Erinnern Sie sich noch, wie das war mit sechs, sieben oder acht Jahren? Sechs Wochen Sommerferien, eine schier endlose Zeit. Und jetzt stellen Sie sich sechs Monate vor. Schwer fassbar, nur schon weil sie fast zehn Prozent des eigenen Lebens ausgemacht haben.
Als Weiacher Schulkind lernte man in diesem Alter auch, dass ein Schulhaus, das man mit allen Klassenkameraden samt Lehrkräften bereits im Dezember des Vorjahres bezogen und sozusagen in Besitz genommen hat, mehr als ein halbes Jahr später (!!!) NOCH EINMAL eingeweiht werden muss. Verstehe einer diese Erwachsenenwelt. Wo bleibt da die Logik?
Ein Festschrift vom Feinsten
Aber so war es damals tatsächlich, anfangs September 1976. Heute vor 50 Jahren, am Freitag, dem 3.9., fingen die Festivitäten an. Und es gab dazu sogar eine auf feinstes Papier gedruckte Festschrift. Ganz ohne jede Werbung! So sieht das Titelblatt aus:
Willkommensgruss
zur Einweihung der neuen Schulanlage Hofwies
Nun ist der Tag gekommen, an dem wir das neue Schulhaus samt Turnhalle und Nebengebäude auch der Öffentlichkeit vorstellen dürfen.
Dieses Bauwerk, das durch grosse finanzielle Opfer der Gemeinde und des Staates ermöglicht wurde, stellt einen Markstein in der Geschichte unserer Gemeinde dar. Wir dürfen heute mit Genugtuung feststellen, dass sich die vielen Mühen und Arbeiten gelohnt haben. Zwar werden noch manche Steuerbatzen nötig sein, bis die Restschuld getilgt ist. Doch für die Ausbildung unserer Jugend und die Förderung des kulturellen Lebens sind solche Investitionen gerechtfertigt. Ist es doch nicht selbstverständlich, dass eine kleine Gemeinde zu solchen Bauvorhaben ja sagt. Für das grosse Verständnis gebührt den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern von Weiach der beste Dank.
Die Einweihung der schönen neuen Anlagen soll zu einem Freudentag für die ganze Gemeinde werden, zu einem Fest, das den guten Abschluss eines grossen Projektes bedeutet. Wir laden dazu die ganze Dorfbevölkerung, jung und alt, gross und klein, die Vertreter der kantonalen Behörden, die früheren und jetzigen Lehrkräfte, die Delegationen der Schul- und Gemeindebehörden und Gäste aus der Nachbarschaft recht herzlich ein.
Wir freuen uns, wenn wir zu diesem frohen Fest viele ehemalige Schüler von nah und fern begrüssen dürfen. Wir heissen sie bei uns besonders herzlich willkommen. Sie bekunden mit ihrem Besuch, dass sie sich immer noch mit unserer Gemeinde verbunden fühlen, wo sie einst bei uns glückliche Jugendtage und erinnerungsfrohe Schuljahre verbringen konnten.
Gerne geben wir unserem Wunsch Ausdruck, dass dieses Dorffest eine Gelegenheit bietet, einander näherzukommen und das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen der angestammten Bevölkerung und den neuen Mitbewohnern innerhalb der Dorfgemeinschaft zu fördern und zu stärken. Wir hoffen, dass dieses fortschrittliche Werk – eine Stätte der Bildung und Kultur – der jetzigen und kommenden Generation zum Nutzen und Segen gereichen wird.
Primarschulpflege und Gemeinderat
Dorffest Einweihung Hofwies sollte auch Integration fördern
Man erkennt hier, dass die Integration der Neuzuzüger schon damals ein wichtiges Anliegen der Behörden war. Und es war durchaus von Erfolg gekrönt. Ein Neuzuzüger von 1974, Gregor Trachsel, wurde später Gemeindepräsident. Einer weiterer von 1975, Armin Brandenberger, wurde Feuerwehroffizier und Oberstufenschulpfleger. Und das sind lediglich zwei willkürlich herausgepflückte Beispiele.
Quelle
- Willkommensgruss. In: Primarschulpflege Weiach (Hrsg.): Einweihung der neuen Schulanlage Hofwies Weiach. Freitag/Samstag/Sonntag, 3./4./5. September 1976. – Festschrift. o.J. o.O., 14 unpaginierte Seiten – S. 1.
