Sonntag, 12. Mai 2013

Abbruch der Waschhäuschen in der Chälen

In den «Schlussbemerkungen» zu seiner Jahreschronik 1963 kam Walter Zollinger auf die Folgen der Moderne für die Weiacher Bausubstanz zu sprechen. Aus seiner Sicht waren das keine erfreulichen Entwicklungen:

«Schade ist's, dass heutzutage dem Verkehr oder der "Bauwut" auch in unsern Bauerndörfern schon das eine oder andere "liebe, alte Hüttchen", als unnütz eingeschätzt, weichen muss. Leider ist das mit dem besten Willen einfach nicht immer aufzuhalten, und manchmal verschwindet etwas so plötzlich, ohne dass man's vorher vernehmen kann. Der Chronist hofft zwar zuversichtlich, den einen oder andern dieser heute noch stehenden "Zeugen aus alter Zeit" retten zu können; aber erzwingen lässt sich's nicht, ausser man kaufe es grad und dazu ermangelt er eben der nötigen Finanzen. Drum habe ich begonnen, solch gefährdete alte Sujets wenigstens noch im Bilde festzuhalten, solange sie noch stehen. Diese Photos werden jeweilen im Text oder auf besonderem Blatt einer Jahreschronik beigegeben. Es sind vor allem die Gemeindewaschhäuschen dem Absterben gewidmet. So sind die beiden an der Kellenstrasse, im Zuge der Errichtung der neuen Wasserleitung und der Kanalisation abgebrochen worden. Das eine, hinter der alten Schmiede gelegene, konnte ich noch vorher knipsen (siehe unten), vom Abbruch des zweiten hörte ich leider zu spät. Es stehen nun nur noch zwei solche: im Bühl gegenüber der Kirche und im Oberdorf zwischen den Häusern Zeindler und Härtsch. Auch die alte "Trotte" an der untersten Rebstrasse läuft Gefahr, umgebaut zu werden, ebenso die "Hafnerhütte" am Bach im Oberdorf. (Bilder davon siehe 1961er-Chronik)»

In der Chronik 1963 folgen diesen Zeilen vier Fotografien. Die erste davon ist nachstehend abgebildet:
Das Waschhäuschen in der unteren Chälen.
Heute befindet sich an dieser Stelle die Einmündung der Riemlistrasse in die Chälenstrasse. Rechts im Bild die Liegenschaft Chälenstrasse 4, eine ehemalige Schmiede. Im Erdgeschoss gibt es noch heute eine Art Werkstatt.

Das an der Fassade rechts der Türe angebrachte Brett ist wahrscheinlich ein Schwellbrett, mit dem der noch oberirdisch entlang der Chälenstrasse verlaufende Sägebach aufgestaut werden konnte.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 25-26. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].

Samstag, 11. Mai 2013

In memoriam Werner Attinger

Es ist mittlerweile schon sieben Jahre her, dass die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Weiach das 300-jährige Bestehen ihres Gotteshauses feiern konnte. WeiachBlog hat in diesem Zusammenhang mehrere Artikel veröffentlicht, vgl. die Liste unter http://weiachergeschichten.ch/300-jahre-kirche-weiach/. Aus diesen Beiträgen ist letztlich auch die Broschüre mit dem Titel «ein nöüer Kirchenbauw allhier zu Weyach» entstanden, die im Herbst 2006 zum Jubiläumsanlass von Ortsmuseumskommission und Kirchgemeinde gemeinsam herausgegeben wurde.

Unerwarteter Tod

Nun musste ich leider den Mitteilungen für die Gemeinde Weiach entnehmen, dass Werner Attinger, ein wichtiger Wissensträger zur Kirchengeschichte unseres Dorfes, bereits am 24. März verstorben ist (vgl. MGW Mai 2013, Zivilstandsnachrichten, S. 7: «Todesfall: 24. März; Attinger, Werner; Büelstrasse 6» [Kolon und Semikolon von WeiachBlog]).

In derselben Ausgabe der MGW (Mai 2013,  S. 16) hat der Kirchgemeinderat unter dem Titel «Wir gedenken: Werner Attinger» einen kurzen Nachruf publiziert:

«Herr Attinger war während mehr als 20 Jahren, bis in die späten 1990er Jahre, als Sigrist in unserer Kirche tätig. Nachher hat er sich bis zu seinem plötzlichen Tod Ende März hingebungsvoll um die Kirchturmuhr gekümmert. Wir verlieren in Werni Attinger einen äusserst pflichtbewussten und engagierten Menschen. Seiner Familie drücken wir unser herzlichstes Beileid aus und wünschen ihr viel Kraft und Zuversicht für die Zukunft.»

Dankbar erinnere ich mich an die grosse Hilfsbereitschaft von Werni, der mir während dem Zusammenstellen des Materials für die Broschüre und dem Verfassen der vorbereitenden Blogartikel immer wieder wertvolle Hinweise gegeben hat.

In WeiachBlog findet man sein Wirken deshalb an verschiedenen Stellen, so im Beitrag Nr. 45: «Kirchlicher Alleingang definitiv» vom Montag, 19. Dezember 2005, wo eine Wortmeldung Attingers an der Kirchgemeindeversammlung dokumentiert ist.

Wichtige Beiträge zur Kirchengeschichte

Werni ist aber vor allem im Zusammenhang mit der Kirche, beispielsweise in Bezug auf die Glocken erwähnt, wie im Artikel «Aktenzeichen «Glockensprüche 1843» ungelöst» vom Sonntag, 7. Mai 2006  [Nr. 184]: «Werner Attinger, der frühere Weiacher Sigrist und immer noch für die Glocken Verantwortliche, meinte vor ein paar Tagen, diese stammten eindeutig aus dem Jahre 1843. Die Glockensprüche seien aber schwierig zu lesen, da sie gegen den Glockenstuhl gerichtet seien und die Glocken unter Strom stünden (Stundenschlag). Aber er sei sicher, dass diese Gedichtzeilen auf den Glocken drauf seien. Er vermutet, es könnte ein älterer Spitteler sein, habe aber leider dessen Geburtsdaten nicht zur Hand.»

Vor allem aber gab Werni wertvolle Hinweise auf die Baugeschichte der Kirche Weiach, wie man im WeiachBlog-Beitrag «Die Schiessscharte unter der Kanzel» vom Freitag, 8. September 2006  [Nr. 272] nachlesen kann (samt Bildern).

Wir zitieren hier in dankbarer Erinnerung die gesamte Passage der schliesslich im Druck veröffentlichten Fassung aus der Jubiläumsbroschüre «ein nöüer Kirchenbauw allhier zu Weyach»:

«Anlässlich der Restaurierung 1967/68 wurden an der Südostwand der Kirche unter der Kanzel und an der Südwestwand im Bereich des heutigen Elektrokastens nachträglich zugemauerte mit einem Bogen verstärkte Nischen (in einem Fall mit quadratischer Öffnung) gefunden. Werner Attinger, früherer Sigrist der Kirche Weiach, deutet sie als vermauerte Schiessscharten. Von ihnen aus habe man die Feindseite der Friedhofmauern mit Feuer bestreichen können.

Aufgrund dieser Beobachtung schliesst Attinger, dass die heutige Mauer zwischen Kirche und Altem Gemeindehaus nicht von 1706 stammen kann. Sie liegt zu weit im Westen, denn von der südwestlichen Scharte in der Kirchenfassade aus würde man in den heutigen Friedhof schiessen und damit die eigenen Leute treffen. Die Scharten dieser Mauer sind überdies für knieende oder liegende Schützen konzipiert, die Scharten der anderen Mauerabschnitte und der Pfarrscheune jedoch für stehende Schützen.

Auch auf dem ältesten Ortsplänchen von Heinrich Keller (datiert auf die 1820er-Jahre, vgl. S. 10) sowie auf einem 1837/38 erstellten handkolorierten Plan des Kirchenbezirkes, der im Ortsmuseum liegt (vgl. S. 14), ist diese Mauer an anderer Lage eingezeichnet als die heutige positioniert ist.

Roland Böhmer von der Zürcher Denkmalpflege unterstützt Attingers Argumentation. Als Beleg führt er u.a. den Eintrag der Memorabilia Tigurina von 1742 zur Wehrmauer von Schönenberg an: «Die Kirche und das Pfarrhaus sind in zwey Egg der Kirch-Mauer gebauet, daraus man alle vier Seiten der Mauren füglich bestreichen, und sich darinnen im Nothfall wohl defendiren kann». Die Anlage in Schönenberg wurde 1702 ebenfalls von Werdmüller erstellt (vgl. Kasten). Dazu kommt: in Weiach liegt eine ähnliche Bausituation vor.»

Quelle des Zitats
  • Brandenberger, U.: «ein nöüer Kirchenbauw allhier zu Weyach». 300 Jahre Kirche Weiach, 1706 – 2006. Herausgegeben von der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Weiach und der Ortsmuseumskommission Weiach. Weiach 2006 – S. 13/14.

Freitag, 10. Mai 2013

Wenn Volkes Stimme Fussgängerstreifen fordert

Unter dem unspektakulären Titel «Fussgängerstreifen» teilt der Gemeinderat im neuesten Gmeindsblettli (Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Mai 2013, S. 5) nichts weniger als eine kleine Revolution mit:

«Aufgrund der Begehung der Stadlerstrasse mit Vertretern der kantonalen Bau- und Volkswirtschaftsdirektion sowie der Kantonspolizei beantragt der Gemeinderat die Planung und Erstellung eines Fussgängerstreifens mit Anpassung der bestehenden „Mittelinsel“ bei der Postautohaltestelle Gemeindehaus. Nach Aussage der kantonalen Amtsstellen können die Kosten für die Nachrüstung aufgrund von veränderten internen Vorschriften durch den Kanton übernommen werden. Die bauliche Ausführung ist im kommenden Jahr vorgesehen».

Die zebrastreifenlose Ära, die mit dem Beginn der Sanierung der Stadlerstrasse 2009 angebrochen war, geht also nach rund fünf Jahren zu Ende. Und warum? Weil einige Weiacherinnen und Weiacher hartnäckig und immer wieder einen solchen Streifen gefordert haben. Mit der Begründung, nur so seien die Schulkinder sicher.

Experten finden: es braucht keine Fussgängerstreifen

Wie man dem Beitrag «Zebrastreifen braucht es hier nicht» (WeiachBlog, 22. Januar 2010) entnehmen kann, waren 2009 die Experten des Kantons und der Unfallverhütungsstellen der Meinung, ein Zebrastreifen wirke sich nachgerade kontraproduktiv aus, er gaukle nämlich falsche Sicherheit vor. Der damalige Gemeindepräsident von Weiach glaubte, die Leute würden sich dann schon an die neue Situation gewöhnen.

Da hatte er aber den langen Schnauf einiger Eltern nicht auf der Rechnung. Schon 2009 wurden rund 80 Unterschriften für einen Zebrastreifen bei der Schule gesammelt. Und am 6. Mai 2010 setzte der Tages-Anzeiger Unterland den Titel «Weiacher kämpfen weiter für Zebrastreifen» über einen Artikel zum Thema. Spätestens da war klar, dass dieses Thema nicht so schnell vom Tisch sein würde.

Als der Tages-Anzeiger in der Regionalausgabe «Zürichsee rechtes Ufer» am 30. Dezember 2010 den Beitrag «Der Tüftler und sein Mittel gegen den Tod auf dem Zebrastreifen» veröffentlichte, haute ein Kommentarschreiber der sich «Peter Casutt» nennt, folgende Zeilen in die Tasten:

«Und der gleiche Kanton hebt nun klammheimlich Ein Fussgängerstreifen nach dem Anderen im Norden des Kantons auf (Neerach, Stadel, Weiach) mit der fadenscheinigen Begründung, dass Fussgängerstreifen eh nichts bringen und die Fussgänger gefälligst besser aufpassen sollen. JEKAMI beim Kanton, Jeder Beamte ein kleiner König!»

Das war nur einer von vielen für die Experten und den Kanton nicht sehr schmeichelhaften Kommentaren.

Forderung nach einem Zebra nicht umzubringen

In Weiach war das längst nicht das Ende der Geschichte. Das sah man auf der Website des FORUM Weiach und im Herbst letzten Jahres auch wieder in den Medien.

Da setzte nämlich der Zürcher Unterländer am 29. September 2012 einen Artikel zu einem Informationsabend der Gemeinde Weiach ins Blatt - daneben einen Kasten mit dem Titel «Zu viele Lastwagen im Dorf!» Und siehe da, die Forderung ist quicklebendig:

«Ein Weiacher forderte am Informationsabend einen Fussgängerstreifen über die Stadlerstrasse. Viele Lastwagen würden durchs Dorf fahren und das Überqueren der Strasse gefährlich machen. Stadel habe auch neue Zebrastreifen erhalten. Gemeindepräsident Paul Willi informierte den Bewohner, dass die Kantonspolizei einen möglichen Fussgängerübergang geprüft und verworfen habe. Die Kantonspolizei hätte argumentiert, dass so auch die Fussgänger in die Verantwortung genommen würden. Würden alle Verkehrsteilnehmer Vorsicht walten lassen, gäbe es weniger Unfälle.»

Ein paar Monate später ist alles ganz anders. Der Gemeinderat selber beantragt beim Kanton einen Fussgängerstreifen unter Einbezug des Designelementes Mittelinsel bei der Bushaltestelle. Und offenbar übernimmt der Kanton nun sogar die Rechnung. Wohlverstanden für etwas, was seine Experten jahrelang für unnötig, ja geradezu gefährlich hielten.

Bleibt nur noch die Frage: Was hat den Kanton zum Einlenken bewogen? Gab Stadel den Ausschlag?

Sonntag, 5. Mai 2013

Zuchthausstrafe für Unangepasste nicht verlängert

Ausgaben für die Gemeindekasse vermeiden. Das ist nicht erst heute das Ziel vieler Gemeinderäte. Das war auch 1817, vor fast 200 Jahren, nicht viel anders. Nur mit dem Unterschied, dass damals die Gemeindefinanzen wirklich arg strapaziert wurden.

Schliesslich war man gerade erst den napoleonischen Grossmachtsträumen entkommen, hatte 1816 wegen eines Vulkanausbruchs am anderen Ende der Welt ein Jahr ohne Sommer und darauf 1817 eine Hungersnot zu bewältigen. Keine gute Zeit.

Da ist es verständlich, dass die Gemeinde Weyach ein - aus heutiger rechtsstaatlicher Perspektive doch eher fragwürdiges - Ansinnen an den Kleinen Rat (heute: Regierungsrat) des Standes Zürich richtete.

Ausschweifender Lebenswandel führt ins Zuchthaus

Ohne Erfolg, wie man dem Protokoll des Kleinen Rates vom 10. Mai 1817 (StAZH MM 1.63 RRB 1817/0508; S. 176-177) entnehmen kann:

«Auf das von dem Herrn Oberamtmann von Regensperg unterm 8ten d. M. empfehlend einbegleitete Bittschreiben der Gemeinde Weyach, daß eine gewiße Verena Ritzmann, ihre Gemeindsbürgerin, welche, wegen ihres ausschweifenden Lebenswandels, sich gegenwärtig schon zum zweyten Mal im Zuchthause befindet, nun aber mit dem 18ten d. M. entlaßen, und in ihre Gemeinde zurückgeschickt werden solle, – noch länger im Zuchthause zurückbehalten werden möchte, – ist dem Herrn Oberamtmann Heß zu Handen der Gemeinde Weyach anzuzeigen, daß die Regierung nicht im Fall ist, eine richterlich ausgesprochene Strafzeit zu verlängern; und da diejenige der Ritzmann mit dem 18ten d. M. zu Ende gehet, so kann dem Begehren, sie noch länger im Zuchthause zu behalten, nicht entsprochen werden. Es muß deßnahen dem E. Stillstand und Gemeindrath zu Weyach überlaßen werden, diese Person unter möglichst strenge Aufsicht zu stellen, und sie auf diese Weise unschädlich zu machen, in so fern dieselbe aber dennoch in ihrem ausschweifenden Lebenswandel fortfahren würde, darüber Klage bey dem dortigen Amtsgericht anhängig zu machen, welchem dann überlaßen bleibt, mit einem Ansuchen um ihre Wiederaufnahme ins Zuchthaus bey der Regierung einzukommen, welches indeßen, wie in allen dergleichen Fällen, nicht anderst, als gegen Bezahlung eines nicht unbedeutenden Tischgeldes geschehen kann.»

Worin diese «Ausschweifungen» genau bestanden haben, könnte man allenfalls den Gerichtsakten und vielleicht sogar dem Stillstandsprotokoll von Weyach entnehmen (sollte letzteres noch vorhanden sein).

Weitere Zuchthaus-Aufenthalte nur gegen Bezahlung

Man darf es dem Kleinen Rat hoch anrechnen, dass er so klar für die Gewaltenteilung einsteht und nicht versucht, sich richterliche Kompetenzen anzueignen. Auch wenn das in diesem Fall bedeutet, dass die Weiacher gar keine Freude am Bescheid aus Zürich gehabt haben dürften.

Eine dritte Einweisung ins Zuchthaus könne zwar auf Anordnung des Amtsgerichts in Regensberg erfolgen, allerdings werde es dann für die Gemeinde Weiach teuer.

Wie die Angelegenheit ausging? Eine Antwort findet man vielleicht in den Archiven.

Quelle

Dienstag, 30. April 2013

Aprilwetter 1963: richtig Frühling erst ab Ende Monat

Im März vor 50 Jahren war Tauwetter angesagt (vgl. WeiachBlog vom 12.3.2013). Nach diesem harten Seegfrörni-Winter hatten die Weiacher etwas genug von der Kälte, wie man den folgenden Zeilen von Walter Zollinger entnehmen kann:

«April: Nun hätte man endlich den milden Frühling erwartet. Statt dessen bringt der April in den ersten 14 Tagen nichts als neblige, trübe Tage, oftmals sogar etwas Regen, feucht-unfreundliches Wetter! Dreimal sogar noch Reif mit Temperaturen von je -1° am Morgen. Die höchste Morgentemperatur liegt bei +8°, meist aber ist es nur zwischen +2° bis +5°. An den Nachmittagen wird's dann unter Föhneinfluss etwas wärmer, bis zu 13 1/2°C. Ab mitte Monat bessert's merklich mit der "Wärme", am Morgen meist +10°, am mittag zwischen +14° und +18°, abends zwischen 9° und 15°. Auch die Witterung hält sich jetzt ordentlich, oftmals föhnigwarme und sogar sonnige Nachmittage; dazwischen einigemal Regen, aber meist erst spätabends, des nachts oder ganz früh am Morgen. Und man ist darüber sogar froh; denn der Wind hatte in der zweiten Monatshälfte Gärten, Wiesen und Ackerland ziemlich ausgetrocknet. Gegen ende Monat "drücken" die Birnspaliere, die Aprikosen- und Pfirsichbäumchen, d.h. sie beginnen zu blühen.»

Also alles in allem gar kein so schlechter April. Da war der diesjährige mit Schnee bis in die Niederungen auch kein besseres Vorbild.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 5. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
[Veröffentlicht am 5. Mai 2013]

Mittwoch, 13. März 2013

Bäuerinnentagung mit vollem Abendprogramm

Wie stark der Gesang aus eigener Kehle im Zürcher Unterland noch vor einem halben Jahrhundert verbreitet war, zeigt ein Eintrag von Walter Zollinger in der Jahreschronik 1963. Unter dem Kapitel «Volkskundliches/Kulturelles» schreibt er:

«13. März: Tagung der Bäuerinnen von Bachs, Neerach, Stadel, Weiach im "Bahnhof"-Saal. Vortrag von Herrn Pfr. Schmutz Zumikon: "Die Frau als Priesterin im Haus". Ein für diesen Tag gebildetes "Frauenchörli" verschönert die Nachmittags-Tagung. Am Abendprogramm wirken die beiden Chöre des Dorfes und die Trachtengruppe mit.»

Das entsprechende Abendprogramm ist aus dem nachstehend abgebildeten, unmittelbar nach der letzten Typoskript-Seite eingehefteten Flugblatt ersichtlich:



Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 23 u. Flugblatt. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
[Veröffentlicht am 5. Mai 2013]

Dienstag, 12. März 2013

Märzwetter 1963: endlich taut's wieder auf

Mit dem Seegfrörni-Monat Februar war es mit dem harten Winter 1962/63 noch nicht vorbei (vgl. WeiachBlog vom 30. Januar und 7. Februar), auch die Wasserversorgung war weiter beeinträchtigt. Kein Wunder bei den arktischen Temperaturen die Anfang März noch herrschten:

«März: Er beginnt gleich mit erklecklicher Kälte, -14° am Morgen, und diese hält nun während der nächsten vier Tage noch an. Erst vom 6.3. ab mildert's: -8°, -6°, -3° und am 9.3. sogar +5°, endlich! Und jetzt bleibt's ständig über 0°, mit Ausnahme des 25.3., allwo das morgendliche Thermometer nochmals auf -5° sank und auf den Wiesen ein ziemlich starker Reif lag. Die Nachmittage zeigen eine Temperatur-Streuung von -2° bis +12°, an den Abenden jeweilen wieder um ein paar Grade weniger.

Anfangs des Monats ist alles noch steinhart gefroren, das Schmelzwasser kann dann nicht eindringen. Ab der zweiten Woche taut's auf, gibt aber einen "Dreck" auf Strassen und Plätzen, dass Gott erbarm.
»

Welche Folgen dieses Schmelzwasser hatte, wird im WeiachBlog-Beitrag vom 11. März illustriert.

«Im grossenganzen zeichnet sich der März durch wechselvolles Wetter aus:

6 sonnige Tage, aber mit Oberwind, deshalb noch kalt, 9 sonnige Nachmittage, Hochnebel an 3 ganzen Tagen und je 2 Vor- und Nachmittagen; neblige Vormittage gab es deren 7. Regen brachte der März an 4 Vormittagen und je 5 Nachmittagen und Abenden, 2x auch nachts. Trübe und bedeckt dazu waren 8 Tage. Ein einzigesmal noch fiel über nacht etwas Schnee (21./22.3.).

Am 21. März auch fing der "Mühlebrunnen" wieder an zu plätschern, nachdem er einen ganzen Monat durch nicht mehr gelaufen war.
»

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 4-5. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
[Veröffentlicht am 13. März 2013]

    Montag, 11. März 2013

    Kantonsstrasse Nr. 7 überschwemmt

    Der harte Winter 1962/63 zeitigte im Frühjahr Folgen, wie man der Jahreschronik 1963 von Walter Zollinger entnehmen kann. Auf S. 9 hat er einen Zeitungsausschnitt eingeklebt, wie bei ihm üblich leider ohne Angabe des Namens der Zeitung. Aber immerhin auf den 11.3.1963 datiert:
     

    Weiter hinten (auf S. 20) erklärt Zollinger, welche Folgen die Schneeschmelze in Weiach hatte:

    «Infolge des plötzlichen Tauwetters anfangs März musste die Strasse von Weiach gegen Glattfelden für den Verkehr kurze Zeit gesperrt werden. Die Fahrbahn war mit Schmelzwasser, Schutt und Lehm überschwemmt, sodass sie durch Feuerwehrleute der anliegenden Gemeinden zuerst wieder frei gelegt werden musste.»

    Quelle
    • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 9 & 20. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
    [Veröffentlicht am 13. März 2013]

    Samstag, 9. März 2013

    Immer noch Schüblig nach gemeinsamer GV

    Die Wurst nach erfolgreich absolviertem Vereinspflichtprogramm. Das war vor 50 Jahren in Weiach eine unbestrittene Tradition, ob nun bei den Gesangsvereinen oder beim Frauenverein. Was 1958 galt (vgl. WeiachBlog vom 5. März 2008), das traf auch fünf Jahre später zu, wie man der Jahreschronik von Walter Zollinger entnehmen kann:

    «Die G.V. der beiden Chöre wurde, wie alljährlich, gemeinsam im Sternensaal, am 9. März abends, durchgeführt. (Programm im Anhang)», steht da unter dem Kapitel Vereine und Genossenschaften.

    Hier das erwähnte Programm:



    Darin ist auch - blauviolett auf weiss - der Beweis für die Wurst-Tradition zu finden: «Nach den Vereinsgeschäften wird das obligate Schübligbankett bei gemütlichem Beisammensein abgehalten.»

    Quellen
    • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 17 & Anhang. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
    • Schüblig-Essen nach der Generalversammlung. WeiachBlog Nr. 593, 5. März 2008 
    [Veröffentlicht am 13. März 2013]

    Freitag, 1. März 2013

    Lichtbildervortrag zum Strassenverkehrsgesetz

    Dorfchronist Walter Zollinger war nicht gerade ein Freund der automobilen Moderne. Er hat die überhand nehmende Motorisierung in seinen Jahreschroniken ab 1952 immer wieder thematisiert.

    Verkehr gab regelmässig zu reden

    Besonders an «verkehrsreichen Sonntagnachmittagen» werde das Bänklein um die direkt an der Hauptstrasse Basel-Winterthur gelegene grosse Linde beim Gasthof Sternen «vom heutigen Jungvolk belagert» mit dem Ziel «ja alle vorüber¬sausenden Motorwagenarten mit „Kennermiene“ kritisieren zu können!» (Chronik 1955, Einleitung)

    Verkehr führt zu vermehrten Komplikationen auch auf dem Gebiet von Weiach: «Dass der motorisierte Strassenverkehr auch "auf dem Lande" ständig zunimmt, beweisen die ebenfalls von Jahr zu Jahr zahlreicher werdenden Verkehrsunfälle.»  (Chronik 1957)

    Die Haltung des Chronisten kommt vor allem in häufigen Einträgen wie diesem zum Ausdruck: «Ich habe ferner in meinem Notizheft vor allem den ersten Aprilsonntag, den Palmsonntag, den 24. April, den ersten Maisonntag, den Pfingstmontag, den 16. Juni (Tour de suisse) und den letzten Oktobersonntag mit dem Prädikat "arger Motorverkehr" ausgezeichnet.»  (Chronik 1960)

    Polizeidirektion als Wanderprediger

    Vor 50 Jahren war man beim Gemeinderat schliesslich der Ansicht, etwas Weiterbildung könne nicht schaden. Zumal es eine neue Rechtsgrundlage gab: das eidgenössische Strassenverkehrsgesetz (SVG) vom 19. Dezember 1958 war mit dem Gros der Artikel seit dem 1. Januar 1963 in Kraft:

    «Der stetig wachsende Strassenverkehr erfordert es, dass auch auf der Landschaft draussen den Verkehrsproblemen vermehrte Aufmerksamkeit geschenkt wird. Deshalb lud der Gemeinderat auf den 1.3. in den "Sternen" zu einem Lichtbildervortrag ein über: "Das neue Strassenverkehrsgesetz", Ref. Herr Schweizer v. d. kant. Polizeidirektion.» (Chronik 1963)

    Quelle
    • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 20. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
    [Veröffentlicht am 10. Mai 2013]