Donnerstag, 24. September 2026

Der verschwundene Eiskeller im Bedmen

Es ist schon bald ein Vierteljahrhundert her, dass der Autor dieses Beitrags im Oktober 2003 ein Gespräch mit Walter Wagner, dem letzten Wirt des Weiacher «Gasthofs zum Sternen», führen konnte. Das von Zollinger 1972 in seiner «Chronik» erwähnte, längst verschwundene «Restaurant Brauerei» sei das Haus der Familie Troxler an der Kaiserstuhlerstrasse 29a/b. 

Im Hang hinter diesem Haus – also dort, wo sich heute das Doppeleinfamilienhaus Haslistrasse 3/5 sowie die sechs Reiheneinfamilienhäuser Haslistrasse 7/9/11/13/15/17 samt gemeinsamer Tiefgarage befinden – solle es einen tiefen Gewölbekeller gegeben haben. Dölf Bütler wisse viel darüber.

Der Hauseigentümer muss sich auf Dritte stützen

Hauseigentümer Josef Troxler selber erinnerte sich im Februar 2007, der frühere Keller im Berg drin sei gemauert gewesen, offenbar Backsteingewölbe. Und wenn es lange geregnet habe, dann habe es zwischen den Steinen herausgetropft. Von einer Brauerei im Haus selber habe ihnen niemand etwas erzählt, nur dass der Keller im Berg als Eiskeller für Bier genutzt worden sei. Letzteres erfuhr Troxler von der Erbengemeinschaft Gut-Willi.

Nachdem ich diese in den Tiefen meiner Festplatten schlummernde Mosaiksteine wieder ausgegraben hatte, ging es daran, den erwähnten Adolf Bütler, alt Wirt des Restaurants Wiesental, zu befragen.

Nachnutzung als landwirtschaftlicher Lagerraum

Dölf (*1932) erinnert sich tatsächlich noch relativ gut, auch wenn er selbstironisch meint, er habe vieles vergessen und es sei nicht mehr die Zeit Rekorde aufstellen zu wollen.

Der Gewölbekeller sei – entgegen dem was Troxler erzählte – nur vorne beim Eingang etwas undicht gewesen, im hinteren Teil aber trocken, der Humus auf dem Keller habe das Wasser aufgesogen und das aus Ziegelsteinen gemauerte Gewölbe habe gehalten. 

Es sei 15 bis 20 Meter lang gewesen und etwa ebenso breit, fast ein quadratischer Grundriss ohne grosse Abstützungen, teilweise sei es wohl auch in den Hang hinein gebaut gewesen. Also weitgehend im Freien gebaut und dann mutmasslich mit Erde überdeckt um den Isolationseffekt zu erzielen.

Der Keller wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der Familie Bütler (Rest. Wiesental) als frostsicheres Winterlager für Runkelrüben genutzt. Diese hätten sie jeden Tag dort geholt und zu Futter für das Rindvieh in ihrem Stall an der Kaiserstuhlerstrasse 15 verarbeitet. Auch Saatkartoffeln hätten sie dort eingelagert.

Genauer Standort

Man sieht den Keller auf der LK 1:25'000 zw. 1956 und 1993 (Karte links; Standort: Zentrum des roten Kreises). Er muss in den 1980er-Jahren abgebrochen worden sein, da die REFH hinter Kaiserstuhlerstr. 29a laut der Karte rechts (Gebäudealter) das Baujahr 1989 haben. Und ein Teil des früheren Kellers sonst unter Nr. 11 liegen würde.

Mutmasslich hat also auch Zollinger (ab 1919 in Weiach) das Rest. Brauerei nie selber gesehen, möglicherweise aber den Eiskeller der Brauerei.

Quellen und Literatur

  • Landeskarte der Schweiz, 1:25'000, Blatt 1051 Eglisau.
  • Zollinger, W.: Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach. (Chronik Weiach. 1271-1971). Hrsg.: Gemeinderat Weiach. 1. Auflage 1972; 2., ergänzte Auflage 1984 – S. 58.
  • Gespräch des Autors mit Walter Wagner, alt Sternenwirt, am 14. Oktober 2003.
  • Gespräch des Autors mit Josef Troxler, pensioniert, früher Inhaber der Firma ABAG Feuerlöscher (damals Sitz in Glattfelden), am 20. Februar 2007.
  • Gespräch des Autors mit Adolf Bütler, alt Wiesentalwirt, am 23. September 2026.

Keine Kommentare: