Montag, 8. Juni 2026

Es wurden gleich alle zwölf Fenster ersetzt

Mit Fenstern an Gebäuden ist das so eine Sache. Diese Bauteile halten nicht ewig. Manchmal ist es ein heftiger Sturm (wie am 31. Mai 1838, vgl. WeiachBlog Nr. 208), der sämtliche Fensterscheiben auf der Wetterseite (Giebelfassade und Nordwestfassade) zerstört und eine Neuverglasung oder gar noch weiter gehende Reparaturen erfordert. Manchmal aber auch simple Altersschwäche.

In der 2006 veröffentlichten Baugeschichte der Weiacher Kirche gibt es den folgenden Eintrag: «1877 liess man die alten Kirchenfenster durch neue «einfach-verzierte» ersetzen».

Was heisst das nun? Gab es an den alten Fenstern Wappenscheiben? Farbige Glasfenster? Das wissen wir (noch) nicht.

Blättert man im Umfeld der obigen Jahrzahl im Protokoll, dann hat sich die Kirchenpflege Weiach 1876 jedenfalls dazu entschieden, gleich alle Fenster zu ersetzen:

«1. Betreffend die Kirchenfenster wird beschlossen, wenn irgend möglich sämtl. Fenster zu erneuern & den Verwalter zu ersuchen, Concurrenz hierüber zu eröffnen.» (2te Sitzung, den 18. Mai 1876, S. 339)

Das tat Gutsverwalter Meierhofer dann auch. Und zwar sowohl über die amtliche Schiene wie über Inserate in Tageszeitungen. 

Im Amtsblatt des Kantons Zürich vom 13. Juni 1876 steht (als Verlautbarung Nr. 16):

«Konkurrenzeröffnung

Ueber die Erstellung von 12 neuen Fenstern für die Kirche Weiach wird Konkurrenz eröffnet.

Uebernahmslustige wollen ihre Offerten innert 14 Tagen dem Unterzeichneten einreichen, woselbst auch nähere Auskunft ertheilt wird.

Weiach, den 8. Brachmonat 1876

Aus Auftrag der Kirchenpflege:  Jb. Meierhofer, Kirchengutsverwalter.»

Denselben Wortlaut findet man in der 2. Ausgabe der NZZ vom 14. Juni 1876:

Ob nur die Frist zu kurz war? Der Rücklauf an Offerten war jedenfalls nicht gerade berauschend, wie Ende Juli 1876 konstatiert werden musste:

«2. Da der Verwaltung auf die Concurspublication [sic!] bezügl. Erneuerung der Kirchenfenster keine geeignete Anmeldung zugekommen ist, so wird er ersucht, mit thunlichster Beförderung auf anderem Weg zum Zwecke zu gelangen. Man wünscht, daß diese Sache im Lauf dieses Jahres zu Ende gebracht werde, damit im nächsten Jahre die Reparatur des Kirchthurms vorgenommen werden kann, sofern die Kirchgemeinde der Pflege die nöthige Vollmacht ertheilt.»  (3te Sitzung, den 26. Juli 1876, S. 340)

Quellen und Literatur
  • Protocoll der Kirchenpflege Weÿach, 1838-1884 – pag. 339-341. (Signatur: ERKGA Weiach, IV.B.6.2)
  • Amtsblatt des Kantons Zürich, N° 47.  Dienstag den 13. Brachmonat 1876 – S. 1128.
  • Neue Zürcher Zeitung, Nr. 297, 14. Juni 1876, Zweites Blatt – S. 4.
  • Brandenberger, U.: Verderbliches Schlossengewitter. WeiachBlog Nr. 208, 31. Mai 2006.

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