«Mehrere tödliche Badeunfälle in einer Woche erschüttern die Schweiz: Ein Bub (†5) ertrank in der Reuss, zwei Männer verschwanden in der Aare, ein 29-Jähriger starb im Genfersee.»
So fasste der Blick am 27. Juni unter dem Titel «Die Hitzewelle lockt ins Wasser – diese Fehler können tödlich enden» die Bilanz weniger Tage zusammen.
11-Jährige verschwanden im Rhein
Vor 125 Jahren war das nicht viel anders. In den grossen Schweizer Flüssen und Seen kamen ebenfalls minderjährige Knaben ums Leben.
Am Donnerstag, 18. Juli 1901 war im Winterthurer Landboten zu lesen:
«Am Sonntag Abend [14. Juli] ertrank in Weiach beim Baden im Rhein ein des Schwimmens unkundiger 11 Jahre alter Knabe; sein 3 Jahre älterer Bruder versuchte denselben zu retten, aber umsonst. Der Unglückliche verschwand in kurzer Zeit in den Fluthen.» (Der Landbote und Tagblatt der Stadt Winterthur, N°. 166, 18. Juli 1901, S. 2)
Die katholisch geprägten Zürcher Nachrichten (spätere NZN) erschienen damals zweimal wöchentlich und kürzten diese Meldung ein:
«Sonntag abend ertrank beim Baden im Rhein ein des Schwimmens unkundiger 11-jähriger Knabe. Sein etwa 3 Jahre älterer Bruder versuchte denselben zu retten aber umsonst.» (Zürcher Nachrichten, 6. Jg., Nr. 58, 20. Juli 1901, S. 2)
Am selben Tag publizierte der Schweizer Bauer in der Rubrik «Kleine Zeitung folgende dürre Notiz: «Bei Laufenburg ist ein 11jähriger Knabe ertrunken.» (Schweizer Bauer, Bd. 55, Nr. 58, 20. Juli 1901, S. 3) – ein seltsamer Zufall: Vater Rhein verschlang bevorzugt elfjährige Buben.
Eine wahre Häufung von ertrunkenen Kindern
Bereits die nächste Ausgabe des Schweizer Bauer lieferte allein aus dem Kanton Zürich eine ganze Litanei von Horrormeldungen in landwirtschaftliche Stuben, darunter auch die zum Weiacher Unglück:
«Im Rhein bei Weiach ist letzten Sonntag beim Baden ein 11jähriger Knabe ertrunken.» (Schweizer Bauer, Bd. 55, Nr. 59, 24. Juli 1901, S. 2.)
Allzu aufmerksam war der in Oberburg bei Burgdorf ansässige Schweizer Bauer-Redaktor Flückiger nicht: den «letzten» hätte er auf den «vorletzten Sonntag» korrigieren müssen. Läge einem nur seine Zeitung vor, dann würde man den Weiacher Fall irrtümlicherweise auf den 21. Juli setzen.
Mit diesen Datierungsproblemen ist er aber nicht allein. Allein schon deshalb muss man sich bei solchen Meldungen wo möglich immer auch in Zeitungen informieren, deren Redaktion in möglichst nahe dem Unglücksort liegenden Orten tätig war. Retrodigitalisierung sei Dank geht das heutzutage viel einfacher als früher.
Aus gegebenem Anlass hier noch ein Exkurs in die Schweizer Pressegeschichte:
Der Schweizer Bauer. Bernische Blätter für Landwirthschaft.
Die Zeitung Schweizer Bauer erschien erstmals im Juni 1846 als Wochenblatt für Landwirthschaft und Gartenbau. Sie entwickelte sich zu einem Publikationsorgan verschiedener Vereinigungen. 1901 beispielsweise galt sie als:
«Organ der Oekonomischen und gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Bern, des Verbandes landwirtschaftl. Genossenschaften des Kantons Bern und benachbarter Kantone, des bernischen Käsereiverbandes, des landwirthschaftlichen Vereins Murten, der ökonomischen Gesellschaft des Sensebezirks und der bernischen Simmenthaler-Vieh züchtenden Genossenschaften.»
Diese Publikation war sozusagen die Berner Antwort auf die in Zürich publizierte Schweizerische Zeitschrift für Landwirthschaft. Organ des Vereines für Landwirthschaft und Gartenbau im Kanton Zürich, der wir konkrete Angaben zu den Aktivitäten des Weiacher Gemeindsvereins verdanken (vgl. Wiachiana Fontes Bd. 3; PDF, 8.90 MB).

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