelt nötigen Pfähle in den Boden rammen könnte.

Infrastruktur steht seit heute

Und genau dort waren sie heute morgen auch am Aufbauen des Zeltes - rundherum eine Wagenburg aus Wohn- und anderen Zirkuswagen, dazwischen Traktoren und anderes schweres Gerät und mittendrin die Maststruktur. Mittlerweile dürfte die Infrastruktur stehen.

Muss sie auch, denn am 7. und 8. November finden die Vorstellungen statt. Was es da zu sehen gibt? Da verrät die Aargauer Zeitung nur wenig, aber immerhin:

«Jennifer Gasser lässt als Barbie-Girl Hulahoop-Reifen um ihren Körper zwirlen, die neunjährige Yayita zeigt sich am Solotrapez, der Vater ist der lyrisch-poetische Conférencier und jongliert in einer weiteren Nummer Eisenkugeln und rotierende Teller. Seine Frau gibt den, für einmal weiblichen, Clown.»

Spaghetti-Plausch-Vorstellung

Die Vorstellungen finden am Dienstag, 7. November, 16 Uhr, sowie am Mittwoch, 8. November, 15 Uhr statt. Weiter gibt es am Dienstagabend ab 19.30 Uhr eine Galavorstellung mit «Spaghetti-Plausch bei Kerzenschein. Vorstellung mit von den Künstlern bei Kerzenlicht servierten Spaghetti-Gerichten.» Erlebnisgastronomie als Nischenangebot eines Kleinzirkus-Unternehmen.

Selbst im Züritipp, der Beilage zum Tages-Anzeiger, war ein Eintrag zu finden:
«WEIACH. Circus Geschwister Gasser: Abendvorstellung mit Dinner-Spektakel. Reservationen und Infos unter Tel. 079 508 31 49. Kantonsstrasse. 16 h, 19.30 h.».

Gutes Gelingen und en Guete!

Sonntag, 5. November 2006

Tamedia usurpiert Weiacher Wappen

Bisher kannte man unser Gemeindewappen nur in puristischer Form. Ohne Wappenhalter oder Rankenwerk. Seit dem letzten Sonntag ist das anders. Da wurde der Welt nämlich das hier präsentiert (für grösseres Bild anklicken):

Am Wappenschild selber gibt es nichts auszusetzen. Die Blasonierung ist korrekt. Dafür um so mehr am Drumherum. Eichen- und Lorbeerblätter waren bislang nur Zutaten auf den Glocken im Weiacher Kirchturm. Von Mauerkronen und derlei städtischen Stilelementen hat man bei uns auf dem Land aber zu Recht gar nichts gesehen. Das vom Gemeinderat 1931 offiziell anerkannte Wappen war und ist frei von solchem Schnickschnack.

Klar, als Zürcher kommt einem diese Art von Mauerkrone natürlich bekannt vor. Noch bis vor wenigen Tagen war sie uns aber nur in dieser Form hier geläufig:

Will die Stadt das Land erobern?

Was also soll die Mauerkrone über unserem Wappen? Die Antwort findet man - wie könnte es anders sein - bei der Werbeagentur des Medien-Konzerns an der Zürcher Werdstrasse.

Seit einigen Tagen läuft eine grossangelegte Kampagne: grossflächige Zeitungs-Inserate und Plakate im Weltformat kündigen den Vorstoss in den Regionalmarkt an. (vgl. Das Kopfblattsystem auf den Kopf stellen; WeiachBlog vom 2. November).

Die Werber haben sich in einem Anfall von Sauglattismus produziert und sich nicht nur an unserem, nein gleich an Dutzenden von Gemeindewappen «vergriffen» (für grösseres Bild anklicken):


Dieser Ausschnitt aus dem doppelseitigen Inserat, das letzten Sonntag, 29. Oktober, in der SonntagsZeitung erschienen ist, macht eines klar und deutlich: die (Zeitung aus der) Stadt will die Landgemeinden kommerziell in den Sack stecken.

Was sollte das städtische Symbol auf unseren Wappen denn sonst bedeuten? Die Mauerkrone ist vergleichbar mit der Fahne, welche die Astronauten auf dem Mond aufpflanzten. Damit ist's aber spätestens seit dem Ustertag und den neuen Verfassungen von 1831 und 1869 vorbei.

Vielleicht sollten sich die Tagi-Regionalredaktoren doch einmal beim «Zürcher Unterländer» erkundigen, warum solche Anbiederungsversuche schräg ankommen. Das Angebot dazu haben sie ja. Ebenfalls öffentlich bekannt gemacht. Per Inserat im «Zürcher Unterländer».

Freitag, 3. November 2006

Ungefähr 32'400 Weiacher

Vorhin auf Yahoo aus Jux den Begriff «Weiacher» eingegeben. NEIN, ich meinte nicht «weicher», ehrlich! (Auch nicht «Weichacher» *grins*)

Und dann nicht schlecht über das Ergebnis gestaunt. (Anklicken für grösseres Bild)


Verblüffung 1: So weit oben im Ranking würde man sich selber dann doch nicht erwarten. Das dominierende Kiesunternehmen erst auf Platz 3... tztztz... also wirklich.

Verblüffung 2: «Ungefähr» 32'000 hits bei nicht einmal tausend Einwohnern. Erstaunlich. Wird wohl wieder einer dieser Suchmaschinenartefakte sein.

Zurück zur Tagesordnung.

Donnerstag, 2. November 2006

Das Kopfblattsystem auf den Kopf stellen

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: in der Unterländer Zeitungslandschaft stehen grosse Veränderungen bevor.

WeiachBlog hat bereits im Frühling auf erste Pläne hingewiesen: Tages-Anzeiger mischt regionale Presselandschaft auf (Beitrag vom 21. März 2006) und im Sommer die Gegenmassnahmen der Verteidiger beschrieben: Unterländer Bastion gegen das Tagi-Schlachtschiff (Beitrag vom 6. August 2006)

Zwei Machtblöcke stehen sich gegenüber

Die Kontrahenten sind die Tamedia AG auf der einen und die NZZ-Gruppe mit dem Verbund Zürcher Landzeitung auf der anderen Seite. Im Unterland gehören dazu der Zürcher Unterländer (ZU) und das Neue Bülacher Tagblatt (NBT). Letzteres stiess erst am 1. November zur NZZ-Koalition.

Der Angreifer und die Koalition der Verteidiger rühren kräftig die Werbetrommel und machen gerade die letzten Vorbereitungen für ihren Truppenaufmarsch. Die ersten Gefechte im Unterländer Zeitungskrieg stehen unmittelbar bevor. Auf den 6. November ist der Grossangriff des Tages-Anzeigers angekündigt.

Die Schlacht um LeserInnen und Werbegelder

Auf die Idee vom Zeitungskrieg bin ich nicht selber gekommen: Mit einem «Medien-Schlachtschiff, das — koste es, was es wolle — noch so gerne in die Gewässer des Zürcher Unterlandes vordringen möchte», verglich die NBT-Chefredaktorin Dagmar Appelt Ende Juli die Konkurrenz der Tamedia. Und zwar weil sie über die Tages-Anzeiger-Regionalausgabe mit der Trumpfkarte der Unterländer Zeitungen, ihrem engen Lokalbezug, stechen will.

Der bevorstehende Kampf um die Gunst der Leser ist an Dramatik nicht zu überbieten. Immerhin geht es um nichts weniger als das Überleben der letzten alten Unterländer Zeitungen. Die lokalen Werbebudgets werden sich künftig wohl teilweise in die Schatullen der Tamedia ergiessen. Eng wird es also auf jeden Fall. Die Tatsache, dass sich das Neue Bülacher Tagblatt nach über 140 Jahren hart erarbeiteter Selbstständigkeit bereits im Vorfeld des Markteintritts der Tamedia in einen Verbund gerettet hat, spricht Bände.

Ein Kopfblattsystem...

Interessant ist der Kampf auch, weil beide Blöcke denselben Markt mit unterschiedlichen und doch ähnlichen Konzepten anpeilen.

Die Koalition «Zürcher Landzeitung» mit der NZZ-Gruppe im Rücken arbeitet mit einem klassischen Kopfblattsystem, d.h. jede Zeitung behält ihren Titel und eine Kernredaktion fürs Lokale, der ganze Rest (sog. Mantel) wird von einer gemeinsamen Redaktion produziert. Und das wird dann so vermarktet:

«Das Neue Bülacher Tagblatt stösst am 1. November 2006 als Kopfblatt zum Zürcher Underländer und damit zur Zürcher Landzeitung. Die Inserenten profitieren massgeblich von der Weiterentwicklung des Zürcher Unterländer Gesamtausgabe. Neben einer stark steigenden Auflage und Reichweite, insbesondere im Raum Bülach, profitiert der Anzeigenkunde von einem vorteilhaften Preis/Leistungsverhältnis. Den Abonnenten des Neuen Bülacher Tagblatts wird weiterhin eine Zeitung mit eigenständigem Charakter zugestellt.» (Quelle: www.zuercherlandzeitung.ch)

Als Profil gibt der Unterländer an: «Der "Zürcher Unterländer" positioniert sich als Lokal- und Regionalzeitung und ist amtliches Publikationsorgan der meisten Gemeinden der Bezirke Bülach und Dielsdorf. Konzeptionell ist der "Zürcher Unterländer" eine moderne Kompaktzeitung, welche 6mal pro Woche mit einer Auflage von 20.000 Exemplaren erscheint und 40.000 Leser ausweist. Am Donnerstag wird der "Zürcher Unterländer" in alle Haushaltungen verteilt in einer Auflage von 77.000 Exemplaren und zählt 94.000 Leser.» (Quelle: www.zuercherlandzeitung.ch)

... gegen eine Dachmarke mit regionaler Auffächerung

Die Tamedia dagegen operiert mit einer Dachmarke, dem klassischen Tages-Anzeiger. Bei den mit der Frühzustellung durch Verträger direkt zugestellten Ausgaben wird dem Standardprodukt ein sechster Bund eingelegt, der so genannte Regionalbund. Und der ist verschieden - je nach Region in der sich der Briefkasten des Abonnenten befindet. Am Zustellort Weiach wird also der Regionalbund für das Unterland drin sein.

In der Sprache des Prospektes für Werbekunden liest sich das dann so:

«Der «Tages-Anzeiger» schlägt im Zürcher Unterland, in den Bezirken Bülach und Dielsdorf, Wurzeln – mit einer eigenen Redaktion in Bülach. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berichten ab dem 6. November 2006 in der Regionalausgabe jeden Tag darüber, was die Menschen im Zürcher Unterland bewegt. Wir stellen die Leute vor, die in der Politik, in der Wirtschaft, in der Kultur und im Sport etwas bewegen und lassen sie bei uns zu Wort kommen. Bei uns erfahren die Leserinnen und Leser des «Tages-Anzeigers» in einem separaten Zeitungsbund, was vor ihrer Haustüre passiert, was sie ärgert, was sie freut, wer in ihrer Gemeinde den Takt angibt, was ihre Region zusammenhält und wo am meisten läuft», wird Peter Früh, Leiter der Regionalredaktion, zitiert.

Auf Anfrage von WeiachBlog teilte der TA-Leserdienst mit, es sei aus (logistischen) Gründen nicht möglich, die Printausgabe mit einem anderen als dem Regionalbund des Zustellortes zu erhalten. Die TA-Angestellte verwies auf die elektronische Ausgabe. Dort seien sämtliche Regionalartikel abrufbar.

Der Alptraum für die Bibliotheken und Archive wird durch diese Auffächerung noch grösser. Es ist immer schwieriger, sich ein Bild zu machen, was genau zu einem Tages-Anzeiger gehört. Zumal auch heute schon jede Nacht mehrere Ausgaben gedruckt werden (welche man in den Händen hält erkennt man am Stern auf der Titelseite).

Fazit: Ein Tagi ist nicht ein Tagi - es kommt darauf an, wo und wie man ihn bekommt. Ein Unterländer hingegen sieht für alle gleich aus.

Letztlich wird das aber die Leser nicht gross stören. Für sie wird der Inhalt zählen. Auf dem Feld Lokalbezug wird sich entscheiden, ob Leser, die bisher den Tages-Anzeiger UND eine der Regionalzeitungen (ZU oder NBT) abonniert hatten, nun auf letztere verzichten werden.

Wirkung auf Weiach? Wahrscheinlich gar keine.

Beide Seiten versuchten im Vorfeld, bei möglichst vielen Gemeindebehörden den Status eines «Amtlichen Publikationsorgans» zu erlangen oder zu behalten. In Weiach verlorene Liebesmüh. Denn bei uns gibt es mit den monatlich erscheinenden «Mitteilungen für die Gemeinde Weiach» eine Plattform, die für die Bedürfnisse des Gemeinwesens völlig ausreicht und zu einem vernünftigen Preis produziert werden kann. Durch die Verteilung in alle Haushalte ist zudem sichergestellt, dass auch von Neuigkeiten erfährt, wer nicht eine der Tageszeitungen abonniert hat.