Donnerstag, 24. September 2026

Der verschwundene Eiskeller im Bedmen

Es ist schon bald ein Vierteljahrhundert her, dass der Autor dieses Beitrags im Oktober 2003 ein Gespräch mit Walter Wagner, dem letzten Wirt des Weiacher «Gasthofs zum Sternen», führen konnte. Das von Zollinger 1972 in seiner «Chronik» erwähnte, längst verschwundene «Restaurant Brauerei» sei das Haus der Familie Troxler an der Kaiserstuhlerstrasse 29a/b. 

Im Hang hinter diesem Haus – also dort, wo sich heute das Doppeleinfamilienhaus Haslistrasse 3/5 sowie die sechs Reiheneinfamilienhäuser Haslistrasse 7/9/11/13/15/17 samt gemeinsamer Tiefgarage befinden – solle es einen tiefen Gewölbekeller gegeben haben. Dölf Bütler wisse viel darüber.

Der Hauseigentümer muss sich auf Dritte stützen

Hauseigentümer Josef Troxler selber erinnerte sich im Februar 2007, der frühere Keller im Berg drin sei gemauert gewesen, offenbar Backsteingewölbe. Und wenn es lange geregnet habe, dann habe es zwischen den Steinen herausgetropft. Von einer Brauerei im Haus selber habe ihnen niemand etwas erzählt, nur dass der Keller im Berg als Eiskeller für Bier genutzt worden sei. Letzteres erfuhr Troxler von der Erbengemeinschaft Gut-Willi.

Nachdem ich diese in den Tiefen meiner Festplatten schlummernde Mosaiksteine wieder ausgegraben hatte, ging es daran, den erwähnten Adolf Bütler, alt Wirt des Restaurants Wiesental, zu befragen.

Nachnutzung als landwirtschaftlicher Lagerraum

Dölf (*1932) erinnert sich tatsächlich noch relativ gut, auch wenn er selbstironisch meint, er habe vieles vergessen und es sei nicht mehr die Zeit Rekorde aufstellen zu wollen.

Der Gewölbekeller sei – entgegen dem was Troxler erzählte – nur vorne beim Eingang etwas undicht gewesen, im hinteren Teil aber trocken, der Humus auf dem Keller habe das Wasser aufgesogen und das aus Ziegelsteinen gemauerte Gewölbe habe gehalten. 

Es sei 15 bis 20 Meter lang gewesen und etwa ebenso breit, fast ein quadratischer Grundriss ohne grosse Abstützungen, teilweise sei er wohl auch in den Hang hinein gebaut gewesen. Also weitgehend im Freien gebaut und dann mutmasslich mit Erde überdeckt um den Isolationseffekt zu erzielen.

Der Keller wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der Familie Bütler (Rest. Wiesental) als frostsicheres Winterlager für Runkelrüben genutzt. Diese hätten sie jeden Tag dort geholt und zu Futter für das Rindvieh in ihrem Stall an der Kaiserstuhlerstrasse 15 verarbeitet. Auch Saatkartoffeln hätten sie dort eingelagert.

Genauer Standort

Man sieht den Keller auf der LK 1:25'000 zw. 1956 und 1993 (Karte links; Standort: Zentrum des roten Kreises). Er muss in den 1980er-Jahren abgebrochen worden sein, da die REFH hinter Kaiserstuhlerstr. 29a laut der Karte rechts (Gebäudealter) das Baujahr 1989 haben. Und ein Teil des früheren Kellers sonst unter Nr. 11 liegen würde.

Mutmasslich hat also auch Zollinger (ab 1919 in Weiach) das Rest. Brauerei nie selber gesehen, möglicherweise aber den Eiskeller der Brauerei.

Quellen und Literatur

  • Landeskarte der Schweiz, 1:25'000, Blatt 1051 Eglisau.
  • Zollinger, W.: Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach. (Chronik Weiach. 1271-1971). Hrsg.: Gemeinderat Weiach. 1. Auflage 1972; 2., ergänzte Auflage 1984 – S. 58.
  • Gespräch des Autors mit Walter Wagner, alt Sternenwirt, am 14. Oktober 2003.
  • Gespräch des Autors mit Josef Troxler, pensioniert, früher Inhaber der Firma ABAG Feuerlöscher (damals Sitz in Glattfelden), am 20. Februar 2007.
  • Gespräch des Autors mit Adolf Bütler, alt Wiesentalwirt, am 23. September 2026.

Mittwoch, 23. September 2026

Die «Brauerei zum Sternen» im Spiegel der Quellen

Im Artikel von vorgestern (WeiachBlog Nr. 2377) sind die zwei von Schoellhorn genannten Weiacher Brauereien aufgeführt. Als die ältere der beiden wird die «Brauerei zum Sternen» mit dem Gründungsjahr 1869 ausgewiesen. In beiden Lagerbüchern (StAZH RR I 575.1 wie PGA Weiach IV.B.06.01, vgl. Bild unten) ist jedoch erst per 1877 explizit die Bezeichnung «Brauereigebäude» verwendet worden! 

Frage: Kann es sein, dass man ein teures Equipment erst Jahre später bei der Versicherung anmeldet? Möglich, aber wenig wahrscheinlich, v.a. weil jeder im Dorf gewusst hat (also auch die Person, die das Lagerbuch seitens der Gemeinde à jour halten musste), dass der Sternenwirt ab Inbetriebnahme seines Braukessels nun eigenes Bier ausschenkte.

Nachdem die Brauerei Rheinthal des Jakob Denzler bereits 1874 den Betrieb aufgenommen hat (vgl. WeiachBlog Nr. 2378), muss angenommen werden, dass die Brauerei zum Sternen nicht älter, sondern jünger ist. Ihr Eigentümer Rudolf Willi hat also wohl nicht als erster die Idee gehabt, sondern auf die Konkurrenz wenige Meter Richtung Kaiserstuhl reagiert.

Nachstehend zuerst der Volltext nach Schoellhorn und dann die Diskussion anhand der Originalquellen:

Brauerei zum Sternen in Weiach. (Nr. 36.)

«In Weiach besaß im Jahre 1830 Herr Jakob Schenkel das Wirtshaus zum "Sternen", das zu fl. 6000.- brandversichert war, ferner eine Scheune mit "doppelter Bestallung", die zu fl. 1500.- und ein Schlacht- und Waschhaus, das zu fl. 250.- versichert war.

Dieses Anwesen ging an Herrn Rudolf Willi, Metzger, über und dieser ließ im Jahre 1869 in dem Schlacht- und Waschhaus eine Brauerei einrichten, die allerdings nicht groß sein konnte, denn die Gebäudeversicherung wurde von Fr. 550.- nur auf Fr. 1000.- erhöht. Die Braupfanne mit Ofen wurde später zu Fr. 400.- nachversichert.

Das Anwesen wechselte wiederholt den Besitzer und es war nicht festzustellen, ob der Brauereibetrieb stets aufrecht erhalten wurde, bezw. wann er eingestellt worden ist.

Im Jahre 1894 war das Anwesen im Besitze von Herrn Rudolf Meier, Metzger, und zu dieser Zeit war der "Brauofen" noch vorhanden und zu Fr. 400.- brandversichert.

Mehr als für den Bedarf der eigenen Wirtschaft ist in dieser kleinen Brauerei wohl nie gebraut worden.»

Entgegen der Darstellung von Schoellhorn wurden nicht schon 1869, sondern mutmasslich erst Jahre später bauliche Massnahmen in Richtung Bierbrauerei unternommen, denn erst 1877 wird die Brauerei explizit im Lagerbuch erwähnt (s. übernächster Abschnitt)

Systematischer Irrtum von Hedinger

Dr. h.c. Hedinger, der in seine Stoffsammlung über den Bezirk Dielsdorf und seine Gemeinden wohl in sämtliche Gemeindehefte die Daten aus der Schoellhorn-Liste notierte, ist von einer falschen Annahme ausgegangen. Nämlich, dass die Angaben nur Brauerei-Belange beträfen. Dem ist jedoch überhaupt nicht so. Schoellhorn (oder die von ihm mit dem Exzerpieren beauftragte Person) hat auch eine kleine Hausgeschichte der Brauereigebäude aus den Lagerbüchern entnommen und niedergeschrieben. 

So kommt es denn auch bei der Brauerei zum Sternen zur absurden Annahme, die mit obrigkeitlicher Bewilligung von 1829 neu an der Hauptstrasse platzierte Taverne sei ab ovo auch gleich eine Brauerei gewesen: «1830 hatte hier Jak. Schenkel im „Sternen“ eine Brauerei (Fritz Schoellhorn: Brauereien im Kt. Zch., 1922, S. 261. (St. Arch.)» Dem ist nicht so.

Ester N° 133 mit 112b zusammengebaut 

Im Jahr 1830 wurden die beiden Gebäude mit den Assekuranznummern 112a und 112b gebaut. Ortsbezeichnung: «Ester», was völlig korrekt ist, denn sie stehen an den damaligen Toren des Dorfkerns, der ihn von den Landwirtschaftsflächen abgrenzt. 

1847 wurde angelehnt an letztere die Baute Nr. 133 errichtet, was man auch an der Schätzung in der Rechnungswährung Gulden sieht, die vor der Gründung des Bundesstaates in Zürich Verwendung fand. Unter «Benennung des Gebäudes» ist «1 Schlacht- und Waschhaus» aufgeführt.

Als «Rud. Willi, Metzger z. Sternen» das ehemals ehafte Wirtshaus 1869 übernahm, da wurde die Benennung in genau derselben Form übernommen. Kein Hinweis auf eine Bierbrauerei.

Nachversicherung der Braueinrichtung war wohl nur Präzisierung

1877 – Eigentümer: Rudolf Willi Metzger. Benennung: «1 Brauereigebäude mit Waschhaus». Kadasteranschlag: 1000 Frk.

1886 – Eigentümer: David Albrecht. Benennung: «1 Brauereigebäude mit Waschhaus» und «1 Brauofen». Gesamthaft gleicher Kadasteranschlag wie 1877.

Da der Versicherungswert gleich bleibt, fand wohl nur eine Aufspaltung zwischen Gebäude und Einrichtung statt, auf die man in den 9 Jahren zuvor verzichtete hatte.

1889 – Eigentümer: Johs. Ungericht Bezirksrichter in Dietikon. Benennung: «1 Bierbrauereigebäude mit Waschhaus» u. «1 Brauofen». Gesamthaft gleicher Kadasteranschlag wie 1877.

1890 – Eigentümerin: Elisabetha Sigrist. Benennung: «1 Bierbrauereigebäude mit Waschhaus» «1 Brauofen». Gesamthaft gleicher Kadasteranschlag wie 1877.

1891 – Eigentümerin: Elisabetha Sigrist. Benennung: «1 Brauereigebäude mit Waschhaus» «1 Brauofen». Kadasteranschlag nur noch 900 Franken.

1894 – Eigentümer: Rudolf Meier Metzger. Benennung: «1 Brauereigebäude mit Waschhaus» «1 Brauofen». Kadasteranschlag wie 1894.


Ab 1895 keine Brauereigebäude mehr

Im zweiten Band der Lagerbücher (PGA Weiach IV.B.06.02) ist – nach System 1895 unter «Bedmen, N° 181» – keine Rede mehr von Brauerei. Ab 1895 wird das Gebäude nur noch als «1 Waschhaus» bezeichnet, ab 1938 als «1 Waschhaus & Durchfahrt»:

Laut Aussage von Walter Wagner, alt Sternenwirt, wurde dieses ehemalige Brau- und Waschhaus im Zuge der Umgestaltung der Sternenkreuzung im Jahre 1974 abgerissen.

Quellen und Literatur

  • Lagerbuch Gebäudeversicherung Kt. ZH, Expl. Verwaltung, 1812-1894. Signatur: StAZH RR I 575.1. -- Lagerbuch Gebäudeversicherung Kt. ZH, Expl. Verwaltung, 1895-1936. Signatur: StAZH RR I 575.2.
  • Lagerbuch Gebäudeversicherung Kt. ZH, Expl. Gemeinde, 1834-1894. Signatur: PGA Weiach IV.B.06.01. -- Lagerbuch Gebäudeversicherung Kt. ZH, Expl. Gemeinde, 1895-1954. Signatur: PGA Weiach IV.B.06.02.
  • Schoellhorn, F.: Das Braugewerbe und die Brauereien des Kantons Zürich. Winterthur 1922. Bibliotheksnachweis, u.a.: StAZH Bib. Dg 740 – S. 261.
  • Hedinger, H.: Geschichte der politischen Gemeinde Weiach. Stoffsammlung seit Juni 1912 [Heft umfasst 24 Seiten chronologische Abschnitte darstellend, zusätzlich viele Zeitungsausschnitte, Fotos und Notizen in hinterer Schutzumschlagklappe]. StAZH X 211.1.31. Alte Signatur: StAZH X 211.3 Heft 25 – S. 22.
  • Gespräch des Autors mit Walter Wagner, alt Sternenwirt, am 14. Oktober 2003.

Dienstag, 22. September 2026

Die «Bierbrauerei Rheinthal» im Spiegel der Quellen

Im gestrigen Artikel (WeiachBlog Nr. 2377) sind die zwei von Schoellhorn genannten Weiacher Brauereien aufgeführt. Als die ältere der beiden weist der Autor die «Brauerei zum Sternen» mit dem Gründungsjahr 1869 aus. In beiden Lagerbüchern (StAZH RR I 575.1 wie PGA Weiach IV.B.06.01, vgl. Bild unten) wird jedoch erst per 1877 explizit die Bezeichnung «Brauereigebäude» verwendet!

Damit lässt ausgerechnet Schoellhorns Hauptquelle meines Erachtens einzig den Schluss zu, dass die in seinem Verzeichnis zweitgenannte «Brauerei Denzler», deren Einrichtung erstmals 1874 im Lagerbuch eingetragen wurde, das ältere Unternehmen sein muss. 

Nachstehend zuerst der Volltext nach Schoellhorn und dann die Diskussion anhand der Originalquellen:

Brauerei Denzler in Weiach. (Nr. 43.)

«Herr Jakob Denzler, Bierbrauer, besaß in Bödmen-Weiach im Jahre 1871 ein Wohnhaus mit Scheune und Stall, das zu Fr. 9500.- gegen Brand versichert war. Im Jahre 1874 ließ er den Schweinestall, Schopfanbau, das Waschhaus und das Hühnerhaus zu einer Bierbrauerei umbauen und die Versicherung wurde auf Fr. 10,500.- erhöht.

Schon im Jahre 1877 ging das Anwesen in andere Hände über. Herr Gemeinderat Heinrich Willi hatte es erworben, verkaufte es aber nach wenigen Jahren an Herrn Johannes Spieß von Außersihl. Im Jahre 1882 war es im Besitz eines Hermann Rehm, Bierbrauer, und im folgenden Jahr in dem der hinterlassenen Witwe Verena Rehm geb. Schneller. Drei Jahre später kaufte es Herr Rudolf Willi, alt Sternenwirt, von Weiach, der im Jahre 1869 eine Brauerei zum Sternen gebaut hatte.

Im Jahre 1887 war der Brauereianbau noch mit Fr. 400.-, der Brauofen samt Kessel mit Fr. 400.- in der Versicherung, dagegen im Jahre 1892 als abgetragen vermerkt. 

Wie lange in der Brauerei Bier erzeugt wurde, konnte nicht festgestellt werden. Es handelt sich hier um kleinste Verhältnisse.»  (Schoellhorn 1922, S. 268)

Korrekte Flurbezeichnung, Irreführungen und falsche Versicherungssummen

Die lokale Fassung des Lagerbuchs führt die Angaben zu diesem 1842 erbauten Gebäude unter dem Titel «Weiach N° 126 im Bödmen» auf, was dem heute gebräuchlichen Flurnamen «Bedmen» entspricht. [126 ist die Nummer nach System 1809; 185 die nach System 1895; heute Nr. 641 nach System 1955]

Weshalb Schoellhorn nicht den Zeitpunkt des Erwerbs durch Jakob Denzler (im Jahre 1868) erwähnt, ist unklar. Es ist zwar richtig, dass Denzler das Gebäude auch 1871 besass. Diese Erwähnung kann jedoch allzuleicht in völlig falschen Tatsachenvermutungen münden. So bspw. nachweislich bei Dr. h.c. Hedinger, der in seiner Stoffsammlung ins Heft 25 über Weiach auf S. 23 notierte: «1871 hatte Jak. Denzler hier ebenfalls eine Brauerei (Fritz Schoellhorn: Brauereien im Kt. Zch., 1922, S. 268. (St. Arch.))

Zumindest laut den Lagerbüchern war dieses Gebäudeensemble («Wohnhaus, Scheune, Stall & Schopfanbau») mitsamt «1 Hühnerhausanbau» im Jahre 1871 noch längst keine Brauerei. Es war überdies – entgegen der Angabe Schoellhorns – noch zu 8500 Franken versichert. Die erwähnten 9500 Franken wurden 1873 erwähnt, als offenbar bereits Umbauten im Hinblick auf das angestrebte Unternehmensziel getätigt wurden. Dazu passt eine Aussage eines späteren Eigentümers der Liegenschaft, Josef Troxler: Beim Abbruch eines Ofens in ihrem Haus Kaiserstuhlerstr. 29 hätten sie einen Zeitungsschnipsel von 1872 gefunden. (Persönl. Gespräch mit dem Autor, 20. Februar 2007).

Erst 1874 wird explizit «Jakob Denzler, Bierbrauer» als Eigentümer eingetragen, was ein weiterer Hinweis auf den Zeitpunkt der Betriebsaufnahme ist.



Die detaillierte Angabe «Schweinestall, Schopfanbau, das Waschhaus und das Hühnerhaus» seien zur Brauerei umgebaut worden, hat Schoellhorn im Übrigen aus dem Kleingeschriebenen übernommen, das den Platz der äussersten Spalte rechts sprengt.

Liegenschaft musste schon 1877 verkauft werden

Das Geschäft mit der Bierbrauerei scheint Jakob Denzler entweder nicht wie gewünscht gelaufen zu sein, oder er hat sich heillos finanziell überfordert (vgl. den Abschnitt zu seinem Bauprojekt an der Bahnstation!). Etwas in der Richtung muss man jedenfalls annehmen, denn bereits 1877 erfolgte laut Lagerbuch die Handänderung an «Heinrich Willi Gmdrth.».

In der Folge rekapituliert Schoellhorn die ab 1877 folgenden Handänderungen, wie sie im Lagerbuch der Gebäudeversicherung (StAZH RR I 575.1) eingetragen wurden soweit korrekt. 

Unklar ist, ob der erwähnte Spiess aus Aussersihl, der die Liegenschaft 1880 von Gemeinderat Willi gekauft hatte, mit den 1883 und 1887 aufgeführten Bülacher Spiess identisch ist, oder nicht. Möglich wäre ein Firmenumzug, aber auch, dass es sich um Verwandte gehandelt hat, die als Immobilienspekulanten tätig waren.

Tod und Konkurs. Bierbrauerehepaar Rehm im Unglück 

Die Weiacher Fassung erwähnt den Eigentumsübergang an die Witwe des Bierbrauers Rehm überhaupt nicht. Was dafür in der Verwaltungsfassung (und damit bei Schoellhorn) fehlt, ist der Umstand, dass das Ehepaar Rehm kurz nacheinander in Konkurs gefallen ist (Hermann möglicherweise erst postum) und der Bülacher Immobilienagent Spiess die Liegenschaft 1883 (letzteres aus dem Weiacher Exemplar ersichtlich) aus der Konkursmasse erworben hat. 

Vgl. hierzu auch die noch auszuwertenden Konkursprotokolle des Notariats Niederglatt (Rehm, Hermann, Bierbrauer, von Deutschland, in Weiach. 07.1883 - 01.1884. Signatur: StAZH Z 761.306; sowie Rehm, Verena, geborene Schneller, in Weiach. 11.1883 - 05.1884. Signatur: StAZH Z 761.314)

Nur ein immobiler Ladenhüter oder weitere glücklose Brauer bis 1892?

Erst 1886 fand Spiess mit Rudolf Willi, a. Sternenwirt, einen Käufer, der jedoch an dem Objekt nicht allzu viel Gefallen gefunden hat, denn bereits 1887 ist erneut ein Spiess aus Bülach als Eigentümer aufgeführt. Er konnte die Liegenschaft 1891 an Johs. Baumgartner Johannesen a. Wächters verkaufen, dessen Sohn 1892 den über all die Handänderungen erhalten gebliebenen «Brauofen samt Kessel» ausbauen liess.


Das Jahr 1892 markiert somit den spätestmöglichen Zeitpunkt, ab dem in dieser Brauerei nicht mehr Bier hergestellt werden konnte, auch nicht durch Dritte, also Brauer, die sich eingemietet hätten.

Der Firmenname. Erhalten dank Inseraten im Bülach-Dielsdorfer Volksfreund

Eine bislang unvollständige Durchsicht der Archivexemplare des späteren Neuen Bülacher Tagblatts hat folgende Werbemassnahme von Anfang Februar 1876 zutage gefördert:

«Bierbrauerei "Rheinthal" in Weiach
Von heute an wird ausgezeichnetes Bier ausgeschenkt.
Es empfiehlt sich bestens.
Denzler, Bierbrauer.
»

(Bülach-Dielsdorfer Volksfreund, Nr. 11, 5. Februar 1876, S. 4 ganz unten rechts)

Ebenfalls im Volksfreund dokumentiert ist, wie die Bierbrauerei Rheinthal endete. Die Todesnachricht wird von einer Gantanzeige Ende des Jahres 1879 übermittelt. Vgl. Bülach-Dielsdorfer Volksfreund
Nr. 103, 27. Dezember 1879 & Nr. 104, 31. Dezember 1879.

Die Anfänge der Restauration zum Bahnhof

Jakob Denzler hatte neben der Bierbrauerei vielleicht noch eine weitere Geschäftsidee: ein Restaurant direkt an der neuen Bahnstation Weiach-Kaiserstuhl. Vorerst liess ein als Wohnhaus deklariertes Gebäude vis-à-vis der standardisierten Nordostbahn-Stationsbaute erstellen.

Im Bülach-Dielsdorfer Volksfreund, Nr. 35, 29. April 1876, ist auf Seite 2 das Baugespann des Denzler Bierbrauer in Rheinthal auf einem Grundstück im See gegenüber dem Stationsgebäude für ein neues Wohnhaus ausgeschrieben.

1876 liess Denzler (bezeichnet als «Wirth») das Gebäude N° 135 (System 1809) bei der kantonalen Gebäudeversicherung eintragen. Ortsbezeichnung: «Bei der Station». 1877 wird Denzler im selben Weiacher Lagerbuch unter diesem Gebäude explizit als «Bierbrauer» bezeichnet. Erst 1887 wird es nach mehreren Handänderungen als «Wohnhaus mit Wirthschaft» ausgewiesen. 1895 schliesslich als «Wohn- und Wirthshaus». Vgl. die Einschätzung Zollingers zum Entstehungszeitpunkt im nächsten Abschnitt.

Wo stand das Restaurant Brauerei?

Nun erhebt sich noch eine Zuordnungsfrage, die sich den Zeitgenossen des Walter Zollinger noch nicht gestellt hat. In seinem 1972 erschienenen blauen Büchlein (Chronik 1271-1971) schreibt Zollinger auf Seite 58:

«Es existierten zu Ende des 19. Jahrhunderts ausser der «Taverne zum Sternen» noch 4 oder 5 kleinere Wein- und Speisewirtschaften im Dorf, ohne das um das Jahr 1880 entstandene Restaurant «Bahnhof». So sind seither die Wirtschaft «Zum Weinberg» (spätere Bäckerei Griesser), die einstige «Brauerei» (heute Karl Gut) sowie die Wirtschaft «Zur Post» (heute Rudolf Meierhofer) längst eingegangen.».

Der Hinweis auf Karl Gut kann man heute nur dann einordnen, wenn man die Lagerbücher (1895-1954; PGA Weiach IV.B.06.02 bzw. StAZH RR I 575.2) konsultiert und dort herausfindet, dass diese Person ab 1936 Eigentümer der Liegenschaft «Weiach N° 126 im Bödmen» war. Also dem Standort der Brauerei Rheinthal. 

Bislang wissen wir aber weder, wann die Wirtschaft «Brauerei» gegründet wurde, noch wann sie eingangen ist. Es liegt lediglich ein Hinweis von Adolf Bütler vor, ehemals Wirt im Wiesental. Als seine Familie 1923 nach Weiach gekommen sei, hätten sie dort keine Konkurrenz gehabt.

Quellen und Literatur
  • Lagerbuch Gebäudeversicherung Kt. ZH, Expl. Verwaltung, 1812-1894. Signatur: StAZH RR I 575.1. -- Lagerbuch Gebäudeversicherung Kt. ZH, Expl. Verwaltung, 1895-1936. Signatur: StAZH RR I 575.2.
  • Lagerbuch Gebäudeversicherung Kt. ZH, Expl. Gemeinde, 1834-1894. Signatur: PGA Weiach IV.B.06.01. -- Lagerbuch Gebäudeversicherung Kt. ZH, Expl. Gemeinde, 1895-1954. Signatur: PGA Weiach IV.B.06.02.
  • Schoellhorn, F.: Das Braugewerbe und die Brauereien des Kantons Zürich. Winterthur 1922. Bibliotheksnachweis, u.a.: StAZH Bib. Dg 740 – S. 268.
  • Hedinger, H.: Geschichte der politischen Gemeinde Weiach. Stoffsammlung seit Juni 1912 [Heft umfasst 24 Seiten chronologische Abschnitte darstellend, zusätzlich viele Zeitungsausschnitte, Fotos und Notizen in hinterer Schutzumschlagklappe]. StAZH X 211.1.31. Alte Signatur: StAZH X 211.3 Heft 25 – S. 23.
  • Zollinger, W.: Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach. (Chronik Weiach. 1271-1971). Hrsg.: Gemeinderat Weiach. 1. Auflage 1972; 2., ergänzte Auflage 1984 – S. 58.
  • Gespräch des Autors mit Walter Wagner, alt Sternenwirt, am 14. Oktober 2003.
  • Gespräch des Autors mit Josef Troxler, pensioniert, früher Inhaber der Firma ABAG Feuerlöscher (damals Sitz in Glattfelden) vom 20. Februar 2007.
  • Gespräch des Autors mit Adolf Bütler, alt Wiesentalwirt, am 22. September 2026.

Montag, 21. September 2026

Weiacher Bier – für eine kurze Periode im späten 19. Jh.

Die diesjährige grosse Wechselausstellung im Ortsmuseum Weiach ist flüssiger Nahrung gewidmet: «Wein – Most – Bier. Alles von hier.» Der eingängige Titel reimt sich nicht nur schön, er hält auch die chronologische Reihenfolge gut ein.

Nach dem aktuellen Stand des historischen Wissens ist es tatsächlich so, dass bei uns bereits im Mittelalter der selbstproduzierte Wein (gut verdünnt mit Wasser) das allgemeine Volksgetränk gewesen sein dürfte (vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 111), stammend aus lokal gewachsenen Trauben, die in zeitweise nicht weniger als sechs Trotten gepresst wurden (vgl. WeiachBlog Nr. 1873, s. Literatur unten).

Mit dem Aufkommen des grossen Obstbaumwaldes rund um den Dorfkern in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind auch grössere Mengen an Most angefallen, wobei das Mostobst wiederum in separaten Pressen verarbeitet und in hiesigen Gewölbekellern eingelagert wurde.

1827 wurde im Bezirk Dielsdorf nur an einem Ort gewerblich gebraut

Ausserhalb von Klosterbrauereien, wo das flüssige Brot auch in der Fastenzeit erlaubt war, wurde Bier im frühen Mittelalter in Privathaushalten für den Eigenbedarf gebraut (vgl. bier.swiss; Geschichtlicher Hintergrund). 

In grösserem Massstab war Bier – zumindest laut offiziellen Aufzeichnungen – auf der Zürcher Landschaft ein Nischenprodukt, das nur an wenigen Orten produziert wurde. Dr. h.c. Heinrich Hedinger kolportiert aus der Arbeit «Statistische Beschreibung des Ober-Amtes Regensperg im Jahr 1827», verfasst vom ehemaligen Oberamtmann Johann Rudolf Hess (1773-1839), damals habe es im späteren Bezirk Dielsdorf folgende Gewerbebetriebe gegeben: «42 Wirtschaften, dazu 12 bevorzugte Tavernen [darunter der «Sternen» in Weiach], 22 Getreidemühlen, 7 Sägereien, 6 Gipsmühlen, 5 Ölpressen, 4 Lohstampfen, 3 Metzgereien, 2 Ziegeleien sowie je 1 Bierbrauerei, Schleife und Schnapsbrennerei.» (Hedinger 1970, S. 33)

1870er: Eisenbahn und Eismaschinen befördern kleingewerbliche Blüte

Bier ist somit in Weiach – folgt man Schoellhorn – erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in (für unser Dorf) grösseren Mengen gebraut worden. Die stark verbesserten Transportmöglichkeiten (Eröffnung der Eisenbahnlinie Winterthur-Koblenz im August 1876) und die Entwicklung von Kältemaschinen zur Produktion von Eis durch Carl Linde (1871-1873; und damit die Lagerfähigkeit von vorher nur saisonal produzierbarem untergärigen Bier) haben Produktions- und Vermarktungsbedingungen geradezu revolutioniert.

Diese Aufbruchstimmung hat auch zwei lokale Unternehmer, Jakob Denzler und Rudolf Willi, Mitte der 1870er-Jahre dazu bewogen, an ihrem Wohnort je eine eigene Brauerei hochzuziehen. Die von diesen Hiesigen hergestellten Quantitäten müssen sich dennoch in engen Grenzen gehalten haben. Und nach einer kurzen Blütezeit waren die beiden Start-ups auch schon wieder Geschichte.

Dieser Artikel (WeiachBlog Nr. 2377; Einleitung) und drei unmittelbar nachfolgende Beiträge (Nr. 2378-2380) erzählen die Geschichte des Weiacher Biers.

Die Monographie von Schoellhorn

In der gedruckten Sekundärliteratur sticht ein 312 Seiten starkes Werk heraus: «Das Braugewerbe und die Brauereien des Kantons Zürich» von Fritz Schoellhorn, publiziert im Jahre 1922. 

Der I. Teil gibt eine Übersicht, der II. Teil ein Verzeichnis der Brauereien des Kantons Zürich nach Gründungsjahren geordnet. Total erfasst sind 57 Betriebe, für Weiach werden zwei genannt:

  • Nr. 36: gegründet im Jahre 1869; nähere Bezeichnung: zum Sternen; Gründer: Rudolf Willi. [Zum Gründungsjahr vgl. den WeiachBlog-Artikel Nr. 2379 vom 23.9.]
  • Nr. 43: gegründet im Jahre 1874; nähere Bezeichnung: Denzler; Gründer: Jakob Denzler. [Zur Bezeichnung vgl. den WeiachBlog-Artikel Nr. 2378 vom 22.9.]

Hauptquelle: Die Lagerbücher der Brandassekuranz 

Schoellhorn (1863-1933), seit 1890 Inhaber der Brauerei Haldengut in Winterthur und in späteren Jahren u.a. Kommandant eines Dragoner-Regiments der Schweizer Armee, dürfte direkten Zugang zu den Unterlagen der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich (GVZ) erhalten haben. 

Denn seine Hauptquelle für Weiach ist offensichtlich StAZH RR I 575.1, das erst seit 1972 im Staatsarchiv des Kantons Zürich aufbewahrte ältere der beiden Lagerbücher der kantonalen Brandassekuranz (der heutigen GVZ). Dass das Vor-Ort-Exemplar (heute im Archiv der Politischen Gemeinde Weiach; PGA Weiach IV.B.06.01) nicht Grundlage seines Textes ist, zeigt sich daran, dass Schoellhorns Darstellung über 1834 zurückreicht. Beim Weiacher Exemplar beginnen die Einträge nämlich erst mit diesem Jahr – und nicht bereits 1812 (wie im Exemplar der Assekuranzverwaltung).

Zusammenfassungen aus dem 21. Jahrhundert

Die Schoellhorn'schen Texte zu den Weiacher Brauereien wurden auf der Website biergenuss.ch wie folgt in Kurzform verpackt (Kommentar siehe die beiden separaten Artikel vom 22. und 23. September 2026):

«Brauerei zum Sternen, 1869–1894 | Beim Wirtshaus zum Sternen baute der Metzger Rudolf Willi das Schlacht- und Waschhaus zu einer Brauerei um. Das Anwesen wechselte mehrfach den Besitzer. Nicht bekannt ist, ob der Betrieb stets aufrechterhalten wurde. [S.4] Bei der letzten Aufzeichnung 1894 gehörte das Anwesen dem Metzger Rudolf Meier und der Brauofen war noch vorhanden und brandversichert.» [Irrtum beim Gründungsjahr; vgl. den WeiachBlog-Artikel vom 23.9.]

«Brauerei Denzler, 1874–1887 | Bierbrauer Jakob Denzler funktionierte den Schweinestall, den Schopfanbau, das Waschhaus und das Hühnerhaus 1874 in eine Brauerei um. Nach einigen Besitzerwechseln kaufte Rudolf Willi, der 1869 die Brauerei zum Sternen erbaut hatte, das Anwesen. Die Brauerei war 1887 noch versichert, 1892 aber als abgetragen vermerkt. Wie lange gebraut wurde, ist nicht überliefert. Jedoch handelte es sich um kleinste Mengen.» [Andere Selbstbezeichnung; vgl. den WeiachBlog-Artikel vom 22.9.]

Quellen und Literatur

  • Hess, J. R.: Statistische Beschreibung des Ober-Amtes Regensperg im Jahr 1827. (Titel + 2 Blätter Inhalts-Verzeichnis + p. 1 - 121). Teil 1 eines Sammelbandes mit Abhandlungen über vorwiegend landwirtschaftliche Gegenstände, 1778-1821. Signatur: StAZH B IX 96.
  • Schoellhorn, F.: Das Braugewerbe und die Brauereien des Kantons Zürich. Winterthur 1922. Bibliotheksnachweis, u.a.: StAZH Bib. Dg 740 – S. 261 & 268.
  • Hedinger, H.: Das Oberamt Regensberg im Jahre 1827. In: Zürcher-Chronik (Zeitschrift für zürcherische Geschichte, Heimatkunde und Bildende Kunst), Nr. 2, Juni 1970 – S. 33-35.
  • Brandenberger, U.: Als der nasse Zehnten noch auf den Weinbergen lastete. Seit über 700 Jahren werden in Weiach Reben gepflegt. Weiacher Geschichte(n) Nr. 111. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Februar 2009 – S. 16-22.
  • Ehemalige Brauereien im Zürcher Unterland – biergenuss.ch, S. 3-4; s. n, s.l., 29. Dezember 2020.
  • Brandenberger, U.: Die Trottenvielfalt im 19. Jahrhundert. WeiachBlog Nr. 1873, 28. November 2022.

Donnerstag, 3. September 2026

Einweihung Schulanlage Hofwies. Die lokalpolitische Grussadresse

Erinnern Sie sich noch, wie das war mit sechs, sieben oder acht Jahren? Sechs Wochen Sommerferien, eine schier endlose Zeit. Und jetzt stellen Sie sich sechs Monate vor. Schwer fassbar, nur schon weil sie fast zehn Prozent des eigenen Lebens ausgemacht haben.

Als Weiacher Schulkind lernte man in diesem Alter auch, dass ein Schulhaus, das man mit allen Klassenkameraden samt Lehrkräften bereits im Dezember des Vorjahres bezogen und sozusagen in Besitz genommen hat, mehr als ein halbes Jahr später (!!!) NOCH EINMAL eingeweiht werden muss. Verstehe einer diese Erwachsenenwelt. Wo bleibt da die Logik?

Ein Festschrift vom Feinsten

Aber so war es damals tatsächlich, anfangs September 1976. Heute vor 50 Jahren, am Freitag, dem 3.9., fingen die Festivitäten an. Und es gab dazu sogar eine auf feinstes Papier gedruckte Festschrift. Ganz ohne jede Werbung! So sieht das Titelblatt aus:


Anlässlich dieser Jubiläumstage republiziert WeiachBlog ausgewählte Beiträge aus dieser Broschüre. Heute: die Grussadresse der politisch Verantwortlichen, d.h. Gemeinderat und Primarschulpflege.

Willkommensgruss
zur Einweihung der neuen Schulanlage Hofwies

Nun ist der Tag gekommen, an dem wir das neue Schulhaus samt Turnhalle und Nebengebäude auch der Öffentlichkeit vorstellen dürfen.

Dieses Bauwerk, das durch grosse finanzielle Opfer der Gemeinde und des Staates ermöglicht wurde, stellt einen Markstein in der Geschichte unserer Gemeinde dar. Wir dürfen heute mit Genugtuung feststellen, dass sich die vielen Mühen und Arbeiten gelohnt haben. Zwar werden noch manche Steuerbatzen nötig sein, bis die Restschuld getilgt ist. Doch für die Ausbildung unserer Jugend und die Förderung des kulturellen Lebens sind solche Investitionen gerechtfertigt. Ist es doch nicht selbstverständlich, dass eine kleine Gemeinde zu solchen Bauvorhaben ja sagt. Für das grosse Verständnis gebührt den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern von Weiach der beste Dank.

Die Einweihung der schönen neuen Anlagen soll zu einem Freudentag für die ganze Gemeinde werden, zu einem Fest, das den guten Abschluss eines grossen Projektes bedeutet. Wir laden dazu die ganze Dorfbevölkerung, jung und alt, gross und klein, die Vertreter der kantonalen Behörden, die früheren und jetzigen Lehrkräfte, die Delegationen der Schul- und Gemeindebehörden und Gäste aus der Nachbarschaft recht herzlich ein.

Wir freuen uns, wenn wir zu diesem frohen Fest viele ehemalige Schüler von nah und fern begrüssen dürfen. Wir heissen sie bei uns besonders herzlich willkommen. Sie bekunden mit ihrem Besuch, dass sie sich immer noch mit unserer Gemeinde verbunden fühlen, wo sie einst bei uns glückliche Jugendtage und erinnerungsfrohe Schuljahre verbringen konnten.

Gerne geben wir unserem Wunsch Ausdruck, dass dieses Dorffest eine Gelegenheit bietet, einander näherzukommen und das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen der angestammten Bevölkerung und den neuen Mitbewohnern innerhalb der Dorfgemeinschaft zu fördern und zu stärken. Wir hoffen, dass dieses fortschrittliche Werk – eine Stätte der Bildung und Kultur – der jetzigen und kommenden Generation zum Nutzen und Segen gereichen wird.

Primarschulpflege und Gemeinderat

Dorffest Einweihung Hofwies sollte auch Integration fördern

Man erkennt hier, dass die Integration der Neuzuzüger schon damals ein wichtiges Anliegen der Behörden war. Und es war durchaus von Erfolg gekrönt. Ein Neuzuzüger von 1974, Gregor Trachsel, wurde später Gemeindepräsident. Einer weiterer von 1975, Armin Brandenberger, wurde Feuerwehroffizier und Oberstufenschulpfleger. Und das sind lediglich zwei willkürlich herausgepflückte Beispiele.

Quelle

  • Willkommensgruss. In: Primarschulpflege Weiach (Hrsg.): Einweihung der neuen Schulanlage Hofwies Weiach. Freitag/Samstag/Sonntag, 3./4./5. September 1976. – Festschrift. o.J. o.O., 14 unpaginierte Seiten – S. 1.