Vor ziemlich genau vier Jahren ist mit WeiachBlog Nr. 1817 der Bericht des «Seeländer Boten» über eine Wagenentgleisung der Schweizerischen Nordostbahn (NOB) kurz vor der Station «Weiach-Kaiserstuhl» abgedruckt und zeitlich eingeordnet worden. Allerdings falsch: Um genau eine Woche zu spät, auf den Samstag 26. Februar 1898.
Nun war dieser Samstag, 26. Februar allerdings auch das Publikationsdatum eines faktisch wortgleichen Beitrags im Winterthurer Landboten. Vgl. die Titelseite für Datum und Wochentag:
Der Nebel lichtet sich
Vor vier Jahren waren die retrodigitalisierten Bestände des 19. Jahrhunderts zweier wichtiger Zeitungen von der Zürcher Landschaft, dem «Landboten» (aus Winterthur) sowie dem «Zürcher Oberländer» (damals noch Der Freisinnige. Anzeiger des Bezirkes Hinweil) noch nicht verfügbar.
Heute kann man sie auf e-newspaperarchives.ch abrufen. Und stellt fest: der Unfall ereignete sich am 19. Februar 1898!
Der Redaktor des Seeländer Boten hat wohl «1 1/2» in «anderthalb» umformuliert, jedoch vergessen, den Passus «am vergangenen Samstag» zeitlich richtig einzuordnen. Er hätte daraus «am vorletzten Samstag», o.ä. machen müssen.
Wir ersehen hieraus, dass allzu unkritisches Verwursten von Nachrichten (womöglich, ohne sie richtig gelesen oder gar verstanden zu haben) durchaus kein Phänomen heutiger Newsrooms von Redaktionen ist, die mittlerweile genausogut auf den Tokelau-Inseln angesiedelt werden könnten.
Agenturmeldung? Die Fassung des Landboten
Zum Belege des Gesagten hier die Fassung, die der Redaktor des Seeländer Boten für seine Ausgabe vom 1. März möglicherweise verwendet hat:
«Auf der Bahnstation Weiach entgleiste am vergangenen Samstag vor Einfahrt in die dortige Station ein Personenwagen des in der Richtung von Winterthur kommenden Bahnzuges infolge Bruches einer Radbandage. Ohne weiteren Unfall konnte der Zug zum Stehen gebracht werden, worauf die Jnsaßen des betroffenen Wagens dislocirt und dieser ausrangirt wurde. Die Passagiere kamen mit einiger Aufregung davon. Einer derselben schlug in seiner Angst eine Scheibe ein, um sich durch das Fenster zu retten und erhielt hiebei eine Verletzung an der einen Hand. Nach etwa 1 1/2 stündigem Unterbruch konnte der Zug seine Fahrt fortsetzen.» (Der Landbote, Nummer 48, 26. Februar 1898, S. 2)
In derselben Ausgabe wird übrigens ausführlich ein Artikel fortgesetzt, in dem es um die Ablösung der Konzession des Bundes für die NOB ging (diese wurde bekanntlich 1902 in die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen integriert). Das Kapitel II hebt an mit den Worten: «Der Bericht des Eisenbahndepartements zeichnet für die Verhandlungen mit der Nordostbahn betreffend Bestimmung des Rückkaufobjektes und Rechnungsaufstellung folgende Momente.»
Quelle und Literatur
- Der Landbote, Nummer 48, 26. Februar 1898, S. 2.
- Brandenberger, U.: Radbandage gebrochen. Passagier schlägt in Panik Scheibe ein. WeiachBlog Nr. 1817, 25. April 2022.
