Wenn der Rhein Hochwasser führt, dann kann es an seinen Ufern gefährlich werden. Allzu viel Schmelzwasser und/oder sintflutartige Niederschläge im Einzugsgebiet seiner Zuflüsse erhöhen sowohl den Pegel wie die Fliessgeschwindigkeit.
Vor den 1920er-Jahren, als es den Rheinstausee östlich des Kraftwerks Eglisau noch nicht gab, war es auch nicht möglich, den Abfluss vorsorglich zu regulieren. Dank meteorologischer Voraussagen und vernetzter Wassermanagement-Fachstellen ist heutzutage eine wesentlich bessere Planbarkeit gegeben.
Breaking news aus dem Wasserkatastrophenjahr 1876
Nicht so im Juni vor 150 Jahren. Damals führten – quer über die Schweiz verteilt – regional auftretende sintflutartige Regenfälle über Wochen hinweg zu massiven Überschwemmungen und enormen Schäden. Begonnen hatten die Probleme bereits im Frühjahr: in Weiach anfangs März 1876 bspw. mit einem grossflächigen Erdrutsch unter dem «Stein» (vgl. WeiachBlog Nr. 2326).
Am heutigen Datum vor anderthalb Jahrhunderten, dem Dienstag, 13. Juni 1876, meldete die Neue Zürcher Zeitung im Zweiten Blatt (d.h. der Abendausgabe) unter der Rubrik Neuestes:
«- In Glattfelden ist heute (13.) Vormittag, etwas vor 10 Uhr, die Staatsbrücke zusammengestürzt und somit die Verbindung mit Weyach abgeschnitten. Die Glatt ist immer noch im Steigen.
- Soeben kommt die telegraphische Nachricht, daß das Mühlegebäude im Grießgraben bei Weyach vom Rhein weggespühlt worden; ebenso die Hälfte der Rheinbrücke bei Kaiserstuhl; die andere Hälfte ist ebenfalls sehr bedroht.»
Glattbrücke auf Befehl abgefackelt
«Wassernoth. Montag Abend. Am letzten Samstag bedeckte sich der Himmel mehr und mehr. Nach einigen vorhergehenden Regenschauern eröffnete Abends ein mit dem Nordwind dahintreibendes Gewitter einen nun 2 Tage andauernden durch neue Gewitter gestärkten Regen. Die Gewitter nehmen ihre Richtung mehr den Vorbergen der Alpen entlang, als über unser Hügelland. Unsere Flüsse, auch die größeren Bäche sind angeschwollen. Die Glatt ist etwas höher als letzten Winter und wird wegen ihrer beiden Seen erst morgen anschwellen. Gleichwohl hat sie viel, sehr viel Mattland unter, in Niederglatt Häuser, ins Wasser gesetzt. Der Rhein ist stark angeschwollen, einen Fuß höher als 1817, wenig minder als die größte bekannte Größe von 1789. Der über 20 Fuß lange Pegel unten an der Brücke in Eglisau ist zu kurz. Das Wasser erreichte um 7 Uhr abends die tieferen Enden der Brückenverschalung bis auf wenige Zoll. Im Laufe des Tages stieg das Wasser stündlich 4 Fuß. Die Brücke bei Kaiserstuhl ist fortgerissen. 2 der Pappeln oberhalb dem Zollhaus sind wegen Unterspühlung gefallen.» (Zit. n. Leemann 1958, Fn-5a)
Diese Unterspülung könnte ein Hinweis auf die Ursache für den Verlust der Brücke sein. Nämlich dann, wenn das Widerlager auf der deutschen Seite dadurch beschädigt wurde.
«Eglisau 12. Juni 7 Uhr 25 abends. Der Rhein ist größer als 1817. Oberriedt, die Ufergelände und das Salzhaus sind eine Treppe hoch unter Wasser. Untere Brückenkante nur 2—3 Fuß über Niveau. Differenz von 10—15 Fuß über gewöhnlichem Wasserstand. Fallen nicht bemerkbar. 13. Juni vormittags 9 Uhr: Der Rhein ist über Nacht bis jetzt mindestens 2 Fuß gefallen. Es kommt weniger Schwemmholz. Rheingröße jetzt noch gleich 1789. Es ist dies die höchsterlebte ....» (Zit. n. Leemann 1958, Fn-5a)
Es ist also ein ziemliches Wunder, dass die ebenfalls aus Holz konstruierte, gedeckte Brücke von Eglisau dieses Hochwasser überstanden hat – im Gegensatz zu ihrer Schwester bei Kaiserstuhl.
Quelle und Literatur
- Neue Zürcher Zeitung, 13. Juni 1876, Zweites Blatt, Nummer 295, S. 3.
- Leemann, A.: Revision der Würmterrassen im Rheintal zwischen Diessenhofen und Koblenz. In: Geographica Helvetica, XIII (1958) – S. 118, Fussnoten 5a und 5b.
- Brandenberger, U.: Erdschlipf im Soli zerstört neues Heimwesen. WeiachBlog Nr. 2326, 4. März 2026.
- Wikipedia-Artikel Rheinbrücke Kaiserstuhl–Hohentengen, Version vom 16. September 2024.
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